Ein römisches Mausoleum und eine romanische Kirche mit gotischen Fresken in Biel

In Biel (Kanton Bern) befindet sich eines der ältesten Monumente der Region. Die Geschichte der Kirche St. Stephan im Stadtteil Mett geht auf das 4. Jahrhundert nach Christus zurück. Ein römisches Mausoleum diente als letzte Ruhestätte für Mitglieder der (militärischen) Elite.

Ein großer Glasbecher mit dem Abbildung des Dionysius und eine Fibel eines römischen Heerführers weisen auf eine hochrangige Person hin.

Im 7. und frühen 8. Jahrhundert diente dieser Ort noch immer als Friedhof. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurde an dieser Stelle jedoch eine Kirche errichtet. Bei Renovierungsarbeiten an der Kirche im Jahr 1976 wurden etwa 140 Gräber gefunden und untersucht. Möglicherweise handelt es sich bei den Verstorbenen um Mitglieder derselben Familie. Damit wären die Gräber Teil eines grossen Familiengrabs, eines  Mausoleums.

Informationen der Gemeinde Biel/Bienne und der Abteilung für Archäologie des Kantons Bern Unterschrift Bild 

Die Kirche erfuhr im Laufe der Jahrhunderte mehrere architektonische Umgestaltungen. Im 12. Jahrhundert wurde sie im romanischen Stil umgebaut, wobei die erste schriftliche Erwähnung der Kirche auf das Jahr 1228 zurückgeht. Ein Brand führte im 14. Jahrhundert zum Wiederaufbau im gotischen Stil. Die letzten Renovierungen fanden 1872, 1923 und 1976 statt.

Die Kirche weist noch romanische Elemente auf, darunter einige Fenster. Im Inneren finden sich gotische Fresken aus dem 14. Jahrhundert.

Eine weitere Besonderheit dieses Ortes ist das Wohnhaus (das Gertrud-Haus) von Gertrud Kunz (1890-1972), das sich rechts von der Kirche befindet.

(Quelle und weitere Informationen: Archäologischer Dienst des Kantons Bern; P. Eggenberger e.a., Vom Spätantiken Mausoleum zur Pfarrkirche, Bern 2016)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Das internationale Uhrenmuseum in La Chaux-de-Fonds, wo die Zeit niemals stillsteht

In unserer modernen Gesellschaft sind alle mit den Begriffen Sekunde, Minute, Stunde, Tag, Woche, Monat, (Schalt-)Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert, Jahrtausend, Tag, Nacht und Jahreszeiten vertraut.

Aber wer weiss schon, dass ein Jahr nicht genau 365 oder 366 (Schaltjahr), sondern „nur“ 365, 2425 Tage hat (die genaue Dauer eines Umlaufs der Erde um die Sonne)?

Wer kennt die Femtosekunde (ein Billionstel einer Sekunde), eine Nanosekunde (ein Milliardstel einer Sekunde) oder eine Mikrosekunde (ein Millionstel einer Sekunde) oder hat gar eine Vorstellung davon?

Ausrüstung für die Femtosekunde. Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds.

Diese Zeiteinheiten sind im Alltag vielleicht nicht so relevant, aber für Wirtschaft, Informatik, Telekommunikation, Luftfahrt, Astronomie, Raumfahrt, Satelliten, Computer, künstliche Intelligenz, Klimaforschung und andere (wissenschaftliche) Anwendungen sind sie von grundlegender Bedeutung.

Das internationale Uhrenmuseum (Le Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds, Kanton Neuenburg) zeigt unter anderem diese moderne Zeitmessung, ihre Anwendungen und ihre Geschichte.

Die Schweiz ist seit Jahrhunderten weltweit führend in der Innovation, der Produktion, der Vermarktung und dem globalen Export von Uhren und anderen Geräten zur Zeitmessung.

Le Locle, Tissot

Die Messungen des Observatoriums von Neuenburg (1858-2007) gelten noch immer als die besten der Welt. Viele Dörfer und Städte, vor allem in den Kantonen Genf, Waadt, Bern, Jura, Neuenburg und Schaffhausen, produzieren oder produzierten weltbekannte oder weniger bekannte Marken und leisten Pionierarbeit auf dem Gebiet der Zeitmessung und Astronomie.

Die internationalen Vereinbarungen (le Temps atomique international, TAI) von 1967 über die Atomsekunde als Zeiteinheit sind ein Ergebnis der Forschung an diesem Observatorium. Im Jahr 2007 wurden die Aktivitäten des Observatoriums an die Universität Neuenburg und das CSEM (Centre Suisse d’Electronique et de Microtechnique) übertragen.

Das Observatorium von Neuenburg

Es ist kein Zufall, dass sich in La-Chaux-de Fonds das modernste Zeitmessungsmuseum der Welt mit der grössten Sammlung von Geräten und seiner jahrtausendealten Geschichte befindet. Dieses Museum befindet sich nämlich in der „Métropole horlogère„, die zusammen mit Le Locle das tickende Herz der weltweiten Uhrenproduktion und auch Unesco-Weltkulturerbe ist.

