Bern, die Schweizerische Nationalbank, la Banque nationale suisse. Foto/Photo: TES

Der Schweizer Franken, der Euro und die Lateinische Münzunion

Der Schweizer Franken (CHF) ist 175 Jahre alt. Am 7. Mai 1850 wurde er offiziell eingeführt. Vor der Einführung des Frankens herrschte ein wahres Durcheinander von Währungen. Seit dem Mittelalter prägte jeder Kanton, jede Stadt und jedes Bistum sein eigenes Geld. Man bezahlte mit Batzen, Rappen, Taler, Oertli, Assis, Gulden oder Dicken. Es gab mehr als 8000 verschiedene Münzen!

Eine Reise von einem Kanton zum anderen ähnelte einer Reise ins Ausland, an jeder Kantonsgrenze musste Geld gewechselt und Zoll bezahlt werden. Diese monetäre Reform war keine Selbstverständlichkeit, ein Euro avant la lettre.

Die Kantone verteidigten ihr Recht, Münzen zu prägen und Zoll zu erheben, aber seit der neuen Verfassung (1848) und seit 175 Jahren bildet die Konföderation eine solide Basis für die Wirtschaft und den Schweizer Franken. Heute verkörpert der Schweizer Franken monetäre Unabhängigkeit, wirtschaftliche Zuverlässigkeit und eine langfristige Vision.

Der Franken hat im Laufe seiner Geschichte zahlreiche Herausforderungen gemeistert, von Krisen und Kriegen bis hin zu Zeiten hoher Inflation, dem Übergang vom Goldstandard und der Dynamik des internationalen Währungssystems.

Der Vertrag vom 23. Dezember 1865. Bild: Wikipedia

 Die Lateinische Münzunion

Auch die Schweiz hatte ihren „Euro“, und zwar im Jahr 1865. Diese monetäre Katastrophe ist noch im Gedächtnis verankert. Im Jahr 1865 schlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz einen Münzvertrag, eine Art Vorläufer des Euro. Griechenland trat ein Jahr später bei. Diese Münzunion wurde von Napoleon III. (1808-1873) ins Leben gerufen.

Französisches Plakat aus dem Jahr 1865. Quelle: Wikipedia

Diese „Lateinische Münzunion“ (L’Union monétaire latine) enthielt detaillierte Vorschriften über Gewicht, Feinheit, Form und Kurs von Gold- und Silbermünzen sowie Quoten für das Prägen von Münzen für die einzelnen Länder im Verhältnis zur Bevölkerung. Im Gegenzug wurden die betreffenden Münzen im gesamten Gebiet der Münzunion akzeptiert.

Die fünf Vertragsländer der Lateinischen Münzunion. Bild: Wikipedia

Die europafreundliche Schweizer Regierung sah darin einen ersten Schritt zur Verwirklichung der Idee eines europäischen Währungssystems. Die Zusammensetzung der in der Schweiz zirkulierenden Gold- und Silbermünzen war dementsprechend international.

Die Lateinische Münzunion im Jahr 1914. Bild: Wikipedia

Der Anteil der Schweizer 5-Franken-Münzen an dieser „Lateinischen Münzeinheit“ schwankte zwischen 1885 und 1920 zwischen 2 und 7 Prozent. Durch Abwertung und Wertminderung entstand schnell eine zunehmende Ungleichheit zwischen den Münzen, und die Vereinbarungen erwiesen sich als wertlos. Darüber hinaus wurde diese Währungsunion durch bilaterale und unilaterale Verträge bis 1914 auf nicht allzu zahlungskräftige Länder und sogar Kolonien ausgedehnt.

Silbermünzen, die in den Staaten der lateinischen Münzunion gesetzlichen Kurs haben, für die Schweiz herausgegeben durch Kaiser & Co., Bern. Tafel aus der Zeit des Ersten Weltkriegs (Swissmint). Quelle: Historisches Lexikon der Schweiz

 Der Alphirte

Das Dorf Richterswil (Kanton Zürich) ist die Heimat von Paul Burkhard (1888-1964), dem Schöpfer der berühmten 5-Franken-Münzen. Im Jahr 1920 wurde er mit der Gestaltung einer neuen 5-Franken-Münze beauftragt. Er entwarf den Alphirten. Am 1. April 1927 wurde der Münzvertrag aufgelöst, der schon viele Jahre in der Schublade lag.

Der Alphirte und nicht Wilhelm Tell!

Die SNB (gegründet 1907) hatte sich nun befreit. Der Schlüssel zur Geldpolitik lag nicht mehr darin, den Standard der Nachbarländer zu folgen. Monetäre Stabilität war ein Wert an sich.

Bis 1914 war der Franken eine normale Währung, die sich gegenüber den Konkurrenten manchmal auf- und manchmal abwertete. Danach entstand langsam das, was bis heute gilt: Die Schweiz und der Franken als eine monetäre Insel der Stabilität.

 Der Schweizer Franken heute

Diese Qualität basiert auf zahlreichen Säulen, darunter politische und soziale Stabilität, direkte Demokratie, Föderalismus, Subsidiarität, Liberalismus, industrielle Innovation, Export, das hervorragende Forschungs- und Bildungssystem, hohe Arbeitsmoral, ein marktorientiertes und gleichzeitig soziales Wirtschaftssystem, niedrige Staatsschulden, hohe Goldreserven, Überschüsse in der Leistungsbilanz und Nettoauslandsvermögen.

Die monetären Nachbarn und heute der Euro machten und machen es dem Franken jedoch schwer. Im Jahr 2002 hegte die SNB die vergebliche Hoffnung, dass der Euro und die EZB eine Art Nachfolger der D-Mark und der Bundesbank wären.

Entwicklung des Euro-CHF-Wechselkurses 2002-2025. Quelle: www.schweizer-franken.eu

 Fazit

Der Euro (und damit auch der niederländische Gulden und die D-Mark) hat seit 2002 jedoch fast 40% seines Wertes gegenüber dem Franken verloren und die Aussichten sind nicht gut.

Immer mehr (wirtschaftlich, monetär und politisch) marode Länder nehmen teil und die EZB ähnelt einer politisch orientierten französisch-italienischen Bank stark und eine neue Lateinische Münzunion.

Diese Lateinische Münzunion ist eine „Warnung aus der Geschichte“, auch im Hinblick auf die neuen Verhandlungen und Vereinbarungen mit der EU, ihrem Zentralismus, ihrer Top-Down-Demokratie, Bürokratie und Justiz.

(Quelle: S. Heeb, Historisches Lexikon der Schweiz, l’Union monétaire latine, 25.03.2014)