Kloster Schöntal, die Tüfelsschlucht und die Öfen im Dürsteltal

Hass und Liebe, Gut und Böse, der Teufel und der Engel, der Kanton Basel-Landschaft und der Kanton Solothurn gehen manchmal nahtlos ineinander über. So auch das ehemalige Kloster Schöntal bei Langenbruck (Kanton Basel-Landschaft) und ein paar Kilometer weiter die Tüfelsschlucht (Teufelsschlucht) im Kanton Solothurn.

Die Tüfelsschlucht bei Hägendorf

Diese Schlucht macht ihrem Namen alle Ehre. Wilde Wasserfälle, Höhlen, gewundene schmale Pfade, kaum Sonne, krächzende Krähen, knarrende Bäume und andere Waldgeräusche bilden die Kulisse.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren solche Orte das Revier von Räubern, Vagabunden und Wölfen. Eine Wanderung unternahm man damals noch nicht. Einen Wald, geschweige denn eine Tüfelsschlucht, durchquerte man nur, wenn es keinen anderen Weg für die Reise gab.

Dennoch hat auch diese Schlucht ein Ende, um in eine bergige Wiesenlandschaft mit einem ehemaligen Sanatorium und einem ehemaligen Restaurant zu münden. Diese Region wurde jedoch nicht nur von Mönchen und dem Teufel bewohnt, sondern auch von Schmieden. Davon zeugen die ehemaligen mittelalterlichen Öfen im Dürsteltal.

Das ehemalige Sanatorium auf dem Allerheiligenberg. 1908 liess die Schuhfabrik Bally auf dem Gelände ein Sanatorium (Solothurnische Tuberkulose-Heil
stätte Allerheiligenberg) erbauen. Der Betrieb wurde im Jahre 2010 eingestellt. 

Das ehemalige Restaurant auf dem Allerheiligenberg

Der Dürstelberg

Der Dürstelberg ist einer der letzten ungestörten Waldgebiete im Kanton Basel-Landschaft. Seit Anfang des letzten Jahrhunderts blieb der grösste Teil des Gebietes ungenutzt und unberührt. Das Ergebnis ist ein Naturwald mit viel Alt- und Totholz, Höhlenbäumen und einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Der Dürstelberg ist ein Waldreservat des Kantons.

Rekonstruktion: Joe Rohrer, Bildebene.ch

Die Öfen im Dürsteltal

Im Dürsteltal in der Gegend um Langenbruck bestanden im 13. und 14. Jahrhundert zwei Verhüttungsöfen. Dies belegen Spuren der Eisengewinnung und -verarbeitung. Heute sind im Gelände immer noch Spuren der mittelalterlichen Eisenverhüttung zu erkennen, zum Beispiel Schlacken. Die zwei Öfen waren zwei unterschiedliche Typen: ein grosser Rennofen und ein Hochofen.

Der im Jura häufige Rennofen produzierte im direkten Verfahren schmiedbares Eisen. Der Hochofen war mit einem Gebläse ausgestattet und wurde mit Wasserkraft betrieben. Deshalb stand die Anlage nahe am Bach. Dieser Ofen produzierte Eisen ausschliesslich im indirekten Verfahren. Das Roheisen wurde in einem Frischherd weiterverarbeitet.

Gastwirtschaft Dürstel

Die Öfen im Dürsteltal stammen aus einer Zeit des technologischen Wandels. Ab dem 14. Jahrhundert setzten sich die Hochöfen durch. Sie waren schon seit spätrömischer Zeit bekannt. Die Rennöfen waren seit der Eisenzeit bekannt, doch die Hochöfen boten erhebliche Vorteile. Sie erreichten höhere Temperaturen, weshalb sich aus der gleichen Menge Erz mehr Eisen gewinnen liess. Man konnte sie über einen längeren Zeitraum betreiben, was die Effizienz noch weiter steigerte. Der Nachteil war, dass sie nur Roheisen produzierten, das weiter verarbeitet werden musste.

Bild: Gemeinde Langenbruck. Die Arbeitsprozesse eines Hochofens: Zerkleinern (1) und Rösten des Erzes, Mischen von Erz, Holzkohlen und weiteren Zuschlägen (3), Beschicken des Hochofens (4), Abstechen des flüssigen Roheisens (5) und Frischen des Roheisens (6).

Frühe Industrialisierung

Die Befunde sind wichtige Belege für eine Zeit des technologischen Umbruchs hin zu Grossanlagen, die sich ab dem 14. Jahrhundert im Jura durchsetzten. Der Hochofen im Dürsteltal ist mit seiner Datierung auf das 13. Jahrhundert einer der ältesten in Europa. Verschiedene Indizien sprechen dafür, dass es die Grafen von Frohburg waren, die 1145 das Kloster Schöntal gegründet haben. Ihr Interesse an der Eisenproduktion zeigte sich auch im 13. Jahrhundert im Fricktal, wo sie deswegen mit den Herren von Kienberg in Konflikt gerieten.

Das ehemalige Kloster Schöntal

Langenbruck und Kloster Schöntal

Ende gut, alles gut. Letztendlich siegt auch hier das Gute über das Böse, sodass man nach der Teufelsschlucht beim ehemaligen Kloster Schöntal bei Langenbruck ankommt. Das Kloster wurde zwar schon vor langer Zeit aufgelöst, doch das wunderschöne romanische Portal und der moderne Skulpturenpark lassen dem Teufel und dem Bösen keine Chance.

Langenbruck

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Lamgenbruck; Gemeinde Hägendorf)

Schloss Elgg, die Ruine Hauenstein und die Guhwilmühle

Es sind nur wenige Kilometer vom Schloss Elgg und der tausendjährigen Burgruine Hauenstein auf den Gipfel des Hauenbergs. Beide Burgen haben gemeinsam, dass sie nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt zu sehen sind.

Elgg

Schloss Elgg, Burg Kyburg und die Ruine Hauenstein

Schloss Elgg ist jedoch noch immer bewohnt, Hauenstein hingegen liegt bereits seit dem 14. Jahrhundert in Trümmern! Die Nähe zu Schloss Kyburg und dessen reicher Geschichte unterstreicht die bedeutende Lage dieser Gegend. Die Entscheidung adliger Herren, damals an diesem Ort Burgen zu errichten, war nicht von der wunderschönen Natur motiviert. Es handelte sich um einen strategisch wichtigen Standort für den Handel, die Zölle, die Landwirtschaft und die Gewerbebetriebe.

Die Guhwilmühle

Zwischen Elgg und Hauenstein liegt noch eine weitere historische Besonderheit. Die alte Poststation und Guhwilmühle war jahrhundertelang ein Bauernhof mit Vieh, zugleich eine Gaststätte, Raststätte für Reisende und Pferdewechselstation. Das alte Milchhäuschen zur Lagerung von Milch und der Pferdestall erinnern an diese Zeit.

