Winston Churchill und die Schweiz

Winston Churchill lernte die Schweiz als junger Mann kennen, schätzen und lieben. Kaum erwachsen, bestieg er den Monte Rosa, bewunderte die Schönheit der Berner und Walliser Alpen und ertrank beinahe im Genfersee. Als Minister in acht verschiedenen Departementen, aber auch als Premierminister (1940–1945, 1951–1955) war die Schweiz für ihn ein Thema unter vielen.

Und doch hatte er ein profundes Verständnis für deren Situation als neutraler Staat inmitten von Nationalsozialismus und Faschismus und den zugehörigen Respekt. Er schätzte seinen Schweizer Mallehrer Charles Montag, den Schweizer Farbenlieferanten Willy Sax und seine Schweizer Köchinnen und Dienstmädchen.

Churchill hat durch seine Beharrlichkeit und seine Vision England, Europa und auch die Schweiz 1940 gerettet. Genau deshalb war sein Besuch in Zürich 1946 ein Triumphzug.

Der Autor vereinigt historischen Sachverstand und Handwerkskunst mit journalistischem Instinkt und beruft sich dabei auch auf Schweizer Zeitzeugen.

(Werner Vogt, Winston Churchill und die Schweiz, Zürich, 2017)

Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs

Obwohl die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs neutral war, verdankt sie auch den mutigen Bürgern ihrer Nachbarländer viel. Im Rahmen der Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs prâsentiert Art’Rhena (Île du Rhin, Vogelgrun (Frankreich) ein besonderes Programm, das zwei von ihnen in den Mittelpunkt stellt.

Theater:  Simone Veil. Les combats d’une effronté

Dieses Stück, das 2021 zum ersten Mal aufgeführt wurde, ist eine Adaption der Memoiren von Simone Veil (1927-2017), « Une vie », ihre 2007 veröffentlichte Autobiografie. Die Regisseurin Pauline Susini entschied sich dafür, Simone Veil mit der Figur einer jungen Studentin in einen Dialog treten zu lassen, um die Kämpfe von gestern mit denen von heute in Verbindung zu bringen.

18. Januar – 20.00 Uhr (auf Französisch)

Ausstellung: Simone Veil – Un destin 1927-2017

Für  Simone Veil und ihre Familie ist das 20. Jahrhundert zunächst das einer Tragödie: die Deportation nach Auschwitz mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, wo sie das absolute Ausmaß des Grauens kennenlernt.

Sie wird durch jenen Mut gerettet, der ihre gesamte Karriere prägt, deren Etappen zur zeitgenössischen französischen Geschichte gehören. Die Ausstellung zeichnet auf 24 Tafeln ihr Leben anhand ihrer Kämpfe und Karriere nach, von ihrer Geburt bis zur Aufnahme ins Pantheon.

Vom 5. bis zum 25. Januar (auf Französisch)

Ausstellung: Julius Leber: Vom Elsass zum deutschen Widerstand

Die Ausstellung „Julius Leber: Vom Elsass zum deutschen Widerstand, ein Leben für Freiheit und Demokratie“ hebt eine bedeutende und doch wenig bekannte historische Figur hervor: Julius Leber (1891-1945).

Geboren in Biesheim (das Elzass gehörte damals noch zum deutschen Kaiserreich) im Jahr 1891, verbrachte er seine Schulzeit in seiner Heimatstadt. Sein Studium absolviert er in Breisach und Freiburg.

Als Reichstagsabgeordneter, engagierter Journalist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus war Julius Leber ein Vorreiter der europäischen Werte. Sein aussergewöhnliches Leben und sein mutiges Engagement sind der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt und verdienen es deshalb, geteilt und beleuchtet zu werden.

Vom 5. Januar bis zum 23. Februar, auf Deutsch und Französisch

(Quelle und weitere Informationen: Art’Rhena)

Das Heilige Römische Reich, Habsburg, Vorderösterreich und die Eidgenossenschaft

Dieser Beitrag betrachtet die Beziehung zwischen Vorderösterreich und der Eidgenossenschaft und dient auch als Vorbereitung zu einem noch differenzierteren Folgeartikel über den Schwabenkrieg von 1499 (Schweizerkrieg oder Engadinerkrieg, je nach Perspektive). Die Verhältnisse, die Handlungen und Auseinandersetzungen von damals sind nur im Kontext der ziemlich verstrickten Geschichte nachvollziehbar.

Deswegen bleibt dieser Artikel etwas allgemein zusammengefasst; die Beziehungen und Rollen Frankreichs, der Herzöge von Bayern, Savoyen, Burgund, Lothringen, Mailand, der Markgrafen von Baden und anderer staatlicher Einheiten bleiben unberücksichtigt, obwohl auch sie die Machtverhältnisse zwischen Vorderösterreich und der Eidgenossenschaft sowie deren Orte und Kantone beeinflussten.

Heilige Römische Reich, um 1400. Bild: Ziegelbrenner/Wikipedia

Heiliges Römisches Reich 

 Betrachtet man heute die aktuellen Grenzen Frankreichs, Deutschlands, der Schweiz und Österreichs, ist kaum vorstellbar, dass sich die Situation der Territorien und Abhängigkeiten vor 500 Jahren völlig anders aussah.

Das Heilige Römische Reich (im 16. Jahrhundert zur Präzisierung auch das Heilige Römische Reich deutscher Nation genannt) entstand 962 unter der Dynastie der Ottonen, mit Otto I. (912-973) als erstem Kaiser, als Nachfolger des Karolingerreichs, welches 843 durch den Vertrag von Verdun aufgeteilt wurde.

Basel, das Münster, Kaiser Henrich II (973-1024) und Kaiserin Kunigunde (975-1040), Kopien, die Originale befinden sich im Museum Kleines Klingental

Verschiedene Dynastien (darunter Ottonen, Salier, Staufer, Wittelsbacher, Luxemburger und Habsburger) stellten die Kaiser und Könige des Reiches. Die sieben Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches wählten den (römisch-deutschen) König und Kaiser. Gekrönt wurde der König in Aachen. Nur wenn der Papst der König in Rom salbte, wurde er auch Kaiser.

Die sieben Kurfürsten (küren bedeutet wählen) waren: Die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, der Herzog von Sachsen, der Pfalzgraf, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen.

Die Wahl wurde 1356 in der Goldenen Bulle geregelt. Ab 1440 bis 1806 waren die Habsburger nahezu ununterbrochen Kaiser und Könige in Folge. Das Reich teilte sich 1555 in einen spanischen (1555-1700) und einen österreichischen Zweig (1555-1918) auf. Vorderösterreich fiel unter den österreichischen Zweig.

Die Goldene Bulle, Bild: Wikipedia

Der Kaiser war die höchste Autorität im Heiligen Römischen Reich. Der Reichstag war die Legislative, das Reichskammergericht (in Worms, Speyer und schliesslich in Wetzlar) und der Hofrat in Wien waren die höchsten Gerichte. Gesetze (auch betreffend die Steuern) und „fremde Richter“ des Reiches waren auch Gründe für den „Schwabenkrieg“.

Der Beitrag behandelt das habsburgische Territorium in Vorderösterreich und unterscheidet es von den habsburgischen Territorien in Innerösterreich (Herzogtümer Steiermark, Kärnten, Krain und Mark), Niederösterreich (Herzogtum Österreich) und Oberösterreich (die sogenannten Erblande) sowie der Grafschaft Tirol (seit 1379 habsburgischer Besitz).

Vorderösterreich war bis 1753 keine politische Einheit, sondern setzte sich aus vielen politischen Einheiten zusammen. Ursprünglich gehörte auch ein Teil der heutigen Schweiz zu diesem Gebiet.

Habsburg und die Schweizerische Eidgenossenschaft 

Die Eidgenossenschaft entwickelte sich ab Ende des 13. Jahrhunderts zunehmend eigenständig und bestand 1513 aus 13 souveränen, jedoch untereinander oft zerstrittenen, also uneinigen Kantonen. Obwohl die Eidgenossenschaft bis 1648 formal Teil des Reiches blieb, erkannte sie dessen oberste Instanzen de facto schon zwei Jahrhunderte zuvor nicht mehr an. Dies zeigte sich ganz konkret in der Weigerung, gewisse Steuerabgaben zu entrichten.

In einer Reihe von Konflikten verlor Habsburg an Gebieten und Einfluss: 1315, 1386, 1388, 1415 (Eroberung des Aargaus ausser dem Fricktal, Rheinfelden und Laufenburg), 1460 (Eroberung des Thurgaus) und schliesslich 1499 im Schwabenkrieg.

Denkmal Basel, Rudolf Wettstein spielte als Diplomat eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden von 1648

Im 15. Jahrhundert versuchten die aufeinanderfolgenden habsburgischen Kaiser, die Schweizer Gebiete zurückzuerobern. Die „Ewige Richtung“ (1474), der verlorene „Schwabenkrieg“ und der Friede von Basel (1499) beendeten jedoch den fast zwei Jahrhunderte dauernden Krieg mit dem Westfälischen Frieden (1648) als internationale (de facto) Anerkennung der Eidgenossenschaft.

Vorderösterreich, um 1790. Bild: Karte: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Vorderösterreich in alten Karten und Plänen, Begleitheft zu Ausstellung Stuttgart, 1998

Vorderösterreich und seine politische Rolle 

 Ab 1499 umfasste Vorderösterreich das Gebiet vom Arlberg bis in das Elsass (u.a. den Sundgau), das Fricktal,  die vier Waldstätte (Säckingen, Waldshut, Laufenburg und Rheinfelden),  Breisgau sowie Regionen in Lothringen, Schwaben, Bayern und den Schwarzwald.

Ensisheim (Elsass) war von 1444 bis 1638 das administrative Zentrum des Vorderösterreichs. Freiburg war jedoch das wichtigste wirtschaftliche, religiöse (Bistum) und kulturelle Zentrum mit einer Universität (1457). Das Basler Domkapitel (bis 1679) und Erasmus (bis 1535) suchten 1529 wegen der Reformation Zuflucht in Freiburg.

Kriege und territoriale Veränderungen 

 Frankreich und Bayern wurden ab dem 16. Jahrhundert zu Bedrohungen für den Besitz Habsburgs in Vorderösterreich. Der Dreissigjährige Krieg (1618-1648) und der Holländische Krieg (1672-1678, Friede von Nimwegen) führten zu Gebietsverlusten (Elsass, Sundgau, Breisgau, Freiburg) an Frankreich. Die Landesregierung von Vorderösterreich hatte in dieser Zeit ihren Sitz in Waldshut, die Universität war vorübergehend in Konstanz untergebracht.

Freiburg, Kaufmanshaus,  um 1530

Der Frieden von Rijswijk (1697) beendete den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697). Das Elsass (und Strassburg) blieben bei Frankreich, Freiburg und Breisach gingen an Habsburg zurück. Während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714) wurden die Städte Neuenburg am Rhein, Breisgau, Villingen und Freiburg wieder von französischen Truppen besetzt und (erneut) geplündert.

Breisgau, das Münster

Im Frieden von Rastatt (1714) fielen diese Städte wieder an die Habsburger zurück. Während eines neuen Krieges (österreichischer Erbfolgekrieg 1740-1748) wurde Freiburg erneut von Frankreich besetzt und im Frieden von Aachen (1748) wieder zurückgegeben.

1753 kam es zu einer administrativen Neuordnung, den Reformen von Kaiserin/Regentin Maria Theresia (1717-1780) und Joseph II. Das zuvor zersplitterte Vorderösterreich wurde zur politischen Einheit Provinz Vorderösterreich.

Neuenburg am Rhein

Neuf-Brisach

Der Grund dafür war der Aufstieg einer anderen Bedrohung: Preussen. Freiburg war von 1753 bis 1806, in der letzten Phase der habsburgischen Herrschaft, wieder Verwaltungszentrum der Provinz Vorderösterreich. Nach 1789 kam die Gefahr jedoch wieder von französischer Seite.

