Zwei Dörfer, zwei Kantone, das Bistum Basel, Schloss Angenstein und der SAC

Am 14. März 1194 bestätigte Papst Coelestin III. (1106-1198) dem Kloster Beinwil alle gegenwärtigen und zukünftigen Besitzungen, so auch diejenigen des erstmals erwähnten Dorfes Büren. Etwas später, am 1. Februar 1196, bestätigte er auch dem Domstift von Basel Höfe und Güter in Büren.

Büren

Büren ist ein häufiger Ortsname. In der Schweiz gibt es 7 Ortschaften dieses Namens. Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen finden wir ebenfalls ein Büren, ebenso in Holland ein Buren. Königin Juliana (1909-2004) nennte sich auch gelegentlich (um anonym zu sein) Gräfin van Buren, sowie König Willem-Alexander (1967) sich auch gelegentlich W. A. van Buren nennt.

     

Herrschaftsverhältnisse

Büren (Kanton Solothurn) gehörte einst zur Herrschaft Pfirt (Ferrette im Elsass) und ging dann zum Teil ans Bistum Basel, zum Teil an Habsburg über. 1502 erwarb Solothurn die Hälfte der Herrschaft über das Dorf. Die Rechte Österreichs galten seit der Schlacht bei Dornach im Jahr 1499 als erloschen. 1522 kamen die bischöflichen Rechte mit der Herrschaft Thierstein an Solothurn. Die Burg Sternenfels war dann schon zerfallen.

Schloss Angenstein in Duggingen

In Duggingen im Kanton Basel-Landschaft befindet sich Schloss Angenstein. Die Burg stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde entweder von den Grafen von Pfirt oder von den Herren von Münch aus Münchenstein (Kanton Basel-Landschaft) errichtet, die auch Bischöfe des mittelalterlichen Bistums Basel waren.

Das Schloss wurde mehrmals durch Erdbeben (1356) und Brände zerstört, jedoch stets wiederaufgebaut. Heute befindet es sich in Privatbesitz.

Aufgrund seiner strategischen Lage am Zugang zum Laufental und an der Birs diente es während der beiden Weltkriege (1914–1918 und 1939–1945) als wichtiger militärischer Stützpunkt. Daran erinnern auch mehrere sogenannte „Toblerone“-Panzersperren in der näheren Umgebung.

Sektion Basel, Sektion Angenstein und der SAC

Schloss Angenstein hat auch für die Sektion Basel des SAC eine besondere Bedeutung. Bekanntlich gründeten Mitglieder der Sektion Basel bereits am 17. April 1863 die erste Sektion des SAC. Der Schweizer Alpen-Club wurde am 21. April 1863 gegründet. Im Jahr 1932 gründeten Mitglieder der Sektion Basel die Sektion Angenstein, die noch heute unter diesem Namen besteht und rund 1’300 Mitglieder zählt.

Fazit

Schon auf einer Strecke von wenigen Kilometern bieten Geschichte, Kultur und Natur ein vielseitiges und interessantes Bild. Dabei sind mehrere sehenswerte Dörfer und Orte in der näheren Umgebung noch unberücksichtigt geblieben, darunter Seewen mit seinem Museum sowie Hochwald und Gempen.

Kanton Basel-Landschaft 1833 bis zur Gründung des SAC 1863

Bad Bubendorf (Kanton Basel-Landschaft) ist der Ort, an dem am 18. Oktober 1830 die Bewegung Gestalt annahm, die 1833 zur Abspaltung des Kantons Basel führte. In Bad Bubendorf, einem Weiler und Kurort in der Nähe von Bubendorf, fanden 1830 die ersten Versammlungen statt, die 1833 zur Unabhängigkeit von Basel-Landschaft führten, obwohl gerade das Dorf Bubendorf Basel bis zuletzt treu blieb. Die Abspaltung von Basel erfolgte 1833 und die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft entstanden.

Wildenstein

Das jahrhundertealte Schloss und Landgut Wildenstein (erbaut im 13. Jahrhundert) liegt etwa 1 Kilometer weiter südlich in Richtung Oberdorf.  Es ist eines der letzten Naturgebiete der Schweiz mit einer mittelalterlichen Kulturlandschaft. Auch das Ansehen des Schlosses, seine (englischen) Gärten, Quellen und Bauernhöfe spiegeln die Kulturgeschichte vieler Jahrhunderte wider. Das Anwesen ist vor allem für seinen Eichenhain und den Weidewald (Witwald) bekannt. Die ältesten Eichen stammen aus dem 15. Jahrhundert (um 1490)!

Die Verbindung zwischen dem Eichenhain und dem Witwald war jahrhundertelang das Wildschwein. Wildschweine lieben Eicheln und fressen sich daher ordentlich fett, um sich zwischendurch im Witwald auszuruhen. Der Eichenhain ist kein dichter Wald, sondern besteht aus Eichen, die auf offenem Gelände (dem Witwald) stehen.

Der Wert eines solchen Eichenwiesengebiets wurde daher anhand der Anzahl der Schweine (Schweine-Einheiten) ausgedrückt, die es beherbergen konnte. Eichenholz war zudem ein sehr gutes Baumaterial. Im 18. Jahrhundert änderte sich die landwirtschaftliche Nutzung, und man ging zum Gemüseanbau über. Der Eichenrain und der Witwald in Wildenstein blieben jedoch erhalten und sind heute Teil eines Naturparks.

