Langenbruck, Kloster Schönthal, Kreten und Hauenstein

Das Dorf Langenbruck (Kanton Basel-Landschaft) ist nicht nur die höchstgelegene Gemeinde (704 m) des Kantons und ein ehemaliger Skiort (die letzte Skipiste wurde 2025 geschlossen), sondern auch ein Passdorf am Oberen Hauenstein (734 m) mit Befestigungsanlagen aus dem Ersten Weltkrieg (1914–1918) sowie der Standort des Klosters Schönthal mit seinem prächtigen romanischen Portal. Der Weg entlang der Schräiegg führt von Langenbruck zu diesem ehemaligen Benediktinerkloster. Heute ist es ein Kulturzentrum mit Wohnfunktion.

Langenbruck

Der Weg entlang der Schräiegg führt von Langenbruck zu diesem ehemaligen Benediktinerkloster. Heute ist es ein Kulturzentrum mit Wohnfunktion.

Der Kretenweg  und  die Verteidigungsanlage Hauenstein

Der Kretenweg auf rund 1000 Metern Höhe führt zum Hauenstein und zu einem Panorama, das bis nach Basel, ins Mittelland und in die Alpen reicht. Hauenstein war eine 42 km lange Verteidigungsanlage aus dem Ersten Weltkrieg (1914-1918).

Der Aussichtspunkt Lauchflue, auch Panzertürmli genannt, und der Schützengrabenabschnitt Lauchweid erinnern noch heute an diese Zeit. Zudem haben die Soldaten damals, genau wie in Grellingen, verschiedene Gravuren in den Stein eingemeisselt. Auch zahlreiche Grenzsteine kennzeichnen die Gebiete der umliegenden Gemeinden.

Lauchflue (Panzertümli)

Schützengrabenabschnitt Lauchweid

Diese Befestigungsanlage liegt auf etwa 1000 Metern Höhe inmitten der Bergketten des Jura, darunter die Schöntalflue, der Rehag, die Lauchflue, der Schellenberg, der Schneelochberg, die Belchenflue, der Dürstelberg und der Spalenberg.

Für die Wiesen und Wälder des Schönthals entwickeln internationale und Schweizer Künstlerinnen und Künstler ortsspezifische Skulpturen in Langenbruck (Kanton Basel-Landschaft). Sie schaffen eine Kulturlandschaft auf 100 Hektar in der traumhaften Juralandschaft.

Park der Skulpturen

Für die Wiesen und Wälder des Klosters Schönthal entwickelten internationale und Schweizer Künstlerinnen und Künstler ortsspezifische Skulpturen. Sie schaffen eine Kulturlandschaft auf 100 Hektar in traumhafter Juralandschaft.

Zuvor haben sie sich jeweils mit dem Kloster und seiner Geschichte vertraut gemacht. Die Sammlung wächst im Sinne eines «work in progress». Zurzeit säumen um die 30 Werke von 23 Künstlerinnen und Künstlern die Wege und Pfade.

Zuvor haben sie sich jeweils mit dem Kloster und seiner Geschichte vertraut gemacht. Die Sammlung wächst im Sinne eines  «work in progress».

(Quelle und weitere Informationen: www.schoenthal.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Der Rehag

Das Kloster

Die Landschaft

Die Grenzsteine

Oberdorf

Waldenburg

Laufenburg, Habsburg, der Rhein und die Pfähle von Amsterdam

Seit dem Abschmelzen der Gletscher nach der letzten Eiszeit (um 12.000 v. Chr.) hat sich der Rhein seinen Weg durch die Schweiz gebahnt. Am Standort der heutigen schweizerischen und deutschen Stadt Laufenburg entstanden eine Schlucht und ein Wasserfall, der an der schmalsten Stelle 12 m breit war.

Daher wurde dieser Wasserfall auch der Kleine Laufen genannt, im Gegensatz zum Rheinfall bei Schaffhausen (dem Grossen Laufen). Während des Baus des Wasserkraftwerks Laufenburg von 1909 bis 1914 wurden die Felsen bei Laufen gesprengt – damit war das Ende des Kleinen Laufens besiegelt.

Laufenburg um 1850. Unbekannter Künstler. Bild: www.salzstrasse.salz.ch

Der keltische Stamm der Rauriker gründete hier eine Siedlung am „Louffen“ und an dessen Berg, daher der Name Louffenberg. Der gut zu verteidigende „Berg“, der Fischfang (Lachs) sowie der Handel (Holz, Vieh, Salz) waren vermutlich die wichtigsten Motive für das Leben an diesem Ort.

Im späten Mittelalter entwickelte sich rasch eine Industrie aus Holz‑, Papier‑, Öl‑ und Getreidemühlen, Schmieden für Waffen und Gebrauchsgegenstände sowie Handel.

Die Flösserei

Matthäus Merian (1593–1659), Laufenburg, um 1644.

