Die Schweiz ist der Kräutergarten Europas

Die medizinische, psychologische und manchmal wunderbare (und giftige!) Wirkung von Kräutern und Pflanzen ist so alt wie die Menschheit auf allen Kontinenten. Ureinwohner im Amazonas, Indianer in Amerika, Chinesen, Japaner, Aborigines, Perser, Griechen, Kelten oder Römer, jede Gemeinschaft kannte ihre Kräuter- und Pflanzenexperten.

Kloster Dornach heute

Le Jardin botanique de Genève

Die Mönche auf dem europäischen Kontinent haben dieses Wissen ihrer Vorgänger ab dem sechsten Jahrhundert bewahrt, weiterentwickelt und oft schriftlich festgehalten. Jedes Kloster hatte seinen Kräutergarten.

Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen war jedoch keine Mönchin, sondern eine Nonne des Benediktinerordens. Hildegard von Bingen (1098-1179) war nicht nur eine Nonne und später (1152) die Äbtissin des von ihr gegründeten Klosters Rupertsberg bei Bingen am Rhein.

Sie wurde vor allem als Theologin, Autorin, Komponistin, Naturwissenschaftlerin und „Pharmazeutin“ avant la lettre mit ihren Forschungen zu Heilkräutern, Pflanzen und Säften bekannt.

Sie war zudem Beraterin des Kaisers Friedrich I., besser bekannt als Barbarossa (um 1122-1190). Sie korrespondierte mit Päpsten, Bischöfen und anderen Äbten und Mönchen, wie zum Beispiel Bernhard von Clairvaux (1090-1153). Kurz gesagt, eine aussergewöhnliche mittelalterliche Persönlichkeit.

Ihr Lebenslauf ist in verschiedenen (digitalen) Publikationen beschrieben und wird hier nicht weiter behandelt (siehe u.a.: G. H. Heepen, Das Heilwissen der Hildegard von Bingen. München 2015; G. Muhr, Hildegard von Bingen. Der Mensch im Einklang mit der Natur, Daun, 2024).

Das erste gedruckte Buch ‚Physica‘ (1533). Bild: Wikipedia

Neben verschiedenen theologischen Werken schrieb sie zwischen 1150 und 1158 auch zwei noch immer aktuelle medizinische Werke. Das erste Werk trägt den vollständigen Titel „Liber simplicis medicinae“ oder „Physica“, das zweite heisst „Liber compositae medicinae“ oder „Causae et Curae“ .

Beide Bücher behandeln seelische  Krankheiten und die heilende Wirkung von Kräutern, Pflanzen und Säften. Sie schöpfte dabei nicht nur aus den Erfahrungen des Klosters (und der klassischen Antike), sondern auch aus dem Volkswissen lokaler Gemeinschaften und ihrer Kräuter- und Pflanzenexperten. Sie beschreibt Hunderte von geistigen und körperlichen Beschwerden und hat in ihren Büchern und in ihrem Kräutergarten gewissermassen eine Apotheke eingerichtet.

Nach ihrem Tod gerieten Hildegard und ihre Apotheke für Jahrhunderte in Vergessenheit. Doch mehrere Persönlichkeiten widmeten sich danach der Heilkraft der Kräuter, darunter der Schweizer Arzt Theophrastus Bombast von Hohenheim alias Paracelsus (1493-1541) und Jahrhunderte später der Bayer Sebastian Anton Kneipp (1821-1897).

Samedan

Die „Kräuterapotheke“ von Hildegard wurde erst im zwanzigsten Jahrhundert wieder zugänglich. Die oben genannten Bücher wurden Anfang des 20. Jahrhunderts  (aus dem Lateinischen) ins Deutsche übersetzt.

Auch der Schweizer Pater Johann Künzle (1867-1945), Pater Flurin Maissen (1906-1999) sowie Rudolf Steiner (1861-1925) und Ita Wegman (1876-1943) erkannten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die wohltuende Wirkung von Kräutern und Pflanzen.

Johann Künzle, Das Grosse Kräuterbuch. Ratgeber für gesunde und kranke Tage

Ein weiterer Schweizer, Alfred Vogel (1902-1996), ging seinen eigenen Weg und gründete 1963 die Firma Bioforce AG (heute A. Vogel AG), nachdem er ein halbes Jahrhundert lang (weltweit) praktische Erfahrungen, Publikationen und Forschungen auf dem Gebiet der Heilwirkung von Kräutern gesammelt hatte.

Der Schweizer Drogist Kurt Altermatt und einige Apotheker aus Österreich waren jedoch die ersten Produzenten von Rezepten aufgrund der Werke von Hildegard.

Danach nahm die Verbreitung schnell zu, und es ist kein Zufall, dass die internationale Gesellschaft Hildegard von Bingen 1980 in der Schweiz gegründet wurde.

Das weltweite Zentrum der Pharmazie, der Naturpflege und der Anerkennung der Verdienste von Hildegard geht auch in Basel Hand in Hand. Es symbolisiert den Respekt der Stadt der modernen Medizin und Pharmazie für diese Pionierin.

Am Gornergrat, 3,089 m

Die Schweiz ist nicht nur das Wasserschloss Europas, sondern auch der Kräutergarten. In jedem Weiler, Dorf, jeder Stadt und auf zahlreichen öffentlichen und privaten Grundstücken wachsen und blühen oft (jahrhundertealte) Kräuterpflanzen. Die Natur ist in diesem Land buchstäblich und im übertragenen Sinne nie weit entfernt.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Splügen

Degersheim

Arlesheim

Engelberg

Grand Hôtel Weisshorn, Kanton Wallis, der erste alpine Garten Europas

Alpage de Cottier

Sion, ehemaliges Kapuzinerkloster

Bern

Zermatt

Freilichtmuseum Ballenberg

Basel, Merian Gärten

Leukerbad

Mariastein

Vals

Oberwil, FGV Lettenmatt

Goetheanum

L’Ermitage de Neuchâtel

Blatten (Wallis), der Ricola Kräuterweg

Ernen

SAC-Hütte Illhorn

Rudolf Steiner – Leben und Werk 1861-1925 im Goetheanum

Anlässlich des hundertsten Todesjahres von Rudolf Steiner wird am Goetheanum vom 28. März 2025 bis 1. Januar 2026 eine umfangreiche Ausstellung (Aus des Kosmos Geist entzünden. Rudolf Steiner – Leben und Werk 1861-1925 ) seines biographischen Werdegangs und seines Werkes mit Kunstwerken, Fotos, Dokumenten und Artefakten gezeigt.