 Der Wasserfall Giessen

Noch weiter südlich, in Richtung Oberdorf, erstreckt sich eine andere Naturlandschaft. Ein Auenwald mit Ahornen, Eschen, Erlen und Pappeln und mit dem  Wasserfall „Giessen“ und dem Kegel bzw. dem Stalagmit unterhalb des Wasserfalls – Ablagerungen des kalkreichen Wassers.

Nomen est omen im Auenwald

Das Volumen des bekannten Wasserfalls hat sich jedoch verändert. Vor nicht allzu langer Zeit war der Wasserfall in der Schlucht noch ein echter Wasserfall. Heutzutage ist er nur noch ein kleiner Bach.

Oberdorf

Von Oberdorf (Kanton Basel-Landschaft) nach Bad Bubendorf sind es nur etwa 13 Kilometer. Doch selbst diese kurze Strecke bietet Einblicke in Geschichte, Kultur und Natur – nicht nur in die Schweiz, sondern auch in den Schweizer Alpen-Club (SAC).

Nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert gehörte Oberdorf fast 100 Jahre lang zum ersten Königreich Burgund (446–534). Danach liessen sich die Alemannen in dieser Region nieder. Verschiedene Gräber und Kunstwerke aus jener Zeit erinnern an ihre Einwanderung. Die erste Kirche stammt aus dem 8. Jahrhundert. Jahrhundertelang gehörte Oberdorf dem St.-Ursen-Stift, das 1874 aufgelöst wurde.

Von Onoldswil bis Oberdorf

Oberdorf und Niederdorf bildeten lange Zeit gemeinsam eine Gemeinde namens Onoldswil. Im Jahr 1295 zerstörte jedoch eine Lawine den Ort. Der Wiederaufbau führte zur Entstehung der heutigen Dörfer. Der Name Oberdorf wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1305 erwähnt, als das Dorf zusammen mit Lommiswil noch eine Kirchgemeinde bildete.

Die Zerstörung der Kirche von Lommiswil durch die Gugler im Jahr 1375 leitete für Oberdorf eine neue Epoche ein. Die Gugler waren englische und französische Söldner, die Ende 1375 während des englisch-französischen Hundertjährigen Krieges in das Schweizer Mittelland einfielen und es plünderten. 1420 wurde in Oberdorf eine neue, der Jungfrau Maria geweihte Kirche errichtet. Sie wurde 1490 errichtet und in den folgenden Jahrhunderten mehrfach renoviert.

Der Schweizer Bauernkrieg 1653 und die Seidenbandweberei

Während des Schweizer Bauernkriegs von 1653 (nicht zu verwechseln mit dem Deutschen Bauernkrieg von 1525) spielte Oberdorf eine bedeutende Rolle. Einer der Anführer der Bauern, Uli Schad, stammte aus dem Dorf. Der Ausgang des Aufstands ist bekannt, doch Oberdorf erholte sich davon.

Ueli Schad (gehängt im Jahr 1653). Bild: Wikipedia, Sammlung: Historisches Museum Basel

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte es sich sogar zu einem der wichtigsten Zentren der Seidenbandweberei. Zudem entstanden Fabriken für die Uhren- und technische Geräteindustrie. Heute ist Oberdorf vor allem ein schönes und ruhiges Dorf am Fusse des Oberen Hauensteins, dessen Passstrasse die Kantone Solothurn und Basel-Landschaft verbindet.

Jahresfest der Sektion Basel des SAC

Die Sektion Basel des SAC veranstaltet jedes Jahr für ihre rund 4.000 Mitglieder ein Jahresfest. In diesem Jahr fand die Veranstaltung in Grosstannen bei Bubendorf statt.

 

Auch in diesem Jahr gab es wieder zahlreiche Jubilare, darunter sogar einige mit einer 65-jährigen Mitgliedschaft! Nicht nur Jubilare und viele Mitglieder waren anwesend, sondern auch eine Wanderführerin und ihr Jodelchor, das Frauen-Jodel-Chörli Basel!

Übrigens erfolgte die Gründung dieser Sektion einige Tage früher als die Gründung des landesweiten SAC. Die Gründung des SAC Basel fand am 17. April 1863 im Café Spitz in Basel statt. 14 Gründungsmitglieder haben am 21. April des gleichen Jahres mit 21 anderen Schweizern in Olten den Zentralclub des SAC gegründet. Die Sektion Basel ist demzufolge einige Tage älter als der SAC.

Zuerst fanden alle 14 Tage, später jeden Monat Veranstaltungen im Café Spitz, Café du Théâtre, Schützenhaus, Hotel Drei Könige (Les Trois Rois), in der Lesegesellschaft und ab 1950 an anderen Orten statt. Die damals gehaltenen Vorträge sind teilweise in 12 Büchern “Berg- und Gletscherfahrten der Sektion Basel des SAC“ niedergeschrieben (1863 – 1903)“.

Der Jurapark Aargau, die Staffeleg, das Fricktal und das Schenkenbergtal

Die Landschaften der Schweiz haben sich im Laufe der Zeit entwickelt. Das Gebiet umfasst drei Grosslandschaften: die Alpen, den Mittelland und den Jura. Diese drei Grossräume sind in ihrer Entstehung eng miteinander verbunden.

Ausgelöst von Plattenbewegungen in der Erdkruste während 400 bis 300 Millionen Jahren sind immer wieder Meere und Gebirge entstanden und verschwunden. Gemeinsam mit den Wechseln von Witterung und Klima haben die Erdkrustenbewegungen auch die Landschaft der Juraregion geformt, geprägt und immer wieder umgestaltet. Die Alpen und die Juraketten sind durch dieselben Vorgänge in der Erdkruste entstanden.

