Die Züge und Tunnel in der Schweiz

Die Schweiz ist für ihre visionäre Politik im Bereich des öffentlichen Verkehrs und des Umweltschutzes bekannt (zum Beispiel der Gütertransport per Bahn durch ein weitreichendes Tunnelsystem, das auch den europäischen Kontinent klimafreundlich verbindet – und das ohne Subventionen der Europäischen Union (EU) selbst in den unwirtlichsten Regionen).

Der Bohrkopf des Gotthard-Basistunnels. Verkehrshaus der Schweiz, Luzern

Es ist bedauerlich, dass das Referendum von 1994 (die Alpeninitiative) zum Teil aufgrund des Eingreifens der EU nicht vollständig umgesetzt werden konnte. Darüber hinaus halten die EU, Deutschland und Italien trotz Milliarden an europäischen Subventionen ihre vertraglichen Verpflichtungen zum Bau von Bahnverbindungen mit der Schweiz nicht ein oder sind damit stark im Verzug.

So weigert sich Deutschland auch, um die Interessen des Hamburger Hafens zu schützen, die Verbindung zur niederländischen Betuwelijn herzustellen. Was bedeutet dann „Zämme in Europa“ (Verfassung des Kantons Basel-Stadt)? Und das ist nur ein Beispiel für die europäische Disunion.

Die Rhätische Bahn fährt (fast) immer

Doch Zugreisen sind auch ein komfortables Vergnügen für Geschäftsreisende oder Touristen. Zu den berühmten Strecken zählen unter anderem der Glacier-Express, die Pilatusbahn, die Rigibahn, die Gornergratbahn, der Jungfrau-Express, die Matterhorn-Gotthard-Bahn und die Berninabahn.

Auch weniger bekannte Strecken lohnen sich, zum Beispiel die Aigle-Leysin-Line, von Montreux nach Zweisimmen mit der GoldenPass-Line oder weiter nach Lenk im Simmental, von Montreux nach Interlaken mit dem GoldenPass-Express, von Montreux zu den Rochers-de-Naye oder von Montreux nach Lausanne und Genf durch das Lavaux.

 

Von Montreux nach Zweisimmen

Dieser Zug mit seiner Belle-Époque-Ausstattung fährt unter anderem durch Montbovon, Rossinière, Château d’Oex, Rougemont, Saanen und Gstaad und bietet dabei herrliche Landschaften und Panoramen bis nach Zweisimmen.

Von Montreux zu den Rochers-de-Naye

Diese Reise führt den Fahrgast auf über 2’000 Metern Höhe zu den Rochers-de-Naye mit einem grossartigen Ausblick auf den Genfersee, die Grand Hotels und die Alpenlandschaft.

 

Der regionale Naturpark Gruyère Pays-d’enhaut

 

 

Von Montreux nach Lausanne oder Genf durch das Lavaux

Das Lavaux ist die berühmteste Weinregion des Landes und steht sogar auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste. Eine Reise lohnt sich zu jeder Jahreszeit, besonders im Frühling und Herbst, wenn die Weinberge, Städte und malerischen Dörfer eine farbenfrohe Kulisse bieten.

Lavaux

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Ftan, die Contredanse française und das Hochalpine Institut

Auf einer Sonnenterrasse im Unterengadin befindet sich das Dorf Ftan, oder eigentlich zwei Ftans: Ftan Pitschen (das kleine Ftan) und Ftan Grond (das grosse Ftan).

Sein Territorium erstreckt sich weit hinein ins Silvrettagebiet, bis an die Grenze zum österreichischen Paznaun, mit dem Futschölpass und dem 3230 Meter hohen Augstenberg, auch Piz Blaisch Lunga genannt.

Die seit langer Zeit grosse Bedeutung des Futschölpasses verifizierte sich, als Archäologen Spuren prähistorischer Menschen fanden, deren älteste rund 10’500 Jahre alt sind. Die Römerzeit ist auch durch Funde nachgewiesen, die zudem eine sehr frühe alpwirtschaftliche Nutzung belegen.

