Verrières, Benjamin Locatelli, 2014. Photo/Foto. TES.

Bourbaki, Les Verrières und Luzern

In den letzten Januartagen und den ersten Tagen des Februar 1871 bewältigte die Schweiz die größte Flüchtlingsaufnahme ihrer Geschichte. Bis heute erzählt das Rundbild Bourbaki Panorama in Luzern dieses einschneidende Grossereignis in beeindruckender Weise.

Am 1. Februar 1871 einigten sich der französische General Justin Clinchard (1820-1881) und sein Schweizer Kollege Hans Herzog (1819-1894) in Les Verrières (Kanton Neuenburg) auf den Grenzübertritt der erschöpften und besiegten französischen Armee von 90 000 Mann (Siehe auch das Bourbaki Panorama in Luzern).

Informationsstelle in Les Verrières

Die neutrale Schweiz erklärte sich bereit, die Armee unter der Bedingung der Entwaffnung und Rückführung nach Frankreich aufzunehmen.

Kaiser Napoleon III. (1808-1873) war bereits am 2. September 1870 in Sedan gefangen genommen worden, nachdem er Preussen am 19. Juni 1870 den Krieg erklärt hatte.

Die französische Armee von General Charles-Denis Bourbaki (1816-1897) war jedoch nicht Teil des Kapitulationsabkommens, sondern musste in der Kälte und im Schnee in die Schweiz fliehen.

Der Schweizer Bankier Henry Dunant (1827-1910) hatte 1863 in Genf das Rote Kreuz gegründet. Der Empfang der französischen Armee und der Tausenden von verwundeten und unterernährten Soldaten war seine erste grosse Aktion.

Auf dem Bourbaki-Panorama in Luzern von Édouard Castres (1838–1902) ist das Rote Kreuz zum ersten Mal in Aktion zu sehen. Henri Dunant war auch dabei, im Panorama und in Les Verrières.

Das Bourbaki Panorama, ein europäisches Kulturdenkmal, erinnert an diese Internierung von 87’000 französischen Soldaten. Eine Geschichte, die der Maler Edouard Castres 1881 auf dem 112 × 10 Meter grossen Rundbild erzählt. Das Medium Panorama gilt heute nicht nur als Vorläufer der Kinos, sondern auch als Inspiration für 360-Grad-Filmerei und Virtual Reality.

Die Solidarität in der Schweiz war gross. Fast alle Kantone beherbergten die Zehntausenden von Soldaten und Offizieren.

Bourbaki Panorama, Luzern

Diese riesige logistische Operation (Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Unterkünfte) war sehr effizient, und innerhalb weniger Monate begann die Rückführung der Soldaten und Offiziere.

Für ein kleines Grenzdorf und die junge Schweizerische Eidgenossenschaft (seit 1848) war es die erste humanitäre Aktion für den französischen Nachbarn.

Basel hatte den Einwohnern Strassburgs bereits im September und Oktober 1870 während der Belagerung durch die preussische Armee enorme Hilfe geleistet. Das Denkmal auf dem Platz vor dem Bahnhof SBB erinnert daran.

Basel, Strassburg Monument beim SBB Bahnhof

Die drei Generäle Herzog, Clinchard und Bourbaki sind in Les Verrières zusammen mit dem Roten Kreuz, der Genfer Konvention und den schweizerischen „Tugenden“ Neutralität, Humanität und Hospitalität dargestellt.

Der Bourbaki-Pfad in Les Verrières zeigt diese Geschichte und den Weg der französischen Armee.

(weitere Informationen:Bourbaki Panorama Luzern, www.bourbaki-verrieres.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner