Der Kanton und die Stadt Bern

Bern war bis 1798 der Mächtigste von den dreizehn Kantonen der Eidgenossenschaft. Sein Territorium umfasste  etwa ein Drittel der heutigen Schweiz.

Die heutigen Kantone Jura (1815-1979), Aargau (1415-803), Waadt (1536-1803) sowie weitere kleine Gebiete gehörten dazu. Der Thurgau (1460-1803), das Tessin (1512-1798) und andere Gebiete standen unter gemeinsamer Verwaltung der Eidgenossenschaft.

Das Erlach Denkmal, Rudolf von Erlach (1299-1360)

1191-1798

Alles begann mit der Gründung der Stadt durch Herzog Berthold V. von Zähringen(1160-1218) im Jahr 1191. Bereits 1218 wurde der Stadt der Status einer freien Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches verliehen (Reichsunmittelbarkeit).

Danach ging die Expansion der Stadt schnell voran. Ihre Hauptgegner waren Habsburg, die Stadt Freiburg (gegründet 1156), Kyburg und Savoyen.

Bis zum 17. Jahrhundert mit dem Doppeladlers des Heiligen Römischen Reiches

Im 13. und 14. Jahrhundert suchte Bern Unterstützung und Annäherung an die Waldstätten und trat 1353 der Eidgenossenschaft bei, welche zu diesem Zeitpunkt acht Mitglieder zählte (Bern, Schwyz, Uri, Obwalden, Nidwalden, Zug, Luzern und Zürich).

Der Einfluss und das Territorium Berns dehnte sich durch Kauf, Eroberung, Politik oder Erbschaft immer mehr aus: so in der Region Bern, im südlichen Jura (Gebiete des Fürstentums Basel und der Grafschaft Neuenburg), im Aargau (1415), Thurgau (1460) und im Waadtland (1474 -1477 und 1536).

Ein einschneidendes Ereignis war die Reformation. Bern wurde protestantisch und exportierte den neuen Glauben in eroberte oder verwaltete Gebiete.

Bern nahm aktiv an den Religionskriegen von 1529 und 1531 (Kappeler Kriege) und 1656 und 1712 (Villmerger Kriege) teil. Auch der Sonderbundskrieg von 1847 war teilweise auf religiöse Konflikte zurückzuführen.

Bern hatte keine Landsgemeinde und keine direkte Demokratie. Die Stadt und der Kanton wurden von einer Oligarchie von Regenten im Grossen Rat und im Kleinen Rat regiert.

Das Münster

Gegen diese politische Struktur gab es Widerstand, vor allem in der Beziehung zwischen Bern und kleineren Gemeinden der Landschaft. Der Bauernaufstand von 1653 war nur einer von vielen Vorfällen.

Bern war die grösste Republik nördlich der Alpen und war eng in die internationale Politik der europäischen Mächte eingebunden.

Schon vor der Reformation war die Eidgenossenschaft keine politische und wirtschaftliche Einheit. Nach der Reformation kamen die religiösen Konflikte noch dazu.

Die geographischen Interessen waren ebenfalls unterschiedlich. Bern wollte vor allem eine Expansion im Norden (Fürstentum Basel, Aargau, Thurgau) und im Westen (Waadt, Land von Gex, Chablais).

Die Kantone der Zentralschweiz waren vor allem an einer Expansion in die italienischen Gebiete südlich des Gotthards interessiert (bis 1515).

1798-1848

Der Einmarsch der Franzosen 1798 bedeutete auch das Ende der Berner Dominanz in der Eidgenossenschaft. Auf die Helvetische Republik (1798-1803) folgte durch die (französische) Mediationsakte die Eidgenossenschaft mit neunzehn gleichberechtigten Kantonen (1803-1813) und 1815 die neue Eidgenossenschaft mit zweiundzwanzig Kantonen.

Aargau und Waadt wurden 1803 zu Kantonen, aber Bern erhielt 1815 als Kompensation für diesen Verlust den grössten Teil des Gebietes des ehemaligen Fürstentums Basel.

Dieses Gebiet wurde 1979 zum Kanton Jura, mit Ausnahme einiger französischsprachiger Bezirke im südlichen Jura (darunter Moutier). Moutier stimmte in einem Referendum am 21. März 2021 für den Beitritt zum Kanton Jura.

Nach einer Periode der Restauration (1815-1830) durch die alte Oligarchie und der Opposition gegen sie in der Regeneration (1830-1848) folgte 1848 die neue Verfassung. Bern wurde zur Hauptstadt des Landes mit dem Rosengarten (seit 1913) und den Berner Bären im Bärenpark.

Die sieben Bundeshäuser

Historisches Museum

Die Flagge 

Der Bär auf der Flagge bezieht sich auf den Namen der Stadt. Die Farben Rot und Gelb stammen vom Herzog von Zähringen. Seit 1375 bilden sie auch das Wappen des Kantons und der Stadt.

(Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz, Kanton Bern, https://hls-dhs-dss.ch, 09.03.2023).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Historisches Museum Bern

Das Einsteinhaus

Das Rathaus

Kunstmuseum Bern

Undervelier (Kanton Jura), Bronze Art SA