Das Eidgenössische Jodlerfest in Basel

Obwohl das Jodeln auch in anderen Alpenländern vorkommt, erreicht es in der Schweiz das höchste musikalische Niveau hinsichtlich der Anzahl der Ausübenden, der Vereine, der Qualität und der (modernen) Interpretationen.  Die UNESCO hat im Dezember 2025 das Schweizer Jodeln in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Das Eidgenössische Jodlerfest findet vom 26. bis 28. Juni

Das Eidgenössische Jodlerfest findet vom 26. bis 28. Juni in Basel statt, mit mehr als 12‘000 Teilnehmern. Passend zum Festmotto «Stadt und Land mitenand» gibt es in Basel ein grosses Jodlerdorf mitten in der Stadt ebenso wie eine Jodlermeile und einen Jodlerberg. Das Festgelände liegt zwischen dem Petersplatz und den darunterliegenden Altstadtgassen bis zum Marktplatz.

Lyôbâle am Rhein, März 2026

Insgesamt wird es über 100 Festbeizen und Stände geben, in denen man gemeinsam mit der Jodler-, Alphornbläser- und Fahnenschwinger-Familie bis in die frühen Morgenstunden in die bodenständige Klang-­ und Gefühlswelt eintauchen darf.

Für die Aktiven aus der ganzen Schweiz gibt es rund 1‘200 Bewertungsvorträge in den Sparten Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen in Kirchen, Konzertsälen und Schulanlagen der Innenstadt. Vor der Jury sind die Akteure in Gruppen, einzeln oder als Kleinformationen bestrebt, die Kompositionen klanglich rein und ergreifend in den akustisch optimalen Lokalen darzubringen. Dabei tragen sie ihre traditionellen Trachten.

Jahresfest SAC-Sektion Basel, November 2025

Programm

Die Veranstaltung beginnt am Freitagnachmittag um 12:00 Uhr. Eröffnungsfeier am Petersplatz um 14:00 Uhr, Vorführungen ab 14:00 Uhr Alphorn; 16:00 Uhr Fahnenschwingen; 18:30 Uhr Jodeln. Samstag ab 09:30 Uhr alle Aktivitäten bis 20:00 Uhr. Sonntag 10:00 Uhr Festakt auf dem Marktplatz. 14:00 Uhr Festumzug. 18:00 Uhr Ende des Festes

Festakt und Festumzug

Zur Tradition von Jodlerfesten zählt der Festakt am Sonntagmorgen. Auf dem Basler Marktplatz wird ein musikalisches Programm mit vielen Gruppen und Solisten geboten. Besonders eindrücklich sind die Gesamtaufführungen, wenn aus vielen hundert Kehlen und aus den Alphörnern gleichzeitig Lieder ertönen. Am Festakt wird das Basler Element nicht fehlen.

Den Festabschluss bildet der farbenfrohe Festumzug. Der Umzug mit 2‘500 Teilnehmenden in über 80 Gruppen mit traditionellen Sujets führt am Sonntagnachmittag mitten durch Basel – vom Münsterplatz durch die Freie Strasse über den Marktplatz und die Rheinbrücke bis zum Messeplatz.

Basel, Februari 2026

Das Festabzeichen: Die Basler «Jodlerfest-Blaggedde»

Der Zutritt zum Festgelände ist frei. Es ist Ehrensache, dass die Besucherinnen und Besucher, als Sympathiebekundung wie die Aktiven, das offizielle Festabzeichen tragen – die sogenannte Jodlerfest-Blaggedde, die für 10 Franken das Stück verkauft wird. Für den Besuch der Jury-Vorträge im Jodelgesang, Alphornblasen und Fahnenschwingen in den zehn Vortragslokalen ist Eintritt erforderlich.

(Quelle, weitere Informationen und Vorverkauf: www.jodlerfestbasel.ch)

Die Nachhaltigkeitsinitiative aus Perspektive der direkten Demokratie

Während in den Niederlanden laut den neuesten Umfragen nicht weniger als 76 % der Bürger eine Begrenzung der Zahl von Arbeitsmigranten, Asylbewerbern und Wirtschaftsflüchtlingen wünschen, haben in der Schweiz am 14. Juni 55% der Stimmberechtigten eine Obergrenze der Bevölkerung von 10 Millionen Einwohnern abgelehnt.

Nachhaltigkeitsinitiative, 14. Juni 2026

Die kleine Schweiz mit etwa 30 % unbewohnbarem Gebiet ist das am schnellsten wachsende Land Europas und nimmt absolut wie relativ viele Arbeitsmigranten und Flüchtlinge auf. Seit dem Jahr 2000 ist die Bevölkerung um mehr als 2 Millionen gewachsen, von 7,1 Millionen auf über 9,1 Millionen im Jahr 2026. Der Nettozuwachs beträgt jährlich mehr als 100’000 Einwohner.

Die niedrige Arbeitslosigkeit, die traditionell innovative Wirtschaft und hochwertige Industrie, die besten Universitäten Europas und eine hervorragende Berufsbildung, die Lebensqualität sowie die ausgezeichnete Infrastruktur und das Gesundheitssystem wirken wie ein Magnet.

Täglich arbeiten mehr als 400’000 Grenzgänger aus Frankreich, Deutschland und Italien im Land, 2 Millionen Ausländer leben und arbeiten dauerhaft dort. Inwiefern soll die Schweiz ein Profiteur der EU sein? Die EU und viele Bürger darüber hinaus profitieren von der Schweiz, die zudem auf eine jahrhundertealte erfolgreiche wirtschaftliche, konstitutionelle, wissenschaftliche, kosmopolitische und reislustige Geschichte zurückblicken kann.

Die Belastung für Infrastruktur, Wohnraum, Gesundheitswesen, Bildung, Integration ist jedoch zu gross geworden. Unbezahlbarer und knapper Wohnraum, überfüllte Strassen und öffentliche Verkehrsmittel, ein faktisch nicht mehr funktionierendes Bildungssystem aufgrund mangelhafter Integration, eine Zunahme schwerer Kriminalität. Parallele Gesellschaften, ein abnehmendes Sicherheitsgefühl (das früher selbstverständlich war) und ein Gesundheitssystem an seinen Grenzen sind die Realität.

Tatsachen, die auch in den Niederlanden und in anderen EU-Ländern bekannt sind. Eine zahlenmässige Begrenzung auf 10 Millionen ist möglicherweise weder geeignet noch praktisch umsetzbar, doch die Botschaft ist klar. Im schweizerischen Kontext wirken über 55% gegen diesen Vorschlag zwar überzeugend, doch das Ergebnis bedarf einer differenzierten Betrachtung.

Die öffentliche Debatte

Zunächst einmal ging die Initiative nur von einer einzigen politischen Partei (SVP) aus, die etwa 30 % der Bürger vertritt. Das gesamte Establishment (Radio, Fernsehen, (soziale) Medien, Universitäten, Regierung, andere politische Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgeber, zahlreiche Flüchtlingsorganisationen und andere NGOs usw.) war gegen die Initiative. Auch das Budget spricht Bände: etwa 1,5 Millionen gegenüber rund 9 Millionen.

Gefühle von Scham (das „xenophobe“ und „isolierte“ Schweizbild, Abschottung, die rechtsextreme SVP), Angst vor dem vorhergesagten „Chaos“ und vor EU-Sanktionen waren die Hauptmotive der Gegner. Es fand keine Analyse des  Bevölkerungswachstums und der (fehlenden) Regierungspolitik statt. De facto handelte es sich um eine Kampagne gegen die ungeliebte SVP. Es war eher direkte Demagogie als direkte Demokratie – bis auf höchster politischer Ebene und in den Medien.

Bei Parteien wie der Sozialistischen Partei (eine Partei der alten Schule) und den Grünen überrascht dies wenig. Sie haben einfach die Sozialistische Internationale durch die Europäische Föderale ersetzt. Sie sind, wie sie sind, und das ist legitim – auf der Suche nach neuen Wählern (unter anderem 16-Jährigen, schneller Einbürgerung von Migranten, demokratischer Quantität statt Qualität, wie in der guten alten Zeit des Internationalen Sozialismus) neben der Blase urbaner „Hochgebildeter“ und Studierender. Das mündet oft in Populismus und Intoleranz, die auch auf der linken Seite des politischen Spektrums existieren (zusammen mit Islamisten) und dabei vielleicht noch gefährlicher sind als Rechtsextremismus.

