Villeneuve. Photo, Foto: TES

Die zahlreichen Namen und Berühmtheiten von Villeneuve am Ufer des Genfersees

Die Stadt Villeneuve (Kanton Waadt) hat im Verlauf ihrer langen Geschichte verschiedene Namen getragen, die bis in die keltische und römische Zeit zurückreichen. Der Ort war jedoch bereits nach der letzten Eiszeit, vor etwa 10.000 Jahren, besiedelt.

Die Lage am Ufer des Genfersees, die Verbindung zwischen Frankreich und Italien sowie das relativ milde Klima boten günstige Bedingungen für Handel, Besiedlung, Fischerei, Weinbau, Landwirtschaft und Jagd. Der helvetische Stamm der Kelten bewohnte die Region bereits in der Bronzezeit. Später nannten die Römer den Ort Pennelocus.

Das Tauredunum, Savoyen und Chillon

Nach dem Abzug der Römer zu Beginn des 5. Jahrhunderts verfiel die Ortschaft jedoch. Das Tauredunum markierte das Ende der Besiedlung. Dieser Tsunami zerstörte im Jahr 563 das bewohnte Gebiet bis nach Genf.

Die Ortschaft wurde dennoch unter dem Namen Compendiacus, später Compegniez, nach Compendius, einem Grundbesitzer, wieder aufgebaut. Der heutige Name und die Stadtrechte von Villeneuve gehen auf die Grafen von Savoyen zurück, die auch Herren von Chablais waren. Sie gründeten 1214 in der Nähe ihres Schlosses Chillon die Ortschaft Villeneuve de Chillon.

Villeneuve zählte kurz darauf bereits mehr als 2.000 Einwohner (Aigle hatte zu dieser Zeit „nur“ 160)! Von 1536 bis 1798 wurde Villeneuve von Bern verwaltet, gehörte dann in der Helvetischen Republik (1798–1803) zur Waadt und ab 1803 zum Kanton Waadt. Am 11. Mai 1800 hielt sich Napoleon mit seiner Armee während seines Italienfeldzugs (gegen die Habsburger) kurz in dieser Stadt auf.

Wie andere Orte am See (und in der Schweiz) hatte Villeneuve zahlreiche international bekannte Bewohner und Besucher, darunter Lord Byron (1788–1824), Léon Gambetta (1838–1882), Victor Hugo (1802–1885), Richard Wagner (1813–1883), Mahatma Gandhi (1869–1948), Tomás Masaryk (1850–1937), Edvard Beneš (1884–1948), Oskar Kokoschka (1886–1980) und Romain Rolland (1866–1944).

Das Schloss Chillon, die Kirche Saint-Paul und die Kunstwerke entlang des Sees  sind heute noch erhalten. Vevey mag zwar seine Gabel im See haben, aber Villeneuve hat ihren Baum!

(Quelle und weitere Informationen: Commune de Villeneuve)

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Kirche St. Paul