Baden, Mineralquellen, das Inhalatorium und 150 Jahre Kursaal

Die Römer entdeckten nach der Eroberung des Gebiets der heutigen Schweiz im Jahr 13 v. Chr. bald die Mineralquellen in Aquae Helvetica, dem heutigen Baden (Kanton Aargau). Genf war bereits 120 v. Chr. erobert worden, Nyon (Colonia Julia Equestris) und Augst/Kaiseraugst (Colonia Augusta Raurica) waren schon 44 v. Chr. römische Städte, aber Baden war die erste Stadt mit römischen Bädern (Thermen).

Das ehemalige Inhalatorium

Obwohl der Abzug der Römer die Badekultur beeinträchtigt hatte, blieben die Mineralquellen in Betrieb. Im Mittelalter erlebte die Badekultur eine Wiederbelebung und auch die heilende Wirkung dieses Mineralwassers wurde immer bekannter.

Im 19. Jahrhundert wichen die öffentlichen Badehäuser und die Nutzung der Mineralquellen zunehmend geschlossenen Einrichtungen für das Bürgertum und den Adel. Grand Hotels, Trinkhallen, Kurbrunnenanlagen und andere Kurorte wurden in Baden und entlang der Limmat errichtet. Der Höhepunkt war die Eröffnung des Kursaals im Jahr 1875. Dieser Komplex war Casino, Konzertsaal, Tanzlokal und vor allem Treffpunkt für die Schweizer und internationale „Beau monde“.

Das ehemalige Inhalatorium

Diese Geschichte von Baden als international renommiertem Kurort wird bis zum 15. März 2026 im ehemaligen Inhalatorium an der Limmatpromenade in Wort und Bild präsentiert. Ausserdem finden am 21. Februar und 7. März Stadtführungen statt, bei denen die Mineralquellen, Kurorte, (verschwundene) Grand Hotels und der Kursaal auf dem Programm stehen. Das Inhalatorium, das ebenfalls eine eigene Geschichte zu erzählen hat, ist der Treffpunkt.

Anmeldung beim Historischen Museum Baden, das bis zum 5. Juli 2026 die Ausstellung „Mittendrin im Vergnügen. Kursaal-Stadtsaal-Spielcasino“ organisiert.

(Quelle und weitere Informationen: Verein Bagni Populari in Baden

Baden und das ewige Kurort

In der Römerzeit war Baden unter dem Namen Aquae Helveticae bekannt und bereits ein Kurort. Um 850 wurde die karolingische Saalkirche auf dem Areal der heutigen katholischen Kirche errichtet.

Die Romerzeit und die Thermen. Sammlung: Historisches Museum Baden

Im 11. Jahrhundert entstand die Burg Stein. Die Besitzer waren die Grafen der Nellenburger und der Lenzburger sowie im 13. Jahrhundert die Habsburger.

Die Burg in besseren Zeiten. Sammlung: Historisches Museum Baden

Die Holzbrücke wurde im 13. Jahrhundert errichtet.

Unter der Herrschaft der Habsburger erhielt Baden das Stadtrecht. 1415 gelangt Baden als Untertanengebiet an die Eidgenossenschaft. Die Burg Stein wurde zerstört. Die Tagsatzungen der 8 und ab 1513 der 13 eidgenössischen Stände fanden in Baden statt.

Das Landvogteischloss und die Wappen der acht Kantone

Die Strasse der Tagsatzungen, vorne das ehemalige Zeughaus und die Stadtkanzlei

die Stadtkanzlei

Das Bernerhaus (1678), Absteigequartier der bernischen Tagsatzungsgesandten

Die Ratsstube in 2. Obergeschoss des gotischen Rathauses diente bis 1712 als Tagsatzungssaal. Der Kernbau der vierteiligen Häuserzeile an der Rathausgasse erfuhr seine erste Erwähnung 1368.  (Basel und Schaffhausen wurden erst 1501, Appenzell im Jahr 1513 Mitglied der Eidgenossenschaft).

Rathausgasse und Rathaus. Die Ratstube in 2. Obergeschoss diente nach 1415 bis 1712 (die Niederlage Badens gegen die reformierten Städte Bern und Zürich) als Tagsatzungssaal der Alten Eidgenossenschaft.

Die Lambrecht-Wettersäule und Baden in Baden

Das ehemalige Zeughaus

1714 fand in Baden der dritte und letzte Friedenskongress zum Spanischen Erbfolgekrieg statt. Während der fünfmonatigen Verhandlungszeit logierten über 60 Delegationen aus ganz Europa in Baden.

Nach der Gründung der Eidgenossenschaft im Jahr 1815 wurde nicht die Stadt der Diplomatie, der Tagsatzung und der Friedensverträge Baden, sondern Aarau zur Hauptstadt des Kantons Aargau.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann jedoch die Industrialisierung, insbesondere mit der 1891 erfolgten Gründung der Firma Brown Boveri & Cie. Das ganze Kurgebiet wurde auch erneuert und modernisiert.

Bahnhof Baden, um 1900

1847 war Baden Endpunkt der ersten schweizerischen Eisenbahnlinie Zürich—Baden (Spanischbrötlibahn).

(Quelle und weitere Informationen: Historisches Museum Baden; www.baden.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Poggio Bracciolini (1380-1459), ‚Brief über die Bäder zu Baden (Mai 1416). Poggio Bracciolini war einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance. Er war Sekretär von insgesamt acht Päpsten. Er hat mit der Kunst der Satire, der Burleske und der literarischen Gegenwelt über die religiöse Gewalt geschrieben. Am 6. Juli 1415 wurde Johannes Hus in Konstanz als Ketzer verbrannt, am 30 Mai 1416 Hieronymus von Prag. Er war Zeuge von beiden Menschenverbrennungen. Offene Kritik an seinen päpstlichen Herren war ihm nicht möglich. Der Brief ‚die Bäder zu Baden‘ war seine Gegenwelt.

