Die Natur und Bäume in der Stadt
10 März 2026
Der Wald war im Mittelalter ein Symbol für das Mysteriöse und Gefährliche. Heute gilt er als Rückzugsort, der dem Menschen ein reines Naturerlebnis näherbringt.
Die Lebensqualität der heutigen Stadt, Erholungsflächen und die Möglichkeit zum Kontakt mit der Natur sollen in zumutbarer Entfernung zur Wohnung liegen.
Als Schutz- und Gemeinschaftssymbol hat der Baum ausserdem eine soziale Funktion wie etwa bei der mittelalterlichen Gerichtslinde, beim Aufrichtebaum am Richtfest oder beim Freiheits-, Mai- oder Weihnachtsbaum.

Bern. Foto: TES.
Die Bedeutung des Stadtbaums
Die Bedeutung des Stadtbaums steht eng mit seiner Herkunft aus dem Wald in Verbindung. Daraus haben sich viele Mythen entwickelt, denn unser Leben ist ohne Bäume nicht möglich.
Die Ausstellung, die dem Baum im Kontext von tausend Jahren Basler Stadtgeschichte gewidmet ist, bringt dies zum Ausdruck. In den unterschiedlichen Phasen der Stadtentwicklung steht der Baum als Mittel der Stadtverschönerung, als Ausdruck des Zeitgeists und als Gestaltungsform in Grünanlagen im Zentrum.
In welchen anderen Städten referiert die Stadtgärtnerei über die Philosophie ? Es zeugt von grossem Respekt vor der Natur.

Die prachtvollsten Blumen blühen oft ins Verborgene. Japanisches Sprichwort

Gärtnerei in Basel. Foto TES
Erst die Umnutzungen von Friedhöfen und das Schleifen der Stadtmauern im 19. Jahrhundert verbinden die Idee städtischer Grünanlagen mit der architektonischen Aussage neuer Städteplanung, die heute unter den Vorzeichen der Klimaerwärmung steht.

Die Ausstellung Bäume in Basel – Das Grün im urbanen Wandel machte die geschichtliche Entwicklung der Natur beziehungsweise der Flora in der Stadt bis in die heutige Zeit erlebbar.
Die Beziehung zwischen Holz, Bäumen und der Stadt ist auch im Museum omnipräsent. Das alte spätromanische Glücksrad des Basler Münsters ist aus Eichenholz gefertigt. Das Holz ist auf die 1220er Jahre datiert.

Die alte Universität und der bonatische Garten. Foto: TES
Alter der Botanik
Im geistig-kulturellen Aufbruch zu Beginn der Neuzeit (um 1500) verändert sich das Erscheinungsbild der Stadt. Gelehrte und Unternehmer mit internationalen Beziehungen fördern den Wandel Basels in eine bedeutende Stadt. Die Erforschung der Botanik war noch eng mit Belangen der Pharmakologie, der Medizin und des Gartenbaus verbunden und drückte sich 1460 in der Gründung der Basler Universität aus.
Befördert durch den aufkommenden Buchdruck und die berühmte Qualität des Papiers aus ihren Papiermühlen (siehe auch: www.papiermuseum.ch) wurde die Stadt zu einer der führenden Gelehrtenstädte Europas. Basel, als humanistische Stadt der Gelehrten und Kaufleute, hat auch die europäische Botanik geprägt.
Renaissance
Frühe Privatgärten entstehen nach italienischen Vorbildern. Die Lust auf frische Luft in den Landschaften vor den Stadttoren führt zu ersten Hofgütern und Sommersitzen bis nach Riehen. In den verschiedenen Phasen der Stadtentwicklung wird der Baum bereits früh als Mittel zur Stadtverschönerung erkannt.
Barock und Rokoko
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts zeigen die Barock-Landgüter (die Villa Merian und der Wenkenhof zum Beispiel) vor der Stadt die goldene Zeit der Basler Baukultur. Sie sind Ausdruck eines neuen Gestaltungswillens mit Elementen der Natur und lassen in den Gärten Übergänge zum Rokoko sowie zum Stil des englischen Landschaftsgartens erkennen.
Angetrieben von philosophischen Fragen um Fortschritt, Kultur und Kunst bilden sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts viele neue Facetten der Beziehung zwischen Mensch und Natur im 19. Jahrhundert heraus.

Basels Wohn- und Gartenkultur wird im 18. und 19. Jahrhundert von neuen Baumimporten, wie auch von blütenreichen Topfpflanzen geprägt. Eine neue Gartenbegeisterung, Blumendekor im Haus und die Gartenstile der Zeit vom Barock über das Rokoko bis zu den romantischen Anlagen im englischen Stil in herrschaftlichen Privatgärten legen die Grundlagen für spätere öffentliche Grünräume. Gleichzeitig drängen stadthygienische Probleme auf neue Lösungen.
Die neue räumliche Ordnung
Nicht nur eröffnen freiwerdende Begräbnisflächen die Möglichkeit für erste städtische Grünanlagen, sondern schaffen auch Promenadenanlagen entlang der ehemaligen Stadtmauern die Voraussetzungen für eine neue räumliche Ordnung in der Stadt.

Basel. der Rheinufer. Foto: TES
Umwidmungen und Nutzungsänderungen an nicht bebauten Flächen prägen den Übergang ins 20. Jahrhundert. Stadtbäume und Haine erinnern noch heute an ihre einstige Bedeutung für kirchliche Institutionen. Basel richtet sich im Zeichen des Fortschritts und der Bevölkerungszunahme städtebaulich neu aus.
Die Gartenstadt
Um 1898 regen andere Vorstellungen zum Umdenken in der Stadtplanung an, wodurch auch in Basel das Bedürfnis nach mehr privatem Grün, Haus und Familiengärten zunimmt. Die Idee der Gartenstadt wurde in der Schweiz erstmals 1912 in Münchenstein umgesetzt.
Die Moderne Stadt
Heute sind Parks und Grünanlagen oft mit Kunstwerken und Spielplatzbauten bereichert. Seit jeher ist der Baum Gegenstand künstlerischer Gestaltung. Die Stadtentwicklung spiegelt sich in neu ausgewiesenen Grünflächen und in 27 000 von der Stadtgärtnerei gepflegten Bäumen wider.
Das Motto: Ein gesunder Baum bedeutet eine gesunde Stadt.
(Quelle und weitere Informationen: www.mkk.ch).
Korrektorin: Petra Ehrisman

Die Kastanienbäume auf dem Münsterplatz.