Das Kloster Säckingen verwaltete die Stadt bis 1173. In diesem Jahr übernahm das Haus Habsburg den Ort. Der Schlossberg war ihre Residenz. Nach dem Tod des Grafen Rudolf II. (1168–1232) teilten seine Söhne das Erbe und begründeten die Dynastie Habsburg‑Laufenburg, die jedoch bereits 1408 ausstarb. Laufenburg war danach von 1408 bis 1803 habsburgisch‑österreichischer Besitz.

Der Schlossberg

Die Geschichte Laufenburgs am rechten Rheinufer als deutsche Stadt beginnt mit dem Frieden von Lunéville (1801). Der deutsche Teil fiel an das Grossherzogtum Baden. Laufenburg am linken Rheinufer wurde 1803 dem neu gegründeten Kanton Aargau zugeteilt (Mediationsakte von 1803). Diese Geschichte ist in der weitgehend intakten Altstadt deutlich erkennbar.

Laufenburg in Deutschland

Laufenburg in der Schweiz

Die Laufenbrücke wurde erstmals 1207 erwähnt und war lange Zeit die wichtigste Rheinüberquerung am Hochrhein. Neben der Fischerei, dem Handel und den industriellen Betrieben war auch die Flösserei über Jahrhunderte hinweg ein bedeutender Wirtschaftszweig.

Sammlung: Museum Die Bastei, Nimwegen (Nijmegen)

Grosse Holzflösse mit Holz aus dem Schwarzwald und aus der Schweiz nahmen hier ihren Weg zu den Pfählen von Amsterdam! Dampfschiffe und der Eisenbahnverkehr übernahmen diese Funktion jedoch ab dem 19. Jahrhundert.

Die Kirche St. Johann wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Die barocke Renovierung erfolgte zwischen 1753 und 1755. Das Sprachpanorama und das Museum Schiff sind zwei Beispiele für die vielen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Der Erlebniswanderweg Laufenburger Acht bietet ausserdem die Möglichkeit, die Geschichte beider Rheinufer auf einer Strecke von etwa sechs Kilometern zu erleben.

(Quelle und weitere Informationen: www.laufenburg.ch)

Eindrücke aus Laufenburg

Osterbrunnen in Laufenburg

Das Judengässli Allschwil-Hegenheim symbolisiert die regionale jüdische Geschichte

Das schöne Dorf Allschwil (Kanton Basel-Landschaft) liegt an der Grenze zum Elsass. Täglich überqueren Zehntausende Franzosen diese Grenze – die sogenannten Frontaliers – wegen gut bezahlter Arbeit im Nordwesten der Schweiz, ganz abgesehen von Hunderttausenden, die aus diesem Grund in der Schweiz leben und arbeiten. In der ganzen Schweiz beläuft sich die Zahl der „Grenzgänger“ auf etwa 400.000. Die Schweiz ist zudem als Land der grösste Arbeitgeber der umliegenden EU‑Regionen.

Allschwil

Die jüdischen Frontaliers des Sundgaus 

Die Stadt Basel ist seit Jahrhunderten eine Industrie‑, Handels‑ und Universitätsstadt und war die Hauptstadt des Humanismus im 16. Jahrhundert, so wie Genf die Hauptstadt des Calvinismus war. Seit jeher haben Frontaliers täglich die Grenze in der Region Basel überquert. Eine besondere Gruppe war die jüdische Bevölkerung im Sundgau, einer südlichen Region des Elsass.

Basel

Den jüdischen Einwohnern Basels war es nach dem Pogrom von 1349 und einer kurzen Phase der Toleranz um 1400 ab 1405 nicht mehr erlaubt, in der Stadt zu wohnen. Viele wanderten in die umliegenden Dörfer und ins nahegelegene Elsass aus, arbeiteten jedoch weiterhin häufig in Basel. Diese Frontaliers reisten bis weit ins 19. Jahrhundert täglich nach Basel. Die Situation änderte sich jedoch nach 1798.

Die französische Besetzung der alten Eidgenossenschaft führte zur Gründung der Helvetischen Republik (1798–1803). Die souveränen Kantone hörten (vorübergehend) auf zu bestehen, und Juden durften sich bis 1805 in Basel niederlassen, wenngleich es bis 1866 dauerte, bis sie das Bürgerrecht und ein dauerhaftes Niederlassungsrecht erhielten.

Basel, die Synagoge (1869)

Auch in Basel entwickelte sich wieder eine jüdische Gemeinde, unter anderem mit jüdischen Einwohnern aus dem Elsass. Aufgrund von Pogromen im Elsass zogen immer mehr Juden in diese Stadt, wo es Arbeit und eine vergleichsweise grosse Toleranz gab – trotz der Intoleranz der vorangegangenen Jahrhunderte.

Das heutige Judengässli in Allschwil

Heute gibt es in Basel eine blühende jüdische Gemeinde, im Gegensatz zur Region im Elsass. Nicht die Jahre der deutschen Besatzung (1940–1945), sondern der Zeitraum von 1900 bis 1920 markiert das Ende der jüdischen Gemeinden in dieser Region.

Victor Saudan und Philippe Koerper

Ein schmaler Weg von Allschwil nach Hegenheim (Elsass) symbolisiert diese Geschichte. Der Dichter und Rezitationskünstler Victor Saudan sowie der Musiker Philippe Koerper haben das Judengässli in Zusammenarbeit mit dem Museum Allschwil kürzlich poetisch und musikalisch dargestellt.