Der mittelalterliche Kern dieser Geschichten findet sich in den jahrhundertealten Streitigkeiten mit der Nachbargemeinde Ardez um Wiesen und Weiden sowie den Zugang zum Futschölpass, der für die Sommerung und den Alpabzug den besten Weg darstellte.

Im Mittelalter lag das Unterengadin im Spannungsfeld zwischen den Grafen von Tirol, den Habsburgern, dem Bistum Chur und den Klöstern Marienberg (Südtirol) und Müstair. 1652 kaufte sich das Tal frei.

Das einzige Haus, das von allen Kriegen, Bränden und Lawinen verschont blieb, ist das Haus Florineth Nr. 97; seine Bausubstanz stammt aus dem Jahr 1582.

Ftan wurde oft von Lawinen (1682, 1720 und aktuellen Bedrohungen), Bränden (1723, 1784 und 1885) und Kriegen (1499, Engadiner oder Schwabenkrieg, 1622, Bündner Wirren 1619-1639) heimgesucht.

Einige Ftaner wandten sich einer militärischen Laufbahn zu und erwarben in französischen oder holländischen Diensten Wohlstand. Jon Peider Schmid de Grüneg diente im Bündner Regiment der Salis dem französischen König und erreichte den Rang eines Oberstleutnants.

Sein Cousin Martin Peider Padrotsch Schmid von Grüneg diente auch in diesem Regiment und schrieb die ‘Contredanses françaises’. So gelangte die ‚Haute Culture‘ ins Engadin. Augustin de Saint-Aubin (1736-1807), gravure 1774, La contredanse française. Tänze waren ein wichtiger Teil der Erziehungskultur der aristokratischen Gesellschaft. Die wichtigsten Gesellschaftstänze des französischen Hofes und des reichen Bürgertums waren im späten 18. Jahrhundert: die Contredanse und das Menuett. (Quelle: Erika Schneiter, ‘Contredanses statt Orden: die „Contredanses françaises“ des Martin Peider Padrotsch Schmid von Grüneg zu Ftan’, in Bündner Monatsblatt, Heft 5, 1992)

Andere Ftaner wandten sich dem Cafétier- oder Zuckerbäckerberuf zu und gründeten oder erwarben Geschäfte in Italien,in Nord- und Osteuropa, so etwa in Berlin, Kopenhagen, Danzig, Königsberg, Breslau, Moskau oder St. Petersburg

Die Rhätische Bahn eröffnete 1913 eine Station. Die Inbetriebnahme der Sesselbahn und des Skilifts im Winter 1970 führte zu einem weiteren Aufschwung des Wintertourismus. Das hintere Val Tasna mit den Alpweiden ist ausserdem ein Wander- und Sommerferienparadies. Die Mehrheit der zwölf Ftaner Seen liegt über der Waldgrenze. Sie sind aus den eiszeitlichen Gletschern in der Umgebung entstanden. Der bekannteste ist Lai da Minschun. Ein Wanderweg endet an der Bergstation Motta Naluns.

Die Fundation Muglin da Ftan erhält die kulturhistorisch bedeutende Mühle aus dem 17. Jahrhundert.

Nach dem Tuileriensturm in Paris kehrte im Herbst 1792 Pfarrer Andrea Rosius à Porta (1754–1838) in sein Heimatdorf Ftan zurück, wo er die Eröffnung einer Schule vorbereitete. Am 1. Oktober 1793 konnte er sein Institut à Porta eröffnen. Er bereicherte den Unterricht durch ein eigenes romanisches Lehrmittel «Il magister amiaivel». Aufgrund der Konkurrenz durch die Volksschulen musste das Institut im Jahr 1869 schliessen. Doch ein halbes Jahrhundert später öffnete erneut ein Institut seine Tore. Das Hochalpine Institut Ftan hat sich auf die Talentförderung spezialisiert. Im Jubiläumsjahr 1993 wurde auch das Internat eingerichtet und der Name in «Hochalpines Institut / Institut otalpin Ftan» umbenannt.

