Die Rigi. Foto/Photo: TES

Die Rigi Region

Einer der berühmtesten Berge der Schweiz ist die Rigi. Anders als etwa beim St. Gotthard, dem Matterhorn (Zermatt) oder der Jungfrau ist es nicht ihre Höhe (1 798 m ü. M.), sondern ihre Lage, der Vierwäldstattersee und ihre Geschichte, die ihr den Namen „Königin der Berge“ einbrachte.

Albrecht von Bonstetten (1443-1504), die erste Darstellung der Eidgenossenschaft, 1479. Die Eidgenossenschaft als Mittelpunkt der Erde und die Rigi, Königin der Berge, regina montium. Sammlung: Bibliothèque nationale de France. Latin 5656, S. 8r. Bild: Museum Vitznau-Rigi.

Bis ins 18. Jahrhundert war die Zentralschweiz vor allem ein Transitland auf dem Weg nach oder von Italien für die „Beau Monde“ und die „Grand Tour“ der englischen Adligen. Nur wenige zeigten oder hatten Interesse an dem teilweise unwirtlichen Land. Diplomaten, Prälaten, Pilger, Händler und andere Reisende mit geschäftlichen Absichten kamen nicht über die grösseren Städte oder Klöster des Landes hinaus. Tourismus, Alpinismus, Naturliebhaber oder Wanderer gab es noch nicht.

Die „Wäggemann-Karte, 1630 mit den Dörfern Weggis, Vitznau en Greppen. Bild: Museum Vitznau-Rigi

Die drei Hauptorte der Rigi-Region sind Weggis, Vitznau und Greppen. Weggis wird erstmals 1116 als „Guategisso“ urkundlich erwähnt. Greppen und Vitznau werden Crepon“ (1259)  und „Vitzenouwa“ (1346) genannt.

Weggis und Vitznau waren zunächst im Besitz des Klosters Pfäfers. Luzern erwarb Vitznau und Weggis im Jahr 1380. Greppen war im Besitz der Habsburger, bis Luzern das Dorf im Jahre 1406 erwarb.

Greppen heute

750 Jahre Greppenim Jahr 2009

Der Heilige Wendelin

Weggis heute

Weggis hingegen hatte für kurze Zeit, von 1359 bis 1380 (bis zum Erwerb durch Luzern), den Status einer souveränen „Dorfrepublik“ und war sogar als Bündnispartner der Eidgnossenschaft angeschlossen. Das nahe gelegene Gersau behielt diesen Status sogar bis 1798!

Vitznau heute

Bis 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik (1798-1803) änderte sich in der Rigi-Region politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht viel, abgesehen von mehreren Aufständen unzufriedener Bewohner wegen unerträglicher sozialer Umstände und der Haltung der Luzerner Verwaltung.

Der „Luzern“ bei Weggis

Das Aufkommen von Journalismus und Zeitungen Ende des 18. und Anfang des 19. Jh. sowie die Aufmerksamkeit von Schriftstellern und Intellektuellen für die Schweiz innerhalb einer Generation einen regelrechten Schweiz-Boom verursachten.

Jean-Jacques Rousseau, Lord Byron, Madame de Staël, Johann Wolfgang von Goethe und Edward Gibbon sind nur einige Beispiele von Persönlichkeiten, die sich für die Schweiz interessierten. Die “ersten Amerikaner“ Thomas Jefferson, James Madison und John Adams beriefen sich in ihrer Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 auf diese eigentümliche republikanische Konföderation in Mitteleuropa inmitten von Monarchien.

Die Industrialisierung des Landes, einschliesslich der Uhren- und Textilindustrie, begann sich ebenfalls bemerkbar zu machen.  Die Napoleonischen Kriege bedeuteten jedoch eine Stagnation bis 1815.

