Habsburgisches Erbe, Humanismus und Unesco-Welterbe im Elsass
4 Mai 2025
Die Habsburger waren bis 1918 die am längsten regierende imperiale Dynastie in Europa. Mitglieder der Familie waren ab 1438 ununterbrochen (abgesehen vom Wittelsbacher Karl VII. Albert (1697-1745, Kaiser von 1742 bis 1745), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ab 1806 des Kaiserreichs Österreich und ab 1867 bis 1918 der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Erzherzog Maximilian (1832-1867) war sogar kurze Zeit Kaiser von Mexiko (1864-1867).

Édouard Manet (1832-1883), L’exécution de Maximilien, 1867. Foto: Wikipedia. Städtische Kunsthalle, Mannheim
Im Jahr 1555 hatte die Familie bereits eine Aufteilung in einen österreichischen und einen spanischen Zweig vorgenommen, um das riesige Gebiet (einschliesslich der Neuen Welt) regierbar zu halten. Über 50 Jahre zuvor, im Jahr 1499, hatte bereits eine andere Aufteilung stattgefunden.
Die Schweizerische Eidgenossenschaft war ab dem Frieden von Basel faktisch eine unabhängige „Nation“ souveräner Kantone. Der Westfälische Frieden bestätigte diesen Status im Jahr 1648. Das Stammland der Habsburger war damit endgültig verloren, obwohl das Schloss und das Dorf Habsburg die Ehre hochhalten.

Die Burg und das Dorf Habsburg (Kanton Aargau)
Elsass
Wer denkt heutzutage bei den Städten Ensisheim, Ferrette (Pfirt) oder Sélestat (Schlettstadt) im Elsass noch an die kaiserliche Präsenz der Habsburger? Doch Ensisheim war jahrhundertelang die Hauptstadt des Vorderösterreichs der Habsburger. Ferrette und Sélestat waren wichtige Verteidigungs- und Verwaltungsorte.
In der wunderschönen hügeligen Landschaft mit ihren vielen Weinbergen und Dörfern befindet sich zudem die mächtige Burg Haut-Koenigsbourg (Hohkönigsburg), jahrhundertelang im Besitz der Habsburger.

Die Burg von Ferrette
Ferrette
Oder eigentlich liegt das Dorf Vieux-Ferrette an der römischen Strasse von Basel nach Porrentruy (Kanton Jura). Das nahegelegene Städtchen Ferrette ist nach dem Schloss benannt, das 1105 erstmals in Dokumenten erwähnt wird. Die Grafen von Pfirt (damals noch deutschsprachig) bewohnten die Burg und hatten ausgedehnte Gebiete im Elsass. 1324 übernahmen die Habsburger dank Heiratspolitik die Burg.
Im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) zerstörten schwedische Truppen die Oberburg auf dem Gipfel des Berges (612 Meter). Nur die Unterburg wurde wieder aufgebaut. 1648 erwarb Frankreich jedoch den Sundgau und einige Jahrzehnte später das gesamte Elsass (einschliesslich Colmar und Strassburg).


Ensisheim
Ensisheim liegt in der Nähe anderer Gebiete des Patrimoine der Habsburger: Murbach und Ottmarsheim. Um das grosse Gebiet Vorderösterreichs angemessen verwalten zu können, machte Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) Ensisheim 1526 zur Verwaltungshauptstadt dieses Gebiets.



Palais de la Régence
Der Palais de la Régence (1545), Klöster, Kirchen und Stadtpaläste erinnern an diese Zeit. Die Stadt war bis 1648 auch das juristische Zentrum Vorderösterreichs.


Sélestat
Das Wachstum und die Blüte dieser Stadt begannen bereits vor der Ära der Habsburger. Der Hohenstaufener Kaiser Friedrich II. (1194-1250) verlieh Sélestat 1217 den Status einer freien kaiserlichen Stadt (Reichsunmittelbarkeit). In dieser Zeit begann der Bau der gotischen Kirche St. Georg, die neben der wunderschönen romanischen Kirche Sainte-Foy liegt.



Saint-Georges




Sainte-Foy
Sélestat war eine der zehn Städte der Dekapolis (darunter auch Colmar, Mulhouse (Mülhausen), Hagenau, Wissembourg (Weissenburg), Obernai (Oberehnheim), Rosheim, Kaysersberg (Kaisersberg), Turckheim (Türkheim) und Munster (Münster).
Dies war ein Bund der zehn freien kaiserlichen Städte im Elsass. Strassburg war ebenfalls eine freie Stadt, hatte jedoch einen höheren Status und gehörte nicht zu diesem Bund (1354-1697).

Es war ein (defensives) Bündnis und ein Kooperationsverband à la die Eidgenossenschaft. Mulhouse zog sich bereits 1515 aus der Dekapolis zurück und wurde assoziiertes Mitglied (zugewandter Ort) der Schweizerischen Eidgenossenschaft bis 1798 und der Eingliederung durch Napoleon!
Unter den Habsburgern begann ab dem 15. Jahrhundert nicht nur die wirtschaftliche und religiöse Blütezeit, sondern nahmen auch die kulturellen und wissenschaftlichen Höhepunkte einen Anfang.
Die Lateinschule und der Humanismus (l’humanisme rhénan) waren berühmt. Selbst Erasmus widmete der Stadt ein Gedicht, „Lobpreis auf Sélestat“ (1515). Die humanistische Bibliothek von Beatus Rhenanus (1485-1547) ist seit 2011 sogar UNESCO-Weltkulturerbe! Frankreich erwarb jedoch auch Sélestat im Jahr 1648.
Haut-Koenigsbourg
Die Burg Haut-Koenigsbourg in der Nähe von Sélestat steht auf einer einsamen Höhe von über 700 Metern und dominiert die Umgebung. Was die Roche-Türme für Basel sind, ist Haute-Koenigsbourg für diese Region, nur ist ihre Geschichte etwas älter.

Der Hohenstaufer Kaiser Friedrich I. oder Kaiser Barbarossa (1119-1190) baute das Schloss im Jahr 1147. Danach besassen die Habsburger und ihre Verbündeten das Schloss bis zur Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg und der Übernahme durch Frankreich im Jahr 1648.
Schlussfolgerung
Die vielen deutschsprachigen Ortsnamen im Elsass erinnern noch immer an die deutschsprachige und habsburgische Vergangenheit dieser Region. Trotz der Eingliederung durch Frankreich blieb die lokale Umgangssprache jahrhundertelang auf der deutschsprachigen alemannischen Sprache basierend.
Einwohner des Markgräflerlands und anderer Gebiete in Baden, den Kantonen Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft und Jura konnten sich jahrhundertelang in dieser Sprache verständigen.
Das Ende der Habsburgerzeit änderte daran nichts. Die Nachwirkungen der Kriege in 1870/1871, 1914-1918 und 1939-1945 machten jedoch diesem sprachlichen Erbe endgültig ein Ende. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das monumentale Erbe der Habsburgerzeit noch immer prominent vorhanden ist und heutzutage wieder gepflegt wird.
Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur Colmar und Strassburg oder die Weindörfer zu besuchen, sondern auch die oben genannten Orte.
Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen
Ferrette




Ensisheim











Das Kloster und die Stadtmauer
Sélestat








Haute-Koenigsbourg










