Douze Points für Basel und eine Konföderation United by Music

Das eine Musikereignis ist noch nicht vorbei, da steht das nächste schon vor der Tür. Der Eurovision Song Contest (ESC) in Basel (10.-17. Mai) macht vom 28. Mai bis 1. Juni Platz für das Europäische Jugendchorfestival in Basel.

Das Motto des ESC war „United by Music“. Die Medien haben ausführlich über diesen Wettbewerb berichtet. Abseits der Scheinwerfer und auf der Strasse kam das Motto jedoch viel besser zur Geltung.

In erster Linie waren die Polizeikräfte der Kantone, Liechtensteins, Badens und Frankreichs „United by Music“. Polizei, Gendarmerie, Police, Polizia in den Strassen von Basel, wer hätte das im Land des „Kantönli“-Geistes gedacht. Es ist jedoch auch ein Teil des Milizsystems, das sich beispielsweise auch beim „Bundeslager für Pfadis, dem Fête des Vignerons, dem Schwingen oder dem Basler Tattoo zeigt.

Hunderte von Künstlern waren auf den dafür eingerichteten Bühnen oder an anderen Orten in der Stadt ebenfalls „United by Music“.

Hunderte von Freiwilligen waren „United by Music“ und haben das auf zugängliche, freundliche und originelle musikalische Weise organisierte Ereignis ebenfalls möglich gemacht. Sie sind vielleicht Kandidaten für den Schappo 2026!

Was der ESC jedoch vor allem gezeigt hat, ist die zurückhaltende Art und Weise, wie nicht nur Basel, sondern das ganze Land mit solchen Veranstaltungen umgeht. Keine Hysterie, Hypes oder übertriebenes Getue. Nicht nur die Polizei- und Sicherheitsmassnahmen verdienen positive Aufmerksamkeit, sondern auch die vielen Besucher.

Es bestätigt auch die jahrhundertealte musikalische Tradition auf lokaler und kantonaler Ebene. Abgesehen von verschiedenen Konzertgebäuden auf Weltniveau (zum Beispiel in Luzern, La Chaux-de-Fonds oder Genf), vielen musikalischen Top-Events (zum Beispiel in Gstaad, Montreux, Basel, Tschlin oder St. Moritz), spricht vor allem die musikalische Basis zur Vorstellungskraft.

Das Festin du Vendredi am 16. Mai 2025

Seit 2020 finden, zum Biespiel, jeweils am dritten  Freitag im Monat im Quarttierzentrum Bachletten/Holbein in Basel von Alain Moirandat organisierte Veranstaltungen statt, die ein kurzes Konzert mit einem auf die dargebotene Musik bezogenen Dinner verbinden: „Les Festins du Vendredi“.

Die Musiker und Musikerinnen stammen meist aus dem Umkreis der Schola Cantorum Basilienis, die Konzerte und Dinners sind auf Musik und Menus von vor 1800 ausgerichtet, mit einigen Ausflügen in Richtung 20. Jh.

Johann Sebastian Bach kam mit Susanne Egers „Leipziger Kochbuch“ von 1745 zusammen, italienische Musik des Frühbarocks von Mealli wurde mit Speisen von einem Festbankett für Königin Christine von Schweden gepaart, Robert May’s „Accomplished Cook“ von 1685 lieferte die Rezepte für Musik von Dowland, Gibbons und Simpson.

Zahlreiche kleine und grössere Konzerte finden täglich in allen Ecken des Landes an den unterschiedlichsten Orten statt. Das Land ist „United by Music“ und allein das macht den ESC unvergesslich.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke 

  

 

Fasnacht 2025, Laterne über den ESC

Die Rösticup und die Bilac 2025 und ein Geburtstag

Um den sogennanten Röstigraben zu überwinnen haben Rudervereine beschlossen, eine Ruderregatta die die ganze Schweiz vereinigen wird, zu organisieren. Und das genau am Ort der Trennung, auf der Saane, besser gesagt auf dem Schiffenensee im Kanton Freiburg/Fribourg.

Die Rösticup

Vor dem Rennen am 11. Oktober wird eine riesige Röstiplatte an allen Teilnehmern bedient. Das wird ganz sicher Kraft und Ausdauer an allen Ruderern geben !

Die Rösticup wird in 8+ gerudert, über eine Strecke von 6,5 km mit einem on-line Start pro Kategorie. Junioren, Senioren und Masters können teilnehmen, offen für Frauen- und Männermannschaften.

