Der heilige Fridolin. Wappen des Kantons Glarus.

Kanton Glarus

Der Name Glarus tauchte erstmals als Clarona in Quellen aus den 9. Jahrhundert auf. Der Kanton hat ein ebenso schönes wie authentisches Symbol: den Heiligen Fridolin. Er lebte vom Ende des fünften Jahrhunderts bis 538.

500-1352

Dieser irische Mönch hielt sich in Poitiers (Frankreich) und dann in Süddeutschland und in der Schweiz auf. Er war ein Vorgänger seiner irischen Kollegen Gallus (550-646), Columbanus (540-615) und vieler anderer.

Er gründete das Kloster in Bad Säckingen, das heute noch funktioniert und das älteste in Deutschland ist. Er ist wegen der wichtigen Rolle des Klosters für den Kanton der Schutzpatron von Glarus. Das Bild des Heiligen war immer in der vordersten Reihe der Glarner Truppen zu finden.

Ab dem sechsten Jahrhundert gehörte Glarus zum fränkischen Reich der Merowinger und danach der Karolinger.

In dieser Zeit löste die deutsche Sprache der Alemannen (der alemannische Dialekt) die romanische Sprache der Gallo-Romanen ab.

Ab dem 10. Jahrhundert fiel das Gebiet unter das Heilige Römische Reich. Die Grafen von Lenzburg (bis 1173) und Kyburg (bis 1264) waren die bedeutendsten weltlichen Herrscher bis zur Herrschaft des Hauses Habsburg im Jahre 1264.

Glarus widersetzte sich jedoch Habsburg und schloss 1352 ein Bündnis mit der Eidgenossenschaft. Vergeblich. Habsburg blieb die führende politische Kraft.

Dies änderte sich nach den Kriegen von Sempach (1386) und Näfels (1388). Die Eidgenossen besiegten die Habsburger. Glarus kaufte sich daraufhin vom Haus Habsburg und dem Kloster Säckingen frei, das mit Habsburg verbunden war.

   

1352-1798

Glarus erhielt 1415 den Status einer freien Reichsstadt (Reichsunmittelbarkeit) des Heiligen Römischen Reiches. Glarus hatte damals wie heute noch das politische System der Landsgemeinde.

Eine seiner wichtigsten Entscheidungen war die Religionsfrage während der Reformation. Die Landsgemeinde beschloss erstmals (1525) den Übergang zum evangelischen Glauben.

Während der Kappeler Kriege (1529 und 1531) blieb sie jedoch neutral. Im Jahr 1532 erlaubte die lokale Behörde sogar die Rückkehr zum Katholizismus. Dies war in Europa aussergewöhnlich und nur in den Schweizer Kantonen möglich. Von da an lösten die Religionen im Kanton ihre Konflikte durch Kompromisse und Vereinbarungen.

 

Dies gelang nicht immer und auch oder gerade in der Schweiz bestand die Gefahr eines Bürgerkrieges. Aber auch hier setzte sich der Kompromiss durch und beide Religionen teilten sich Kirchen (das sogenannte Simultaneum).

Als sich 1586 sieben katholische Kantone (Luzern, Obwalden, Nidwalden, Schwyz, Uri, Freiburg, Solothurn) dem Goldenen Bund anschlossen, trat nur der katholische Teil von Glarus bei. Übrigens hatte sich der bireligiöse Kanton zusammen mit Zürich 1590 mit dem Zehngerichtebund in Graubünden verbündet.

Das hinderte die Glarner nicht daran, viele Söldner an das katholische Frankreich zu liefern. Auch die Verwaltung des Kantons lag in den Händen von Katholiken und Protestanten.

Diese Situation wurde durch den Frieden von Aarau (1712) bestätigt. Dieser Frieden beendete den zweiten Villmerger Religionskrieg. (Der erste war im Jahr 1656). Diese Toleranz war auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft formell erlaubt. Ein weiterer ungewöhnlicher und aussergewöhnlicher Kompromiss à la suisse.

1798-1848

Der Kanton Glarus war Teil der Helvetischen Republik (1798-1803) und wurde in den Jahren 1803, 1815 und 1848 Mitglied der Eidgenossenschaft. Im Sonderbundskrieg von 1847 blieb Glarus neutral.

Die Landsgemeinde wird nach wie vor jährlich durchgeführt.

Die Flagge

Der irische Mönch und Schutzheilige Fridolin ist seit dem Mittelalter das Gesicht des Kantons.

(Quelle: Historisches Lexion der Schweiz, Kanton Glarus, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007374/2017-05-30).

Korrektorin: Melinda Fechner