Die ‚Pforte‘ von Hégenheim

Jahrhundertelang, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, nutzten diese Frontaliers bei Allschwil das Judengässli, um nach Basel zu gelangen und wieder in ihre Häuser im Sundgau zurückzukehren. Was heute ein schöner Spaziergang ist, war damals oft ein stundenlanger Marsch durch Kälte, Schnee, Wind und Regen. Verschiedene Dörfer im Sundgau stehen symbolisch für diese Geschichte, darunter Hegenheim, Hagenthal‑le‑Bas und Hagenthal‑le‑Haut.

 Hégenheim

Hegenheim hatte im 17. und 18. Jahrhundert eine grosse jüdische Gemeinde: 50 % der Einwohner waren jüdisch. Es war sogar die achtgrösste jüdische Gemeinde Frankreichs.

Das Holz-Grabmal, heute im Jüdischen Museum der Schweiz

Viele stammten aus dem Norden der Schweiz, unter anderem aus Basel, Allschwil und Birseck. Der jüdische Friedhof wurde 1673 angelegt und wird bis heute genutzt, auch von jüdischen Einwohnern aus der Schweiz (obwohl die jüdische Gemeinde seit 1905 einen eigenen Friedhof in Basel besitzt).

Basel war der wichtigste Arbeitsort und das Judengässli war damals die Route für den täglichen Arbeitsweg. Bis zur französischen Zeit war Basel Juden gegenüber wenig gastfreundlich, danach entstand jedoch eine jüdische Gemeinde.

In Hegenheim und im Sundgau war die Situation jedoch umgekehrt: Dort begannen die Probleme für die jüdische Bevölkerung erst nach der Französischen Revolution von 1789. Es kam zu mehreren Pogromen. Auch in Frankreich waren Juden bis zur Revolution keine freien Bürger, sondern hatten einen vom König und den lokalen Grundbesitzern abhängigen, aber relativ sicheren Status.

Die Synagoge

Die 1740 erbaute Synagoge wurde 1815 zerstört und 1821 wieder aufgebaut. Äusserlich weist das Gebäude bewusst keine Merkmale einer Synagoge auf, während das Innere die jüdische Kultur widerspiegelt. Auch im Sundgau war es ratsam, jüdische Kultur und Religion nicht zu offen nach aussen zu zeigen.

Nach der formellen Anerkennung der jüdischen Einwohner als gleichberechtigte Bürger der Schweiz – im Zusammenhang mit dem Deutsch‑Französischen Krieg, der deutschen Annexion des Elsass (1870–1871) und dem Antisemitismus (Dreyfus‑Affäre) – wanderten die meisten jüdischen Einwohner des Sundgaus aus, viele mit Basel als Ziel.

Die Synagoge in Hégenheim wurde 1920 geschlossen, nachdem die jüdische Gemeinde faktisch aufgelöst worden war. Die Synagoge mit ihrem besonderen Interieur dient heute als Kultursaal. Die Organisation Le Ventre renoviert das Gebäude, um es als Kulturhaus zu nutzen.

Hagenthal-le-Bas en Hagenthal-le-Haut

Die Dörfer Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-le-Haut hatten im 18. Jahrhundert auch eine grosse jüdische Gemeinde. Der jüdische Friedhof in Hagenthal-le-Bas ist erhalten geblieben, während derjenige in Hagenthal-le-Haut fast verschwunden ist.

Im Jahr 1784 zählte Hagenthal-le-Bas 356 jüdische Einwohner, Hagenthal-le-Haut 271. Die jüdische Gemeinschaft stellte fast die Hälfte der Einwohner dieser Dörfer. Nach dem Ersten Weltkrieg waren diese Gemeinden verschwunden.

Der jüdische Friedhof in Hagenthal-le-Bas

Nur die Rue de la Synagogue in Hagenthal-le-Bas erinnert noch an die Synagoge. Die Synagoge in Hagenthal-le-Haut wurde 1903 zerstört.

Im Jahr 1789, dem Jahr der Französischen Revolution, fand das erste Pogrom statt. Viele der jüdischen Einwohner von Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-le-Haut flohen nach Basel. Im Jahr 1848, einem weiteren revolutionären Jahr in Frankreich, fand in dieser Region ein weiteres Pogrom statt, wodurch immer mehr jüdische Einwohner diese Dörfer verliessen, meist um nach Basel umzuziehen.

Eindrücke aus Hegenheim

Das Johann-Peter-Hebel Jahr 2026

Was haben Wolfgang von Goethe (1749-1832), Rainer Maria Rilke (1875-1926) und Walter Benjamin (1892-1940) gemeinsam? Sie haben die literarischen Werke von Johann Peter Hebel (1760-1826) bewundert, gelesen und studiert, obwohl Sie die alemannische Sprache der Regionen Basel und Baden nicht beherrschten.