Der Bielersee

Die Bilac

Die Bilac findet am 20. September statt. Die Idee der Bilac stammt aus dem Expo Jahr 2002. Das damalige Ziel war die Verbindung der Arteplages Neuchâtel und Biel mit einem von der Vogalonga in Venice inspirierten Anlass.

Der 20. September ist auch der 140. Jahrestag der Societe Nautique de Neuchâtel 

Seither ist die Bilac zu einer eigenständigen, jährlich im September durchgeführten Veranstaltung auf den Juragewässern geworden. Sie ist eine der grössten Breitensportveranstaltungen für Ruderinnen und Ruderer, Kanutinnen und Kanuten in der Schweiz. Manchmal, wenn der Wind zu stark ist, wird über die Aare gerudert, wie im Jahr 2022.

Die Aare, Ruderverein Solothurn und die Stadt Solothurn

Thun, Brahms, Thun-Panorama und die Mittlere Brücke in Basel

Fast jedes Dorf und jede Stadt in der Schweiz birgt kulturhistorische Überraschungen. Thun (Kanton Bern) bildet hier keine Ausnahme. Die Stadt ist nicht nur Namensgeberin des Thunersees, sondern auch das Thema eines der weltweit am besten erhaltenen Panoramagemälde. In der Schweiz sind ausserdem noch drei weitere Panoramen zu besichtigen: in Einsiedeln, Murten und Luzern.

Marquard Wocher (1769-1830), der Schöpfer des Thun-Panoramas, lebte an der Aare, die nicht nur durch den Thunersee, sondern auch durch Interlaken und den Brienzersee fliesst.

Die Herzöge von Zähringen haben auch in Thun ihre Spuren hinterlassen. Sie bauten das Schloss, die Stadtkirche und das alte Zentrum. Dieses Geschlecht starb 1218 aus, woraufhin die Nachfolger, die Grafen von Kyburg, Thun 1264 das Stadtrecht verliehen. Nach einem kurzen Habsburger Intermezzo erwarb Bern die Stadt 1384.

Auch im Kanton Bern ist das Heilige Römische Reich noch präsent

Ein weiteres lokales Geschlecht, die Freiherren von Thun, spielte im 13. Jahrhundert auch in anderen Orten eine prominente Rolle. Heinrich II. von Thun war von 1216 bis zu seinem Tod 1238 Fürstbischof von Basel, als Nachfolger von Walter von Rötteln. Heinrich II. baute 1225 die Mittlere Brücke in Basel (erst 1905 durch die heutige Brücke ersetzt!).

Basel, Rheinsprung 1, Relief aus dem Jahr 1914. Bischof Heinrich von Thun (mit Bischofsstab) und der Brückenbau.

Thun entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem touristischen Magneten. Der Eiger, der Mönch, die Jungfrau, die Lage am See, die wunderschöne Natur und Wandermöglichkeiten sowie der Bau des Eisenbahnnetzes ziehen zu allen Jahreszeiten viele Besucher an. Marquard Wocher kannte Thun als kleinen Ort mit ein paar tausend Einwohnern. 200 Jahre später hat die Stadt fast 44.000 Einwohner!

Johannes-Brahms-Denkmal und Baum, er verbrachte einige Sommermonate mehrmals in Thun

(Quelle und weitere Informationen: Einwohnergemeinde Thun)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

   

Schloss Schadau

Komplex des ehemaligen Kartäuserklosters

Le bateau à vapeur

 

Romanische Kirchen, Burgen und Hängebrücken am Thunersee

Nicht nur der Eiger, der Mönch und die Jungfrau blicken auf den Thunersee, sondern auch die zwölf romanischen Kirchen und fünf Burgen. Ausserdem richtet die Sternwarte Sirius den Blick nach oben, in das unendliche Universum und seine unzähligen Sterne. Die St. Beatus-Höhlen werden diesen Ausblick nie haben!  Der Thunersee verdankt seinen Namen der Stadt Thun.

Thun

Auf der anderen Seite des Sees bildet Interlaken (benannt nach dem ehemaligen Kloster Inter lacus) die Trennung zum Brienzersee. Die Aare verbindet jedoch beide Seen. Der Thunersee entstand durch das Schmelzen des Aaregletschers vor etwa 12 000 Jahren.

Dieser Gletscher war an einigen Stellen 1.000 Meter dick. Das Abschmelzen ging auch mit der Verlagerung von Erde und Stein einher, die schliesslich den Brienzersee und den Thunersee bei Interlaken voneinander trennten. Wer heute den Weinbau an den sonnigen Hängen sieht, kann sich diese Zeit nicht vorstellen.