Der Bundesrat und der Justizminister

Im Widerspruch zu Gesetz und Verfassung steht jedoch das öffentliche Auftreten des Justizministers Beat Jans (SP). Dieser (ehemalige) Aktivist hat die offiziell verfassungsmässig anerkannte Bezeichnung „Nachhaltigkeitsinitiative“ gesetzeswidrig in „Chaosinitiative“ umbenannt. Dies wurde von Medien und Gegnern übernommen.

Doch dabei blieb es nicht. Er spekulierte und verbreitete Unwahrheiten über die Folgen (unter anderem, dass Spitäler bei Annahme sofort schliessen müssten, es handle sich um einen „Brexit“, das AHV-Rentenalter müsse steigen, ältere Menschen bekämen keine Pflege mehr und die Wirtschaft würde mangels Arbeitskräften zusammenbrechen). Statt das Land als Justizminister zu führen, führte er als Mitglied des Bundesrates eine private Kampagne.

Die Nachhaltigkeitsinitiative

Die Initiative zielte darauf ab, bei Erreichen von 9,5 Millionen Einwohnern konkrete Massnahmen zu ergreifen, einen Plan für die Arbeitsmigration zu entwickeln, abgewiesene und kriminelle Asylbewerber auszuweisen und den Familiennachzug zu begrenzen. Ob dies funktionieren würde, ist unbekannt, doch es ist zumindest ein Signal an eine passive bzw. versagende Regierung und Politik. In anderen Ländern ist die Stimmung ähnlich, nur gibt es dort keine direkte Demokratie.

Bemerkenswert ist, dass Mitglieder der SVP auch den Mut hatten, unabhängig vom Abstimmungsausgang auf die Notwendigkeit einer Erhöhung des AHV-Rentenalters (derzeit 65 Jahre) hinzuweisen. Die Parteien und der Bundesrat lehnten dies jedoch ab, drohten zugleich den „Ja“-Wählern mit einer Erhöhung und suggerierten, dass es bei einem „Nein“ keine Erhöhung geben werde. Über Populismus gesprochen. Die Medien übernahmen dies unkritisch.

In keinem Land – auch nicht in den Niederlanden mit einem Rentenalter von 67 Jahren (Tendenz steigend) – wird ein Zusammenhang mit der Migration hergestellt. Dies zeigt die Stimmungsmache – diesmal nicht von rechts, sondern von links, inklusive orientierungsloser bürgerlicher Parteien (eine Parallele zu den Niederlanden).

Die Schweiz und die Europäische Union

Die Initiative hat jedoch noch eine weitere Dimension: das von der Regierung vorgelegte Abkommen „Bilaterale III“ mit der EU. Das Abkommen umfasst eine weitreichende Übertragung von gesetzgebenden, exekutiven und richterlichen Kompetenzen an die EU. Zudem wird es zu viel mehr Zuwanderung aus (künftigen) EU-Staaten führen.

Diese Migranten erhalten nach fünf Jahren automatisch eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung inklusive Familiennachzug – in klarem Widerspruch zur Schweizer Verfassung (Art. 121) und zur bisherigen Praxis. Zwar ist die Freizügigkeit an ein Arbeitsverhältnis oder an den Status als Selbstständiger gebunden, doch der Europäische Gerichtshof betrachtet bereits wenige Arbeitsstunden pro Woche als ausreichend. Und Recht auf soziale Unterstützung schon nach einigen Monaten.

In dem Wissen, dass Millionen Migranten in umliegenden Ländern – insbesondere in Deutschland, den Niederlanden und Spanien – einen EU-Pass vergleichsweise leicht erhalten haben und familiäre sowie clanbasierte Strukturen oft überwiegen, lässt sich in der Schweiz schnell einen Arbeitsvertrag bei einem (zweifelhaften) Unternehmen finden.

Direkte Demokratie war einmal

Zudem wird die (direkte) Demokratie zur Farce – wie das niederländische Beispiel im Bereich des EU-Rechts zeigt. Das niederländische Parlament wird über EU-Gesetze systematisch nicht, zu spät oder unvollständig informiert, die EU hält sich nicht an rechtliche Vorgaben oder das Land wird regelmässig überstimmt (Euro, Klima, Migration, Baupolitik, Fischerei, Haushalt, Reformen usw.). Direkte Demokratie gibt es nicht, nur Wahlen alle 4 Jahre und über die EU haben die Bürgerinnen und Bürger nur einmal etwas zu sagen gehabt (2005, 62% gegen weitere Integration).

Die Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz können schon jetzt die Vielzahl an Referenden auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene kaum bewältigen, geschweige denn über Hunderte von EU-Gesetzen entscheiden oder Referenden organisieren. Zudem kann die EU Schweizer Bürger bei einem Referendum über EU-Recht sogar mit Sanktionen belegen, falls dieses abgelehnt wird. Die Niederlande haben ausserdem lediglich etwa 3 % Einfluss auf Entscheidungen (und die Regierung wird sehr oft überstimmt); die Schweiz dürfte nur mitreden (rund 2 % Einfluss) und dafür gibt es schon viele Lobbyisten.

Das Abkommen ignoriert auf eklatanter Weise Art. 2 der Verfassung: Art. 2: Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit des Landes.

Die direkte Demokratie ist vielleicht das wichtigste Recht, doch sie wird praktisch ausgehebelt, und die Unabhängigkeit wird zur Abhängigkeit von Bürokraten in Brüssel.

Ständemehr

Am problematischsten ist jedoch die Missachtung der Schweizer Verfassung im Hinblick auf das Ständemehr (Art. 140 BV). Das Volk und die Kantone sind die Gründer der Schweiz. Da viele Vertreter der politischen Parteien der föderalen Struktur und der Gründern misstrauen, ignorieren sie dieses Prinzip der Verfassung und es soll aus politischen und opportunistischen  Gründen kein Ständemehr geben.

Die Bundesverfassung:

Art. 1: Das Schweizervolk und die Kantone bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Art. 3: Die Kantone sind souverän, soweit ihre Souveränität nicht durch die Bundesverfassung beschränkt ist; sie üben alle Rechte aus, die nicht dem Bund übertragen sind.

Sie argumentieren, die Schweiz trete der EU nicht bei – obwohl sie durch die Übertragung institutioneller Kompetenzen genau dies tut. Sie hebeln ausserdem die Souveränität der Kantone mit dieser Übertragung aus.

Dies ist auch der Anfang eines dynamischen Prozesses, nicht das Ende. Diese Argumentation erinnert an dogmatische Juristen des 19. Jahrhunderts („Gesetz ist Gesetz“), während heute auch Zweck und Absicht des Gesetzgebers berücksichtigt werden, Dogmatik aus dem 19. Jahrhundert wird genutzt, um ein politisches Ziel im 21. Jahrhundert zu erreichen.

Und diese sind eindeutig: Bei institutionellen Kompetenzübertragungen an internationale Organisationen, bei Beschränkungen der  Souveränität der Kantone sowie bei Verfassungsänderungen ist das Ständemehr erforderlich. Diese Voraussetzungen sind erfüllt. Andere Ansichten sind nicht nur verfassungsrechtlich, sondern ausschlieslich opportunistisch-politisch geprägt.

Zudem herrscht völlige Unklarheit über die zahlreichen gegenwärtigen und künftigen Zuständigkeiten der Europäischen Union, die in der dezentralisierten Schweiz nach wie vor unter die Souveränität der Kantone fallen (beispielsweise Steuern, Naturparks oder das monopolistische Unternehmen Salinas, der Besitz der 26 Kantone).

Kurz gesagt: Jeder Eingriff der Europäischen Union muss einem obligatorischen Referendum unterzogen werden, um dieser Kompetenzübertragung eine verfassungsrechtliche Grundlage zu geben. Tatsächlich hat der Bundesrat keine Ahnung von den gegenwärtigen und zukünftigen Kompetenzen der EU gegenüber den Kantonen.

Es erinnert auch an die Niederlande: Seit 1815 hat es im zentralistisch regierten Land kein Referendum gegeben, auch nicht in Bezug auf die EU. 2005 war es so weit und 62% wollten keine weitere EU-Integration. Fazit: Das Referendum wurde nicht nur ignoriert, sondern gleich wieder abgeschafft. Das Volk ist ja zu dumm. Heute haben nur noch 4% Vertrauen in Politik und Krawallen und Ausschreitungen sind an der Tagesordnung. Das Ignorieren des Ständemehrs ist etwas Ähnliches.

Schlussfolgerung

Diese Nachhaltigkeitsinitiative – unabhängig von ihrer Umsetzbarkeit – ist zu einem Kreuzzug gegen die SVP und die vox populi geworden. Tatsächlich empfinden weit mehr Menschen als die 45 % „Ja“-Stimmen Unbehagen angesichts des Bevölkerungswachstums und der Entstehung paralleler Gesellschaften. Das Signal dieser 45 % ist eindeutig.

Abgesehen von der aktivistischen Vergangenheit und dem heutigen Verhalten des Justizministers erklärt dies auch die Tonlage im Hinblick auf das kommende Referendum über die „Bilaterale III“ (voraussichtlich 2028) – eine Haltung, die eines Regierungsmitglieds unwürdig ist und sogar im Widerspruch zu Gesetz und Verfassung steht. Die EU und eine internationale Karriere sind augenscheinlich  seine Ambitionen, nicht die Verfassung, die Interessen der Schweiz oder die Sorgen des Volkes.

“….dass der Bundesrat durch das Kollegialprinzip dazu gezwungen wird, gefällte Entscheide als Gremium zu kommunizieren und persönliche Meinungen zurückzuhalten. Eine schweizerische Besonderheit besteht in der Aufgabe des Bundesrates, die Stimmberechtigten über die Vorlagen bei Volksabstimmungen zu informieren.

Im Ergebnis zeichnet sich die Argumentation der Regierung dadurch aus, dass sie eher informativ, pragmatisch, sachlich, deeskalierend und kaum konfrontativ ist. Der Bundesrat muss sich bei seinen Informationsaktivitäten vor Abstimmungen insbesondere an die Grundsätze der Sachlichkeit, der Transparenz und der Verhältnismässigkeit halten.

Es ist ihm untersagt, einseitige Propaganda für eine Vorlage zu betreiben. Eine Verletzung der Abstimmungsfreiheit durch die bundesrätlichen Erläuterungen aufgrund der Unterdrückung wichtiger Sachverhalte und der Weitergabe irreführender Informationen kommt vor. So wurde eine solche Verletzung vom Bundesgericht festgestellt.

Das Bundesgericht folgerte daraus, dass die falschen und intransparenten Informationen des Bundesrates eine schwerwiegende Verletzung der Abstimmungsfreiheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger darstellen würden (BGE 1C_315/2018)“. (Quelle: A. Vatter, Der Bundesrat, Zürich 2020).

Art Basel und Lorin’s Promenade Through Art Basel 26

Die Art Basel (15. bis 21. Juni) zeigt Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts und ist die führende Weltmesse des internationalen Kunstmarktes. Über 290 Galerien und 4000 Kunstlerinnen und Kunstler aus aller Welt machen Basel zum Museum der modernen und zeitgenössischen Kunst. Die Art Basel war schon in Hongkong, ist im Oktober in Paris, im Dezember in Florida und im Januar 2027 im Katar.

Während Art Basel finden auch einige Nebenmessen statt. Das Art Parcours im Zentrum ist ausserdem eine besondere Präsentation ortsspezifischer Installationen, Skulpturen, Interventionen und Performances im öffentlichen Raum sowie an historischen Orten in der Stadt Basel.

Die Messe Photo Basel  bringt Fotografiegalerien aus der ganzen Welt zusammen. Sie ist eine aktive Plattform, die den Dialog zwischen den Akteuren der internationalen Fotografiegemeinschaft und dem Publikum fördert. Die Messe wird parallel zur Art Basel veranstaltet.

Der Lorin am Lotsensteiger, Uferstrasse, Kleinbasel.

Lorin’s Promenade Through Art Basel 26

Der besondere Gast und die Show dieser Ausgabe von Art Basel befinden sich jedoch nicht an Land, sondern auf dem Wasser. Der Kulturfrachter Lorin bietet täglich Kunst, Musik und Konzerte an. Die Galerie (CargoSpaceGallery) ist vom 15. bis einschliesslich 21. Juni täglich von 17:00 bis 19:00 Uhr geöffnet.

Wenn es dunkel wird, verlässt die Lorin den Steg und entfaltet sich ein „PerformanceDrive“ auf dem Rhein – eine Komposition aus Schiff, Wasser, Stadt und Nacht, die täglich von 22:00 bis 23:00 Uhr von den Ufern zwischen der Dreirosenbrücke und der Mittleren Brücke aus erlebt werden kann.

Bild: Lucia Hunziker

Wenn Sie sich als Gast anmelden möchten, nutzen Sie bitte diese E-Mail-Adresse: [email protected]

16.-21. Juni: 22.00-23.00 PerformanceDrive auf dem Rhein; 16.-21. Juni: 17.00-19.00 CargoSpaceGallery

Weiteres Programm:

21.6. 19.00 ECHOES OF UKRAINE, CargoSpaceConcert in Basel
26.6. 22.00 PerformanceDrive in Strasbourg
27.6. 19.00 SCREWS NOISES DANCES, CargoSpaceConcert in Strasbourg
28.6. 19.00 ECHOES OF UKRAINE, CargoSpaceConcert in Strasbourg

Addresse:

Kulturfrachter Lorin, Uferstrasse, Lotsenstrasse (Klein-Basel near the Dreirosenbrücke)

Website: www.lorinspromenade.com; 

E-mail: LORIN [email protected]

The (Ukrainian) Girl with the Silver Bullet, ein Projekt von Guido Wasser und Anmari Mëstsa Yabi Wili

Petinesca, Kelten und Tempelbezirk Gumpboden

Studen (Kanton Bern) liegt am Fusse des Jäissbergs, im Herzen des Berner Seelands. Vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr war Petinesca hier das Zentrum der Region. Vorerst als keltische Siedlung und ab 13. v. Chr. als römisches Dorf (Vicus). Dank der Aare liessen sich von hier aus die Wasserwege nutzen.

Petinesca, Standort des römischen Tempelkomplexes bei Studen

Mit der Einbindung ins römische Strassennetz entwickelte sich Petinesca in einem bedeutenden Knotenpunkt zusammen mit Aventicum (Avenches), Brenodurum (Bern-Engehalbinsel) und Salodurum (Solothurn). Im 2. Jahrhundert zählte es rund 2000 Einwohner! Es gab wahrscheinlich eine Brücke über die Aare und  am alten Aarelauf lag vielleicht auch ein römischer Flusshafen.

Petinesca ist ein Objekt von nationaler Bedeutung und heute sind die Wall- und Grabenreste der keltischen Siedlung, die Grundrisse einer grossen römischen Tempelanlage auf dem Gumpboden und die Ruine einer Torturmanlage aus dem 3. Jahrhundert noch sichtbar. Das keltische Gräberfeld von Studen liegt am östlichen Hangfuss des Jensbergs. Hier wurden 52 Bestattungen dokumentiert.

Der Tempelbezirk Gumpboden

Im römischen Tempelbezirk auf dem Gumpboden standen mehrere Tempel sowie ein Mehrzweckgebäude. Der Tempelbezirk gehörte zum Vicus Petinesca und diente als religiöses Zentrum des Umlands.

Der Bautyp des Tempels geht auf keltische Vorbilder zurück. Bild: © ADB 2015

Die Anlage entstand im 1. Jahrhundert. Das rund 1,5 Hektar grosse Areal war von einer Mauer umschlossen. Bei den sechs grossen Tempel handelt es sich um gallorömische Tempel.

(Quelle und weitere Informationen: Archäologischer Dienst des Kantons Bern (ADB).

Rekonstruktion eines gallorömischen Tempels. Bild: ©ADB

Sinfonieorchester Basel und Stadtcasino Basel 1826-2026

Das Sinfonieorchester Basel und das Stadtcasino Basel feiern im Jahr 2026 ihre jahrhundertelange Zusammenarbeit und Gründung – Generationen bevor Paul Sacher (1887–1964) 1926 das Kammerorchester Basel gründete (ein weiterer Meilenstein in der Musikstadt Basel im Jahr 2026!).

Sinfonieorchester Basel 1876–2026

Das Sinfonieorchester Basel, wie wir es heute kennen, ist das Ergebnis einer Tradition, die vor mehr als dreihundert Jahren begann. Der Name des Ensembles hat sich oft geändert, aber das Ensemble ist, abgesehen von der kurzen Zeit während der Helvetischen Republik (1798–1803), nie von der Bildfläche verschwunden.

Im Jahr 1692 gründeten Bürger ein Collegium Musicum, um die Musik zu fördern. Das Collegium bestand aus Amateur- und professionellen Musikern. Die Konzerte fanden bis 1826 im ehemaligen Augustinerkloster statt, seitdem hauptsächlich im Stadtcasino.

Am 4. Oktober 1876 wurde der neue Konzertsaal im Stadtcasino eingeweiht. Er ist bis heute der wichtigste Konzertort des Orchesters. Eng verbunden mit dem neuen Saal war der andere Name des Orchesters: das Basler Sinfonie-Orchester.

