Die Eidgenossen und ihre Verbündeten besiegten am 22. Juni 1476 bei Murten die Truppen des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen (1433-1477). 1893 erteilte die Panoramagesellschaft Zürich Louis Braun (1836-1916), dem prominentesten Panoramisten Deutschlands, den Auftrag, die Schlacht in einem Rundgemälde zu malen.

Eindruck vom Atelier von Louis Braun zur Zeit der Entstehung des Panoramas
Panoramen waren damals ein Publikumsrenner und zugleich lukrativ. Er malte das Panorama innerhalb eines Jahres mit einer Länge von 100 Metern und einer Breite von 10 Metern, also 1000 m². Ab Ende August 1894 präsentierte die Zürcher Panoramagesellschaft das Panorama „Der Schlacht bei Murten“ am Utoquai in einer Rotunde.

Louis Braun ging sehr gründlich vor. Er führte umfangreiche Archiv- und Quellenrecherchen durch. Das Panorama liest sich daher wie der Bericht eines Reporters vor Ort. Das Panorama hält vor allem den entscheidenden Moment der Schlacht fest. Die Eidgenossen umzingeln die in Panik geratene burgundische Armee.

Bild: Bernisches Historisches Museum
Der Erfolg des Panoramas war anfangs enorm. Schliesslich war die neue Eidgenossenschaft noch keine fünfzig Jahre alt. Einige Jahre zuvor war das 700-jährige Jubiläum des Rütli (1891) gefeiert worden, und zudem war die einzigartige direkte Demokratie in der Verfassung verankert worden (1874 und 1891).

Modell der Rotunde. Sammlung: Bernisches Historisches Museum
Der Zeitpunkt seines Entstehens war jedoch unglücklich: Wegen des Aufkommens der Fotografie und bald darauf der ersten Filme war das Panorama als Medium schnell überholt und verlor an Bedeutung. Die Rotunde wurde abgerissen und die Leinwand in drei Teilen nach Murten transportiert. Es dauerte bis 2002, bis die Leinwand während der Landesausstellung Expo.02 wieder der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Der sogenannte Monolith, ein im Murtensee platzierter Kubus aus Metall, bildete die Kulisse. Die Installation bestand aus einem Panorama mit drei übereinander angeordneten Teilen des Werks.


Einer der drei Teile des Panoramas
Auf diese Weise wurden der See, die Uferpromenade, die mittelalterliche Stadt Murten und der Ort der Schlacht miteinander verbunden. Anschliessend war das Panorama in einer Videobearbeitung im Historischen Museum Murten zu sehen. Das Historische Museum Bern rückt dieses Panorama nun in diesen Kontext.


Details des 100 Meter langen und zehn Meter hohen Panoramas
Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass dieses faszinierende Panorama dauerhaft in einer Rotunde zu sehen sein wird, vermittelt diese Ausstellung einen guten Eindruck von seiner Entstehung und seinem historischen Hintergrund.

Martin Martini (1565–1610), Die Schlacht bei Murten nach einem verlorenen Werk von Heinrich Bichler (1466–1497) im Rathaus von Freiburg. Sammlung: Bernisches Historisches Museum

Zudem will es der Zufall (oder auch nicht), dass gerade in der Schweiz die meisten Panoramen dieses im 19. Jahrhundert so beliebten Mediums in einer Rotunde erhalten geblieben sind: in Einsiedeln (Die Kreuzigung Christi), Thun (Wocher-Panorama der Stadt Thun) und Luzern (Bourbaki-Panorama).
Ein kleiner Teil der „burgundischen Beute“



Sammlung: Bernisches Historisches Museum
