Alphorn Poesie Lyôbâle am Rhein

Die Organisation Lyôbâle hat sich zum Ziel gesetzt, einmal im Jahr die Basler Luft über dem Rhein 30 Minuten lang mit Alphornklängen zu erfüllen.

Dazu stehen die Alphornbläserinnen und Alphornbläser auf beiden Rheinufern in Gruppen zusammen und auf der Fähre erklingen die Solisten. Der Anlass findet bereits zum sechsten Mal statt.

Er entstand in einer Zeit, als aufgrund von Corona kaum kulturelle Veranstaltungen stattfinden durften. Diese Klänge, so die Botschaft, sollen mit dem Fluss des Rheins diese urschweizerische Musik in die Welt hinaus tragen und allen Menschen, die sie vernehmen, Freude bereiten.

Dieses weltweit einmalige Konzert unter freiem Himmel ist zugleich ein Treffen von Musikerinnen und Musikern aus nah und fern. Sie kommen aus dem Raum Stuttgart, vom Genfersee, aus Frankreich und aus dem Tessin und selbstverständlich auch aus der Region Nordwestschweiz.

Mit ihrem beeindruckenden Klangkörper aus mehr als 100 Alphörnern lassen sie die Herzen höher schwingen. Das Repertoire umfasst Kompositionen, die eigens für den Anlass Lyôbâle geschrieben wurden.

(Quelle und weitere Informationen: Lyôbâle)

Die Klöster von Basel

Vor fast 500 Jahren, in den Jahren 1525-1529, hörten die Klöster in Basel auf zu existieren, und die Stadt übernahm die Verwaltung. Auch der Bischof verliess mit seinen Domherren die Stadt und zog nach Porrentruy (Pruntrut) und später nach Arlesheim (1670) und Solothurn (1828).

Die Reformation hatte Basel erreicht und eine 450-jährige Klostergeschichte ging zu Ende, die mit der Gründung des ersten Klosters St. Alban im Jahr 1083 begann. Das zweite Kloster war St. Leonhard, das um 1133 geweiht wurde.

Kloster St. Alban, unbekannte Künstler, 19. Jahrhundert. Foto: Wikipedia

Das ehemalige Kloster St. Alban heute

Die Leonhardskirche und das Musikmuseum

Im 13. Jahrhundert nahm die Zahl der Klöster mit dem Aufkommen der neuen Bettelorden zu. Zwischen 1231 und 1279 liessen sich Dominikaner (auch Prediger genannt, da das Predigen ihre Hauptbeschäftigung war), Franziskaner und Augustiner nieder, die alle über Männer- und Frauenklöster verfügten.

Die Predigerkirche

Die Bettelorden umfassten drei Männerklöster (Barfüsser, Prediger und Augustiner) und vier Frauenklöster (Gnadental, St. Clara, Steinen und Klingental).

Der Komplex der Kartäuser ist der am besten erhaltene; andere Klöster sind völlig verloren, darunter das Kloster Steinen (an der Stelle der Tingueley-Quellen), und von den Klöstern Gnadental und Augustiner sind nur noch Mauern erhalten.

Der Komplex der Kartäuser und die St. Theodorkirche (oben)

Sieben Klosterkirchen existieren jedoch noch. In der St. Leonhardskirche und der St. Alban-Kirche sind noch viele authentische Teile aus dem 12. und 13. Jahrhundert erhalten.

Das Kloster Klingental ist noch vom alten Nonnenkloster umgeben und heute ein Museum (Museum Klein Klingental), das unter anderem die Geschichte des Münsters, dessen Relikte sowie zahlreiche mittelalterliche Skulpturen beherbergt. Zu sehen sind auch Modelle der mittelalterlichen Situation, darunter der berühmte Totentanz.

Die 1269 geweihte Predigerkirche wurde mit viel Liebe zum Detail und zum mittelalterlichen Original gründlich renoviert, einschliesslich einer Rekonstruktion des berühmten Totentanzes an der Friedhofsmauer (1805 zerstört). Diese Symbolik aus dem 15. Jahrhundert wurde 1805 zerstört. Heute ist die Barfüsserkirche das historische Museum der Stadt Basel.

Die Barfüsserkirche und das heutige historische Museum Basel

St. Clara ist die Klosterkirche der Klarissen, der weiblichen Franziskanerinnen, und ist noch heute in Betrieb.

Das klösterliche Leben in Basel ist mit der Präsenz des Bischofs verbunden. Er war Oberhaupt der Diözese und Fürst des Heiligen Römischen Reiches. Bis ins 14. Jahrhundert war er auch der wichtigste weltliche Herrscher der Stadt.

In der Folgezeit übernahmen das Bürgertum und die Stadtverwaltung allmählich diese Rolle, wobei die Reformation in den Jahren 1525–1530 den entscheidenden Moment markierte.

 (Quelle: F. Ackermann, Th. Wollmann, Klöster in Basel, Basel 2009).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Martinskirche und der Martinsplatz

Die Peterskirche

Die Clarakirche

Das Klingentalkloster. Modell. Sammlung: Museum Kleines Klingental Basel

Webergasse, Wandmalerei.

Das ehemalige Klingentalkloster

Jahrhundertealte schweizerisch-französisch-deutsche Beziehungen, Montbéliard, Belfort und die Burgundische Pforte

Nur wenige Franzosen, Deutsche oder Schweizer wissen heutzutage, wo die Stadt Mömpelgard liegt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ihr französischer Name lautet heute Montbéliard (Franche-Comté).

Diese Stadt, die seit 1283 Stadtrechte und die Reichsunmittelbarkeit besitzt, liegt nicht nur an der deutsch-französischen Sprachgrenze und an der Burgundischen Pforte an der Doubs, sondern war vom Mittelalter bis zur französischen Revolution nahezu ununterbrochen eine  Grafschaft in Personalunion mit dem Herzogtum Württemberg. Zwar liegt die Stadt mit heute etwa 27.000 Einwohnern im französischsprachigen Gebiet, doch sind die deutschen kulturellen und sprachlichen Einflüsse unübersehbar.

Mons Beligardis, Montbéliard, oder Mömpelgard

Der Name leitet sich von Mons Beligardis ab, auf Französisch Montbéliard, zunächst Mümpelgard, später Mömpelgard. Die französischsprachige Grafschaft Monbéliard gehörte bis 1032 zum Königreich Burgund (888–1032) und anschliessend bis 1793 zum Heiligen Römischen Reich. Die Grafschaft und die Stadt standen seit jeher in engem Kontakt mit der französischen und der deutschen Kultur und Sprache Lothringens, des Sundgaus, Burgunds und der Schweiz.

Dies ist unter anderem auf die fast vierhundertjährige Verbindung mit dem Herzogtum Württemberg (1397–1793), den habsburgischen Besitz des deutschsprachigen Sundgaus (bis 1648) und des Elsasses (bis 1681) zurückzuführen. Kurz gesagt, war Montbéliard – um diesen Namen weiterhin zu verwenden – ebenso wie Mühlhausen/Mulhouse (bis 1792 ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft) eine der letzten unabhängigen Bastionen zur Zeit des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638–1715).

Ludwig annektierte 1648 die Franche-Comté (spanisch-habsburgischer Besitz) und den österreichisch-habsburgischen Sundgau (Westfälischer Friede) sowie 1681 das Elsass. Nur Montbéliard und Mülhausen wurden (noch) nicht annektiert.

Montbéliard und der Herzog von Württemberg

Die Grafen von Montbéliard starben 1407 im Mannesstamm aus. Die Tochter des letzten Grafen war bereits 1397 mit dem Herzog von Württemberg verheiratet. Diese Dynastie hatte ihr Verwaltungszentrum in Stuttgart in Schwaben, besass jedoch zahlreiche weitere Güter (Ländereien, Dörfer und Kleinstädte) am linken Rheinufer, unter anderem Héricourt, Blamont, Clémont, Franquemont und Châtelot, und war ein bedeutender Fürst im Gebiet des Oberrheins sowie im Heiligen Römischen Reich. Für Montbéliard bedeutete dies jedoch eine Einführung in den schwäbischen Machtbereich.

Musée d’Art et d’histoire Hôtel Beurnier-Rossel

Für den Herzog war dies kein ruhiger Besitz. Der Bischof von Basel, bis 1477 der Herzog von Burgund, danach der französische König, die Habsburger und lokale Herrscher (etwa die Grafen von Pfirt/Ferrette) hatten es auf diese Stadt und ihre Besitzungen abgesehen. Zudem zeigte die Eidgenossenschaft Interesse an einem Bündnis als zugewandter Ort.

Nach 1477 bestimmte vor allem der habsburgisch-französische Konflikt die Politik Württembergs und seiner Besitzungen in dieser Region. Dank politischem Geschick und Diplomatie gelang es Württemberg, beide Mächte vor den Toren von Montbéliard fernzuhalten („Die Stadt wollte sich in die welsche Hand nicht geben noch kommen lassen, sondern darum sterben und verderben, damit sie bei der deutschen Nation bliebe“).

Die Burg und das Museum du château  et des ducs de Wurtemberg

Dabei spielte auch die staatsrechtliche Stellung eine Rolle. Montbéliard und Württemberg bildeten ab dem 16. Jahrhundert eine Personalunion, ohne dass Montbéliard im württembergischen Landtag in Stuttgart vertreten war. Montbéliard blieb ein eigenständiges Fürstentum. Der Herzog residierte lange Zeit nicht in Montbéliard, sondern in Stuttgart; entfernte Verwandte verwalteten die Grafschaft.

Dennoch entwickelte sich eine starke kulturelle, sprachliche und – nach der Reformation im Jahr 1524  – auch religiöse Verbindung zwischen dem französischsprachigen Montbéliard und dem deutschsprachigen Württemberg.

Der Herzog trat 1534 zum lutherischen Glauben über, nachdem er diesen zuvor in Montbéliard eingeführt hatte. Montbéliard war sogar der erste reformierte Staat auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs. Guillaume Farel (1489-1565), in der französischsprachigen Schweiz kein Unbekannter, war die treibende Kraft hinter der Reformation in Montbéliard.

Das kleine Montbéliard wurde zu einem Zufluchtsort für Hugenotten und zugleich zu einem religiösen Konfliktfeld zwischen Lutheranern und Calvinisten, wobei sich die Lutheraner durchsetzten. Für die katholischen französischen Könige war Montbéliard ein protestantischer Stachel im Fleisch, doch gelang es ihnen nicht, die Stadt zu erobern.

Das ursprünglich französischsprachige Montbéliard unterlag zudem zunehmend deutschen kulturellen Einflüssen, nicht nur aus Württemberg und Schwaben, sondern auch aus dem Sundgau, dem Elsass und der Eidgenossenschaft. Nicht nur das Hofleben und die Verwaltung Württembergs, sondern auch deutschsprachige Pfarrer, Kaufleute, Architekten und Handwerker prägten die Kultur. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Architekt Heinrich Schickhardt (1558–1635).

Die Martinskirche

Seine Bauten – darunter das Schloss, die Martinskirche, die Stadtplanung, Mühlen, Brücken und das Kollegium – prägen bis heute das Stadtbild. Umgekehrt beeinflusste die französischsprachige Kultur aus Montbéliard das (Hof-)Leben in Württemberg.

Montbéliard war im wahrsten Sinne des Wortes eine deutsch-französische Gesellschaft. Ein Diplomat formulierte es 1681 so: „Sah ich erstenmal mit Erstaunen die deutschen Sitten“. Und tatsächlich waren Kleidung, Architektur, Möbel, Sprache und deutsches Kulturgut allgegenwärtig.

Der Löwe von Belfort

Nicht nur war diese Stadt ein deutsch-französisches Grenzgebiet, sondern auch südlich von Montbeliard bildete die hügelige Burgundische Pforte die grosse „Wasserscheide“ zwischen dem Einzugsgebiet der französischsprachigen Rhone und dem überwiegend deutschsprachigen Rheins. Die mächtige Festung von Belfort (im 11. Jahrhundert vom Grafen von Montbéliard erbaut und im 17. Jahrhundert von Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633-1707) umgestaltet) war das wichtigste Verteidigungswerk.

Mit der französischen Annexion am 10. Oktober 1793 endeten jedoch die Grafschaft Montbéliard und die Personalunion mit Württemberg. Die ehemalige Grafschaft gehörte anschliessend zur Raurakischen Republik (1793), zum Département Mont-Terrible (1793–1800), zum Département Haut-Rhin (1800–1815) und schliesslich zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Département Mont-Terrible (1793-1800). Bild: Wikipedia

Porrentruy, Delémont und die Ajoie

Der Graf von Montfaucon erwarb die Grafschaft Montbéliard im Jahr 1162. Montfaucon erlangte nicht nur grosse Gebiete im Pays de Vaud und in der Ajoie, sondern auch die Stadt Pruntrut (Porrentruy) als Lehen des Bischofs von Basel. Jahrhunderte später, zur Zeit der französischen Herrschaft von 1793 bis 1813, waren Porrentruy und Delémont (Delsberg) die Hauptstädte der beiden Arrondissements der aufeinanderfolgenden Départements Mont-Terrible und Haut-Rhin. Erst 1815 wurde die (schweizerische) Verbindung zu Montbéliard (und Mülhausen) auf dem Wiener Kongress (1814–1815) endgültig gekappt.

Peugeot und Montbéliard

Schlussfolgerung

Diese kurze Geschichte von Montbéliard ist nicht nur ein Hinweis auf die jahrhundertealten, intensiven schweizerisch-französisch-deutschen Beziehungen, die gegenseitige Beeinflussung und den Austausch, sondern auch auf deren abruptes Ende ab dem 19. Jahrhundert sowie auf die Entstehung der Nationalstaaten.

Diese Verflechtung ist jedoch kein Grund, in einem politischen, bürokratischen und rechtlichen europäischen Modell aufzugehen, das mit dem erfolgreichen, jahrhundertealten Schweizer Modell nicht kompatibel ist – einem Modell, das nicht veraltet, sondern vielmehr richtungsweisend ist.

Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Eindrücke vom Schloss

Eindrücke vom Fort Vauban und der Stadt Belfort

  

  

  

Josephine Baker und Belfort

Säckingen, Glarus und Fridolin

Am 6. März war der Namenstag des heiligen Fridolin, besser bekannt als Fridolin von Säckingen (Baden‑Württemberg) oder der Missionar der Alemannen. Dieser irische Mönch gründete in dieser Region – ebenso wie andere Landsleute, unter ihnen Gallus, Romanus, Pirminus und Columbanus – ein Kloster.

Fridolin tat dies im 6. Jahrhundert in Säckingen. Die heutige Abtei Fridolin besteht bis heute und gilt als das älteste Kloster im Süden Deutschlands.

Der wertvollste Besitz des Klosters war das Gebiet des heutigen Kantons Glarus und des Fricktales in der Schweiz sowie Gebiete im heutigen Baden‑Württemberg. Die Abtei spielte eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Verkehrsverbindungen über den Walensee sowie über die Bündner Alpenpässe nach Italien. Ihre grosse Blütezeit erlebte sie vom 10. bis zum 12. Jahrhundert.

Die Abteikirche, das sogenannte Fridolinsmünster, ist ein gotischer Bau, der zwischen 1343 und 1360 auf den Fundamenten ottonischer und romanischer Vorgängerbauten errichtet wurde. Die barocke und nachher die Rokoko-Wiederherstellung begann 1698 und endete 1753 und prägt bis heute das Erscheinungsbild der Kirche.

Wegen der jahrhundertealten Beziehungen zwischen Glarus und Säckingen waren am 6. März eine Delegation des Kantons Glarus bei den Feierlichkeiten, der Prozession und den Festakten anwesend, ebenso eine Delegation aus Zürich.

Glarus trat 1352 der Eidgenossenschaft bei und befreite sich 1388 in der Schlacht bei Näfels von der habsburgischen Herrschaft.

Im Jahr 1395 kaufte sich Glarus endgültig von der Abtei frei. Das Kantonswappen von Glarus mit dem heiligen Fridolin erinnert noch heute an die lange Verbundenheit mit dem Kloster.

Herrischried und die Ödlandkapelle

Neben dem emeritierten Erzabt der Erzabtei St. Peter in Salzburg, lokalen Würdenträgern und Gruppen aus Säckingen waren auch Vertreter verschiedener süddeutscher Regionen anwesend, unter anderem aus Herrischried und St. Blasien.

Die Holzbrücke 

Eindrücke aus Säckingen

 

 

Eindrücke des Namenstages

Fridolin auf der Rheinbrücke 

St. Gallus am Rhein

Die Basler Fasnacht ist auch eine ernsthafte Angelegenheit

Die Basler Fasnacht (vom Montag, dem 23. Februar, 04.00 Uhr, bis zum 26. Februar, 04.00 Uhr) ist – abgesehen von den drei darauffolgenden „Bummelsonntagen“ – wieder vorbei.

Nach den Veranstaltungen der Vorfasnacht und der Fasnachtsmesse in der Elisabethenkirche erklang punktgenau um vier Uhr bei der Martinskirche erneut das alljährliche „vorwärts, marsch“, und Tausende von Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern begannen ihren Zug durch die Stadt.

Montag, den 23. Februar, 03.59

Montag, den 23. Februar, 04.01

Direkte Demokratie, Subsidiarität und Föderalismus

Jedes Jahr dasselbe Ritual und doch immer wieder ein anderes (emotionales) Erlebnis. Nicht nur Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation und die märchenhafte Kulisse zeichnen dieses Ereignis aus. Auch die direkte Demokratie, die Subsidiarität und das dezentrale föderale System kommen hier zum Ausdruck.

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt teilen ihre Sorgen über lokale, nationale und internationale Entwicklungen, bringen ihre Meinungen und Gefühle zu Entscheidungsträgern, Politikern und anderen Autoritäten öffentlich zum Ausdruck und thematisieren deren Entscheidungen oder Missstände – nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Schnitzelbänken.

Eine ernsthafte Angelegenheit und Swissness

Die Fasnacht ist daher auch eine ernsthafte Angelegenheit. Abgesehen von der langen und intensiven (musikalischen und kreativen) Vorbereitung der Teilnehmenden (egal, ob in Cliquen organisiert oder nicht) und den finanziellen Kosten steht auch die Wahl eines „Sujets“ zur Diskussion und letztlich zur Abstimmung.

Danach folgt die Auswahl von Kostüm, Laterne und Larve. Längst nicht alle Teilnehmenden sind in Cliquen organisiert oder folgen diesem Verfahren. Viele nehmen in kleinen Gruppen oder sogar allein teil, ohne Sujet oder Laterne.

Alle jedoch teilen Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation sowie Respekt füreinander und gegenüber der Umgebung. Zwei passende Beispiele: Bei einem derart grossen Fest muss sich der Rettungsdienst mitunter bis tief in die Nacht einen Weg bahnen. Zuschauer und Fasnächtler machen jedoch Platz und behindern das medizinische Personal nicht.

Wenn eine grosse Clique mit 100 oder mehr Mitgliedern auf eine kleine Gruppe von wenigen Musikern trifft, erhält diese kleine Gruppe dennoch den Vortritt. Es gibt niemals Diskussionen, selbst nicht in den engsten Gassen und im grössten Gedränge.

Auch die Zuschauer verhalten sich (bislang) respektvoll und vorbildlich – trotz der enormen Menschenmengen und des Alkoholkonsums, was jedoch keine Garantie für die Zukunft darstellt.

Schlussfolgerung

Wie auch immer: Die Qualität und der ernsthafte Unterton der Fasnacht kommen vielleicht am besten im Freilichtmuseum auf dem Münsterplatz und in den schriftlichen Erläuterungen zum Ausdruck, die die Cliquen verteilen, um die Wahl ihres „Sujets“ zu erklären.

Wo sonst findet man bei einem solchen Ereignis ausführliche Abhandlungen über Gesellschaft, Demokratie, Neutralität, Krieg und Frieden mit Verweisen auf Philosophen, Nobelpreisträger und andere Denker? Friedrich Nietzsche, Thomas Paine, Leo Tolstoi, Albert Einstein oder Tic Tac statt TikTok waren zum Beispiel auch in diesem Jahr integraler Bestandteil der Fasnacht.

Die Basler Fasnacht ist zwar ein einzigartiges Ereignis im Kanton Basel-Stadt, doch kommt darin auch die Swissness zum Ausdruck. Hoffentlich bewahren Helvetia und Frau Fasnacht dieses besondere Land und seine einzigartige Demokratie, Staatsordnung, kosmopolitische Gesellschaft und Lebensqualität, auch bei eigenen Fehlentscheidungen.

Lektorat und Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke Fasnacht 2026

 

Und der Besenwagen

 

Die Basler Fasnacht 2026 ist wieder Geschichte

The End 

Die Natur und Bäume in der Stadt

Der Wald war im Mittelalter ein Symbol für das Mysteriöse und Gefährliche. Heute gilt er als Rückzugsort, der dem Menschen ein reines Naturerlebnis näherbringt.

Die Lebensqualität der heutigen  Stadt, Erholungsflächen und die Möglichkeit zum Kontakt mit der Natur sollen in zumutbarer Entfernung zur Wohnung liegen.

Als Schutz- und Gemeinschaftssymbol hat der Baum ausserdem eine soziale Funktion wie etwa bei der mittelalterlichen Gerichtslinde, beim Aufrichtebaum am Richtfest oder beim Freiheits-, Mai- oder Weihnachtsbaum.

Bern. Foto: TES.

Die Bedeutung des Stadtbaums

Die Bedeutung des Stadtbaums steht eng mit seiner Herkunft aus dem Wald in Verbindung. Daraus haben sich viele Mythen entwickelt, denn unser Leben ist ohne Bäume nicht möglich.

Die Ausstellung, die dem Baum im Kontext von  tausend Jahren Basler Stadtgeschichte gewidmet ist, bringt dies zum Ausdruck. In den unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklung steht der Baum als Mittel der Stadtverschönerung, als Ausdruck des Zeitgeists und als Gestaltungsform in Grünanlagen im Zentrum.

In welchen anderen Städten referiert die Stadtgärtnerei über die Philosophie ? Es zeugt von grossem Respekt vor der Natur.

Die prachtvollsten Blumen blühen oft ins Verborgene. Japanisches Sprichwort

rtnerei in Basel. Foto TES

Erst die Umnutzungen von Friedhöfen und das Schleifen der Stadtmauern im 19. Jahrhundert verbinden die Idee städtischer Grünanlagen mit der architektonischen Aussage neuer Städteplanung, die heute unter den Vorzeichen der Klimaerwärmung steht.

Die Ausstellung Bäume in Basel – Das Grün im urbanen Wandel machte die geschichtliche Entwicklung der Natur beziehungsweise der Flora in der Stadt bis in die heutige Zeit erlebbar.

Die Beziehung zwischen Holz, Bäumen und der Stadt ist auch im Museum omnipräsent. Das alte spätromanische Glücksrad des Basler  Münsters ist aus Eichenholz gefertigt. Das Holz ist auf die 1220er Jahre datiert.

Die alte Universität und der bonatische Garten. Foto: TES

Alter der Botanik

Im geistig-kulturellen Aufbruch zu Beginn der Neuzeit (um 1500) verändert sich das Erscheinungsbild der Stadt. Gelehrte und Unternehmer mit internationalen Beziehungen fördern den Wandel Basels in eine bedeutende Stadt. Die Erforschung der Botanik war noch eng mit Belangen der Pharmakologie, der Medizin und des Gartenbaus verbunden und drückte sich 1460 in der Gründung der Basler Universität aus.

Befördert durch den aufkommenden Buchdruck und die berühmte Qualität des Papiers aus ihren Papiermühlen (siehe auch: www.papiermuseum.ch) wurde die Stadt zu einer der führenden Gelehrtenstädte Europas. Basel, als humanistische Stadt der Gelehrten und Kaufleute, hat auch die europäische Botanik geprägt.

Renaissance

Frühe Privatgärten entstehen nach italienischen Vorbildern. Die Lust auf frische Luft in den Landschaften vor den Stadttoren führt zu ersten Hofgütern und Sommersitzen bis nach Riehen. In den verschiedenen Phasen der Stadtentwicklung wird der Baum bereits früh als Mittel zur Stadtverschönerung erkannt.

Barock und Rokoko

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen die Barock-Landgüter (die Villa Merian und der Wenkenhof zum Beispiel) vor der Stadt die goldene Zeit der Basler Baukultur. Sie sind Ausdruck eines neuen Gestaltungswillens mit Elementen der Natur und lassen in den Gärten Übergänge zum Rokoko sowie zum Stil des englischen Landschaftsgartens erkennen.

Angetrieben von philosophischen Fragen um Fortschritt, Kultur und Kunst bilden sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts viele neue Facetten der Beziehung zwischen Mensch und Natur im 19. Jahrhundert heraus.

Basels Wohn- und Gartenkultur wird im 18. und 19. Jahrhundert von neuen Baumimporten, wie auch von blütenreichen Topfpflanzen geprägt. Eine neue Gartenbegeisterung, Blumendekor im Haus und die Gartenstile der Zeit vom Barock über das Rokoko bis zu den romantischen Anlagen im englischen Stil in herrschaftlichen Privatgärten legen die Grundlagen für spätere öffentliche Grünräume. Gleichzeitig drängen stadthygienische Probleme auf neue Lösungen.

Die neue räumliche Ordnung 

Nicht nur eröffnen freiwerdende Begräbnisflächen die Möglichkeit für erste städtische Grünanlagen, sondern schaffen auch Promenadenanlagen entlang der ehemaligen Stadtmauern die Voraussetzungen für eine neue räumliche Ordnung in der Stadt.

Basel. der Rheinufer. Foto: TES

Umwidmungen und Nutzungsänderungen an nicht bebauten Flächen prägen den Übergang ins 20. Jahrhundert. Stadtbäume und Haine erinnern noch heute an ihre einstige Bedeutung für kirchliche Institutionen. Basel richtet sich im Zeichen des Fortschritts und der Bevölkerungszunahme städtebaulich neu aus.

Die Gartenstadt

Um 1898 regen andere Vorstellungen zum Umdenken in der Stadtplanung an, wodurch auch in Basel das Bedürfnis nach mehr privatem Grün, Haus und Familiengärten zunimmt. Die Idee der Gartenstadt wurde in der Schweiz erstmals 1912 in Münchenstein umgesetzt.

Die Moderne Stadt

Heute sind Parks und Grünanlagen oft mit Kunstwerken und Spielplatzbauten bereichert. Seit jeher ist der Baum Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Die Stadtentwicklung spiegelt sich in neu ausgewiesenen Grünflächen und in 27 000 von der Stadtgärtnerei gepflegten Bäumen wider.

Das Motto: Ein gesunder Baum bedeutet eine gesunde Stadt.

(Quelle und weitere Informationen: www.mkk.ch).

Korrektorin: Petra Ehrisman

Die Kastanienbäume auf dem Münsterplatz.

Die Pässe im Jura, Kienberg und die Klarissen von Erlinsbach

Der Gotthardpass, der Simplonpass, der Grosse St. Bernhardpass, der Malojapass, der Julierpass oder der Ofenpass: Dies sind nur einige bekannte Namen der vielen Pässe in und über die Schweizer Alpen.

Aber wer kennt La Vue des Alpes, den Col du Chasseral, den Col de Pierre Pertuis, den Col du Mont D’orzeires, das Benkerjoch, die Wasserflue oder die Saalhöhe in den Kantonen Bern, Neuenburg, Waadt, Jura, Basel-Landschaft und Aargau sowie einige der vielen Pässe im Jura?

La Vue des Alpes, Kanton Neuenburg

Für die Bewohner und Bewohnerinnen dieser Kantone sind  es viel genutzte Verkehrswege. Ausserhalb der Kantone sind sie kaum bekannt. Das gilt für viele Schweizerinnen und Schweizer, aber auch für die meisten Ausländerinnen und Ausländer.

Der Kienberg und seine Ruine

Die Höhe der Pässe (zwischen 600 und 1500 Metern) ist weniger spektakulär als die der Alpenpässe, aber ihre Aussichten und Landschaften haben eine eigene Schönheit. Ausserdem waren diese Pässe schon immer wichtig für Handel, militärische Operationen, Pilger, Diplomaten, Päpste, Bischöfe, Reisende oder die Engländer auf ihrer Grand Tour.

Die Klarissen von Erlinsbach

Im August 2011 haben die Clara-Schwestern das Haus übernommen. Bereits 1349 haben die Schwestern der heiligen Clara in Erlinsbach eine wichtige Rolle gespielt, da die Klarissen von Königsfelden hier einen grossen Gutshof von den Einsiedler Benediktinern übernahmen. Hier stand das bereits 1375 erwähnte dem heiligen Laurentius geweihte Kirchlein. Neben dieser Quelle entsprang eine Heilquelle, die als Laurenzenbrunnen bekannt ist. Die Quelle wurde auch als Thermalbad genutzt und ein Grossteil der heutigen Gebäude wurde 1839 als Kur- und Badehaus errichtet. 1908 erhielt der Komplex eine neue Nutzung als Krankenheim, aber der Laurenzenbrunnen versorgt die ganze Gemeinde Erlinsbach noch immer mit Trinkwasser. 

Die Saalhöhe

Ein Beispiel ist die 621 Meter hohe Staffelegg im Kanton Aargau. Dieser Pass verbindet das Fricktal mit der Stadt Aarau. Eine gut sechs Kilometer lange Wanderung führt vom Pass durch den Jurapark Aargau zur Saalhöhe (787 Meter). Die Saalhöhe bildet die Grenze zwischen den drei Kantonen Solothurn, Basel-Landschaft und Aargau.

Saalhöhe

Die Aussicht auf das Fricktal, den Schwarzwald und die Alpen ist atemberaubend und mit etwas Glück lassen sich sogar Gämsen beobachten. Ausserdem bildete dieses Gebiet jahrhundertelang die Grenze zwischen Habsburg-Österreich und der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Es ist heute kaum vorstellbar, aber bis 1803 war das Benkerjoch (847 m) der Grenzübergang bei Küttingen und Oberhof, nahe der Saalhöhe, zwischen Habsburg-Österreich und dem Kanton Bern. Dieses Gebiet, das Fricktal, war seit dem 14. Jahrhundert im Besitz der Habsburger.

Kanton Bern und die Habsburger

Daran änderte auch die Eroberung des Aargaus durch die damalige Eidgenossenschaft im Jahr 1415 nichts.  Davon ist auf dem Spaziergang nichts zu sehen, ausser dem Wappen des Kantons Bern, das sich hinter einer grossen Buche auf der Saalhöhe versteckt. Aus diesem Grund ist das Fricktal im Gegensatz zu den anderen Gebieten des Aargaus katholisch geblieben.

Selbst eine dicke Wolkendecke tut der Schönheit der Landschaft, des Naturparks mit  seinen mittelalterlichen Dörfern, Schlössern und der reichen Flora und Fauna keinen Abbruch. Sie kitzelt sogar die Phantasie der Alpenriesen, die man bei klarem Wetter gut erkennen kann.

Jurapark Aargau, Fricktal, der Staffeleggpas. 

Erlinsbach, Kantone Solothurn und Aargau

 

Der Schweizer Alpen-Club

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

De Moiren Stiftung

De Moiren Stiftung

Eindrücke aus Kienberg (Kanton Solothurn)

   

Die Pauluskirche, St. Antoniuskirche und Badische Bahnhof in Basel

Innerhalb von 50 Jahren stieg die Einwohnerzahl Basels von 30 000 im Jahr 1850 auf über 100 000 um 1900. Die Stadt erweiterte und plante Quartiere für verschiedene Zielgruppen. Mietshäuser für Arbeiter, Häuser mit Geschäftsräumen für die Mittelschicht und exklusive Wohnhäuser für Wohlhabende.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet um die Pauluskirche für das wohlhabende Bürgertum angelegt. Es gab keine Villen, sondern grosse Häuser mit Gärten. In diesem neuen Viertel sollte es auch ein evangelisch-reformiertes Zentrum geben, die Pauluskirche.

Die Pauluskirche

Die Architekten Karl Moser (1860-1936) und Robert Curiel (1859-1925) wurden beauftragt. Mehrere lokale Künstler haben die Glasfenster, Skulpturen, Dekorationen und andere Reliefs gestaltet. Sie sieht fast aus wie ein Kloster!

Der Bau der Kirche wurde 1901 abgeschlossen. Das erste Bemerkenswerte ist die religiöse Skulptur von Menschen in dieser evangelischen Kirche. Die romanische, gotische und jugendstilähnliche Dekoration sowie der Zentralbau sind ebenfalls etwas Besonderes.

Dies sind typisch katholische Merkmale. Auch das grosse gotische Fenster erinnert an eine katholische Kirche. Die üppigen Jugendstilfiguren und -Motive entsprechen dem Zeitgeist, sind jedoch für einen Sakralbau der damaligen Zeit bemerkenswert.

Das Ergebnis war jedoch ein klarer Stil, in den richtigen Proportionen, massvoll und subtil. Die Kirche war so beliebt, dass sich mehrere Häuser in der unmittelbaren Umgebung ihrem Baustil anpassten. Fünfundzwanzig Jahre später fand in Dornach, in der Nähe des Goetheanums, eine ähnliche Entwicklung statt, nur in viel grösserem Massstab und im Art-déco-Stil.

Seit 2019 hat die St.-Paulus-Kirche keine religiöse Funktion mehr, und seit 2021 ist sie offiziell ein Kulturzentrum, das aufgrund ihrer guten Akustik und besonderer Architektur auch für musikalische Aufführungen genutzt wird. 

Die gelungene Architektur und Dekoration sowie die prominente Lage prägen noch heute das Bild dieses Viertels, daher der Name Paulusviertel. Es ist klar, was die Architekten der umliegenden Häuser inspiriert hat. 

Jedenfalls ist es im 20. Jahrhundert nicht oft vorgekommen, dass ein religiöses Gebäude für die Architektur und den Stil eines Wohnviertels tonangebend war. Das mag nicht ausgereicht haben, um Gläubige zu begeistern, aber religiös inspirierte Gesänge sind dort noch häufig zu hören. Er war denn auch kein konventioneller Architekt. Er baute 1927 eine völlig andere katholische Kirche!

Die Antoniuskirche

Karl Moser, die Antoniuskirche, erbaut 1927.  Die erste Kirche in der Schweiz aus Beton. Die Glasfenster sind von Hans Stocker (1896–1983) und Otto Staiger (1894–1967), die Skulptur von Max Uehlinger (1894–1981).

Badischer Bahnhof Basel

Karl Moser und wieder etwas ganz anderes. Badischer Bahnhof Basel, 1913, und Carl Burckhardt (1878-1923), die Brunnengruppe ‚Rhein und Wiese‘, 1921.