Nach dem Jubiläumskonzert am 9. Juni 2026: Sinfonie Nr. 3 in d-Moll von Gustav Mahler (1860–1911), Markus Poschner (Dirigent), Knabenkantorei Basel, Basler Gesangverein und Jasmin Jorias (Alt). Mahler hat das Orchester zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrfach geleitet. 

1997 fusionierte das Basler Sinfonie-Orchester mit dem Radio-Sinfonieorchester Basel und das Ensemble erhielt seinen heutigen Namen, das Sinfonieorchester Basel. Rund hundert professionelle Musiker treten in der Schweiz und im Ausland auf und arbeiten eng mit dem Theater Basel zusammen. Die Jubiläumssaison umfasst ein vielseitiges und aussergewöhnliches Konzertprogramm, das auf der Website einsehbar ist.

(Quelle und weitere Informationen: Sinfonieorchester Basel)

Stadtcasino Basel 1826–2026

Das Stadtcasino wurde 1826 eröffnet, zwei Jahre nach der Gründung der Stadtcasino-Gesellschaft im Jahr 1824. Der Architekt war Melchior Berri (1801–1854). Er war ein grosser Bewunderer der Renaissance und entwarf auch das Naturhistorische Museum an der Augustinergasse. Es steht an der Stelle des ehemaligen Augustinerklosters, wo das Collegium Musicum bis 1826 Konzerte gab.

Die erste grosse Erweiterung erfolgte 1876 mit dem Bau des Konzertsaals, gefolgt vom Hans-Huber-Saal in den Jahren 1904/1905. Beide Projekte wurden von Johan Jakob Stehlin dem Jüngeren (1826–1894) entworfen.

Das ursprüngliche Stadtcasino wurde 1938 vollständig abgerissen. Das heutige Hauptgebäude wurde vom Architektenteam Willi Kehlstadt, Brodtbeck und Bohny, Bräuning, Leu, Dür entworfen und 1939 in Betrieb genommen.

Das Stadtcasino Basel wurde bis 2020 mehrfach renoviert und erfuhr weitere Umbauten, wie beispielsweise die Installation der neuen Orgel im Jahr 1971. Die Wiedereröffnung des erweiterten Stadtcasinos Basel fand im Jahr 2020 statt. Das Stadtcasino feiert vom 12. bis zum 14. Juni 2026 sein 200-jähriges Bestehen.

(Quelle und weitere Informationen: Stadtcasino Basel)

Die Klöster, Kapellen und Landschaft von Menzingen und der Hirthämmli-Aufstand

Die Klöster St. Blasien und Einsiedeln spielten eine wichtige Rolle in Menzingen (Kanton Zug) und Umgebung bis spät ins 16. Jahrhundert. und 17. Jahrhundert. 1352 trat Menzingen zusammen mit der Stadt Zug der Eidgenossenschaft bei. 1799 war Menzingen ein Zentrum des antihelvetischen Hirthämmli-Aufstandes.

Prägend für Menzingen ist die 1844 erfolgte Gründung des Klosters und Instituts vom Heiligen Kreuz. Ein zweites Kloster (Kapuzinerinnen) entstand 1846–1851 am Wallfahrtsort Gubel.

Das Institut der Schwestern vom Heiligen Kreuz. Diese Kongregation wurde 1844 zur Bildung von Mädchen und jungen Frauen gegründet.

Das Ortsbild von Menzingen ist geprägt durch eine Vierflügelanlage in neubarocker Formensprache mit gekuppelter Kirche. Das Institut erreichte seinen Höhepunkt  in den 1950er Jahren und beeinflusste mit seinen Lehrschwestern und dem bis 2006 betriebenen Lehrerinnenseminar den Auf- und Ausbau der Volksschule in der katholischen Schweiz stark. 2019/2020 wurde das Gebäude zum Teil umgenutzt und renoviert.

Die Hauptroute der Zuger Landeswahlfahrt nach Einsiedeln wird durch die Pfarrei St. Michael in der Stadt Zug ausgerichtet. Die Pilgerwege der übrigen Pfarreien des Kantons treffen sich unterwegs. Die Route der Pfarrei St. Johannes in Menzingen beginnt bei der Pfarrkirche und führt über die Schwandegg hinauf zum Gottschalkenberg bis zum Ratenpass. Die Wahlfahrt von Menzingen nach Einsiedel misst 18 Kilometer.

Kloster Maria Hilf

Das Kloster Maria Hilf auf dem Gubel wurde im Jahre 1846 bei der Wallfahrtskirche Maria Hilf gegründet und gehört dem Orden der Kapuzinerinnen an. 1849 war der Bau einzugsbereit und 1851 legten die ersten drei Schwestern die Profess ab. Das Kloster steht unter der Jurisdiktion des Bischofs von Basel.

Die St.-Verena-Kapelle am Zugerberg wurde im 17. Jahrhundert errichtet. Die Kapelle besitzt einen Kreuzgiebel über der Kuppel und wurde am alten Pilgerweg nach Einsiedeln erbaut.

1709 erhielt die St.-Verena-Kapelle eine Reliquie vom Verenamünster in Zurzach, wo sich das Grab der Heiligen Verena befindet. Das erhöhte ihre Bedeutung für die Gläubigen.

Der Stauwehr im Schmittli an der Lorze stammt aus dem Jahr 1943

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein auf die drei Kurhäuser Schwandegg (1839), Schönbrunn (1857) und Gottschalkenberg (1867) abgestützter Tourismus, der im Ersten Weltkrieg in die Krise geriet.

Weitere Eindrücke 

Der Ägerisee

Der Zugerberg

Die Rigi (l) und der Pilatus (r)

Die Rigi

 

Die Verena-Kapelle

Zug und der Zugersee

Die Burgunderkriege, der Bischof von Basel und die Entwicklung der Eidgenossenschaft

Die Burgunderkriege (1474–1477) wurden schon zu ihrer Zeit in zahlreichen Chroniken, Liedern, Gedichten, Flugschriften und in lokalen Archiven beschrieben und dargestellt. Auch in diesem Jahr widmen mehrere Museen, insbesondere in Grandson, Murten und Bern, sowie verschiedene Publikationen dieser Epoche breiten Raum. Ein Museum in Saint-Imier beleuchtet zudem ein weniger bekanntes Thema: die Rolle des Bischofs von Basel.

Ein zweiter Aspekt erhält ebenfalls wenig Aufmerksamkeit: die Bedeutung dieser Zeit für die weitere Entwicklung der Schweizer Eidgenossenschaft. In vielen schweizerischen Publikationen wird diese Dimension nach wie vor unterschätzt. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf den begrenzten territorialen Gewinnen der Eidgenossenschaft, auf den Spaltungen und Spannungen nach 1477 sowie auf der Gewalt der Jahre 1474–1477.

Das Herzogtum Burgund im Jahr 1476. Sammlung: Historisches Museum Basel

Obwohl vor allem Frankreich und die Habsburger von diesen Kriegen profitierten, gewann die Eidgenossenschaft nach 1477 erhebliches militärisches und politisches Ansehen. Zahlreiche Städte suchten den Anschluss an sie, als Kanton, als Verbündete oder als zugewandter Ort, oder es handelte sich um eroberte Untertanengebiete. Um 1536 hatte die Eidgenossenschaft in ihren Grundzügen bereits ihre heutigen sprachlichen und äusseren Grenzen erreicht, mit Ausnahme der später unter Napoleon vorgenommenen „italienischen“ und „habsburgischen“ Korrekturen.

Bild: Marco Zanoli/Wikipedia. Herzogtum Burgund, 1465-1477

Einleitung

Karl der Kühne (1433–1477), seit 1467 Herzog von Burgund, hegte grosse Ambitionen: Er wollte die Königskrone erlangen, in Kontinuität zu den früheren burgundischen Königreichen. Als Seitenlinie der französischen Königsfamilie (da der französische König Johann II 1363 seinen Sohn Philippe zum ersten Herzog von Burgund benannt hatte) verfügte er zudem bereits über königliches Blut.

Die drei Vorgänger Karls hatten im Verlauf eines Jahrhunderts durch Krieg, Erbschaft und Kauf ein Gebiet erworben, das sich vom alten Herzogtum Burgund bis zur Nordsee erstreckte und Flandern sowie die Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté) einschloss. Die Franche-Comté war französischsprachig, doch der deutschsprachige Herzog von Baden-Württemberg war Herrscher über das französischsprachige Mompelberg (Montbéliard).