Badearzt Dr. Johann Alois Minnich (1801-1885)

Das ehemalige Inhalatorium

Kapelle St. Sebastian und das ehemalige Beinhaus

Ein Staatsstreich à la Suisse und die Europäische Union

Die politischen Diskussionen über das angestrebte neue institutionelle Abkommen mit der Europäischen Union zeigen ein diffuses Bild. Auf der einen Seite stehen Parteien, die wenig Sympathie, Verständnis und Unterstützung für die Wirtschaft aufbringen (Grüne und SP) und als begeisterte Befürworter im Hinblick auf das (vermeintliche) Interesse der Wirtschaft auftreten.

Auf der anderen Seite steht eine Partei (FDP), die Gründerin (im Jahr 1848) der heutigen Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Verfassung ist, die jedoch die Kantone ignoriert. Die Mitte ist, wie bei vielen Fragen, gespalten, und die grösste Partei (SVP) ist, wie bekannt, gegen weitere (institutionelle) Annäherung an die EU.

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bern, 12.9.1848. Faksimile. Das Original befindet sich im Bundesarchiv Bern

Die Erosion der Schweizer Demokratie und des Modells 

Was diese Diskussion jedoch deutlich macht, ist die Erosion des schweizerischen demokratischen Systems und der politischen Parteien. Die Grünen und die SP entpuppen sich mangels Zielgruppen immer mehr als Aktivisten (Ameti ist keine Ausnahme).

Bei der einen hat der internationale Sozialismus dem europäischen Föderalismus Platz gemacht, dem vermeintlichen Bruderbund der europäischen Länder und Völker sowie der Unterdrückten der Erde und der Schweiz, gegen die „üblichen Verdächtigen” und nicht gegen Iran, Afghanistan, Russland, China, Weissrussland, Venezuela, Kuba, Christenverfolgung, Islamismus, nichteuropäischen Rassismus und Diskriminierung.

Die andere sieht ihre Existenzberechtigung als Klimapartei bedroht und sucht nach anderen Formen des Aktivismus sowie nach Rechtfertigungen für ihr Bestehen.

Was die FDP bewegt, ist nicht ganz klar, aber eine ausgewogene institutionelle Diskussion über die weitreichenden verfassungsrechtlichen Folgen des angestrebten Abkommens hat nicht stattgefunden.

Ein Staatsrechtler behauptete kürzlich in einer Tageszeitung, der Bundesrat habe offenbar keine Juristen mehr in seinen Reihen. Aktivismus und Opportunismus im Bundesrat sind jedoch vielmehr die Ursache für das Fehlen einer fundierten Diskussion über die verfassungsrechtlichen Folgen des angestrebten Abkommens. Diese Diskussion, wenn überhaupt, hat einen normativen Inhalt (der Buchstabe des Gesetzes ist das Gesetz), der im 19. Jahrhundert nicht fehl am Platz gewesen wäre.

Bundeshaus die 26 Kantone

Moderne Rechtsfindung und Auslegung des Gesetzes

So wird beabsichtigt, dass ein obligatorisches Referendum nicht zur Anwendung kommen kann, da die Verfassung dies nicht vorsieht. Es liegt ja keine Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation vor (Art. 140 b). Von moderner Rechtsfindung, teleologischer, historischer und systematischer Auslegung des Gesetzes ist keine Rede, obwohl diese Grundsätze auch in der Schweiz, insbesondere nach 1945, allgemein anerkannt sind.

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel in derselben Tageszeitung behauptet eine Professorin für Rechtswissenschaften, dieses Abkommen sei nach seinen „verfassungsrechtlichen“ Implikationen zu beurteilen. Anschliessend kommt auch diese hochgelehrte Juristin zu dem Schluss, dass keine Mitgliedschaft in einer internationalen Organisation vorliegt und daher kein obligatorisches Referendum stattfinden kann. Die Uhr wird, um ein politisches Ziel zu erreichen, um zwei Jahrhunderte zurückgedreht.

Bundeshaus, der Gesetzgeber

Die grossen und noch unvorhersehbaren verfassungsrechtlichen Folgen des Abkommens

Die verfassungsrechtlichen Folgen sind nämlich enorm und noch nicht einmal vollständig absehbar. Die Europäische Union ist schliesslich ein dynamischer Prozess mit ihrem Gerichtshof als „Motor der Integration“.

Das dezentrale, föderale, auf direkte Demokratie, Subsidiarität, Milizsystem und Massarbeit ausgerichtete Schweizer Bottom-up-Modell wird juristisch und faktisch einer zentralistischen internationalen top-down Organisation von Bürokraten, Berufspolitikern und mächtigen Lobbyisten mit einem „One size fits all“-Prinzip von Spanien bis Finnland, von Italien bis Bulgarien untergeordnet.

Die Schweiz gibt einen Teil ihrer gesetzgebenden, exekutiven und rechtsprechenden Gewalt an eine internationale Organisation ab, die zudem demokratisch nur mässig legitimiert ist und sich manchmal auch durch Rhetorik, Misswirtschaft, grössenwahnsinnige Projekte und Ambitionen auszeichnet.

Die angestrebte politische, bürokratische, richterliche, gesetzgeberische und exekutive Verflechtung mit der EU fällt qualitate qua unter Artikel 140 (b).

Die Schweizer Verfassung ist doch eindeutig:

Art. 1: Das Schweizervolk und die Kantone bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Art. 2: Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.

Art. 3: Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränität nicht durch die Bundesverfassung beschränkt ist; sie üben alle Rechte aus, die nicht dem Bund übertragen sind.

Wenn  die gesetzgebende und rechtsprechende Gewalt sowie die Exekutive  an den Bund, geschweige denn an eine internationale Organisation, übertragen werden, ist die Zustimmung der Kantone obligatorisch. Dies ist in der Schweiz im obligatorischen Referendum nach dem Willen des Gesetzgebers geregelt und der Bericht ‚Rechtliche Übersicht und Analyse des Bundesamts für Justiz vom 27. Mai 2024′ ändert daran nichts, im Gegenteil.