Der Jurapark Aargau

Vor 245-200 Millionen Jahren herrschte ein Wüstenklima. Der Jurapark Aargau war in der Jurazeit (vor 200 -145 Millionen Jahren) vom Alpenmeer (Thetys) überflutet. Der Jura ist geologisch gesehen das ältere Gebirge (etwa vor 145 Millionen Jahren). Das dazwischenliegende Mittelland ist das ehemalige Sammelbecken für abgetragene Gesteine während der Alpenerstehung vor 64 Millionen Jahren.

Als das Mittelland vor 2 Millionen Jahren durch eine neue Krustenbewegung weiter nach Norden verschoben wurde, standen Schwarzald und Vogesen dieser Bewegung im Wege. Die Ablagerungen stauchten sich im Juragebiet und führten zur Faltung des Kettenjuras. Vier bis sechs Eiszeiten und Tauzeiten (!) haben schlussendlich bis vor rund 10‘000 Jahren das Relief der gesamten Schweiz und des Juraparks in die heutige Form gebracht.

Die Staffeleg, das Fricktal und das Schenkenbergtal

Der Jurapark Aargau erstreckt sich über die Region zwischen Brugg, Aarau und Rheinfelden. Die Staffeleg ist ein bedeutender Jura-Übergang auf dem Jura-Höhenweg zwischen Aarau, dem Fricktal und dem Schenkenbergtal.

Die Gisliflue ist ein beeindruckender Gipfel mit Rundumsicht auf die Alpen, die Jurahügel und den Schwarzwald. Die Gratwanderung Gisliflue ist als ehemaliges Korallenriff auch geologisch interessant.

Die Burg Schenkenberg, Bern und Kanton Aargau

Die Burg Schenkenberg (Kanton Aargau) war vom 13. bis ins 15. Jahrhundert Sitz verschiedener Adelsfamilien. Von 1460 bis zu ihrer Aufgabe im Jahr 1720 diente sie als bernischer Landvogteisitz. Auf dem höchsten Punkt des Areals lag die Kernburg.

  

Sie bestand aus dem Hauptturm, der Schildmauer (siehe auch die Farnsburg) sowie dem Palas. Im Westen befand sich die Unterburg mit den Ökonomiebauten (Kornhaus, Stallungen, Bäckerei, Räucherkammer und Wasserversorgung) und der Toranlage. Der Zugang zur Kernburg führte über eine lange Treppe in den Palas. Die Burg war flankiert von Rundtürmen. Im Süden lag der umwehrte Burggarten und ein Burggraben schützte die gegen Osten.

I. Wernli, Bild im Restaurant Schenkenberg in Thalheim

Geschichte

Die Burg Schenkenberg wurde in der 1. Hälfte des 13. Jahrhundert gegründet. Im Jahre 1243 erwähnt eine Urkunde den „dominus H. de Schenkenberc“. Er war vermutlich ein Dienstmann der Grafen von Habsburg. Danach gehörte sie bis Mitte des 14. Jahrhunderts den Herren von Schönau.

Die Burg gelangte 1451 an die Herren von Baldegg. Die Berner, die seit 1415 den Aargau beherrschten, besetzten 1460 auch diese Burg. Sie war anschliessend Landvogteisitz bis 1720. Es residierten etwa 50 Landvögte auf Schenkenberg, Im Jahre 1720 wurde die Burg aufgrund ihrer Baufälligkeit aufgegeben und die Landvogtei auf das Schloss Wildenstein verlegt.

Thalheim

Das Dorf Thalheim (Kanton Aargau) liegt am Fuss der Burg im Schenkenbergtal, einem Teil des Juraparks Aargau. Das Dorf wurde 1064 erstmals urkundlich erwähnt. Alemannische Gräber zeigen, dass das Gebiet schon viel früher besiedelt war.

Dank dem Weinbau gedieh das Dorf bis zum 17. Jahrhundert zur zweitgrössten Gemeinde des Bezirks Brugg. Die Landwirtschaft und der Rebbau haben heute viel von ihrer Bedeutung eingebüsst, doch es gibt noch immer mehr als 30 haupt- oder nebenberufliche Landwirte.

Die Kirche und das Pfarrhaus

Mit dem Berner Wappen an seiner Fassade beherrscht das Pfarrhaus den Dorfplatz. Es wurde 1731 errichtet. Die Kirche, die dem heiligen Petrus geweiht ist, war ursprünglich romanisch geprägt.

Sie wurde im 14. und 15. Jahrhundert renoviert. 1543, nach der Reformation, wurde sie erweitert und wieder erneuert. Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1675.

 

EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg, Badischer Bahnhof und Paris-Basel

Bereits wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstand bei Mulhouse (Elzass) auf französischem Boden innert kürzester Zeit eine erste provisorische Piste. Am 2. Mai 1946 landete das erste zivile Flugzeug auf dem provisorischen Flugfeld, bevor der Flughafen am 8. Mai 1946, offiziell eingeweiht wurde.

Seit 1946 hat sich der binationale Flughafen zum trinationalen Flughafen und zu einer zentralen Infrastruktur für die trinationale Region entwickelt – und zu einem Symbol erfolgreicher grenzüberschreitender Zusammenarbeit in Europa.

Die Flugverbindung zwischen Basel-Mulhouse und Paris

Und am 7. Oktober 2026 feierte Air France das 80-jährige Bestehen ihrer Flugverbindung zwischen Basel-Mulhouse und Paris. Die Strecke wurde am 7. Oktober 1946 eröffnet, als eine Air France Bloch 220 aus Paris-Le Bourget den ersten kommerziellen Flug zum neu erbauten Flughafen Basel-Mulhouse durchführte.

Foto: © EuroAirport

Die Idee war damals ebenso pragmatisch wie visionär: Eine gemeinsame Flughafeninfrastruktur für die Region schaffen und Kräfte über die Grenzen hinweg bündeln. Mit der französisch-schweizerischen Staatsvertragslösung von 1949 wurde ein nachhaltiger Rahmen geschaffen, der bis heute Bestand hat.

Der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg

Der EuroAirport entwickelte sich seither zu einem einzigartigen Modell bi- und heute trinationaler Zusammenarbeit sowie zu einem wichtigen Motor für Mobilität, Wirtschaft und Beschäftigung am Oberrhein.

Heute verbindet der EuroAirport die Menschen und Unternehmen der trinationalen Region mit zahlreichen europäischen und interkontinentalen Destinationen. Gleichzeitig versteht sich der Flughafen als Akteur, der wirtschaftliche Entwicklung, Qualität und Nachhaltigkeit miteinander verbindet.

Inauguration am 8. Mai 1946. Foto: © EuroAirport

Das 80-jährige Bestehen fällt in eine wichtige Phase der Weiterentwicklung des Flughafens. Mit einem mehrjährigen Investitionsprogramm von über 600 Millionen Euro schafft der EuroAirport die Grundlage für die weitere Modernisierung seiner Infrastruktur und eine langfristige Verbesserung der Dienstleistungsqualität.

 Der Badische Bahnhof

Es gab bereits einen Vorgänger auf Rädern und Schienen aus dem Jahr 1855. Die weltoffene Schweizerische Eidgenossenschaft schloss 1852 einen Staatsvertrag mit dem Grossherzogtum Baden, um auf dem Gebiet des Kantons Basel-Stadt einen Bahnhof für das Grossherzogtum zu errichten.

Dieser Bahnhof ist heute als Badischer Bahnhof bekannt. Der Bahnhof liegt auf Schweizer Gebiet, gehört jedoch der Deutschen Bahn. Auf der Grundlage des mehrfach angepassten Staatsvertrags von 1852 gelten besondere Regelungen für die Befugnisse der schweizerischen und deutschen Zoll- und Polizeibehörden.

Im Zweiten Weltkrieg war dies insbesondere für jüdische Flüchtlinge von grosser Bedeutung, doch leider  nicht immer zur Rettung.

Ursprünglich befand er sich an einem anderen Ort in Basel, steht seit 1913 jedoch an seinem heutigen Standort. Das Grossherzogtum Baden und damit der Badische Bahnhof gingen schliesslich in andere deutsche Staatsverbände und in das Bundesland Baden-Württemberg in der Bundesrepublik Deutschland auf.

Die Gesellschaft der Straßburg-Basler-Eisenbahn

Auch der Badische Bahnhof war in gewisser Weise nicht der erste internationale Bahnhof. Im Juni 1843 beschloss Basel, die Eisenbahnverbindung Paris–Straßburg–Saint-Louis bis nach Basel zu verlängern. Die Konzession erhielt die „Gesellschaft der Straßburg-Basler-Eisenbahn“ (Compagnie du chemin de fer de Strasbourg à Bâle).

Feierliche Eröffnung des ersten Bahnhofs der Schweiz. Basel, 11. Dezember 1845. Abbildung aus der Zeitschrift «L’Illustré», Paris. Bild: Wikimedia

Am 15. Juni 1844 traf der erste französische Zug im neuen Bahnhof von Basel ein, und im Dezember 1845 folgte die Eröffnung des ersten Bahnhofs der Schweiz. Der Bahnhof befand sich zwar im Schweizer Besitz und die französischen Behörden hatten kein Mitspracherecht, doch handelte es sich um eine französisch-schweizerische Zusammenarbeit.

Basel, SBB-Bahnhof mit zwei Uhren: für die Schweizerische (links) und Französische Zeit (unterschiedlich bis 1894)

Der SBB-Bahnhof ersetzte bereits 1860 den ersten Bahnhof. Heutzutage ist er jedoch nach wie vor ein Grenzbahnhof mit Zollabfertigung, und die französischen Eisenbahnen werden manchmal sogar als Teil des SBB-Bahnhofs angekündigt, wenn sich der SBB-Zug dem Bahnhof nähert!

(Quelle und weitere Informationen: EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg)

Die Schweiz lernt Romanisch

Vom 12. bis zum 16. Oktober 2026 verbringen 77 Teilnehmende aus der ganzen Schweiz eine Woche in Sta. Maria (Val Müstair, Kanton Graubünden), um in neun Klassen unterschiedlicher Niveaus Vallader zu lernen.

Neben dem Sprachunterricht bietet dieser Intensivkurs die Gelegenheit, die rätoromanische Kultur kennenzulernen und während des Rahmenprogramms am Nachmittag und am Abend die Gemeinschaft zu geniessen.

Drei der neun Gruppen sind Fortgeschrittenenklassen, die das Niveau “Conversaziun e litteratura” besuchen – eine davon wird von der Autorin Rut Plouda aus Ftan geleitet. In den übrigen sechs Klassen lernen die Teilnehmenden dieses Jahr nicht wie üblich mit dem Lehrmittel «In lingia directa», sondern mit dem neuen Lehrmittel «Drivaportas», das sie gleichzeitig evaluieren. Dieses Lehrmittel wird derzeit von der Pädagogischen Hochschule Graubünden entwickelt.

