Trichuris incognita und das Swiss Tropical- and Public Health-Institute
21 Juni 2025
Das Naturhistorische Museum Basel erhält 2029 im St. Johann-Quartier ein neues Zuhause. Die Vorbereitungen für den Umzug von rund 7 Millionen Objekten sind in vollem Gange.

Reisebereit für das neue Museum
Auch die Giraffe kommt mit ins neue Museum, zurzeit ist noch offen, ob sie sich im neuen Museum mit einem Platz im Depot begnügen muss, oder ob sie weiterhin ausgestellt sein wird, nachdem sie dem Museum ein Jahrhundert lang gedient hat.

Auch die jüngsten Neuerwerbungen des Museums ziehen um, darunter die kürzliche Entdeckung einer neuen Wurmart. Auch wenn ein Wurm kein alltägliches Gesprächsthema ist, leiden weltweit etwa 2 Milliarden Menschen an irgendeiner Krankheit, die auf Würmer zurückzuführen ist. Im menschlichen Körper leben nicht nur Milliarden von Bakterien, sondern oft auch (unerwünschte) Würmer.
Peitschenwurminfektionen betreffen weltweit schätzungsweise 500 Millionen Menschen. Ausgelöst werden sie durch den parasitären Wurm Trichuris trichiura. Bislang ging man davon aus, dass alle menschlichen Peitschenwurminfektionen auf diese eine Art zurückzuführen sind.


Naturhistorisches Museum Basel, Max Bär (Swiss TPH) am 19. Juni 2025
Das Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH) in Allschwil hat mit Partnern in Côte d’Ivoire und der Universität Calgary (Kanada) im Rahmen von Forschungen an der Elfenbeinküste eine neue Parasitenart entdeckt. Das Forschungsteam benannte den neuen Wurm in Anlehnung an seine bislang unerkannte Existenz Trichuris incognita.
Sie sieht aus wie der bereits bekannte Peitschenwurm, der auch für Menschen gefährlich werden kann, wenn er nicht behandelt wird. Die neue Art wird nun durch die offizielle Übergabe konservierter Exemplare an das Naturhistorische Museum gemäss internationaler Regeln zur wissenschaftlichen Namensgebung formell anerkannt. Dies ist unter anderem wichtig, um möglichst rasch neue Medikamente zu entwickeln.


Bilder: © Max Bär/Swiss TPH
Der Durchbruch wurde durch den Einsatz von Next-Generation-Sequencing-Technologien ermöglicht, mit denen das vollständige Genom des Parasiten entschlüsselt werden konnte.
Die Entdeckung zeigt, welche zentrale Rolle moderne Genomsequenzierung heute in der Parasitologie und Diagnostik spielt – insbesondere beim Aufspüren bislang unerkannter Arten, die mit traditionellen Methoden wie der Mikroskopie nicht zu erkennen sind.

Die grössten Würmer der Sammlung des Naturhistorischen Museums
Obwohl die Schweiz keine Kolonien in den Tropen hat, sind (medizinische) Wissenschaftler traditionell nicht weniger reisefreudig und neugierig, in diesem Fall auf tropische Krankheiten. Heute hat das TPH 800 Mitarbeiter und arbeitet mit 100 Ländern zusammen.
Es erfüllt die Wissenschaftler des Swiss TPH daher mit einem gewissen Stolz, dass sie diese neue Wurmart am 19. Juni 2025 dem Naturhistorischen Museum Basel übergeben konnten.

Schliesslich ist dieses Museum nicht nur Schauplatz einer Sammlung in Depots und Sälen, sondern hat seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert einen Wissenschafts- und Forschungsauftrag, von den kleinsten Insekten bis zu den grössten (ausgestorbenen) Säugetieren.
Obwohl die Würmer, ein Männchen und ein Weibchen, in Ethanol schwimmen und sich nicht äussern können, werden sie sich in ihrem heutigen Haus und ab 2028 in ihrem neuen Zuhause sicher wohl fühlen.
(Quelle und weitere Informationen: Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH); Naturhistorisches Museum Basel)
Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