In der Regel werden dem obligatorischen Referendum jene Vorlagen unterstellt, die tiefgreifend in die Rechtsstellung der Bürger oder in die Organisation des Staates eingreifen.

Zudem herrscht völlige Unklarheit über die zahlreichen gegenwärtigen und künftigen Zuständigkeiten der Europäischen Union, die in der dezentralisierten Schweiz nach wie vor unter die Souveränität der Kantone fallen (beispielsweise Steuern, Naturparks oder das monopolistische Unternehmen Salinas, der Besitz der 26 Kantone).

Kurz gesagt: Jeder Eingriff der Europäischen Union muss einem obligatorischen Referendum unterzogen werden, um dieser Kompetenzübertragung eine verfassungsrechtliche Grundlage zu geben. Tatsächlich hat der Bundesrat keine Ahnung von den gegenwärtigen und zukünftigen Kompetenzen der EU gegenüber den Kantonen.

Lausanne, Bundesgericht

Die Europäische Union und die Schweiz

Das heisst nicht, dass die Kernaufgaben der Europäischen Union in ihrer ursprünglichen Konzeption gescheitert sind. Im Gegenteil, aber sie ist eine Art aus den Fugen geratenes und nicht zu reformierendes bürokratisches und politisches Perpetuum mobile mit (zu) vielen (maroden) Mitgliedern geworden, die wenig oder gar keine Verbindung zueinander haben. „Zämme“ in Europa (so die Auffassung in der Verfassung des Kantons Basel-Stadt) existiert vor allem auf geduldigem Papier und steht für Aktivismus und Ideologie, nicht für Fakten.

Wie dem auch sei, verfassungsrechtlich müssen der Souverän (das Volk) und in diesem Fall auch die Kantone über dieses Abkommen entscheiden, das vielleicht kurzfristig wirtschaftliche Vorteile bringt, aber ein zu bequemer Weg in eine für die Schweiz verhängnisvolle faktische EU-Mitgliedschaft ist. Und dabei bleibt es nicht.

Die ETH in Zürich

Im Bereich Wissenschaft und Forschung spielt die Schweiz zudem eine prominente Rolle, und Angst vor neuen (illegalen) Sanktionen ist ein schlechter Ratgeber für die langfristige Perspektive. Das EU-Programm Horizon hat zwar viel Geld, aber das sagt wenig über Qualität, Integrität und (politische) Korruption aus. Der Euro wird auch mit Tausenden von Milliarden (illegal) subventioniert, hat aber seit 2002 etwa 40 % seines Wertes gegenüber dem CHF verloren. Die EU steht für Quantität, die Schweiz für Qualität.

Ein Vertrag mit der EU kann auch nicht einseitig gekündigt werden, obwohl er für das Land viele voraussichtliche und noch mehr unvorhersehbare negative Folgen haben wird.

Dann würde die EU wegen Vertragsbruchs enorme Sanktionen verhängen und der Wirtschaft jahrelange Unsicherheit bescheren. Darüber hinaus wird dieses Abkommen eine Dynamik in Gang setzen, die innerhalb von 15 Jahren zur Einführung des Euro, zur Abschaffung des Schweizer Modells und zur EU-Mitgliedschaft führen wird.

Mitspracherecht oder decision-shaping

Das Mitreden der Schweiz ist zudem etwas anderes als Mitentscheiden, und die niederländische Erfahrung hat gezeigt, dass selbst Mitentscheiden sehr relativ ist (3 % Einfluss) und  dass die „Schuldner“ im Widerspruch zum EU-Vertrag beispielsweise eine französisch-italienische Währung und eine französisch-italienische Europäische Zentralbank geschaffen haben.

Dieses Mitspracherecht ist nicht nur eine Farce, sondern auch eine Beleidigung der Schweizer Bürgerinnen und Bürger und insbesondere für die Schweizer Beamten, Rechtsanwälte und Lobbyisten interessant!

Die Niederlande können beispielsweise auch nicht mehr aus dem Euro austreten, da das Land inzwischen bereits mit rund 500 Milliarden Euro bürgt und dafür eine französisch-italienische Währung, die EZB, sowie eine hohe Inflation hat. Die EU hat systematisch gegen den Vertrag verstossen!

Das Felslabor Mont-Terri in Saint-Ursanne

Immigration, Zuwanderung und die Verfassung

Auch in einem anderen Bereich ist das Abkommen nicht nur schlecht durchdacht, sondern verstösst zudem gegen die Verfassung:

Art. 121a Abs. 1: Die Schweiz steuert die Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern eigenständig.

Art. 121 a (2): Die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz wird durch jährliche Höchstzahlen und Kontingente begrenzt. Der Anspruch auf dauerhaften Aufenthalt, auf Familiennachzug und auf Sozialleistungen kann beschränkt werden.

Art. 121 a (4): Es dürfen keine völkerrechtlichen Verträge abgeschlossen werden, die gegen diesen Artikel verstossen.

Das Abkommen mit der Europäischen Union, einer internationalen Organisation, ignoriert auch hier die Verfassung auf eklatante Weise.

Die Schweizer Einwanderungspolitik wird aufgehoben, denn jeder EU-Bürger erhält nach fünf Jahren eine permanente Aufenthaltsgenehmigung, einschliesslich des Familiennachzugs und der Sozialleistungen. Selbst das EU-Mitglied Dänemark hat bei der gescheiterten EU-Einwanderungspolitik eine Opt-out-Klausel gefördert, jedoch nicht die Schweiz.

Das Abkommen ignoriert, dass Millionen von Migranten/Flüchtlingen in EU-ländern, nicht nur in Deutschland,sehr einfach einen Pass erhalten haben und somit auch Zugang zur Schweiz haben. Spanien vergibt beispielsweise 500.000 Illegalen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, ohne weitere Prüfungen.

