Die Stadt, das Fürstentum und der Kanton Neuenburg

Über die Besiedlung der Stadt Neuenburg bis zum Jahr 1000 ist nicht viel bekannt. Die ersten Grafen von Neuenburg gehen auf das „zweite“ Königreich von Burgund (888-1032) zurück. Der letzte König Rudolf III. (970-1032) liess auf dem Felsen eine Burg errichten, der Anfang des heutigen Neuchâtel (neue Burg). In den Jahren 1185–1190 folgte das Stift, la Collégiale.

Der Bahnhof von Neuenburg, die ersten Bewohner in der Steinzeit

Les Galeries de l’histoire de Neuchâtel. 

Die Dynastie der Grafen von Neuchâtel starb 1395 aus. Bis 1504 regierten nacheinander die deutschen Familien Freiburg und Hochberg die Grafschaft.

Die französische (königliche und katholische) Familie d’Orléans-Longueville erwarb die Grafschaft im Jahr 1504 nach dem Aussterben dieser deutschen Dynastien. Die Grafschaft wurde ein Fürstentum.

Die Bürgerinnen und Bürger suchten jedoch die Annäherung an die 13 Kantone der Eidgenossenschaft, wie man am Schloss sehen kann. Diese Annäherung ging so weit, dass die Kantone das Fürstentum mehrere Jahre lang (1512-1529) verwalteten. Man kann hier von einer “Besatzung“ mit dem Einverständnis der Einwohner sprechen!

Im Jahr 1530 wurde Neuenburg protestantisch. Guillaume Farel war die treibende Kraft. Dies hatte Auswirkungen auf die Zukunft des Fürstentums. Die Dynastie d’Orléans-Longueville starb 1706 aus. Die Neuenburger Stände (les Trois États) wollten einen protestantischen Prinzen, der zudem weit weg residierte.

Es gab mehrere Prätendenten, darunter den katholischen französischen König. Die Wahl wurde von religiösen und geopolitischen Motiven bestimmt. Berlin war viel weiter weg als Paris. Zudem war Neuenburg seit den „Besatzungsjahren“ 1512–1529 eng mit der Eidgenossenschaft verbündet.

Schliesslich erwarb der (protestantische) preussische König der Hohenzollern-Dynastie, Friedrich Wilhelm I (1688-1740),  1707 das Fürstentum Neuenburg. Er blieb (formell) bis 1857 Fürst von Neuenburg.

Rathaus

Die französische Ära (1798–1813) führte zu einem kurzen französischen Intermezzo im Jahr 1806. Der französische Marschall Alexandre Berthier (1753-1815) war von 1806 bis 1813 Fürst von Neuenburg. Nach der Niederlage Napoleons und dem Abzug der Franzosen kam der preussische König 1814 (formell) wieder an die Macht.

Das Monument 1814-1848

1815 trat Neuenburg als Kanton der Eidgenossenschaft bei und blieb ein Fürstentum des preussischen Königs. Diese Situation endete 1857, als König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) formell auf seine Rechte verzichtete, nachdem 1848 die Confoederatio Helvetica von 22 Kantonen, darunter auch Neuenburg, gegründet worden war und die Industriestädte Le Locle und La Chaux-de-Fonds einen erfolgreichen Aufstand gegen die royalistische Aristokratie der Stadt Neuenburg geführt hatten.

Der erste Aufstand im europäischen Revolutionsjahr 1830 war im Gegensatz zu den Veränderungen in anderen Kantonen (z.B. die Teilung Basel-Stadt und Basel-Landschaft und die Regeneration mit einer modernen Verfassung in 11 Kantonen) nicht erfolgreich gewesen.

Der letzte Monarch verschwand 1857 aus der Schweiz. Viele Stadtpaläste erinnern jedoch noch an die jahrhundertealte französische, deutsche und preussische Zeit.

In der Folgezeit entwickelte sich die Stadt zu einem Industrie- und Handelszentrum, u. a. für die Uhrenindustrie, den Tourismus, den Handel sowie die Kakaoverarbeitung. Suchard war der erste multinationale Schokoladenhersteller!

Das rasche Bevölkerungswachstum und die Stadtentwicklung sind in den Galeries de l’histoire gut dokumentiert.

Heute ist die Stadt mit ihrer Universität und ihrem mittelalterlichen Zentrum die drittgrösste Stadt der Romandie oder der Westschweiz und liegt wunderschön am Fusse des Juras am Neuenburgersee.

Swiss Institute for Electronics and Microtechnology

Le pavillion Hirsch

Die Rivalität zwischen dem industriell geprägten La Chaux-de-Fonds und dem „aristokratischen“ Neuenburg ist jedoch mit diesem „le Bas et le Haut du Canton“, den tief- und hochgelegenen Gebieten des Kantons, nicht verschwunden (La Chaux-de-Fonds, le Haut Jura, ist mit fast 1 000 Metern die höchstgelegene Stadt der Schweiz).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Rudern, lac de Neuchâtel Fotos: Gaetano Mileti

L’Hôtel DuPeyrou

Le Jardin anglais und das Casino de Neuchâtel

Neuenburg, Bulgari

Habsburgisches Erbe, Humanismus und Unesco-Welterbe im Elsass

Die Habsburger waren bis 1918 die am längsten regierende imperiale Dynastie in Europa. Mitglieder der Familie waren ab 1438 ununterbrochen (abgesehen vom Wittelsbacher Karl VII. Albert (1697-1745, Kaiser von 1742 bis 1745), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ab 1806 des Kaiserreichs Österreich und ab 1867 bis 1918 der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Erzherzog Maximilian (1832-1867) war sogar kurze Zeit Kaiser von Mexiko (1864-1867).

Édouard Manet (1832-1883), L’exécution de Maximilien, 1867. Foto: Wikipedia. Städtische Kunsthalle, Mannheim

Im Jahr 1555 hatte die Familie bereits eine Aufteilung in einen österreichischen und einen spanischen Zweig vorgenommen, um das riesige Gebiet (einschliesslich der Neuen Welt) regierbar zu halten. Über 50 Jahre zuvor, im Jahr 1499, hatte bereits eine andere Aufteilung stattgefunden.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft war ab dem Frieden von Basel faktisch eine unabhängige „Nation“ souveräner Kantone. Der Westfälische Frieden bestätigte diesen Status im Jahr 1648. Das Stammland der Habsburger war damit endgültig verloren, obwohl das Schloss und das Dorf Habsburg die Ehre hochhalten.

