Kloster Schöntal, die Tüfelsschlucht und die Öfen im Dürsteltal

Hass und Liebe, Gut und Böse, der Teufel und der Engel, der Kanton Basel-Landschaft und der Kanton Solothurn gehen manchmal nahtlos ineinander über. So auch das ehemalige Kloster Schöntal bei Langenbruck (Kanton Basel-Landschaft) und ein paar Kilometer weiter die Tüfelsschlucht (Teufelsschlucht) im Kanton Solothurn.

Die Tüfelsschlucht bei Hägendorf

Diese Schlucht macht ihrem Namen alle Ehre. Wilde Wasserfälle, Höhlen, gewundene schmale Pfade, kaum Sonne, krächzende Krähen, knarrende Bäume und andere Waldgeräusche bilden die Kulisse.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren solche Orte das Revier von Räubern, Vagabunden und Wölfen. Eine Wanderung unternahm man damals noch nicht. Einen Wald, geschweige denn eine Tüfelsschlucht, durchquerte man nur, wenn es keinen anderen Weg für die Reise gab.

Dennoch hat auch diese Schlucht ein Ende, um in eine bergige Wiesenlandschaft mit einem ehemaligen Sanatorium und einem ehemaligen Restaurant zu münden. Diese Region wurde jedoch nicht nur von Mönchen und dem Teufel bewohnt, sondern auch von Schmieden. Davon zeugen die ehemaligen mittelalterlichen Öfen im Dürsteltal.

Das ehemalige Sanatorium auf dem Allerheiligenberg. 1908 liess die Schuhfabrik Bally auf dem Gelände ein Sanatorium (Solothurnische Tuberkulose-Heil
stätte Allerheiligenberg) erbauen. Der Betrieb wurde im Jahre 2010 eingestellt. 

Das ehemalige Restaurant auf dem Allerheiligenberg

Der Dürstelberg

Der Dürstelberg ist einer der letzten ungestörten Waldgebiete im Kanton Basel-Landschaft. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts blieb der grösste Teil des Gebietes ungenutzt und unberührt. Das Ergebnis ist ein Naturwald mit viel Alt- und Totholz, Höhlenbäumen und einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Der Dürstelberg ist ein Waldreservat des Kantons.

Rekonstruktion: Joe Rohrer, Bildebene.ch

Die Öfen im Dürsteltal

Im Dürsteltal in der Gegend um Langenbruck bestanden im 13. und 14. Jahrhundert zwei Verhüttungsöfen. Dies belegen Spuren der Eisengewinnung und -verarbeitung. Heute sind im Gelände immer noch Spuren der mittelalterlichen Eisenverhüttung zu erkennen, zum Beispiel Schlacken. Die zwei Öfen waren zwei unterschiedliche Typen: ein grosser Rennofen und ein Hochofen.

Der im Jura häufige Rennofen produzierte im direkten Verfahren schmiedbares Eisen. Der Hochofen war mit einem Gebläse ausgestattet und wurde mit Wasserkraft betrieben. Deshalb stand die Anlage nahe am Bach. Dieser Ofen produzierte Eisen ausschliesslich im indirekten Verfahren. Das Roheisen wurde in einem Frischherd weiterverarbeitet.

Gastwirtschaft Dürstel

Die Öfen im Dürsteltal stammen aus einer Zeit des technologischen Wandels. Ab dem 14. Jahrhundert setzten sich die Hochöfen durch. Sie waren schon seit spätrömischer Zeit bekannt. Die Rennöfen waren seit der Eisenzeit bekannt, doch die Hochöfen boten erhebliche Vorteile. Sie erreichten höhere Temperaturen, weshalb sich aus der gleichen Menge Erz mehr Eisen gewinnen liess. Man konnte sie über einen längeren Zeitraum betreiben, was die Effizienz noch weiter steigerte. Der Nachteil war, dass sie nur Roheisen produzierten, das weiter verarbeitet werden musste.

Bild: Gemeinde Langenbruck. Die Arbeitsprozesse eines Hochofens: Zerkleinern (1) und Rösten des Erzes, Mischen von Erz, Holzkohlen und weiteren Zuschlägen (3), Beschicken des Hochofens (4), Abstechen des flüssigen Roheisens (5) und Frischen des Roheisens (6).

Frühe Industrialisierung

Die Befunde sind wichtige Belege für eine Zeit des technologischen Umbruchs hin zu Grossanlagen, die sich ab dem 14. Jahrhundert im Jura durchsetzten. Der Hochofen im Dürsteltal ist mit seiner Datierung auf das 13. Jahrhundert einer der ältesten in Europa. Verschiedene Indizien sprechen dafür, dass es die Grafen von Frohburg waren, die 1145 das Kloster Schöntal gegründet haben. Ihr Interesse an der Eisenproduktion zeigte sich auch im 13. Jahrhundert im Fricktal, wo sie deswegen mit den Herren von Kienberg in Konflikt gerieten.

Das ehemalige Kloster Schöntal

Langenbruck und Kloster Schöntal

Ende gut, alles gut. Letztendlich siegt auch hier das Gute über das Böse, sodass man nach der Teufelsschlucht beim ehemaligen Kloster Schöntal bei Langenbruck ankommt. Das Kloster wurde zwar schon vor langer Zeit aufgelöst, doch das wunderschöne romanische Portal und der moderne Skulpturenpark lassen dem Teufel und dem Bösen keine Chance.

Langenbruck

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Lamgenbruck; Gemeinde Hägendorf)