Neuenburg, das CSEM

La Chaux-de-Fonds und Le Locle (Kanton Neuenburg) widmen sich seit Jahrhunderten fast ausschliesslich der Forschung und Produktion von Zeitmessgeräten. Auch Stadtplanung, Wohnungsbau, Bildung, Fabriken und Wohlstand sind darauf ausgerichtet.

Das Musée d’horlogerie du Locle und die Ausstellung im Rathaus von Le Locle bieten ebenfalls einen Überblick über diese Geschichte.

Le Musée d’horlogerie in Le Locle

Anlässlich des Jubiläumsjahres der Eröffnung des Museumsgebäudes im Jahr 1974 konzentriert sich dieser Beitrag auf dessen Sammlung.

Das Museum in Le Locle wird in einem separaten Beitrag behandelt, ebenso wie einige andere führende Museen in diesem Bereich (darunter Longines in St. Imier, Omega und Swatch in Biel, Audemars Piguet in Le Brassus, Patek Philippe in Genf, Beyer in Zürich und IWC in Schaffhausen sowie das wissenschaftliche Institut CSEM in Neuenburg).

Eingang des Uhrenmuseums in La Chaux-de-Fonds

Das Museum in La Chaux-de-Fonds wurde 1902 gegründet und war zunächst in der École de l’horlogerie untergebracht. Seit 1974  befindet es sich in einem aufsehenerregenden Komplex, nämlich einem Gebäude aus Beton und weitgehend unterirdisch im sogenannten Parc des Musées (Museumspark). Die anderen Museen im Park sind das historische Museum und das Kunstmuseum von La Chaux-de-Fonds.

Wer das Museum besucht, sollte sich Zeit nehmen. Die Sammlung ist umfangreich, sowohl thematisch als auch chronologisch geordnet, mit interaktiven, schriftlichen und audiovisuellen Führungen in Französisch, Deutsch und Englisch. So wie ein Blick durch ein Fernrohr in einer Sternwarte nicht langweilt, so faszinieren auch die Geschichte, die Geräte und die Entwicklungen der Zeitmessung.

Fernrohr des Observatoriums von Neuenburg. Le Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Die Sammlung basierte ursprünglich auf Schenkungen von Industriellen aus der Region und Lehrern der École de l’horlogerie. Die Société des fabricants d’horlogerie war lange Zeit der Hauptspender. Nach und nach nahmen (internationale) Schenkungen, Vermächtnisse und Ankäufe anderer einen immer wichtigeren Platz ein.

Das weltweite Renommee sowie die (finanzielle) Unterstützung verschiedener Organisationen (u. a. der Fondation Maurice Favre und der Association des AmisMIH) sind die Motivation für zahlreiche grössere und kleinere Legate und Spenden. Eine aktuelle Ausstellung ist den Legaten aus den einzigartigen Sammlungen von Eduard Streit (1939-2023) und Michel Huber (1950-2023) gewidmet.

Der Gnomon, eines der ältesten Instrumente der Zeitmessung. Skulptur aus dem Jahr 2014 anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Sammlung antiker Sonnenuhren des Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Die alten Ägypter waren zwar noch nicht in der Lage, Stunden oder Sekunden anzuzeigen, aber sie kannten bereits die Beziehung zwischen Sonne und Erde, Kalender, Tage, Monate, Jahre und ihre Zeitmessung. Auch in Babylon, im Persischen Reich und in anderen Gebieten des Nahen und Fernen Ostens, einschliesslich China, beschäftigten sich Wissenschaftler bereits mit der Zeitmessung. Das Museum beginnt also mit dieser Geschichte.

Kopie der Klepsydra aus Karnak (Ägypten), um 1400 v. Chr. Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Die ägyptische Klepsydra und der Gnomon (die Griechen gaben dieser ägyptischen Erfindung den Namen) sind die ältesten Beispiele für die Zeitmessung. Im 14. Jahrhundert wurden die ersten astronomischen Uhren entwickelt. Bis zum Aufkommen der mechanischen Uhr am Ende des Mittelalters war die Astronomie die wichtigste Wissenschaft zur Zeitmessung.

Das planetarium von Giovanni Dondi (1330-1388). Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Die Griechen und Römer entwickelten das System weiter, und der (römische) julianische Kalender war noch bis 1582 das formale Mass für die Zeit in Tagen, Monaten, Wochen und Jahren. Die Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1582 basierte damals auf neuen Zeitmessungen.

Eine genaue Anzeige von Stunden und Sekunden war jedoch noch nicht möglich. Der Sonnen auf- und untergang sowie die Jahreszeiten bestimmten bis ins Hochmittelalter weitgehend den Tagesrhythmus. Sonnenuhren, Wasseruhren, Sanduhren, Kerzen, Baumringe und andere Hilfsmittel bestimmten die Zeiteinheiten.

Sammlung von (antiken) Sanduhren. Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Bis ins Mittelalter spielten manuell betriebene Kirchenglocken eine wichtige Rolle im täglichen Leben und in den Klöstern der christlichen Welt.

Mechanismus einer mittelalterlichen Kirchenglocke, vertikaler Mechanismus mit Schwerkraft (Gewichte). Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Im späten 14. und vor allem im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich die mechanische Zeitmessung sehr schnell. Es ist kein Zufall, dass die erste mechanische Uhr auf einem Kirchturm installiert wurde (Salisbury Cathedral, 1386). Die Zytglogge in Solothurn oder Bern sind weltliche Beispiele in der Schweiz. Die astronomische Uhr in Prag ist ebenfalls weltberühmt.

Das Uhrwerk einer modernen Kirchenuhr, horizontales Uhrwerk ohne Schwerkraft. Modell des Grand Temple. Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Es gab keinen einzelnen Erfinder, sondern eine Reihe aufeinander folgender innovativer Anwendungen und Entdeckungen, u. a. in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, England und der Schweiz.

Obwohl es zu viele Erfinder und Forscher gibt, um sie einzeln aufzulisten, wird eine Ausnahme für Christiaan Huygens (1629-1695) gemacht. Er nimmt unter mehreren anderen Erfindern einen besonderen Platz ein. Dabei waren seine Erfindungen so klein wie wichtig für die Entwicklung der Zeitmessung, nämlich das Pendel und das Pendelgesetz und der Spiralfeder in der ‚Unrueh‚. Die Unrueh ist das zentrale Steuermechanismus eines Zeitmessers.

Das Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds und die Stiftung (Stichting) Haegsche Tijd organisieren im Jahr 2025 eine Ausstellung zum Gedenken an die Erfindung des Spiralfeders im Jahr 1675.

Sein System für die Pendel- und Taschenuhr in Wort und Bild. Im Vordergrund eine Pendeluhr aus dem Jahr 1690 von Pieter Visbagh (1634-1722). Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds.

Die ersten Standuhren (Pendulen) tauchten auf, gefolgt von den Taschenuhren. Diese wurden immer genauer, funktioneller, schöner und sogar zu wahren Kunstwerken. Das Museum bietet einen chronologischen Überblick über die wichtigsten Erfinder, Anwendungen und Entwicklungen bis ins 21. Jahrhundert.

Das Besondere an dem Museum ist nicht nur seine Sammlung und die angemessene Gestaltung. Das Gebäude ist unterirdisch und besteht aus Beton, an sich ein kühles Material. Dennoch fühlt sich der Besucher in einem warmen Bad aus Zeitmessung, Geschichte, Kunst, Information und Uhren.

In der Schweiz gab es vorher bereits mehrere monumentale Gebäude aus Beton, darunter die Kirche von Hérémence (l’église Saint-Nicolas, Kanton Wallis) und die Antoniuskiche in Basel. Für ein Museum ist es jedoch ein neues Konzept.

Die Architekten Pierre Zoelly (1923-2003) und Georges-Jacques Haefeli (1934-2010) griffen nicht nur auf die Architektur des in La Chaux-de-Fonds geborenen und ausgebildeten Le Corbusier (1887-1965) zurück, sondern berücksichtigten auch die Umgebung (le Parc des Musées) sowie die Sammlung und Funktionalität des Museums.

Eine aktuelle Ausstellung im Museum ist der Entstehung dieses Komplexes gewidmet. (Für weitere Informationen: N. Maillard, Le Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds, Société d’histoire de l’art en Suisse, 2024, auch auf Deutsch und Englisch erhältlich).

Darüber hinaus ist es auch ein Kunstmuseum: Kreativität und Kunststile ab dem 16. Jahrhundert kommen zum Ausdruck, z. B. schön verzierte astronomische Kunstwerke aus dem 16. Jahrhundert, Damen- und Herrentaschenuhren aus dem 17. Jahrhundert, Gemälde, Möbel und Interieurs, Pendel aus dem 18. Jahrhundert, die ersten Armbanduhren, Chronometer, Stoppuhren und Quarz-, Elektronik- und Atomanwendungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert.

Unbekannter holländischer Meister, um 1750, Gentilhomme mit Taschenuhr. Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Und ausserdem ist es auch ein historisches Museum. Die Geschichte der Zeitmessung hält Schritt mit den sozialen, internationalen, industriellen, religiösen und technischen Entwicklungen und den alten und neuen Reichen und ihren Herrschern.

Werkstatt eines Uhrenherstellers, Anfang des 20. Jahrhunderts. Sammlung: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Zahlreiche schweizerische und internationale Persönlichkeiten tauchen in diesem Zusammenhang auf. Mehrere einzigartige Uhren, (astronomische) Uhren und moderne Geräte zur Zeitmessung werden hervorgehoben, z. B. La Merveilleuse (1878) von Ami Lecoutre (1843-1921), die Erfindung des Tourbillons (1801) von Abraham-Louis Breguet, die Planétaire (1816) von François Ducommun und die modernsten Chronometer.

