Swissness Basler Fasnacht Fasnacht 2026. Foto/Photo: TES

Die Basler Fasnacht ist auch eine ernsthafte Angelegenheit

Die Basler Fasnacht (vom Montag, dem 23. Februar, 04.00 Uhr, bis zum 26. Februar, 04.00 Uhr) ist – abgesehen von den drei darauffolgenden „Bummelsonntagen“ – wieder vorbei.

Nach den Veranstaltungen der Vorfasnacht und der Fasnachtsmesse in der Elisabethenkirche erklang punktgenau um vier Uhr bei der Martinskirche erneut das alljährliche „vorwärts, marsch“, und Tausende von Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern begannen ihren Zug durch die Stadt.

Montag, den 23. Februar, 03.59

Montag, den 23. Februar, 04.01

Direkte Demokratie, Subsidiarität und Föderalismus

Jedes Jahr dasselbe Ritual und doch immer wieder ein anderes (emotionales) Erlebnis. Nicht nur Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation und die märchenhafte Kulisse zeichnen dieses Ereignis aus. Auch die direkte Demokratie, die Subsidiarität und das dezentrale föderale System kommen hier zum Ausdruck.

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt teilen ihre Sorgen über lokale, nationale und internationale Entwicklungen, bringen ihre Meinungen und Gefühle zu Entscheidungsträgern, Politikern und anderen Autoritäten öffentlich zum Ausdruck und thematisieren deren Entscheidungen oder Missstände – nicht nur auf der Strasse, sondern auch in den Schnitzelbänken.

Eine ernsthafte Angelegenheit und Swissness

Die Fasnacht ist daher auch eine ernsthafte Angelegenheit. Abgesehen von der langen und intensiven (musikalischen und kreativen) Vorbereitung der Teilnehmenden (egal, ob in Cliquen organisiert oder nicht) und den finanziellen Kosten steht auch die Wahl eines „Sujets“ zur Diskussion und letztlich zur Abstimmung.

Danach folgt die Auswahl von Kostüm, Laterne und Larve. Längst nicht alle Teilnehmenden sind in Cliquen organisiert oder folgen diesem Verfahren. Viele nehmen in kleinen Gruppen oder sogar allein teil, ohne Sujet oder Laterne.

Alle jedoch teilen Musikalität, Kreativität, Disziplin, Organisation sowie Respekt füreinander und gegenüber der Umgebung. Zwei passende Beispiele: Bei einem derart grossen Fest muss sich der Rettungsdienst mitunter bis tief in die Nacht einen Weg bahnen. Zuschauer und Fasnächtler machen jedoch Platz und behindern das medizinische Personal nicht.

Wenn eine grosse Clique mit 100 oder mehr Mitgliedern auf eine kleine Gruppe von wenigen Musikern trifft, erhält diese kleine Gruppe dennoch den Vortritt. Es gibt niemals Diskussionen, selbst nicht in den engsten Gassen und im grössten Gedränge.

Auch die Zuschauer verhalten sich (bislang) respektvoll und vorbildlich – trotz der enormen Menschenmengen und des Alkoholkonsums, was jedoch keine Garantie für die Zukunft darstellt.

Schlussfolgerung

Wie auch immer: Die Qualität und der ernsthafte Unterton der Fasnacht kommen vielleicht am besten im Freilichtmuseum auf dem Münsterplatz und in den schriftlichen Erläuterungen zum Ausdruck, die die Cliquen verteilen, um die Wahl ihres „Sujets“ zu erklären.

Wo sonst findet man bei einem solchen Ereignis ausführliche Abhandlungen über Gesellschaft, Demokratie, Neutralität, Krieg und Frieden mit Verweisen auf Philosophen, Nobelpreisträger und andere Denker? Friedrich Nietzsche, Thomas Paine, Leo Tolstoi, Albert Einstein oder Tic Tac statt TikTok waren zum Beispiel auch in diesem Jahr integraler Bestandteil der Fasnacht.

Die Basler Fasnacht ist zwar ein einzigartiges Ereignis im Kanton Basel-Stadt, doch kommt darin auch die Swissness zum Ausdruck. Hoffentlich bewahren Helvetia und Frau Fasnacht dieses besondere Land und seine einzigartige Demokratie, Staatsordnung, kosmopolitische Gesellschaft und Lebensqualität, auch bei eigenen Fehlentscheidungen.

Lektorat und Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke Fasnacht 2026

 

Und der Besenwagen

 

Die Basler Fasnacht 2026 ist wieder Geschichte

The End