Belle van Zuylen oder Isabelle de Charrière in den Niederlanden und der Schweiz
16 Juni 2025
Belle van Zuylen (1740-1805) ist im Ausland, insbesondere in der Schweiz, unter dem Namen Isabelle de Charrière bekannt. Ihr Geburtsort, oder besser gesagt, ihr Geburtsschloss, war Slot Zuylen im Dorf Zuilen, heute Oud-Zuilen in der Gemeinde Stichtse Vecht (Provinz Utrecht).
Wie der Name schon sagt, befindet sich das Schloss an der Vecht. Zur Zeit von Belle war dieser Fluss ein Handelsweg zwischen Utrecht, Amsterdam und der Zuiderzee.


Die Vecht
Die Ursprünge des Schlosses gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war es eine Motte, ein Wehrturm. Die strategisch günstige Lage an der Vecht im damals mächtigen Bistum Utrecht war eine Einnahmequelle für die Zölle.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Komplex ständig erweitert und an neue Nutzungen, Wohnzwecke und Kunststile angepasst. Die letzte grosse Renovierung fand im 19. Jahrhundert statt.



Belle war die Tochter von Diederik Jacob Tuyll van Serooskerken (1707-1776) und Jacoba Helena de Vicq (1724-1768). Sie heiratete 1771 Charles-Emmanuel de Charrère de Penthaz (1735-1808), der im Manoir Le Pontet in Colombier, im preussischen Fürstentum Neuenburg lebte.
Er war der französischsprachige Hauslehrer ihres ältesten Bruders Willem (1743-1839). Belle zog nach Colombier und nannte sich von nun an Isabelle de Charrière.

Belles Schreibtisch im Slot Zuylen
Wie zu jener Zeit (bis ins 20. Jahrhundert) üblich, war die europäische Aristokratie zweisprachig (oder dreisprachig): die Muttersprache, Französisch und manchmal Latein. Belle ist vor allem für ihr literarisches Vermächtnis bekannt: Korrespondenz, Literatur, Theaterstücke und zahlreiche andere Schriften, fast alle in französischer Sprache.
In beiden Ländern, den Niederlanden und der Schweiz (insbesondere im Kanton Neuenburg), wird ihr literarisches Erbe gepflegt.
In den Niederlanden gibt es das Museum im Slot Zuylen und die Genootschap (Gesellschaft) Belle van Zuylen/Isabelle de Charrière. Der Kanton Neuenburg (und die Universität Lausanne) hat innerhalb der Universität von Neuenburg das Projekt Isabelle de Charrière.
Die Bibliothèque publique et universitaire de Neuchâtel besitzt etwa 1‘530 von insgesamt 2‘600 ihrer erhaltenen Briefe. Die meisten anderen befinden sich in der übrigen Schweiz, in einigen europäischen Ländern und in den USA.
Ein ausführlicher Artikel über Isabelles Leben in der Schweiz und insbesondere in Colombier erscheint in der Nouvelle Revue neuchâteloise im September 2025. Der Swiss Spectator schreibt in diesem Artikel über ihr Leben im Slot Zuylen und in den Niederlanden.
Auf diese Weise kommen das niederländische und das schweizerische Leben dieser Frau der Aufklärung zu ihrem Recht. Belle alias Isabelle symbolisiert diese Epoche schlechthin.
Die Schweiz mit ihren zahlreichen italienischen, englischen, russischen, deutschen und französischen Besuchern, Einwanderern oder Flüchtlingen, Gesellschaften, Exportnetzen und aufstrebenden Industrien in dieser Zeit ist eine meist zu Unrecht vergessene Brutstätte der Aufklärung.
Lord Byron, Wolfgang von Goethe, Edward Gibbon, Madame de Staël, Jean-Jacques Rousseau, Wolfgang von Goethe und Voltaire sind nur einige Namen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die sich in der Schweiz aufgehalten haben, so wie Basel im 15. und 16. Jahrhundert das Zentrum der Intellektuellen, der Humanisten und der Drucker und Verleger war.
(Literatur: K. Verboeket, Slot Zuylen, Oud-Zuilen, Amsterdam, 2003; K. van Strien, Belle van Zuylen. Een leven in Holland, Soesterberg, 2019; J. Bujard et autres, ‘Le Manoir du Pontet à Colombier’, in la Nouvelle Revue neuchâteloise, Hiver 2002, n° 76.
Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen
Slot Zuylen









Die Kapelle des Schlosses

Das Museum Slot Zuylen