François Ducommun, Planétaire, 1816. Sammling: Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Verschiedene Modelle, Objekte und Dokumentationen geben einen Einblick in die Funktionsweise eines Zeitmessers, von der kleinen Uhr bis zur grossen Kirchenuhr. Es gibt Nachbildungen von Werkstätten für Produktion, praktische Anwendungen werden erklärt, z. B. in der Schifffahrt, der wissenschaftlichen Forschung, im täglichen Leben, in der Wirtschaft, in der Mode oder in der Inneneinrichtung.

Die Werkstatt im Uhrenmuseum von La Chaux-de-Fonds

In einer Werkstatt erhalten die Besucher einen Einblick in die modernsten Techniken der Horlogerie. Das Archiv und die Bibliothek sind auf Anfrage zugänglich.

Collagen zum Thema Zeit („La vitesse est relative, mais le temps est absolu“ (Geschwindigkeit ist relativ, aber die Zeit ist absolut), Bahnhof La Chaux-de-Fonds 

Die Zeit hat auch einen philosophischen Aspekt, ebenso wie die Zahl «Null. Was ist Zeit überhaupt? Das Universum ist etwa 14 Milliarden Jahre alt, die Erde etwa 4 Milliarden Jahre.

Nur die Menschheit macht sich seit Jahrtausenden Gedanken über die „Zeit“ und will sie ordnen. Wie viele Femtosekunden das Universum und die Erde schon existieren, entzieht sich jedoch dem menschlichen Verständnis.

Hans Erni (1909-2015) schuf drei Fresken für die Weltausstellung 1958 in Brüssel: La conquête du temps (Die Eroberung der Zeit), Histoire de la Mesure du temps (Geschichte der Zeitmessung) und Technique de la Mesure du temps (Technik der Zeitmessung). Das Bild ist ein Ausschnitt aus dem Fresko, Technique de la Mesure du temps: Der moderne Mensch und der Kampf mit der Zeit, symbolisiert durch einen alten Mann mit Sanduhr und Sense (Vergänglichkeit). Die drei Fresken sind im Internationalen Uhrenmuseum von La Chaux-de-Fonds ausgestellt.

Das Museum zeigt auf einzigartige und faszinierende Weise die Messung der Zeit in den letzten 5 000 Jahren.

Das symbolische, funktionale und künstlerische Glockenspiel  (Carillon) von 1980 (Künstler: Onelio Vignando, 1914-2021) neben dem Museum im Museumpark 

(Quelle und weitere Informationen: C. Cardinal, J.-M. Piguet, Catalogue du Musée international d’horlogerie, La Chaux-de-Fonds,1999; M. Leonhardt, L’heure, et plus encore Montres à complications de la collection du Musée international d’horlogerie, Neuchâtel, 2018; Le Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds)

Impressionen vom Uhrenmuseum ‚Musée international d’horlogerie de La Chaux-de-Fonds

Die Stadtgeschichte Basel

Die neue Stadtgeschichte Basel erzählt in neun Bänden und einem Überblicksband die lange und bewegte Geschichte Basels von den ersten Siedlungsspuren bis ins 21. Jahrhundert.

Aktuelle, auf historischer und archäologischer Forschung basierende Erkenntnisse zeigen die Entstehung der Stadt und ihre wechselvolle Entwicklung in regionalen, überregionalen und globalen Zusammenhängen.

Band 1 bietet eine aktuelle Übersicht zu den ersten 50 000 Jahren der Basler Geschichte. 16 Autoren und Aurorinnen aus der Archäologie sowie den Natur- und Sprachwissenschaften zeichnen den langen Weg von den frühesten Besiedlungspuren bis zur frühmittelalterlichen Stadt nach.

Band 2 bespricht die Zeit zwischen 800 und 1273, eine Zeit grosser Veränderungen. Es zeigen sich die Anfänge einer städtischen Kultur, die nach der römischen Zeit zunächst verschwunden war. Basel ist nun der Zentralort des Fürstbistums.

Die Basler Bischöfe sind im Heiligen Römischen Reich international vernetzt. Der historische Blickwinkel erweitert sich auf Sundgau, Breisgau, Baselbiet und Jura als dem eigentlichen Lebensraum der Stadt.

Band 3 zeigt die Entwicklung zwischen 1250 und 1530. Die Stadt wächst von einer kleinen Bischofsstadt zur mittelgrossen Zunftstadt. Bauliche Verdichtung, Bevölkerungswachstum und politischer Wandel prägen die Stadt.

Von den Bettelorden zu Humanismus und Reformation, von der christlichen Mehrheitsgesellschaft zur reformierten Stadt, von Dienstleuten des Bischofs zu den Zünften, vom Gewerbe zu den Handelsgesellschaften, vom Rat des Bischofs zum städtischen Rat und vom Städtebund zur Eidgenossenschaft.

Band 4 behandelt den Jahren 1510-1798. Basel ist zwischen der Reformation und Revolution durch dynamische Aufbrüche und grosse Beharrungskräfte geprägt.

Religiöse Erneuerungsbewegungen fordern die Kirche immer wieder heraus. Die zunehmende Konzentration der Macht auf einen kleinen Kreis von Familien geht mit ersten Ansätzen zu einer modernen Verwaltung einher.

Das traditionsbewusste Zunftwesen konkurriert mit frühkapitalistischen Wirtschaftsformen. Typisch für Basel ist die internationale Vernetzung von Kaufleuten und Gelehrten, aber auch die lokale Ausrichtung des Alltags mit seinen oft noch naturgebundenen Lebensrhythmen.

Der Band erzählt von den raschen Umbrüchen und langsamen Transformationen in einer Gesellschaft, die uns in vielem vertraut und doch oft fremd erscheint.

Die Bände 5 bis 7 erscheinen Oktober 2024, die Bände 8-9 März 2025

Siehe weiter die Webseite: Die Stadtgeschichte Basel

(Quelle und weitere Informationen: Christoph Merian Verlag, Basel)

Die Kulturstadt Winterthur zeigt sich wieder in ihrer ganzen Pracht

Es ist keine Untertreibung zu sagen, dass die Schweiz ein Land der Museen, der Kunst und der Kultur im Allgemeinen ist. Auch wenn die Eidgenossenschaft kein „Goldenes Zeitalter“ der Kunst erlebt hat, liegen ihre Qualitäten in den unterscheidlichsten Bereichen.

Nicht nur die Kunstwerke aus Textilien, die Uhren, Schuhe, Keramik oder Haarkämme sind weltberühmt. Es gab auch zahllose bedeutende Kunstsammler und kunsthistorische Wissenschaftler.

Das erste Museum, auch wenn der Name damals noch nicht bekannt war, wurde nicht zufâlligerweise schon 1671 in Basel gegründet. Die Verbindung von kosmopolitischen Kaufleuten, Fabrikanten und Wissenschaftlern mit einem Mäzenatentum bildet den Kern des heutigen Museums- und Kunstangebots. Dasselbe gilt auch für die etwas kleinere Stadt Winterthur (Kanton Zürich).

Vincent van Gogh,  Le Café de nuit à Arles, 1888. Sammlung: Kunst Museum Winterthur, Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Das Kunst Museum Winterthur feierte am 23. März 2024 den lang ersehnten Wiedereinzug der Sammlung von Hedy Bühler (1873-1952) und Arthur Hahnloser (1870-1936) in die Villa Flora.

Das Sammlerehepaar aus Winterthur kaufte ab 1907 – direkt aus dem Atelier – zuerst Werke von Giovanni Giacometti, dann von Ferdinand Hodler und ab 1908 von Kunsthändlern in Paris und Amsterdam.

Die Künstler und Künstlerinnen der Pariser Avantgarde reisten auch regelmässig nach Winterthur und besuchten die Villa Flora, das Zuhause des Paares. Die Bilder von Vincent Van Gogh erwarben sie an Auktionen in Amsterdam.

Die Hahnloser/Jaeggli-Stiftung wurde 1980 gegründet und umfasst ungefähr vierhundert Werke. Nach zehn Jahren Renovierungsarbeiten in der Villa Flora sind die Meisterwerke nun wieder heimgekehrt.

Die Ausstellung  Bienvenue!  zeichnet den Aufbruch der französischen Moderne mit Werken der Sammlung Hahnloser sowie ausgewählten Leihgaben nach: vom Impressionismus und Postimpressionismus, über Vertreter der Künstlergruppe der Nabis bis hin zu den sogenannten Fauves.

Edouard Manet, Amazone, 1882. Sammlung: Kunst Museum Winterthur, Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Neben Bildern von Vincent van Gogh und Paul Cézanne werden auch Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, Claude Monet, Camille Pissarro, Édouard Manet und Auguste Renoir sowie von Werkgruppen der Hahnloser-Künstlerfreunde um Pierre Bonnard, Félix Vallotton, Odilon Redon und Henri Matisse präsentiert. Mit Werken von Auguste Rodin und Aristide Maillol ist auch die Bildhauerkunst mit einer bedeutenden Auswahl vertreten.

Die Avantgarde der Jahrhundertwende ist in seltener Dichte und Qualität erlebbar. Die Kunststadt Winterthur mit bedeutenden Museen wie dem Kunst Museum Winterthur und der Sammlung Oskar Reinhart „am Römerholz“ hat ihre kleine Perle, die Villa Flora, zurück und erstrahlt somit wieder in vollem Glanz!

Korrektorin: Petra Ehrismann

Einblick in die Ausstellung ‚Bienvenue!‘. Foto: Kunst Museum Winterthur, Hahnloser/Jaeggli Stiftung

Die Kirche, Dynastien, Schloss Ebenrain und die Ruinen von Sissach

Sissach (Kanton Basel-Landschaft) am Diegterbach ist ein Dorf mit einer keltischen und römischen Vergangenheit. Die älteste Kirche in Sissach wurde um 620, in der Zeit der Merowingerherrschaft (6.–8. Jahrhundert), erbaut.

Der Diegterbach

Diese christlichen Franken (die Merowinger) waren die Nachfolger der paganen Alemannen. Neben der Kirche sind auch Gräber aus dieser Zeit gefunden worden. Nach den Merowingern kamen nacheinander die Karolinger, das Zweite Burgunderreich (888-1032), das Heilige Römische Reich sowie regionale und lokale Herrscher.

Das Dorf erscheint erstmals unter dem Namen Sissaho in Urkunden aus dem Jahr 1226. Aufgrund seiner Lage an den Verkehrswegen zu den Pässen der Schafmatt und des Unteren Hauensteins war es ein wichtiges regionales Zentrum.

Die heutige reformierte Kirche

Deshalb besassen die Geschlechter der Eptinger, Homberger, Frohburger, Thiersteiner und Habsburger sowie das Kloster Schöntal während Jahrhunderten Landbesitz und Burgen in diesem Gebiet, darunter die heute nur noch als Ruinen existierenden Burgen Burgenrain, Sissacher Fluh und Bischofstein.

zerstörte jedoch diese Anlage, die danach nicht mehr bewohnt wurde. Die Stadt Basel erwarb 1456 das  Gebiet, zu dem auch Sissach gehörte. Sissach schloss sich 1529 der Reformation in Basel an.

Eines der Wahrzeichen von Sissach ist das Schloss Ebenrain. Dieses spätbarocke Schloss wurde 1775 im Auftrag des Basler Seidenfabrikanten Martin Bachofen-Heitz (1727-1814) erbaut. Der Architekt war Niklaus Sprüngli (1725-1802).

Jakob Probst (1880-1954), Schwörender, Schloss Ebenrain

Das Schloss war eine Sommer- und Jagdresidenz mit einem Barockgarten, später einem englischen Garten auf der Nordseite und einer Lindenallee auf der Südseite. 1951 erwarb der Kanton Basel-Landschaft das Schloss Ebenrain und nutzt es seither für repräsentative Anlässe und Vermietungen.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Sissach; Historisches Lexikon der Schweiz, Sissach)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Impressionen von Sissach

Philosophie und ein Schiedsgerichtsverfahren im Eigenthal am Fusse des Pilatus

Viele Ärzte verschreiben heute anstelle von Medikamenten einen Spaziergang in der Natur oder empfehlen ihren Patienten, regelmässig ins Grüne zu gehen. Wenn ein Spaziergang unerwartet in einer philosophisch gestalteten Umgebung beginnt,  ist die positive Wirkung vielleicht noch grösser.

Dies gilt umso mehr, wenn mythische Berge, Schneelandschaften, Wasserfälle, Bäche und bewaldete Hügel die Kulisse bilden.

Es gibt nicht viele Restaurants, die Gäste mit einer Geschichte von Philosophie und Prominenz von der Antike bis zur Gegenwart empfangen. Auch wenn in der Schweiz fast jedes Dorf seine kulturelle, historische oder natürliche Besonderheit hat, ist ein Kaffee mit Gipfeli unter den wachsamen Augen von Sokrates, Kopernikus und dem Pilatus etwas Besonderes. Am Rande des Dorfes Schwarzenberg (Kanton Luzern) verbindet ein Hotel-Bildungszentrum das Angenehme und Besondere mit dem Nützlichen.

Das Eigenthal und der Pilatus im Nebel

Auch mythische Berge wie der Pilatur haben ein Recht auf Privatsphäre und sie hüllen sich manchmal – in selbst gewählten Momenten – in Nebel.

Schwarzenberg liegt auf einer Höhe von rund 1 000 Metern im Eigenthal am Fusse des Pilatus. Vor rund 10’000 Jahren kam es zu einem starken Temperaturanstieg und der Rümliggletscher im Tal verwandelte sich in einen See. In den folgenden Jahrtausenden verlandete dieser See und die Menschen begannen, das Tal zu bewirtschaften.

Schwarzenberg

Der Name Eigenthal taucht erstmals in einer Urkunde von 1287 unter dem Namen Oegenthal auf. Jahrhundertelang war es im Besitz des Klosters Murbach in Luzern. Schliesslich erwarb die Stadt Luzern das Gebiet.

Der Rümlig

An vielen Orten der Schweiz führten ab 1850 die Engländer den Berg- und Wintersport ein. Die Entwicklung des Egenthals zu einem bekannten Wintersportort ist jedoch „hausgemacht“.

Luzerner Bürger gründeten 1903 den Skiclub Luzern, und das Eigenthal und der Pilatus waren die bevorzugten Ziele.  Die Bewohner des Tals wollten nicht zurückbleiben und so gründeten die Einwohner von Schwarzenberg 1925 den Skiclub Schwarzenberg. Im Jahr 1943 spaltete sich jedoch ein Teil der Mitglieder ab und nannte sich fortan Skiclub Eigenthal.