 (Quelle und weitere Informationen: P. E. Grimm, J. Wirth, Ftan, Scuol, 2016)

Aigle das erste französischsprachige reformierte Territorium

Aigle ist das erste französischsprachige reformierte Territorium der deutschsprachigen Eidgenossenschaft (nur das katholische Freiburg war auch Fribourg).

Aigle erschien erstmals um 1140 in einem Dokument. Dieses Dokument bezieht sich auf das von der Abtei d’Agaune (St. Maurice) gegründete Priorat St. Maurice von Aigle.

Das Kloster gibt es seit der Reformation in Aigle (1526-1528) nicht mehr. Die damalige Klosterkapelle wurde 1528 zur Pfarrkirche. Die erste Kirche wurde im 6. Jahrhundert während der (ersten) Burgunderzeit errichtet.

Die romanische Kirche stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Am Ende des 15. Jahrhundert wurden das Gewölbe und der Chor in gotischem Stil renoviert. Diese damalige Klosterkirche ist, mit ihrem Gemisch von romanischem und gotischem Stil, ein Monument unter dem Schutz der Eidgenossenschaft.

Aigle wurde 1475 zum ersten französischsprachigen Territorium der deutschsprechenden Eidgenossenschaft durch den Beschluss von Freiburg zur Übergabe von Aigle an die Republik Bern.

Die Kirche St. Jacques, heute die Deutsche Evangelische Kirche

Die aus den Landschaften Aigle, Ollon, Bex und Les Ormonts bestehende Herrschaft Aigle war auch die erste Bastion der Reformation in der französischsprachigen Schweiz! Der Reformator Guillaume Farel (1489-1565) predigte am 30. November 1526 in der Kirche St. Jacques das erste Mal in der französischsprachigen Schweiz.

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Aigle ist also nicht nur der erste französischsprachige Ort der deutschsprachigen Eidgenossenschaft, sondern auch der erste reformierte Ort in der französischsprachigen Schweiz, und nicht Neuchâtel (1530), Lausanne (1536) oder Genève (1536)!

 

Die Magie des Murten Licht-Festivals

Von der Altstadt bis ans Seeufer verwandeln immersive und interaktive Werke Murten (vom 21. Januar bis 1. Februar 2026) in eine offene Bühne unter freiem Himmel. Die Magie des Murten Licht-Festivals entsteht nicht erst auf den Strassen – sie beginnt lange zuvor im kreativen Prozess.

Ein Programmkomitee wählt sorgfältig Werke aus, die den Rundgang prägen werden: poetische Installationen, interaktive Arbeiten, spektakuläre oder immersive Beiträge – ein ausgewogener Mix, der ein breites Publikum zum Staunen einlädt.

Diese künstlerische Reise wird möglich durch alle, die sich daran beteiligen: etablierte Kunstschaffende, junge Kreative aus dem Kanton sowie Schulklassen, die ihre ersten Schritte in der Lichtkunst machen. Gemeinsam verwandeln sie Murten während zwölf Tagen in eine offene Bühne, die Besucherinnen und Besucher in eine Traumwelt eintauchen lässt, in der die Altstadt zum Ort des Erlebens und des Austauschs wird.

(Quelle und weitere Informationen: Murten Lichtfestival)

Vogel Gryff, Leu und Wild Maa in Basel

Piccoloflöten, Trommeln und Marschmusik sind in Basel quasi synonym mit der Fasnacht (in diesem Jahr vom 23. bis zum 25. Februar), aber die Tradition, die jährlich am 13. und 20. oder 27. Januar mit Trommeln im Kleinbasel geehrt wird, hat einen anderen Ursprung:

Drei Ehrengesellschaften mit jahrhundertelanger Tradition begrüssen ihre Figuren Vogel Gryff, Leu und Wild Maa. Die Tradition reicht Jahrhunderte zurück, als Kleinbasel und Grossbasel noch zwei verschiedene, durch den Rhein getrennte Städte waren. Im Jahre 1225 wurde die (hölzerne) Rheinbrücke gebaut, die erst 1905 durch die heutige Mittlere Brücke ersetzt wurde.