Nach Vereinbarung können interessierte Medien den Sprachunterricht besuchen oder am Kulturprogramm teilnehmen (Besuche von Sehenswürdigkeiten in der Region, Referate, Lesungen, usw.).

Bei Interesse bitten wir Sie, sich unter dieser E-Mail-Adresse anzumelden: [email protected]. Zudem steht Ihnen Linard Martinelli, Leiter Bildung bei der Lia Rumantscha, gerne für Interviews zur Verfügung.

(Quelle und weitere Informationen: Lia Rumantscha)

Die Schweiz auf der Tabula Peutingeriana

Die Peutingerkarte (Tabula Peutingeriana) ist eine Kopie einer römischen Strassenkarte, auf der die wichtigsten Strassen und Orte des Römischen Reiches dargestellt sind, gewissermassen eine antike Version einer digitalen Landkarte.

Das Original wurde um 12.- 7. v. Chr. auf dem Porticus Vipsania oder dem Porticus Agrippae in Rom eingraviert. Kaiser Augustus hatte in den Jahren zuvor weitere Gebiete erobert, darunter auch das Gebiet der heutigen Schweiz. Das Römische Reich erstreckte sich über 8.000 Kilometer von Westen nach Osten, was damals etwa 300 Tagesmärschen zu Fuss entsprach.

Diese Routendarstellung diente nicht nur der Propaganda, sondern war zugleich eine Wegbeschreibung für Kaufleute, Armeen, Händler, Diplomaten, Politiker und andere Reisende. Wahrscheinlich war diese Karte in kleinerem Massstab auch auf Pergament verfügbar, doch darüber ist weder etwas bekannt noch erhalten geblieben.

De cursus publicus

Die Römer waren Städte-, Strassen- und Brückenbauer und hatten sogar einen gut funktionierenden Postdienst eingerichtet, den cursus publicus. Aus diesem Grund verzeichnet die Karte auch Halte- und Raststationen entlang des cursus publicus. Sie alle waren auf klare Routenbeschreibungen angewiesen, und diese Karte bildete dafür die Grundlage.

Die Karte gibt ausserdem Entfernungen in römischen Meilen an (1.482 Meter). Darüber hinaus zeigt sie Flüsse, Meere, Ozeane, Inseln, Seen, Gebirgsketten, Wälder, bedeutende Bauwerke, Gebirgspässe, Brücken und Häfen. Die drei wichtigsten Städte des Reiches, Rom, Konstantinopel und Antiochia, sind zudem besonders gekennzeichnet. Kurz gesagt handelt es sich um ein römisches Wunderwerk der Kartografie, auch wenn die Karte heute aufgrund der fehlenden geografischen Proportionen und Orientierung nur schwer zu lesen ist.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass ihre Angaben für die Lokalisierung der wichtigsten Orte des Römischen Reiches von grossem Wert sind. Die Karte zeigt 37 Orte auf dem Gebiet der heutigen Schweiz oder unmittelbar jenseits ihrer Grenzen, darunter Augst/Kaiseraugst, Nyon, Genf, Windisch, Arbon, Bad Zurzach, Avenches, Chur, Yverdon-les-Bains, Martigny, Moudon, den Grossen St. Bernhardpass, Solothurn, den Rhein, die Rhone, den Genfersee, den Bodensee und den Lago Maggiore.

Wie dem auch sei, das Original in Rom ist nicht erhalten geblieben. Nach einer verlorengegangenen Kopie auf Papier oder Pergament fertigten Mönche aus Colmar im 12. Jahrhundert eine Abschrift auf zwölf Blättern an.

Elf dieser Blätter sind erhalten geblieben und befinden sich im Besitz der Nationalbibliothek in Wien. Zusammen sind diese Blätter 6,82 Meter lang und 34 Zentimeter hoch. Die Karte trägt den Namen ihres letzten Besitzers, Konrad Peutinger (1454–1547). Seit 2007 ist dieses Dokument in das Weltdokumentenerbe der UNESCO eingetragen.

(Quelle und weitere Informationen: Österreichische Nationalbibliothek)

Ormalingen, Buus und die Farnsburg

Zwei kleine Dörfer in der Nähe der Farnsburg erzählen die Geschichte dieser Burg, die einst als „Königin der Burgen“ dieser Region galt. Die Zeit ist vergangen, doch die Verbindungen sind noch immer deutlich zu erkennen.

Ormalingen

Das heutige Dorfwappen des Dorfes hat eine enge Beziehung zu den ehemaligen Bewohnern der Farnsburg, den Edelknechten von Zielemp. Diese besassen auf dem Schloss ein Burglehen, wo sie um Mitte des 14. Jahrhunderts auf der Vorburg im „Zielempen-Haus“ Wohnsitz hatten. Später zog das Geschlecht in das nach ihm benannte Haus in Olten, dann auf die Burg Hagberg und schliesslich nach Aarau. In Olten ist der alte Wohnturm an der Aare heute noch mit dem Zielemp-Wappen geschmückt.

Auch in Ormalingen sind die Römer und die Alemannen allgegenwärtig. Eine römische Villa und reiche frühmittelalterliche Gräber sind nachgewiesen.

1286 wurde Normandingen erstmals erwähnt. Es ist der Name einer frühmittelalterlichen Siedlung und leitet sich wahrscheinlich von Nordmann ab. Im Mittelalter gehörte das Dorf nacheinander den Grafen von Homberg, den Grafen von Froburg, den Freiherren von Falkenstein und den Grafen von Thierstein-Farnsburg.