Auflösung Vorderösterreichs 

 1803 teilte Napoleon das Fricktal, Laufenburg und Rheinfelden dem Kanton Aargau zu. Der Rhein war die Grenze. 1806 hörte Vorderösterreich im Zuge der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches auf zu bestehen.

Die übrigen Gebiete Vorderösterreichs fielen an das Königreich Bayern, das Grossherzogtum Baden, das Königreich Württemberg und das Kaiserreich Österreich. Vorderösterreich war damit für die Eidgenossenschaft Vergangenheit.

Rheinfelden (Kanton Aargau)

Nachspiel

Oder doch nicht ganz. Mitten im Kanton Schaffhausen liegt das Dorf Büsingen. Habsburg wollte das Dorf nie an den Kanton abtreten. Danach wurde das Dorf dem Grossherzogtum Baden und dann dem Bundesland Baden-Württemberg angegliedert, trotz einer Volksabstimmung im Jahr 1918: 96 % der Einwohner wollten sich der Eidgenossenschaft anschliessen.

Es gibt eine Parallele zu Vorarlberg: 1919 wollten 81 % der Einwohner der Eidgenossenschaft beitreten. Die Schweiz wollte dies aus verschiedenen Gründen nicht. Fast wäre ein kleiner Teil Vorderösterreichs nach 1918 der Eidgenossenschaft beigetreten!

Im neuen Kanton Graubünden dauerte die habsburgische Präsenz übrigens bis 1803 (Tarasp) und 1819 (Rhäzuns). Dieses Gebiet wurde von Innsbruck aus verwaltet.

Und doch war die habsburgische Präsenz noch nicht zu Ende. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert hatten die Habsburger ein Auge auf Basel als Residenz und Verwaltungszentrum. Dazu kam es jedoch nicht.

Eugen Ferdinand Pius Bernhard Felix Maria, der Erzherzog von Habsburg (1863-1954), bewohnte von 1919 bis 1934 eine Suite im Hotel Les Trois Rois in Basel. Er war ein Neffe von Karl von Habsburg (1887-1922), dem letzten Kaiser des Habsburgerreiches. Er verabschiedete sich 1934 stilvoll von Basel, auch im Namen seiner Vorfahren, und Basel verabschiedete sich vom ihm mit den höchsten Ehren der Stadt.

Zudem befindet sich im Münster der (leere) Sarkophag von Gertrud Anna von Hohenberg (1225-1281), der Gemahlin von Rudolf I. (1218-1291), dem ersten deutsch-römischen König der Dynastie.

Kaiser Karl und Kaiserin Zita (1892-1989),die letzte Kaiserin von Österreich, wurden nach nur zweijähriger Regierungszeit entthront. Sie lebten nach 1919 im Exil. Nachdem Kaiser Karl im Jahre 1922 verstarb, hat Kaiserin Zita ihre acht Kinder, darunter Otto von Habsburg (1912-2011) alleine grossgezogen. Während 27 Jahre,  bis zu ihrem Tod im Jahre 1989, lebte sie in Zizers (Kanton Graubünden).

Der Name Habsburg bleibt nicht nur mit Basel und dem Münster, sondern mit der Schweiz verbunden.

Fazit 

 Die Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft und Vorderösterreich blieben nach 1499 friedlich. Ruhe kehrte ein, zumal andere Konflikte in Italien und mit Frankreich sich in den Vordergrund drängten.

Der Schwabenkrieg markierte die endgültige geistige und faktische Trennung zwischen Schweizern und Schwaben, obwohl die Herauslösung des schweizerischen Raumes aus der Gesamtheit Schwaben und die Frage der Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich sollen nicht miteinander vermengt werden.

Der Schwabenkrieg verfestigte die Rheingrenze und war ein markanter Schnitt im Auseinanderleben von Schwaben und Eidgenossen. Die Eidgenossen sahen sich als Schweizer. Die Schwaben betonten ihre Verbundenheit mit dem Reich und ihre Treue zum deutschen Königtum.

Dass es sich nicht um einen sprachlich-kulturell determinierten Vorgang handelte, wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die ebenfalls hervortretende Differenzierung des alemannischen Sprachraumes in ein Schwäbisch und ein alemannisch genanntes Dialektgebiet  weiter nördlich verlaufenden Trennlinien gefolgt is

Der Handel, die Universitäten (Freiburg, Konstanz, Basel), die Sprache (Alemannisch) und persönliche Kontakte waren und sind eine solide Grundlage der Zusammenarbeit.

Breisach

Die Wappen des Heiligen Römischen Reiches und der Habsburger-Dynastie wurden trotz der zahlreichen Konflikte vor und nach 1648 oft nicht aus dem öffentlichen Raum entfernt. So gross waren das Prestige und der Respekt vor dem Heiligen Römischen Reich, dem Kaiser und dem (deutsch-römischen) König.

Basel, das Münster

 

Bern

(Quelle: D. Speck, Kleine Geschichte Vorderösterreichs, Leinfelden-Echterdingen, 2010; Uri Robert Kaufmann (Red.), Die Schweiz und der deutsche Südwesten, Ostfildern, 2006; Arzner, B. Oeschger, J. Scharf-Anderegg (Red.), Nachbarn am Hochrhein, Möhlin 2002; A. Jochim, F. Hanöffner (red.), Die Habsburger im Mittelalter. Aufstieg einer Dynastie, Speyer 2022; Bernd Marquardt, Die alte Eidgenossenschaft und das Heilige Römische Reich (1350-1798). Staatsbildung, Souveränität und Sonderstatus am alteuropäischen Alpenrand, Zürich, 2007; B. Meier, Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter,Baden, 2010)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Kleinlützel, Lucelle, die Felsplatte und Europäische Geschichte

Wo es ein (Grand-)Lucelle (Gross-)Lützel gibt, ist ein Kleinlützel, Petit-Lucelle (Kanton Solothurn) nicht weit weg. Lucelle (Frankreich) ist ein Ort im Sundgau und grenzt an den Kanton Jura. Diese Region war jahrhundertelang ein Zankapfel, der von Habsburg, Frankreich, dem Bistum Basel und verschiedenen deutschen Staaten (nach 1871) umkämpft wurde.