Die Burgruine auf dem Schauenberg

Die Burgruine auf dem Schauenberg (892 m) überragt alle umgebenden Höhenanlagen und ihre weit ins Mittelland hineinragende Lage verleiht dem Berg und der Burgruine eine besondere Stellung in der Geschichte des Tösstals.

Um 1200 wurde die erste Holzburg errichtet, ein einfacher adliger Wohnsitz. Vermutlich wurde die Burg Mitte des 13. Jahrhunderts in einen massiv gemauerten Wohnturm umgebaut. Die erste schriftliche Erwähnung der Burg Schauenberg (castro Schowenberg) ist auf 1260 datiert; bereits 1242 wird Rudolf von Schauenberg in den Quellen erwähnt. 1344 wurde die Burg von österreichischen Amtsleuten gemeinsam mit Leuten aus Zürich und Winterthur zerstört.

Und doch hat der Schauenberg nicht ausgedient. Aufgrund der Gefahrenlage durch den Dreissigjährigen Krieg und die religiösen Konflikte zwischen den Orten sah sich die Zürcher Obrigkeit veranlasst, nach 1622 ein Hochwachtsystem einzurichten. Seither herrscht Ruhe auf dem Berg; nur friedliche Wanderer besuchen ihn und die Ruine und geniessen das Panorama und die Aussicht über das Tösstal.

Die Gemeinde Turbenthal

Das Dorf Turbenthal am Fuss des Berges war nie ein Bauerndorf. Schon im 15. Jahrhundert hört man von Webern, Handwerkern und Gewerbebetreibenden aller Art, wie Wirte, Müller, Bader und Scherer. Auch im 17. und 18. Jahrhundert beherrschten Spinnereien und Webereien das Wirtschaftsleben. Das gesamte Gebiet (mit Ausnahme des Weilers Neubrunn) gehörte zur Grafschaft Kyburg. 1452 kaufte Zürich diese Grafschaft, die Gemeinde Turbenthal ist seitdem Teil des Kantons Zürich.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land. Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski-) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

Die Natur

Was sich kaum verändert hat, ist die Natur, geprägt von Tobeln (flachen Schluchten mit Bächen), Wiesen, Feldern, Wäldern und sanften Berghängen.

 

 

   

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Elgg; Gemeinde Turbenthal)

Der demokratische, gesellschaftliche und institutionelle Verfall der Schweizerischen Konföderation

Was an der Diskussion zur „10-Millionen-Initiative“ auffällt, ist die wenig substanzielle Haltung der Gegner. Angstmacherei, Angst vor der EU und EU-Sanktionen, Trump oder die EU, Schwexit (ohne Mitgliedschaft), die akute Schliessung von Krankenhäusern, ein sofortiger Einwanderungsstopp für Arbeitnehmerinnen  und Arbeitnehmer und sogar ein absurder Vergleich mit Japan (Neue Zürcher Zeitung, den 10. Mai 2026) werden nicht gescheut. Diese Folgen, Vergleiche und Fragen stehen jedoch nicht zur Debatte.

Die  Nachhaltigkeitsinitiative

Der Verlauf der öffentlichen Diskussion über die „Nachhaltigkeitsinitiative“ zeichnet ein erschütterndes Bild vom politischen Zustand der Schweiz. Wenn Mitglieder des Bundesrates und des Parlaments dieses durch die Verfassung anerkannte Volksbegehren mit seinem gesetzlich anerkannten Namen in „Chaosinitiative“ umbenennen, kommt dies einem Staatsstreich nahe. Noch bedauerlicher ist, dass die Medien dabei eifrig mitwirken.

Der Name lautet „Nachhaltigkeitsinitiative“ und nicht „Chaosinitiative“, sehr geehrte Politikerinnen und Politiker sowie Mitglieder des Bundesrats.

Auch 76 % der Niederländer möchten, dass die Zahl der (Arbeits-)Migranten und (illegalen) Asylsuchenden begrenzt wird. Allerdings gibt es keine direkte Demokratie, und „europäische Regeln, Richter und Gesetze“ machen dies laut der Politik unmöglich.

Das Rentenalter (AHV-Alter) liegt in den Niederlanden bereits seit Langem bei 67 Jahren und wird weiter steigen. Niemand stellt jedoch einen Zusammenhang mit der Zuwanderung her und diesen Zusammenhang gibt es auch gar nicht; stattdessen wird dies aufgrund der steigenden Lebenserwartung, der Pflegekosten und der Alterung der Bevölkerung als normal und notwendig angesehen. Zuwanderer bezahlen ausserdem nicht nur ein, sondern bekommen auch AHV.

Dieses Argument jedoch in der Schweiz gegen die ‚Chaosinitiative‘ zu verwenden, passt zur fast systematischen Angstmalerei und zur politischen Verrohung. Mit anderen Worten: Sie versprechen kein höheres Rentenalter, sollte es am 14. Juni zu einem „Nein“ kommen. Das ist nicht nur ein falsches Versprechen und eine Lüge, sondern auch Populismus.

Es geht um eine notwendige Steuerung der Arbeitsmigration sowie anderer Einwanderungen. In den Niederlanden sind diesbezüglich Krawallen und Ausschreitungen an der Tagesordnung. Immer mehr Bürger haben es satt; siehe auch Deutschland, Grossbritannien, Belgien, Schweden oder Frankreich; nur gibt es dort keine direkte Demokratie.

Die Diskussion

Demagogie von Aktivisten (bis in die höchsten politischen Ebenen, einschliesslich der Mitglieder des Bundesrates und des Parlaments), Verunglimpfung der Initiatoren oder korrekter Populismus sind verhängnisvoll für die direkte Demokratie und die Gesellschaft. Nicht der Inhalt dieser Initiative scheint Gegenstand der Diskussion zu sein, sondern die Initiatorin wird an den Pranger gestellt.

Sie ist jedoch ein Seismograf der Gesellschaft. Demokratie bedeutet Macht (Kratos) des Volkes (Demos). Schafft sonst die direkte Demokratie und das Ständemehr ab. Das würde das politische Leben erheblich vereinfachen.

Die Confoederatio Helvetica (CH) würde dann jedoch bald zur Schweiz (SCH) werden, einem normalen, sozial, kulturell-linguistisch und politisch zerstrittenen europäischen Land. Das schweizerische direkte demokratische System basiert auf Vertrauen. Dieses Vertrauen wird jetzt zugrunde gelegt.