Hebel war nämlich nicht einfach nur ein lokaler Schriftsteller und Dichter (auch auf Hochdeutsch) aus Basel. Er war zugleich Theologe, Pädagoge und vor allem ein scharfer Beobachter menschlichen Verhaltens – mit all seinen schwachen, absurden, schönen und starken Seiten.

Er spiegelte diese in seinen Gedichten, Geschichten, Predigten und Briefen wider, stets mit spielerischem Humor, ohne je in dogmatischen Moralismus zu verfallen.

Zum Gedenken an seinen 200. Todestag organisiert die Basler Hebelstiftung in Zusammenarbeit mit Partnern von April bis Oktober eine Reihe von Veranstaltungen in Basel, Schopfheim, Lörrach und Hausen (Baden‑Württemberg).

Literaturhaus Basel, 11. März 2026: Präsentation des Buches ‚Hebel-Wirkungen. 30 Autorinnen und Autoren lesen Johann Peter Hebel.‘ (Andreas Lang, Hrsg.), Wädenswil (Z), 2026  

Am 15. April spricht Hebel sogar wieder zu uns – das Medium ist seine Büste auf dem St. -Peterskirchplatz in Basel. Schon am 6. April wird er um 10 Uhr in einer seiner Predigten in der evangelischen Kirche von Grenzach wieder zum Leben erweckt, in guter Gesellschaft seiner Zeitgenossen.

Der Gottesdienst folgt der zur Zeit Hebels gültigen Agende von 1785 (Gottesdienstordnung). Das vollständige Programm der Basler Hebelstiftung ist auf ihrer Website verfügbar.

(Quelle und weitere Informationen: Basler Hebelstiftung)

Arlesheim, die Ermitage und der Wiener Kongress

Das Dorf Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft) ist vor allem durch den Englischen Garten, die Ermitage, 1785 eröffnet, und das 1681 eingeweihte Münster bekannt. Es liest sich wie ein Schweizer Geschichtsbuch.

Die Ermitage wurde 1785 von Balbina von Andlau-von Staal (1736-1798) entworfen. Es ist der grösste englische Garten auf Schweizer Boden und als solitude romantique près d’Arlesheim gedacht.

Die Ruinen von Schloss Birseck, das Felsentor, die alte und neue Mühle, die Tabakpresse und die drei Teiche sind noch heute wichtige Bestandteile des Gartens. 1793 besetzten französische Truppen das Fürstbistum und Arlesheim und zerstörten die Burg.

Das renovierte Schloss Birseck

Die mittelalterlichen Burgen Birseck und Reichenberg sind auf den umliegenden Hügeln als Symbol ihrer strategischen Bedeutung in dieser Zeit noch prominent sichtbar.

 

Im Juni 1814 machte Conrad von Andlau (1766–1839) Arlesheim zum Verwaltungssitz der alliierten Besatzungstruppen für einen Teil Frankreichs und des Fürstbistums Basel.

Von Andlau war am 15. Januar 1814 von den Alliierten zum Generalgouverneur dieser Gebiete ernannt worden (die alten französischen Départements Doubs, Jura, Vogesen, Haute-Saône, die Grafschaft Montbéliard und das Fürstbistum Basel).

Nach der Niederlage Napoleons war Arlesheim ein Dorf von europäischer politischer Bedeutung. Entscheidungen wurden jedoch in den Siegerhauptstädten Wien, London, Berlin und Moskau getroffen.

Schloss Reichenstein

Der Wiener Kongress (1814–1815) und verschiedene Vertragsabschlüsse, unter anderem in Paris (30. Mai 1814 und 20. November 1815) und in Turin (16. März 1816), würden letztlich entscheidend für die politische Zukunft der Schweiz und die Aufteilung des Territoriums des Fürstentums Basel sein.

Arlesheim war in diesen Jahren jedoch prominent auf der politischen Landkarte. Schon vor den napoleonischen Kriegen besuchten die europäischen Herrscher Arlesheim wegen der berühmten Ermitage.

Clemens von Metternich, Zar Alexander, die ehemalige Gemahlin Napoleons, Marie-Louise, und die habsburgischen Erzherzöge Johann und Maximilian besuchten Arlesheim jeweils ein- oder mehrfach, entweder vor 1792 oder nach 1814.

Korrektorin: Melinda Fechner

Der Bauerngarten

Alphorn Poesie Lyôbâle am Rhein

Die Organisation Lyôbâle hat sich zum Ziel gesetzt, einmal im Jahr die Basler Luft über dem Rhein 30 Minuten lang mit Alphornklängen zu erfüllen.

Dazu stehen die Alphornbläserinnen und Alphornbläser auf beiden Rheinufern in Gruppen zusammen und auf der Fähre erklingen die Solisten. Der Anlass findet bereits zum sechsten Mal statt.

Er entstand in einer Zeit, als aufgrund von Corona kaum kulturelle Veranstaltungen stattfinden durften. Diese Klänge, so die Botschaft, sollen mit dem Fluss des Rheins diese urschweizerische Musik in die Welt hinaus tragen und allen Menschen, die sie vernehmen, Freude bereiten.