Kleinlützel 

Eine Römerstrasse zwischen Kleinlützel, Burg und Röschenz und der Pass über die Blaubergkette weisen ebenfalls auf die Bedeutung der Region für den Handels- und Personenverkehr hin. Davon zeugen auch die zahlreichen Burgen und Schlösser in der Region, darunter die Ruine Blauenstein.

Röschenz (kanton Basel-Landschaft), op de achtergrond de Passwang

Das Schloss (Burg) im Dorf Burg, im Hintergrund der Sundgau (Frankreich)

Im Jahr 1136 wurde das Frauenkloster Minor Lucella gegründet. Es gehörte zur Abtei in Lucelle.  Im Schwabenkrieg (1499) und bei den Bauernaufständen (1525) wurde dieses Kloster weitgehend zerstört. Nur die Kapelle und ein Wirtschaftsgebäude blieben erhalten.

1527 kaufte Solothurn Kleinlützel und das umliegende Gebiet. Seit 1648 befindet sich Lucelle in Frankreich. Diese Trennung tut seiner natürlichen Schönheit jedoch keinen Abbruch.

Zwei Gemsen bei Kleinlützel

Darüber hinaus zeigen sich auf einer Fläche von wenigen Kilometern jahrhundertealte Einflüsse und Herrschaften von Habsburg, des Bischofs von Basel, Solothurn, Frankreich und nach 1871 der nachfolgenden deutschen Staaten.

Die Landskron (Frankreich)

Die Felsplatte aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg zeigt die Nähe zwischen Frankreich und Deutschland. Bereits während des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) bezogen Solothurner Soldaten hier Stellung, um den Krieg im Sundgau zu beobachten.

 Die Felsplatte mit Blick auf den Sundgau

Während des Ersten Weltkriegs wurde der Aussichtspunkt, der damals noch Plattenfels hiess, landesweit bekannt. Die Mannschaftsbaracke existiert noch heute. Die Felsplatte wurde 1939 mit Geschützen, anderen Waffen und Soldaten wieder in Betrieb genommen.

Zum Glück für die Eidgenossenschaft wurde die Felsplatte jedoch nicht zu einer Westerplatte (Gdansk,Beginn des Ersten Weltkriegs), am 1. September 1939.

Die Westerplatte heute

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land.

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Klooster Mariastein,  im Hintergrund die Roche Turme, Basel und der Felsberg (Schwarzwald, Baden-Württemberg)

Metzerlen-Mariastein

Die Schweiz, Churchill, Bowring, Toblerones und die Europäische Union

Britische Aristokraten waren die ersten Bergsteiger und Wintersportler in der Schweiz, unter anderem wegen einer Wette mit dem Gründer des Kulm Hotels in St. Moritz. Die Begeisterung war so gross, dass der erste Alpenverein der Welt 1857 in London gegründet wurde, dem 1863 der Schweizer Alpen Club (SAC)/Club alpine suisse (CAS) folgte.

Churchill und die Schweiz

Der grösste Brite aller Zeiten und Retter der europäischen Zivilisation („1940 hat Churchill Europa gerettet“, schrieb Willy Bretscher, Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung während des Zweiten Weltkriegs 1971) war einer von ihnen.

Sir Winston Leonard Spencer Churchill (1874-1965) bestieg den Monte Rosa und in der Folge mehrere andere Berge. Er hielt sich in jungen Jahren mehrmals in der Schweiz auf (1893, 1894, 1904, 1906, 1910). Während dieser (längeren) Aufenthalte lernte er das Land kennen und schätzen, wie auch andere Landsleute vor und nach ihm.

Sir John Bowring (1792-1872). Devonshire Association

Zudem befand er sich in der Schweiz in guter Gesellschaft. Der britische Bankier Sir Ernest Cassel (1852-1921) war jeweils im Sommer 1904, 1906 und 1910 sein Gastgeber in seiner Villa Cassel auf der Riederfurka im Gebiet des Aletschgletschers (Kanton Wallis).

Dort kam er in Kontakt mit britischen und schweizerischen Persönlichkeiten. Zudem kannte Churchill die politische und historische Entwicklung der Schweiz durch Publikationen englischer Autoren.

Die meisten Menschen kennen Churchill von Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg als einen eher behäbigen und Zigarre rauchenden Mittsechziger. In seinen jüngeren Jahren war er jedoch ein aktiver Sportler in verschiedenen Disziplinen, unter anderem Reiten, Polo und Wandern. Er spielte auch Bridge, wenn auch nicht immer mit gutem Erfolg:

Ich kann nicht sagen, wie stark ich es hasse, beim Bridge Geld zu verlieren. Dies ist ein vertracktes Spiel, namentlich wenn man ein schlechter Spieler ist mit einem miesen Blatt in der Hand“.

Seine literarische, journalistische, militärische und politische Karriere, seine Eloquenz und (historische) Belesenheit sind dagegen bekannt, aber auch seine (kurze) Ausbildung und Tätigkeit als Maurer und die Karriere als Maler verdienen Beachtung. Er war stolz auf die steinerne Scheune und Mauer, die er 1928 auf seinem Landgut Chartwell in Kent errichtete.

Winston Churchill, View of Chartwell, 1938. Front cover, The National Trust, Chartwell, 1992

Seine Malerkarriere begann nach einem seiner politischen Tiefpunkte und auf dem Schlachtfeld von Flandern im Jahr 1915. Er wurde von dem Schweizer Charles (Carl) Montag (1880-1956) unterrichtet. Zudem arbeiteten verschiedene Schweizerinnen bis zu seinem Tod 1965 auf Chartwell. Zwischen 1936 und 1938 publizierte er häufig in der Neuen Zürcher Zeitung (und in Medien in anderen Ländern).

Churchill war ein Kind des englischen viktorianischen Establishments und des 19. Jahrhunderts. Anachronistische und oberflächliche Kommentare sagen vor allem etwas über den heutigen Journalismus und die Historiker aus.

