Elsässerditsch, Der Kleine Prinz und alemannische Mundartdichter
16 Oktober 2024
Sprachen sind nach wie vor das wichtigste Kommunikationsmittel, mündlich, schriftlich, in Worten und in Gesten. In der mehrsprachigen Schweiz kennt man sich damit aus.
Aber auch die Nachbarregionen haben eine interessante Sprachgeschichte und -entwicklung. Das gilt für Savoyen in Frankreich, Südtirol (Adige), das Aostatal, Piemont und die Lombardei in Italien, Tirol und Vorarlberg in Österreich, die Bodenseeregion, Baden, die Franche-Comté und das Elsass.

Elsass
Die ursprünglich deutschsprachige Region Elsass wurde nach der Angliederung an Frankreich im 17. Jahrhundert schrittweise zweisprachig. Ab 1945 entwickelte sich die Region immer mehr zu einer rein französisch-sprachigen Region.

Bis zum Zweiten Weltkrieg konnten sich beispielsweise die Bewohner von Baden, Basel und vom Elsass untereinander gut im alemannischen Dialekt verständigen. Nach 1945 gingen diese Regionen jedoch sprachlich eigene Wege.

Seit einigen Jahren hat das Elsässerditsch (im Elsass gesprochenes Deutsch) ein neues Leben begonnen. Ortsnamen sind (wieder) zweisprachig (auf Elsässerditsch und Französisch), Medien und Kultur schenken ihm mehr Aufmerksamkeit.
Die jahrhundertealte alemannische und teilweise fränkische Sprache im Elsass ist also noch nicht ganz verloren. Wegen ihrer jahrhundertelangen Verbindung zu den nordwestlichen deutschsprachigen Kantonen (Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau) und zum französischsprachigen Jura wird im Folgenden die Entwicklung des Elsässerditsch und Französisch auf der Grundlage von Informationen des Ecomusée d’Alsace in Ungersheim kurz beschrieben.

Bild: Ecomusée d’Alsace
Elsässerditsch, Französisch (und Elsässer Yiddisch (le yiddish alsacien)
Das Museum ist bestrebt, die regionale Sprache zu fördern und präsentiert daher ein Modell betreffend eine regionale Beschilderung für die Gemeinden im Elsass.
Man unterscheidet fünf germanischen Dialektgruppen sowie zahlreiche Varianten:
Hochalemannisch im südlichen Elsass, Niederalemannisch im Norden, Niederalemannisch im Süden, Pfälzer Rheinfränkisch (francique rhénan palatin) im nördlichen Elsass und Lothringisches Rheinfränkisch (francique rhénan lorrain oder Lothringer Platt) im Krummen Elsass (l’Alsace Bossue) nahe Lothringen.

Darüber hinaus gibt es im Elsass verschiedene andere Mundarten: das elsässische Yiddisch, das Romanisch-Lothringische (le roman-lorrain) und die im südlichen Oberelsass (le roman du Haut-Rhin) gesprochene romanische Mundart.
Diese Dialekte entstammen Mundarten, die der deutschen und französischen Sprache zugrunde liegen, aus denen sich das Hochdeutsch und das moderne Französisch entwickelt haben. Die germanischen Dialekte im Elsass kommen in den angrenzenden Gebieten der Schweiz, Deutschlands und Österreich vor.

Die romanischen Mundarten
Es gibt 4 Vogesen-Hochtäler im Elsass, in denen die romanisch-lothringischen Mundarten präsent sind: Bruche, Lièpvrette, Giessen und Weiss. Sie werden im Elsass „Welche“ genannt. Diese Mundarten sind vom Lateinischen abgeleitet, das von Soldaten, Händlern und Verwaltern und anschliessend von den Geistlichen verbreitet wurde.
Diese romanisch-lothringischen Mundarten im Elsass gehören zu den Oïl-Sprachen, die alle romanischen Sprachen nördlich der Loire umfassen, und aus denen das moderne Französisch entstand. In den Gebieten nahe der fränkischen und alemannischen Sprachgrenze flossen ihre Ausdrücke in die romanischen Mundarten ein.

Die im Süden des Oberelsass, im Franche-Comté und im Schweizer Jura präsente romanische Mundart (le roman du Haut-Rhin) entwickelte sich um das 7. Jahrhundert. Wörter keltischen und alemannischen Ursprungs wurden auch hier übernommen.
Heute ist das moderne Französisch fast überall Standard, sowohl in Frankreich als auch in der französischsprachigen Schweiz. Das Patois ist praktisch verschwunden oder spielt keine Rolle mehr, abgesehen von einigen wenigen Regionen, wie z.B. dem Wallis.

Fazit
Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass die Elsässer mit den Baslern und Badenern bis 1945 problemlos in ihrem Dialekt sprechen konnten!
Zu diesem Aspekt, den Dialekten und der Geschichte der deutschen Sprache (und noch viel mehr) bietet das Museum Sprachpanorama in Laufenburg ausführliche und interessante Einblicke.
Das Ecomusée d’Alsace stellt sein Sprachmodell in die Perspektive des Elsass der vergangenen Jahrhunderte, sozusagen ein Ballenberg im Elsass.



Ausserdem schaut der Petit Prince aus einer kleinen Entfernung zu, nämlich im Parc du Petit Prince, in der Welt von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944).
Der Autor des Kleinen Prinzen (Le Petit Prince) wäre stolz auf die Ausgabe ‚´D’r Klein Prinz‘ seiner weltberühmten Geschichte im elsässischen Dialekt gewesen.





Auch der DreylandDichterweg entlang dem Rhein mit 24 Gedichten alemannischer Mundartdichter thematisiert den lokalen Dialekt. Er verläuft von Basel nach Huningue und Weil am Rhein.
(Quelle und weitere Informationen: Ecomusée d’Alsace in Ungersheim)
Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen
Weitere Eindrücke aus dem Ecomusée d’Alsace