Hotel Tarasp

Die Kantone und der Bund dürfen nach EU-Gesetzen auch vorbestrafte Kriminelle aus EU-Ländern nicht kontrollieren und eine Aufenthaltsbewilligung enthalten, um nach fünf Jahren eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Die vielen geschlossenen Restaurants, Hotels und anderen (Gastronomie-)Betriebe im Land bieten auch Kriminellen günstige Möglichkeiten, sich in der Schweiz als Unternehmer niederzulassen und somit den Status „Erwerbstätig“ sowie Arbeitsverträge für Familienangehörige, Freunde und andere Clanmitglieder ohne weitere Überprüfung zu erhalten. Wer ist in Sachen Einwanderung souverän: Brüssel oder die Kantone und die Regierung?

Die Voraussetzung eines „Arbeitsvertrags“ ist nichtssagend, da Familien-, Freundes- und Clanstrukturen problemlos einen Job bei den vielen (obskuren) Unternehmen verschaffen. Die Loyalität liegt oft nicht beim Land und seiner Regierung, sondern bei Familie, Freunden und Clans. In Diktaturen ist es eine Überlebensstrategie: „Wenn du nicht vom Staat stiehlst, stiehlst du von der Familie.“ Das war im Kommunismus so und ist in vielen heutigen Auswanderungsländern noch immer der Fall.

In den Niederlanden, zum Beispiel, ist Betrug mit Kindergeld und anderen Sozialleistungen an der Tagesordnung, weil 1) die Situation in den Herkunftsländern kaum zu kontrollieren ist und 2) der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Kontrolle pro Land verboten hat, weil dies „ethnisches Profiling“ wäre.

Es ist zudem nicht an den Schweizer Behörden oder Richtern, sondern am Gerichtshof der Europäischen Union zu entscheiden, was ein Arbeitsvertrag ist. Und dieses Gericht ist sehr flexibel, ganz zu schweigen vom ebenfalls grosszügigen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg.

Ein automatisches Aufenthaltsrecht nach fünf Jahren wird eine grosse, dauerhafte „Zuwanderung“ zur Folge haben. Und das sind nicht die traditionellen Expats, die nie ihre Eltern und andere Familienmitglieder nachholen und meist nach ein paar Jahren wieder gehen.

Genf, am 22. September 2022, ein fakultatives Referendum 

Direkte Demokratie und die Europäische Union

Es ist auch Unsinn zu behaupten, dass die direkte Demokratie durch dieses Abkommen nicht beeinträchtigt wird. In den Niederlanden, einem der Gründerstaaten der EU, haben selbst das Parlament und die politischen Parteien oft keine Ahnung, was in Brüssel vorbereitet wird, oder sie werden zu spät oder unvollständig informiert.

Ausserdem wird die Niederlande regelmässig, auch in wichtigen Fragen, von (bankrotten) Ländern überstimmt (z. B. Fischerei, Einwanderung, Euro, Staatsbeihilfen, Subventionen, Klima – wegen EU-Vorschriften gibt es faktisch einen Baustopp, ein schlechtes Omen auch für die dicht besiedelte Schweiz). Die Europäische Kommission hat auch ein Verfahren gegen die Niederlande wegen des Monopols der relativ gut funktionierenden Niederländischen Eisenbahnen eingeleitet (die SBB und die Salines AG seien gewarnt!).

Schweizer Bürger haben oft schon Schwierigkeiten mit der Häufigkeit und den technischen Fragen bei nationalen Referenden, geschweige denn, dass es Menschen, Energie und Experten für Referenden zur EU-Gesetzgebung gibt! Hinzu kommt, dass die Europäische Kommission das Volk sogar bestraft, wenn es „Nein“ zu sagen wagt. Wer ist der Souverän im neuen Abkommen?

Bohrkopf des Basistunnels. Verkehrshaus der Schweiz, Luzern

Fazit

Abgesehen von anderen Diskussionspunkten (u. a. Strom, Lohnschutz) gibt es auf lange Sicht noch mehr offene Fragen und unerwünschte Überraschungen. Es sieht jedoch ganz danach aus, dass eine institutionelle Zusammenarbeit mit einer internationalen Organisation ohne die weitreichenden Konsequenzen zu berücksichtigen unbedingt realisiert werden muss. Aus diesem Grund werden die Kantone ignoriert.

Das kann auch nicht überraschen, wenn man sieht, wie ein Mitglied des Bundesrates auf eine Frage zum EU-Beitritt „Warum auch nicht?“ antwortete oder ein anderes Mitglied sich durch Selfies, Selbstdarstellung, Inkompetenz auf juristischem Gebiet und Aktivismus auszeichnet.

Und ja, die Europäische Union ist in vielerlei Hinsicht eine wichtige, sinnvolle und für die Schweiz bedeutende Organisation und Partnerin. Doch das Schweizer  gesellschaftliche, monetäre, politische, demokratische, wirtschaftliche, administrative und soziale Modell ist mit dieser Organisation und anderen EU-Mitgliedern unvereinbar.

Verträge mit der EU sind notwendig, aber dieses Abkommen reicht einfach nicht aus, verstösst in einigen Punkten gegen die Schweizer Verfassung, ist mit dem Schweizer Modell unvereinbar und gefährdet das Funktionieren und die Existenz der Schweiz.

Die EU ist ausserdem für die Schweiz kein sicherer Hafen, sondern eine Organisation mit vielen Widersprüchen. Nicht die Schweiz ist das Problem, sondern das Funktionieren der heutigen EU mit ihren vielen (maroden) Mitgliedern, ihrer privilegierten Bürokratie, ihrer Instabilität, ihrem Zentralismus und ihrem Protektionismus.