Die Burg und das Dorf Habsburg (Kanton Aargau)

Elsass

Wer denkt heutzutage bei den Städten Ensisheim, Ferrette (Pfirt) oder Sélestat (Schlettstadt) im Elsass noch an die kaiserliche Präsenz der Habsburger? Doch Ensisheim war jahrhundertelang die Hauptstadt des Vorderösterreichs der Habsburger. Ferrette und Sélestat waren wichtige Verteidigungs- und Verwaltungsorte.

In der wunderschönen hügeligen Landschaft mit ihren vielen Weinbergen und Dörfern befindet sich zudem die mächtige Burg Haut-Koenigsbourg (Hohkönigsburg), jahrhundertelang im Besitz der Habsburger.

Die Burg von Ferrette 

Ferrette

Oder eigentlich liegt das Dorf Vieux-Ferrette an der römischen Strasse von Basel nach Porrentruy (Kanton Jura). Das nahegelegene Städtchen Ferrette ist nach dem Schloss benannt, das 1105 erstmals in Dokumenten erwähnt wird. Die Grafen von Pfirt (damals noch deutschsprachig) bewohnten die Burg und hatten ausgedehnte Gebiete im Elsass. 1324 übernahmen die Habsburger dank Heiratspolitik die Burg.

Im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) zerstörten schwedische Truppen die Oberburg auf dem Gipfel des Berges (612 Meter). Nur die Unterburg wurde wieder aufgebaut. 1648 erwarb Frankreich jedoch den Sundgau und einige Jahrzehnte später das gesamte Elsass (einschliesslich Colmar und Strassburg).

Ensisheim

Ensisheim liegt in der Nähe anderer Gebiete des Patrimoine der Habsburger: Murbach und Ottmarsheim. Um das grosse Gebiet Vorderösterreichs angemessen verwalten zu können, machte Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) Ensisheim 1526 zur Verwaltungshauptstadt dieses Gebiets.

Palais de la Régence

Der Palais de la Régence (1545), Klöster, Kirchen und Stadtpaläste erinnern an diese Zeit. Die Stadt war bis 1648 auch das juristische Zentrum Vorderösterreichs.

Sélestat

Das Wachstum und die Blüte dieser Stadt begannen bereits vor der Ära der Habsburger. Der Hohenstaufener Kaiser Friedrich II. (1194-1250) verlieh Sélestat 1217 den Status einer freien kaiserlichen Stadt (Reichsunmittelbarkeit). In dieser Zeit begann der Bau der gotischen Kirche St. Georg, die neben der wunderschönen romanischen Kirche Sainte-Foy liegt.

Saint-Georges

Sainte-Foy 

Sélestat war eine der zehn Städte der Dekapolis (darunter auch Colmar, Mulhouse (Mülhausen), Hagenau, Wissembourg (Weissenburg), Obernai (Oberehnheim), Rosheim, Kaysersberg (Kaisersberg), Turckheim (Türkheim) und Munster (Münster).

Dies war ein Bund der zehn freien kaiserlichen Städte im Elsass. Strassburg war ebenfalls eine freie Stadt, hatte jedoch einen höheren Status und gehörte nicht zu diesem Bund (1354-1697).

Es war ein (defensives) Bündnis und ein Kooperationsverband à la die Eidgenossenschaft. Mulhouse zog sich bereits 1515 aus der Dekapolis zurück und wurde assoziiertes Mitglied (zugewandter Ort) der Schweizerischen Eidgenossenschaft bis 1798 und der Eingliederung durch Napoleon!

Unter den Habsburgern begann ab dem 15. Jahrhundert nicht nur die wirtschaftliche und religiöse Blütezeit, sondern nahmen auch die kulturellen und wissenschaftlichen Höhepunkte einen Anfang.

Die Lateinschule und der Humanismus (l’humanisme rhénan) waren berühmt. Selbst Erasmus widmete der Stadt ein Gedicht, „Lobpreis auf Sélestat“ (1515). Die humanistische Bibliothek von Beatus Rhenanus (1485-1547) ist seit 2011 sogar UNESCO-Weltkulturerbe! Frankreich erwarb jedoch auch Sélestat im Jahr 1648.

Haut-Koenigsbourg

Die Burg Haut-Koenigsbourg in der Nähe von Sélestat steht auf einer einsamen Höhe von über 700 Metern und dominiert die Umgebung. Was die Roche-Türme für Basel sind, ist Haute-Koenigsbourg für diese Region, nur ist ihre Geschichte etwas älter.

Der Hohenstaufer Kaiser Friedrich I. oder Kaiser Barbarossa (1119-1190) baute das Schloss im Jahr 1147. Danach besassen die Habsburger und ihre Verbündeten das Schloss bis zur Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg und der Übernahme durch Frankreich im Jahr 1648.

Schlussfolgerung

Die vielen deutschsprachigen Ortsnamen im Elsass erinnern noch immer an die deutschsprachige und habsburgische Vergangenheit dieser Region. Trotz der Eingliederung durch Frankreich blieb die lokale Umgangssprache jahrhundertelang auf der deutschsprachigen alemannischen Sprache basierend.

Einwohner des Markgräflerlands und anderer Gebiete in Baden, den Kantonen Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft und Jura konnten sich jahrhundertelang in dieser Sprache verständigen.

Das Ende der Habsburgerzeit änderte daran nichts. Die Nachwirkungen der Kriege in 1870/1871, 1914-1918 und 1939-1945 machten jedoch diesem sprachlichen Erbe endgültig ein Ende. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das monumentale Erbe der Habsburgerzeit noch immer prominent vorhanden ist und heutzutage wieder gepflegt wird.

Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur Colmar und Strassburg oder die Weindörfer zu besuchen, sondern auch die oben genannten Orte.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Ferrette

Ensisheim

Das Kloster und die Stadtmauer

Sélestat

Haute-Koenigsbourg

La route des Vins d’Alsace 

Die Schweiz ist der Kräutergarten Europas

Die medizinische, psychologische und manchmal wunderbare (und giftige!) Wirkung von Kräutern und Pflanzen ist so alt wie die Menschheit auf allen Kontinenten. Ureinwohner im Amazonas, Indianer in Amerika, Chinesen, Japaner, Aborigines, Perser, Griechen, Kelten oder Römer, jede Gemeinschaft kannte ihre Kräuter- und Pflanzenexperten.