Dieses weltweit einmalige Konzert unter freiem Himmel ist zugleich ein Treffen von Musikerinnen und Musikern aus nah und fern. Sie kommen aus dem Raum Stuttgart, vom Genfersee, aus Frankreich und aus dem Tessin und selbstverständlich auch aus der Region Nordwestschweiz.

Mit ihrem beeindruckenden Klangkörper aus mehr als 100 Alphörnern lassen sie die Herzen höher schwingen. Das Repertoire umfasst Kompositionen, die eigens für den Anlass Lyôbâle geschrieben wurden.

(Quelle und weitere Informationen: Lyôbâle)

Die Klöster von Basel

Vor fast 500 Jahren, in den Jahren 1525-1529, hörten die Klöster in Basel auf zu existieren, und die Stadt übernahm die Verwaltung. Auch der Bischof verliess mit seinen Domherren die Stadt und zog nach Porrentruy (Pruntrut) und später nach Arlesheim (1670) und Solothurn (1828).

Die Reformation hatte Basel erreicht und eine 450-jährige Klostergeschichte ging zu Ende, die mit der Gründung des ersten Klosters St. Alban im Jahr 1083 begann. Das zweite Kloster war St. Leonhard, das um 1133 geweiht wurde.

Kloster St. Alban, unbekannte Künstler, 19. Jahrhundert. Foto: Wikipedia

Das ehemalige Kloster St. Alban heute

Die Leonhardskirche und das Musikmuseum

Im 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Klöster mit dem Aufkommen der neuen Bettelorden zu. Zwischen 1231 und 1279 liessen sich Dominikaner (auch Prediger genannt, da das Predigen ihre Hauptbeschäftigung war), Franziskaner und Augustiner nieder, die alle über Männer- und Frauenklöster verfügten.

Die Predigerkirche

Die Bettelorden umfassten drei Männerklöster (Barfüsser, Prediger und Augustiner) und vier Frauenklöster (Gnadental, St. Clara, Steinen und Klingental).

Der Komplex der Kartäuser ist der am besten erhaltene; andere Klöster sind völlig verloren, darunter das Kloster Steinen (an der Stelle der Tingueley-Quellen), und von den Klöstern Gnadental und Augustiner sind nur noch Mauern erhalten.

Der Komplex der Kartäuser und die St. Theodorkirche (oben)

Sieben Klosterkirchen existieren jedoch noch. In der St. Leonhardskirche und der St. Alban-Kirche sind noch viele authentische Teile aus dem 12. und 13. Jahrhundert erhalten.

Das Kloster Klingental ist noch vom alten Nonnenkloster umgeben und heute ein Museum (Museum Klein Klingental), das unter anderem die Geschichte des Münsters, dessen Relikte sowie zahlreiche mittelalterliche Skulpturen beherbergt. Zu sehen sind auch Modelle der mittelalterlichen Situation, darunter der berühmte Totentanz.

Die 1269 geweihte Predigerkirche wurde mit viel Liebe zum Detail und zum mittelalterlichen Original gründlich renoviert, einschliesslich einer Rekonstruktion des berühmten Totentanzes an der Friedhofsmauer (1805 zerstört). Diese Symbolik aus dem 15. Jahrhundert wurde 1805 zerstört. Heute ist die Barfüsserkirche das historische Museum der Stadt Basel.

Die Barfüsserkirche und das heutige historische Museum Basel

St. Clara ist die Klosterkirche der Klarissen, der weiblichen Franziskanerinnen, und ist noch heute in Betrieb.

Das klösterliche Leben in Basel ist mit der Präsenz des Bischofs verbunden. Er war Oberhaupt der Diözese und Fürst des Heiligen Römischen Reiches. Bis ins 14. Jahrhundert war er auch der wichtigste weltliche Herrscher der Stadt.

In der Folgezeit übernahmen das Bürgertum und die Stadtverwaltung allmählich diese Rolle, wobei die Reformation in den Jahren 1525–1530 den entscheidenden Moment markierte.

 (Quelle: F. Ackermann, Th. Wollmann, Klöster in Basel, Basel 2009).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Martinskirche und der Martinsplatz

Die Peterskirche

Die Clarakirche

Das Klingentalkloster. Modell. Sammlung: Museum Kleines Klingental Basel

Webergasse, Wandmalerei.

Das ehemalige Klingentalkloster

Klingentalmuseum

Jahrhundertealte schweizerisch-französisch-deutsche Beziehungen, Montbéliard, Belfort und die Burgundische Pforte

Nur wenige Franzosen, Deutsche oder Schweizer wissen heutzutage, wo die Stadt Mömpelgard liegt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ihr französischer Name lautet heute Montbéliard (Franche-Comté).

Diese Stadt, die seit 1283 Stadtrechte und die Reichsunmittelbarkeit besitzt, liegt nicht nur an der deutsch-französischen Sprachgrenze und an der Burgundischen Pforte an der Doubs, sondern war vom Mittelalter bis zur französischen Revolution nahezu ununterbrochen eine  Grafschaft in Personalunion mit dem Herzogtum Württemberg. Zwar liegt die Stadt mit heute etwa 27.000 Einwohnern im französischsprachigen Gebiet, doch sind die deutschen kulturellen und sprachlichen Einflüsse unübersehbar.