In verschiedenen Bereichen müssen bei Annahme des Abkommens ausserdem Verfassungsänderungen vorgenommen werden, zum Beispiel, dass die höchste gesetzgebende und rechtsprechende Gewalt in einer Vielzahl (auch jetzt noch nicht absehbarer) Bereiche in Brüssel und Luxemburg liegt, dass nicht das Volk, sondern die Europäische Kommission der Souverän ist, dass die EU die Schweizer Einwanderungspolitik bestimmt und dass Art. 84 (Alpeninitiative) auch seit 1994 durch die EU ignoriert wird, trotz neuer Tunnel und Milliardeninvestitionen.

Art. 84 A: Der alpenquerende Gütertransitverkehr von Grenze zu Grenze erfolgt auf der Schiene. Der Bundesrat trifft die notwendigen Massnahmen. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn sie unumgänglich sind. Sie müssen durch ein Gesetz näher bestimmt werden. Die Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet darf nicht erhöht werden. Von dieser Beschränkung ausgenommen sind Umfahrungsstraßen, die Ortschaften vom Durchgangsverkehr entlasten.

Das ist die Zukunft der direkten Demokratie in diesem Abkommen. Wenn das Volk und die Kantone dieses Abkommen annehmen, ist das eine Entscheidung gemäss der Schweizer Verfassung. Aber ein obligatorisches Referendum ist in Bezug auf dieses Abkommen verfassungsrechtlich obligatorisch. Die Diskussion weist jedoch bisher alle Anzeichen eines Staatsstreichs à la Suisse auf.

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Das Tal von Ormont, Glacier 3000 und Les Diablerets

Das Tal von Ormont (Kanton Waadt) war im 13. Jahrhundert in mehrere Lehen aufgeteilt, die dem Grafen von Savoyen, der Abtei St-Maurice, den Adligen von Saillon im Wallis sowie anderen Adligen gehörten. Im Jahr 1475 erwarben die Berner das Tal von Les Ormonts während der Burgunderkriege.

Die bernische Herrschaft war den Bewohnern von Les Ormonts nicht allzu streng, und die Ormonens blieben dem bernischen Regime treu. Im Jahr 1798 zog ein Detachement unter dem Kommando von Oberst Tscharner in Richtung Aigle, um die französischen Truppen aufzuhalten, und wurde dabei geschlagen. Ein weiteres Kontingent unter Oberst Forneret kämpfte erfolglos am Col de la Croix.

Schliesslich verkündeten die Pfarrer im Jahr 1798 von der Kanzel die Erklärung des Waadtländer Direktoriums, die die Unabhängigkeit des Waadtlandes verkündete.

Zwischen 1836 und 1840 wurde die Strasse gebaut, die Aigle über die Grands Rochers mit Sépey verbindet, später auch zwischen Sépey und Château d’Oex sowie zwischen Sépey und Les Diablerets.

Im Jahr 1913 wurde die elektrische Eisenbahn Aigle – Sépey – Les Diablerets in Betrieb genommen, und der Wintertourismus entstand. Ab 1950 ermöglichte die Zeit des Wohlstands den Bau des Glacier 3000, der Gondelbahnen, der Skilifte und der Postbuslinie Gstaad – Pillon (Glacier 3000 Halte)– Les Diablerets.

Les Diablerets

Der Ort Les Diablerets (Gemeinde Ormont-Dessus) liegt am Fuss des Diablerets-Massivs und an beiden Ufern der Grande Eau. Das erste Hotel wurde 1856 erbaut, das Grand Hôtel Les Diablerets.

Im Jahr 1881 liess das Grand Hotel für seine immer zahlreichere englische Kundschaft eine Kapelle im anglikanischen Ritus errichten. Im Jahr 1946 wurde die englische Kapelle in eine lokale protestantische Kirche umgewandelt.

 Der Gipfel der Diablerets

Der Gipfel der Diablerets (3.209 m), gelegen zwischen den Weiden von Anzeindaz im Süden und dem Tal Les Ormonts im Norden, galt seit jeher als gefährlicher und verfluchter Ort. Der Ort wurde zum Zufluchtsort böser Geister und zum Treffpunkt der Dämonen, so die Legende von Les Diablerets.

Das Geräusch ihrer Spiele mit den Felsen liess die Leute sagen, die Dämonen spielten Kegel, daher der Name „Quille du Diable“, der dem turmförmigen Felsen südlich des Tsanfleuron-Gletschers (Blümlisalp) und der Diablerets gegeben wurde. Es war ein Aufenthaltsort der Dämonen.

Glacier 3000

Heute kann man diesen Felsen problemlos besuchen, ohne dabei Dämonen zu begegnen. Im Herzen der Waadtländer Alpen bilden der Glacier 3000 und das mit Villars und Gryon verbundene Gebiet ein Paradies für Skifahrer, Wanderer, Langläufer und Schlittenfahrer.

Eindrücke aus Les Diablerets

Pascal Bettex, sculpture cinétique à la  Jean Tinguely, 2017. 

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Die zahlreichen Namen und Berühmtheiten von Villeneuve am Ufer des Genfersees

Die Stadt Villeneuve (Kanton Waadt) hat im Verlauf ihrer langen Geschichte verschiedene Namen getragen, die bis in die keltische und römische Zeit zurückreichen. Der Ort war jedoch bereits nach der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, besiedelt.

Die Lage am Ufer des Genfersees, die Verbindung zwischen Frankreich und Italien sowie das relativ milde Klima boten günstige Bedingungen für Handel, Besiedlung, Fischerei, Weinbau, Landwirtschaft und Jagd. Der helvetische Stamm der Kelten bewohnte die Region bereits in der Bronzezeit. Später nannten die Römer den Ort Pennelocus.

Das Tauredunum, Savoyen und Chillon

Nach dem Abzug der Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts verfiel die Ortschaft jedoch. Das Tauredunum markierte das Ende der Besiedlung. Dieser Tsunami zerstörte im Jahr 563 das bewohnte Gebiet bis nach Genf.

Die Ortschaft wurde dennoch unter dem Namen Compendiacus, später Compegniez, nach Compendius, einem Grundbesitzer, wieder aufgebaut. Der heutige Name und die Stadtrechte von Villeneuve gehen auf die Grafen von Savoyen zurück, die auch Herren von Chablais waren. Sie gründeten 1214 in der Nähe ihres Schlosses Chillon die Ortschaft Villeneuve de Chillon.

Villeneuve zählte kurz darauf bereits mehr als 2.000 Einwohner (Aigle hatte zu dieser Zeit „nur“ 160)! Von 1536 bis 1798 wurde Villeneuve von Bern verwaltet, gehörte dann in der Helvetischen Republik (1798–1803) zur Waadt und ab 1803 zum Kanton Waadt. Am 11. Mai 1800 hielt sich Napoleon mit seiner Armee während seines Italienfeldzugs (gegen die Habsburger) kurz in dieser Stadt auf.

Wie andere Orte am See (und in der Schweiz) hatte Villeneuve zahlreiche international bekannte Bewohner und Besucher, darunter Lord Byron (1788–1824), Léon Gambetta (1838–1882), Victor Hugo (1802–1885), Richard Wagner (1813–1883), Mahatma Gandhi (1869–1948), Tomás Masaryk (1850–1937), Edvard Beneš (1884–1948), Oskar Kokoschka (1886–1980) und Romain Rolland (1866–1944).

Das Schloss Chillon, die Kirche Saint-Paul und die Kunstwerke entlang des Sees  sind heute noch erhalten. Vevey mag zwar seine Gabel im See haben, aber Villeneuve hat ihren Baum!

(Quelle und weitere Informationen: Commune de Villeneuve)

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Kirche St. Paul

Die Züge und Tunnel in der Schweiz

Die Schweiz ist für ihre visionäre Politik im Bereich des öffentlichen Verkehrs und des Umweltschutzes bekannt (zum Beispiel der Gütertransport per Bahn durch ein weitreichendes Tunnelsystem, das auch den europäischen Kontinent klimafreundlich verbindet – und das ohne Subventionen der Europäischen Union (EU) selbst in den unwirtlichsten Regionen).

Der Bohrkopf des Gotthard-Basistunnels. Verkehrshaus der Schweiz, Luzern

Es ist bedauerlich, dass das Referendum von 1994 (die Alpeninitiative) zum Teil aufgrund des Eingreifens der EU nicht vollständig umgesetzt werden konnte. Darüber hinaus halten die EU, Deutschland und Italien trotz Milliarden an europäischen Subventionen ihre vertraglichen Verpflichtungen zum Bau von Bahnverbindungen mit der Schweiz nicht ein oder sind damit stark im Verzug.

So weigert sich Deutschland auch, um die Interessen des Hamburger Hafens zu schützen, die Verbindung zur niederländischen Betuwelijn herzustellen. Was bedeutet dann „Zämme in Europa“ (Verfassung des Kantons Basel-Stadt)? Und das ist nur ein Beispiel für die europäische Disunion.

Die Rhätische Bahn fährt (fast) immer

Doch Zugreisen sind auch ein komfortables Vergnügen für Geschäftsreisende oder Touristen. Zu den berühmten Strecken zählen unter anderem der Glacier-Express, die Pilatusbahn, die Rigibahn, die Gornergratbahn, der Jungfrau-Express, die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Berninabahn.

Auch weniger bekannte Strecken lohnen sich, zum Beispiel die Aigle-Leysin-Line, von Montreux nach Zweisimmen mit der GoldenPass-Line oder weiter nach Lenk im Simmental, von Montreux nach Interlaken mit dem GoldenPass-Express, von Montreux zu den Rochers-de-Naye oder von Montreux nach Lausanne und Genf durch das Lavaux.

 

Von Montreux nach Zweisimmen

Dieser Zug mit seiner Belle-Époque-Ausstattung fährt unter anderem durch Montbovon, Rossinière, Château d’Oex, Rougemont, Saanen und Gstaad und bietet dabei herrliche Landschaften und Panoramen bis nach Zweisimmen.

Von Montreux zu den Rochers-de-Naye

Diese Reise führt den Fahrgast auf über 2’000 Metern Höhe zu den Rochers-de-Naye mit einem grossartigen Ausblick auf den Genfersee, die Grand Hotels und die Alpenlandschaft.

 

Der regionale Naturpark Gruyère Pays-d’enhaut

 

 

Von Montreux nach Lausanne oder Genf durch das Lavaux

Das Lavaux ist die berühmteste Weinregion des Landes und steht sogar auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Eine Reise lohnt sich zu jeder Jahreszeit, besonders im Frühling und Herbst, wenn die Weinberge, Städte und malerischen Dörfer eine farbenfrohe Kulisse bieten.

Lavaux

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Ftan, die Contredanse française und das Hochalpine Institut

Auf einer Sonnenterrasse im Unterengadin befindet sich das Dorf Ftan, oder eigentlich zwei Ftans: Ftan Pitschen (das kleine Ftan) und Ftan Grond (das grosse Ftan).

Sein Territorium erstreckt sich weit hinein ins Silvrettagebiet, bis an die Grenze zum österreichischen Paznaun, mit dem Futschölpass und dem 3230 Meter hohen Augstenberg, auch Piz Blaisch Lunga genannt.

Die seit langer Zeit grosse Bedeutung des Futschölpasses verifizierte sich, als Archäologen Spuren prähistorischer Menschen fanden, deren älteste rund 10’500 Jahre alt sind. Die Römerzeit ist auch durch Funde nachgewiesen, die zudem eine sehr frühe alpwirtschaftliche Nutzung belegen.