Die erste Erwähnung des Thunersees fand um 660 unter dem Namen lacus Dunensis statt. Das Gebiet war bereits vor der Besiedlung durch Kelten bewohnt. Nach Kelten, Römern, Alemannen, Burgundern und Franken begann im zwölften Jahrhundert die Herrschaft der Herzöge von Zähringen, der Grafen von Kyburg, Habsburg und schliesslich im Jahr 1384 Berns.

Spiez

Die zwölf romanischen Kirchen

Die Aare und der Thunersee waren seit jeher das kulturelle Grenzgebiet zwischen dem französischsprachigen Bistum Lausanne, dem Königreich Burgund (888–1032) und der mächtigen Abtei Cluny sowie dem deutschsprachigen Bistum Konstanz und der Abtei St. Gallen.

Der Auftraggeber dieser 12 Kirchen ist unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass König Rudolf II. von Burgund diese Kirchen im romanisch-lombardischen Stil erbauen liess. Zwölf ist natürlich kein Zufall, sondern bezieht sich auf die zwölf Apostel.

Sigriswil

Sie umgaben die Mutterkirche in Einigen. Die meisten Kirchen zeigen noch immer den authentischen Baustil. Die Kirche in Uttigen wurde 1536 durch einen Brand zerstört. Aus diesem Grund gibt es zwölf und nicht dreizehn Kirchen. Das Jahr 1536 ist ebenfalls kein Zufall, denn es ist die Zeit der Reformation im Kanton Bern!

Thun

Die zwölf romanischen Kirchen stehen in Thun, Hilterfingen, Sigriswil, Leissigen, Frutigen, Aeschi, Wimmis, Spiez, Einigen, Amsoldingen, Thierachem und Scherzligen.

Hilterfingen

Die fünf Burgen

Am Rande des Sees stehen Schloss Thun, Schloss Oberhofen, Schloss Spiez, Schloss Hünegg und Schloss Schadau. Die Geschichte dieser Denkmäler reicht bis ins Mittelalter und ins 19. Jahrhundert zurück.

Schloss Oberhofen

Sie repräsentieren verschiedene Epochen und geben einen guten Eindruck vom Leben in diesen Zeiten wieder. Schloss Thun, Schloss Oberhofen, Schloss Spiez und Schloss Hünegg beherbergen heute ein Museum, Schloss Schadau ein Hotel und Restaurant.

Schloss Schadau

Schloss Hünegg

Die Umgebung

Wer die Mühe auf sich nimmt, die Berge zu erklimmen, wird mit atemberaubenden Ausblicken, blumenreichen Wiesen, dichten Wäldern und einer der längsten Hängebrücken der Schweiz belohnt.

Die Hängebrücke bei Sigriswil ist 340 Meter lang und befindet sich in einer Höhe von 182 Metern. Die Brücke überspannt die Gummischlucht. Zwei weitere Hängebrücken bei Leissigen (144 Meter lang) und Beatenberg (80 Meter lang) geben dieser Route zu Recht den Namen Brückenweg.

Eine kleinere Brücke auf dem Brückenweg 

Der Schweizer Alpen-Club

Der Schweizer Alpen-Club (SAC/Club Alpin Suisse, CAS) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch Wanderungen und weitere Aktivitäten in anderen Regionen.

Eindrücke aus der Umgebung des Thunersees

Die Gummischlucht

Sigriswil

Gunten

Europäisches Jugendchor Festival Basel

Das Festival ist ein Konzert- und Begegnungsplattform für höchstqualifizierte Kinder- und Jugendchöre. Es nimmt in dieser Rolle weltweit einen Spitzenplatz ein. Es sieht seine Aufgabe auch darin, Menschen über alle Grenzen hinweg zusammenzuführen und gemeinsam neue Horizonte zu entdecken. Dies gilt für die Singenden genauso wie für das Publikum und die Chorleitenden.

Das Festivalprogramm zeigt die Vielfalt des Chorgesanges in der Schweiz und in Europa auf und thematisiert aktuelle Strömungen in der Chormusik.  Es  fördert den Austausch zwischen Sprachregionen und Chorszenen der Schweiz sowie zwischen der Schweiz und anderen europäischen, sowie das gemeinsame Singen durch vielfältige Angebote für Kinder- und Jugendchöre.

(Quelle und weitere Informationen: Europäisches Jugendchor Festival)

Palazzo Trevisan und die Beziehungen Venedig-Schweiz

Venedig pflegt  mit der Schweizerische Eidgenossenschaft und ihren Kantonen seit Jahrhunderten politische, wirtschaftliche und kulturelle Kontakte. Die Zuckerbäcker, Textilhändler, Soldaten und Allianzen sind bekannt. Von der Kontinuität der Beziehungen (u.a. im Handel) zwischen Venedig und der alten Eidgenossenschaft zeugt u.a. eine Skulptur in Basel.