Mons Beligardis, Montbéliard, oder Mömpelgard

Der Name leitet sich von Mons Beligardis ab, auf Französisch Montbéliard, zunächst Mümpelgard, später Mömpelgard. Die französischsprachige Grafschaft Monbéliard gehörte bis 1032 zum Königreich Burgund (888–1032) und anschliessend bis 1793 zum Heiligen Römischen Reich. Die Grafschaft und die Stadt standen seit jeher in engem Kontakt mit der französischen und der deutschen Kultur und Sprache Lothringens, des Sundgaus, Burgunds und der Schweiz.

Dies ist unter anderem auf die fast vierhundertjährige Verbindung mit dem Herzogtum Württemberg (1397–1793), den habsburgischen Besitz des deutschsprachigen Sundgaus (bis 1648) und des Elsasses (bis 1681) zurückzuführen. Kurz gesagt, war Montbéliard – um diesen Namen weiterhin zu verwenden – ebenso wie Mühlhausen/Mulhouse (bis 1792 ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft) eine der letzten unabhängigen Bastionen zur Zeit des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638–1715).

Ludwig annektierte 1648 die Franche-Comté (spanisch-habsburgischer Besitz) und den österreichisch-habsburgischen Sundgau (Westfälischer Friede) sowie 1681 das Elsass. Nur Montbéliard und Mülhausen wurden (noch) nicht annektiert.

Montbéliard und der Herzog von Württemberg

Die Grafen von Montbéliard starben 1407 im Mannesstamm aus. Die Tochter des letzten Grafen war bereits 1397 mit dem Herzog von Württemberg verheiratet. Diese Dynastie hatte ihr Verwaltungszentrum in Stuttgart in Schwaben, besass jedoch zahlreiche weitere Güter (Ländereien, Dörfer und Kleinstädte) am linken Rheinufer, unter anderem Héricourt, Blamont, Clémont, Franquemont und Châtelot, und war ein bedeutender Fürst im Gebiet des Oberrheins sowie im Heiligen Römischen Reich. Für Montbéliard bedeutete dies jedoch eine Einführung in den schwäbischen Machtbereich.

Musée d’Art et d’histoire Hôtel Beurnier-Rossel

Für den Herzog war dies kein ruhiger Besitz. Der Bischof von Basel, bis 1477 der Herzog von Burgund, danach der französische König, die Habsburger und lokale Herrscher (etwa die Grafen von Pfirt/Ferrette) hatten es auf diese Stadt und ihre Besitzungen abgesehen. Zudem zeigte die Eidgenossenschaft Interesse an einem Bündnis als zugewandter Ort.

Nach 1477 bestimmte vor allem der habsburgisch-französische Konflikt die Politik Württembergs und seiner Besitzungen in dieser Region. Dank politischem Geschick und Diplomatie gelang es Württemberg, beide Mächte vor den Toren von Montbéliard fernzuhalten („Die Stadt wollte sich in die welsche Hand nicht geben noch kommen lassen, sondern darum sterben und verderben, damit sie bei der deutschen Nation bliebe“).

Die Burg und das Museum du château  et des ducs de Wurtemberg

Dabei spielte auch die staatsrechtliche Stellung eine Rolle. Montbéliard und Württemberg bildeten ab dem 16. Jahrhundert eine Personalunion, ohne dass Montbéliard im württembergischen Landtag in Stuttgart vertreten war. Montbéliard blieb ein eigenständiges Fürstentum. Der Herzog residierte lange Zeit nicht in Montbéliard, sondern in Stuttgart; entfernte Verwandte verwalteten die Grafschaft.

Dennoch entwickelte sich eine starke kulturelle, sprachliche und – nach der Reformation im Jahr 1524  – auch religiöse Verbindung zwischen dem französischsprachigen Montbéliard und dem deutschsprachigen Württemberg.

Der Herzog trat 1534 zum lutherischen Glauben über, nachdem er diesen zuvor in Montbéliard eingeführt hatte. Montbéliard war sogar der erste reformierte Staat auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs. Guillaume Farel (1489-1565), in der französischsprachigen Schweiz kein Unbekannter, war die treibende Kraft hinter der Reformation in Montbéliard.

Das kleine Montbéliard wurde zu einem Zufluchtsort für Hugenotten und zugleich zu einem religiösen Konfliktfeld zwischen Lutheranern und Calvinisten, wobei sich die Lutheraner durchsetzten. Für die katholischen französischen Könige war Montbéliard ein protestantischer Stachel im Fleisch, doch gelang es ihnen nicht, die Stadt zu erobern.

Das ursprünglich französischsprachige Montbéliard unterlag zudem zunehmend deutschen kulturellen Einflüssen, nicht nur aus Württemberg und Schwaben, sondern auch aus dem Sundgau, dem Elsass und der Eidgenossenschaft. Nicht nur das Hofleben und die Verwaltung Württembergs, sondern auch deutschsprachige Pfarrer, Kaufleute, Architekten und Handwerker prägten die Kultur. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Architekt Heinrich Schickhardt (1558–1635).