Kloster Dornach heute

Le Jardin botanique de Genève

Die Mönche auf dem europäischen Kontinent haben dieses Wissen ihrer Vorgänger ab dem sechsten Jahrhundert bewahrt, weiterentwickelt und oft schriftlich festgehalten. Jedes Kloster hatte seinen Kräutergarten.

Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen war jedoch keine Mönchin, sondern eine Nonne des Benediktinerordens. Hildegard von Bingen (1098-1179) war nicht nur eine Nonne und später (1152) die Äbtissin des von ihr gegründeten Klosters Rupertsberg bei Bingen am Rhein.

Sie wurde vor allem als Theologin, Autorin, Komponistin, Naturwissenschaftlerin und „Pharmazeutin“ avant la lettre mit ihren Forschungen zu Heilkräutern, Pflanzen und Säften bekannt.

Sie war zudem Beraterin des Kaisers Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa (um 1122-1190). Sie korrespondierte mit Päpsten, Bischöfen und anderen Äbten und Mönchen, wie zum Beispiel Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Kurz gesagt, eine aussergewöhnliche mittelalterliche Persönlichkeit.

Ihr Lebenslauf ist in verschiedenen (digitalen) Publikationen beschrieben und wird hier nicht weiter behandelt (siehe u.a.: G. H. Heepen, Das Heilwissen der Hildegard von Bingen. München 2015; G. Muhr, Hildegard von Bingen. Der Mensch im Einklang mit der Natur, Daun, 2024).

Das erste gedruckte Buch ‚Physica‘ (1533). Bild: Wikipedia

Neben verschiedenen theologischen Werken schrieb sie zwischen 1150 und 1158 auch zwei noch immer aktuelle medizinische Werke. Das erste Werk trägt den vollständigen Titel „Liber simplicis medicinae“ oder „Physica“, das zweite heisst „Liber compositae medicinae“ oder „Causae et Curae“ .

Beide Bücher behandeln seelische  Krankheiten und die heilende Wirkung von Kräutern, Pflanzen und Säften. Sie schöpfte dabei nicht nur aus den Erfahrungen des Klosters (und der klassischen Antike), sondern auch aus dem Volkswissen lokaler Gemeinschaften und ihrer Kräuter- und Pflanzenexperten. Sie beschreibt Hunderte von geistigen und körperlichen Beschwerden und hat in ihren Büchern und in ihrem Kräutergarten gewissermassen eine Apotheke eingerichtet.

Nach ihrem Tod gerieten Hildegard und ihre Apotheke für Jahrhunderte in Vergessenheit. Doch mehrere Persönlichkeiten widmeten sich danach der Heilkraft der Kräuter, darunter der Schweizer Arzt Theophrastus Bombast von Hohenheim alias Paracelsus (1493-1541) und Jahrhunderte später der Bayer Sebastian Anton Kneipp (1821-1897).

Samedan

Die „Kräuterapotheke“ von Hildegard wurde erst im zwanzigsten Jahrhundert wieder zugänglich. Die oben genannten Bücher wurden Anfang des 20. Jahrhunderts  (aus dem Lateinischen) ins Deutsche übersetzt.

Auch der Schweizer Pater Johann Künzle (1867-1945), Pater Flurin Maissen (1906-1999) sowie Rudolf Steiner (1861-1925) und Ita Wegman (1876-1943) erkannten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die wohltuende Wirkung von Kräutern und Pflanzen.

Johann Künzle, Das Grosse Kräuterbuch. Ratgeber für gesunde und kranke Tage

Ein weiterer Schweizer, Alfred Vogel (1902-1996), ging seinen eigenen Weg und gründete 1963 die Firma Bioforce AG (heute A. Vogel AG), nachdem er ein halbes Jahrhundert lang (weltweit) praktische Erfahrungen, Publikationen und Forschungen auf dem Gebiet der Heilwirkung von Kräutern gesammelt hatte.

Der Schweizer Drogist Kurt Altermatt und einige Apotheker aus Österreich waren jedoch die ersten Produzenten von Rezepten aufgrund der Werke von Hildegard.

Danach nahm die Verbreitung schnell zu, und es ist kein Zufall, dass die internationale Gesellschaft Hildegard von Bingen 1980 in der Schweiz gegründet wurde.

Das weltweite Zentrum der Pharmazie, der Naturpflege und der Anerkennung der Verdienste von Hildegard geht auch in Basel Hand in Hand. Es symbolisiert den Respekt der Stadt der modernen Medizin und Pharmazie für diese Pionierin.

Am Gornergrat, 3,089 m

Die Schweiz ist nicht nur das Wasserschloss Europas, sondern auch der Kräutergarten. In jedem Weiler, Dorf, jeder Stadt und auf zahlreichen öffentlichen und privaten Grundstücken wachsen und blühen oft (jahrhundertealte) Kräuterpflanzen. Die Natur ist in diesem Land buchstäblich und im übertragenen Sinne nie weit entfernt.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Splügen

Degersheim

Arlesheim

Engelberg

Grand Hôtel Weisshorn, Kanton Wallis, der erste alpine Garten Europas

Alpage de Cottier

Sion, ehemaliges Kapuzinerkloster

Bern

Zermatt

Freilichtmuseum Ballenberg

Basel, Merian Gärten

Leukerbad

Mariastein

Vals

Oberwil, FGV Lettenmatt

Goetheanum

L’Ermitage de Neuchâtel

Blatten (Wallis), der Ricola Kräuterweg

Ernen

SAC-Hütte Illhorn

Rudolf Steiner – Leben und Werk 1861-1925 im Goetheanum

Anlässlich des hundertsten Todesjahres von Rudolf Steiner wird am Goetheanum vom 28. März 2025 bis 1. Januar 2026 eine umfangreiche Ausstellung (Aus des Kosmos Geist entzünden. Rudolf Steiner – Leben und Werk 1861-1925 ) seines biographischen Werdegangs und seines Werkes mit Kunstwerken, Fotos, Dokumenten und Artefakten gezeigt.