Weit weniger bekannt ist eine Verbindung aus dem 20. Jahrhundert. Der Palazzo Trevisan in Venedig ist Eigentum der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Palazzo im Stadtteil Dorsoduro an der Promenade Zattere wurde im 15. Jahrhundert für die Familie Trevisan erbaut und ist ein Symbol der wirtschaftlichen und politischen Blütezeit Venedigs.

Die Beletage des Palazzo Trevisan wurde bis 2002 als Sitz des Generalkonsulats der Schweiz genutzt, später auch als Kulturzentrum, nachdem es in ein Honorarkonsulat umgewandelt wurde. Im Laufe der Zeit ist das Gebäude zu einem Symbol für die Aktivitäten der Schweiz in Venedig geworden.

Künftig wird der Palazzo nicht nur dem Kulturbereich, sondern auch der Wissenschaft, der Forschung und der Privatwirtschaft offen stehen. Ab dem 1. Januar 2026 wird die Beletage des Palazzo zu einer Plattform, die einem breiten Publikum offen steht.

Die Förderung der Schweizer Kultur wird weiterhin der Ausgangspunkt sein. Darüber hinaus werden neue Aktivitäten in den Bereichen Innovation, Forschung und Nachhaltigkeit integriert. Ferner ist die Schweiz stets an der Biennale von Venedig vertreten, und der Palazzo spielt auch bei dieser Veranstaltung eine wichtige Rolle.

Der Schweizer Franken, der Euro und die Lateinische Münzunion

Der Schweizer Franken (CHF) ist 175 Jahre alt. Am 7. Mai 1850 wurde er offiziell eingeführt. Vor der Einführung des Frankens herrschte ein wahres Durcheinander von Währungen. Seit dem Mittelalter prägte jeder Kanton, jede Stadt und jedes Bistum sein eigenes Geld. Man bezahlte mit Batzen, Rappen, Taler, Oertli, Assis, Gulden oder Dicken. Es gab mehr als 8000 verschiedene Münzen!

Eine Reise von einem Kanton zum anderen ähnelte einer Reise ins Ausland, an jeder Kantonsgrenze musste Geld gewechselt und Zoll bezahlt werden. Diese monetäre Reform war keine Selbstverständlichkeit, ein Euro avant la lettre.

Die Kantone verteidigten ihr Recht, Münzen zu prägen und Zoll zu erheben, aber seit der neuen Verfassung (1848) und seit 175 Jahren bildet die Konföderation eine solide Basis für die Wirtschaft und den Schweizer Franken. Heute verkörpert der Schweizer Franken monetäre Unabhängigkeit, wirtschaftliche Zuverlässigkeit und eine langfristige Vision.

Der Franken hat im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Herausforderungen gemeistert, von Krisen und Kriegen bis hin zu Zeiten hoher Inflation, dem Übergang vom Goldstandard und der Dynamik des internationalen Währungssystems.

Der Vertrag vom 23. Dezember 1865. Bild: Wikipedia

 Die Lateinische Münzunion

Auch die Schweiz hatte ihren „Euro“, und zwar im Jahr 1865. Diese monetäre Katastrophe ist noch im Gedächtnis verankert. Im Jahr 1865 schlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz einen Münzvertrag, eine Art Vorläufer des Euro. Griechenland trat ein Jahr später bei. Diese Münzunion wurde von Napoleon III. (1808-1873) ins Leben gerufen.

Französisches Plakat aus dem Jahr 1865. Quelle: Wikipedia

Diese „Lateinische Münzunion“ (L’Union monétaire latine) enthielt detaillierte Vorschriften über Gewicht, Feinheit, Form und Kurs von Gold- und Silbermünzen sowie Quoten für das Prägen von Münzen für die einzelnen Länder im Verhältnis zur Bevölkerung. Im Gegenzug wurden die betreffenden Münzen im gesamten Gebiet der Münzunion akzeptiert.

Die fünf Vertragsländer der Lateinischen Münzunion. Bild: Wikipedia

Die europafreundliche Schweizer Regierung sah darin einen ersten Schritt zur Verwirklichung der Idee eines europäischen Währungssystems. Die Zusammensetzung der in der Schweiz zirkulierenden Gold- und Silbermünzen war dementsprechend international.