Die Martinskirche

Seine Bauten – darunter das Schloss, die Martinskirche, die Stadtplanung, Mühlen, Brücken und das Kollegium – prägen bis heute das Stadtbild. Umgekehrt beeinflusste die französischsprachige Kultur aus Montbéliard das (Hof-)Leben in Württemberg.

Montbéliard war im wahrsten Sinne des Wortes eine deutsch-französische Gesellschaft. Ein Diplomat formulierte es 1681 so: „Sah ich erstenmal mit Erstaunen die deutschen Sitten“. Und tatsächlich waren Kleidung, Architektur, Möbel, Sprache und deutsches Kulturgut allgegenwärtig.

Der Löwe von Belfort

Nicht nur war diese Stadt ein deutsch-französisches Grenzgebiet, sondern auch südlich von Montbeliard bildete die hügelige Burgundische Pforte die grosse „Wasserscheide“ zwischen dem Einzugsgebiet der französischsprachigen Rhone und dem überwiegend deutschsprachigen Rheins. Die mächtige Festung von Belfort (im 11. Jahrhundert vom Grafen von Montbéliard erbaut und im 17. Jahrhundert von Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633-1707) umgestaltet) war das wichtigste Verteidigungswerk.

Mit der französischen Annexion am 10. Oktober 1793 endeten jedoch die Grafschaft Montbéliard und die Personalunion mit Württemberg. Die ehemalige Grafschaft gehörte anschliessend zur Raurakischen Republik (1793), zum Département Mont-Terrible (1793–1800), zum Département Haut-Rhin (1800–1815) und schliesslich zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Département Mont-Terrible (1793-1800). Bild: Wikipedia

Porrentruy, Delémont und die Ajoie

Der Graf von Montfaucon erwarb die Grafschaft Montbéliard im Jahr 1162. Montfaucon erlangte nicht nur grosse Gebiete im Pays de Vaud und in der Ajoie, sondern auch die Stadt Pruntrut (Porrentruy) als Lehen des Bischofs von Basel. Jahrhunderte später, zur Zeit der französischen Herrschaft von 1793 bis 1813, waren Porrentruy und Delémont (Delsberg) die Hauptstädte der beiden Arrondissements der aufeinanderfolgenden Départements Mont-Terrible und Haut-Rhin. Erst 1815 wurde die (schweizerische) Verbindung zu Montbéliard (und Mülhausen) auf dem Wiener Kongress (1814–1815) endgültig gekappt.

Peugeot und Montbéliard

Schlussfolgerung

Diese kurze Geschichte von Montbéliard ist nicht nur ein Hinweis auf die jahrhundertealten, intensiven schweizerisch-französisch-deutschen Beziehungen, die gegenseitige Beeinflussung und den Austausch, sondern auch auf deren abruptes Ende ab dem 19. Jahrhundert sowie auf die Entstehung der Nationalstaaten.

Diese Verflechtung ist jedoch kein Grund, in einem politischen, bürokratischen und rechtlichen europäischen Modell aufzugehen, das mit dem erfolgreichen, jahrhundertealten Schweizer Modell nicht kompatibel ist – einem Modell, das nicht veraltet, sondern vielmehr richtungsweisend ist.

Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Eindrücke vom Schloss

Eindrücke vom Fort Vauban und der Stadt Belfort

  

  

  

Josephine Baker und Belfort

Säckingen, Glarus und Fridolin

Am 6. März war der Namenstag des heiligen Fridolin, besser bekannt als Fridolin von Säckingen (Baden‑Württemberg) oder der Missionar der Alemannen. Dieser irische Mönch gründete in dieser Region – ebenso wie andere Landsleute, unter ihnen Gallus, Romanus, Pirminus und Columbanus – ein Kloster.

Fridolin tat dies im 6. Jahrhundert in Säckingen. Die heutige Abtei Fridolin besteht bis heute und gilt als das älteste Kloster im Süden Deutschlands.

Der wertvollste Besitz des Klosters war das Gebiet des heutigen Kantons Glarus und des Fricktales in der Schweiz sowie Gebiete im heutigen Baden‑Württemberg. Die Abtei spielte eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Verkehrsverbindungen über den Walensee sowie über die Bündner Alpenpässe nach Italien. Ihre grosse Blütezeit erlebte sie vom 10. bis zum 12. Jahrhundert.

Die Abteikirche, das sogenannte Fridolinsmünster, ist ein gotischer Bau, der zwischen 1343 und 1360 auf den Fundamenten ottonischer und romanischer Vorgängerbauten errichtet wurde. Die barocke und nachher die Rokoko-Wiederherstellung begann 1698 und endete 1753 und prägt bis heute das Erscheinungsbild der Kirche.

Wegen der jahrhundertealten Beziehungen zwischen Glarus und Säckingen waren am 6. März eine Delegation des Kantons Glarus bei den Feierlichkeiten, der Prozession und den Festakten anwesend, ebenso eine Delegation aus Zürich.

Glarus trat 1352 der Eidgenossenschaft bei und befreite sich 1388 in der Schlacht bei Näfels von der habsburgischen Herrschaft.