Die EU und die Schweiz

Und das ist weder ein Kompliment noch eine gute Perspektive. Die EU ist das demokratische, ökonomische, monetäre und politische hochverschuldete Problem und nicht die Schweiz. Die Schweiz soll sich demokratisch, ökonomisch, monetär und politisch nicht vereuropäisieren, die EU soll sich hingegen verschweizern,

Die Europäische Union hat seit ihrer Gründung im Jahr 1957 eine positive wirtschaftliche und kooperative Rolle im westlichen Teil Europas gespielt. Diese Union ist primär ein ökonomisches Projekt. Es ist auch ein Projekt der notwendigen europäischen Zusammenarbeit, aber (finanziell-militärisch) fast vollständig von den USA abhängig.

Seit den grössenwahnsinnigen Ambitionen im Zusammenhang mit der Einführung des Euro, der Aussenpolitik, der immer weitergehenden Zentralisierung, der Bürokratisierung, der Entmachtung der Bürger auf  nationaler Ebene und der Regulierungswut ist sie jedoch immer weiter aus dem Ruder gelaufen und zudem nicht reformierbar.

Im Gegenteil: Immer mehr (marode) Mitglieder, immer mehr Schulden, „pacta non sunt servanda“, weitere Ambitionen und mehr Wunschdenken (europäische Armee (und ja, es soll eine defensive europäische, aber realistische Zusammenarbeit und eine andere Schweizer Neutralität geben), EU-Inc. (ein weiterer Freibrief der EU für das organisierte Verbrechen), weit offene Grenzen und unkontrollierte Einwanderung (auch der neue Migrationspakt wird daran nichts ändern), auf der anderen Seite immer weniger Transparenz, Demokratie, Kontrolle und Aufsicht über diese zentralistische Verwaltungs- und Exekutivorganisation.

Der Frieden in West-Europa 1945-1989

Zudem hat nicht die Europäische Union, sondern die NATO – insbesondere der Beitrag der USA – den Frieden nicht in, sondern für Westeuropa von 1945 bis 1989 bewahrt. Deutschland war nach 1945 ausgebombt und erwachsen geworden nach dem (zu) schnellen Aufstieg (1871–1914) und Frankreich machte nicht den gleichen Fehler wie 1919 (Versailles).

Die EU hatte von Anfang an eine positive Rolle als Bindungselement und als Symbol. Den Frieden für Westeuropa hat sie bis 1989 jedoch nicht gesichert und heute nicht für ganz Europa. Mit dem ersten Engagement der EU, anfangs ohne die USA (1991–1999, Balkankriege), ging es bereits furchtbar schief, und danach ist es nicht besser geworden: uneinig in globalen Fragen, mit falschen Entscheidungen (Afrika, Iran, Nord Stream, sogar nach der ersten Invasion der Ukraine im Jahr 2014) oder mit eklatanter Misswirtschaft (Euro, absurde Umwelt- und Klimaziele).

Und warum beschäftigt sich zum Beispiel der Europarat nicht mit Erasmus und Horizon für alle europäischen Länder, wie es zuvor der Fall war? Die EU räumt sich immer mehr Befugnisse ein, oft gegen die europäischen Verträge (der Gerichtshof der Europäischen Union winkt dies zu oft durch).

Immigration, Zuwanderung und die Verfassung

Das beabsichtigte neue institutionelle Abkommen ist nicht nur schlecht durchdacht, sondern verstösst zudem gegen die Verfassung:

Art. 121a Abs. 1: Die Schweiz steuert die Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern eigenständig.

Art. 121 a (2): Die Zahl der Bewilligungen für den Aufenthalt von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz wird durch jährliche Höchstzahlen und Kontingente begrenzt. Der Anspruch auf dauerhaften Aufenthalt, auf Familiennachzug und auf Sozialleistungen kann beschränkt werden.

Art. 121 a (4): Es dürfen keine völkerrechtlichen Verträge abgeschlossen werden, die gegen diesen Artikel verstossen.

Das Abkommen mit der Europäischen Union, einer internationalen Organisation, ignoriert auch hier die Verfassung auf eklatante Weise.

Die Schweizer Einwanderungspolitik wird aufgehoben, denn jeder EU-Bürger erhält nach fünf Jahren eine permanente Aufenthaltsgenehmigung, einschliesslich des Familiennachzugs und der Sozialleistungen. Selbst das EU-Mitglied Dänemark hat bei der gescheiterten EU-Einwanderungspolitik eine Opt-out-Klausel gefördert, die Schweiz jedoch nicht.

Das Abkommen ignoriert, dass Millionen von Migranten/Flüchtlingen in EU-ländern, nicht nur in Deutschland,sehr einfach einen Pass erhalten haben und somit auch Zugang zur Schweiz haben. Spanien vergibt beispielsweise 500.000 Illegalen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, ohne weitere Prüfungen.

Die Kantone und der Bund dürfen nach EU-Gesetzen auch vorbestrafte Kriminelle aus EU-Ländern nicht kontrollieren und eine Aufenthaltsbewilligung enthalten, um nach fünf Jahren eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Die vielen geschlossenen Restaurants, Hotels und anderen (Gastronomie-)Betriebe im Land bieten auch Kriminellen günstige Möglichkeiten, sich in der Schweiz als Unternehmer niederzulassen und damit den Status „Erwerbstätig“ sowie Arbeitsverträge für Familienangehörige, Freunde und andere Clanmitglieder ohne weitere Überprüfung zu erhalten. Wer ist in Sachen Einwanderung souverän: Brüssel oder die Kantone und die Regierung?

Die Voraussetzung eines „Arbeitsvertrags“ ist nichtssagend, da Familien-, Freundes- und Clanstrukturen problemlos einen Job bei den vielen (obskuren) Unternehmen verschaffen. Die Loyalität liegt oft nicht beim Land und seiner Regierung, sondern bei Familie, Freunden und Clans. In Diktaturen ist es eine Überlebensstrategie: „Wenn du nicht vom Staat stiehlst, stiehlst du von der Familie.“ Das war im Kommunismus so und ist in vielen heutigen Auswanderungsländern noch immer der Fall.

In den Niederlanden, zum Beispiel, ist Betrug mit Kindergeld und anderen Sozialleistungen an der Tagesordnung, weil 1) die Situation in den Herkunftsländern kaum zu kontrollieren ist und 2) der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Kontrolle pro Land verboten hat, weil dies „ethnisches Profiling“ wäre.

Es ist zudem nicht an den Schweizer Behörden oder Richtern, sondern am Gerichtshof der Europäischen Union zu entscheiden, was ein Arbeitsvertrag ist. Und dieses Gericht ist sehr flexibel, ganz zu schweigen vom ebenfalls grosszügigen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg.

Ein automatisches Aufenthaltsrecht nach fünf Jahren wird eine grosse, dauerhafte „Zuwanderung“ zur Folge haben. Und das sind nicht die traditionellen Expats, die nie ihre Eltern und andere Familienmitglieder nachholen und meist nach ein paar Jahren wieder abreisen.

Die grosse Zahl nicht registrierter Einwanderer, die von Freunden, Verwandten und Clans aufgenommen werden, gibt ebenfalls zunehmend Anlass zur Sorge. Auch die Schweiz kann nicht die ganze Welt retten, aber sie kann ihr eigenes Sozial-, Bildungs- und Gesellschaftssystem untergraben.

 Schlussfolgerung

Wenn heute eine neue Nation entsteht, denkt man nicht mehr daran, eine Monarchie zu gründen (abgesehen von einem Schweizer Exzentriker). Genauso wenig muss die Schweiz im 21. Jahrhundert dieser EU noch beitreten (was faktisch und konstitutionell durch den neuen institutionellen Vertrag der Fall ist).

Die der EU übertragenen legislativen, exekutiven und judikativen Befugnisse (wie im geplanten neuen Vertrag vorgesehen) bedeuten nicht das Ende eines Prozesses. Im Gegenteil, sie sind erst der Anfang. Die EU eignet sich immer mehr Befugnisse an und stellt einigen Ländern immer höhere finanzielle Anforderungen.

Die Niederlande und die anderen fünf Gründungsmitglieder sind nach dem Trauma der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts selbstverständlich der EU beigetreten. Und heute in einer schlechten und zerstrittenen politischen, demokratischen, monetären, gesellschaftlichen und sozialen Lage und dies hat auch mit der EU zu tun. Die derzeitige EU stellt eine akute Bedrohung für Demokratie, Föderalismus, Subsidiarität, nationale Institutionen sowie das Vertrauen der Bürger in das politische System dar.

Der neue Migrationspakt der EU wird auch kaum etwas an der Steuerung der Einwanderung ändern. Die Tageszeitung (am 23. Mai) behauptet ausserdem: „Die Zahl der Grenzgänger wird stark steigen bei einem ‚Ja‘ zur Initiative“, also kein Fachkräftemangel, sie kommen in jedem Fall!

Abschottung der reislustigen, kosmopolitischen, exportorientierten Schweiz (Neue Zürcher Zeitung, 23. Mai) sieht anders aus. Es zeigt jedoch Demagogie, Empfindlichkeit und Angst vor der EU auf höchster politischer und hochgelehrter Ebene. Konsequenzen gibt es in jedem Fall, mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘, aber auf lange Sicht ernsthafter mit einer institutionellen Angliederung an die EU und einer nicht gesteuerten Zuwanderung.

Die Bürger fühlen sich nicht auf europäischer Ebene vertreten und sind es objektiv gesehen auch nicht. Die kulturellen, historischen, ökonomischen, fiskalen, politischen, linguistischen und sozialen Voraussetzungen fehlen einfach.

Was heisst eigentlich, „Zämme in Europa“? Viele EU-Mitglieder halten sich (zu) wenig an die europäischen Verträge, ganz zu schweigen von weit verbreiteter Vetternwirtschaft, Korruption, Staatsverschuldung, dem Euro oder staatlichen Beihilfen. Spanien hat beispielsweise kürzlich 10 Milliarden Euro aus dem „Corona-Fonds“ geklaut, um die Renten zu finanzieren, Frankreich senkt das Rentenalter wieder auf 62 Jahre (finanziert durch die Europäische Zentralbank).

Die Politik und die Bürgerinnen und Bürger in den Niederlanden haben nichts mehr zu sagen über den französischen-italienischen Euro, Zuwanderung, Klima, Fischerei oder Landwirtschaft. fast alle relevanten Lebensbereiche werden heute ‚alternativlos‘ auf europäischer Ebene von Kommissarinnen und Kommissaren sowie dem Europäischen Parlament entschieden, das weder demokratisch noch transparent noch repräsentativ und ohnehin ziemlich korrupt ist.

Möge jedoch zumindest noch eine Enklave und Oase in Europa bestehen bleiben, sei es nur als relativ demokratisches, innovatives, unternehmerisches, wissenschaftliches, inspirierendes und einzigartiges Vorbild. Das ist zwar nicht der einfachste Weg, aber auf lange Sicht zahlt es sich aus. To be or not to be, that is the question.

Frédérique Constant und niederländische Horlogerie in Genf

Am Dienstag, dem 14. April 2026, organisierte die Stiftung „Haegsche Tijd“ in Den Haag eine Veranstaltung anlässlich des Geburtstags von Christiaan Huygens (1629–1695), dem Erfinder der Spiralfeder.

Diese Stiftung feiert nicht nur jährlich seinen Geburtstag, sondern bereitet anlässlich des 400. Geburtstags von Christiaan Huygens im Jahr 2029 eine grosse internationale Veranstaltung vor, unter anderem in Zusammenarbeit mit niederländischen Uhrmachern, der Schweizer Uhrenindustrie und Museen.

Kairos und Chronos

Das Logo der Stiftung Haegsche Tijd zeigt die Symbole von Kairos, dem griechischen Gott des richtigen Augenblicks, des Erlebens und der Erfahrung, und von Chronos, dem griechischen Gott der exakten Zeitmessung. Chronos steht für die Zeitmessung im Hinblick auf das Funktionieren der Wirtschaft, das geordnete Funktionieren des privaten und öffentlichen Lebens und vor allem für das Vergängliche, das Sterbliche.

Aus diesen Gründen sind seine Symbole die Sanduhr und die Sense. Kairos hingegen ist der Schutzpatron der Gefühle, der Schönheit und der subjektiven Wahrnehmung des Augenblicks.

Von links nach rechts: Joost Albers (Vorsitzender der Stiftung Haegsche Tijd), Botschafterin Karin Mössenlechner im Namen der niederländischen Botschaft, Niels Eggerding (CEO von Frédérique Constant)

Übergabe des Buches „Huygens and Hofwijck“ (Kees van der Leer und Henk Boers, 2022) durch Ben Droste (Mitglied des Beirats der Stiftung Haegsche Tijd) an Niels Eggerding

Die Uhrenindustrie in der Schweiz und den Niederlanden

Die Verbindung und das Gleichgewicht zwischen Chronos und Kairos kommen in der Schweizer Uhrenindustrie eindrucksvoll zum Ausdruck – in der Kreativität, den ästhetischen Qualitäten, der exakten Zeitmessung und der Vielfalt der Anwendungen im Alltag, in der Freizeit, im Beruf und in der Industrie. Aber auch niederländische Uhrmacher sind auf europäischer und globaler Ebene präsent! Eine Delegation der Stiftung „Haegsche Tijd“ hat am 3. Mai dieses Jahres den ursprünglich niederländischen Uhrmacher Frédérique Constant besucht.

Uhrenmanufaktur Frédérique Constant

Wer hätte gedacht, dass dieser in Genf ansässige Uhrenhersteller von niederländischen Unternehmern und leidenschaftlichen Uhrenliebhabern gegründet wurde? Im Jahr 1988 wagten das Ehepaar Peter und Aletta Stas den Schritt und gründeten das Unternehmen Frédérique Constant. Den Namen entlehnten sie von gemeinsamen Familienmitgliedern.

Als Newcomern gelang es dem Unternehmen, sich innerhalb weniger Jahre einen festen Platz in der weltweiten Uhrenbranche zu sichern. Nicht ohne Grund befindet sich der Hauptsitz nur einen Steinwurf entfernt von den Büros traditioneller Uhrenmarken wie Rolex, Piaget und Patek Philippe in Plan-les-Ouates (Kanton Genf).

Da Peter und Aletta nicht von ihrer Vision abweichen wollten, übernahmen sie 2002 den Uhrenhersteller Alpina, der 1883 gegründet wurde und auf eine lange Geschichte im Bereich Sport- und Lifestyle-Uhren zurückblickt. Alpina konzentriert sich unter anderem auf Uhren für den Einsatz im Segelsport, Tiefseetauchen, in der Luftfahrt und im Autorennsport.

Frédérique Constant konzentriert sich nach wie vor auf klassische Modelle, wobei Designs aus den 1930er- bis 1950er-Jahren meist als Inspirationsquelle dienen.

Die Innovation und Expansion führten 2008 sogar zur Eröffnung des Ateliers deMonaco in Monaco. Der niederländische Uhrmacher Pim Koeslag war jahrelang der kreative Kopf des Unternehmens und liess sich anschliessend in Naarden als selbstständiger Uhrmacher nieder.

Der Ruf der „Hollands Glorie“ in der Schweiz erreichte 2016 auch den japanischen Uhrenmultikonzern Citizen, der das Unternehmen übernahm. Die Gründer übergaben die Leitung daraufhin 2018 an Niels Eggerding.

Handwerk, Entwicklung und Produktion

Das Museum und die Produktionsstätte im Hauptsitz vermitteln einen Eindruck von fast vierzig Jahren Innovation, Handwerk und Produktion. Unter dem Motto „Immersion au cœur de la création horlogère“ führt diese „Manufacture Experience“ die Besucher Schritt für Schritt durch den Entwurfs- und Produktionsprozess einer Uhr.

Christiaan Huygens kann in drei Jahren getrost seinem 400. Geburtstag in den Niederlanden und der Schweiz entgegensehen.

(Quelle und weitere Informationen: Frédérique Constant Watches)

Aletta and Peter Stas, Building a Watch Manufacturer. Frédérique Constant, Alpina, deMonaco, Pennsylvania, 2014)

Castrum Rauracense, Augusta Raurica und die Grenzbefestigung

Es ist heute kaum vorstellbar, aber die Dörfer Augst (Kanton Basel-Landschaft) und Kaiseraugst (Kanton Aargau) bildeten in römischer Zeit das grösste Konglomerat auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.

Augst heute

Die beiden anderen grossen Städte dieser Zeit waren Aventicum (Avenches) und Colonia Iulia Equestris (Nyon) im heutigen Kanton Waadt.

Augst und Kaiseraugst bildeten die römische Colonia Augusta Raurica, benannt nach dem keltischen Stamm der Rauraken und Kaiser Augustus. Im Basler Rathaus steht eine Statue des Gründers Lucius Munatius Plancus (87-15 v. Chr.).

Lucius Munatius Plancus, der Gründer von Augusta Raurica (aber nicht von Basel!)

Augusta Raurica lag am Rhein und war im dritten Jahrhundert eine wichtige Stadt an der Grenze (Limes) zu den germanischen Stämmen. Um 300 n. Chr. bauten die Römer aus diesem Grund die grösste Festung der Schweiz: das Castrum Rauracense. Das Kastell gilt als wichtiges Erbe aus spätrömischer Zeit.

 Plan der spätrömischen Grenzbefestigung entlang des Rheins. Abschnitt von Kembs bis Konstanz  Kartengrundlage: K606-01, © 2004 Swisstopo

Seine Abmessungen betragen 292 mal 155 Meter. Die Grösse weist auch auf die Bedeutung dieser Grenzstadt in der Verteidigungslinie hin. Wahrscheinlich hatte das Kastell auch eine administrative Funktion. Auf jeden Fall zeigt das nahe gelegene Museum Augusta Raurica das tägliche (reiche) römische Leben. Das Museum beherbergt unter anderem den Kaiseraugst-Silberschatz.

Auf der anderen Seite des Rheins stand damals ein kleineres Kastell, dessen Überreste heute ebenfalls zu sehen sind. Von der Burg in Kaiseraugst sind noch einige Mauern erhalten. Sie vermitteln einen Eindruck von der Grösse der Anlage. Den Archäologen ist es auch gelungen, eine Rekonstruktion zu erstellen.

Nach mehr als 1700 Jahren sind die Mauern jedoch stark sanierungsbedürftig, um Schäden durch Frost, Niederschlag und Wind zu beheben. Einer der ältesten Bischofssitze der Schweiz befindet sich ebenfalls in Kaiseraugst am Rheinufer. Auch diese Stätte ist zugänglich.

Das Bürkli bei Möhlin-Riburg

Im 4. Jahrhundert n. Chr. stand vermutlich auf dem Bürkli ein Wachtturm der spätrömischen Grenzbefestigung (Limes), und im Frühmittelalter bestand hier eine grosse Wehranlage.

Das Bürkli, Rekonstruktion der frühmittelalterlichen Burgenanlage mit Vorwerk, Vorburg und Kernburg. Bild: Kantonsarchäologie Aargau, René Kindlimann

Das Bürkli bei Möhlin-Riburg nimmt eine steilwandige Schotterterrasse  zwischen Rhein und Möhlinerbach ein. Der spätrömische Limes entlang des Rheins von Kembs im Elsass bis Konstanz am Bodensee wurde durch Kastelle und Wachttürme gesichert. Im Hinterland bewachten Kastelle wichtige Verkehrsknotenpunkte und Pässe.

Der Bischof von Augusta Raurica

Die St.-Gallus-Kirche, 5. Jahrhundert

Korrektorin: Petra Ehrismann

Augusta Raurica im 3. Jahrhundert. Bild: Museum Augusta Raurica

Die Westpforte heute und damals

Bilder: Museum Augusta Raurica

Die Burgunderkriege und hochgelehrter Schweizer Anachronismus

Ob zufällig oder nicht – fest steht, dass die Wiedereröffnung des renovierten Schlosses Grandson (Kanton Waadt) und seines Museums am 1. April  sowie die Ausstellung „Murten ausgeschlachtet“ im Historischen Museum Bern mit einem symbolträchtigen Datum zusammenfallen. Das Jahr 2026 markiert nämlich den 550. Jahrestag der Schlachten von Grandson (2. März 1476) und Murten (22. Juni 1476).

Der burgundische Machtbereich um 1474. Bild: Wikipedia

Das antiburgundische Bündnis versus der Herzog von Burgund 

Die Kriegsparteien waren auf der einen Seite der Herzog von Burgund und seine Verbündeten, insbesondere Savoyen, und auf der anderen Seite die acht Orte der Eidgenossenschaft, die freien Reichsstädte Basel und Strassburg (die ebenfalls Bistümer waren), Colmar, Sélestat und Mülhausen, der Herzog Sigismund von Österreich mit seinen Vorlanden, der Herzog von Lothringen sowie – in einem damals bereits geschwächten Zustand – das Königreich Frankreich (1335-1453), das gerade erst aus dem Hundertjährigen Krieg hervorgegangen war.

Herzogtum Burgund bis 1476. Bild: Bernisches Historisches Museum

Sowohl das Museum im Château de Grandson, das Musée d’Yverdon et région, das Musée Saint-Imier als auch das Bernische Historische Museum beleuchten diese Konfliktperiode von 1474 bis 1477, die mit dem antiburgundischen Bündnis verbunden ist. Anfang Juni wird der Swiss Spectator einen ausführlichen Artikel über diese für die europäische und schweizerische Geschichte zentrale Epoche veröffentlichen. Dabei werden auch die ersten Eroberungen Berns und Freiburgs im Jahr 1475 thematisiert.

Das geteilte Herzogtum Burgund nach 1477. Bild: Bernisches Historisches Museum

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ging militärisch siegreich aus diesem Konflikt hervor, nicht zuletzt dank der Unterstützung ihrer Verbündeten. Dennoch waren es Frankreich und Österreich, die sich die territorialen Gewinne aneigneten. Die Eidgenossenschaft bestätigte jedoch ihr militärisches, politisches und diplomatisches Prestige, nachdem sie die Habsburger bereits mehrfach besiegt hatte.

Die Eidgenossenschaft der acht Orte erweiterte sich 1481 (Stanser Verkommnis) auf zehn souveräne Orte und schliesslich 1513 – nach dem Schwabenkrieg und dem Frieden von Basel (1499) – auf dreizehn Orte.

Auch wenn Akademikerinnen und Akademiker ganze Bücher und Fachzeitschriften füllen, um die angebliche Fake News von 1291 und den Mythos mittelalterlicher Wurzeln der heutigen Schweizerischen Eidgenossenschaft anzuprangern, können selbst sie nicht leugnen, dass die bäuerlichen Dörfer der Innerschweiz (bereits im 13. Jahrhundert von den Kaisern des Heiligen Römischen Reiches als reichsunmittelbar anerkannt, ein Unikum in Europa!) letztlich zur Eidgenossenschaft von 1848 geführt haben.

Wappen der Herzöge von Burgund, Scheiblersches Wappenbuch, Süddeutschland um 1450. Sammlung: München, Bayerische Staatsbibliothek, Cod. Icon. 312c

Es ist nicht entscheidend, ob Wilhelm Tell tatsächlich existiert hat oder nicht, ebenso wenig wie die Frage, ob die Orte oder Kantone vor 1798 bereits die heutige Eidgenossenschaft im Blick hatten. Die Niederlande haben ihre legendären Bataver, Frankreich seine Gallier und Marianne, Italien Romulus und Remus und Griechenland beispielsweise die Göttin Athena.

Auch der Hinweis, dass „es anders hätte kommen können“, ist aus historischer Sicht nicht relevant. Was zählt, sind die Fakten: Die formelle Anerkennung als unabhängige Eidgenossenschaft souveräner Kantone im Jahr 1648, ihre internationale Anerkennung 1815 sowie ihre heutige verfassungsmässige Form seit 1848.

Louis Braun (1836-1916), Ausschnitt aus dem Panorama (1894), Die Schlacht bei  Murten.

Akademiker und andere hochgebildete Personen, die von „Neidgenossen“ statt von „Eidgenossen“ sprechen und diese Gründungsgeschichte (sowie deren wirtschaftliche, demokratische, monetäre und wissenschaftliche Leistungen sowie deren jahrhundertealten europäischen und globalen Netzwerke) systematisch kleinreden, leugnen, relativieren oder herabwürdigen, leben zu sehr in ihren Schreibstuben und in ihrer Ideologie gefangen.

Keine Neidgenossen, sondern Eidgenossen. Sammlung: Musée d’Yverdon et région

Auch in den Niederlanden waren die souveränen Provinzen bis 1795 nichts anderes als „Neidgenossen“. Dennoch kommt dort kein Akademiker auf die Idee, darüber ganze Bücher und Artikel zu verfassen.

Diebold Schilling der Jüngere (1460–1515), Luzerner Bilderchronik, 1513, Schlacht bei Grandson. Faksimile, Bernisches Historisches Museum, Bibliothek

Ebenso wird die Entstehung des heutigen Königreichs nicht ausschliesslich auf die Jahre 1806–1810, 1813 und 1815 (Wiener Kongress) datiert, sondern vor allem auf die Utrechter Union (1579) und die Acte van Verlatinghe (1581), also auf den Bruch mit dem habsburgischen Spanien, und die Anerkennung im Jahr 1648. Auch andere Länder kannten bis zur Nationsbildung im 19. Jahrhundert lediglich „Neidgenossen“, etwa Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Frankreich, das Vereinigte Königreich und viele weitere.

Fazit

Die aktuellen Ausstellungen in Bern und Murten fügen sich gut in das heutige Klima der  Nuancierung und kritischen Reflexion über die alte Eidgenossenschaft ein. Zwar haben Historiker bis weit ins 20. Jahrhundert hinein einseitige (nationalistische) Darstellungen geliefert, doch nähern sich heutige Historiker dieser Epoche mitunter etwas zu anachronistisch und politisch geprägt – was jedoch nicht das Ziel der Geschichtswissenschaft sein sollte.

Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Elgg und die Republik der Vereinigten Niederlande

Elgg (Kanton Zürich) ist ein geschichtsträchtiger Ort am Oberlauf der Eulach. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 760 unter dem Namen Ailaghoga. Die 719 gegründete Abtei St. Gallen erwarb bereits 760 den Ort und das umliegende Gebiet.

Elgg

 Die Herren von Elgg standen dann während Jahrhunderten im Dienste der Abtei. Im Jahr 1289 gab der Abt von St. Gallen die Stadt zu Lehen an Habsburg. Im Jahr 1371 erhielt Elgg die Stadtrechte und eine eigene Gerichtsbarkeit. Ab 1452 gehörte der Ort zum Kanton Zürich. Bis 1798 behielt die Stadt ihre eigene Gerichtsbarkeit und politische Autonomie mit einem Grossen und einem Kleinen Rat.

 Die Stadt war auch stolze Trägerin des Juliusbanners. Dieses Banner besteht aus zwei Tüchern mit Text, einem Schwert und einem Hut, die beide vom Papst Julius II. (1443-1513)  gesegnet waren.

De Juliusbanner van kanton Zug, 1521 Collectie: British Museum Inv. No. 1912,0709.1

Dieser kriegerische Papst überreichte das Banner 1512 an 42 Schweizer Kantone, Zugewandte Orte und lokale Herrscher als Dank für ihre militärische Unterstützung im Krieg gegen Frankreich in Norditalien 1508–1510. Auch Elgg hatte für den Papst gekämpft. Zwanzig Jahre später nahm die Stadt den protestantischen Glauben an.

Sammlung: Landesmuseum Zürich

 Wie an vielen Orten in der Schweiz gibt es auch in Elgg eine niederländische Geschichte. Hans Felix Werdmüller (1658–1725) kaufte das Schloss im Jahr 1712. Dieser Zürcher war nicht irgendwer, sondern ein Generalmajor im Dienste der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen und Mitglied des Grossen Rates von Zürich. Nach seinem Tod verfügte er, dass das Schloss Elgg für immer in seiner Familie bleiben sollte, was bis heute der Fall ist.

Johann Caspar Ulinger (1703–1768), 1741,  Schloss Elgg

 Der Einmarsch der Franzosen im Jahr 1798 bedeutete das Ende der unabhängigen Gerichtsbarkeit von Elgg. In der Helvetischen Republik (1798-1803) war die Stadt Bezirkshauptort und in der neuen Eidgenossenschaft (1803-1813) eine Gemeinde im Bezirk Winterthur.

Die reformierte Kirche von Elgg

 Die abwechslungsreiche  und lange industrielle- und kommerzielle Geschichte spiegelt sich auch in den Fabrikgebäuden, Kaufmannshäusern, Restaurants und monumentalen Gebäuden wider. Uhren-, Schuh-, Stahl-, Metall-, Stein-, Glas- und Textilindustrie, Gasthäuser für Reisende und Umschlagplätze für Waren und andere Dienstleistungen prägten dieses Städtchen in den letzten Jahrhunderten.

 Der Anschluss an das Eisenbahnnetz (1855) und die Kanalisierung des Flusses Eulach (1914) schufen nach dem Verlust anderer Industrien jeweils neue Möglichkeiten. Die Stadt hat sich immer neu erfunden.

 Die Landschaft in dieser Grenzregion zum Kanton Thurgau braucht bisher keine neuen Möglichkeiten und Chancen. Sie ist von unveränderter Schönheit.  

(Quelle: Gemeinde Elgg)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Das Heimatmuseum

Aadorf, in der Nähe von Elgg

Das Dorf Weiach (Kanton Zürich)

Die Kirche (1706)

Altes Gemeindehaus

Pfarrscheune

Die Natur

Estavayer-le-Lac im Laufe der Geschichte

Estavayer-le-Lac entstand im 12. Jahrhundert als Residenz der Herren von Estavayer. Die Stadt liegt am Neuenburgersee, und auch dieser Ort war bereits in der Stein- und Bronzezeit besiedelt. Pfahlbaudörfer aus dem 9. Jahrhundert kamen hier ebenfalls zum Vorschein, nachdem der Wasserstand in den Jahren 1868–1891 gesenkt worden war.

Kelten aus der Hallstatt- und der Latène-Zeit haben hochwertige Eisenarbeiten hinterlassen. In der Römerzeit war es ein Hafenort namens Staviolum, bewohnt von den Helvetiern, und ein Handelsposten auf dem Weg nach Aventicum (Avenchues). Die Motte-Châtel war damals der bewohnte Teil.

La tour de Jaquemart (1443)

Nach dem Abzug der Römer gehörte der Ort zum Burgundischen Reich (436–554), zum Merowinger- und Karolingerreich (534–888) sowie zum Zweiten Burgundischen Reich (888–1032), wobei das nahegelegene Payerne als wichtiges Verwaltungs- und Religionszentrum fungierte.

Im Heiligen Römischen Reich waren nach 1032 die Herren von Estavayer und der Bischof von Lausanne die wichtigsten Machthaber in Estavayer. Weitere Anspruchsteller waren die Herren von Grandson und die Grafen von Neuchâtel.

Das Schloss Chenaux (1285)

Im Jahr 1156 taucht der Ort unter dem Namen Stavaiel und später Estavaier auf. Der deutschsprachige Name lautete „Stäffis am See“. Die Herren von Estavayer errichteten innerhalb der Stadtmauern drei Burgen (Motte-Châtel, Chenaux und Savoie), die ihr mittelalterliches Aussehen und ihre Bauweise teilweise oder weitgehend bis heute bewahrt haben.

Der Turm de Lombardie (1474) und der Turm de Savoyen (1316) des ehemaligen Schlosses Savoyen (rechts).

Ein bedeutendes Ereignis war die Annäherung an die Grafen von Savoyen im Jahr 1244. Von diesem Zeitpunkt an gehörte Estavayer zum savoyischen Waadtland. Isabelle de Chalon, Dame de Vaud und eine Nachfahrin der Savoyer, erwarb die Stadt zudem im Jahr 1349.

Das Dominikanerkloster (1316)

Die Stadt war ein Verwaltungszentrum im savoyischen Waadtland (Vertreter nahmen an den Versammlungen der États de Vaud in Moudon teil). Die Verbindung zu Savoyen hatte während der Burgunderkriege (1474–1477) erhebliche Auswirkungen. Bern und Freiburg eroberten und plünderten die Stadt im Jahr 1475 (Savoyen war ein Verbündeter des Herzogs von Burgund). Von diesem Zeitpunkt an wird die Stadt vom katholischen Kanton Freiburg verwaltet.

Der katholische Charakter ist daher noch immer allgegenwärtig. Das 1316 gegründete Dominikanerinnenkloster (le couvent de dominicaines) existiert noch immer, die Jesuiten sind jedoch im 19. Jahrhundert aus der Stadt verschwunden (verbannt worden). Die Stiftskirche (Collégiale) Saint-Laurent erstrahlt noch immer in voller Pracht und ist unter anderem die letzte Ruhestätte Humberts von Savoyen (1377-1433).

Collégiale Saint-Laurent

Eindrücke aus Estavayer-le-Lac 

Schloss Chenaux

Hôtel de Ville

Die Place de Moudon war Teil jener Castrum und des angrenzenden Viertels Motte-Châtel und das Maison de Tir (1547). Die Linde wurde im 16. Jahrhundert gepflanzt!

Maison des Sires (14. Jahrhundert) bei la Motte-Châtel 

Die Burg, das Kloster Saint-Jean-Baptiste und die Stadt Grandson

Die erste Erwähnung der Burg und der Seigneurie Grandson (Kanton Waadt) stammt aus dem Jahr 1100. Über die Stadt ist aus dieser Zeit nicht viel mehr bekannt, als dass 1146 ein Benediktinerkloster gegründet wurde, das mit seiner prächtigen romanischen Architektur, seinen Skulpturen und Fresken noch immer im Zentrum der Stadt steht. In einer späteren Zeit wurden gotische Umbauten vorgenommen.

Othon I. von Grandson (1238–1328) hat die Festung und die Macht der Seigneurie erheblich ausgebaut, unter anderem durch ein Bündnis mit Savoyen. Die Burg wurde anschliessend eine Zeit lang (1389–1420) vom Haus Savoyen verwaltet und ab 1420 vom Haus Chalon, einem Verbündeten Karls des Kühnen (1433–1477), Herzog von Burgund.

Die Baumaterialien für die neue Burg von Otto I. von Grandson. Bild: Château de Grandson

Das Netzwerk der Burgen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert. Zwischen 1230 und 1320 entstanden in der Waadt neue Burgen, die zur Verteidigung, zur Verwaltung und zur Machtdemonstration dienten und von den Bischöfen von Lausanne und Genf, dem Haus Savoyen und seinen Vasallen, den Herren von Cossonay-Prangins, der Grafschaft Gruyère und den Herren von Grandson genutzt wurden.Bild: Château de Grandson

Aus diesem Grund war die Burg Gegenstand des Kampfes zwischen Karl und den Eidgenossen sowie deren Verbündeten. Diese besiegten den Herzog am 2. März 1476 in der Schlacht von Grandson.

Von diesem Zeitpunkt an verwalteten Bern und Freiburg Grandson abwechselnd. Die Burg war bis 1798 Residenz der Vögte.

Anschliessend ging das Schloss 1803 in den Besitz des neuen Kantons Waadt über und befand sich danach noch im Eigentum mehrerer Privatbesitzer.

Privatbesitzer. Bild: Château de Grandson

Heute wird das Schloss von einer Stiftung verwaltet, die dort auch das Museum von Grandson beherbergt.

Das Kloster Saint-Jean-Baptiste

Die Kirche Saint-Jean-Baptiste des Klosters gehört zum Nationalerbe. Die Architektur zeigt die verschiedenen Bau- und Transformationsphasen, die im Laufe von neun Jahrhunderten Geschichte aufeinanderfolgten. Die romanische Struktur, die schönen Skulpturen und Fresken sind weitgehend erhalten geblieben.

1178 wurde das Benediktinerpriorat den Mönchen des Chaise-Dieu aus der Auvergne übergeben. Ein Glockenturm und eine Kuppel im romanischen Stil der Auvergne wurden errichtet.

Das Kloster wurde 1554 aufgelöst und die Kirche verlor ihre katholische Funktion. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Westfassade komplett umgebaut.

(Quelle und weitere Informationen: Commune de Grandson, Église médiévale de Grandson, Grandson, 2025;  Château-Grandson.ch).

Die Kirche Saint-Jean-Baptiste

Schloss Grandson

Die Stadt Grandson

Hôtel de Ville  und ehemaliges Kloster des Cordeliers (1289)

Yverdon-les-Bains – von Menhiren zum Kurort

Yverdon-les-Bains (Kanton Waadt) liegt am Schnittpunkt der Landstrassen, die von Ost nach West und von Nord nach Süd verlaufen, sowie der Wasserwege über den Neuenburgersee und die Zihl (Thielle).

Sammlung: Hautrive, Laténium

Collectie: Musée d’Yverdon et Région

Die Menhiren

Der grösste Menhir und das grösste Menhir-Ensemble der Schweiz befinden sich in dieser Region. Sie stammen aus dem vierten Jahrtausend v. Chr. Das Ensemble besteht aus 45 Menhiren. Zudem wurden Pfahlbaudörfer entdeckt, die bis in diese Zeit und bis zum Beginn des ersten Jahrtausends zurückreichen. Die ältesten stammen aus dem Jahr 3860 v. Chr. (Jungneolithikum), die jüngsten gehen auf den Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. (späte Bronzezeit) zurück.

Sammlung: Musée d’Yverdon et Région

Die Pfahlbaudörfer

Die Pfahlbaudörfer befinden sich in der Baie de Clendy. Sie gehören zu den 56 Pfahlbaudörfer-Fundstätten in der Schweiz, die auf der UNESCO-Welterbeliste stehen. Aus den ersten Jahrhunderten v. Chr. sind ein etwa 4 Hektar grosses Oppidum und ein Murus Gallicus nachgewiesen. In der Römerzeit entstand an beiden Ufern der Zihl der Vicus Eburodunum. Im Jahr 1912 wurden römische Thermen ausgegraben.

Die Römer und Burgunder

Dies deutet darauf hin, dass Les Bains seinen Namen und seine Bekanntheit bereits in der Römerzeit erlangte. Im unruhigen vierten Jahrhundert, in dem u. a. eine Plünderung von Aventicum (dem heutigen Avenches) stattfand, wurde in Eburodunum aufgrund der strategischen Lage ein Castrum errichtet.

Sammlung: Musée d’Yverdon et Région

Aufgrund der Christianisierung im 5. Jahrhundert stand an dieser Stelle auch die erste Kirche.

Savoyen und Bern

Auf die Römer folgte die Herrschaft des ersten burgundischen Königreichs und danach die des Bischofs von Lausanne. Die Herrschaft Savoyens begann um 1250, nach einer Ära lokaler Herrscher. Die Burg, ein typisches savoyisches Bauwerk, entstand um 1260.

Die Berner salle d’Audience und  ‚Nebenstuben‘, um 1586

Während der Burgunderkriege zerstörten Freiburg und Bern die Stadt im Jahr 1476. Nach einer erneuten Zeit unter savoyischer Herrschaft eroberte Bern die Stadt 1536 und verwaltete sie bis 1798.

Rathaus (1760)

Sammlung: Musée d’Yverdon et Région

Das Rathaus (1760) stammt aus dieser Zeit. Der Berner Vogt hatte seinen Sitz im Schloss. Yverdone führte 1536 auf Zwang von Bern die Reformation durch, was erhebliche Folgen für die Notre-Dame hatte, die teilweise abgerissen und neu eingerichtet wurde.

Die Notre-Dame d’Yverdons-les-Bains

Ein Kurort im Kanton Waadt

Europäische Bekanntheit als Kurort erlangte die Stadt im neuen Kanton Vaud in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918).

Sammlung: Musée d’Yverdon et Région

(Quelle und weitere Informationen: Musée d’Yverdon et Région; Commune d’Yverdon-les-Bains)