Die Lateinische Münzunion im Jahr 1914. Bild: Wikipedia

Der Anteil der Schweizer 5-Franken-Münzen an dieser „Lateinischen Münzeinheit“ schwankte zwischen 1885 und 1920 zwischen 2 und 7 Prozent. Durch Abwertung und Wertminderung entstand schnell eine zunehmende Ungleichheit zwischen den Münzen, und die Vereinbarungen erwiesen sich als wertlos. Darüber hinaus wurde diese Währungsunion durch bilaterale und unilaterale Verträge bis 1914 auf nicht allzu zahlungskräftige Länder und sogar Kolonien ausgedehnt.

Silbermünzen, die in den Staaten der lateinischen Münzunion gesetzlichen Kurs haben, für die Schweiz herausgegeben durch Kaiser & Co., Bern. Tafel aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (Swissmint). Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

 Der Alphirte

Das Dorf Richterswil (Kanton Zürich) ist die Heimat von Paul Burkhard (1888-1964), dem Schöpfer der berühmten 5-Franken-Münzen. Im Jahr 1920 wurde er mit der Gestaltung einer neuen 5-Franken-Münze beauftragt. Er entwarf den Alphirten. Am 1. April 1927 wurde der Münzvertrag aufgelöst, der schon viele Jahre in der Schublade lag.

Der Alphirte und nicht Wilhelm Tell!

Die SNB (gegründet 1907) hatte sich nun befreit. Der Schlüssel zur Geldpolitik lag nicht mehr darin, den Standard der Nachbarländer zu folgen. Monetäre Stabilität war ein Wert an sich.

Bis 1914 war der Franken eine normale Währung, die sich gegenüber den Konkurrenten manchmal auf- und manchmal abwertete. Danach entstand langsam das, was bis heute gilt: Die Schweiz und der Franken als eine monetäre Insel der Stabilität.

 Der Schweizer Franken heute

Diese Qualität basiert auf zahlreichen Säulen, darunter politische und soziale Stabilität, direkte Demokratie, Föderalismus, Subsidiarität, Liberalismus, industrielle Innovation, Export, das hervorragende Forschungs- und Bildungssystem, hohe Arbeitsmoral, ein marktorientiertes und gleichzeitig soziales Wirtschaftssystem, niedrige Staatsschulden, hohe Goldreserven, Überschüsse in der Leistungsbilanz und Nettoauslandsvermögen.

Die monetären Nachbarn und heute der Euro machten und machen es dem Franken jedoch schwer. Im Jahr 2002 hegte die SNB die vergebliche Hoffnung, dass der Euro und die EZB eine Art Nachfolger der D-Mark und der Bundesbank wären.

Entwicklung des Euro-CHF-Wechselkurses 2002-2025. Quelle: www.schweizer-franken.eu

 Fazit

Der Euro (und damit auch der niederländische Gulden und die D-Mark) hat seit 2002 jedoch fast 40% seines Wertes gegenüber dem Franken verloren und die Aussichten sind nicht gut.

Immer mehr (wirtschaftlich, monetär und politisch) marode Länder nehmen teil und die EZB ähnelt einer politisch orientierten französisch-italienischen Bank stark und eine neue Lateinische Münzunion.

Diese Lateinische Münzunion ist eine „Warnung aus der Geschichte“, auch im Hinblick auf die neuen Verhandlungen und Vereinbarungen mit der EU, ihrem Zentralismus, ihrer Top-Down-Demokratie, Bürokratie und Justiz.

(Quelle: S. Heeb, Historisches Lexikon der Schweiz, l’Union monétaire latine, 25.03.2014)

Ins, kleines Dorf, Albert Anker, grosse Denkmäler und das Klima

Ins (Anet auf Französisch, Kanton Bern, Seeland, Drei-Seen-Land) ist das Dorf mit dem (Geburts-)Haus, Atelier und Museum des Malers Albert-Anker (1831-1910). Das mittelalterliche Dorf war ein wichtiges regionales Zentrum mit mehr Einwohnern als die Stadt Erlach (Cerlier auf Französisch).

Bereits in der Jungsteiszeit (4000-1800 v.Chr.) war die Gegend um das Dorf Ins (Kanton Bern) besiedelt.  Auch die Römerzeit hinterliess ihre Spuren. Aus dem frühen Mittelalter stammt 851 die erste Erwähnung: Villa de Anes. 1009 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung in der altfranzösischen Form Anestre.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gehörte Anestre noch zur französischsprachigen Grafschaft Neuenburg-Nidau. Savoyen  erwarb 1376 das Dorf zusammen mit der Herrschaft Erlach (Cerlier auf Französisch) . Bern eroberte während der Burgunderkriege (1474-1477) die Herrschaft Erlach und Anestre. Ins ist seitdem deutschsprachig und Teil des Kantons Bern.

Erlach war ab 1474 Sitz der Berner Landvögte. Ins war jedoch der Sitz des Landgerichts. Auch das Schlössli Ins, der Rosenhof-Park und die Grösse des Rathausplatzes weisen auf die Bedeutung des Dorfes hin.

Auf dem Hügel steht seit Jahrhunderten ausserdem die mittelalterliche Kirche, die seit 1525 evangelisch ist. Das siebenhundert Jahre alte Taufbecken weist auf die jahrhundertealte Geschichte des Sakralbaus hin. Die Kirche wurde 1228 erstmals urkundlich erwähnt.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Ins)

Eindrücke aus dem Dorf

 

Der Allalin-Stein stammt von der Südwand des Allalinhorns. Er blieb vor 17’500 Jahren nach der Schmelze des Wallis-Gletschers im Seeland liegen

Der Schlüchter-Stein. Der Steinblock wurde vor 20’000 Jahren vom Wallis-Gletscher ins Seeland transportiert

Die Stadt, das Fürstentum und der Kanton Neuenburg

Über die Besiedlung der Stadt Neuenburg bis zum Jahr 1000 ist nicht viel bekannt. Die ersten Grafen von Neuenburg gehen auf das „zweite“ Königreich von Burgund (888-1032) zurück. Der letzte König Rudolf III. (970-1032) liess auf dem Felsen eine Burg errichten, der Anfang des heutigen Neuchâtel (neue Burg). In den Jahren 1185–1190 folgte das Stift, la Collégiale.

Der Bahnhof von Neuenburg, die ersten Bewohner in der Steinzeit

Les Galeries de l’histoire de Neuchâtel. 

Die Dynastie der Grafen von Neuchâtel starb 1395 aus. Bis 1504 regierten nacheinander die deutschen Familien Freiburg und Hochberg die Grafschaft.

Die französische (königliche und katholische) Familie d’Orléans-Longueville erwarb die Grafschaft im Jahr 1504 nach dem Aussterben dieser deutschen Dynastien. Die Grafschaft wurde ein Fürstentum.

Die Bürgerinnen und Bürger suchten jedoch die Annäherung an die 13 Kantone der Eidgenossenschaft, wie man am Schloss sehen kann. Diese Annäherung ging so weit, dass die Kantone das Fürstentum mehrere Jahre lang (1512-1529) verwalteten. Man kann hier von einer “Besatzung“ mit dem Einverständnis der Einwohner sprechen!

Im Jahr 1530 wurde Neuenburg protestantisch. Guillaume Farel war die treibende Kraft. Dies hatte Auswirkungen auf die Zukunft des Fürstentums. Die Dynastie d’Orléans-Longueville starb 1706 aus. Die Neuenburger Stände (les Trois États) wollten einen protestantischen Prinzen, der zudem weit weg residierte.

Es gab mehrere Prätendenten, darunter den katholischen französischen König. Die Wahl wurde von religiösen und geopolitischen Motiven bestimmt. Berlin war viel weiter weg als Paris. Zudem war Neuenburg seit den „Besatzungsjahren“ 1512–1529 eng mit der Eidgenossenschaft verbündet.

Schliesslich erwarb der (protestantische) preussische König der Hohenzollern-Dynastie, Friedrich Wilhelm I (1688-1740),  1707 das Fürstentum Neuenburg. Er blieb (formell) bis 1857 Fürst von Neuenburg.

Rathaus

Die französische Ära (1798–1813) führte zu einem kurzen französischen Intermezzo im Jahr 1806. Der französische Marschall Alexandre Berthier (1753-1815) war von 1806 bis 1813 Fürst von Neuenburg. Nach der Niederlage Napoleons und dem Abzug der Franzosen kam der preussische König 1814 (formell) wieder an die Macht.

Das Monument 1814-1848

1815 trat Neuenburg als Kanton der Eidgenossenschaft bei und blieb ein Fürstentum des preussischen Königs. Diese Situation endete 1857, als König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) formell auf seine Rechte verzichtete, nachdem 1848 die Confoederatio Helvetica von 22 Kantonen, darunter auch Neuenburg, gegründet worden war und die Industriestädte Le Locle und La Chaux-de-Fonds einen erfolgreichen Aufstand gegen die royalistische Aristokratie der Stadt Neuenburg geführt hatten.