Diese Brücke führte zu einem starken Wachstum des Handels und der wirtschaftlichen Prosperität in Kleinbasel, wodurch Rudolf I. 1285 Kleinbasel das Stadtrecht genehmigte.

Wandmalerei in Kleinbasel

In den folgenden Jahrzehnten organisierten sich prominente Bürger in drei Gesellschaften: die Ehrengesellschaft zum Rebhaus wurde 1304 erstmals erwähnt mit dem Leu (Löwe), die Ehrengesellschaft zur Hären mit dem Wilden Maa (wilden Mann), die 1384 erstmals erwähnt wurde, und die Ehrengesellschaft zum Greifen mit dem Vogel Gryff (1409 erstmals erwähnt).

Diese Gesellschaften waren keine Zünfte, sondern vereinigten Bürger, die die Interessen des Kleinbasels vertraten und unter anderem die Bewachung der Stadtmauern übernahmen. Einmal im Jahr präsentierten sie auf einem Marsch durch die Stadt die Waffen.

In dieser Hinsicht gibt es eine Parallele zur Fasnacht, denn auch sie ergibt sich aus der jährlichen Präsentation von Waffen durch die Schützen.

Am 13., 20. Oder am 27. Januar organisierten sie ihren eigenen Marsch. Seit 1839 tun sie dies mit wechselnden Terminen, wobei jeweils eine der Gesellschaften den Vorsitzenden stellt. In diesem Jahr findet Vogel Gryff unter dem Vorsitz der Ehrengesellschaft zur Hären am 20. Januar statt.

Der Tag beginnt mit der Fahrt des Flosses mit Wilden Mann zur kleinen Fischerhütte ‚Wild Maa-Horst‘. Die Kanoniere auf dem Floss geben mittlerweile Schüsse ab. Vogel Gryff und Leu grüssen Wilde Maa beim Café Spitz/Hotel Merian in der Nähe der Mittleren Brücke. Das Floss fährt weiter bis zum Museum Kleines Klingental.

Die drei Figuren präsentieren sich dann den ganzen Tag bis 23.00 Uhr in rituellen Tänzen vor Würdenträgern und Einwohnern des Kleinbasels, wobei sie immer Grossbasel den Rücken kehren, auch beim Käppelijoch auf der Mittlere Brücke.

Es ist ein intensiver Anlass, denn er findet an rund 40 Orten für unterschiedliche Personen statt. Drei Fahnenträger, Trommler und vier Narren, auch Ueli genannt, begleiten Vogel Gryff, Wilde Maa und Leu.

Die Mitglieder der drei Gesellschaften (150 pro Gesellschaft) nehmen am Nachmittag ein gemeinsames Mahl ein, das Gryffemähli.

Die Trennung vom Grossbasel wird in dieser Tradition strikt eingehalten. Der Umzug geht genau bis zur Hälfte der Mittleren Brücke und die Figuren wenden sich immer in Richtung von  Kleinbasel und kehren so dem Grossbasel den Rücken zu,  In der Grossbasler Kathedrale wird aber das Wappen der drei Gesellschaften auf Fenstern dargestellt.

Bis spät in den Abend marschieren die drei Figuren, Fahnenträger, Trommler und Ueli durch Kleinbasel.

(Quelle und weitere Informationen: www.vogel-gryff.ch)

Das alte Kostüm (bis 2015) von Vogel Gryff. Über 40 Kilogramm schwer ist das Kostüm. Museum Kleines Klingental

Wandmalerei in Kleinbasel

 Café/Hotel Merian, Kleinbasler Seite

Die Grossbasler Seite

 

Leu und Vogel Gryff. Die Polizisten tragen zur Feier des Tages ihre traditionellen Bobby-Helme

Die Fahnen der drei Ehrengesellschaften auf der Mittlere Brücke 

Basel, Café Spitz/Hotel Merian

500 Jahre geschriebene romanische Sprache

Im Jahr 2027 feiert die romanische Sprache 500 Jahre seit dem ersten literarischen romanischen Text. Der Zuozer Jurist, Politiker und Diplomat Gian Travers (1483-1563) schrieb 1527 die «Chianzun dalla guerra dagl Chiastè da Müs».

Das Jubiläum wird mit einem Freilichtspiel, thematischen Spaziergängen in den romanischen Talschaften und Veranstaltungen in Schweizer Städten ausserhalb des romanischen Sprachgebiets gefeiert.

Die Festlichkeiten münden im romanischen Theaterfestival Travers in Zuoz. Die Gemeinde Zuoz und die Lia Rumantscha organisieren die Jubiläumsveranstaltungen gemeinsam.

Um das zeitgenössische romanische Theater zu fördern, haben die Gemeinde Zuoz, die Lia Rumantscha und das Lyceum Alpinum Zuoz den romanischen Theaterpreis Premi Travers Zuoz sowie das Festival Travers Zuoz initiiert.

Zu diesem Zweck riefen die drei Gründerinstitutionen im Jahr 2022 den Verein Uniun Travers ins Leben. Dieser wird im Sommer 2027 das Jubiläumsfestival in Zuoz ausrichten.

Das Festival umfasst neben dem Freilichtspiel die Bühnenrealisierung des mit dem Premi Travers Zuoz 2026 prämierten Stücks sowie weitere kulturelle Anlässe. Der Premi Travers 2026 ist bereits ausgeschrieben.

Gesucht wird ein romanischer Monolog. Bis zum 15. Mai 2026 ist es möglich, ein Stückkonzept und einen Textauszug einzureichen. Alle Informationen sind auf der Website der Uniun Travers veröffentlicht.

Im Sommer 2027 wird das Freilichtspiel «Il battibuogl» (das Durcheinander) auf dem «Plaz Zuoz» gezeigt. Das Festival findet vom 28. Juli bis zum 15. August 2027 statt.

Die romanische Sprache unterwegs

Das Jubiläum beginnt im Juni 2027 mit der Eröffnung in Trun. Die Lia Rumantscha lädt zu einem Tag mit Musik und ersten thematischen Kostproben rund um die Verschriftlichung der romanischen Sprache ein. Die 500 Jahre geschriebene Sprache wird mit einer Neukomposition für einen Kinderchor eingeläutet.

Nach der Eröffnung finden mehrere thematische Spaziergänge in den romanischen Regionen sowie einige Veranstaltungen ausserhalb des romanischen Sprachgebiets in Schweizer Städten statt. Die Spaziergänge und Veranstaltungen sind jeweils einem Aspekt der geschriebenen romanischen Sprache gewidmet.

Das Fest, organisiert von der Gemeinde Zuoz und der Lia Rumantscha, beginnt in der Surselva und reist von Station zu Station durch Graubünden und die Schweiz bis nach Zuoz.

(Quelle und weitere Informationen: Lia Rumanscha)

Der Boulevard von Montreux, seine Artisten, Touristen und Smoke on the Water

Mehr als zwei Jahrhunderte vor dem „berühmten“ Brand des Casinos von Montreux am 4. Dezember 1971 schrieb Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) im Jahr 1761 seine Nouvelle Héloïse. Lord Byron (1788–1824) schrieb seinen Prisonnier de Chillon im Jahr 1816.

Beide Werke waren für den Ruhm des Dorfes Montreux (Kanton Waadt) in der europäischen „beau monde“ sehr einflussreich.

Chillon liegt nur wenige Kilometer von Montreux entfernt; Rousseau schrieb begeistert über die Natur der Schweiz, auch über die Region am Genfer See.