Neben seinen vielen (menschlichen) Qualitäten hatte Churchill auch seine Unzulänglichkeiten, Fehler und Fehleinschätzungen. Doch schon Jahre vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) und nach dem kommunistischen Putsch in Russland am Ende des Ersten Weltkriegs (1914-1918) hatte er den richtigen politischen und moralischen Kompass.

Er nahm nicht nur den kommunistischen Terror, seine wirtschaftliche Misswirtschaft und seinen kulturellen Nihilismus schon im Jahr 1918 wahr, sondern auch die nationalsozialistische Barbarei in den 1920er und 1930er Jahren. Frühzeitig erkannte er die Gefahr, die auch neutrale Länder, darunter die Schweiz, bedrohte.

Prag Žižkov, Náměstí Winstona Churchilla (Winston Churchill-Platz), 1999, nach einer exakten Kopie der Statue von Ivor Robert-Jones auf dem Parliament Square in London. Die Enthüllung der Statue fand am 17. November 1999 statt und kennzeichnet Prag als ein wichtiges europäisches kulturelles, politisches und historisches Zentrum. Sie erinnert auch an die berühmten Worte Churchills, die er am 30. September 1940 in einer Rundfunkansprache an das tschechische und slowakische Volk richtete: „Die Seele der Freiheit ist nicht tot. Sie kann und wird nicht sterben“ (The Soul of Freedom is Deathless. It Cannot and Will not Die).

Der Zweite Weltkrieg

Die berühmte Rede („Let Europe Arise“) am 19. September 1946 in Zürich war der Abschluss seines letzten Besuchs (19. August – 22. September 1946) in der Schweiz und zugleich ein massiver Dank der Schweizer Bevölkerung in Genf, Lausanne, Bern, Zürich oder wo immer er auftrat. Schliesslich hatte Churchill auch die Schweiz gerettet.

Oder mit den Worten von Werner Vogt: „Die Schweiz, namentlich die Schweizer Bevölkerung, hat Winston Churchill im Sommer 1946 viel gegeben. So viel aber, wie sie im Sommer 1940 bekommen hatte, konnte sie gar nicht zurückgeben. Es war auch die schweizerische Freiheit, die Churchill im Sommer 1940 verteidigte“ (Werner Vogt, S. 203).

Abgesehen von den (britischen, polnischen und tschechischen) Piloten der RAF während des „Blitzkriegs“ im Sommer 1940 ermöglichten Churchills Entscheidung und seine Marineerfahrung die Evakuierung des britischen Expeditionsheeres am 26. und 29. Mai. Dies waren vielleicht die entscheidenden drei Tage für den Sieg im Jahr 1945 oder, frei nach Churchill:

„Niemals auf dem Gebiet menschlicher Auseinandersetzungen haben so viele Menschen einer Person so viel zu verdanken“.

Londen, 2012, Trafalgar Studios, Three Days in May, Warren Clarke als Churchill (m), Jeremy Clyde als Lord Halifax (l) en Robert Demeger als Neville Chamberlain (r)

Für die Schweiz bestand bis 1944 eine konkrete Bedrohung durch eine deutsche Invasion, wie sie seit dem 10. Mai 1940 bestand. Vielleicht hat die schnelle Kapitulation (22. Juni 1940) Frankreichs eine Invasion verhindert.

Die Notwendigkeit war nicht mehr gegeben und eine neutrale Schweiz war aus diplomatischen, finanziellen und industriellen Gründen interessanter, und die Nord-Süd-Verbindung konnte auch nicht von den Alliierten bombardiert werden (obwohl es Pläne gab).

Wie dem auch sei, trotz der grossen Angst in der Bevölkerung und des Defätismus einiger Politiker und dank der kämpferischen Haltung der Armee (Réduit), der öffentlichen Meinung und der Medien sowie der Ablehnung eines „Anschlusses“ und des „Irredentismus“ durch die grosse Mehrheit der Bevölkerung fiel die Kosten-Nutzen-Analyse der italienischen und deutschen Diktatoren zugunsten der Einhaltung der Neutralität aus.

Mit dem heutigen Wissen ist es leicht, zu urteilen und vor allem (moralisch) die Schweiz zu verurteilen. Churchill respektierte die Neutralität des Landes, auch oder gerade wenn alliierte (wie auch deutsche) Flugzeuge über Schweizer Gebiet von der Schweizer Luftwaffe abgeschossen wurden.

Auch die viel grösseren Waffenlieferungen an Deutschland und Italien stellte er in den Zusammenhang mit der Notlage des Landes:

Die Felsplatte (Kanton Solothurn)

„Von allen Neutralen hat die Schweiz das grösste Recht, sich auszuzeichnen. Sie ist die einzige internationale Kraft, die die schrecklich zerrissenen Nationen und uns verbindet. Was spielt es für eine Rolle, ob sie uns die gewünschten Handelsvorteile verschaffen konnte oder ob sie den Deutschen zu viele Vorteile verschafft hat, um sich selbst am Leben zu erhalten? Sie war ein demokratischer Staat, der in Selbstverteidigung zwischen seinen Bergen für die Freiheit eintrat und gedanklich weitgehend auf unserer Seite stand“ (Winston Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Band VI, London, 1954).

Universität von Zürich

Zürich 1946

Seine Rede in Zürich am 19. September 1946 ist für die Schweiz immer noch aktuell. Churchill war ein grosser Befürworter einer Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern, ins besondere zwischen Frankreich und Deutschland:

Es geht darum, die europäische Familie wiederherzustellen, oder so viel davon, wie wir können, und ihr eine Struktur zu geben. Wir alle müssen uns von den Schrecken der Vergangenheit abwenden. Wir müssen den Blick in die Zukunft richten, „ein gesegneter Akt des Vergessens“.

Der erste Schritt zur Neugründung der europäischen Familie muss eine Partnerschaft zwischen Frankreich und Deutschland sein. Wir müssen die europäische Familie in einer regionalen Struktur wiederherstellen, die man vielleicht die Vereinigten Staaten von Europa (United States of Europe) nennen könnte. Der erste Schritt ist die Gründung eines Europarates (European Council). Grossbritannien, der britische Commonwealth of Nations, Amerika und Sowjetrussland müssen die Freunde und Förderer sein“.

