Die Natur und Bäume in der Stadt

Der Wald war im Mittelalter ein Symbol für das Mysteriöse und Gefährliche. Heute gilt er als Rückzugsort, der dem Menschen ein reines Naturerlebnis näherbringt.

Die Lebensqualität der heutigen  Stadt, Erholungsflächen und die Möglichkeit zum Kontakt mit der Natur sollen in zumutbarer Entfernung zur Wohnung liegen.

Als Schutz- und Gemeinschaftssymbol hat der Baum ausserdem eine soziale Funktion wie etwa bei der mittelalterlichen Gerichtslinde, beim Aufrichtebaum am Richtfest oder beim Freiheits-, Mai- oder Weihnachtsbaum.

Bern. Foto: TES.

Die Bedeutung des Stadtbaums

Die Bedeutung des Stadtbaums steht eng mit seiner Herkunft aus dem Wald in Verbindung. Daraus haben sich viele Mythen entwickelt, denn unser Leben ist ohne Bäume nicht möglich.

Die Ausstellung, die dem Baum im Kontext von  tausend Jahren Basler Stadtgeschichte gewidmet ist, bringt dies zum Ausdruck. In den unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklung steht der Baum als Mittel der Stadtverschönerung, als Ausdruck des Zeitgeists und als Gestaltungsform in Grünanlagen im Zentrum.

In welchen anderen Städten referiert die Stadtgärtnerei über die Philosophie ? Es zeugt von grossem Respekt vor der Natur.

Die prachtvollsten Blumen blühen oft ins Verborgene. Japanisches Sprichwort

Gärtnerei in Basel. Foto TES

Erst die Umnutzungen von Friedhöfen und das Schleifen der Stadtmauern im 19. Jahrhundert verbinden die Idee städtischer Grünanlagen mit der architektonischen Aussage neuer Städteplanung, die heute unter den Vorzeichen der Klimaerwärmung steht.

Die Ausstellung Bäume in Basel – Das Grün im urbanen Wandel machte die geschichtliche Entwicklung der Natur beziehungsweise der Flora in der Stadt bis in die heutige Zeit erlebbar.

Die Beziehung zwischen Holz, Bäumen und der Stadt ist auch im Museum omnipräsent. Das alte spätromanische Glücksrad des Basler  Münsters ist aus Eichenholz gefertigt. Das Holz ist auf die 1220er Jahre datiert.

Die alte Universität und der bonatische Garten. Foto: TES

Alter der Botanik

Im geistig-kulturellen Aufbruch zu Beginn der Neuzeit (um 1500) verändert sich das Erscheinungsbild der Stadt. Gelehrte und Unternehmer mit internationalen Beziehungen fördern den Wandel Basels in eine bedeutende Stadt. Die Erforschung der Botanik war noch eng mit Belangen der Pharmakologie, der Medizin und des Gartenbaus verbunden und drückte sich 1460 in der Gründung der Basler Universität aus.

Befördert durch den aufkommenden Buchdruck und die berühmte Qualität des Papiers aus ihren Papiermühlen (siehe auch: www.papiermuseum.ch) wurde die Stadt zu einer der führenden Gelehrtenstädte Europas. Basel, als humanistische Stadt der Gelehrten und Kaufleute, hat auch die europäische Botanik geprägt.

Renaissance

Frühe Privatgärten entstehen nach italienischen Vorbildern. Die Lust auf frische Luft in den Landschaften vor den Stadttoren führt zu ersten Hofgütern und Sommersitzen bis nach Riehen. In den verschiedenen Phasen der Stadtentwicklung wird der Baum bereits früh als Mittel zur Stadtverschönerung erkannt.

Barock und Rokoko

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen die Barock-Landgüter (die Villa Merian und der Wenkenhof zum Beispiel) vor der Stadt die goldene Zeit der Basler Baukultur. Sie sind Ausdruck eines neuen Gestaltungswillens mit Elementen der Natur und lassen in den Gärten Übergänge zum Rokoko sowie zum Stil des englischen Landschaftsgartens erkennen.

Angetrieben von philosophischen Fragen um Fortschritt, Kultur und Kunst bilden sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts viele neue Facetten der Beziehung zwischen Mensch und Natur im 19. Jahrhundert heraus.

Basels Wohn- und Gartenkultur wird im 18. und 19. Jahrhundert von neuen Baumimporten, wie auch von blütenreichen Topfpflanzen geprägt. Eine neue Gartenbegeisterung, Blumendekor im Haus und die Gartenstile der Zeit vom Barock über das Rokoko bis zu den romantischen Anlagen im englischen Stil in herrschaftlichen Privatgärten legen die Grundlagen für spätere öffentliche Grünräume. Gleichzeitig drängen stadthygienische Probleme auf neue Lösungen.

Die neue räumliche Ordnung 

Nicht nur eröffnen freiwerdende Begräbnisflächen die Möglichkeit für erste städtische Grünanlagen, sondern schaffen auch Promenadenanlagen entlang der ehemaligen Stadtmauern die Voraussetzungen für eine neue räumliche Ordnung in der Stadt.

Basel. der Rheinufer. Foto: TES

Umwidmungen und Nutzungsänderungen an nicht bebauten Flächen prägen den Übergang ins 20. Jahrhundert. Stadtbäume und Haine erinnern noch heute an ihre einstige Bedeutung für kirchliche Institutionen. Basel richtet sich im Zeichen des Fortschritts und der Bevölkerungszunahme städtebaulich neu aus.

Die Gartenstadt

Um 1898 regen andere Vorstellungen zum Umdenken in der Stadtplanung an, wodurch auch in Basel das Bedürfnis nach mehr privatem Grün, Haus und Familiengärten zunimmt. Die Idee der Gartenstadt wurde in der Schweiz erstmals 1912 in Münchenstein umgesetzt.

Die Moderne Stadt

Heute sind Parks und Grünanlagen oft mit Kunstwerken und Spielplatzbauten bereichert. Seit jeher ist der Baum Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Die Stadtentwicklung spiegelt sich in neu ausgewiesenen Grünflächen und in 27 000 von der Stadtgärtnerei gepflegten Bäumen wider.

Das Motto: Ein gesunder Baum bedeutet eine gesunde Stadt.

(Quelle und weitere Informationen: www.mkk.ch).

Korrektorin: Petra Ehrisman

Die Kastanienbäume auf dem Münsterplatz.

Die Pässe im Jura, Kienberg und die Klarissen von Erlinsbach

Der Gotthardpass, der Simplonpass, der Grosse St. Bernhardpass, der Malojapass, der Julierpass oder der Ofenpass: Dies sind nur einige bekannte Namen der vielen Pässe in und über die Schweizer Alpen.

Aber wer kennt La Vue des Alpes, den Col du Chasseral, den Col de Pierre Pertuis, den Col du Mont D’orzeires, das Benkerjoch, die Wasserflue oder die Saalhöhe in den Kantonen Bern, Neuenburg, Waadt, Jura, Basel-Landschaft und Aargau sowie einige der vielen Pässe im Jura?

La Vue des Alpes, Kanton Neuenburg

Für die Bewohner und Bewohnerinnen dieser Kantone sind  es viel genutzte Verkehrswege. Ausserhalb der Kantone sind sie kaum bekannt. Das gilt für viele Schweizerinnen und Schweizer, aber auch für die meisten Ausländerinnen und Ausländer.

Der Kienberg und seine Ruine

Die Höhe der Pässe (zwischen 600 und 1500 Metern) ist weniger spektakulär als die der Alpenpässe, aber ihre Aussichten und Landschaften haben eine eigene Schönheit. Ausserdem waren diese Pässe schon immer wichtig für Handel, militärische Operationen, Pilger, Diplomaten, Päpste, Bischöfe, Reisende oder die Engländer auf ihrer Grand Tour.

Die Klarissen von Erlinsbach

Im August 2011 haben die Clara-Schwestern das Haus übernommen. Bereits 1349 haben die Schwestern der heiligen Clara in Erlinsbach eine wichtige Rolle gespielt, da die Klarissen von Königsfelden hier einen grossen Gutshof von den Einsiedler Benediktinern übernahmen. Hier stand das bereits 1375 erwähnte dem heiligen Laurentius geweihte Kirchlein. Neben dieser Quelle entsprang eine Heilquelle, die als Laurenzenbrunnen bekannt ist. Die Quelle wurde auch als Thermalbad genutzt und ein Grossteil der heutigen Gebäude wurde 1839 als Kur- und Badehaus errichtet. 1908 erhielt der Komplex eine neue Nutzung als Krankenheim, aber der Laurenzenbrunnen versorgt die ganze Gemeinde Erlinsbach noch immer mit Trinkwasser. 

Die Saalhöhe

Ein Beispiel ist die 621 Meter hohe Staffelegg im Kanton Aargau. Dieser Pass verbindet das Fricktal mit der Stadt Aarau. Eine gut sechs Kilometer lange Wanderung führt vom Pass durch den Jurapark Aargau zur Saalhöhe (787 Meter). Die Saalhöhe bildet die Grenze zwischen den drei Kantonen Solothurn, Basel-Landschaft und Aargau.

Saalhöhe

Die Aussicht auf das Fricktal, den Schwarzwald und die Alpen ist atemberaubend und mit etwas Glück lassen sich sogar Gämsen beobachten. Ausserdem bildete dieses Gebiet jahrhundertelang die Grenze zwischen Habsburg-Österreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Es ist heute kaum vorstellbar, aber bis 1803 war das Benkerjoch (847 m) der Grenzübergang bei Küttingen und Oberhof, nahe der Saalhöhe, zwischen Habsburg-Österreich und dem Kanton Bern. Dieses Gebiet, das Fricktal, war seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Habsburger.

Kanton Bern und die Habsburger

Daran änderte auch die Eroberung des Aargaus durch die damalige Eidgenossenschaft im Jahr 1415 nichts.  Davon ist auf dem Spaziergang nichts zu sehen, ausser dem Wappen des Kantons Bern, das sich hinter einer grossen Buche auf der Saalhöhe versteckt. Aus diesem Grund ist das Fricktal im Gegensatz zu den anderen Gebieten des Aargaus katholisch geblieben.

Selbst eine dicke Wolkendecke tut der Schönheit der Landschaft, des Naturparks mit  seinen mittelalterlichen Dörfern, Schlössern und der reichen Flora und Fauna keinen Abbruch. Sie kitzelt sogar die Phantasie der Alpenriesen, die man bei klarem Wetter gut erkennen kann.

Jurapark Aargau, Fricktal, der Staffeleggpas. 

Erlinsbach, Kantone Solothurn und Aargau

 

Der Schweizer Alpen-Club

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

De Moiren Stiftung

De Moiren Stiftung

Eindrücke aus Kienberg (Kanton Solothurn)

   

Die Pauluskirche, St. Antoniuskirche und Badische Bahnhof in Basel

Innerhalb von 50 Jahren stieg die Einwohnerzahl Basels von 30 000 im Jahr 1850 auf über 100 000 um 1900. Die Stadt erweiterte und plante Quartiere für verschiedene Zielgruppen. Mietshäuser für Arbeiter, Häuser mit Geschäftsräumen für die Mittelschicht und exklusive Wohnhäuser für Wohlhabende.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet um die Pauluskirche für das wohlhabende Bürgertum angelegt. Es gab keine Villen, sondern grosse Häuser mit Gärten. In diesem neuen Viertel sollte es auch ein evangelisch-reformiertes Zentrum geben, die Pauluskirche.

Die Pauluskirche

Die Architekten Karl Moser (1860-1936) und Robert Curiel (1859-1925) wurden beauftragt. Mehrere lokale Künstler haben die Glasfenster, Skulpturen, Dekorationen und andere Reliefs gestaltet. Sie sieht fast aus wie ein Kloster!

Der Bau der Kirche wurde 1901 abgeschlossen. Das erste Bemerkenswerte ist die religiöse Skulptur von Menschen in dieser evangelischen Kirche. Die romanische, gotische und jugendstilähnliche Dekoration sowie der Zentralbau sind ebenfalls etwas Besonderes.

Dies sind typisch katholische Merkmale. Auch das grosse gotische Fenster erinnert an eine katholische Kirche. Die üppigen Jugendstilfiguren und -Motive entsprechen dem Zeitgeist, sind jedoch für einen Sakralbau der damaligen Zeit bemerkenswert.

Das Ergebnis war jedoch ein klarer Stil, in den richtigen Proportionen, massvoll und subtil. Die Kirche war so beliebt, dass sich mehrere Häuser in der unmittelbaren Umgebung ihrem Baustil anpassten. Fünfundzwanzig Jahre später fand in Dornach, in der Nähe des Goetheanums, eine ähnliche Entwicklung statt, nur in viel grösserem Massstab und im Art-déco-Stil.

Seit 2019 hat die St.-Paulus-Kirche keine religiöse Funktion mehr, und seit 2021 ist sie offiziell ein Kulturzentrum, das aufgrund ihrer guten Akustik und besonderer Architektur auch für musikalische Aufführungen genutzt wird. 

Die gelungene Architektur und Dekoration sowie die prominente Lage prägen noch heute das Bild dieses Viertels, daher der Name Paulusviertel. Es ist klar, was die Architekten der umliegenden Häuser inspiriert hat. 

Jedenfalls ist es im 20. Jahrhundert nicht oft vorgekommen, dass ein religiöses Gebäude für die Architektur und den Stil eines Wohnviertels tonangebend war. Das mag nicht ausgereicht haben, um Gläubige zu begeistern, aber religiös inspirierte Gesänge sind dort noch häufig zu hören. Er war denn auch kein konventioneller Architekt. Er baute 1927 eine völlig andere katholische Kirche!

Die Antoniuskirche

Karl Moser, die Antoniuskirche, erbaut 1927.  Die erste Kirche in der Schweiz aus Beton. Die Glasfenster sind von Hans Stocker (1896–1983) und Otto Staiger (1894–1967), die Skulptur von Max Uehlinger (1894–1981).

Badischer Bahnhof Basel

Karl Moser und wieder etwas ganz anderes. Badischer Bahnhof Basel, 1913, und Carl Burckhardt (1878-1923), die Brunnengruppe ‚Rhein und Wiese‘, 1921.

Quelle und weitere Informationen: Kulturkirche Paulus

Korrektorin: Petra Ehrismann

Ein kleines Fenster und die Geschichte von Rheinfelden

Im Frühjahr 1802 verliess der letzte österreichische Garnisonskommandant Rheinfelden. Damit ging eine mehr als 450‑jährige habsburgisch‑österreichische Herrschaft zu Ende. Zwar hatten die Eidgenossen bereits 1415 den Aargau und die Burg Habsburg von den Habsburgern erobert, doch das Fricktal blieb bis zur Zuweisung an den neu geschaffenen Kanton Aargau im Rahmen der Mediationsakte von 1803 habsburgisch.