Zu der im Hauptbau des Goetheanum angesiedelten Ausstellung sind die umliegenden, von Rudolf Steiner entworfenen Nebenbauten sowie weitere Ausstellungsräume vor Ort zu besichtigen.

Die Ausstellung macht die Verwobenheit von Steiners Biographie mit seinen geisteswissenschaftlichen, künstlerischen und gesellschaftlichen usw. Werken sichtbar. Das durchgehende Motiv der Präsentation ist, wie Rudolf Steiner im Laufe seiner Biographie das Verhältnis zwischen der sinnlich-materiellen und der geistigen Welt erlebt und gestaltet.

Wichtige Stationen seines Werdegangs sind die Herausgabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften sowie seine eigenen erkenntniswissenschaftlichen, theosophischen und anthroposophischen Werke. Sein Kunstimpuls ist bedeutend wie auch die Entwicklung neuer Ansätze in der Pädagogik, Architektur, Medizin, Landwirtschaft, dem Bankwesen und dem sozialen Leben.

Die Wechselwirkung zwischen Steiners eigenen Intentionen, äusseren Einflüssen seiner Zeit und seinem eigenen Schicksal sowie dem lebendigen Geflecht seiner sozialen Beziehungen, Freundschaften und den an ihn gestellten Fragen macht ein Leben sichtbar, das auf einer kleinen Bahnhofsstation im heutigen Kroatien begann und bis heute eine weltweite Wirksamkeit entfaltet hat.

Die Ausstellung ist in deutscher und englischer Sprache und wird vom 28. März bis 1. Januar 2026 im Erdgeschoss und im ersten Stock des Goetheanum gezeigt.

(Quelle und weitere Informationen: Goetheanum)

Eindrücke aus der Ausstellung

       

Rudolf Steiner, Ita Wegman, das Goetheanum, die Ita Wegman Klinik und das Anthroposophische Weltzentrum

Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft) hat seit 1678 seine monumentale Kathedrale und Paläste des ehemaligen Kapitels des Bistums Basel und seit 1785 die berühmte Hermitage. Nichts deutete nach 1913 darauf hin, dass dieses Dorf und das angrenzende Dornach (Kanton Solothurn) erneut Geschichte schreiben würden. Dornach machte 1499 bereits Schlagzeilen

Am 30. März 1925 starb Rudolf Steiner in Dornach in seinem Atelier in seiner Goetheanum-Kolonie. Die niederländische Ärztin Maria Ita Wegman (1876-1943) stand ihm in seinen letzten Stunden bei. Wegman starb in Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft). Für beide war es bei ihrer Geburt nicht vorhersehbar, dass sie in diesen Dörfern ihre letzte Ruhestätte finden würden.

Der Grenzstein und der Bach Schwinbach-Aue zwischen dem Kanton Solothurn (Dornach) und dem Kanton Basel-Landschaft (Arlesheim). Rechts das Glashaus des Goetheanum (Dornach)

Rudolf Steiner

Rudolf Steiner wurde 1861 in Donji Kraljevec in Kroatien geboren, damals der ungarische Teil der damaligen österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie (1848-1918). Er stammte aus einer deutschsprachigen Familie. In seinen Schuljahren war er fasziniert von der Mathematik, seinem Lieblingsfach, und der Natur.

Anschliessend studierte er an der Technischen Hochschule in Wien (1879-1889). Dort lernte er die philosophische, psychologische, deutsch-nationalistische und liberaltheologische Welt des habsburgischen kulturellen Schmelztiegels von Wien kennen.

Otto Fröhlich (1869-1940), um 1892. Rudolf Steiner. Sammlung: Goetheanum

Er vertiefte sich in Philosophie und in das Wesen des Menschen und entwickelte sein lebenslanges Credo: „Es gibt keine Grenzen der Erkenntnis“, mit dem Ziel, „das Ewige in uns anzuschauen“ (sozusagen sich selbst kennenlernen).

Sein Idol war Wolfgang von Goethe (1749-1832). Goethe war nicht nur Dichter und Schriftsteller, sondern auch Naturwissenschaftler, das bevorzugte Studiengebiet von Steiner. Steiner las, bewunderte und kritisierte zudem die grossen Denker seiner Zeit und der vorangegangenen, wie Friedrich Nietzsche (1844-1900), Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) und Immanuel Kant (1724-1804).

Weimar

Steiner kombinierte sein Interesse an der geistigen Entwicklung des Menschen, jedes Individuums, mit der physischen Welt der Materie und der Naturwissenschaften. Goethe war sein Vorbild und er arbeitete von 1890 bis 1897 im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Diese Jahre prägten sein Gedankengut in der Anthroposophie.

Sammlung: Goetheanum

Dies führte 1893 zur Veröffentlichung der „Philosophie der Freiheit“, nachdem er 1891 mit der Dissertation „Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre. Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewusstseins mit sich selbst“ promoviert hatte. Der Verlag der Handelsausgabe machte 1892 klugerweise daraus einen deutlich kürzeren Titel: „Wahrheit und Wissenschaft“.

Sammlung: Goetheanum

Berlin

1899 zog er zusammen mit seiner Frau Anna Eunicke (1853-1911) nach Berlin. Es ist die Belle Époque oder das Fin de Siècle mit einer technischen Erfindung, künstlerischer Erneuerung und Industrialisierung nach der anderen.

Er kombinierte die physische Welt der Naturwissenschaften mit seinem esoterischen und philosophischen Gedankengut zur geistigen Entwicklung des Individuums.

In Berlin kam er mit der Theosophie (göttliche Weisheit) in Kontakt. Diese Bewegung erklärte das Wesen und die Entwicklung des Menschen aus der Perspektive des Höheren, des Okkulten und anhand mystisch-religiöser und naturphilosophischer Ansätze.

Sammlung: Goetheanum

Diese Bewegung war international orientiert, mit vielen adligen und wohlhabenden Bürgern als Anhängern. Steiner wurde 1902 aufgrund seines fundierten Wissens und vor allem seines Redner- und Schreibtalents Generalsekretär der Deutschen Theosophischen Gesellschaft.

Hier traf er auch Marie von Sivers, die nach dem Tod seiner Frau 1911 seine zweite Ehefrau wurde und als Marie Steiner (1867-1948) bekannt wurde. Sie spielte bis zu seinem Tod und danach eine führende Rolle in der anthroposophischen Bewegung.

Der Schritt vom theosophischen Gedankengut zur Freimaurerei war nicht gross. Viele führende deutsche Theosophen waren damals auch Freimaurer und 1906 erhielt Steiner die Erlaubnis, selbst Mitglieder für die Freimaurerei zu werben.

Dies tat er bis 1914, nach eigenen Angaben, vor allem als Lehrschule für seinen „Erkenntniskult“. Die hierarchische Organisation mit ihren Ritualen passte nicht in sein Bild vom Menschen und dessen spiritueller Entwicklung als Individuum.

Die theosophische Bewegung stand in dieser Hinsicht auch nicht im Einklang mit seinen Denkweisen. Er gründete 1913 zusammen mit anderen die Anthroposophische Gesellschaft in Berlin.

Steiner hielt in seinem Leben etwa 6.000 Vorträge, schrieb 30 Bücher und Hunderte von Artikeln. Hier wird eine sehr knappe Darstellung der Grundsätze der Anthroposophie (menschliche Weisheit) gegeben.

Sammlung: Goetheanum

Anthroposophie

Die Anthroposophie ist ein philosophisches und spirituelles System oder eine Lebensanschauung. Sie strebt die Verbindung des Geistigen (spirituellen, intuitiven, intellektuellen und analytischen Fähigkeiten) in jedem Individuum (Die Existenz einer geistigen Welt) mit den unbegrenzten Möglichkeiten des geistigen Kosmos und den Naturgesetzen (Es gibt keine Grenzen der Erkenntnis) an.

Freiheit des Denkens, eigene Wahrnehmung und selbstständiges Urteilen sah er als Voraussetzungen für die optimale geistige Entwicklung jedes Individuums inmitten des physischen Daseins und der Naturgesetze im täglichen Leben.

Bis zu seinem Tod entwickelte er praktische Anwendungen für seine Philosophie, wie die Freie Hochschule in Dornach, die eurythmische Tanzbewegung, Freie Schulen (Steinerschulen) oder in Deutschland die Waldorfschulen, anthroposophische Heilmethoden, Heilpädagogik, biologisch-dynamische Landwirtschaft, Literatur, Architektur, Kunst und auf verschiedenen anderen Gebieten.

Rudolf Steiner Schule St. Gallen

Darüber hinaus schrieb er viele Bücher, Essays und Artikel über unter anderem Philosophie, Spiritualität, Landwirtschaft, Geologie, Theologie, Bildhauerei, soziale Fragen, Wirtschaft, Malerei und Architektur.

Die eurythmische Bewegung

Die neue Bewegungskunst (Tanz) und Eurythmie und die Mysteriendramen von Steiner hatten das Ziel, das Innere des Individuums zum Ausdruck zu bringen. Die Mysteriendramen waren Theaterstücke für diesen eurythmischen Tanz.

Sie basierten auf einer Interpretation des Evangeliums. Steiner erläuterte dieses Konzept in seinem „Das Christentum als mystische Tatsache“ (1902). Das Evangelium war in dieser Auffassung kein historisches Faktum, sondern zeigte die individuelle geistige Entwicklung von Jesus. Die katholische Kirche konnte dies nicht schätzen.

 Eurythmischer Tanz, um 1923. Sammlung: Goetheanum

Wie dem auch sei, im August 1913 wurde in München das vierte Mysteriendrama erneut mit grossem Erfolg aufgeführt. Ein damals bekannter Dichter nannte es sogar: „Das steinerische Mysterium leitet eine neue Stufe, eine neue Epoche der Kunst ein“.

Steiner war ein Kind seiner Zeit. Auch in der Kunst (um nur Picasso zu nennen), Politik (Aufstieg des Sozialismus, Marxismus, Anarchie), Psychotherapie (Freud) und Biologie (zum Beispiel Darwinismus) fanden damals neue Ideen Eingang.

Dornach

Der Erfolg der neuen Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer wohlhabenden Mitglieder war so gross, dass der Bau einer Anthroposophenkolonie konkrete Gestalt annahm. Die Finanzierung war kein Problem und der erste Entwurf mit dem Namen Johannesbau war in München geplant.

Sammlung: Goetheanum

Die Behörden im (katholischen) München lehnten den Plan jedoch ab. Eine Alternative bot sich in Dornach an. Emil Grosheintz (1867-1946), Zahnarzt in Dornach und Anthroposoph, bot ein Stück Land für den Johannesbau und Parzellen für Ateliers und Häuser von Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft an.

Steiner war nicht nur von diesem Angebot beeindruckt, sondern auch von der Landschaft und der Lage auf einem Hügel. Ende 1913 begann der Bau, aber im August 1914 begann der Erste Weltkrieg (1914-1918) und erst 1920 war das Komplex unter dem Namen Goetheanum fertiggestellt.

Das erste Goetheanum (der Johannesbau), 1914. Sammlung: Goetheanum

Das Wichtigste ist jedoch, dass Steiner und die Anthroposophische Gesellschaft in der Zeit von 1913-1918 die Grundlage für einen neuen Anfang nach 1918 legten. Die Steiner- oder Waldorfschulen waren 1919 das erste konkrete Ergebnis. Waldorf ist nach der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart benannt.

Rudolf Steiner und sein erster Entwurf für den Johannesbau (das Goetheanum) Sammlung: Goetheanum

Der Direktor gab Steiner 1919 den Auftrag, seine anthroposophische Philosophie für eine neue Unterrichtsmethode für seine Kinder anzuwenden. Die erste Waldorfschule mit den Steiners Ideen über Erziehung und Bildung war ein grosser Erfolg und viele Schulen folgten in Europa und anderen Kontinenten.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Scheitern der alten Unterrichtsmethoden war die Zeit reif für Erneuerung. In Zürich war Dada (1916-1922) die künstlerische Reaktion auf den Ersten Weltkrieg.

Sammlung: Klinik-Arlesheim

Maria Ita Wegman

Maria Ita Wegman wird hier nur kurz behandelt, da die konkrete Zusammenarbeit mit Steiner auf die letzten Jahre seines Lebens beschränkt ist. Das Ita Wegman Institut in Arlesheim und die dreibändige Bibliografie J.E. Zeylmans van Emmichoven, „Wer war Ita Wegman“ (Goetheanum-Verlag Dornach) gehen ausführlich auf ihr Leben und ihr Lebenswerk ein.

Maria Ita Wegman. Sammlung: Klinik-Arlesheim

Wegman und Steiner kannten sich bereits seit 1902, arbeiteten jedoch erst ab 1920 zusammen. Wegman wurde auf West-Java im ehemaligen Niederländisch-Indien geboren. Sie studierte Medizin in Zürich und liess sich 1911 als Ärztin nieder. Ihre erste eigenständige anthroposophische Praxis war in Basel.

Steiner und Wegman entwickelten ab 1920 die anthroposophische Medizin und gründeten 1921 die Anthroposophische Klinik in Arlesheim. Wegman war die Leiterin der Klinik.

Basel

Sie war ab 1924 auch Leiterin der medizinischen Abteilung der von Steiner in Dornach gegründeten Freien Hochschule. Die Klinik in Arlesheim besteht noch immer unter dem Namen Ita-Wegman-Klinik oder Klinik-Arlesheim, neben dem Ita Wegman-Ambulatorium in Basel.

Basel, Ita Wegman-Ambulatorium

Klinik-Arlesheim

Sie war auch an der Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten beteiligt, um die Patientenversorgung zu optimieren. Sie ist auch eine der Mitbegründerinnen des Schweizer Multinationals Weleda, der aus dem „Laboratorium am Goetheanum“ für anthroposophische Arzneimittel und Heilkunde hervorgegangen ist.

Nach dem Tod von Steiner und Wegman wurden ihre Projekte fortgeführt. In Bereichen wie Landwirtschaft, Medizin, Wirtschaft, Bildung, Pflege, Architektur, Kunst und Lebensanschauung ist die Anthroposophie weiterhin eine globale inspirierende Quelle, mit Dornach und Arlesheim als Zentren. Und dann ist zu bedenken, dass das Epizentrum der pharmazeutischen Industrie von diesen Orten aus sichtbar ist!

Die Kantone Solothurn (Dornach und das Goetheanum, rechts), Basel-Stadt mit den Roche-Türmen (links), Basel-Landschaft (mit Arlesheim und Dom, Mitte), Elsass und Baden-Württemberg im Hintergrund

 Goetheanum

Die erste Version des heutigen Goetheanums brannte am 31. Dezember 1922 ab. Es war ein Holzgebäude mit zwei Kuppeln auf einem Betonfundament auf dem Hügel von Dornach. Das Gebäude erhielt seinen Namen von Wolfgang von Goethe, dem von Steiner bewunderten Naturwissenschaftler.

Das Goetheanum nach dem 1. Januar 1923.  Sammlung: Goetheanum

Die Architektur, Glasmalereien, Fresken, Symbolik, Farben, Dekoration und Einrichtung standen im Zeichen der Anthroposophie. Die Website des Goetheanums und das Modell im Ausstellungsraum neben dem Goetheanum geben eine ausführliche Erklärung. Das ist auch nötig, denn damals verstanden nur Eingeweihte die Bedeutung, die Künstler und Arbeiter oft nicht:

„Die ungewohnten Formen, die Bilder der Menschheitsgeschichte in den Kuppelmalereien, die eigenartigen Zeichnungen (Sterne, Engel, Dämonen) in den Glasfenstern: Wir sollten helfen, so etwas zu errichten. Wäre es nicht richtig, dass wir selbst möglichst auch verstünden, was da dargestellt wird?“

Brandstiftung war am 31. Dezember 1922 die Brandursache. Steiner wollte jedoch keine Untersuchung. Papst Benedikt XV. (1854-1922) hatte 1919 die anthroposophische Bewegung in den Bann gezogen. Im katholischen Dornach (das Bistum Basel residierte seit 1828 in der Stadt Solothurn) und im katholischen Arlesheim stiess Steiner ebenfalls auf viel Widerstand.

Links das alte Goetheanum, rechts das heutige Gebäude. Dazwischen die Gebäude zwischen 1914 und 1925. Sammlung Goetheanum

Für Steiner bedeutete der katastrophale Brand jedoch nicht das Ende seines Lebenswerks, sondern gerade das Momentum für einen neuen Anfang. Ein gutes Omen war zudem der Erhalt seiner monumentalen Holzskulptur „ Der Menschheitsrepräsentant“, den er zusammen mit der englischen Künstlerin Edith Maryon (1872-1924) geschaffen hatte. Zum Zeitpunkt des Brandes stand die Skulptur noch im angrenzenden Atelier.

Steiner gründete im Dezember 1923 eine neue Anthroposophische Gesellschaft und die „Hochschule für Geisteswissenschaften am Goetheanum“. Die Schule hatte die Abteilungen Schöne Wissenschaften, redende und musikalische Künste, medizinische Sektion, mathematisch-astronomische Sektion und bildende Künste.

Gleichzeitig entwarf er das neue Goetheanum aus Beton (Siehe die monumentale Kirche aus Stein in Basel, errichtet im Jahr 1925!), aber wieder vollständig auf das anthroposophische Gedankengut ausgerichtet mit einer Neuerung: Das Gebäude passt sich der geologischen Umgebung mit ihren Felsformationen an.

Das Atelier, in dem Steiner am 30. März 1925 starb

Vor hundert Jahren starb Rudolf Steiner in seiner Werkstatt, während die Bauarbeiten für das neue Goetheanum bereits begonnen hatten. Der Bau dauerte noch viele Jahre, aber die Ateliers des alten Goetheanum und die vielen Villen der Anthroposophen deuteten bereits die Konturen des heutigen Komplexes an.

Es ist ein grosser Kuppelbau aus Beton, der den Zeitgeist sehr gut widerspiegelt. Moderne, Art Deco, organische Formen und Farben, Surrealismus, versehen mit Symbolik, Gemälden, anthroposophischen Farben und Skulpturen mit der Evolution der Menschheit und der persönlichen (geistigen) Entwicklung der Menschen sind das Motiv.