In seiner Veröffentlichung aus dem Jahr 1954 (Winston Churchill, The Second World War, Volume VI, London, 1954) hat er seine Ideen in den Vordergrund gestellt. Er wolle keinen föderalen europäischen Staat, sondern einen nicht näher bezeichneten „Vereinigten Staaten von Europa“ (Ich werde nicht versuchen, ein detailliertes Programm für Hunderte von Millionen von Menschen zu erstellen).

Er sah diese Vereinigten Staaten von Europa als einen europäischen Regionalrat (European Regional Council) souveräner Nationen. Darüber hinaus sah er den Regionalen Rat des Pazifiks (mit Russland, Asien und Ozeanien), den Regionalen Rat der Amerikas, den Britischen Commonwealth und möglicherweise weitere (zukünftige) Regionale Räte vor. Der Weltrat (World Council) war das oberste Gremium mit Delegierten aus diesen Regionalräten.

Churchill schlug vor, dass die europäischen Länder aus praktischen Gründen Vertreter in den Europäischen Regionalrat entsenden sollten, und zwar nach Regionen geordnet, z. B. Benelux (Belgien, Niederlande, Luxemburg), slawische Länder und skandinavische Länder.

Zur Schweiz bemerkte er: „Herr Wallace fragte mich auch, ob ich die Möglichkeit eines Zusammenschlusses der Schweiz mit Frankreich in Betracht ziehe, aber ich sagte, die Schweiz sei ein Sonderfall“. (Winston Churchill, The Second World War, Band VI, London, 1954, S. 718).

Seiner Ansicht nach musste sich das Vereinigte Königreich ohnehin für die Meere, den freien Markt und den Handel entscheiden und nicht Teil dieser europäischen Strukturen sein, was jedoch eine Zusammenarbeit nicht ausschloss. Schliesslich war das Vereinigte Königreich seiner Ansicht nach bereits ein Commonwealth.

Die Europäische Union und die Schweiz

Die weitere Erklärung von 1954 macht deutlich, dass Churchill kein föderales Europa wollte. Wahrscheinlich würde er die Funktionsweise der derzeitigen Europäischen Union kritisieren und gleichzeitig die Notwendigkeit betonen.

Wie würde Churchill die derzeitigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Schweiz beurteilen? Er war realistisch und pragmatisch genug, um die schwierige Lage des Landes zu erkennen, umgeben von der Europäischen Union.

Andererseits war er aber auch realistisch genug, um die Vorteile, die positiven Entwicklungen und die Notwendigkeit einer (wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, militärischen, politischen und politischen) europäischen Zusammenarbeit zu erkennen.

Er würde jedoch auch die demokratischen, bürokratischen und politischen Mängel und (unrealistischen) Ambitionen der derzeitigen Europäischen Union aufzeigen, ohne in Populismus zu verfallen. In der Tat ähnelt diese Europäische Union manchmal den Vereinten Nationen auf europäischer Ebene oder einer NGO. Und das ist kein Kompliment.

Danziger Werft, Denkmal für die gefallenen Arbeiter 1970

Schlussfolgerung

Wir werden es nie erfahren. Vielleicht würde er empfehlen, die direkte Demokratie, die Subsidiarität, den Föderalismus, die Dezentralisierung, die Innovation und die Schweizer Währung mit den notwendigen Kompromissen zu erhalten. Immerhin ist die Europäische Union eine gute Initiative, nur in einigen Bereichen „aus dem Ruder gelaufen“ und offenbar nicht reformierbar.

Über das heutige Russland wäre er so deutlich, wie er es über seinen Vorgänger und aggressiven Verbündeten des deutschen Diktators bis zum 22. Juni 1941 war:

(Winston Churchill, The Second World War, Band III, London, 1950).

Die russische Invasion vom 22. Februar 2022 ist somit eine Fortsetzung der Aggression der Sowjetunion gegen Polen (17. September 1939), Finnland (November 1939) und die baltischen Staaten (1940).

Im Mai 1940 hat Churchill durch seine Entscheidungen die europäische Zivilisation gerettet. Dass dieser Kampf mit dem kommunistischen Albtraum in Osteuropa endete, war für Churchill eine bittere Pille:

From Stettin in the Baltic to Trieste in the Adriatic, an iron curtain has descended across the continent. Behind that line lie all the capitals of the ancient states of central and eastern Europe. This is certainly not the liberated Europe we fought to build up„, Fulton, am 5. März 1946).

Danziger Werft, Niederschlagung des Solidarność-Aufstandes, 1981

Militärische Fakten, kommunistischer Terror und ein unerfahrener, neuer US-Präsident (Harry Truman, 1882-1972) und britischer Premierminister (Clement Attlee, 1883-1967) besiegelten das Schicksal der osteuropäischen Länder, insbesondere Polens und der ehemaligen Tschechoslowakei („die Schweiz Mitteleuropas“ bis 1938).

Mit seinem Respekt für andere politische Ansichten, Debatten, parlamentarische Diskussionen und Demokratie hatte er jedenfalls keinen Respekt für Lord Haw-Haw (1906-1946) oder ähnliche aktuelle Persönlichkeiten.

(Bron: Werner Vogt, Winston Churchill und die Schweiz, Zürich 2015; The Churchill Foundation)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Neue archäologische Funde in der keltischen und römischen Schweiz

Wer hat nicht schon von ihnen gehört und sie vielleicht sogar aus der Nähe bewundert, die Kunstwerke, Gebrauchsgegenstände (heute Kunstobjekte), Gebäude, Münzen und andere Funde aus der keltischen Epoche und dem klassischen Altertum?

Die arabische Welt, die jüdischen Gelehrten und später die Mönche hielten die antiken Autoren und ihre Schriften jahrhundertelang in Ehren, bevor weltliche Gelehrte, Universitäten und Humanisten im 14.  und 15. Jahrhundert auf sie stiessen.

