Fortyseven in Baden und Baden in Aquae Helveticae
16 Dezember 2025
Das Thermalbad Fortyseven am Ufer der Limmat in Baden (Kanton Aargau) ist 160 Meter lang und verfügt über elf Saunen und acht Wasserbecken. Mario Botta (1943), der berühmte Tessiner Architekt, arbeitete 15 Jahre lang an diesem Projekt.

Vierzehn aus der Erde sprudelnde Quellen liefern das Wasser. Der Komplex ist kein Wasserpark. Die heilsame und heilende Wirkung der Quellen steht im Vordergrund. Der Name verweist auch auf diese Nutzung: Das Schwefelwasser der Quellen erreicht eine Höchsttemperatur von 47 Grad Celsius.

Baden war schon in der Römerzeit wegen seiner Thermen ein bedeutender Ort. Der römische Name lautete daher Aquae Helveticae, „helvetische Gewässer“. Aus diesem Grund wurde in der Nähe das Legionslager Vindonissa (das heutige Windisch) errichtet. Dies wurde zur römischen Stadt, zu der auch das heute noch sichtbare Amphitheater gehört. Das Vindonissa-Museum widmet sich dieser Geschichte ausführlich.
Im Mittelalter wurde Baden sogar zum grössten Kurort nördlich der Alpen. Nach der Besetzung des habsburgischen Aargaus durch die Eidgenossenschaft im Jahr 1415 wurde Baden zum Sitz der Tagsatzung der acht Kantone. Das Vorhandensein von Quellen und Bädern spielte bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle.

Die grösste Blütezeit war jedoch das 19. Jahrhundert. Entlang der Limmat bauten Investoren riesige Hotels und Bäder. Einige von ihnen, wie der Verenahof, sind noch erhalten. Das Grand Hotel, das dreimal so gross (!) war wie der heutige neue Komplex von 160 Metern, wurde 1944 abgerissen. Das Kasino, der Kurpark, der Kursaal und das Kurtheater in der Stadt erinnern an die Pracht der Belle Époque.

Residenz und Brasserie Bad Schwanen
Nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit den Bädern in der Schweiz und in Baden bergab. Das alte Römerquartier an der Limmat mit seinen schönen Hotels und Bädern versank in einen tiefen Schlaf.

Die Initiative der Investoren im Jahr 2006, die Kreativität der Architekten, das Engagement der nationalen Denkmalpflege und des Heimatschutzes sowie der Einsatz lokaler Behörden, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger haben das Dornröschen der Schweizer Bäder wieder zum Leben erweckt.
Der Verein Bagni Populari und Aquae Helveticae erleben
Auf der anderen Seite der Badeanlage Fortyseven findet zudem eine weitere Premiere, oder besser gesagt, eine Wiederbelebung einer fast zweitausendjährigen Badekultur statt. Der Verein Bagni Populari hat die alte Tradition der für alle zugänglichen Thermalquellen wiederbelebt.

Die heissen Quellen in Baden produzieren Tausende Liter pro Tag. Zur römischen Zeit (15 v. Chr.– 410 n. Chr.) waren die zahlreichen Badehäuser (Thermen) und Brunnen für die Bewohner und die Soldaten des Legionslagers Vindonissa frei zugänglich.
Nach der Einwanderung der Alemannen im fünften Jahrhundert verschwand die Badekultur. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert wurde Baden jedoch wieder zum wichtigsten Badeort in Mitteleuropa.
Es gab jedoch einen wichtigen Unterschied zur römischen Zeit: Der Adel und das Bürgertum hatten ihre eigenen Badehäuser in geschlossenen Räumen, das Volk nutzte die vielen heissen Quellen im Freien.
Diese Tradition wurde bis 1870 fortgesetzt. Zu dieser Zeit wurden die grossen Badehäuser und Thermen für den Beau Monde im Bäderviertel (dem römischen Viertel) der Stadt gebaut.

Diese Klientel wollte nicht mit Menschen konfrontiert werden, die auf dem Weg zu ihrem Ziel unter freiem Himmel badeten. Die Freibäder verschwanden und es gab sogar ein Verbot, das bis vor Kurzem in Kraft war.
Der 2017 gegründete Verein Bagni Populari hat die Initiative ergriffen, diese Quellen (je nach Aussentemperatur zwischen 37 und 43 Grad Celsius) wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Immerhin sind die Quellen noch vorhanden und gehen sonst direkt in die Limmat.
So hat Fortyseven seit November einen öffentlichen Wettbewerber auf Mikroebene und Aquae Helveticae lebt fort.
Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Basel hat etwa 250 Quellen, aber nur diese hat (künstliches) warmes Wasser!