Der Haupteingang (Westen), mit zwei vor dem Brand geretteten Werken

  

In der Umgebung des Goetheanums wurden nach 1928 etwa 180 weitere Häuser im gleichen Stil errichtet. Das Goetheanum wird bis heute als Raum für das Internationale Anthroposophische Zentrum, die Gesellschaft, die Freie Hochschule, (künstlerische) Veranstaltungen, Vorträge und Aufführungen von Musik und Theater genutzt.

Schlussfolgerung

Die von Steiner gegründete Anthroposophische Gesellschaft hat weltweit etwa 50.000 Mitglieder mit nationalen Abteilungen. Das Goetheanum ist heute längst keine Kolonie mehr, sondern ein Campus mit einer Freien Hochschule, medizinischen und biologisch-dynamischen Gärten und ist das pädagogische, kulturelle, spirituelle und geschäftliche Zentrum der Organisation mit vielfältigen Aktivitäten.

Die Steinerschulen (Freie Schulen oder Waldorfschulen) sind etablierte Bildungseinrichtungen. Das Lebenswerk von Steiner ist für viele Menschen im täglichen Leben immer noch eine weltweite Inspirationsquelle.

(Quelle: Goetheanum; David Marc Hoffmann, Rudolf Steiner, Sein Leben und Wirken, Basel 2025)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Dornach und Arlesheim, Villen und Goetheanum

Glashaus

Heizhaus

 

Haus Duldeck

Die Gärten

 

Das Bienenhaus

Das Präparate-Pavillon

Die Ita Wegman-Klinik in Arlesheim

 

  

Zofingen: Helvetier, Römer, Frohburger, Habsburger, Berner und heute Schweizer aus Aargau

Zofingen (Kanton Aargau) wurde 1201 von den Grafen von Frohburg gegründet. Schon Jahrhunderte vorher war die Stadt aber eine relativ grosse römische Siedlung. Darauf deuten die Reste eines Badehauses, einer Villa (Gutshof) und weitere Funde hin.

Konturen und Modell des römischen und mittelalterlichen Badehauses

Der Ort lag an der Handelsstrasse von Basel nach Luzern, im 13. und 14. Jahrhundert war Zofingen ein wichtiges regionales Zentrum mit Stadtrechten und sogar einem Chorherrenstift.

Die ersten Vorgängerbauten der St. Mauritiuskirche gehen auf das 7. Jahrhundert zurück. Die heutige Kirche weist romanische und gotische Züge auf, die aus dem Bau und den Renovierungen dieser Zeit stammen.

Die Grafen von Frohburg verkauften die Stadt 1299 an die Habsburger. Bis 1415 und der Eroberung durch Bern teilte die Stadt die Geschichte der Habsburger, unter anderem durch den Tod von Soldaten in der Schlacht von Sempach am 9. Juli 1386 (bei der auch Herzog Leopold III. (1351-1386) ums Leben kam).

Auch Schultheiss Niklaus Thut, der gegen die Eidgenossen kämpfte, überlebte es nicht. Er rettete jedoch das Zofinger Banner. Das Stadtwappen zeigt noch immer die horizontalen rot-weiss-rot-weis Balken der österreichsischen Nationalflagge!

Nach der Eroberung durch Bern im Jahr 1415 folgte 1528 die Reformation. Seit 1803 ist die Stadt Teil des Kantons Aargau. Von der jahrhundertelangen Blütezeit zeugen noch heute die monumentalen Häuser, die öffentlichen Gebäude und die 22 Brunnen mit ihren schönen Verzierungen.

Zofingen hat zwar keine Universität, ist aber die Stadt der ältesten und grössten Schweizer Studentenverbindung: Die Zofingia.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Zofingen)

Korrektorin: Giuann Egger-Maissen

Impressionen aus Zofingen

Allschwil und der Allschwiler Wald

Eine der Besonderheiten der Schweiz ist die Allgegenwart der Natur, ob in einer Stadt oder in einem kleinen Dorf – ein Beispiel dafür ist Allschwil (Kanton Basel-Landschaft), das an die Stadt Basel (Kanton Basel-Stadt) grenzt.

Allschwil hat eine lange Geschichte, die auf die Stein-, Bronze- und Römerzeit zurückgeht, als das Gebiet vom keltischen Stamm der Rauracen bewohnt wurde.

1033 wird der Ort erstmals in einem Dokument unter dem Namen Almswilre erwähnt. In fränkischer Zeit gehörte es zum Herzogtum Elsass. Das Fürstbistum Basel wurde im elften Jahrhundert zum neuen Besitzer.

Während der Reformation unterzeichnete die Stadt 1525 mit der Stadt Basel eine Schirmvogtei, blieb jedoch dem Fürstbistum Basel unterstellt.

Obwohl die Eidgenossenschaft, abgesehen von Graubünden (während der Graubündner Wirren 1618-1639), im Dreissigjährigen Krieg kein wichtiges Schlachtfeld war, wurde Allschwil 1634 von schwedischen Truppen geplündert.

Nach der französischen Invasion gehörte Allschwil 1792 zur Raurakischen Republik (1792), 1793 zum Departement Mont-Terrible und 1800 zum Departement Haut-Rhin.

 

Die alte Dorfkirche St. Peter und Paul

Am Wiener Kongress wurde Allschwil 1815, wie das gesamte Birseck, dem Kanton Basel zugewiesen. Das restliche Gebiet des Fürstbistums Basel fiel an den Kanton Bern. Seit 1833 ist das Dorf Teil des Kantons Basel-Landschaft.

(Quelle und weitere Informationen: Einwohnergemeinde Allschwil)

Eindrücke aus Allschwil

Der Allschwiler Wald

Der Wasserturm

Der Korridor Rotterdam-Basel-Genua und die Schweizerischen Rheinhäfen

1904 traf das erste grosse Rheinschiff in Basel ein. Der Rheinhafen St. Johann wurde 1906 ausgebaut. Der Hafen St. Johann gibt es seit 2011 nicht mehr. In Kleinhüningen entstand zwischen 1919 und 1942 ein zweiter Basler Rheinhafen.

Basel, Schifflände, mittelalterliche und heutige Landungsbrücke  für Schiffe. Wappentafel des Rheinlagerhauses (1682, heute Restaurant Banks) an der Schifflände.