Zu der im Hauptbau des Goetheanum angesiedelten Ausstellung sind die umliegenden, von Rudolf Steiner entworfenen Nebenbauten sowie weitere Ausstellungsräume vor Ort zu besichtigen.

Die Ausstellung macht die Verwobenheit von Steiners Biographie mit seinen geisteswissenschaftlichen, künstlerischen und gesellschaftlichen usw. Werken sichtbar. Das durchgehende Motiv der Präsentation ist, wie Rudolf Steiner im Laufe seiner Biographie das Verhältnis zwischen der sinnlich-materiellen und der geistigen Welt erlebt und gestaltet.

Wichtige Stationen seines Werdegangs sind die Herausgabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften und seine eigenen erkenntniswissenschaftlichen, theosophischen und anthroposophischen Werke. Sein Kunstimpuls ist bedeutend wie auch die Entwicklung neuer Ansätze in der Pädagogik, Architektur, Medizin, Landwirtschaft, dem Bankwesen und dem sozialen Leben.

Die Wechselwirkung zwischen Steiners eigenen Intentionen, äusseren Einflüssen seiner Zeit und seinem eigenen Schicksal sowie dem lebendigen Geflecht seiner sozialen Beziehungen, Freundschaften und den an ihn gestellten Fragen macht ein Leben sichtbar, das auf einer kleinen Bahnhofsstation im heutigen Kroatien begann und bis heute eine weltweite Wirksamkeit entfaltet hat.

Die Ausstellung ist in deutscher und englischer Sprache und wird vom 28. März bis 1. Januar 2026 im Erdgeschoss und im ersten Stock des Goetheanum gezeigt.

(Quelle und weitere Informationen: Goetheanum)

Eindrücke aus der Ausstellung

       

Rudolf Steiner, Ita Wegman, das Goetheanum, die Ita Wegman Klinik und das Anthroposophische Weltzentrum

Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft) hat seit 1678 seine monumentale Kathedrale und Paläste des ehemaligen Kapitels des Bistums Basel und seit 1785 die berühmte Hermitage. Nichts deutete nach 1913 darauf hin, dass dieses Dorf und das angrenzende Dornach (Kanton Solothurn) erneut Geschichte schreiben würden. Dornach machte 1499 bereits Schlagzeilen

Am 30. März 1925 starb Rudolf Steiner in Dornach in seinem Atelier in seiner Goetheanum-Kolonie. Die niederländische Ärztin Maria Ita Wegman (1876-1943) stand ihm in seinen letzten Stunden bei. Wegman starb in Arlesheim (Kanton Basel-Landschaft). Für beide war es bei ihrer Geburt nicht vorhersehbar, dass sie in diesen Dörfern ihre letzte Ruhestätte finden würden.

Der Grenzstein und der Bach Schwinbach-Aue zwischen dem Kanton Solothurn (Dornach) und dem Kanton Basel-Landschaft (Arlesheim). Rechts das Glashaus des Goetheanum (Dornach)

Rudolf Steiner

Rudolf Steiner wurde 1861 in Donji Kraljevec in Kroatien geboren, damals der ungarische Teil der damaligen österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie (1848-1918). Er stammte aus einer deutschsprachigen Familie. In seinen Schuljahren war er fasziniert von der Mathematik, seinem Lieblingsfach, und der Natur.

Anschliessend studierte er an der Technischen Hochschule in Wien (1879-1889). Dort lernte er die philosophische, psychologische, deutsch-nationalistische und liberaltheologische Welt des habsburgischen kulturellen Schmelztiegels von Wien kennen.

Otto Fröhlich (1869-1940), um 1892. Rudolf Steiner. Sammlung: Goetheanum

Er vertiefte sich in Philosophie und das Wesen des Menschen und entwickelte sein lebenslanges Credo: „Es gibt keine Grenzen der Erkenntnis“ mit dem Ziel „das Ewige in uns anzuschauen“ (sozusagen sich selbst kennenlernen).

Sein Idol war Wolfgang von Goethe (1749-1832). Goethe war nicht nur Dichter und Schriftsteller, sondern auch Naturwissenschaftler, das bevorzugte Studiengebiet von Steiner. Steiner las, bewunderte und kritisierte zudem die grossen Denker seiner Zeit und davor, wie Friedrich Nietzsche (1844-1900), Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) und Immanuel Kant (1724-1804).

Weimar

Steiner kombinierte sein Interesse an der geistigen Entwicklung des Menschen, jedes Individuums, mit der physischen Welt der Materie und der Naturwissenschaften. Goethe war sein Vorbild und er arbeitete von 1890-1897 im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Diese Jahre prägten sein Gedankengut über die Anthroposophie.

Sammlung: Goetheanum

Dies führte 1893 zur Veröffentlichung „Philosophie der Freiheit“, nachdem er 1891 mit der Dissertation „Die Grundfrage der Erkenntnistheorie mit besonderer Rücksicht auf Fichtes Wissenschaftslehre. Prolegomena zur Verständigung des philosophierenden Bewusstseins mit sich selbst“ promoviert hatte. Der Verlag der Handelsausgabe machte 1892 klugerweise daraus einen deutlich kürzeren Titel: „Wahrheit und Wissenschaft“.

Sammlung: Goetheanum

Berlin

1899 zog er zusammen mit seiner Frau Anna Eunicke (1853-1911) nach Berlin. Es ist die Belle Époque oder das Fin de Siècle mit einer technischen Erfindung, künstlerischer Erneuerung und Industrialisierung nach der anderen.

Er kombinierte die physische Welt der Naturwissenschaften mit seinem esoterischen und philosophischen Gedankengut für die geistige Entwicklung des Individuums.

In Berlin kam er mit der Theosophie (göttliche Weisheit) in Kontakt. Diese Bewegung erklärte das Wesen und die Entwicklung des Menschen aus der Perspektive des Höheren, Okkulten und anhand mystisch-religiöser und naturphilosophischer Ansätze.

Sammlung: Goetheanum

Diese Bewegung war international orientiert, mit vielen adligen und wohlhabenden Bürgern als Anhängern. Steiner wurde 1902 aufgrund seines fundierten Wissens und vor allem seines Redner- und Schreibtalents Generalsekretär der Deutschen Theosophischen Gesellschaft.

Hier traf er auch Marie von Sivers, die nach dem Tod seiner Frau 1911 seine zweite Ehefrau wurde und als Marie Steiner (1867-1948) bekannt wurde. Sie spielte bis zu seinem Tod und danach eine führende Rolle in der anthroposophischen Bewegung.

Der Schritt vom theosophischen Gedankengut zur Freimaurerei war nicht gross. Viele führende deutsche Theosophen waren damals auch Freimaurer und 1906 erhielt Steiner die Erlaubnis, selbst Mitglieder für die Freimaurerei zu werben.

Dies tat er bis 1914, nach eigenen Angaben, vor allem als Lehrschule für seinen „Erkenntniskult“. Die hierarchische Organisation mit ihren Ritualen passte nicht in sein Bild vom Menschen und dessen spiritueller Entwicklung als Individuum.

Die theosophische Bewegung stand in dieser Hinsicht auch nicht im Einklang mit seinen Denkweisen. Er gründete 1913 zusammen mit anderen die Anthroposophische Gesellschaft in Berlin.

Steiner hielt in seinem Leben etwa 6.000 Vorträge, schrieb 30 Bücher und Hunderte von Artikeln. Hier wird eine sehr knappe Darstellung der Grundsätze der Anthroposophie (menschliche Weisheit) gegeben.

Sammlung: Goetheanum

Anthroposophie

Die Anthroposophie ist ein philosophisches und spirituelles System oder eine Lebensanschauung. Sie strebt die Verbindung des Geistigen (spirituellen, intuitiven, intellektuellen und analytischen Fähigkeiten) in jedem Individuum (Die Existenz einer geistigen Welt) mit den unbegrenzten Möglichkeiten des geistigen Kosmos und den Naturgesetzen (Es gibt keine Grenzen der Erkenntnis) an.

Freiheit des Denkens, eigene Wahrnehmung und selbstständiges Urteilen sah er als Voraussetzungen für die optimale geistige Entwicklung jedes Individuums inmitten des physischen Daseins und der Naturgesetze im täglichen Leben.

Bis zu seinem Tod entwickelte er praktische Anwendungen für seine Philosophie, wie die Freie Hochschule in Dornach, die eurythmische Tanzbewegung, Freie Schulen (Steinerschulen) oder in Deutschland die Waldorfschulen, anthroposophische Heilmethoden, Heilpädagogik, biologisch-dynamische Landwirtschaft, Literatur, Architektur, Kunst und auf verschiedenen anderen Gebieten.

Rudolf Steiner Schule St. Gallen

Darüber hinaus schrieb er viele Bücher, Essays und Artikel über unter anderem Philosophie, Spiritualität, Landwirtschaft, Geologie, Theologie, Bildhauerei, soziale Fragen, Wirtschaft, Malerei und Architektur.

Die eurythmische Bewegung

Die neue Bewegungskunst (Tanz) und Eurythmie und die Mysteriendramen von Steiner hatten das Ziel, das Innere des Individuums zum Ausdruck zu bringen. Die Mysteriendramen waren Theaterstücke für diesen eurythmischen Tanz.

Sie basierten auf einer Interpretation des Evangeliums. Steiner erläuterte dieses Konzept in seinem „Das Christentum als mystische Tatsache“ (1902). Das Evangelium war in dieser Auffassung kein historisches Faktum, sondern zeigte die individuelle geistige Entwicklung von Jesus. Die katholische Kirche konnte dies nicht schätzen.

 Eurythmischer Tanz, um 1923. Sammlung: Goetheanum

Wie dem auch sei, im August 1913 wurde in München das vierte Mysteriendrama erneut mit grossem Erfolg aufgeführt. Ein damals bekannter Dichter nannte es sogar: „Das steinerische Mysterium leitet eine neue Stufe, eine neue Epoche der Kunst ein“.

Steiner war ein Kind seiner Zeit. Auch in der Kunst (um nur Picasso zu nennen), Politik (Aufstieg des Sozialismus, Marxismus, Anarchie), Psychotherapie (Freud) und Biologie (zum Beispiel Darwinismus) fanden damals neue Ideen Eingang.

Dornach

Der Erfolg der neuen Anthroposophischen Gesellschaft und ihrer wohlhabenden Mitglieder war so gross, dass der Bau einer Anthroposophenkolonie konkrete Gestalt annahm. Die Finanzierung war kein Problem und der erste Entwurf mit dem Namen Johannesbau war in München geplant.

Sammlung: Goetheanum

Die Behörden im (katholischen) München lehnten den Plan jedoch ab. Eine Alternative bot sich in Dornach an. Emil Grosheintz (1867-1946), Zahnarzt in Dornach und Anthroposoph, bot ein Stück Land für den Johannesbau und Parzellen für Ateliers und Häuser von Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft an.

Steiner war nicht nur von diesem Angebot beeindruckt, sondern auch von der Landschaft und der Lage auf einem Hügel. Ende 1913 begann der Bau, aber im August 1914 begann der Erste Weltkrieg (1914-1918) und erst 1920 war das Komplex unter dem Namen Goetheanum fertiggestellt.

Das erste Goetheanum (der Johannesbau), 1914. Sammlung: Goetheanum

Das Wichtigste ist jedoch, dass Steiner und die Anthroposophische Gesellschaft in der Zeit von 1913-1918 die Grundlage für einen neuen Anfang nach 1918 legten. Die Steiner- oder Waldorfschulen waren 1919 das erste konkrete Ergebnis. Waldorf ist nach der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik in Stuttgart benannt.

Rudolf Steiner und sein erster Entwurf für den Johannesbau (das Goetheanum) Sammlung: Goetheanum

Der Direktor gab Steiner 1919 den Auftrag, seine anthroposophische Philosophie für eine neue Unterrichtsmethode für seine Kinder anzuwenden. Die erste Waldorfschule mit den Steiners Ideen über Erziehung und Bildung war ein grosser Erfolg und viele Schulen folgten in Europa und anderen Kontinenten.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Scheitern der alten Unterrichtsmethoden war die Zeit reif für Erneuerung. In Zürich war Dada (1916-1922) die künstlerische Reaktion auf den Ersten Weltkrieg.

Sammlung: Klinik-Arlesheim

Maria Ita Wegman

Maria Ita Wegman wird hier nur kurz behandelt, da die konkrete Zusammenarbeit mit Steiner auf die letzten Jahre seines Lebens beschränkt ist. Das Ita Wegman Institut in Arlesheim und die dreibändige Bibliografie J.E. Zeylmans van Emmichoven, „Wer war Ita Wegman“ (Goetheanum-Verlag Dornach) gehen ausführlich auf ihr Leben und ihr Lebenswerk ein.

Maria Ita Wegman. Sammlung: Klinik-Arlesheim

Wegman und Steiner kannten sich bereits seit 1902, arbeiteten jedoch erst ab 1920 zusammen. Wegman wurde auf West-Java im ehemaligen Niederländisch-Indien geboren. Sie studierte Medizin in Zürich und liess sich 1911 als Ärztin nieder. Ihre erste eigenständige anthroposophische Praxis war in Basel.

Steiner und Wegman entwickelten ab 1920 die anthroposophische Medizin und gründeten 1921 die Anthroposophische Klinik in Arlesheim. Wegman war die Leiterin der Klinik.

Basel

Sie war ab 1924 auch Leiterin der medizinischen Abteilung der von Steiner in Dornach gegründeten Freien Hochschule. Die Klinik in Arlesheim besteht noch immer unter dem Namen Ita-Wegman-Klinik oder Klinik-Arlesheim, neben dem Ita Wegman-Ambulatorium in Basel.

Basel, Ita Wegman-Ambulatorium

Klinik-Arlesheim

Sie war auch an der Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten beteiligt, um die Pflege der Patienten zu optimieren. Sie ist auch eine der Mitbegründerinnen des Schweizer Multinationals Weleda, der aus dem „Laboratorium am Goetheanum“ für anthroposophische Arzneimittel und Heilkunde hervorgegangen ist.

Nach dem Tod von Steiner und Wegman wurden ihre Projekte fortgesetzt. In Bereichen wie Landwirtschaft, Medizin, Wirtschaft, Bildung, Pflege, Architektur, (bildende) Kunst und Lebensanschauung ist die Anthroposophie immer noch eine globale inspirierende Quelle mit Dornach und Arlesheim als Zentren. Und dann zu bedenken, dass das Epizentrum der pharmazeutischen Industrie von diesen Orten aus zu sehen ist!

Die Kantone Solothurn (Dornach und das Goetheanum, rechts), Basel-Stadt mit den Roche-Türmen (links), Basel-Landschaft (mit Arlesheim und Dom, Mitte), Elsass und Baden-Württemberg im Hintergrund

 Goetheanum

Die erste Version des heutigen Goetheanums brannte am 31. Dezember 1922 ab. Es war ein Holzgebäude mit zwei Kuppeln auf einem Betonfundament auf dem Hügel von Dornach. Das Gebäude erhielt seinen Namen von Wolfgang von Goethe, dem von Steiner bewunderten Naturwissenschaftler.

Das Goetheanum nach dem 1. Januar 1923.  Sammlung: Goetheanum

Die Architektur, Glasmalereien, Fresken, Symbolik, Farben, Dekoration und Einrichtung standen im Zeichen der Anthroposophie. Die Website des Goetheanums und das Modell im Ausstellungsraum neben dem Goetheanum geben eine ausführliche Erklärung. Das ist auch nötig, denn damals verstanden nur Eingeweihte die Bedeutung, die Künstler und Arbeiter oft nicht:

Die ungewohnten Formen, die Bilder der Menschheitsgeschichte in den Kuppelmalereien, die eigenartigen Zeichnungen (Sterne, Engel, Dämonen) in den Glasfenstern: Wir sollten helfen, so etwas zu errichten. Wäre es nicht richtig, dass wir selbst möglichst auch verstünden, was da dargestellt wird?

Brandstiftung war am 31. Dezember 1922 die Ursache des Brandes. Steiner wollte jedoch keine Untersuchung. Papst Benedikt XV. (1854-1922) hatte 1919 die anthroposophische Bewegung in den Bann getan. Im katholischen Dornach (das Bistum Basel residierte seit 1828 in der Stadt Solothurn) und im katholischen Arlesheim stiess Steiner ebenfalls auf viel Widerstand.

Links das alte Goetheanum, rechts das heutige Gebäude. Dazwischen die Gebäude zwischen 1914 und 1925. Sammlung Goetheanum

Für Steiner bedeutete der katastrophale Brand jedoch nicht das Ende seines Lebenswerks, sondern gerade das Momentum für einen neuen Anfang. Ein gutes Omen war zudem der Erhalt seiner monumentalen Holzskulptur „ Der Menschheitsrepräsentant“, den er zusammen mit der englischen Künstlerin Edith Maryon (1872-1924) geschaffen hatte. Zum Zeitpunkt des Brandes stand die Skulptur noch im angrenzenden Atelier.

Steiner gründete im Dezember 1923 eine neue Anthroposophische Gesellschaft und die „Hochschule für Geisteswissenschaften am Goetheanum“. Die Schule hatte die Abteilungen Schöne Wissenschaften, redende und musikalische Künste, medizinische Sektion, mathematisch-astronomische Sektion und bildende Künste.

Gleichzeitig entwarf er das neue Goetheanum aus Beton (Siehe die monumentale Kirche aus Stein in Basel, errichtet im Jahr 1925!), aber wieder vollständig auf das anthroposophische Gedankengut ausgerichtet mit einer Neuerung: Das Gebäude passt sich der geologischen Umgebung mit ihren Felsformationen an.

Das Atelier, in dem Steiner am 30. März 1925 starb

Vor hundert Jahren starb Rudolf Steiner in seiner Werkstatt, während die Bauarbeiten für das neue Goetheanum bereits begonnen hatten. Der Bau dauerte noch viele Jahre, aber die Ateliers des alten Goetheanum und die vielen Villen der Anthroposophen deuteten bereits die Konturen des heutigen Komplexes an.

Es ist ein grosser Kuppelbau aus Beton, der den Zeitgeist sehr gut widerspiegelt. Moderne, Art Deco, organische Formen und Farben, Surrealismus, versehen mit viel Symbolik, Gemälden, anthroposophischen Farben und Skulpturen mit der Evolution der Menschheit und der persönlichen (geistigen) Entwicklung der Menschen sind das Motiv.

Der Haupteingang (Westen), mit zwei vor dem Brand geretteten Werken

  

In der Umgebung des Goetheanums wurden nach 1928 etwa 180 weitere Häuser im gleichen Stil gebaut. Das Goetheanum wird bis heute als Raum für das Internationale Anthroposophische Zentrum, die Gesellschaft, die Freie Hochschule, (künstlerische) Veranstaltungen, Vorträge und Aufführungen von Musik und Theater genutzt.

Schlussfolgerung

Die von Steiner gegründete Anthroposophische Gesellschaft hat weltweit etwa 50.000 Mitglieder mit nationalen Abteilungen. Das Goetheanum ist heute längst keine Kolonie mehr, sondern ein Campus mit einer Freien Hochschule, medizinischen und biologisch-dynamischen Gärten und ist das pädagogische, kulturelle, spirituelle und geschäftliche Zentrum der Organisation mit vielfältigen Aktivitäten.

Die Steinerschulen (Freie Schulen oder Waldorfschulen) sind etablierte Bildungseinrichtungen. Das Lebenswerk von Steiner ist für viele Menschen im täglichen Leben immer noch eine weltweite Inspirationsquelle.

(Quelle: Goetheanum; David Marc Hoffmann, Rudolf Steiner, Sein Leben und Wirken, Basel 2025)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Dornach und Arlesheim, Villen und Goetheanum

Glashaus

Heizhaus

 

Haus Duldeck

Die Gärten

 

Das Bienenhaus

Das Präparate-Pavillon

Die Ita Wegman-Klinik in Arlesheim

 

  

Zofingen: Helvetier, Römer, Frohburger, Habsburger, Berner und heute Schweizer aus Aargau

Zofingen (Kanton Aargau) wurde 1201 von den Grafen von Frohburg gegründet. Schon Jahrhunderte vorher war die Stadt aber eine relativ grosse römische Siedlung. Darauf deuten die Reste eines Badehauses, einer Villa (Gutshof) und weitere Funde hin.

Konturen und Modell des römischen und mittelalterlichen Badehauses

Der Ort lag an der Handelsstrasse von Basel nach Luzern, im 13. und 14. Jahrhundert war Zofingen ein wichtiges regionales Zentrum mit Stadtrechten und sogar einem Chorherrenstift.

Die ersten Vorgängerbauten der St. Mauritiuskirche gehen auf das 7. Jahrhundert zurück. Die heutige Kirche weist romanische und gotische Züge auf, die aus dem Bau und den Renovierungen dieser Zeit stammen.

Die Grafen von Frohburg verkauften die Stadt 1299 an die Habsburger. Bis 1415 und der Eroberung durch Bern teilte die Stadt die Geschichte der Habsburger, unter anderem durch den Tod von Soldaten in der Schlacht von Sempach am 9. Juli 1386 (bei der auch Herzog Leopold III. (1351-1386) ums Leben kam).

Auch Schultheiss Niklaus Thut, der gegen die Eidgenossen kämpfte, überlebte es nicht. Er rettete jedoch das Zofinger Banner. Das Stadtwappen zeigt noch immer die horizontalen rot-weiss-rot-weis Balken der österreichsischen Nationalflagge!

Nach der Eroberung durch Bern im Jahr 1415 folgte 1528 die Reformation. Seit 1803 ist die Stadt Teil des Kantons Aargau. Von der jahrhundertelangen Blütezeit zeugen noch heute die monumentalen Häuser, die öffentlichen Gebäude und die 22 Brunnen mit ihren schönen Verzierungen.

Zofingen hat zwar keine Universität, ist aber die Stadt der ältesten und grössten Schweizer Studentenverbindung: Die Zofingia.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Zofingen)

Korrektorin: Giuann Egger-Maissen

Impressionen aus Zofingen

Allschwil und der Allschwiler Wald

Eine der Besonderheiten der Schweiz ist die Allgegenwart der Natur, ob in einer Stadt oder in einem kleinen Dorf – ein Beispiel dafür ist Allschwil (Kanton Basel-Landschaft), das an die Stadt Basel (Kanton Basel-Stadt) grenzt.

Allschwil hat eine lange Geschichte, die auf die Stein-, Bronze- und Römerzeit zurückgeht, als das Gebiet vom keltischen Stamm der Rauracen bewohnt wurde.

1033 wird der Ort erstmals in einem Dokument unter dem Namen Almswilre erwähnt. In fränkischer Zeit gehörte es zum Herzogtum Elsass. Das Fürstbistum Basel wurde im elften Jahrhundert zum neuen Besitzer.

Während der Reformation unterzeichnete die Stadt 1525 mit der Stadt Basel eine Schirmvogtei, blieb jedoch dem Fürstbistum Basel unterstellt.

Obwohl die Eidgenossenschaft, abgesehen von Graubünden (während der Graubündner Wirren 1618-1639), im Dreissigjährigen Krieg kein wichtiges Schlachtfeld war, wurde Allschwil 1634 von schwedischen Truppen geplündert.

Nach der französischen Invasion gehörte Allschwil 1792 zur Raurakischen Republik (1792), 1793 zum Departement Mont-Terrible und 1800 zum Departement Haut-Rhin.

 

Die alte Dorfkirche St. Peter und Paul

Am Wiener Kongress wurde Allschwil 1815, wie das gesamte Birseck, dem Kanton Basel zugewiesen. Das restliche Gebiet des Fürstbistums Basel fiel an den Kanton Bern. Seit 1833 ist das Dorf Teil des Kantons Basel-Landschaft.

(Quelle und weitere Informationen: Einwohnergemeinde Allschwil)

Eindrücke aus Allschwil

Der Allschwiler Wald

Der Wasserturm

Der Korridor Rotterdam-Basel-Genua und die Schweizerischen Rheinhäfen

1904 traf das erste grosse Rheinschiff in Basel ein. Der Rheinhafen St. Johann wurde 1906 ausgebaut. Der Hafen St. Johann gibt es seit 2011 nicht mehr. In Kleinhüningen entstand zwischen 1919 und 1942 ein zweiter Basler Rheinhafen.

Basel, Schifflände, mittelalterliche und heutige Landungsbrücke  für Schiffe. Wappentafel des Rheinlagerhauses (1682, heute Restaurant Banks) an der Schifflände.

Die Häfen Auhafen Muttenz und Birsfelden (Kanton Basel-Landschaft) wurden in den Jahren 1937 bis 1940 errichtet. 2008 erfolgte der Zusammenschluss der Häfen beider Kantone zu den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH). Sie stellen das Tor zu den Weltmeeren via die Seehäfen Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen und Genua (Transport durch den Gotthardtunnel) dar.

Rheinhafen Kleinhüningen

Birsfelden

Auhafen Muttenz

Der oberhalb von Basel beginnende Oberrhein teilte sich ursprünglich in zahlreiche Seitenarme auf. Mit der Oberrheinregelung von 1817 bis 1876 wurde der Fluss in ein einziges Bett gezwungen.

Der Hochrhein bis Basel und der Oberrhein

Von 1928 bis 1959 wurde zwischen Kembs und Breisach der ‘Grand Canal d’Alsace’ gebaut. Praktisch das gesamte Wasser des Rheins fliesst seither in diesen 53 km langen Kanal.

Le Grand Canal d’Alsace

Kembs

Vogelgrun

Breisach

12 Kraftwerke stauen den Rhein zwischen Rheinfelden und Karlsruhe. Dadurch wurde die Wassertiefe des Flusses vergrössert und der Rhein ganzjährig schiffbar gemacht.

Die Schleuse von Birsfelden

Die Schleuse von Birsfelden hat eine wichtige Funktion. Die jährlichen Schleusungen liegen bei über 10.000, darunter 6505 Grossschiffe (und einige Ruderboote!). Die Grossschiffahrt auf dem Rhein wurde erst durch die Schleuse und den Ausbau zur Wasserstrasse ermöglicht.

De Waal (der Rhein) bei Nimwegen

Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) sind 2008 aus der Zusammenlegung der Rheinhäfen Basel-Landschaft und der Rheinschifffahrtsdirektion Basel-Stadt hervorgegangen. So konnten sich die SRH im regionalen, nationalen und internationalen Umfeld nicht nur erfolgreich behaupten, sondern auch bestens weiterentwickeln.

Köln. Foto: Guido Wasser, Basel

Der Rhein in Basel

Heute bilden die SRH die nationale Verkehrsdrehscheibe am Güterverkehrs-Korridor Rotterdam–Basel–Genua. Dafür stellen die SRH die Infrastruktur für die Umschlagstätigkeiten sicher und sorgen dafür, dass der Hafen als Logistikstandort auch in Zukunft attraktiv bleibt.

In den heutigen drei Rheinhäfen Kleinhüningen, Birsfelden und Muttenz Auhafen werden jährlich 6 Millionen Tonnen Güter und über 100 000 Container umgeschlagen, was rund 10 Prozent aller Schweizer Importe entspricht.

Jeder dritte Liter Mineralöl und jeder vierte Container werden über die Rheinhafenterminals abgewickelt!

(Quelle und weitere Informationen: Port of Switzerland)

Die Fischtreppe des Kraftwerks Birsfelden

De Waal (der Rhein) bei Nimwegen

Bädertourismus und die vier Jahreszeiten in Leukerbad

Funde römischer Münzen und Spangen in Leukerbad (Loèche-les-Bains auf Französisch) liefern Hinweise, dass schon die Römer die Thermalquellen in Leukerbad kannten und dass das Thermalwasser seitdem ohne Unterbruch genutzt wurde.

In Leukerbad werden momentan 8 Quellgruppen für balneologische oder energetische Zwecke genutzt. Insgesamt sind um 65 Thermalquellen in Leukerbad bekannt.

Leuekerbad wurde im Jahre 1229 zum ersten Mal erwähnt, aber hieß damals noch Boez. Die Einwohner sprachen eine romanisch-französische Volkssprache. Um 1500 vollzog sich eine Veränderung.

In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts trat neben der bis dahin einzig vorkommenden romanisch-französischen Volkssprache immer entschiedener die deutsche Sprache auf, und innerhalb von zwei Generationen war die alte Volkssprache gänzlich verdrängt.

Das Übergewicht der deutschsprachigen Bevölkerung im Wallis, die tatkräftigen deutschsprachigen Bischöfe Walter Supersaxo und (Kardinal) Matthäus Schiner vom Bistum Sitten und die vielen aus deutschsprachigen Gebieten zuströmenden Gäste bewirkten diesen Umschwung.

Bischof Schiner erwarb um 1500 selber verschiedene Badehäuser und betrieb diese auch. Seither hat die Zahl der Badehäuser, Gäste und Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten nur noch zugenommen.

Mit dem Aufkommen des Winter- und Sommertourismus im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich Leukerbad zu einem bedeutenden Tourismusort. Während der vier Jahreszeiten kommen Bergsportler voll auf ihre Kosten. Die vielen Thermalbäder, Bergbahnen und zahlreichen Wanderwege bieten für jeden etwas.

Und trotz aller Neubauten hat sich auch diese Touristenattraktion eine gewisse Authentizität bewahrt.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Leukerbad)

Eindrücke

   

 Schwingen

Die Obstbaumlandschaft im Jura

Mit dem Programm Natur und Landschaft unterstützt der Kanton Solothurn die Erhaltung und Aufwertung der Obstbaumlandschaft im Jura. Zwischen den Weiler Stollenhäusern und dem Hof Schönmatt nahe Gempen (Kanton Solothurn) stehen zum Beispiel über 1.200 Hochstamm-Obstbäume. Die meisten sind Kirschbäume, zum Teil im Alter von 150 und mehr Jahren.

Die schöne Blüte ist auch in anderen Regionen der Schweiz zu finden, zum Beispiel im Seeland, im Berner Mittelland, im Tessin, im Aargau, im Thurgau, im Appenzellerland und in St. Gallen.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Umgebung vieler Ortschaften in der Nordwestschweiz so ausgesehen. Aus verschiedenen Gründen trifft man dieses Bild nicht mehr allzu oft an. Zu allen Jahreszeiten bereichern diese Bäume die Landschaft. Eine besondere Pracht und Augenweide stellen sie in der Blütezeit dar.

Die ganze Obstbaumlandschaft mit ihren vielen Bäumen, Wiesen,  Weiden und dem angrenzenden Wald ist auch Lebensraum einer vielfältigen Tierwelt.

(Quelle: www.solothurn.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

CERN, weltweite naturwissenschaftliche Forschung und das World Wide Web in Meyrin

Stephen Hawking (1942-2018) ist berühmt für seine Arbeit und seine Entdeckungen über den Ursprung und die Struktur des Universums, vom Urknall bis zu schwarzen Löchern. Er reduzierte das Universum auf einen Daumen. Aber als er nach dem Ursprung dieses allerersten Anfangs des Universums gefragt wurde, antwortete er etwas in der Art von: „Dann höre ich auf zu denken“.

So kann es einem auch ergehen, wenn man sich mit dem CERN befasst, dem grössten Forschungs- und Experimentierzentrum der Physik in Meyrin (Kanton Genf). Dieser Beitrag gibt eher praktische als technische Hinweise und basiert auf Informationen des CERN.

Die Schweiz ist bekannt für ihre hervorragenden Forschungsinstitute und Universitäten, und auch das CERN fühlt sich zu Hause in dieser Region!

CERN

Die Gründung des CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) geht auf die 1940er-Jahre zurück. Eine Reihe von Wissenschaftlern in Europa und Nordamerika identifizierte den Bedarf nach einem Spitzeninstitut für Physik in Europa.

Die erste Resolution zur Gründung eines Europäischen Rates für Kernforschung wurde im Dezember 1951 angenommen. Gegründet im Jahr 1954, liegt das CERN-Labor in Meyrin an der französisch-schweizerischen Grenze. Es war eines der ersten gemeinsamen Unternehmen Europas und hat heute 23 Mitgliedstaaten, viele assoziierte Mitgliedstaaten und weltweite Kooperationsvereinbarungen.

Die Zusammenarbeit zwischen Nationen, Universitäten und Wissenschaftlern war von Anfang an die treibende Kraft hinter der Forschung von CERN. Mehr als 17.500 Menschen aus der ganzen Welt arbeiten zusammen, um die Grenzen des Wissens zu erweitern.

Die Mitarbeiter von CERN, etwa 2500 an der Zahl, nehmen am Entwurf, Bau und Betrieb der Infrastruktur für Forschung und Experimente teil. Sie tragen auch bei zur Vorbereitung und Durchführung der Experimente sowie zur Analyse der gesammelten Daten für die grosse weltweite Gemeinschaft der Nutzer, die aus mehr als 12.200 Wissenschaftlern aus 110 Nationen von Instituten in mehr als 70 Ländern besteht.

Forschung

Die Forschung von CERN hat das Verständnis des Universums transformiert, aber es bleiben noch viele grundlegende Geheimnisse bestehen. Die Physiker und Ingenieure verwenden die grössten und komplexesten wissenschaftlichen Instrumente der Welt, um die Grundbestandteile der Materie zu studieren – die fundamentalen Teilchen.

Die Instrumente, die bei CERN verwendet werden, sind speziell gebaute Teilchenbeschleuniger und Detektoren. Beschleuniger erhöhen die Energie der Teilchenstrahlen, bevor die Strahlen miteinander oder mit stationären Zielen kollidieren. Detektoren beobachten und registrieren die Ergebnisse dieser Kollisionen.

Subatomare Teilchen werden mit nahezu Lichtgeschwindigkeit miteinander kollidiert. Der Prozess gibt uns Hinweise darauf, wie die Teilchen miteinander interagieren und bietet Einblicke in die grundlegenden Naturgesetze. CERN untersucht somit die kleinsten Bausteine unseres Universums.

Alle sichtbare Materie im Universum besteht aus einer kleinen Anzahl von Teilchen, deren Verhalten durch verschiedene Kräfte bestimmt wird. CERN hat eine wesentliche Rolle beim Zusammentragen dieses Wissens gespielt.

Im Laufe der 1960er-Jahre wurden Theorien bezüglich zweier Kräfte entwickelt – die schwache Kraft und die elektromagnetische Kraft. In den 1980er-Jahren brachte die Entdeckung der W- und Z-Teilchen – Träger der schwachen Kraft – die Bestätigung der Theorie. CERN-Forscher teilten sich 1984 den Nobelpreis für Physik für diese Entdeckung.

LHC (Large Hadron Collider)

Während der 1990er-Jahre testeten CERN-Experimente die sogenannte elektroschwache Theorie mit extremer Präzision, wodurch die Ergebnisse dieser Experimente zuverlässig sind.

Im Jahr 2010 begann der Beschleuniger LHC (Large Hadron Collider) in dem 27 Kilometer langen Tunnel, Teilchenkollisionen in einem neuen hochenergetischen Bereich zu liefern, wobei die Bedingungen einen Bruchteil einer Sekunde nach dem Urknall reproduziert wurden.

Der LHC ist eine Konstruktion, die in einem Tunnel tief in der Erde in Frankreich und der Schweiz verläuft. Dieser 27 Kilometer lange Tunnel wird im Jahr 2040 ersetzt. Der neue Tunnel wird möglicherweise der sogenannte Future Circular Collider mit einer Länge von 91 Kilometern sein, in Frankreich und der Schweiz und unter dem Genfer See verlaufend. Derzeit finden Machbarkeitsstudien statt. Die teilnehmenden Länder werden  im Jahr 2026 entscheiden.

Der LHC führte zur Entdeckung des Higgs-Teilchens (higgs-boson)– lange gesucht als das Teilchen, das mit dem Mechanismus verbunden ist, der den elementaren Teilchen Masse verleiht.

 Das Labor

Neben dem LHC von CERN hat das Labor ein reichhaltiges und vielfältiges wissenschaftliches Programm. Experimente an anderen Beschleunigern und Einrichtungen, sowohl vor Ort als auch anderswo, sind ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten des Labors.

Obwohl die Grundlagenforschung die primäre Mission von CERN ist, spielt die Institution auch eine führende Rolle bei der Entwicklung neuer Technologien, der Zusammenführung von Nationen, Universitäten, Wissenschaftlern und Unternehmen sowie der Ausbildung und Schulung von Experten.

CERN ist auch ein wichtiges Labor für die Industrie – einschliesslich grosser Unternehmen, KMUs oder Start-ups. Zudem pflegt CERN die Zusammenarbeit mit anderen Interessengruppen  wie politischen Entscheidungsträgern, Mitgliedstaaten und assoziierten Mitgliedstaaten.

Industrie, Anwendungen, Zusammenarbeit und Erfindungen

Die bekannteste CERN-Technologie ist das World Wide Web (WWW), erfunden von Tim Berners-Lee im Jahr 1989, um einer immer grösser werdenden Anzahl von Wissenschaftlern bei CERN den Austausch von Informationen zu ermöglichen.

Ebenso revolutionär ist das Grid, das die Rechenleistung von Computern auf der ganzen Welt nutzt. Es wurde bei CERN entwickelt, um die enormen Datenmengen zu verarbeiten, die durch die LHC-Experimente gesammelt werden.

Die erstaunlichsten am CERN gemachten Entdeckungen und Erfindungen sind: das Higgs-Teilchen, das W-Teilchen, das Z-Teilchen, das World Wide Web und die Antimaterie.

Die grundlegenden Instrumente von CERN – Teilchenbeschleuniger und Detektoren – finden auch Anwendung im täglichen Leben. Erfunden als Forschungsinstrumente, funktionieren heute Tausende von Teilchenbeschleunigern  in Anwendungen, die von medizinischer Diagnose und Therapie bis zur Herstellung von Computerchips reichen.

Schlussfolgerung

CERN ist der Prototyp für weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit, die selbst während des Kalten Krieges funktionierte, und hat Organisationen hervorgebracht, deren Aufgaben von Astronomie bis Biologie reichen.

Die neueste Organisation, die in die Fussstapfen von CERN tritt, ist SESAME, ein Labor für den Nahen Osten in Jordanien. Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde gehören zu den Gründern von SESAME.

Es ist also möglich, dass nicht nur Kunst, sondern auch Wissenschaft über Grenzen, Sprachbarrieren, Herkunft, Politik, Religion und Nationalität hinweg verbindet!

(Quelle und weitere Informationen: CERN)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

 

Cerniat, Charmey und Broc, kleine Dörfer mit einer grossen Vergangenheit und Gegenwart

Cerniat, noch nie davon gehört? Doch dieses Dorf in der Gemeinde Val-de-Charmey (Kanton Freiburg) ist der Sitz der einzigen Chartreuse (Kartause, Kartäuserkloster) der heutigen Schweiz, in der noch Kartäuser leben.

Die Chartreuse de la Valsainte (le val de tous les saints) wurde 1924 von Girard de Corbières, dem Seigneur de Corbières, gegründet. Freiburg erwarb die Seigneurie im Jahr 1553. Abgesehen von der Kapelle ist die Chartreuse für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Foto: Les moines Chartreux ©: Monastère de la Grande Chartreuse

Auch der Name des Dorfes hat eine lange Geschichte. Das Wort Cerniat leitet sich von dem Wort cierne“ im Patois ab und bedeutet Wiese. Seine Ursprünge gehen auf das lateinische Wort circinus, französisch cerné“, zurück.

Das Dorf liegt im heutigen Bezirk Gruyère (Greyerz), und die Grafen von Gruyère spielten bis zu ihrem Konkurs im Jahr 1553 ebenfalls eine wichtige Rolle in dieser Region.

Cerniat und das nahe gelegene Charmey schlossen sich 2014 zur Gemeinde Val-de-Charmey zusammen. Die Seigneurs de Corbières regierten bis 1454 auch Charmey. In diesem Jahr erwarben die Grafen von Gruyère das Dorf. Seit 1555 ist Charmey Teil des Kantons Freiburg.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Charmey ein wichtiger Handelsplatz an der Strasse nach Lyon. Der berühmte Gruyère-Käse und die einzigartigen Reifungskeller (les caves à fromages de la Tzintre) waren die wichtigsten Errungenschaften der Stadt.  Die prächtigen Herrenhäuser erinnern noch heute an diese beiden „goldenen Zeitalter“ des kleinen Dorfes.

Musée Charmey

Heute ist das Dorf unter anderem für seine Badeanstalt, seine Hotelanlagen, seine schöne Natur und seine vielfältigen Möglichkeiten für den Winter- und Sommertourismus bekannt und beherbergt ausserdem ein interessantes Museum.

Auch Broc ist ein Dorf, das ausserhalb der Schweiz bestimmt nicht allzu bekannt ist. Doch schon der Eingang des Dorfes birgt eine lange Geschichte. So ist das jahrhundertealte Schloss (Château) d’En Bas (12. Jahrhundert) das Tor zum Dorf.

Die Barone von Montsalvens bewohnten die Burg von 1340 bis 1555. In diesem Jahr erwarb Freiburg auch diese Baronnie. Die heutige Steinbrücke stammt aus dem Jahr 1580 und ersetzte die viel ältere Holzbrücke. Das Schloss wurde im 19. und 20. Jahrhundert noch mehrmals umgebaut.

Die kapelle de Notre-Dame des Marches (18. Jahrhundert) am Fusse des Dent de Broc, weniger als einen Kilometer vom Dorf entfernt, ist die religiöse Hauptattraktion.

Broc hat aber auch viel Süsses zu bieten, nämlich die Schokoladenfabrik Cailler, eine der ältesten Schokolademarken der Welt, wo eigentliche Schokoladenkünstler am Werk sind. Das Maison Cailler macht die Ankunft der Kakaobohne in Europa im 16. Jahrhundert, den Aufstieg der Schweizer Schokoladenhersteller und insbesondere von Cailler interaktiv und buchstäblich greifbar. Man riecht, schmeckt und erlebt die Welt der Schokolade.

Kunst im Maison Cailler 

Von anderer Art ist das Informations- und Auskunftszentrum Electrobroc. Diese Einrichtung zeigt anhand von Dokumentationen, Filmen, Geräten, Modellen und anderen Visualisierungen  die faszinierende Welt der Elektrizität, die (aktuellen) Veränderungen und Anpassungen sowie die Funktion und Rolle der Elektrizität für Umwelt, Klima und Energieversorgung.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Impressionen aus Charmey

Die Spa und Hotel Cailler