Diese Mediationsakte wurde von Napoleon zusammen mit den alten Kantonen ausgearbeitet, nachdem die französische Besetzung 1798 zur Aufhebung der alten Eidgenossenschaft und zur Errichtung der Helvetischen Republik (1798–1803) geführt hatte. Ab 1803 existierten zwei Rheinfelden: eines im Kanton Aargau am linken Rheinufer und eines deutsches Rheinfelden am rechten Rheinufer.

Das erste Kapuzinerkloster wurde 1598 ausserhalb der Stadt geweiht und 1657 in der Stadt neu aufgebaut. Das Kloster wurde 1804 durch den Kanton Aargau aufgehoben.

Trotz des Abzugs der letzten österreichischen Soldaten im Jahr 1802 ist das österreichische Wappen an vielen Orten in Rheinfelden (und an anderen Orten der Eidgenossenschaft) bis heute prominent sichtbar. So auch an der Fassade des Commandantenhauses, der ehemaligen Residenz des Garnisonskommandanten.

Gustav Kalenbach-Schröter (1821–1901), rechts das Commandantenhaus, links die Kapuzinerkirche. Sammlung: Fricktaler Museum, Rheinfelden

Die ersten Fundamente des Commandantenhauses stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dieser Standort war damals Teil der Stadterweiterung und wurde mit Häusern aus Stein für den Adel und das wohlhabende Bürgertum bebaut. Im Jahr 1613 fand eine umfassende Renovierung des Commandantenhauses statt. Aus dieser Zeit sind prächtige spätrenaissancezeitliche Fresken und Balkenmalereien erhalten geblieben.

Die Decke im Erdgeschoss

Wahrscheinlich gibt es noch weitere Wandmalereien, unter anderem an der Aussenwand des Commandantenhauses, also an einer Wand des verschwundenen Hauses. Diese blieben jedoch vorerst unter verschiedenen Farb- und Kalklagen erhalten.

Diese wurden im Jahr 2003 bei einer Renovierung wieder freigelegt und dokumentiert. Zudem konnten Fachleute nachweisen, dass das Haus ursprünglich deutlich grösser war und erst im 19. Jahrhundert in zwei Gebäude aufgeteilt wurde.

Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen war jedoch ein romanisches Fenster aus dem 13. Jahrhundert. Dieses Fenster wurde bei der Renovierung eines Pfeilers des Commandantenhauses entdeckt.

Der Pfeiler war ursprünglich Teil der Mauer eines Hauses aus dem 13. Jahrhundert, das später – möglicherweise infolge der Zerstörungen während der Belagerung von 1634 – abgebrochen wurde. Lediglich der Pfeiler mit dem Fenster blieb als tragende Mauer des Commandantenhauses erhalten.

Das Garnisonsbackhaus in der gleichen Strasse wurde 1732 errichtet.

Ein Fenster in einem solchen Stützpfeiler wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, erklärt sich jedoch dadurch, dass es ursprünglich in der Mauer eines später abgebrochenen Hauses angebracht war. Die prachtvollen Fresken und Deckenmalereien wurden teilweise im ursprünglichen Zustand belassen, teilweise restauriert.

Das Fenster ist das am besten erhaltene romanische Bogenfenster im Kanton Aargau. Es zeigt Lilien sowie zwei Säulen mit Fabeltieren. Besonders interessant ist auch der gotische Spitzbogen, der später – möglicherweise nach dem Erdbeben von 1356 – den romanischen Rundbogen ersetzte. In einer späteren Phase wurde das Fenster zu einer schmalen Öffnung verkleinert. Diese drei Baustile sind jedoch erhalten geblieben und werden seit der Restaurierung von 2003 gemeinsam präsentiert.

Das Commandantenhaus heute

Auch die Lage des Commandantenhauses ist aus einem weiteren Grund interessant. Bis 1657 lag das Haus an der Neugasse, auch Neustadt genannt, einer Stadterweiterung Rheinfeldens. Ab 1657 erhielt die Strasse jedoch den Namen Kapuzinergasse, benannt nach dem Bau des Kapuzinerklosters und der Klosterkirche. Das frühere Kloster ausserhalb von Rheinfelden war während der (schwedischen) Belagerung von 1634 im Dreissigjährigen Krieg zerstört worden und wurde in der Stadt neu erbaut.

Das heutige Commandantenhaus weist in Bezug auf die Fassade weitgehend noch das Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts auf (abgesehen von der späteren Teilung in zwei Häuser). Das Innere ist heute als Atelier und als modernes gestaltetes Wohnhaus eingerichtet, wobei die historischen Fresken und Deckenmalereien erhalten sind.

(Quelle und weitere Informationen: H. Leuzinger (Red.), Zeuge der Frühzeit von Rheinfelden und repräsentativer Bau der Spätrenaissance, Rheinfelden 2008)

 Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Ein digitales Laternenmuseum der Fasnacht

Die Basler Fasnacht ist wieder vorbei. Eine Fasnachtschronik über Sujets bleibt jedoch für Historiker interessant, denn sie bietet Einblicke in die (internationale) Politik und (regionale und nationale) Themen im Laufe der Zeit und das umfasst mittlerweile über 150 illustre Jahre.

Die Laternen und Themen (und natürlich ganz explizit und scharfzüngig die Schnitzelbängg) geben einen Eindruck davon. Sie sind ein Spiegelbild des Zeitgeistes und der Gesellschaft.

Ein Eindruck der Sujets auf dem Münsterplatz am 24. Februar 2026

 

  

 

  

 

  

Basel, der Basilisk, seine Legende und die Wettsteinbrücke

Basel ist eine Stadt mit Hunderten von Wasserbrunnen und eine Stadt der Basilisken. Der Basilisk ist ein mythologisches Geschöpf aus dem antiken Griechenland, halb Hahn, halb Schlange. Er hat, der Legende nach, auch ein Zuhause in Basel gefunden.

Der Gerberbrunnen

„In dieses Brunnens dunklem Grund haust‘ einst – die Sage tut‘s uns kund – der Basilisk, ein Untier wild. Heut hält er Basels Wappenschild. D‘rauf ward hier ein Gericht gehegt, auch Tanz und Minnesang gepflegt; vom Zunfthaus, das beim Quell dann stand, ward Gerberbrunnen er genannt. Nachdem versiegt er manches Jahr, strömt heut‘ er wieder voll und klar. Kein Drach‘ mehr sinnt in ihm auf Mord, doch lebt ein andrer Drache fort. O Basel, mach‘ von ihm dich frei: der Zwietracht tritt den Kopf entzwei!“

Diese Kreatur konnte mit ihrem Blick töten und wer in ihre Fussstapfen trat, wurde versengt. Der einzige Schutz bestand darin, dieser Kreatur einen Spiegel vorzuhalten, sodass sie auf der Stelle tot umfiel, oder sie aus dem Sonnenlicht fernzuhalten, da ihre Kräfte nur im Licht wirkten.

Der Basilisk findet man als Träger des Stadtwappens und als Wächter von Brücken und Wasserbrunnen. Eine bemerkenswerte Erscheinung sind die Basiliskenbrunnen, die 1884 von Wilhelm Bubeck (1851-1890) geschaffen wurden. Das Stadtwappen in Bronze und sogar ein Trinkschälchen für Tiere am Fusse des Sockels sind wesentliche Merkmale.

Augustinergasse

Das Wasser kommt aus dem Maul. Insgesamt wurden 39 hergestellt; heute sind es noch 28. Sie sind über die ganze Stadt und entlang des Rheinufers zu finden.

Die Wettsteinbrücke und ihre Basilisken

 Die Wettsteinbrücke, benannt nach einem Bürgermeister von Basel (Johann Rudolf Wettstein, 1594–1666), wurde am 7. Juni 1879 fertiggestellt. Das rasche Wachstum von Handel und Bevölkerung in Gross- und Kleinbasel machte eine zweite Brücke über den Rhein notwendig. Der vermehrte Autoverkehr und der Bau einer Strassenbahn führten 1939 zu einer ersten Verbreiterung der Brücke.

Fasnacht 2023

Die vier Basilisken, die den Zugang auf beiden Rheinseiten bewachten, wurden entfernt. Dies führte zu einer Diaspora der Basilisken. Ein Basilisk landete im Tierpark Lange Erlen in Basel, der zweite auf einem Hof in Basel und ein dritter in Meggen am Vierwaldstättersee.

Auch der vierte Basilisk ging ins Exil, doch seit der Renovation und der zweiten Verbreiterung der Brücke im Jahr 1996 bewacht er wieder das Rheinufer auf der Seite Grossbasels.

Lektorat und Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Die vergessene Legende von Basel, ein Werk von Damien Fontaine in der Elisabethenkirche, von 19. Januar zum 18. Februar 2026.

Der Basilisk, Fasnacht 2026

850 Jahre Rheinfelden

Die Stadt Rheinfelden (Kanton Aargau) wurde im Jahr 1130 von den Herzögen von Zähringen gegründet. Im Jahr 1218 erhielt die Stadt den Status der Reichsunmittelbarkeit. Sie unterstand direkt dem Kaiser.

Das Rathaus

Zehn Städte stifteten 1980 eine Gedenktafel zur 850-Jahr-Feier der Stadt. Sie ist im Rathaus zu finden. Die Platte zeigt das Wappen der Herzöge von Zähringen, das von den Wappen der zehn Städte umgeben ist: Bern, Thun, Fribourg und Murten in der Schweiz sowie Neuenburg am Rhein, Freiburg im Breisgau, Burgdorf, St. Peter, Bräunlingen und Villingen in Deutschland.

Geschenk der Bürgerschaft beider Rheinfelden (Baden und Aargau) zur 850-Jahr-Feier der Stadt Rheinfelden 1130-1980

Nachdem das Rathaus 1531 abgebrannt war, wurde es neu aufgebaut. Der Turm stammt aus der Zähringerzeit. Die barocke Fassade aus dem 18. Jahrhundert zeigt die Wappen von Österreich, der Grafschaft Hauenstein, Laufenburg, Säckingen, Rheinfelden sowie des Geschlechts der Truchsessen. Rheinfelden gehörte bis 1803 den Habsburgern. 

Die Burg von Rheinfelden

Agnes von Rheinfelden

Erwähnenswert ist Agnes von Rheinfelden (1065-1111), Tochter von Rudolf von Rheinfelden (1025-1080) und Ehefrau des Herzogs Bertold II. von Zähringen, Herzog von Schwaben (1050–1111).

Im Jahr 1080 verlor Rudolf nicht nur eine Schlacht, sondern auch eine Hand, sein Leben und eine Krone, die er vergeblich begehrte. Zu seinem Gedenken gründete Agnes das Kloster St. Peter im Schwarzwald in Deutschland. Dieses Kloster wurde zur letzten Ruhestätte der Zähringer. Die Skulptur der Agnes, die verlorene Krone und die Hand auf der Felseninsel symbolisieren diese Geschichte.

Badekultur in Rheinfelden

(Quelle und weitere Informationen: www.tourismus-rheinfelden.ch)

Eindrücke aus Rheinfelden

Die ‚Kastanienallee‘

Bis 1976 auf der Heuwaage in Basel

Die Feldschlössenen Brauerei

Die St. Martinskirche

Commandantenhaus mit dem Fenster (r),  Kapuzinerkirche (l)

Das ehemalige Garnisonsbackhaus

Die Stadtmauer und der Kupferturm 

Der Obertorturm

Goldener Adler mit österreichischem Doppeladler

Der Albrechtsbrunnen. Stock und Standbild eines Bannerträgers von 1541. Später nach Herzog Albrecht von Österreich (1397-1439) benannt.

Die Sage vom Schneider erzählt, wie dieser während einer schwedischen Belagerung im Dreissigjährigen Krieg die Stadt rettete, indem er sich in das Fell des letzten Ziegenbocks nähte und meckernd auf der Mauer spazierte. Die Schweden dachten, die Stadt sei noch wohlversorgt, und brachen die Belagerung ab. Die Ziegen sind heute an der Stadtmauer zu besichtigen.

Die Gottesackerkapelle (1598)

Ehemalige Zehntenscheune und Stiftgarten

Römer, Fasnacht und das Antikenmuseum Basel

Es sind verwirrende Zeiten für die Römer. Julius Caesar marschierte im Jahr 2023 mit seinen Legionen durch die Strassen von Basel, damals besser bekannt – oder besser gesagt unbekannt – als Basilia, eine keltische Siedlung auf dem Münsterhügel und bei der alten Gasanstalt. Caesar (100–44 v. Chr.) gründete im Jahr 44 v. Chr. die Colonia Augusta Raurica und die Colonia Julia Equestris (Nyon) oder hatte wahrscheinlich den Auftrag dazu erteilt.

Fasnacht 2023

Augusta Raurica, einst eine der grössten römischen Städte nördlich der Alpen, besteht heute aus zwei Dörfern, Augst und Kaiseraugst, die zudem in zwei verschiedenen Kantonen liegen: Basel-Stadt und Aargau.

Ausserdem ist ihr Erbe nicht nach ihm benannt (Caesar oder Kaiser), sondern nach den späteren Habsburger Kaisern, die bis 1803 Kaiseraugst regierten, zur Unterscheidung von Augst, das nach Augustus (63 v. Chr.–14 n. Chr., dem Nachfolger und Adoptivsohn von Caesar) benannt ist. Augst gehörte bis 1833 zum Kanton Basel, seitdem ist es Teil des Kantons Basel-Landschaft.

Fasnacht 2025

Die römische Legion, die im Jahr 2025 die Mittlere Brücke überquerte, verstand die Inschrift „800 Joor Rybrugg“ oder diese alemannische Sprache überhaupt nicht. Zu ihrer Zeit gab es nämlich nur eine einzige Brücke über den Rhein, und sie befand sich bei Augusta Raurica!

Um die Verwirrung bei den Römern komplett zu machen, stellte sich heraus, dass die griechische Mythologie in Basel nicht nur lebendig ist, sondern im Antikenmuseum Basel auch neue Dämonen und Helden auftreten.

Eine neue Heldin im Antikenmuseum

Die Römer waren mit der griechischen Mythologie aufgewachsen, und griechische Helden waren auch ihre Helden, wie im Antikenmuseum bis zum 29. März zu sehen sind. Die Einführung einer neuen Heldin inmitten neuer Dämonen wäre ihnen jedoch fremd gewesen. Es bleibt auch die Frage, wie Caesar die heutigen Machthaber in ihm damals unbekannten Amerika und Russland beurteilen würde.

Wie dem auch sei, zum Glück war Kunsthistoriker Mike Stoll im Antikenmuseum anwesend, um die Beziehung zwischen den Römern und der Fasnacht näher zu erläutern. Mit seiner Eloquenz und seinem Wissen gelang es ihm, einen Zusammenhang zwischen den römischen Saturnalia, dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 und der Basler Fasnacht herzustellen.

Mythos oder nicht, seine Erläuterung über die Entstehung und Entwicklung der Basler Fasnacht (23.–25. Februar 2026) als UNESCO-Weltkulturerbe beschränkte sich nicht nur auf die Römerzeit, sondern war unter dem wachsamen Auge von Dionysos/Bacchus, anderen Göttern und ihren Helden umfassend.

Die Fasnacht-Veranstaltung im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig fand im Rahmen des sechzigjährigen Bestehens des Museums statt. Und das ist kein Mythos.

(Quelle und weitere Informationen: Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig)

Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Zwei Mönche und ein Mandala am Rhein in Kaiseraugst

Das Musée d’art aborigène australien „La grange“ in Môtiers (Kanton Neuchâtel), die Fondation Opale in Lens (Kanton Wallis), das Musée cantonal d’archéologie et d’histoire in Palais de Rumine in Lausanne (Kanton Waadt), das Museum Rietberg (Kanton Zürich), das Musée Barbier-Mueller in Genf (Kanton Genf), das Tibet Museum in Gruyères (Kanton Freiburg) und das erste ethnologische Museum Europas, das Museum der Kulturen in Basel (Kanton Basel-Stadt), sind nur einige Beispiele für die (historische) kosmopolitische Haltung, wissenschaftliche Neugier und zahlreiche Bottom-up-Organisationen im Land.

Ein weiteres Merkmal der Schweizer Gesellschaft ist Diskretion, Bescheidenheit und Bedachtsamkeit auch im Umgang mit der eigenen Kultur, der direkten Demokratie und der Verfassung. Doch unter anderem durch tendenziösen Journalismus wird die Schweiz von aussen oft nicht richtig und als isoliertes Bergvolk wahrgenommen, das von anderen Ländern oder der Europäischen Union profitiert. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Das Bild von zwei buddhistischen Mönchen aus Nepal am Ufer des Rheins bestätigt dies. Bewohner von Magden (Kanton Aargau), inspiriert von einer Reise nach Nepal, gründeten ein typisch schweizerisches Bottom-up-Projekt, Lo-Manthang.

Das Ziel ist es, die Schulen in Namdo, Tsarang und Lo-Manthang (Regionen Upper Dolpo und Mustang) in Nepal, nahe der Grenze zu Tibet, zu unterstützen. Das buddhistische Kloster Choede in Lo-Manthang betreibt diese Schule. Seit der kommunistischen Invasion und Besetzung Tibets im Jahr 1959 (mit etwa einer Million Todesopfern, zahllosen Morden und systematischer Verfolgung buddhistischer Mönche und Terror) ist Nepal zum eigentlichen Zentrum des Buddhismus geworden.

Bilder vom Kloster und der Schule in Lo-Manthang und Mandalas von Schulkindern aus Magden und Rheinfelden in der reformierten Kirche von Kaiseraugst

In diesen Regionen bietet das Kloster der Bevölkerung Perspektiven, tibetische Kultur und Sprache, buddhistische Religion, Gesundheitsversorgung und Bildung. Abt Kungka Tenzing des Klosters und der Mönch Nawang Funchok waren Ende Januar/Anfang Februar in der Schweiz, um auf ihr Projekt aufmerksam zu machen.

Mandalas

Ein konkretes Projekt war die Erstellung eines Sandmandalas. Ein Mandala, nicht zu verwechseln mit der katholischen Mandorla, ist eine alte buddhistische Tradition. Sie werden von Ritualen begleitet. Mandalas dienen als Form der Meditation, Selbstreflexion, Loslösung von der materiellen Welt und als Demonstration der Vergänglichkeit.

Ein Mandala ist in seiner Grundform ein Kreis innerhalb eines Quadrats mit facettenreicher Symbolik des Kosmos und des menschlichen Geistes. Ein Mandala wird immer als Palast mit vier Türmen dargestellt, die nach Osten, Westen, Norden und Süden zeigen. Wie eine Landkarte dienen sie als Orientierung für Menschen, die den Kern des Seins, das innere Selbst und die Gottheit im Zentrum des Mandalas suchen. Mandalas finden sich in allen grossen buddhistischen Klöstern und zeigen eine bunt-symbolische Anordnung.

Ein Sandmandala ist eine bekannte Figur. Die Akzeptanz der Vergänglichkeit von Mensch und Materie ist auch ein wesentliches Motiv im Buddhismus. Aus diesem Grund wurde das schöne Mandala aus farbigen Sandkörnern mit seiner Symbolik am siebten Tag der Natur zurückgegeben.

„Zu Staub sollst du werden“ ist ein bekanntes Bibelzitat (Genesis 3:19). Der ebenso berühmte „Totentanz“ aus dem späten Mittelalter, eine Uhr oder die Totenschädel in Gemälden niederländischer und flämischer Meister des 17. Jahrhunderts weisen ebenfalls auf dieses Motiv hin.

Die reformierte Kirche

Der Rhein bei Kaiseraugst und das Mandala

Vom 31. Januar bis 6. Februar arbeiteten beide Mönche an dem Projekt in der reformierten Kirche von Kaiseraugst (Kanton Aargau), nicht weit vom Palast des ersten Bischofs der heutigen Diözese Basel (seit 1529 mit Sitz in Pruntrut (Porrentruy), ab 1828 in Solothurn (Kanton Solothurn) – selbst der Sitz einer Diözese ist vergänglich).

Abt Kungka Tenzing (links) und Mönch Nawang Funchok (rechts).

Nach einem buddhistischen Ritual (einschliesslich Gebeten [Mantras]) in der reformierten Kirche wurde der „Staub“ des Mandalas gemäss buddhistischer Tradition dem Rhein übergeben. Die Parallele zu den „Aschen“ nach einer Kremation ist offensichtlich.

Die Authentizität, Einfachheit, Offenheit und das Engagement dieser Mönche fanden natürlich viel Sympathie bei den Bewohnern kleiner Dörfer und Städte, der sogenannten „Landschaft“ in der multikulturellen Schweiz.

Die Kirche und die Prozession durch Kaiseraugst zogen viel Aufmerksamkeit auf sich; Schulkinder fertigten zahlreiche Mandalas an, und Bewohner, Kirche und Gemeinden unterstützten das Projekt grosszügig.

(Quelle und weitere Informationen: Schulverein Lo-Manthang in Magden)

Monnik Nawang Funchok en Abt Kungka Tenzing voor het bootshuis van de roeivereniging Basler Ruderclub (BRC).

Jodeln vereint Stadt, Land und die Schweiz 1924-2026

In der aktuellen Ausgabe von NZZ-Geschichte (Nr. 62, Februar 2026) wird ausführlich auf die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der Bauern in der Schweiz eingegangen. Im 19. Jahrhundert arbeitete noch die Hälfte der Bevölkerung in diesem Sektor, war jedoch politisch nicht vertreten.

Fasnacht 2026

In diesem Zusammenhang wird auch auf den nahezu vergessenen Bauernkrieg von 1653 eingegangen (im Gegensatz zum Bauernkrieg (1525) in Deutschland und im Elsass). Damals waren noch 80 % der Bevölkerung in diesem Bereich tätig, doch die städtischen Eliten bestimmten die Politik für ihre ‚Untertanen‘. Ein Stadt-Land-Graben avant la lettre, nur ist die politische Perspektive heute umgekehrt: konservativ auf dem Land, revolutionär in den Städten.

Die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert hat damit viel zu tun. Immer weniger Menschen waren noch in der Landwirtschaft tätig und viele zogen für Arbeit in die Städte und deren aufkommende Industrien, auch nach Basel.

Mit der Einführung des Proporzwahlrechts änderte sich 1919 die Zusammensetzung des Nationalrats. Rudolf Minger (1881–1955) war der erste Bauernsohn im Parlament. Er war Mitglied der damaligen Schweizer Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB), heute SVP.

Jodlerclub Echo Basel

Das Eidgenössische Jodlerfest

Auch das ländliche Brauchtum erreichte die Städte. Die vielen Zuwanderer aus ländlichen Gebieten brachten beispielsweise das Jodeln nach Basel. Die Zahl der Vereine (Jodelgesellschaften) war so gross, dass in Basel 1924 sogar das erste Eidgenössische Jodlerfest stattfand. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) und den unruhigen Jahren danach bestand ein Bedürfnis nach Einheit und Verbundenheit. Das urschweizerische Jodeln brachte Stadt und Land zusammen.

Es ist daher mehr als symbolisch, dass ein Jahrhundert später Basel erneut Austragungsort des Eidgenössischen Jodlerfests ist. Diese Veranstaltung verbindet immer noch Stadt und Land und im Jahr 2026 auch den Kanton Basel-Stadt und den Kanton Basel-Landschaft.

Obwohl das Jodeln auch in anderen Alpenländern vorkommt, erreicht es in der Schweiz das höchste musikalische Niveau hinsichtlich der Anzahl der Ausübenden, der Vereine, der Qualität und der (modernen) Interpretationen. Die UNESCO hat im Dezember 2025 das Schweizer Jodeln in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Das Eidgenössische Jodlerfest findet vom 26. bis 28. Juni in Basel statt, mit mehr als 12.000 Teilnehmern: Jodler, Fahnenschwinger, Alphornbläser und natürlich Piccolos und Trommel. Die feierliche Eröffnung des Schweizer „Jodeljahres“ fand am 5. Februar dieses Jahres in Basel bei – wie könnte es anders sein – der sitzenden Helvetia statt.

(Quelle und weitere Informationen: 32. Eidgenössisches Jodlerfest)