Der mittelalterliche Kern dieser Geschichten findet sich in den jahrhundertealten Streitigkeiten mit der Nachbargemeinde Ardez um Wiesen und Weiden sowie den Zugang zum Futschölpass, der für die Sommerung und den Alpabzug den besten Weg darstellte.

Im Mittelalter lag das Unterengadin im Spannungsfeld zwischen den Grafen von Tirol, den Habsburgern, dem Bistum Chur und den Klöstern Marienberg (Südtirol) und Müstair. 1652 kaufte sich das Tal frei.

Das einzige Haus, das von allen Kriegen, Bränden und Lawinen verschont blieb, ist das Haus Florineth Nr. 97; seine Bausubstanz stammt aus dem Jahr 1582.

Ftan wurde oft von Lawinen (1682, 1720 und aktuellen Bedrohungen), Bränden (1723, 1784 und 1885) und Kriegen (1499, Engadiner oder Schwabenkrieg, 1622, Bündner Wirren 1619-1639) heimgesucht.

Einige Ftaner wandten sich einer militärischen Laufbahn zu und erwarben in französischen oder holländischen Diensten Wohlstand. Jon Peider Schmid de Grüneg diente im Bündner Regiment der Salis dem französischen König und erreichte den Rang eines Oberstleutnants.

Sein Cousin Martin Peider Padrotsch Schmid von Grüneg diente auch in diesem Regiment und schrieb die ‘Contredanses françaises’. So gelangte die ‚Haute Culture‘ ins Engadin. Augustin de Saint-Aubin (1736-1807), gravure 1774, La contredanse française. Tänze waren ein wichtiger Teil der Erziehungskultur der aristokratischen Gesellschaft. Die wichtigsten Gesellschaftstänze des französischen Hofes und des reichen Bürgertums waren im späten 18. Jahrhundert: die Contredanse und das Menuett. (Quelle: Erika Schneiter, ‘Contredanses statt Orden: die „Contredanses françaises“ des Martin Peider Padrotsch Schmid von Grüneg zu Ftan’, in Bündner Monatsblatt, Heft 5, 1992)

Andere Ftaner wandten sich dem Cafétier- oder Zuckerbäckerberuf zu und gründeten oder erwarben Geschäfte in Italien,in Nord- und Osteuropa, so etwa in Berlin, Kopenhagen, Danzig, Königsberg, Breslau, Moskau oder St. Petersburg

Die Rhätische Bahn eröffnete 1913 eine Station. Die Inbetriebnahme der Sesselbahn und des Skilifts im Winter 1970 führte zu einem weiteren Aufschwung des Wintertourismus. Das hintere Val Tasna mit den Alpweiden ist ausserdem ein Wander- und Sommerferienparadies. Die Mehrheit der zwölf Ftaner Seen liegt über der Waldgrenze. Sie sind aus den eiszeitlichen Gletschern in der Umgebung entstanden. Der bekannteste ist Lai da Minschun. Ein Wanderweg endet an der Bergstation Motta Naluns.

Die Fundation Muglin da Ftan erhält die kulturhistorisch bedeutende Mühle aus dem 17. Jahrhundert.

Nach dem Tuileriensturm in Paris kehrte im Herbst 1792 Pfarrer Andrea Rosius à Porta (1754–1838) in sein Heimatdorf Ftan zurück, wo er die Eröffnung einer Schule vorbereitete. Am 1. Oktober 1793 konnte er sein Institut à Porta eröffnen. Er bereicherte den Unterricht durch ein eigenes romanisches Lehrmittel «Il magister amiaivel». Aufgrund der Konkurrenz durch die Volksschulen musste das Institut im Jahr 1869 schliessen. Doch ein halbes Jahrhundert später öffnete erneut ein Institut seine Tore. Das Hochalpine Institut Ftan hat sich auf die Talentförderung spezialisiert. Im Jubiläumsjahr 1993 wurde auch das Internat eingerichtet und der Name in «Hochalpines Institut / Institut otalpin Ftan» umbenannt.

 (Quelle und weitere Informationen: P. E. Grimm, J. Wirth, Ftan, Scuol, 2016)

Aigle das erste französischsprachige reformierte Territorium

Aigle ist das erste französischsprachige reformierte Territorium der deutschsprachigen Eidgenossenschaft (nur das katholische Freiburg war auch Fribourg).

Aigle erschien erstmals um 1140 in einem Dokument. Dieses Dokument bezieht sich auf das von der Abtei d’Agaune (St. Maurice) gegründete Priorat St. Maurice von Aigle.

Das Kloster gibt es seit der Reformation in Aigle (1526-1528) nicht mehr. Die damalige Klosterkapelle wurde 1528 zur Pfarrkirche. Die erste Kirche wurde im 6. Jahrhundert während der (ersten) Burgunderzeit errichtet.

Die romanische Kirche stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Am Ende des 15. Jahrhundert wurden das Gewölbe und der Chor in gotischem Stil renoviert. Diese damalige Klosterkirche ist, mit ihrem Gemisch von romanischem und gotischem Stil, ein Monument unter dem Schutz der Eidgenossenschaft.

Aigle wurde 1475 zum ersten französischsprachigen Territorium der deutschsprechenden Eidgenossenschaft durch den Beschluss von Freiburg zur Übergabe von Aigle an die Republik Bern.

Die Kirche St. Jacques, heute die Deutsche Evangelische Kirche

Die aus den Landschaften Aigle, Ollon, Bex und Les Ormonts bestehende Herrschaft Aigle war auch die erste Bastion der Reformation in der französischsprachigen Schweiz! Der Reformator Guillaume Farel (1489-1565) predigte am 30. November 1526 in der Kirche St. Jacques das erste Mal in der französischsprachigen Schweiz.

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Aigle ist also nicht nur der erste französischsprachige Ort der deutschsprachigen Eidgenossenschaft, sondern auch der erste reformierte Ort in der französischsprachigen Schweiz, und nicht Neuchâtel (1530), Lausanne (1536) oder Genève (1536)!