Quelle und weitere Informationen: Kulturkirche Paulus

Korrektorin: Petra Ehrismann

Ein kleines Fenster und die Geschichte von Rheinfelden

Im Frühjahr 1802 verliess der letzte österreichische Garnisonskommandant Rheinfelden. Damit ging eine mehr als 450‑jährige habsburgisch‑österreichische Herrschaft zu Ende. Zwar hatten die Eidgenossen bereits 1415 den Aargau und die Burg Habsburg von den Habsburgern erobert, doch das Fricktal blieb bis zur Zuweisung an den neu geschaffenen Kanton Aargau im Rahmen der Mediationsakte von 1803 habsburgisch.

Diese Mediationsakte wurde von Napoleon zusammen mit den alten Kantonen ausgearbeitet, nachdem die französische Besetzung 1798 zur Aufhebung der alten Eidgenossenschaft und zur Errichtung der Helvetischen Republik (1798–1803) geführt hatte. Ab 1803 existierten zwei Rheinfelden: eines im Kanton Aargau am linken Rheinufer und eines deutsches Rheinfelden am rechten Rheinufer.

Das erste Kapuzinerkloster wurde 1598 ausserhalb der Stadt geweiht und 1657 in der Stadt neu aufgebaut. Das Kloster wurde 1804 durch den Kanton Aargau aufgehoben.

Trotz des Abzugs der letzten österreichischen Soldaten im Jahr 1802 ist das österreichische Wappen an vielen Orten in Rheinfelden (und an anderen Orten der Eidgenossenschaft) bis heute prominent sichtbar. So auch an der Fassade des Commandantenhauses, der ehemaligen Residenz des Garnisonskommandanten.

Gustav Kalenbach-Schröter (1821–1901), rechts das Commandantenhaus, links die Kapuzinerkirche. Sammlung: Fricktaler Museum, Rheinfelden

Die ersten Fundamente des Commandantenhauses stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dieser Standort war damals Teil der Stadterweiterung und wurde mit Häusern aus Stein für den Adel und das wohlhabende Bürgertum bebaut. Im Jahr 1613 fand eine umfassende Renovierung des Commandantenhauses statt. Aus dieser Zeit sind prächtige spätrenaissancezeitliche Fresken und Balkenmalereien erhalten geblieben.

Die Decke im Erdgeschoss

Wahrscheinlich gibt es noch weitere Wandmalereien, unter anderem an der Aussenwand des Commandantenhauses, also an einer Wand des verschwundenen Hauses. Diese blieben jedoch vorerst unter verschiedenen Farb- und Kalklagen erhalten.

Diese wurden im Jahr 2003 bei einer Renovierung wieder freigelegt und dokumentiert. Zudem konnten Fachleute nachweisen, dass das Haus ursprünglich deutlich grösser war und erst im 19. Jahrhundert in zwei Gebäude aufgeteilt wurde.

Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen war jedoch ein romanisches Fenster aus dem 13. Jahrhundert. Dieses Fenster wurde bei der Renovierung eines Pfeilers des Commandantenhauses entdeckt.

Der Pfeiler war ursprünglich Teil der Mauer eines Hauses aus dem 13. Jahrhundert, das später – möglicherweise infolge der Zerstörungen während der Belagerung von 1634 – abgebrochen wurde. Lediglich der Pfeiler mit dem Fenster blieb als tragende Mauer des Commandantenhauses erhalten.

Das Garnisonsbackhaus in der gleichen Strasse wurde 1732 errichtet.

Ein Fenster in einem solchen Stützpfeiler wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, erklärt sich jedoch dadurch, dass es ursprünglich in der Mauer eines später abgebrochenen Hauses angebracht war. Die prachtvollen Fresken und Deckenmalereien wurden teilweise im ursprünglichen Zustand belassen, teilweise restauriert.

Das Fenster ist das am besten erhaltene romanische Bogenfenster im Kanton Aargau. Es zeigt Lilien sowie zwei Säulen mit Fabeltieren. Besonders interessant ist auch der gotische Spitzbogen, der später – möglicherweise nach dem Erdbeben von 1356 – den romanischen Rundbogen ersetzte. In einer späteren Phase wurde das Fenster zu einer schmalen Öffnung verkleinert. Diese drei Baustile sind jedoch erhalten geblieben und werden seit der Restaurierung von 2003 gemeinsam präsentiert.

Das Commandantenhaus heute

Auch die Lage des Commandantenhauses ist aus einem weiteren Grund interessant. Bis 1657 lag das Haus an der Neugasse, auch Neustadt genannt, einer Stadterweiterung Rheinfeldens. Ab 1657 erhielt die Strasse jedoch den Namen Kapuzinergasse, benannt nach dem Bau des Kapuzinerklosters und der Klosterkirche. Das frühere Kloster ausserhalb von Rheinfelden war während der (schwedischen) Belagerung von 1634 im Dreissigjährigen Krieg zerstört worden und wurde in der Stadt neu erbaut.

Das heutige Commandantenhaus weist in Bezug auf die Fassade weitgehend noch das Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts auf (abgesehen von der späteren Teilung in zwei Häuser). Das Innere ist heute als Atelier und als modernes gestaltetes Wohnhaus eingerichtet, wobei die historischen Fresken und Deckenmalereien erhalten sind.

(Quelle und weitere Informationen: H. Leuzinger (Red.), Zeuge der Frühzeit von Rheinfelden und repräsentativer Bau der Spätrenaissance, Rheinfelden 2008)

 Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

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