Die Häfen Auhafen Muttenz und Birsfelden (Kanton Basel-Landschaft) wurden in den Jahren 1937 bis 1940 errichtet. 2008 erfolgte der Zusammenschluss der Häfen beider Kantone zu den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH). Sie stellen das Tor zu den Weltmeeren via die Seehäfen Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen und Genua (Transport durch den Gotthardtunnel) dar.

Rheinhafen Kleinhüningen

Birsfelden

Auhafen Muttenz

Der oberhalb von Basel beginnende Oberrhein teilte sich ursprünglich in zahlreiche Seitenarme auf. Mit der Oberrheinregelung von 1817 bis 1876 wurde der Fluss in ein einziges Bett gezwungen.

Der Hochrhein bis Basel und der Oberrhein

Von 1928 bis 1959 wurde zwischen Kembs und Breisach der ‘Grand Canal d’Alsace’ gebaut. Praktisch das gesamte Wasser des Rheins fliesst seither in diesen 53 km langen Kanal.

Le Grand Canal d’Alsace

Kembs

Vogelgrun

Breisach

12 Kraftwerke stauen den Rhein zwischen Rheinfelden und Karlsruhe. Dadurch wurde die Wassertiefe des Flusses vergrössert und der Rhein ganzjährig schiffbar gemacht.

Die Schleuse von Birsfelden

Die Schleuse von Birsfelden hat eine wichtige Funktion. Die jährlichen Schleusungen liegen bei über 10.000, darunter 6505 Grossschiffe (und einige Ruderboote!). Die Grossschiffahrt auf dem Rhein wurde erst durch die Schleuse und den Ausbau zur Wasserstrasse ermöglicht.

De Waal (der Rhein) bei Nimwegen

Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) sind 2008 aus der Zusammenlegung der Rheinhäfen Basel-Landschaft und der Rheinschifffahrtsdirektion Basel-Stadt hervorgegangen. So konnten sich die SRH im regionalen, nationalen und internationalen Umfeld nicht nur erfolgreich behaupten, sondern auch bestens weiterentwickeln.

Köln. Foto: Guido Wasser, Basel

Der Rhein in Basel

Heute bilden die SRH die nationale Verkehrsdrehscheibe am Güterverkehrs-Korridor Rotterdam–Basel–Genua. Dafür stellen die SRH die Infrastruktur für die Umschlagstätigkeiten sicher und sorgen dafür, dass der Hafen als Logistikstandort auch in Zukunft attraktiv bleibt.

In den heutigen drei Rheinhäfen Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz Auhafen werden jährlich 6 Millionen Tonnen Güter und über 100 000 Container umgeschlagen, was rund 10 Prozent aller Schweizer Importe entspricht.

Jeder dritte Liter Mineralöl und jeder vierte Container werden über die Rheinhafenterminals abgewickelt!

(Quelle und weitere Informationen: Port of Switzerland)

Die Fischtreppe des Kraftwerks Birsfelden

De Waal (der Rhein) bei Nimwegen

Bädertourismus und die vier Jahreszeiten in Leukerbad

Funde römischer Münzen und Spangen in Leukerbad (Loèche-les-Bains auf Französisch) liefern Hinweise, dass schon die Römer die Thermalquellen in Leukerbad kannten und dass das Thermalwasser seitdem ohne Unterbruch genutzt wurde.

In Leukerbad werden momentan 8 Quellgruppen für balneologische oder energetische Zwecke genutzt. Insgesamt sind um 65 Thermalquellen in Leukerbad bekannt.

Leuekerbad wurde im Jahre 1229 zum ersten Mal erwähnt, aber hieß damals noch Boez. Die Einwohner sprachen eine romanisch-französische Volkssprache. Um 1500 vollzog sich eine Veränderung.

In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts trat neben der bis dahin einzig vorkommenden romanisch-französischen Volkssprache immer entschiedener die deutsche Sprache auf, und innerhalb von zwei Generationen war die alte Volkssprache gänzlich verdrängt.

Das Übergewicht der deutschsprachigen Bevölkerung im Wallis, die tatkräftigen deutschsprachigen Bischöfe Walter Supersaxo und (Kardinal) Matthäus Schiner vom Bistum Sitten und die vielen aus deutschsprachigen Gebieten zuströmenden Gäste bewirkten diesen Umschwung.

Bischof Schiner erwarb um 1500 selber verschiedene Badehäuser und betrieb diese auch. Seither hat die Zahl der Badehäuser, Gäste und Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten nur noch zugenommen.

Mit dem Aufkommen des Winter- und Sommertourismus im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Leukerbad zu einem bedeutenden Tourismusort. Während der vier Jahreszeiten kommen Bergsportler voll auf ihre Kosten. Die vielen Thermalbäder, Bergbahnen und zahlreichen Wanderwege bieten für jeden etwas.

Und trotz aller Neubauten hat sich auch diese Touristenattraktion eine gewisse Authentizität bewahrt.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Leukerbad)

Eindrücke

   

 Schwingen

Die Obstbaumlandschaft im Jura

Mit dem Programm Natur und Landschaft unterstützt der Kanton Solothurn die Erhaltung und Aufwertung der Obstbaumlandschaft im Jura. Zwischen den Weiler Stollenhäusern und dem Hof Schönmatt nahe Gempen (Kanton Solothurn) stehen zum Beispiel über 1.200 Hochstamm-Obstbäume. Die meisten sind Kirschbäume, zum Teil im Alter von 150 und mehr Jahren.

Die schöne Blüte ist auch in anderen Regionen der Schweiz zu finden, zum Beispiel im Seeland, im Berner Mittelland, im Tessin, im Aargau, im Thurgau, im Appenzellerland und in St. Gallen.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Umgebung vieler Ortschaften in der Nordwestschweiz so ausgesehen. Aus verschiedenen Gründen trifft man dieses Bild nicht mehr allzu oft an. Zu allen Jahreszeiten bereichern diese Bäume die Landschaft. Eine besondere Pracht und Augenweide stellen sie in der Blütezeit dar.

Die ganze Obstbaumlandschaft mit ihren vielen Bäumen, Wiesen,  Weiden und dem angrenzenden Wald ist auch Lebensraum einer vielfältigen Tierwelt.

(Quelle: www.solothurn.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner