Ein kleines Fenster und die Geschichte von Rheinfelden
2 März 2026
Im Frühjahr 1802 verliess der letzte österreichische Garnisonskommandant Rheinfelden. Damit ging eine mehr als 450‑jährige habsburgisch‑österreichische Herrschaft zu Ende. Zwar hatten die Eidgenossen bereits 1415 den Aargau und die Burg Habsburg von den Habsburgern erobert, doch das Fricktal blieb bis zur Zuweisung an den neu geschaffenen Kanton Aargau im Rahmen der Mediationsakte von 1803 habsburgisch.
Diese Mediationsakte wurde von Napoleon zusammen mit den alten Kantonen ausgearbeitet, nachdem die französische Besetzung 1798 zur Aufhebung der alten Eidgenossenschaft und zur Errichtung der Helvetischen Republik (1798–1803) geführt hatte. Ab 1803 existierten zwei Rheinfelden: eines im Kanton Aargau am linken Rheinufer und eines deutsches Rheinfelden am rechten Rheinufer.


Das erste Kapuzinerkloster wurde 1598 ausserhalb der Stadt geweiht und 1657 in der Stadt neu aufgebaut. Das Kloster wurde 1804 durch den Kanton Aargau aufgehoben.

Trotz des Abzugs der letzten österreichischen Soldaten im Jahr 1802 ist das österreichische Wappen an vielen Orten in Rheinfelden (und an anderen Orten der Eidgenossenschaft) bis heute prominent sichtbar. So auch an der Fassade des Commandantenhauses, der ehemaligen Residenz des Garnisonskommandanten.

Gustav Kalenbach-Schröter (1821–1901), rechts das Commandantenhaus, links die Kapuzinerkirche. Sammlung: Fricktaler Museum, Rheinfelden
Die ersten Fundamente des Commandantenhauses stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dieser Standort war damals Teil der Stadterweiterung und wurde mit Häusern aus Stein für den Adel und das wohlhabende Bürgertum bebaut. Im Jahr 1613 fand eine umfassende Renovierung des Commandantenhauses statt. Aus dieser Zeit sind prächtige spätrenaissancezeitliche Fresken und Balkenmalereien erhalten geblieben.

Die Decke im Erdgeschoss
Wahrscheinlich gibt es noch weitere Wandmalereien, unter anderem an der Aussenwand des Commandantenhauses, also an einer Wand des verschwundenen Hauses. Diese blieben jedoch vorerst unter verschiedenen Farb- und Kalklagen erhalten.
Diese wurden im Jahr 2003 bei einer Renovierung wieder freigelegt und dokumentiert. Zudem konnten Fachleute nachweisen, dass das Haus ursprünglich deutlich grösser war und erst im 19. Jahrhundert in zwei Gebäude aufgeteilt wurde.
Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen war jedoch ein romanisches Fenster aus dem 13. Jahrhundert. Dieses Fenster wurde bei der Renovierung eines Pfeilers des Commandantenhauses entdeckt.
Der Pfeiler war ursprünglich Teil der Mauer eines Hauses aus dem 13. Jahrhundert, das später – möglicherweise infolge der Zerstörungen während der Belagerung von 1634 – abgebrochen wurde. Lediglich der Pfeiler mit dem Fenster blieb als tragende Mauer des Commandantenhauses erhalten.

Das Garnisonsbackhaus in der gleichen Strasse wurde 1732 errichtet.
Ein Fenster in einem solchen Stützpfeiler wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, erklärt sich jedoch dadurch, dass es ursprünglich in der Mauer eines später abgebrochenen Hauses angebracht war. Die prachtvollen Fresken und Deckenmalereien wurden teilweise im ursprünglichen Zustand belassen, teilweise restauriert.
Das Fenster ist das am besten erhaltene romanische Bogenfenster im Kanton Aargau. Es zeigt Lilien sowie zwei Säulen mit Fabeltieren. Besonders interessant ist auch der gotische Spitzbogen, der später – möglicherweise nach dem Erdbeben von 1356 – den romanischen Rundbogen ersetzte. In einer späteren Phase wurde das Fenster zu einer schmalen Öffnung verkleinert. Diese drei Baustile sind jedoch erhalten geblieben und werden seit der Restaurierung von 2003 gemeinsam präsentiert.

Das Commandantenhaus heute
Auch die Lage des Commandantenhauses ist aus einem weiteren Grund interessant. Bis 1657 lag das Haus an der Neugasse, auch Neustadt genannt, einer Stadterweiterung Rheinfeldens. Ab 1657 erhielt die Strasse jedoch den Namen Kapuzinergasse, benannt nach dem Bau des Kapuzinerklosters und der Klosterkirche. Das frühere Kloster ausserhalb von Rheinfelden war während der (schwedischen) Belagerung von 1634 im Dreissigjährigen Krieg zerstört worden und wurde in der Stadt neu erbaut.
Das heutige Commandantenhaus weist in Bezug auf die Fassade weitgehend noch das Erscheinungsbild des 17. Jahrhunderts auf (abgesehen von der späteren Teilung in zwei Häuser). Das Innere ist heute als Atelier und als modernes gestaltetes Wohnhaus eingerichtet, wobei die historischen Fresken und Deckenmalereien erhalten sind.
(Quelle und weitere Informationen: H. Leuzinger (Red.), Zeuge der Frühzeit von Rheinfelden und repräsentativer Bau der Spätrenaissance, Rheinfelden 2008)
Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat
