Die Aktualität des Konzils von Nicäa
19 November 2025
Es hat wenig Beachtung gefunden und doch ist dieses Ereignis bis heute aktuell: Das erste Konzil der christlichen Kirche im Jahr 325 in Nicäa, dem heutigen Iznik (Türkei). Die Kaiser des Römischen Reiches herrschten seit Jahrhunderten über weite Teile Europas, Asiens und Afrikas, darunter auch die heutige Türkei und die Schweiz.
Das Christentum verbreitete sich in den ersten Jahrhunderten vor allem im heutigen Nahen Osten, in der Türkei und den umliegenden Regionen. Was das Christentum seit seinen Anfängen kennzeichnete, war die grosse theologische Spaltung. Es entstanden Dutzende christlicher Abspaltungen.

Nicäa (Nikaia), 3. Jahrhundert n. Chr. Sammlung: Antikensammlung Basel und Sammlung Ludwig
Das Konzil von Nicäa wollte die Einheit der Kirche wiederherstellen, zumindest die offizielle Dogmatik festlegen. Es war sozusagen die erste ökumenische Initiative.
Bekanntlich spaltete sich die christliche Kirche danach noch mehrmals (unter anderem durch das Schisma von 1084 und die Reformation ab 1517), aber es ist gut, bei dieser ersten Initiative im Jahr 325 innezuhalten, einer Mediation avant la lettre.

Mégalo Metéoron Kloster (Griechenland): Eine Ikone, die das Konzil von Nicäa darstellt, der verurteilte Arius liegt auf dem Boden . Bild: Wikipedia
Es ist kein Zufall, dass gerade in der Schweiz dieses Konzil gedacht wird. Während der Reformation waren die „Disputatio”, das „Simultaneum”, der Kompromiss, „agree to disagree”, Staatskunst und vor allem die Stimme der Bürger (z. B. Appenzell 1597) Voraussetzungen für die Verhinderung gnadenloser Religionskriege, abgesehen von einigen kleineren bewaffneten Konflikten. Selbst oder gerade in der ehemaligen calvinistischen und heutigen internationalen Hauptstadt des Rechts steht „Nizäa“ heute im Mittelpunkt des Interesses!

Grabsteine aus Phrygien (dem heutigen Anatolien), 3. Jahrhundert n. Chr. Sammlung: Antikensammlung Basel und Sammlung Ludwig
Am Konzil von Nicäa diskutierten die Bischöfe über die christliche Dogmatik. Einige Beschlüsse von damals sind für die heutige christliche Kirche noch immer von Bedeutung! Der Inhalt ist aus historischer Sicht nicht relevant, zeigt aber, wie lange Beschlüsse nachwirken können, wenn sie nicht allzu positive unvorhergesehene Folgen haben.
Was für das Konzil von Nicäa gilt, trifft auch auf aktuelle institutionelle Verträge zu, auch wenn die Bischöfe und die christliche Religion glücklicherweise gewählten Politikern und nicht auf Religion basierenden Gesetzen Platz gemacht haben.