Im Jahr 1395 kaufte sich Glarus endgültig von der Abtei frei. Das Kantonswappen von Glarus mit dem heiligen Fridolin erinnert noch heute an die lange Verbundenheit mit dem Kloster.

Herrischried und die Ödlandkapelle

Neben dem emeritierten Erzabt der Erzabtei St. Peter in Salzburg, lokalen Würdenträgern und Gruppen aus Säckingen waren auch Vertreter verschiedener süddeutscher Regionen anwesend, unter anderem aus Herrischried und St. Blasien.

Die Holzbrücke 

Eindrücke aus Säckingen

 

 

Eindrücke des Namenstages

Fridolin auf der Rheinbrücke 

St. Gallus am Rhein

Die Basler Fasnacht ist auch eine ernsthafte Angelegenheit

Die Basler Fasnacht (vom Montag, dem 23. Februar, 04.00 Uhr, bis zum 26. Februar, 04.00 Uhr) ist – abgesehen von den drei darauffolgenden „Bummelsonntagen“ – wieder vorbei.

Nach den Veranstaltungen der Vorfasnacht und der Fasnachtsmesse in der Elisabethenkirche erklang punktgenau um vier Uhr bei der Martinskirche erneut das alljährliche „vorwärts, marsch“, und Tausende von Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern begannen ihren Zug durch die Stadt.

Montag, den 23. Februar, 03.59

Montag, den 23. Februar, 04.01

Direkte Demokratie, Subsidiarität und Föderalismus

Jedes Jahr dasselbe Ritual und doch immer wieder ein anderes (emotionales) Erlebnis. Nicht nur Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation und die märchenhafte Kulisse zeichnen dieses Ereignis aus. Auch die direkte Demokratie, die Subsidiarität und das dezentrale föderale System kommen hier zum Ausdruck.

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt teilen ihre Sorgen über lokale, nationale und internationale Entwicklungen, bringen ihre Meinungen und Gefühle zu Entscheidungsträgern, Politikern und anderen Autoritäten öffentlich zum Ausdruck und thematisieren deren Entscheidungen oder Missstände – nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Schnitzelbänken.

Eine ernsthafte Angelegenheit und Swissness

Die Fasnacht ist daher auch eine ernsthafte Angelegenheit. Abgesehen von der langen und intensiven (musikalischen und kreativen) Vorbereitung der Teilnehmenden (egal, ob in Cliquen organisiert oder nicht) und den finanziellen Kosten steht auch die Wahl eines „Sujets“ zur Diskussion und letztlich zur Abstimmung.

Danach folgt die Auswahl von Kostüm, Laterne und Larve. Längst nicht alle Teilnehmenden sind in Cliquen organisiert oder folgen diesem Verfahren. Viele nehmen in kleinen Gruppen oder sogar allein teil, ohne Sujet oder Laterne.

Alle jedoch teilen Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation sowie Respekt füreinander und gegenüber der Umgebung. Zwei passende Beispiele: Bei einem derart grossen Fest muss sich der Rettungsdienst mitunter bis tief in die Nacht einen Weg bahnen. Zuschauer und Fasnächtler machen jedoch Platz und behindern das medizinische Personal nicht.

Wenn eine grosse Clique mit 100 oder mehr Mitgliedern auf eine kleine Gruppe von wenigen Musikern trifft, erhält diese kleine Gruppe dennoch den Vortritt. Es gibt niemals Diskussionen, selbst nicht in den engsten Gassen und im grössten Gedränge.

Auch die Zuschauer verhalten sich (bislang) respektvoll und vorbildlich – trotz der enormen Menschenmengen und des Alkoholkonsums, was jedoch keine Garantie für die Zukunft darstellt.

Schlussfolgerung

Wie auch immer: Die Qualität und der ernsthafte Unterton der Fasnacht kommen vielleicht am besten im Freilichtmuseum auf dem Münsterplatz und in den schriftlichen Erläuterungen zum Ausdruck, die die Cliquen verteilen, um die Wahl ihres „Sujets“ zu erklären.

Wo sonst findet man bei einem solchen Ereignis ausführliche Abhandlungen über Gesellschaft, Demokratie, Neutralität, Krieg und Frieden mit Verweisen auf Philosophen, Nobelpreisträger und andere Denker? Friedrich Nietzsche, Thomas Paine, Leo Tolstoi, Albert Einstein oder Tic Tac statt TikTok waren zum Beispiel auch in diesem Jahr integraler Bestandteil der Fasnacht.

Die Basler Fasnacht ist zwar ein einzigartiges Ereignis im Kanton Basel-Stadt, doch kommt darin auch die Swissness zum Ausdruck. Hoffentlich bewahren Helvetia und Frau Fasnacht dieses besondere Land und seine einzigartige Demokratie, Staatsordnung, kosmopolitische Gesellschaft und Lebensqualität, auch bei eigenen Fehlentscheidungen.

Lektorat und Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke Fasnacht 2026

 

Und der Besenwagen

 

Die Basler Fasnacht 2026 ist wieder Geschichte

The End