Das Herzogtum Burgund im Jahr 1467. Sammlung: Historisches Museum Bern

Es handelte sich allerdings nicht um ein zusammenhängendes Territorialgebilde. Das Elsass und das Herzogtum Lothringen gehörten nicht dazu. Der grösste Teil des Elsass lag im Einflussbereich der Habsburger, einschliesslich der freien Reichsstädte des Zehnstädtebundes (Dekapolis) und Strassburgs. Andere kleinere Gebiete gehörten den Bischöfen von Strassburg und Basel. Auch diese Regionen gehörten zum Heiligen Römischen Reich.

Die Eidgenossenschaft um 1474. Bild: Marco Zanoli/Wikipedia

Der Bischof von Basel

Der Fürstbischof von Basel war eng mit den Habsburgern verbunden. Das Gebiet des Bistums umfasste den heutigen Kanton Jura, Teile des Kantons Basel-Landschaft, das Seeland im Kanton Bern sowie Gebiete im Elsass und in Baden-Württemberg. Das Elsass war damals noch deutschsprachig (alemannisch). Der Fürstbischof verfügte über bedeutende weltliche Macht und stellte über seine Vasallen Heere auf.

Zu den wichtigen Städten seines Bistums gehörten, neben Basel, La Neuveville, Pruntrut, Delsberg, Biel und St-Ursanne. Obwohl die Beziehungen zur weltlichen Obrigkeit Basels gespannt waren, verliess er die Stadt erst mit der Reformation im Jahr 1528. 1470 war es jedoch noch nicht so weit. Unterdessen dehnte Bern seinen Einfluss im Bistum immer weiter aus, insbesondere im Jura.

Bis 1470 deutete jedoch nichts auf einen Konflikt mit dem Herzog von Burgund hin. Im Gegenteil: Das kulturelle und militärische Prestige des Herzogtums unter den drei vorhergehenden Herzögen war so gross, dass die Habsburger, die Berner Aristokratie und der Bischof von Basel Burgund hoch schätzten.

Zudem befanden sich die Eidgenossenschaft und die Habsburger im Kriegszustand, und die Habsburger unterstützten gerade den Herzog. Frankreich, noch erschöpft vom Hundertjährigen Krieg mit England (1337–1453), spielte militärisch noch keine bedeutende Rolle, erwies sich diplomatisch jedoch bereits als umso wirksamer (gegen den Herzog).

Bischof Johann von Venningen inauguriert die Universität Basel. Rektoratsmatrikel der Universität Basel, Band 1 (1460–1567), AN II, V, fol. 2v. Reproduktion. Sammlung: Musée de Saint-Imier. Foto: TES

Der Bischof von Basel und das Elsass

Johann von Venningen ((1409–1478) , der Bischof von Basel (1458–1478), spielte in diesem Konflikt eine wichtige Rolle. Er entstammte einer angesehenen deutschen Adelsfamilie. Er war nicht nur ein renommierter Theologe und einer der Gründer der Universität Basel im Jahr 1460, sondern verwaltete das Prinz-Bistum auch wie ein weltlicher Fürst.

1469 erhielt Karl der Kühne vom finanziell bedrängten Erzherzog Sigismund von Habsburg mehrere Gebiete im Elsass als Pfand. Damit befand er sich noch näher vor den Toren der habsburgischen Besitzungen und von Basel.

Karl verbarg seine Ambitionen nicht, und die Habsburger, Städte im Elsass (der Zehnstädtebund), Strassburg, der Bischof von Strassburg, die Eidgenossenschaft, die Grafschaft Neuenburg, die Grafschaft Aarberg und Valangin sowie der Bischof von Basel schlossen mit dem Ziel, dieses Pfand zurückzukaufen, ein Bündnis: die Konstanzer Liga.

Am 6. April 1474 wollte Sigismund von Habsburg das Pfand zurückkaufen, doch Karl verweigerte dies. Im Gegenteil: Er versuchte, weitere Gebiete des Elsass gewaltsam an sich zu bringen. Sein Landvogt, Peter von Hagenbach, bezahlte dies mit seinem Leben, was den Beginn der Burgunderkriege markierte. Burgund organisierte daraufhin einen Strafzug ins Elsass und ins Bistum Basel.

Der Bischof erkannte, dass Karl der Kühne auch seine Besitzungen im Elsass begehrte. Die Macht des Bischofs in der Stadt Basel war bereits abgenommen, doch ein gemeinsamer Feind schmiedete auch hier ein Bündnis. Auch La Neuveville und Biel suchten die militärische Annäherung an Bern und die Liga, ebenso die Chorherren von Saint-Imier und Bellelay.

Für viele Familien war diese Zeit übrigens verwirrend, denn vor dem Auftreten Karls des Kühnen waren Macht, Pracht und Prestige des burgundischen Hofes der Ort, an dem man gesehen werden wollte und musste. Nichts deutete auf ein Bündnis zwischen den Habsburgern und der Eidgenossenschaft hin, insbesondere nicht mit Bern.

La Fondation des Archives de l’ancien Évêché de Bâle, Porrentruy. Das Bistum Basel im 15. Jahrhundert

Die Habsburger, das Oberwallis und Savoyen

Karl suchte ausserdem die militärische Konfrontation mit Friedrich III. (1415–1493), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der ihm 1473 die Königskrone verweigert hatte. Der Kaiser schloss sich anschliessend ebenfalls dem Bündnis gegen Karl an. Die Schweizer Eidgenossenschaft, mit Bern als treibende Kraft, erklärte Karl dem Kühnen am 25. Oktober 1474 den Krieg. Andere Schweizer Städte wie Basel, Solothurn, Freiburg, Schaffhausen sowie zahlreiche weitere Orte nahmen ebenfalls an den Feldzügen teil.

Georg von Venningen, ein Neffe des Bischofs, sowie lokale Milizen und Vasallen des Bischofs beteiligten sich auch an den Kriegen. Hermann von Eptingen und Oswald von Thierstein waren die wichtigsten militärischen Befehlshaber des Bischofs.

Familienwappen von Thierstein. Scheibler’sches Wappenbuch, Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312c (um 1450). Sammlung: Musée de Saint-Imier. Foto: TES 

Karl konnte formell auf die Unterstützung des Herzogtums Savoyen, des Grafen von Romont, der Vasallen und der Söldner zählen. Tatsächlich leisteten ihm jedoch nur der Graf von Romont, einige Vasallen und viele Söldner militärische Hilfe. Savoyen war militärisch im Wallis gebunden. 1474 hatten die sieben Zenden des Oberwallis das savoyische Unterwallis besetzt. Ausserdem wollte Yolande von Savoyen (1434–1478), Regentin des Herzogtums von 1472 bis 1478, ihren Bruder Ludwig XI., den König von Frankreich, nicht verärgern.

Plünderung des burgundischen Lagers nach der Schlacht bei Grandson. Diebold Schilling, Band 3 der Amtlichen Berner Chronik (1483), Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, fol. 654, Kopie. Sammlung. Musée de Saint-Imier. Foto: TES

Die Feldzüge

Burgund verlor am 13. November 1474 die Schlacht bei Héricourt und Franquemont (Freigrafschaft Burgund/Franche-Comté) gegen die Truppen der Eidgenossenschaft, des Bischofs von Basel und ihrer Verbündeten. Diese fielen anschliessend in die Waadt ein, einen Besitz Savoyens, und eroberten im Mai 1475 unter anderem Echallens, Grandson, Orbe, Murten, Yverdon-les-Bains und Estavayer-le-Lac. Karl eroberte Grandson wieder am 28. Februar 1476, wurde dort jedoch am 2. März 1476 erneut geschlagen und verlor dabei auch die berühmte „burgundische Beute“.

 

Karl gab jedoch nicht auf und wollte Murten zurückerobern, das vom Berner Adrian von Bubenberg verteidigt wurde, der bis 1474 noch mit Burgund sympathisierte. Obwohl Karl damals über die mächtigste und modernste Armee seiner Zeit verfügte, hatte er zu viele Gegner, darunter seit 1475 auch den Herzog von Lothringen, dessen Herzogtum er in jenem Jahr erobert hatte, sowie den Grafen von Greyerz.

Am 22. Juni 1476 verlor Karl auch die Schlacht bei Murten und den Rest der legendären „burgundischen Beute“, bevor er am 5. Januar 1477 bei Nancy seinen Kopf und sein Herzogtum verlor.

Zwölf Fahnenträger der Kantone und verbündeten Länder vor den Mauern von Bern. Diebold Schilling, Band 3 der Amtlichen Berner Chronik (1483), Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3, fol.008, Reproduktion Musée de Saint-Imier

Die Deutschschweiz und die Westschweiz

Im Zuge dieser Kriege besetzten deutschsprachige Kantone und Städte erstmals französischsprachige Gebiete, und die ersten Bündnisse entstanden. Das deutschsprachige Oberwallis eroberte in dieser Zeit das französischsprachige Unterwallis.

Die Stadt Genf, traditionell Gegnerin Savoyens und des mit diesem verbündeten Bischofs von Genf, folgte der Reformation von 1536. Bern und Freiburg verwalteten verschiedene Städte (Orbe, Grandson, Estavayer-le-Lac, Murten) von 1476 bis 1798 und Bern anschliessend den Rest der Waadt von 1536 bis 1798.

Zwar befreite Napoleon die Waadt 1798 von der Verwaltung durch die Regierung Ihrer Exzellenzen von Bern, doch die Schaffung des Kantons Waadt 1803 und 1815 sowie seine Bestätigung 1848 wurden trotz der Plünderungen während der Burgunderkriege mit Zustimmung aufgenommen.

Neuenburg, von 1504 bis 1706 ein Fürstentum des französischen Hauses d’Orléans-Longueville, wurde von 1512 bis 1529 von der Eidgenossenschaft verwaltet und unterhielt besonders nach der Reformation von 1524 enge politische, soziale und wirtschaftliche Beziehungen zu ihr.

Die Eidgenossenschaft, zugewandter Orte, Untertanengebiete 1536. Bild: Marco Zanoli/Wikipedia

 Schlussfolgerung

In geistiger, politischer und kultureller Hinsicht brachten die Burgunderkriege und ihre Folgen die Deutschschweiz und die Westschweiz in engen Kontakt und rückten sie stark näher zusammen. Der Bischof von Basel war in dieser Zeit eine der treibenden Kräfte des Bündnisses gegen Karl.

Zudem war das Band zwischen den dreizehn Orten von 1513 dank dieser militärischen, kulturellen und politischen Erfahrungen und Kontakte offenbar bereits stark genug, sodass die unterschiedlichen geografischen, wirtschaftlichen und ab der Reformation auch religiösen Ausrichtungen und Interessen die weitere Entwicklung der Eidgenossenschaft von 1648, 1815 und 1848 nicht verhinderten.

Der schweizerische Pragmatismus, der Realismus und der Umgang mit Konflikten spielten dabei eine wichtige Rolle, wie insbesondere das Stanser Verkommnis (1481), die relativ kurzen Religionskriege (1529/1531 und 1656/1712 mit anschliessenden Religionsfrieden), die konfessionelle Teilung Appenzells durch Volksabstimmung (1597), , das Simultaneum, der Sonderbundskrieg (1847) und vor allem die Lehre nach Marignano (1515) zeigen: Keine weiteren Auslandsabenteuer mehr, nachdem bis 1512 Mailand, das Tessin und drei weitere italienische Gebiete erobert worden waren.

Diebold Schilling, Chronique officielle de Berne, vol. 3. Sammlung: Burgerbibliothek Bern.

Die Eroberung des Waadtlands im Jahr 1536 durch Bern und Freiburg war eine Revanche für die Rückgabe dieses Gebiets (einschliesslich Yverdon-les-Bains) an Savoyen im Jahr 1476 gegen eine hohe Geldsumme.

So hatte die Eidgenossenschaft die Weisheit, den Kanton Genf 1860 in seinen Ansprüchen auf das Chablais und Faucigny nicht zu unterstützen; ebenso wurde Vorarlberg 1919 nicht als Kanton aufgenommen, obwohl eine grosse Mehrheit seiner Bevölkerung dies gewünscht hatte, so wie das Tessin 1798 die Schweiz statt Napoleons italienischer Republik wählte.

Die Eidgenossenschaft erzielte in den Jahren 1474–1477 zwar keine grossen territorialen Gewinne, gewann jedoch beträchtliches politisches und militärisches Ansehen. Um 1536 hatte die heutige Confoederatio Helvetica bereits nicht nur ihre heutigen Sprachgrenzen, sondern auch ihre äusseren Grenzen erreicht. Diese Kontinuität ist kein Zufall: Sie beruht auf Pragmatismus, Realismus, Weisheit, militärischer, wirtschaftlicher und politischer Stärke, Diplomatie und bisweilen auch auf den Umständen.

Ein kleiner Teil der „burgundischen Beute“

Sammlung: Historisches Museum Bern

Kairos und Chronos und das Patek Philippe Museum in Genf

Kairos ist der griechische Gott des richtigen Augenblicks, des Erlebens, der Schönheit und der Erfahrung. Chronos ist der griechische Gott des exakten Zeitmasses. Chronos entspricht dem Zeitmass, das für das Funktionieren der Wirtschaft, für die geordnete Organisation des privaten und öffentlichen Lebens und vor allem für alles Zeitliche, alles Sterbliche erforderlich ist.

Aus diesen Gründen sind die Symbole des Chronos die Sanduhr und die Sense. Kairos hingegen ist der Schutzpatron der Gefühle, der Schönheit und der subjektiven Wahrnehmung des Augenblicks.

Doppelseitige Pendeluhr in Form einer Vase mit acht singenden Vögeln und Musik. Manufacture Frères Rochat (1800-1835), Paris et Genève, 1834. Sammlung: Patek Philippe Museum.

Die Verbindung und das Gleichgewicht zwischen Chronos und Kairos kommen in der Schweizer Uhrenindustrie eindrucksvoll zum Ausdruck. Unternehmergeist wird dort mit Innovation, Kreativität, ästhetischen Qualitäten, exakter Zeitmessung und einer Vielfalt von Anwendungen für den alltäglichen, freizeitbezogenen, beruflichen und industriellen Gebrauch in Verbindung gebracht.

Kunst, Handwerk, Geschichte, Gesellschaft, Innovation und Unternehmergeist

Wenn man die griechischen Götter Kairos und Chronos im Blick behält, könnte das Orakel von Delphi den Vorübergehenden folgendes Rätsel aufgeben: „Welcher von Menschen geschaffene Gegenstand vereint Kunst, Handwerk, Geschichte, Gesellschaft, Innovation und Unternehmergeist?“

Der Besuch eines der vielen Schweizer Museen, die Uhren und Zeitmessung gewidmet sind, liefert eine Antwort auf diese Frage. Bereits die alten Ägypter hatten Instrumente zur Zeitmessung entwickelt, und seither hat die Entwicklung von Zeitmessgeräten während der griechischen, römischen und mittelalterlichen Epochen sowie auf allen Kontinenten nie aufgehört.

Uhren Anfang des 17. Jahrhunderts

Die Zeitmessung entwickelte sich in Europa bereits seit der Vorgeschichte, zunächst mithilfe von Sonnenuhren, Sanduhren, abbrennenden Kerzen, der Beobachtung von Sternen und dem Mond sowie von Kirchenglocken, und ab dem späten Mittelalter dank immer ausgeklügelterer Uhren. Ab dem 16. und 17. Jahrhundert dienten Uhren nicht mehr nur praktischen Zwecken, sondern auch als Möbelstücke, Mittel der Selbstdarstellung, des Prestiges, der Kunst und ideologischer Zwecke.

Zu jener Zeit waren Uhrmacher in mehreren europäischen Ländern tätig, insbesondere in Deutschland, Italien, Frankreich, England und den Niederlanden. Die Schweiz wurde jedoch zum Epizentrum der Uhrmacherkunst.

Die Ursachen dafür werden hier nicht näher untersucht, doch die grosse Zahl an Museen, alten und neuen Uhrenherstellern sowie ganze von dieser Industrie geprägte Städte wie Le Locle und La Chaux-de-Fonds sprechen für sich. In diesem Beitrag spielt das  Patek Philippe Museum in Genf eine zentrale Rolle.

Chronometers, um 1900

Genf und die Uhrmacherei

Schon in römischer Zeit, ab 120 v. Chr., war Genf eine Handelsstadt, ideal gelegen an der Rhone, am Genfersee und in der Nähe wichtiger Handelswege. Die Bischofsstadt und die Grafschaft Genf durchliefen im 15. und 16. Jahrhundert bedeutende politische und religiöse Entwicklungen.

Der Bischof, eng mit der Grafschaft und später mit dem Herzogtum Savoyen verbunden, verschwand 1533 von der politischen Bühne und verliess Genf. 1536 hielten Calvin, die Reformation und die Republik Genf kurz darauf Einzug.

Die Reformation und der Calvinismus

Die Reformation hatte für Genf tiefgreifende wirtschaftliche Folgen. Die Stadt wurde nicht nur zur Hauptstadt des Calvinismus, sondern auch zu einem Zufluchtsort für Protestanten aus Deutschland, Italien und Frankreich (Hugenotten).

Darüber hinaus war Genf bereits ein Handelszentrum für Kaufleute, unter anderem aus Süddeutschland, Italien und Frankreich, also aus Regionen, in denen zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch die ersten mechanischen Uhren gefertigt wurden.

Der Calvinismus bedeutete für Künstler einen grossen Wendepunkt: Die katholische Kunst und die Aufträge der Kirche sowie anderer Auftraggeber verschwanden. Weltliche Kunst entstand, wie sich auch in anderen protestantischen Ländern beobachten lässt, etwa im Goldenen Zeitalter der Niederlande.

Für die Uhrmacherei hatte dies weitreichende Folgen. Die ersten mechanischen Uhren, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland, Norditalien und Frankreich hergestellt wurden, kamen nach der Reformation nach Genf. Die protestantischen Flüchtlinge spezialisierten sich unter anderem auf Finanzdienstleistungen, die Textilindustrie sowie die Uhrenherstellung.

Im calvinistischen Genf, das jeder Form des ostentativen Luxus ablehnend gegenüberstand, wandte sich die traditionelle Goldschmiedekunst funktionaleren Anwendungen und der Herstellung von Uhren zu. Der französische Goldschmied Jean Toutin (1578–1644) gilt als der erste Emailmaler auf Uhren.

Dank dieses neuen Verfahrens, das auf einer jahrhundertealten Technik beruhte, wurde es möglich, wertvolle Gegenstände und Uhren zu verschönern. Sehr schnell fand diese Technik im barocken Stil an den Königshöfen und in wohlhabenden Kreisen Anklang.

Anfangs war die Produktion für Käufer in Genf bestimmt, später orientierte sich die Genfer Uhrenindustrie jedoch auch am Export, sowohl in katholische Regionen als auch in islamische Länder und auf andere Kontinente, darunter das Osmanische Reich, das Chinesische Reich und die europäischen Kolonien. Um 1700 lebten beispielsweise etwa 180 Genfer Uhrmacher und Dienstleister in Konstantinopel!

Das Patek Philippe Museum

Das Museum zeigt nicht nur die Geschichte der Uhrmacherkunst in Genf und insbesondere von Patek Philippe, sondern auch die Geschichte anderer Regionen der Schweiz sowie anderer europäischer Länder.

Das Ganze bildet eine einzigartige Sammlung von überwältigender Schönheit, Handwerkskunst, Geschichte, Gesellschaft, Innovation und Unternehmergeist. In diesem Museum findet man die Antwort auf das neue Rätsel des Orakels von Delphi.

Die Sammlung

Das Museum präsentiert eine überwältigende Sammlung von etwa 2.500 Uhren, Zeitmessautomaten, emaillierten Uhren in den unterschiedlichsten Variationen, Techniken und Formen sowie Pendeluhren. Das Museum bietet eine Reise durch fünf Jahrhunderte der Uhrmacherkunst in Genf, in der Schweiz und in Europa.

Es bietet ausserdem einen umfassenden Überblick über die Schöpfungen von Patek Philippe seit 1839 sowie eine Bibliothek mit mehr als 8.000 Werken, die sich der Uhrmacherei in all ihren Facetten widmen.

Das Museum beginnt mit den Ursprüngen jeder Uhr: Werkbänke, alte Werkzeuge und Restaurierungsateliers, und führt dann zu den Anfängen von Patek Philippe: Dokumentation und Büsten der Gründer.

Die Entstehung von Patek Philippe

Antoine Norbert de Patek (1812–1877), in Polen geboren, liess sich in den 1830er Jahren in Genf nieder, wo er 1839 gemeinsam mit Franciszek Czapek das Unternehmen Patek, Czapek & Co. gründete. Bei einem Besuch der industriellen Weltausstellung in Paris im Jahr 1844 lernte er Jean Adrien Philippe und dessen schlüssellosen Aufzugsmechanismus kennen. Er lud ihn nach Genf ein, wo sie gemeinsam Patek, Philippe & Cie. gründeten.

Antoine Norbert de Patek

Jean Adrien Philippe (1815–1894) begann im Alter von fünfundzwanzig Jahren mit der Herstellung von Uhren. 1842 erfand er den schlüssellosen Mechanismus, der Pateks Aufmerksamkeit auf sich zog. Um 1860 fügte er seinem System eine „gleitende“ Feder hinzu, und zwischen 1845 und 1861 erhielt er mehrere weitere Patente.

Jean Adrien Philippe

Der Unternehmergeist von Patek, verbunden mit Philippes Können als Uhrmacher, trug rasch Früchte, wobei Reisen und internationale Kontakte eine entscheidende Rolle spielten.

Ihr Erbe lebt heute bei Patek Philippe – dem heutigen Namen – weiter, wo mehr als 100 Patente angemeldet wurden. Patek Philippe ist der letzte grosse unabhängige Uhrenhersteller in Genf, der noch im Familienbesitz ist.

Hommage à Christiaan Huygens, um 1780

Die Sammlung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert

Diese einzigartige Auswahl umfasst zahlreiche Meisterwerke, die die Geschichte der Uhrmacherkunst geprägt haben, darunter auch die allerersten Uhren. Sie vereint rund 700 Stücke, die die Entwicklung der Uhr von ihrem Auftreten um 1500 bis ins 19. Jahrhundert zeigen.

Jahrhundert veranschaulichen. Die ersten Uhren wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Süddeutschland, Norditalien und Frankreich gefertigt. Diese Sammlung präsentiert auch eine Gruppe emaillierter Uhren aus Genf, anderen Regionen der Schweiz und Europas.

Atelier Abraham-Louis Breguet (1747-1823), um 1800

Die Sammlung zeigt Reiseuhren, Tabakdosen, Vinaigrettes, Parfümflakons, Automaten, Pistolen, Musikdosen und singende Vogelkäfige, ziselierte, gravierte oder emaillierte Gegenstände sowie Uhren, ganz zu schweigen von einer Sammlung von etwa hundert emaillierten Miniaturporträts, geschaffen von den grössten Meistern dieser Kunst. Man könnte sagen „The Sky is the Limit“.

Barock, Rokoko, die Aufklärung und selbst die Französische Revolution fehlen nicht (Genf wurde von 1798 bis 1813 Frankreich angegliedert und zur Hauptstadt des Départements Léman).

Den Haag, Christaan Huygens (?), 1685

Die Patek-Philippe-Sammlung von 1839 bis heute

Anhand von etwa tausend Modellen bietet die Patek-Philippe-Sammlung einen Einblick in nahezu zwei Jahrhunderte an Taschenuhren, Armbanduhren, Chronometern, Uhren mit Tourbillon-Technik und anderen Zeitmessern seit der Gründung des Hauses. Diese Auswahl veranschaulicht mehr als 185 Jahre unvergleichlicher Kreativität und Innovation.

Königin Victoria (links), um 1840

Uhr des Generals George S. Patton

 Gedenkmodelle, 1998

Nicht nur Technik, Design und neue Materialien werden dort thematisiert, sondern auch neue Zielgruppen, etwa Uhren für Frauen, Sportler, Industriekapitäne, Generäle, Königshäuser, Sammler und andere Kenner. Patek Philippe greift ausserdem von Zeit zu Zeit seine Entwicklung oder bestimmte Ereignisse mithilfe von Gedenkmodellen wieder auf.

(Quelle und weitere Informationen: Patek Philippe Museum)

Hauptgebäude von Patek Philippe in Plan-les-Ouates (Kanton Genève).

Eindrücke aus dem  Patek Philippe Museum

Montre-pendentif aus Frankreich (l) um 1630, und Deutschland (r) um 1570

Uhren aus Frankreich und Deutschland um 1640

London, 1745, die erste Uhr mit Sekunden

Pierre Jaguet Droz (1721-1790), Pendule de vestibule mit Sekunden, singenden Vögeln und Brunnen, um 1770

Russland, Uhr aus Holz, um 1860

Pierre Jaguet Droz (1721-1790), Pendule mit Musik, um 1770, La Chaux-de-Fonds

Kloster Schöntal, die Tüfelsschlucht und die Öfen im Dürsteltal

Hass und Liebe, Gut und Böse, der Teufel und der Engel, der Kanton Basel-Landschaft und der Kanton Solothurn gehen manchmal nahtlos ineinander über. So auch das ehemalige Kloster Schöntal bei Langenbruck (Kanton Basel-Landschaft) und ein paar Kilometer weiter die Tüfelsschlucht (Teufelsschlucht) im Kanton Solothurn.

Die Tüfelsschlucht bei Hägendorf

Diese Schlucht macht ihrem Namen alle Ehre. Wilde Wasserfälle, Höhlen, gewundene schmale Pfade, kaum Sonne, krächzende Krähen, knarrende Bäume und andere Waldgeräusche bilden die Kulisse.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren solche Orte das Revier von Räubern, Vagabunden und Wölfen. Eine Wanderung unternahm man damals noch nicht. Einen Wald, geschweige denn eine Tüfelsschlucht, durchquerte man nur, wenn es keinen anderen Weg für die Reise gab.

Dennoch hat auch diese Schlucht ein Ende, um in eine bergige Wiesenlandschaft mit einem ehemaligen Sanatorium und einem ehemaligen Restaurant zu münden. Diese Region wurde jedoch nicht nur von Mönchen und dem Teufel bewohnt, sondern auch von Schmieden. Davon zeugen die ehemaligen mittelalterlichen Öfen im Dürsteltal.

Das ehemalige Sanatorium auf dem Allerheiligenberg. 1908 liess die Schuhfabrik Bally auf dem Gelände ein Sanatorium (Solothurnische Tuberkulose-Heil
stätte Allerheiligenberg) erbauen. Der Betrieb wurde im Jahre 2010 eingestellt. 

Das ehemalige Restaurant auf dem Allerheiligenberg

Der Dürstelberg

Der Dürstelberg ist einer der letzten ungestörten Waldgebiete im Kanton Basel-Landschaft. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts blieb der grösste Teil des Gebietes ungenutzt und unberührt. Das Ergebnis ist ein Naturwald mit viel Alt- und Totholz, Höhlenbäumen und einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Der Dürstelberg ist ein Waldreservat des Kantons.

Rekonstruktion: Joe Rohrer, Bildebene.ch

Die Öfen im Dürsteltal

Im Dürsteltal in der Gegend um Langenbruck bestanden im 13. und 14. Jahrhundert zwei Verhüttungsöfen. Dies belegen Spuren der Eisengewinnung und -verarbeitung. Heute sind im Gelände immer noch Spuren der mittelalterlichen Eisenverhüttung zu erkennen, zum Beispiel Schlacken. Die zwei Öfen waren zwei unterschiedliche Typen: ein grosser Rennofen und ein Hochofen.

Der im Jura häufige Rennofen produzierte im direkten Verfahren schmiedbares Eisen. Der Hochofen war mit einem Gebläse ausgestattet und wurde mit Wasserkraft betrieben. Deshalb stand die Anlage nahe am Bach. Dieser Ofen produzierte Eisen ausschliesslich im indirekten Verfahren. Das Roheisen wurde in einem Frischherd weiterverarbeitet.

Gastwirtschaft Dürstel

Die Öfen im Dürsteltal stammen aus einer Zeit des technologischen Wandels. Ab dem 14. Jahrhundert setzten sich die Hochöfen durch. Sie waren schon seit spätrömischer Zeit bekannt. Die Rennöfen waren seit der Eisenzeit bekannt, doch die Hochöfen boten erhebliche Vorteile. Sie erreichten höhere Temperaturen, weshalb sich aus der gleichen Menge Erz mehr Eisen gewinnen liess. Man konnte sie über einen längeren Zeitraum betreiben, was die Effizienz noch weiter steigerte. Der Nachteil war, dass sie nur Roheisen produzierten, das weiter verarbeitet werden musste.

Bild: Gemeinde Langenbruck. Die Arbeitsprozesse eines Hochofens: Zerkleinern (1) und Rösten des Erzes, Mischen von Erz, Holzkohlen und weiteren Zuschlägen (3), Beschicken des Hochofens (4), Abstechen des flüssigen Roheisens (5) und Frischen des Roheisens (6).

Frühe Industrialisierung

Die Befunde sind wichtige Belege für eine Zeit des technologischen Umbruchs hin zu Grossanlagen, die sich ab dem 14. Jahrhundert im Jura durchsetzten. Der Hochofen im Dürsteltal ist mit seiner Datierung auf das 13. Jahrhundert einer der ältesten in Europa. Verschiedene Indizien sprechen dafür, dass es die Grafen von Frohburg waren, die 1145 das Kloster Schöntal gegründet haben. Ihr Interesse an der Eisenproduktion zeigte sich auch im 13. Jahrhundert im Fricktal, wo sie deswegen mit den Herren von Kienberg in Konflikt gerieten.

Das ehemalige Kloster Schöntal

Langenbruck und Kloster Schöntal

Ende gut, alles gut. Letztendlich siegt auch hier das Gute über das Böse, sodass man nach der Teufelsschlucht beim ehemaligen Kloster Schöntal bei Langenbruck ankommt. Das Kloster wurde zwar schon vor langer Zeit aufgelöst, doch das wunderschöne romanische Portal und der moderne Skulpturenpark lassen dem Teufel und dem Bösen keine Chance.

Langenbruck

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Lamgenbruck; Gemeinde Hägendorf)

Schloss Elgg, die Ruine Hauenstein und die Guhwilmühle

Es sind nur wenige Kilometer vom Schloss Elgg und der tausendjährigen Burgruine Hauenstein auf den Gipfel des Hauenbergs. Beide Burgen haben gemeinsam, dass sie nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt zu sehen sind.

Elgg

Schloss Elgg, Burg Kyburg und die Ruine Hauenstein

Schloss Elgg ist jedoch noch immer bewohnt, Hauenstein hingegen liegt bereits seit dem 14. Jahrhundert in Trümmern! Die Nähe zu Schloss Kyburg und dessen reicher Geschichte unterstreicht die bedeutende Lage dieser Gegend. Die Entscheidung adliger Herren, damals an diesem Ort Burgen zu errichten, war nicht von der wunderschönen Natur motiviert. Es handelte sich um einen strategisch wichtigen Standort für den Handel, die Zölle, die Landwirtschaft und die Gewerbebetriebe.

Die Guhwilmühle

Zwischen Elgg und Hauenstein liegt noch eine weitere historische Besonderheit. Die alte Poststation und Guhwilmühle war jahrhundertelang ein Bauernhof mit Vieh, zugleich eine Gaststätte, Raststätte für Reisende und Pferdewechselstation. Das alte Milchhäuschen zur Lagerung von Milch und der Pferdestall erinnern an diese Zeit.

Die Burgruine auf dem Schauenberg

Die Burgruine auf dem Schauenberg (892 m) überragt alle umgebenden Höhenanlagen und ihre weit ins Mittelland hineinragende Lage verleiht dem Berg und der Burgruine eine besondere Stellung in der Geschichte des Tösstals.

Um 1200 wurde die erste Holzburg errichtet, ein einfacher adliger Wohnsitz. Vermutlich wurde die Burg Mitte des 13. Jahrhunderts in einen massiv gemauerten Wohnturm umgebaut. Die erste schriftliche Erwähnung der Burg Schauenberg (castro Schowenberg) ist auf 1260 datiert; bereits 1242 wird Rudolf von Schauenberg in den Quellen erwähnt. 1344 wurde die Burg von österreichischen Amtsleuten gemeinsam mit Leuten aus Zürich und Winterthur zerstört.

Und doch hat der Schauenberg nicht ausgedient. Aufgrund der Gefahrenlage durch den Dreissigjährigen Krieg und die religiösen Konflikte zwischen den Orten sah sich die Zürcher Obrigkeit veranlasst, nach 1622 ein Hochwachtsystem einzurichten. Seither herrscht Ruhe auf dem Berg; nur friedliche Wanderer besuchen ihn und die Ruine und geniessen das Panorama und die Aussicht über das Tösstal.

Die Gemeinde Turbenthal

Das Dorf Turbenthal am Fuss des Berges war nie ein Bauerndorf. Schon im 15. Jahrhundert hört man von Webern, Handwerkern und Gewerbebetreibenden aller Art, wie Wirte, Müller, Bader und Scherer. Auch im 17. und 18. Jahrhundert beherrschten Spinnereien und Webereien das Wirtschaftsleben. Das gesamte Gebiet (mit Ausnahme des Weilers Neubrunn) gehörte zur Grafschaft Kyburg. 1452 kaufte Zürich diese Grafschaft, die Gemeinde Turbenthal ist seitdem Teil des Kantons Zürich.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land. Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski-) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

Die Natur

Was sich kaum verändert hat, ist die Natur, geprägt von Tobeln (flachen Schluchten mit Bächen), Wiesen, Feldern, Wäldern und sanften Berghängen.

 

 

   

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Elgg; Gemeinde Turbenthal)