Der Fall von Byzanz und die Flucht der christlichen Gelehrten mit ihren Schriften im Jahr 1453 sowie die Reconquista in Spanien (abgeschlossen 1492) machten viele dieser schriftlichen Werke in Europa bekannt und zugänglich.

Das wissenschaftliche Interesse an physischen Objekten aus der klassischen Antike blühte jedoch erst in der Renaissance und im 17. Jahrhundert. In der Schweiz sind heute die Organisationen Pro Aventico in Avenches (das römische Aventicum) und die Stiftung Augusta Raurica in Augst die bekanntesten Beispiele.

Orbe heute

In zahlreichen weiteren Orten, Lausanne, Genf (als erste Schweizer Stadt unter römischer Herrschaft ab 122 v. Chr.), Nyon, Vevey, Martigny, Windisch, Orbe, Vallon, Bern, Lenzburg, um nur einige zu nennen, haben die Römer und romanisierten Kelten (Galloromanen) ihre Spuren hinterlassen.

Museen, archäologische Stätten und Pärke erzählen von dieser Vergangenheit. Sie tun dies meist im Zusammenhang mit der einheimischen Bevölkerung (keltische Stämme und Rätier in der Ostschweiz), die das Gebiet der heutigen Schweiz Jahrhunderte vor der römischen Eroberung 15-13 v. Chr. bewohnte. Laténium in Hauterive (Kanton Neuchâtel) ist ein gutes Beispiel für dieses Konzept.

Laténium in Hauterive

Die keltische Kultur und Gesellschaft rückt immer mehr ins Blickfeld. Die Kelten waren sicher keine „Barbaren“, wie die Römer (und Griechen) fremde Völker bezeichneten. Insbesondere überflutete keltische Pfahlbauten, Grabhügel und andere archäologische Funde weisen  auf ihre Art des Zusammenlebens und ihre (Hoch-)Kultur hin.

Schriftliche Quellen über Kelten fehlen jedoch. Lediglich römische und griechische Autoren haben sich sporadisch mit diesen Stämmen befasst. Über die rätischen Stämme hingegen schweigen sie ganz.

Die römischen Provinzen in den Alpen, 150 n. Chr. Bild: Marco Zanoli/Wikipedia

Nicht nur nach den römischen Eroberungen im 1. Jahrhundert v. Chr., sondern auch in den Jahrhunderten davor schrieben diese Autoren über die „Keltoi oder Celtae“. Immerhin hatten die Römer auch grosse Niederlagen gegen keltische Stämme erlitten.

Ausserdem gab es bereits vor den römischen Eroberungen Handelskontakte zwischen Griechen, Römern und Kelten. Griechen und Römer trieben seit Jahrhunderten Handel mit den nördlichen Regionen, sogar bis zur Ostsee, von wo aus vor allem der begehrte Bernstein in den Mittelmeerraum exportiert wurde.

Da es so gut wie keine schriftlichen Quellen, geschweige denn Archive gibt, erforschen vor allem Archäologen diese Kontakte. Ein aktueller Fund in Augusta Raurica verleiht ihrer Arbeit wieder zusätzlichen Glanz.

Augusta Raurica, Römisches Theater 

Kürzlich wurde eine römische Bronzemünze aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., also aus der Zeit der römischen Republik, gefunden. Es sind diese kleinen Funde, die das Puzzle immer vollständiger machen.

Doch der Boden birgt noch viele weitere Geheimnisse, wie zwei gefundene Inschriften aus der Römerzeit in Augusta Raurica, ein gut erhaltenes Mosaik in der römischen Villa an der Rue des Pavés in Avenches und sogar ein römisches Heerlager in Oberhalbstein auf dem Colm la Runga auf 2 200 Metern Höhe im Gebiet von Crap Res (Surses, Kanton Graubünden) zeigen.

Der Fund von Oberhalbstein bringt mehr Klarheit über den römischen Feldzug und die Eroberung der heutigen Schweiz in den Jahren 15-13 vor Christus.

Aventicum um 200 n. Chr. Musée romain d’Avenches

Die Römerzeit dauerte über vier Jahrhunderte und prägt die heutige Schweiz sprachlich, religiös und kulturell. Die rätoromanische, italienische und französische Sprache, das Christentum, die Nutzung von Gebirgspässen, Wasserwegen und Handelsrouten, die Entstehung der ersten (römischen) Städte und anderes „antikes“ Erbe prägen die 26 Kantone der heutigen Eidgenossenschaft.

Dank des Engagements, der Geduld der archäologischen Detektive und der Finanzierung durch die (lokalen) Behörden wird das Puzzle der heutigen Schweiz immer vollständiger.

(Quelle und weitere Informationen: Archäologischer Dienst Graubünden, Association Pro Aventico; Stiftung Augusta Raurica)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Weg der Toblerones, Château de Prangins und Villa rose

Der Weg (Sentier des Toblerones) verdankt seinen Namen einer Reihe von Feldbefestigungen, die während der Kriegsmobilisation von 1939 bis 1945 errichtet wurden. „Toblerones“ nennt die Bevölkerung die Panzerabwehrhindernisse, deren Betonelemente an die Schweizer Schokoladenmarke erinnern.

Die befestigte Verteidigungslinie erstreckt sich über rund fünfzehn Kilometer vom Fusse des Juras hin bis zum Genfersee. Sie folgt den Schluchten von drei Bächen: la Combe, Serine und Promenthouse.

Diese Promenthouse-Festungslinie basiert auf einem natürlichen Hindernis, das sich aus diese drei Bächen zusammensetzt. Die gesamte Panzerabwehrlinie mit den Tobleronen verläuft entlang des Rheins bis nach Sargans (kanton Sankt Gallen).

Der Toblerone Weg ermöglicht es diesen drei Flüssen entlang einer Reihe voller Naturschönheiten zu folgen. Er verläuft durch eine Landschaft, die von den Hängen des Juras ausgehend ein unwegsames Gelände (Beckengebiet) und dann Hänge aufweist (Begnins und Vich) und schliesslich in einer Ebene (Gland und das Delta des Promenthouse).