 

Die Magie des Murten Licht-Festivals

Von der Altstadt bis ans Seeufer verwandeln immersive und interaktive Werke Murten (vom 21. Januar bis 1. Februar 2026) in eine offene Bühne unter freiem Himmel. Die Magie des Murten Licht-Festivals entsteht nicht erst auf den Strassen – sie beginnt lange zuvor im kreativen Prozess.

Ein Programmkomitee wählt sorgfältig Werke aus, die den Rundgang prägen werden: poetische Installationen, interaktive Arbeiten, spektakuläre oder immersive Beiträge – ein ausgewogener Mix, der ein breites Publikum zum Staunen einlädt.

Diese künstlerische Reise wird möglich durch alle, die sich daran beteiligen: etablierte Kunstschaffende, junge Kreative aus dem Kanton sowie Schulklassen, die ihre ersten Schritte in der Lichtkunst machen. Gemeinsam verwandeln sie Murten während zwölf Tagen in eine offene Bühne, die Besucherinnen und Besucher in eine Traumwelt eintauchen lässt, in der die Altstadt zum Ort des Erlebens und des Austauschs wird.

(Quelle und weitere Informationen: Murten Lichtfestival)

Vogel Gryff, Leu und Wild Maa in Basel

Piccoloflöten, Trommeln und Marschmusik sind in Basel quasi synonym mit der Fasnacht (in diesem Jahr vom 23. bis zum 25. Februar), aber die Tradition, die jährlich am 13. und 20. oder 27. Januar mit Trommeln im Kleinbasel geehrt wird, hat einen anderen Ursprung:

Drei Ehrengesellschaften mit jahrhundertelanger Tradition begrüssen ihre Figuren Vogel Gryff, Leu und Wild Maa. Die Tradition reicht Jahrhunderte zurück, als Kleinbasel und Grossbasel noch zwei verschiedene, durch den Rhein getrennte Städte waren. Im Jahre 1225 wurde die (hölzerne) Rheinbrücke gebaut, die erst 1905 durch die heutige Mittlere Brücke ersetzt wurde.

Diese Brücke führte zu einem starken Wachstum des Handels und der wirtschaftlichen Prosperität in Kleinbasel, wodurch Rudolf I. 1285 Kleinbasel das Stadtrecht genehmigte.

Wandmalerei in Kleinbasel

In den folgenden Jahrzehnten organisierten sich prominente Bürger in drei Gesellschaften: die Ehrengesellschaft zum Rebhaus wurde 1304 erstmals erwähnt mit dem Leu (Löwe), die Ehrengesellschaft zur Hären mit dem Wilden Maa (wilden Mann), die 1384 erstmals erwähnt wurde, und die Ehrengesellschaft zum Greifen mit dem Vogel Gryff (1409 erstmals erwähnt).

Diese Gesellschaften waren keine Zünfte, sondern vereinigten Bürger, die die Interessen des Kleinbasels vertraten und unter anderem die Bewachung der Stadtmauern übernahmen. Einmal im Jahr präsentierten sie auf einem Marsch durch die Stadt die Waffen.

In dieser Hinsicht gibt es eine Parallele zur Fasnacht, denn auch sie ergibt sich aus der jährlichen Präsentation von Waffen durch die Schützen.

Am 13., 20. Oder am 27. Januar organisierten sie ihren eigenen Marsch. Seit 1839 tun sie dies mit wechselnden Terminen, wobei jeweils eine der Gesellschaften den Vorsitzenden stellt. In diesem Jahr findet Vogel Gryff unter dem Vorsitz der Ehrengesellschaft zur Hären am 20. Januar statt.

Der Tag beginnt mit der Fahrt des Flosses mit Wilden Mann zur kleinen Fischerhütte ‚Wild Maa-Horst‘. Die Kanoniere auf dem Floss geben mittlerweile Schüsse ab. Vogel Gryff und Leu grüssen Wilde Maa beim Café Spitz/Hotel Merian in der Nähe der Mittleren Brücke. Das Floss fährt weiter bis zum Museum Kleines Klingental.

Die drei Figuren präsentieren sich dann den ganzen Tag bis 23.00 Uhr in rituellen Tänzen vor Würdenträgern und Einwohnern des Kleinbasels, wobei sie immer Grossbasel den Rücken kehren, auch beim Käppelijoch auf der Mittlere Brücke.

Es ist ein intensiver Anlass, denn er findet an rund 40 Orten für unterschiedliche Personen statt. Drei Fahnenträger, Trommler und vier Narren, auch Ueli genannt, begleiten Vogel Gryff, Wilde Maa und Leu.

Die Mitglieder der drei Gesellschaften (150 pro Gesellschaft) nehmen am Nachmittag ein gemeinsames Mahl ein, das Gryffemähli.

Die Trennung vom Grossbasel wird in dieser Tradition strikt eingehalten. Der Umzug geht genau bis zur Hälfte der Mittleren Brücke und die Figuren wenden sich immer in Richtung von  Kleinbasel und kehren so dem Grossbasel den Rücken zu,  In der Grossbasler Kathedrale wird aber das Wappen der drei Gesellschaften auf Fenstern dargestellt.

Bis spät in den Abend marschieren die drei Figuren, Fahnenträger, Trommler und Ueli durch Kleinbasel.

(Quelle und weitere Informationen: www.vogel-gryff.ch)

Das alte Kostüm (bis 2015) von Vogel Gryff. Über 40 Kilogramm schwer ist das Kostüm. Museum Kleines Klingental

Wandmalerei in Kleinbasel

 Café/Hotel Merian, Kleinbasler Seite

Die Grossbasler Seite

 

Leu und Vogel Gryff. Die Polizisten tragen zur Feier des Tages ihre traditionellen Bobby-Helme

Die Fahnen der drei Ehrengesellschaften auf der Mittlere Brücke 

Basel, Café Spitz/Hotel Merian