Nach 1815 vollzog sich der wirtschaftliche, soziale und politische Wandel jedoch rasch. Die Rigi-Region war eine der ersten, die davon profitierte. Eine neu gebaute Strasse ermöglichte ab 1820 eine direkte Postkutschenverbindung von den Schiffstellen und Schiffländen unter anderem nach Rigi-Scheidegg, Rigi-Kulm und Rigi-Kaltbad. Es ist kein Zufall, dass an diesen Orten die ersten Grand Hotels des Landes gebaut wurden. Der Transport fand damals hauptsächlich über den Vierwaldstättersee statt.

Die ersten Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee wurden 1837 in Betrieb genommen. Die Firma Escher Wyss wurde sogar europaweit führend im Bau dieser Schiffe! Mit dem Bau von Eisenbahnen wurde der Transport zum Vierwaldstättersee und später zur Rigi ab 1870 immer komfortabler.

Grand Hotels schossen wie Pilze aus dem Boden.  Weggis, Vitznau und Greppen profitierten vom Tourismusboom. Atemberaubende Aussicht auf die Alpen, gute Wandermöglichkeiten, bequeme Erreichbarkeit, Grand Hotels und Bäder sowie Schifffahrten auf dem See trugen zur Attraktivität der Rigi-Region bei.

Die Rigi-Bahn. Bild: Museum Vitznau-Rigi

Der 21. Mai 1871 war ein denkwürdiger Tag. Die Vitznau-Rigi-Bahn, das erste Zahnradbahnsystem, wurde in Betrieb genommen. Einer der ersten Schweizer Kurvereine zur Förderung des Tourismus wurde 1888 in Vitznau gegründet, 1893 folgte der Kurverein Weggis.

Die Infrastruktur, Strassen, öffentliche Toiletten, öffentliche Unterhaltung (Theater, Konzerte), Sitz- und Ruhebänke, Alleen mit Bäumen, elektrische Strassenbeleuchtung, die Wasserversorgung, Häfen und der tägliche Reinigungsdienst waren damals und sind bis heute gut organisiert.

Die St. Markuskirche, Vitznau

Die ausländischen Touristen brachten auch die protestantische Religion in den katholischen Kanton. Die reformierte St. Markus-Kirche in Vitznau war 1904 die erste nicht-katholische Kirche in einem Dorf des Kantons.

Die Rigi war auch Schauplatz der ersten Skiversuche in der Zentralschweiz. Josef Dahinden-Pfyl, Besitzer des Hotels Bellevue in Kaltbad, und die Sektion Pilatus des 1863 gegründeten Schweizer Alpen Clubs (SAC) unternahmen die ersten Skitouren auf der Rigi. Ab 1907 transportierte die Rigi-Bahn auch im Winter Gäste nach Scheidegg, Kulm und Kaltbad. 1908 wurde der Skiclub Rigi gegründet. Die Rigi war nun zu einem Ganzjahresziel für Winter- und Sommersport und -Tourismus geworden.

Plakat um 1930 Bild: Museum Vitznau-Rigi

Weggis, Das Strandbad Lido heute

Das war aber noch nicht das Ende der Innovationen in der Rigi-Region. In Hertenstein entstand eines der ersten Freilichttheater des Landes, in Weggis wurde 1919 das erste gemischte Freibad (für Männer und Frauen) am Vierwaldstättersee eröffnet. Es war ein grosser Erfolg und besteht bis heute.

Neben den vielen touristischen Angeboten verdient in diesen ökologischen Zeiten eine weitere Sache Aufmerksamkeit. Greppen ist (wieder) ein Kastanienparadies geworden mit der jährlichen Chestene-Chilbi.

Greppen, der Kastanienweg (Rigi-Chestene-Weg)

Über Jahrhunderte war die Kastanie ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Mitte des 20. Jahrhunderts geriet sie in Vergessenheit. Es gab viele Alternativen und die Kastanienkultur ist fast verschwunden. Um das Jahr 2000 erlebte die Edelkastanie jedoch ein Revival.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Greppen; Ferienregion Weggis-Vitznau; Museum Vitznau-Rigi)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

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