Kasernegebäude im Legionslager Vindonissa. Foto: TES,

Das Legionslager Vindonissa

Der Feldzug der römischen Generale Drusus (38 – 9 v. Chr.) und Tiberius (42 v. Chr. – 37 n. Chr., Kaiser 14-17 n. Chr.), Stiefsöhne Kaisers Augustus, führte unter anderem zur Besetzung des schweizerischen Mittellandes.

Nach der römischen Niederlage im Jahre 9. n. Chr wurde der Gedanke zur Elbe vorzustossen aufgegeben und Kaiser Tiberius begann die Nordgrenze zu konsolidieren. Das Legionslager von Vindonissa wurde, in der Nähe des Zusammenflusses von Aare und Reuss, auf einer Terrasse errichtet.

Hier kreuzten sich nicht nur diese beiden Flüsse, sondern auch die wichtigen Verkehrswege von Augusta Raurica zu den Bündner Pässen und aus dem Mittelland Richtung Donautal.

Das Lager wurde ständig ausgebaut bis die endgültige Grösse für 6 000 Soldaten erreicht war. Die Holzbauten wurden allmählich durch Fachwerkbauten mit Steinsockeln ersetzt.

Ausserhalb der Lagermauern befanden sich Häuser der Siedlung, zu der ein grosser Marktplatz, das Amphitheater, Thermen, Tempel und andere öffentliche Gebäude gehörten. Es entstand eine Wirtschaft für die Ernährung und Versorgung der Soldaten, Offiziere und militärische Fachleute.

Das Lager bildete in seinem Umrissen ein unregelmässiges Siebeneck mit einer Fläche von 21 ha. Es war umgeben von einem Holz/Erde-Wall mit doppeltem Spitzgrabensystem.

Die innere Aufteilung ergab sich aus den beiden üblichen Hauptstrassen, aus der via decumanus und aus der via cardo. An ihrem Kreuzungspunkt erhoben sich die Gebäude des Hauptquartiers mit Basilica, Verwaltungsgebäuden und dem Legatenpalast als Sitz des Kommandanten.

In der Mitte stand die Badeanlage, gegenüber das Militärspital. Südlich des Bades schloss ic hein heiliger Bezirk mit Tempeln an. Nördlich und westlich von Spital und Thermen standen die Kasernenbauten, die Soldaten und Unteroffizieren Unterkunft boten, auf einer Länge von 90 Metern Platz für 200 Soldaten.

Eine ganze Anzahl von Magazinen und Werkstattbauten umringten diese Gebäude. Die Reiterei verfügte über Stallungen.

In villen und ähnlichen Gebäuden wohnten die Offiziere. Die Villa des Kommandanten kann man heute besichtigen.

Die unter Kaiser Domitian (51-96, Kaiser 81-96) erfolgte Erweiterung des rechtsrheinisch besetzten Gebietes und die damit verbundene Erbauung von Limes zwischen Taunus und Donau, änderte die Funktion von Vindonissa, das vermehrt zum Versorgungs- und Basislager wurde, bis das Lager im Jahre 101 unter Kaiser Trajan aufgehoben wurde.

Vindonissa wurde aber nach den germanischen Invasionen in den Jahren 259/260 und dem endgültigen Fall des obergermanischen Limes in dieser Zeit wieder Legionslager.

Militärische Einheiten waren bis kurz nach 400 in Vindonissa anwesend. Nach der Auflösung der militärischen Grenzorganisation und dem Ende des Legionslagers im Jahre 406 blieb Vindonissa bewohnt und ist als Bischofssitz des  5. Jahrhunderts überliefert.

Es gibt noch immer sichtbare Denkmäler und auch Rekonstruktionsbauten auf dem Gelände des Legionslagers. Das Westtor und das Nordtor der Lagerbefestigung, der Bühlturm, die Mansio, das Amphitheater, die Wasserleitung, viele Fundamente und rekonstruierte Gebäude präsentieren das Lager wie es damals war.

Im Zentrum von Brugg steht ausserdem seit 1912 das Vindonissa-Museum  mit einer Auswahl von Funden aus dem gesamten Gebiet von Vindonissa, die einen Einblick in das tägliche Leben römischer Soldaten geben.

(Quelle: M. Hartmann. Das römische Legionslager von Vindonissa, Brugg 2003).

Korrektorin: Carolina Bearth