Das Schweizerische Landesmuseum Château de Prangins und die rosafarben Villa (Villa rose) ergänzen den Weg.

(Quelle und weitere Informationen: www.toblerones.ch)

Oberwangen, kleines Dorf, grosse Geschichte

Schon Jahrhunderte vor und nach der römischen Eroberung (15-13. v. Chr.) führte eine Handelsroute vom Hafen Morges-St.-Sulpice (am Genfersee) durch das Wangental zum Oberen Hauenstein. Diese Strasse durch das Wangental und durch das heutige Oberwangen (Kanton Bern) war eine wichtige Verkehrsader.

In der römischen Zeit gab es verschiedene Gutshöfe. Burgunder, Alemannen und romanisierte Kelten bewohnten das Gebiet im 5. Und 6. Jahrhundert. 1248 wurde Oberwangen erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Wangen bedeutete damals Gefielde, Feld oder sumpfiger Hügel.

Um 1200 besass die Familie von Egerdon, Dienstleute der Grafen von Neuenburg, grosse Teile des Wangentals. Die Familie verkaufte 1312 den ganzen Gurten samt Burg dem Deutschen Orden. Bern erwarb nachher das Tal und Oberwangen. Mit der Reformation verschwand 1528 die jahrhundertealte Kapelle. Erst 1911 wurde eine neue Kirche in Oberwangen errichtet.

Im Rahmen der Schlacht von Neuenegg stiessen französische Truppen 1798 bis Oberwangen vor. Hier wurden sie jedoch bis Neuegg zurückgeworfen. Vergeblich, die Kapitulation nach der Niederlage beim Grauholz besiegelte das Ende der Kämpfe und den Untergang Berns und des Ancien Régime.

(Quelle und weitere informationen: Gemeinde Könitz/ Oberwangen)

Wandern Entlang des Rheins mit Johann Wolfgang von Goethe

Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) war ein begeisterter Wanderer. Der in Genf geborene Schriftsteller hielt sich jedoch hauptsächlich in der Westschweiz auf.

Sein deutscher Zeitgenosse Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) besuchte drei Mal den deutschsprachigen Teil des Landes auf und wanderte dort gerne. Besonders beeindruckt war er vom Rheinfall bei Neuhausen (Kanton Schaffhausen) und dem damals noch ungezähmten Lauf des Rheins.

Der Rhein Zwischen Rheinau und Neuhausen

Bei seinen Besuchen am Rheinfall besuchte er auch das Schloss Laufen und das Schloss Wörth (Schlössli Wörth). In seinem Tagebuch schrieb er über das Schlössli Wörth am 18. September 1797: „Ich ging hinein, um ein Glas Wein zu trinken“. Ihm zu Ehren hat dieses Schloss ein Goethe-Zimmer eingerichtet.

Der Rheinfall, Schloss Laufen (links), Schlössli Wörth rechts

Schlössli Wörth

Viele bekannte Persönlichkeiten waren ihm vorausgegangen und folgten ihm noch nach, unter anderen Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) und Kaiser Joseph II. (1741-1790) des Heiligen Römischen Reiches, Zar Alexander I. (1777-1825) von Russland, der österreichische Kaiser Franz Josef I. (1830-1916) und seine Frau Elisabeth, besser bekannt als Sisi (1837-1898), und wegen ihres tragischen Todes in Genf.

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas und der Rhein seit jeher eine wichtige Verkehrsader für den Transport von Menschen und Gütern. Die Stadt Schaffhausen ist seit Jahrhunderten ein Umschlagplatz für Waren (früher auch für Salz aus Österreich). Schliesslich war der Rheinfall eine natürliche Blockade. Nach dem Rheinfall war der Fluss bis zum niederländischen Delta wieder schiffbar.

Modell eines Flosses. Museum Die Bastei, Nimwegen (Nijmegen)

Aus diesem Grund hatten niederländische Kaufleute 1609 sogar den kühnen Plan, den Rheinfall für die riesigen und profitablen Holzflösse passierbar zu machen. Sie wollten den Rheinfall und seine Felsen sprengen, um den Holzflössen freie Fahrt zu verschaffen! Kaufleute aus dieser Republik wollten zu dieser Zeit auch eine Verbindung zwischen der Rhone und dem Rhein herstellen, unter anderem durch den Bau eines Kanals in der Waadt.

Diese Idee erinnert an einen anderen Plan aus dem 19. Jahrhundert, eine Wasserverbindung für Schiffe durch die Schweizer Alpen herzustellen! Wie dem auch sei, der Rheinfall ist immer noch da. Das Schlössli Wörth schätzte die Initiative der holländischen Kaufleute und richtete ein Zimmer als „Holländer Eck“ ein.

Neuhausen, Denkmal für die erste Aluminimumindustry  in Europa

Ein paar Jahrhunderte später nutzte der Industrielle Johann Georg Neher (1788-1858) den Rheinfall. Er errichtete ein Eisenwerk und nutzte den Wasserfall als Energiequelle. Damit legte er auch den Grundstein für die spätere erste Aluminiumfabrik Europas!

Eindruck aus Swiss Smilestones

Der Rheinfall bietet ausserdem eine neue Attraktion. Swiss Smilestones ist eine Indoor-Miniaturwelt der Schweiz und ihrer Natur!

Es ist nicht bekannt, ob Goethe und andere Berühmtheiten die Stadt Rheinau und das Kloster Rheinau besucht haben. Jedenfalls ist die Gastwirtschaft zum Buck seit 1492 dort ansässig. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass die Kellermauern und Balken auf das Jahr 1330 zurückgehen, vielleicht als Teil des Klosters Rheinau.

Wirtshaus zum Buck 

Die am Rhein gelegene Gastwirtschaft ist seit Jahrhunderten Haltestelle der Postkutsche und später des Postautos und ein guter Ausgangs- oder Endpunkt für einen Spaziergang am Rhein.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land.

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Rheinau

Elektrizitätskraftwerk Rheinau

Arbeit der Biber entlang des Rheins

Eine Insel im Rhein nahe Rheinau