1461 kam Ormalingen mit der Herrschaft Thierstein-Farnsburg an die Stadt Basel und gehörte zum Amt Farnsburg. Das Dorf liegt im oberen Ergolztal an der alten Durchgangsstrasse zum Schafmattübergang, einem früher wichtigen Jurapass. Das Dorf strahlt aufgrund seiner günstigen und strategisch günstigen Lage nach wie vor eine gewisse Pracht aus.

Buus

Der Name leitet sich vom voralemannischen Ortsnamen Hof ze Bus auf. Die Ortschaft gehörte im Mittelalter wahrscheinlich dem Kloster Beromünster, ging dann an die Grafen von Lenzburg, an die Grafen von Frohburg, an die Grafen von Habsburg-Laufenburg und schliesslich zusammen mit der Farnsburg an die Thiersteine über.

1461 verkaufte Thomas von Falkenstein die Farnsburg an die Stadt Basel. Über 300 Jahre lang herrschten die Basler Landvögte von der Farnsburg aus über das umliegende Land. Das Patronatsrecht über die Kirche gehörte vom 14. Jahrhundert bis 1805 dem deutschen Ordenshaus in Beuggen, jenseits des Rheins und gegenüber Möhlin (Kanton Aargau).

Bus wurde nicht nur zu Buus, sondern hat einer der frühesten Kirchen im Kanton Basel-Landschaft. Die Michaelskirche entstand im 7. Jahrhundert und wurde vermutlich auf einem römischen Gebäude errichtet. Bei Ausgrabungen wurde eine Holzkirche aus diesem Jahrhundert nachgewiesen. Man entdeckte auch sechs Gräber aus dem 7. oder 8. Jahrhundert.

Bei einem reich mit Schwert, Kamm, Gürtel und Lanze ausgestatteten Mann handelte es sich mutmasslich um den Kirchengründer. Von der ersten Holzkirche sind nur ein Paar Pfostenlöcher erhalten. Die Kirche Sankt Michael taucht 1273 erstmals in den Schriftquellen auf. Die heutige Kirche stammt aus 1665. Von da an wurde sie in mehreren Phasen erweitert, bis sie 1944 ihre heutige Gestalt erreichte.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Buus; Gemeinde Ormalingen)

Schloss Beuggen (Baden-Württemberg)

Die Ruinen der Burg Farnsburg und der römische Tempel in der Grienmatt

Die Ruine der Burg Farnsburg (Kanton Basel-Landschaft) in der Nähe der Dörfer Buus, Ormalingen und Magden sowie die Ruine des römischen Tempels in der Grienmatt bei Kaiseraugst (Kanton Aargau) liegen weniger als 5 Kilometer voneinander entfernt.

Den Freiherren der Farnsburg war dieser römische Tempel jedoch nicht bekannt. Die Bewohner dieser ersten römischen Stadt (Colonia Augusta Raurica) auf dem Gebiet der heutigen Schweiz hatten keine Ahnung von einer Burg auf der Farnsburg. Schliesslich konnten sie nicht in die Zukunft blicken.

Und doch haben sie einiges gemeinsam, nicht nur den Fluss Ergolz, sondern auch die Geschichte dieser Region der Kantone Aargau und Basel-Landschaft, die Herrschaft der Habsburger und der Stadt Basel.

Augusta Raurica, Augst und Kaiseraugst

Kaiseraugst hat seinen Namen von Augusta Raurica. Nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert verfiel diese römische Stadt mit 15.000 Einwohnern. Um 1300 war es ein Dorf namens Augst (heute Kanton Basel-Stadt) mit einigen hundert Einwohnern und römischen Ruinen, die als Steinbruch genutzt wurden. Der Fluss Ergolz floss wie eh und je durch dieses Dorf.

Die Römer hatten im 3. Jahrhundert am Ostufer des Ergolz zum Schutz des Limes (Grenze) eine Burg am Rhein errichtet. Im Jahr 1461 erwarb die Stadt Basel den westlichen Teil des Dorfes Augst, während Habsburg die Herrschaft über den östlichen Teil übernahm und ihn zur Unterscheidung von Augst „Kaiseraugst“ nannte.

Aubert Parent, Zeichnung der Anlage, um 1803. Sammlung: Museum Augusta Raurica

Der römische Tempel in der Grienmatt

Der grosse Tempelkomplex hatte vermutlich eine Länge und Breite von etwa 200 Metern. Der zentrale Teil mit Säulengang und Altar hatte eine Ausdehnung von etwa 125 bei 132 Metern. Ein Badehauskomplex oder Thermen befanden sich direkt neben dem Komplex. Man vermutet, dass es sich um ein Nymphäum oder einen gallorömischen Doppeltempel, Tempel mit einer Badeanlage, handelt.

Heutzutage ist es kaum noch vorstellbar, aber dieser grosse Komplex stand nicht isoliert auf einer Wiese, sondern mitten im bebauten Stadtgebiet von Augusta Raurica. Weiter östlich lagen das grosse Theater, das Amphitheater, das Forum, die Curia, die Basilika und beispielsweise der Schönbuhl-Tempel.

Verschiedene Strassen mit ihren Statuen, Säulen, Altären und anderen Bauwerken verbanden den Tempel mit diesem Teil von Augusta Raurica. Aufgrund der zahlreichen religiösen Versammlungen und Festlichkeiten zu Ehren des Kaisers im Rahmen des Kaiserkults fanden oft Prozessionen statt.

Rekonstruktion der Thermen. Sammlung: Museum Augusta Raurica

Das archäologische Interesse an den Ruinen des Tempels in der Grienmatt entstand erst im 16. und 17. Jahrhundert. Es dauerte jedoch bis ins 18. und 19. Jahrhundert, bis die Forschung in wissenschaftliche Hände überging. Zu den ersten wissenschaftlichen Forschern gehörten Daniel Schöphlin (1694–1771) und Aubert Parent (1753–1835).

Der Tempel in der Grienmatt ist heute Teil des Museums Augusta Raurica. Die wissenschaftliche Forschung ist in vollem Gange, und obwohl noch nicht alles geklärt ist, war der Tempel in der Grienmatt wahrscheinlich der bedeutendste Tempelkomplex in der Colonia Augusta Raurica.

Die Farnsburg

Bereits im 12. oder 13. Jahrhundert stand eine Burganlage auf dem Felssporn. Das Geschlecht der Grafen von Thierstein baute die Farnsburg zwischen 1319 und 1342 zu ihrem Sitz aus. 1418 kam die Farnsburg in den Besitz der Grafen von Falkenstein. Nachher waren die Habsburger einige Jahre Eigentümer. Die Stadt Basel kaufte 1461 diese Herrschaft.

Rekonstruktion der Farnsburg um 1750. Joe Rohrer, bildebene.ch 

Die Farnsburg wurde in der Folge Landvogteisitz und zahlreiche Baumassnahmen versetzten sie in ein zeitgemässes Gebäude. Die Burg wurde jedoch 1798 nach der französischen Invasion von der Bevölkerung verwüstet und diente anschliessend als Steinbruch.

Die Ruine mit ihrer erhaltenen und imposanten Schildmauer wurde in den Jahren 2019 bis 2023 saniert. Der Kanton Basel-Landschaft zeichnet sich durch eine hohe Burgendichte aus, aber die Farnsburg war damals die Königin der Burgen im Gebiet.

Schlussfolgerung

Was haben diese beiden Ruinen nun aber gemeinsam, dass sie in einem Artikel erwähnt werden sollten? Abgesehen von den unterschiedlichen Epochen verbindet sie die Darstellung von Macht. In Augusta Raurica war dies der Kaiserkult, in der Farnsburg die Macht lokaler Herrscher, danach für kurze Zeit der Habsburger und anschliessend der Stadt Basel.

Emanuel Büchel, die Farnsburg um 1750. Sammlung: Staatsarchiv Basel-Stadt, Bild Falk 10,4

Beide Orte bekamen die Folgen der Französischen Revolution und des Einmarsches von Napoleon unmittelbar zu spüren. Die Farnsburg wurde 1798 zerstört, Kaiseraugst wurde für kurze Zeit im Rahmen der Helvetischen Republik (1798–1803) Augst angegliedert, um 1803 dem Kanton Aargau zuzufallen.

Gasthof und Hofgut Farnsburg

Nach der Helvetischen Republik wurde die Farnsburg wieder Teil des Kantons Basel, um 1833 in den Kanton Basel-Landschaft eingegliedert zu werden. Es ist die faszinierende Geschichte der Schweiz auf wenigen Quadratkilometern.

 

Was Permafrost und Bilaterale III gemeinsam haben

Der Permafrost lässt die Schweizer Berge einstürzen. Das geplante neue Abkommen mit der Europäischen Union untergräbt nicht nur die direkte Demokratie, das Vertrauen in die Institutionen und die Souveränität der Kantone, sondern auch die verbindenden Elemente des dezentralen, föderalen und auf Subsidiarität ausgerichteten erfolgreichen Schweizer Modells. Symbolischer geht es nicht – vielleicht spürt die Natur die politische Lage in der Confoederatio Helvetica sehr genau.

Irreführung und falsche Darstellung der Sachlage

„Das obligatorische Referendum kommt aus gutem Grund nur beschränkt zur Anwendung – um eben die Stimme des Volkes und den Volkswillen zu schützen. Für die Bilateralen ist das in der Verfassung nicht vorgesehen.“ (www.Bilafacts.ch)

Verschiedene Juristen, Professoren für Verfassungsrecht, Lobbyorganisationen wie Regio Basiliensis, Economiesuisse, Avenir Suisse, Journalisten, die Sozialistische Partei (SP) und andere Mitglieder des Parlaments teilen diese Auslegung von Art. 140 (B) der Bundesverfassung. Es handelt sich nämlich nicht um eine Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation, daher auch der euphemistische Titel „Bilaterale III“.

Dieser Titel des Bundesrats ist jedoch irreführend und sachlich falsch. Es handelt sich nämlich um einen institutionellen Vertrag mit einer internationalen Organisation, der gesetzgebende, richterliche und exekutive Befugnisse überträgt. Es liegt also sowohl faktisch als auch rechtlich eine Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation vor.

Auch die Tatsache, dass die EU im Falle einer Ablehnung eines EU-Gesetzes bei einem hypothetischen Referendum Massnahmen ergreifen kann, deutet auf eine Mitgliedschaft hin. Denn Verbände, in casu die EU, können Disziplinarmassnahmen nur gegen Mitglieder und niemals gegen Nichtmitglieder ergreifen. Dass es sich (vorerst) um eine begrenzte Mitgliedschaft handelt, spielt juristisch gesehen keine Rolle.

Der Begriff „Mitgliedschaft“

Dass der Begriff „Mitgliedschaft“ in diesem Vertrag bewusst nicht vorkommt, sagt nichts über die rechtliche Einstufung aus. Im Recht geht es zunächst um die Feststellung des Sachverhalts und erst danach um die rechtliche Einstufung, wobei im 21. Jahrhundert nicht der Wortlaut des Gesetzes, sondern die Absicht und der Zweck des Gesetzgebers im Mittelpunkt stehen.

Dieses Gesetz (Art. 140 (B) der Bundesverfassung) entstand zudem zu einer Zeit, als von einer Organisation nach dem Vorbild der Europäischen Union noch keine Rede war. Damals gab es lediglich einige internationale Organisationen, die nicht über die sehr weitreichenden gerichtlichen, gesetzgebenden oder exekutiven Befugnisse der Europäischen Union verfügten.

Zudem konnte der Gesetzgeber damals nicht ahnen, dass Mitglieder des Bundesrats bewusst eine falsche Darstellung der Sachlage vornehmen würden, um ein für sie gewünschtes politisches Ergebnis zu erzielen.

Es erinnert auch an die Niederlande: Seit 1815 hat es im zentralistisch regierten Land kein Referendum gegeben, auch nicht in Bezug auf die EU. 2005 war es so weit und 62 % wollten keine weitere EU-Integration (der Titel des Referendums war: „Eine europäische Verfassung ja oder nein“). Fazit: Das Referendum wurde nicht nur ignoriert, sondern gleich wieder abgeschafft und die Politik änderte nur den Titel des neuen Vertrags: Vertrag von Lissabon. Heute haben nur noch sehr wenige Vertrauen in Politik und Krawallen und Ausschreitungen sind an der Tagesordnung. Das Ignorieren des Ständemehrs wird etwas Ähnliches verursachen. Das Vertrauen in Politik, Institutionen und Bundesrat schwindet  rasch.

Eine Rechtsfindungsmethode aus dem 19. Jahrhundert

Bilafacts, die Professorin Astrid Epiney – offenbar eine Spezialistin für Europarecht und schweizerisches Verfassungsrecht – sowie andere Politiker, Juristen, Journalisten und Lobbygruppen wenden ein Gesetz aus dem 19. Jahrhundert mit einer Rechtsfindungsmethode aus dem 19. Jahrhundert an. Das Recht und die Rechtsfindung werden um zwei Jahrhunderte zurückgedreht, um das politisch gewünschte Ergebnis zu erzielen. Bundesrat Cassis war zumindest ehrlich in dieser Hinsicht, was seine Irreführung jedoch nicht weniger schwerwiegend macht.

Vom Justizminister ist man eine solche falsche Darstellung der Sachlage mittlerweile gewohnt. Erst kürzlich berichtete er noch, dass der neue Migrationspakt der EU funktioniere und „die Lage auf Ceuta unter Kontrolle“ sei. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Frauen und Mädchen werden täglich vergewaltigt, die Einwohner von Ceuta leben unter dem ständigen Terror Tausender Migranten. Die „Normalisierung“ dieses Justizministers.

Der Migrationspakt

In den Niederlanden hat ein Richter erst kürzlich die Abschiebung von Migranten nach Italien verhindert, weil dort angeblich Folter (sic) praktiziert werde, nachdem er zuvor bereits eine Abschiebung nach Belgien wegen „unmenschlicher Aufnahme von Flüchtlingen“ verhindert hatte. Das war’s mit dem Migrationspakt, dem x-ten gescheiterten EU-Projekt. Nur meist bizarre Gesetze einer bis zum Absurden privilegierten Bürokratie werden erfolgreich auf den Weg gebracht: Sozialismus mit menschlichem Antlitz.

Zuwanderung

„Die Bilateralen III enthalten jedoch nur für einen sehr begrenzten Personenkreis neue Aufenthaltsrechte (Schätzungen gehen von weniger als 200 Personen aus). Das neue Daueraufenthaltsrecht wiederum, das wesentlich mehr EU-Bürgerinnen und -Bürger betrifft, gilt für Personen, die bereits in der Schweiz leben und somit keine Zuwandernden sind“ (www.Bilafacts.ch).

Auch das ist falsch. Der neue Vertrag steht nicht nur in eklatantem Widerspruch zur Bundesverfassung (Art. 121). Er sieht zudem ab dem Zeitpunkt seines Inkrafttretens eine neue Zuwanderung vor, einschliesslich (grosser) Familien aus armen und neuen EU-Ländern (sowie Millionen von Migranten, die in EU-Ländern leicht die Staatsbürgerschaft erhalten haben), und nicht nur die üblichen Expats.

Schlussfolgerung

Die wesentlichen Elemente einer Mitgliedschaft sind vorhanden. Ein Ständemehr ist verfassungsrechtlich zwingend erforderlich. Dies zu ignorieren, kommt einem Staatsstreich gleich, ganz abgesehen von weiteren offensichtlichen Verfassungsverletzungen, etwa im Bereich der Zuwanderung, der Souveränität der Kantone und sowie der direkten Demokratie.

Einige behaupten sogar, dass das Volk diesen Vertrag zu einem späteren Zeitpunkt durch eine Volksinitiative einseitig kündigen könne. Ein Vertrag kann jedoch nicht einseitig gekündigt werden ohne Konsequenzen. Zudem kann die EU bereits bei einem Referendum über eines der vielen EU-Gesetzen Sanktionen verhängen, ganz zu schweigen davon, wie die Reaktion auf eine einseitige Kündigung durch das Volk ausfallen würde.

Weg ist weg, und damit nicht nur die direkte Demokratie, sondern auch das erfolgreiche dezentrale, föderalistische Schweizer Modell, das auf Subsidiarität, Innovation und Vertrauen ausgerichtet ist. Die Schweiz wird auf das Niveau Deutschlands, der Niederlande, Italiens oder Frankreichs sinken.