Der erste Aufstand im europäischen Revolutionsjahr 1830 war im Gegensatz zu den Veränderungen in anderen Kantonen (z.B. die Teilung Basel-Stadt und Basel-Landschaft und die Regeneration mit einer modernen Verfassung in 11 Kantonen) nicht erfolgreich gewesen.

Der letzte Monarch verschwand 1857 aus der Schweiz. Viele Stadtpaläste erinnern jedoch noch an die jahrhundertealte französische, deutsche und preussische Zeit.

In der Folgezeit entwickelte sich die Stadt zu einem Industrie- und Handelszentrum, u. a. für die Uhrenindustrie, den Tourismus, den Handel sowie die Kakaoverarbeitung. Suchard war der erste multinationale Schokoladenhersteller!

Das rasche Bevölkerungswachstum und die Stadtentwicklung sind in den Galeries de l’histoire gut dokumentiert.

Heute ist die Stadt mit ihrer Universität und ihrem mittelalterlichen Zentrum die drittgrösste Stadt der Romandie oder der Westschweiz und liegt wunderschön am Fusse des Juras am Neuenburgersee.

Swiss Institute for Electronics and Microtechnology

Le pavillion Hirsch

Die Rivalität zwischen dem industriell geprägten La Chaux-de-Fonds und dem „aristokratischen“ Neuenburg ist jedoch mit diesem „le Bas et le Haut du Canton“, den tief- und hochgelegenen Gebieten des Kantons, nicht verschwunden (La Chaux-de-Fonds, le Haut Jura, ist mit fast 1 000 Metern die höchstgelegene Stadt der Schweiz).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Rudern, lac de Neuchâtel Fotos: Gaetano Mileti

L’Hôtel DuPeyrou

Le Jardin anglais und das Casino de Neuchâtel

Neuenburg, Bulgari

Habsburgisches Erbe, Humanismus und Unesco-Welterbe im Elsass

Die Habsburger waren bis 1918 die am längsten regierende imperiale Dynastie in Europa. Mitglieder der Familie waren ab 1438 ununterbrochen (abgesehen vom Wittelsbacher Karl VII. Albert (1697-1745, Kaiser von 1742 bis 1745), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ab 1806 des Kaiserreichs Österreich und ab 1867 bis 1918 der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Erzherzog Maximilian (1832-1867) war sogar kurze Zeit Kaiser von Mexiko (1864-1867).

Édouard Manet (1832-1883), L’exécution de Maximilien, 1867. Foto: Wikipedia. Städtische Kunsthalle, Mannheim

Im Jahr 1555 hatte die Familie bereits eine Aufteilung in einen österreichischen und einen spanischen Zweig vorgenommen, um das riesige Gebiet (einschliesslich der Neuen Welt) regierbar zu halten. Über 50 Jahre zuvor, im Jahr 1499, hatte bereits eine andere Aufteilung stattgefunden.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft war ab dem Frieden von Basel faktisch eine unabhängige „Nation“ souveräner Kantone. Der Westfälische Frieden bestätigte diesen Status im Jahr 1648. Das Stammland der Habsburger war damit endgültig verloren, obwohl das Schloss und das Dorf Habsburg die Ehre hochhalten.

Die Burg und das Dorf Habsburg (Kanton Aargau)

Elsass

Wer denkt heutzutage bei den Städten Ensisheim, Ferrette (Pfirt) oder Sélestat (Schlettstadt) im Elsass noch an die kaiserliche Präsenz der Habsburger? Doch Ensisheim war jahrhundertelang die Hauptstadt des Vorderösterreichs der Habsburger. Ferrette und Sélestat waren wichtige Verteidigungs- und Verwaltungsorte.

In der wunderschönen hügeligen Landschaft mit ihren vielen Weinbergen und Dörfern befindet sich zudem die mächtige Burg Haut-Koenigsbourg (Hohkönigsburg), jahrhundertelang im Besitz der Habsburger.

Die Burg von Ferrette 

Ferrette

Oder eigentlich liegt das Dorf Vieux-Ferrette an der römischen Strasse von Basel nach Porrentruy (Kanton Jura). Das nahegelegene Städtchen Ferrette ist nach dem Schloss benannt, das 1105 erstmals in Dokumenten erwähnt wird. Die Grafen von Pfirt (damals noch deutschsprachig) bewohnten die Burg und hatten ausgedehnte Gebiete im Elsass. 1324 übernahmen die Habsburger dank Heiratspolitik die Burg.

