Nur wenige Franzosen, Deutsche oder Schweizer wissen heutzutage, wo die Stadt Mömpelgard liegt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ihr französischer Name lautet heute Montbéliard (Franche-Comté).
Diese Stadt, die seit 1283 Stadtrechte und die Reichsunmittelbarkeit besitzt, liegt nicht nur an der deutsch-französischen Sprachgrenze und an der Burgundischen Pforte an der Doubs, sondern war vom Mittelalter bis zur französischen Revolution nahezu ununterbrochen eine Grafschaft in Personalunion mit dem Herzogtum Württemberg. Zwar liegt die Stadt mit heute etwa 27.000 Einwohnern im französischsprachigen Gebiet, doch sind die deutschen kulturellen und sprachlichen Einflüsse unübersehbar.

Mons Beligardis, Montbéliard, oder Mömpelgard
Der Name leitet sich von Mons Beligardis ab, auf Französisch Montbéliard, zunächst Mümpelgard, später Mömpelgard. Die französischsprachige Grafschaft Monbéliard gehörte bis 1032 zum Königreich Burgund (888–1032) und anschliessend bis 1793 zum Heiligen Römischen Reich. Die Grafschaft und die Stadt standen seit jeher in engem Kontakt mit der französischen und der deutschen Kultur und Sprache Lothringens, des Sundgaus, Burgunds und der Schweiz.

Dies ist unter anderem auf die fast vierhundertjährige Verbindung mit dem Herzogtum Württemberg (1397–1793), den habsburgischen Besitz des deutschsprachigen Sundgaus (bis 1648) und des Elsasses (bis 1681) zurückzuführen. Kurz gesagt, war Montbéliard – um diesen Namen weiterhin zu verwenden – ebenso wie Mühlhausen/Mulhouse (bis 1792 ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft) eine der letzten unabhängigen Bastionen zur Zeit des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. (1638–1715).
Ludwig annektierte 1648 die Franche-Comté (spanisch-habsburgischer Besitz) und den österreichisch-habsburgischen Sundgau (Westfälischer Friede) sowie 1681 das Elsass. Nur Montbéliard und Mülhausen wurden (noch) nicht annektiert.

Montbéliard und der Herzog von Württemberg
Die Grafen von Montbéliard starben 1407 im Mannesstamm aus. Die Tochter des letzten Grafen war bereits 1397 mit dem Herzog von Württemberg verheiratet. Diese Dynastie hatte ihr Verwaltungszentrum in Stuttgart in Schwaben, besass jedoch zahlreiche weitere Güter (Ländereien, Dörfer und Kleinstädte) am linken Rheinufer, unter anderem Héricourt, Blamont, Clémont, Franquemont und Châtelot, und war ein bedeutender Fürst im Gebiet des Oberrheins sowie im Heiligen Römischen Reich. Für Montbéliard bedeutete dies jedoch eine Einführung in den schwäbischen Machtbereich.

Musée d’Art et d’histoire Hôtel Beurnier-Rossel
Für den Herzog war dies kein ruhiger Besitz. Der Bischof von Basel, bis 1477 der Herzog von Burgund, danach der französische König, die Habsburger und lokale Herrscher (etwa die Grafen von Pfirt/Ferrette) hatten es auf diese Stadt und ihre Besitzungen abgesehen. Zudem zeigte die Eidgenossenschaft Interesse an einem Bündnis als zugewandter Ort.

Nach 1477 bestimmte vor allem der habsburgisch-französische Konflikt die Politik Württembergs und seiner Besitzungen in dieser Region. Dank politischem Geschick und Diplomatie gelang es Württemberg, beide Mächte vor den Toren von Montbéliard fernzuhalten („Die Stadt wollte sich in die welsche Hand nicht geben noch kommen lassen, sondern darum sterben und verderben, damit sie bei der deutschen Nation bliebe“).

Die Burg und das Museum du château et des ducs de Wurtemberg
Dabei spielte auch die staatsrechtliche Stellung eine Rolle. Montbéliard und Württemberg bildeten ab dem 16. Jahrhundert eine Personalunion, ohne dass Montbéliard im württembergischen Landtag in Stuttgart vertreten war. Montbéliard blieb ein eigenständiges Fürstentum. Der Herzog residierte lange Zeit nicht in Montbéliard, sondern in Stuttgart; entfernte Verwandte verwalteten die Grafschaft.
Dennoch entwickelte sich eine starke kulturelle, sprachliche und – nach der Reformation im Jahr 1524 – auch religiöse Verbindung zwischen dem französischsprachigen Montbéliard und dem deutschsprachigen Württemberg.
Der Herzog trat 1534 zum lutherischen Glauben über, nachdem er diesen zuvor in Montbéliard eingeführt hatte. Montbéliard war sogar der erste reformierte Staat auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs. Guillaume Farel (1489-1565), in der französischsprachigen Schweiz kein Unbekannter, war die treibende Kraft hinter der Reformation in Montbéliard.

Das kleine Montbéliard wurde zu einem Zufluchtsort für Hugenotten und zugleich zu einem religiösen Konfliktfeld zwischen Lutheranern und Calvinisten, wobei sich die Lutheraner durchsetzten. Für die katholischen französischen Könige war Montbéliard ein protestantischer Stachel im Fleisch, doch gelang es ihnen nicht, die Stadt zu erobern.
Das ursprünglich französischsprachige Montbéliard unterlag zudem zunehmend deutschen kulturellen Einflüssen, nicht nur aus Württemberg und Schwaben, sondern auch aus dem Sundgau, dem Elsass und der Eidgenossenschaft. Nicht nur das Hofleben und die Verwaltung Württembergs, sondern auch deutschsprachige Pfarrer, Kaufleute, Architekten und Handwerker prägten die Kultur. Das bekannteste Beispiel ist wohl der Architekt Heinrich Schickhardt (1558–1635).

Die Martinskirche
Seine Bauten – darunter das Schloss, die Martinskirche, die Stadtplanung, Mühlen, Brücken und das Kollegium – prägen bis heute das Stadtbild. Umgekehrt beeinflusste die französischsprachige Kultur aus Montbéliard das (Hof-)Leben in Württemberg.
Montbéliard war im wahrsten Sinne des Wortes eine deutsch-französische Gesellschaft. Ein Diplomat formulierte es 1681 so: „Sah ich erstenmal mit Erstaunen die deutschen Sitten“. Und tatsächlich waren Kleidung, Architektur, Möbel, Sprache und deutsches Kulturgut allgegenwärtig.


Der Löwe von Belfort
Nicht nur war diese Stadt ein deutsch-französisches Grenzgebiet, sondern auch südlich von Montbeliard bildete die hügelige Burgundische Pforte die grosse „Wasserscheide“ zwischen dem Einzugsgebiet der französischsprachigen Rhone und dem überwiegend deutschsprachigen Rheins. Die mächtige Festung von Belfort (im 11. Jahrhundert vom Grafen von Montbéliard erbaut und im 17. Jahrhundert von Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban (1633-1707) umgestaltet) war das wichtigste Verteidigungswerk.
Mit der französischen Annexion am 10. Oktober 1793 endeten jedoch die Grafschaft Montbéliard und die Personalunion mit Württemberg. Die ehemalige Grafschaft gehörte anschliessend zur Raurakischen Republik (1793), zum Département Mont-Terrible (1793–1800), zum Département Haut-Rhin (1800–1815) und schliesslich zum Département Doubs in der Region Bourgogne-Franche-Comté.

Département Mont-Terrible (1793-1800). Bild: Wikipedia
Porrentruy, Delémont und die Ajoie
Der Graf von Montfaucon erwarb die Grafschaft Montbéliard im Jahr 1162. Montfaucon erlangte nicht nur grosse Gebiete im Pays de Vaud und in der Ajoie, sondern auch die Stadt Pruntrut (Porrentruy) als Lehen des Bischofs von Basel. Jahrhunderte später, zur Zeit der französischen Herrschaft von 1793 bis 1813, waren Porrentruy und Delémont (Delsberg) die Hauptstädte der beiden Arrondissements der aufeinanderfolgenden Départements Mont-Terrible und Haut-Rhin. Erst 1815 wurde die (schweizerische) Verbindung zu Montbéliard (und Mülhausen) auf dem Wiener Kongress (1814–1815) endgültig gekappt.

Peugeot und Montbéliard
Schlussfolgerung
Diese kurze Geschichte von Montbéliard ist nicht nur ein Hinweis auf die jahrhundertealten, intensiven schweizerisch-französisch-deutschen Beziehungen, die gegenseitige Beeinflussung und den Austausch, sondern auch auf deren abruptes Ende ab dem 19. Jahrhundert sowie auf die Entstehung der Nationalstaaten.
Diese Verflechtung ist jedoch kein Grund, in einem politischen, bürokratischen und rechtlichen europäischen Modell aufzugehen, das mit dem erfolgreichen, jahrhundertealten Schweizer Modell nicht kompatibel ist – einem Modell, das nicht veraltet, sondern vielmehr richtungsweisend ist.
Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat
Eindrücke vom Schloss



Eindrücke vom Fort Vauban und der Stadt Belfort














Josephine Baker und Belfort

