Klöster als traditionelle schweizerische Quelle von Innovation und Unternehmergeist
30 Juli 2025
Viele Klöster in der Schweiz wurden im Laufe der Jahrhunderte aufgehoben, insbesondere nach der Reformation, während der französischen Besetzung (1798-1813) und im 19. Jahrhundert. Einige wurden abgerissen, andere haben eine neue Bestimmung erhalten, meist unter Erhaltung des Komplexes.


Trotz der Säkularisierung im 20. Jahrhundert und der abnehmenden Zahl von Mönchen und Nonnen tauchen in der Landschaft, in Städten oder Dörfern an unerwarteten Orten noch funktionierende Klöster auf. St. Johann in Müstair (Kanton Graubünden), Mariastein bei Metzerlen (Kanton Solothurn), Bigorio (Kanton Tessin), Einsiedeln (Kanton Obwalden) oder Notkersegg (Kanton St. Gallen) sind nur einige Beispiele.
Was diese Klöster gemeinsam haben, ist ihre Kreativität, Innovation, Tatkraft und Offenheit, um mit der Erhaltung ihrer Tradition und religiösen Praxis fortzubestehen. In gewisser Weise symbolisieren sie die Schweiz. Zwei Klöster können beispielhaft genannt werden, mit Verweis auf verschiedene andere, bereits besprochene Klöster.

Das Benediktinerkloster Fischingen
Das Benediktinerkloster Fischingen (Kanton Thurgau) an der Murg, nicht weit von der alten Residenz Wil des Abtes des Klosters St. Gallen entfernt, wurde 1138 gegründet. Der Komplex zählte im 13. Jahrhundert nicht weniger als 150 Mönche und 120 Nonnen.
Die Grafen von Toggenburg, als deren Nachfolger die Habsburger und 1460 die Eidgenossenschaft (Eroberung Thurgau) waren die Schutzpatrone. Das Kloster überlebte die Reformation und wurde sogar nach dem Konzil von Trient (1545-1563) ein Stützpunkt in der Gegenreformation.


Die erste romanische Klosterkirche stammte aus dem Jahr 1144. Nach mehreren Bränden und einem gotischen Umbau im Jahr 1440 wurde die heutige barocke Kirche 1687 eingeweiht. Andere Gebäude des riesigen Komplexes wurden um 1750 erbaut.
Die Idda-Kapelle ist eine wichtige Station auf dem Pilgerweg von Konstanz nach Einsiedeln. Die Kapelle ist nach Idda benannt, der Ehefrau des Grafen von Toggenburg, dem Schutzpatron des Klosters. Sie lebte im 12. Jahrhundert und lebte nach dem Tod ihres Mannes als Klausnerin in der Nähe des Klosters.

Was den französischen Besatzern 1798-1813 nicht gelang, schaffte der Kanton Thurgau 1848 per Dekret: Das Kloster wurde aufgehoben und der Besitz privatisiert. Doch das private Engagement spielt in diesem bottom-up organisierten Land in allen Kantonen eine wichtige Rolle.
Ein katholischer Verein kaufte 1879 den Klosterkomplex und richtete ihn als Waisenhaus ein, das von Benediktinermönchen geleitet wurde. Am 28. August 1977 folgte sogar die feierliche Wiedereröffnung des Klosters als eigenständiges Benediktinerpriorat.









Von Bedeutung in dieser Geschichte ist jedoch die heutige Bestimmung des Klosters. Heute gibt es noch 4 Mönche im Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Wie in vielen Klöstern ist das Interesse am Eintritt gering, und doch hat die Abtei eine kreative Lösung gefunden, um zumindest das physische Fortbestehen zu sichern.









Ein kleiner Teil des Komplexes ist für die Mönche reserviert. Der übrige Teil wurde jedoch in einen Hotel-, Restaurant- und Seminarkomplex umgebaut. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene andere Unternehmen, darunter die Brauerei, die Sägerei und die Möbelschreinerei. Tradition, Innovation und Unternehmergeist eines Klosters in einem kleinen Dorf im Thurgau.






Das Zisterzienserkloster Magdenau
Das Frauenkloster Magdenau (Kanton St. Gallen, Gemeinde Degersheim) wurde im 13. Jahrhundert gegründet. Die ersten Klosterfrauen bildeten davor eine lose Gemeinschaft in St. Gallen. Sie wurden «Beginen» genannt.

Mit Einverständnis des Abtes von St. Gallen schenkten der Ritter Rudolf Giel und seine Frau Gertud den Frauen die Kirche St. Verena und zu ihr gehörende Höfe und Güter.



Die ehemalige Pfarrkirche St. Verena
Papst Innozenz IV. (1195-1254) stellte das Kloster unter seinen Schutz und gliederte es 1250 in den Zisterzienserorden ein. Die Äbte von Wettingen standen dem Kloster in kirchlichen und ökonomischen Angelegenheiten bei. Das Prestige war bereits so gross, dass sogar der mächtige Abt von Reichenau das junge Kloster unterstützte. Das Kloster wirtschaftete erfolgreich und erwarb günstig gelegene Weinberge bei Weinfelden. Diese wurden erst nach mehreren Missernten 1912 verkauft.

Trotz Krisen und Rückschläge, der Aufhebung (1529-1532), der staatlichen Aufsicht (1798-1813 und 1829-1842) und des erzwungenen Verkaufs vieler Güter konnten die Nonnen ihr Klosterleben fortsetzen, bis heute.
Sie legten vier Weiher als Energiespeicher an, betrieben mehrere Mühlen und eine Ziegelhütte, kümmerten sich um Wälder, Wege und Wiesen. Sie setzten zahlreiche Obstbäume, führten eine Klosterapotheke und waren Imkerinnen. Sie wirtschafteten zielstrebig und waren sozial engagiert. Noch heute sind dem Kloster ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Sägerei und das Gasthaus Rössli angegliedert.





Die Klosterfrauen bebauen heute einen naturnahen Klostergarten und bieten Übernachtungen und Führungen an. Sie leben religiös und weltzugewandt zugleich und setzen sich mit ihren Mitarbeitern für eine gesunde Verbindung zwischen Spiritualität und Tradition, zwischen Innovation und Nachhaltigkeit.
Lektorat und Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Das Klosterhof Rössli