Im Dreissigjährigen Krieg (1618-1648) zerstörten schwedische Truppen die Oberburg auf dem Gipfel des Berges (612 Meter). Nur die Unterburg wurde wieder aufgebaut. 1648 erwarb Frankreich jedoch den Sundgau und einige Jahrzehnte später das gesamte Elsass (einschliesslich Colmar und Strassburg).

Ensisheim

Ensisheim liegt in der Nähe anderer Gebiete des Patrimoine der Habsburger: Murbach und Ottmarsheim. Um das grosse Gebiet Vorderösterreichs angemessen verwalten zu können, machte Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) Ensisheim 1526 zur Verwaltungshauptstadt dieses Gebiets.

Palais de la Régence

Der Palais de la Régence (1545), Klöster, Kirchen und Stadtpaläste erinnern an diese Zeit. Die Stadt war bis 1648 auch das juristische Zentrum Vorderösterreichs.

Sélestat

Das Wachstum und die Blüte dieser Stadt begannen bereits vor der Ära der Habsburger. Der Hohenstaufener Kaiser Friedrich II. (1194-1250) verlieh Sélestat 1217 den Status einer freien kaiserlichen Stadt (Reichsunmittelbarkeit). In dieser Zeit begann der Bau der gotischen Kirche St. Georg, die neben der wunderschönen romanischen Kirche Sainte-Foy liegt.

Saint-Georges

Sainte-Foy 

Sélestat war eine der zehn Städte der Dekapolis (darunter auch Colmar, Mulhouse (Mülhausen), Hagenau, Wissembourg (Weissenburg), Obernai (Oberehnheim), Rosheim, Kaysersberg (Kaisersberg), Turckheim (Türkheim) und Munster (Münster).

Dies war ein Bund der zehn freien kaiserlichen Städte im Elsass. Strassburg war ebenfalls eine freie Stadt, hatte jedoch einen höheren Status und gehörte nicht zu diesem Bund (1354-1697).

Es war ein (defensives) Bündnis und ein Kooperationsverband à la die Eidgenossenschaft. Mulhouse zog sich bereits 1515 aus der Dekapolis zurück und wurde assoziiertes Mitglied (zugewandter Ort) der Schweizerischen Eidgenossenschaft bis 1798 und der Eingliederung durch Napoleon!

Unter den Habsburgern begann ab dem 15. Jahrhundert nicht nur die wirtschaftliche und religiöse Blütezeit, sondern nahmen auch die kulturellen und wissenschaftlichen Höhepunkte einen Anfang.

Die Lateinschule und der Humanismus (l’humanisme rhénan) waren berühmt. Selbst Erasmus widmete der Stadt ein Gedicht, „Lobpreis auf Sélestat“ (1515). Die humanistische Bibliothek von Beatus Rhenanus (1485-1547) ist seit 2011 sogar UNESCO-Weltkulturerbe! Frankreich erwarb jedoch auch Sélestat im Jahr 1648.

Haut-Koenigsbourg

Die Burg Haut-Koenigsbourg in der Nähe von Sélestat steht auf einer einsamen Höhe von über 700 Metern und dominiert die Umgebung. Was die Roche-Türme für Basel sind, ist Haute-Koenigsbourg für diese Region, nur ist ihre Geschichte etwas älter.

Der Hohenstaufer Kaiser Friedrich I. oder Kaiser Barbarossa (1119-1190) baute das Schloss im Jahr 1147. Danach besassen die Habsburger und ihre Verbündeten das Schloss bis zur Zerstörung im Dreissigjährigen Krieg und der Übernahme durch Frankreich im Jahr 1648.

Schlussfolgerung

Die vielen deutschsprachigen Ortsnamen im Elsass erinnern noch immer an die deutschsprachige und habsburgische Vergangenheit dieser Region. Trotz der Eingliederung durch Frankreich blieb die lokale Umgangssprache jahrhundertelang auf der deutschsprachigen alemannischen Sprache basierend.

Einwohner des Markgräflerlands und anderer Gebiete in Baden, den Kantonen Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft und Jura konnten sich jahrhundertelang in dieser Sprache verständigen.

Das Ende der Habsburgerzeit änderte daran nichts. Die Nachwirkungen der Kriege in 1870/1871, 1914-1918 und 1939-1945 machten jedoch diesem sprachlichen Erbe endgültig ein Ende. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das monumentale Erbe der Habsburgerzeit noch immer prominent vorhanden ist und heutzutage wieder gepflegt wird.

Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur Colmar und Strassburg oder die Weindörfer zu besuchen, sondern auch die oben genannten Orte.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Ferrette

Ensisheim

Das Kloster und die Stadtmauer

Sélestat

Haute-Koenigsbourg

La route des Vins d’Alsace