Die Region wurde zu einem der ersten touristischen Ziele der Schweiz. Ab 1840 entstanden die ersten Grand Hotels, Casinos, Restaurants sowie später auch Golf- und Tennisplätze und andere Einrichtungen für Touristen.

Ein Spaziergang entlang des Genfer Seeboulevards bei Montreux ist ein Treffen mit Politikern, Journalisten, Künstlern und Königen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts.

Freddie Mercury (1946-1991), Gustave Coubert (1819-1877), Fjodor Michajlovitsj Dostojevski (1821-1881), Keizerin Sisi (1837-1898), Ignacy Paderewski (1860-1941),

Freddie Mercury (1946-1991), Gustave Coubert (1819-1877), Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881), Kaiserin Sisi (1837-1898), Ignacy Paderewski (1860-1941), Henryk Sienkiewicz (1846-1916), Charlie Chaplin (1889-1977), Carl Gustaf Emil von Mannerheim (1867-1951) oder Gustave Eiffel (1832-1923) lebten oder starben dort oder besuchten den Ort regelmässig und gerne.

Die Architektur, die Musiksäle und die aktuellen Kunstaktivitäten zeugen von einem reichen künstlerischen Leben und dem Glanz des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Das alte Zentrum auf dem Hügel vermittelt einen Eindruck vom Leben vor der Ankunft der Schönen und Künstler ab Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Es zeigt auch, dass Montreux (und seine Umgebung: u.a. die Alpen, die Villa ‘le Lac’ von Le Corbusier, Chaplin’s World (Corsier-sur-Vevey), Lavaux, La Tour de Peilz und das Spielmuseum (Musée suisse du Jeu), Vevey und das Alimentarium, Museen und die Altstadt) mehr zu bieten hat als Statuen, Casinos und (Jazz-)Musik.

Montreux Jazz Festival

Das Casino

Queen The Studio Experience im Casino

David Richards (1956-2013), Producer von Queen albums in den Mountain Studios in Montreux

Bis zum Zweiten Weltkrieg war Montreux eines der wichtigsten Reiseziele für Adelige, Künstler, Politiker, Spitzensportler, Filmstars und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Musiker den Weg nach Montreux. Der weltberühmte Hit „Smoke on the Water“ von Deep Purple aus dem Jahr 1971 entstand am Boulevard der Montreux Riviera.

(Quelle: www.montreuxriviera.com)

Weitere Eindrucke aus Montreux

Aigle, das Schloss und das Musée de la vigne, du vin et de l’étiquette

Das Chablais ist eine Region in der Schweiz und in Frankreich, die das Schweizer Chablais in den Kantonen Wallis und Waadt sowie das französische Chablais südlich des Genfersees im nördlichen Teil der Haute-Savoie umfasst.

Aigle (Aiglon) erschien um 1140 erstmals in einem Dokument. Dieses Dokument bezieht sich auf das von der Abtei d’Agaune (St. Maurice) gegründete Priorat St. Maurice von Aigle.

Die Burg von Aigle stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Burg zeigt die (mittelalterliche) Geschichte: die Herrschaft des Königreichs Burgund (888-1032), des Hauses Savoyen (1034-1475) und des Kantons Bern (1475-1798).

Im Jahr 1475 erwarb Bern Aigle von Freiburg und führte 1528 die Reformation ein. Das Schloss wurde zum Sitz des Landvogts.

Das ehemalige Kloster St. Maurice, heute eine Pfarrkirche

Reich bemalte Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert und der Berner Bär schmücken noch immer die Räume und das Schlosstor.

Das Schloss wurde 1804 von der Gemeinde Aigle nach der Gründung des Kantons Waadt im Jahr 1803 gekauft und 1900 zum historischen Denkmal erklärt. Seit 1975 beherbergt das Schloss das Weinmuseum Musée de la vigne, du vin, de l’étiquette.

Die katholische Kirche

Aigle

Die Gemeinden der Bezirke Aigle und Pays d’Enhaut

(Quelle und weitere Informationen: A.M. Barelli, Le Chablais, Viterbo, 2011).

Das Schloss

 

Aigle und das Schloss im Jahr 1672. Historisches Museum Bern (inv. 26108), nach einem Aquarell von Albrecht Kauw (1616–1681). Informationsschild im Museum.

Eindrücke aus dem Weinmuseum

Éuard Diekmann (1851-1921), Jugendstilfenster des cafés de la Banque in Aigle, 1908

Fête des Vignerons, 1927

Fortyseven in Baden und Baden in Aquae Helveticae

Das Thermalbad Fortyseven am Ufer der Limmat in Baden (Kanton Aargau) ist 160 Meter lang und verfügt über elf Saunen und acht Wasserbecken. Mario Botta (1943), der berühmte Tessiner Architekt, arbeitete 15 Jahre lang an diesem Projekt.

Vierzehn aus der Erde sprudelnde Quellen liefern das Wasser. Der Komplex ist kein Wasserpark. Die heilsame und heilende Wirkung der Quellen steht im Vordergrund. Der Name verweist auch auf diese Nutzung: Das Schwefelwasser der Quellen erreicht eine Höchsttemperatur von 47 Grad Celsius.

Baden war schon in der Römerzeit wegen seiner Thermen ein bedeutender Ort. Der römische Name lautete daher Aquae Helveticae, „helvetische Gewässer“. Aus diesem Grund wurde in der Nähe das Legionslager Vindonissa (das heutige Windisch) errichtet. Dies wurde zur römischen Stadt, zu der auch das heute noch sichtbare Amphitheater gehört. Das Vindonissa-Museum widmet sich dieser Geschichte ausführlich.

Im Mittelalter wurde Baden sogar zum grössten Kurort nördlich der Alpen. Nach der Besetzung des habsburgischen Aargaus durch die Eidgenossenschaft im Jahr 1415 wurde Baden zum Sitz der Tagsatzung der acht Kantone. Das Vorhandensein von Quellen und Bädern spielte bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle.

Die grösste Blütezeit war jedoch das 19. Jahrhundert. Entlang der Limmat bauten Investoren riesige Hotels und Bäder. Einige von ihnen, wie der Verenahof, sind noch erhalten. Das Grand Hotel, das dreimal so gross (!) war wie der heutige neue Komplex von 160 Metern, wurde 1944 abgerissen. Das Kasino, der Kurpark, der Kursaal und das Kurtheater in der Stadt erinnern an die Pracht der Belle Époque.

Residenz und Brasserie Bad Schwanen

Nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit den Bädern in der Schweiz und in Baden bergab. Das alte Römerquartier an der Limmat mit seinen schönen Hotels und Bädern versank in einen tiefen Schlaf.

Die Initiative der Investoren im Jahr 2006, die Kreativität der Architekten, das Engagement der nationalen Denkmalpflege und des Heimatschutzes sowie der Einsatz lokaler Behörden, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger haben das Dornröschen der Schweizer Bäder wieder zum Leben erweckt.

Der Verein Bagni Populari und Aquae Helveticae erleben

Auf der anderen Seite der Badeanlage Fortyseven findet zudem eine weitere Premiere, oder besser gesagt, eine Wiederbelebung einer fast zweitausendjährigen Badekultur statt. Der Verein Bagni Populari hat die alte Tradition der für alle zugänglichen Thermalquellen wiederbelebt.

Die heissen Quellen in Baden produzieren Tausende Liter pro Tag. Zur  römischen Zeit (15 v. Chr.– 410 n. Chr.) waren die zahlreichen Badehäuser (Thermen) und Brunnen für die Bewohner und die Soldaten des Legionslagers Vindonissa frei zugänglich.

Nach der Einwanderung der Alemannen im fünften Jahrhundert verschwand die Badekultur. Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert wurde Baden jedoch wieder zum wichtigsten Badeort in Mitteleuropa.

Es gab jedoch einen wichtigen Unterschied zur römischen Zeit: Der Adel und das Bürgertum hatten ihre eigenen Badehäuser in geschlossenen Räumen, das Volk nutzte die vielen heissen Quellen im Freien.

Diese Tradition wurde bis 1870 fortgesetzt. Zu dieser Zeit wurden die grossen Badehäuser und Thermen für den Beau Monde im Bäderviertel (dem römischen Viertel) der Stadt gebaut.

Diese Klientel wollte nicht mit Menschen konfrontiert werden, die auf dem Weg zu ihrem Ziel unter freiem Himmel badeten. Die Freibäder verschwanden und es gab sogar ein Verbot, das bis vor Kurzem in Kraft war.

Der 2017 gegründete Verein Bagni Populari hat die Initiative ergriffen, diese Quellen (je nach Aussentemperatur zwischen 37 und 43 Grad Celsius) wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Immerhin sind die Quellen noch vorhanden und gehen sonst direkt in die Limmat.

So hat Fortyseven seit November einen öffentlichen Wettbewerber auf Mikroebene und Aquae Helveticae lebt fort.

Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Basel hat etwa 250 Quellen, aber nur diese hat (künstliches) warmes Wasser!

140 Jahre Rudern am Neuenburgersee bei der Société Nautique de Neuchâtel

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, aber eine 140 Jahre alte Organisation verdient es, noch im Jahr 2025 erwähnt zu werden. Die Société Nautique de Neuchâtel (SNN) wurde 1885 gegründet. Die SNN war ein Verein für verschiedene Wassersportarten, insbesondere Rudern, Schaluppenfahren und Segeln. Heute ist sie nur noch ein Ruderclub, aber der Name ist unverändert geblieben. Das Wort „Avrion“ (Rudern) erscheint nur auf der Website.

Francis Ballet, Vizepräsident des SNN am 21. September 2025. Foto: Charlotte Donzallaz 

Kurz nach der Gründung der SNN wurde 1896 der Schweizerische Ruderverband „Swiss Rowing“ gegründet. Die SNN und vier weitere Ruderclubs aus der Westschweiz schlossen sich diesem Verband gleich an. Die zahlreichen Regatten in der Schweiz und die Wettkampfstätte am Rotsee bei Zürich geniessen mittlerweile einen hervorragenden Ruf. Im Jahr 2026 wird der Swiss Spectator einen Artikel über das Rudern in der Schweiz und den Verband Swiss Rowing veröffentlichen.

Kehren wir zunächst zur SNN zurück. Bis zum Zweiten Weltkrieg (1939–1945) war das Wanderrudern mit grossen Booten die Hauptaktivität. Die Ausflüge führten über den Neuenburgersee zu den Seen von Biel und Murten, über die Kanäle der Broye und der Thielle/Zihl oder zu anderen Orten und Ruderclubs rund um den Neuenburgersee. Ausserdem gab und gibt es viele Besuche bei Rudervereinen in der Schweiz und im Ausland.

Nach 1945 wurden das Wettkampfrudern und das Rudern im Skiff oder in anderen kleinen Booten immer beliebter. Die SNN begann eine Zusammenarbeit mit der Universität Neuchâtel. In den folgenden Jahrzehnten zählte der Club mehrere international bekannte Wettkampfruderer sowie Medaillengewinner bei Olympischen Spielen und Europa- und Weltmeisterschaften.

Rudern auf dem Neuenburgersee ist ein Privileg, nicht nur wegen des Blicks auf die Alpen, die drei Berner Gipfel (Eiger, Mönch, Jungfrau) und manchmal sogar auf den Mont Blanc, sondern auch wegen der Klarheit des Wassers, des Blicks auf den Jura, das Laténium, die Weinberge und die vielen schönen Dörfer und kleinen Städte. Die SNN ist ausserdem Mitglied der Association Romande d’Aviron (ARA).

(Quelle und weitere Informationen: Société Nautique de Neuchâtel)

 Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Fotos: Charlotte Donzallaz