Der alte Skiclub Schwarzenberg änderte seinen Namen in Skiclub Malters, weil die meisten seiner Mitglieder in dieser Gemeinde wohnten. Das Eigenthal wollte dann den Namen Skiclub Schwarzenberg zurückhaben, aber der Skiclub Malters verhinderte dies.

Es kam zu einem Schiedsverfahren , das bis zur  höchsten Ebene des nationalen Skiverbandes ging. Ein Schiedsgericht entschied nach einem vierjährigen (!) Verfahren, dass der neue Verein Malters die (Wieder-)Verwendung des Namens Schwarzenberg zu Unrecht unterbunden hatte.

Der Verein Malters musste sogar eine hohe Entschädigung zahlen. Sokrates war offensichtlich noch nicht im Tal angekommen. Heute sind die Skiclubs Schwarzenberg und Malters wieder auf gutem Fuss und veranstalten jährliche Wettkämpfe und Treffen.

Das Eigenthal wurde auf jeden Fall zu einem bekannten Ort für Wintersport bis 1949  mit der ‚Grossen Pilatusschanze‚. Zudem fanden im Eigenthal von 1929 bis 1966 verschiedene nationale Meisterschaften im 50-km-Dauerlauf statt.

Eine Sternwarte im Eigenthal

Das Tal beherbergt nicht nur Einrichtungen für Sommer- und Wintersport. Es gibt auch die Möglichkeit für Himmelsbeobachtungen, da bekanntlich  die „Lichtverschmutzung“ in den Bergen wesentlich geringer ist als in städtischen Gebieten.

Der Weg zum Pilatus und seiner Bergkette bietet Ausblicke auf die Stadt Luzern, die Reuss, den Vierwaldstättersee, die Rigi, den Bürgenstock und das Vieh auf den  Alpweiden.

Von Luzern aus  sind der Pilatus und die Rigi in ihrer eindrücklichen  Gestalt zu sehen. Kein Wunder, dass sich die grössten Komponisten in dieser Gegend zu Hause fühlten, Richard Wagner (1813-1883)  am einen Ufer, Sergej Rachmaninow (1843-1943) auf der anderen Seite des Sees.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen. (Weitere Informationen: www.sac-cas.ch)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Das Wagnermuseum

Der Pilatus, Aussichtspunkt Eigenthal

Der Pilatus, Aussichtspunkt Luzern

Die Rigi, Aussichtspunkt Luzern

Luzern

Das Postauto, immer da und immer ‚pünktlich‘ 

Impressionen vom Eigenthal

Frei zugänglicher Hofladen und Schweizer Zivilgesellschaft

‚Lady in waiting‘ und der berühmteste Brite aller Zeiten im Hotel & Bildungszentrum Matt

Eine Kapelle im katholischen Kanton

Kein Berg und kein Turm zu hoch in der Schweiz

Der Weisse Turm von Mulegns (Kanton Graubünden) bricht allerhand Rekorde. Er wird das höchste digitale gedruckte Bauwerk der Welt sein (aber kein Turm von Babylon im vielsprachigen Kanton), ein einzigartiger Prototyp und ein wichtiger Meilenstein für die globale digitale Transformation.

Der Weisse Turm ist Architekturikone, Installationsraum und Spielstätte zugleich. Neue Erzählformate, digitale Klanginstallationen und intime Konzerte laden zum Besuch und zur Auseinandersetzung mit neuen Raumformen.

Der Turm vermittelt zwischen altem Bestand und neuer Formensprache. Der Bau besteht aus insgesamt sechs Stockwerken, die mit der Höhe immer lichter werden und unterschiedliche Atmosphären tragen. Im Winter wird der Turm mit einer transluzenten Membran vor Wind und Schnee geschützt.

Graubünden hat eine uralte Erzählkultur. Mit skurrilen Märchen, Heiligenlegenden und Schauergeschichten vertrieb man in den Dörfern die langen Winternächte. Die Bauernstube wurde zum Ort des Erzählens, des Fabulierens, der Dichtung und der Musik.

Die Geschichten wurden nicht aufgeschrieben, sondern mündlich tradiert, verändert und oft ausgeschmückt. Der Weisse Turm führt diese Erzähltradition weiter. Der runde Kuppelsaal spielt Theatersaal und  Traumwelt – und vereint die Besucher zum neuen Erzählen.

(Quelle und weitere Informationen: Fundaziun Origin, Riom)

Erasmus und Basel

Desiderius Erasmus (1466-1536) verbrachte zehn  Jahre in vier verschiedenen Perioden (1514-1516, 1521-1529, 1535-1536) in Basel. Wie viele seiner Zeitgenossen führte der Humanist und Gelehrte ein Wanderleben.

Hans Holbein der J. (1498-1543) kümmerte sich für den Froben-Verlag von Johann Froben (1460-1527) um die künstlerische Gestaltung der  Bücher und damit auch der Werke von Erasmus. Sein Sohn Hieronymus Froben (1501-1563) übernahm 1527 das Geschäft. Dieser war ebenfalls mit Erasmus befreundet.

Wohnhaus und Druckerei Froben und Hans Holbein der J. (1497-1543), 1523, Imprese des Johann Froben. Sammlung: Kustmuseum Basel, Amerbach-Kabinett

Die Elite der Künstler, Gelehrten, Studenten, Händler, Mönche und geistlichen und weltlichen (aristokratischen) Herrscher war im Mittelalter und bis ins neunzehnte Jahrhundert viel europäischer als heute..

Sie lasen die gleichen Bücher, hörten die gleiche Musik, hatten den gleichen kulturellen Hintergrund und die gleiche (universitäre) Ausbildung. Sie schrieben und sprachen miteinander lateinisch (und später auch französisch).

Auch Matrosen, Handwerker, Söldner und Lohnempfänger liessen sich oft über weite Strecken nieder. Der Aufstieg des Nationalstaates im neunzehnten Jahrhundert würde diese Einstellung und Mentalität grundlegend verändern.

Erasmus fühlte sich in einem Umfeld des Lernens, des Humanismus und der (relativen) Toleranz sowie der Präsenz von Druckern und Verlegern zu Hause in Basel.

Basel war in dieser Zeit das europäische Zentrum des Humanismus und des Lernens sowie des Verlags- und Druckwesens. Das Schweizerische Museum für Papier, Schrift und Druck (die Basler Papiermühle) ist ein kulturelles Erbe aus der Blütezeit dieser Industrie.

Basel mit Rhein, Münster und Ort der alten Universität (1460)

Viele der Werke von Erasmus wurden in Basel geschrieben und gedruckt. Auch seine griechische Übersetzung des Neuen Testaments wurde 1516 von seinem Freund und Drucker/Verleger Johannes Froben (1460-1527) in Basel veröffentlicht.

Als toleranter Humanist  geriet Erasmus während der Reformation in Konflikt mit Martin Luther (1486-1543). Erasmus wollte die Kirche durch eine Diskussion von innen heraus reformieren und nicht durch eine gewaltsame Revolution gegen die etablierte Macht (die Kirche). Ab 1516 lebte und arbeitete er im katholischen Leuven und in Brüssel.

Er wollte aber nicht Partei ergreifen und liess sich deshalb wieder in Basel nieder. Erasmus wollte in keiner ausgesprochen katholischen Stadt mehr wohnen und in keiner reformierten. So suchte er Zuflucht in Basel.

Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), Martin Luther, 1528. Sammlung: Lutherhaus Wittenberg

Basel war für viele Jahre die Stadt seiner Wahl. Sie ist im Mittelpunkt Europas gelegen, still und vornehm, mit sauberen Strassen, ohne Fürsten, sondern (relativ) demokratisch und ein souveräner Kanton der Eidgenossenschaft seit 1501.

Sammlung: Historisches Museum Basel

Basel war der Ruhepunkt seines Lebens. Hier hat er länger gelebt als an irgendeinem anderen Ort, und diese Namen haben sich miteinander verbunden: Seitdem kann man sich Erasmus nicht mehr ohne Basel und Basel nicht ohne Erasmus denken.

Hier hat Erasmus viele seiner schönsten Geschriften geschrieben. Wenn die geistige Welt Europas damals nach ihrem geistlichen Führer blickt, so sieht sie nach der alten kaiserlichen und königlichen Stadt am Rhein hinüber.

Im Jahre 1529 übersiedelt er in das stillere und kleinere Freiburg im. Breisgau (Baden) hinüber, weil auch Basel zu reformiert wird und er will nirgends Partei nehmen. 1535 war die Rückkehr in Basel und am 11. Juli 1536 starb er dort.

Der katholische Erasmus wurde im reformierten Münster begraben, in der Nähe seines letzten Wohnsitzes im Haus zum Luft an der Bäumleingasse, dem Haus seines Freundes Hieronymus Froben.

Quelle: Stefan Zweig. Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam, 2021, Frankfurt am Main.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Basel, Haus zum Lufft

Das Münster

Der Münsterplatz

Die Pflege des christlichen Erbes in der Schweiz

Die Schweiz mit ihren zahlreichen (aufgelösten und funktionierenden) Klöstern und monumentalen (reformierten und katholischen) Kirchen wird in nicht allzu langer Zeit formell kein christliches Land mehr sein. In absehbarer Zeit werden die meisten Bürgerinnen und Bürger „konfessionslos“ sein.

In Bezug auf die Symbolik kann ein Land jedoch kaum christlicher sein als die Schweiz, denken wir nur an das Schweizerkreuz in der Nationalflagge, das rote Kreuz des “Internationalen Roten Kreuzes“ sowie die Wappen verschiedener Kantone (u.a. der Bischofsstab der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura, die Schlüssel von St. Peter von Obwalden und Nidwalden oder St. Fridolin von Glarus). Die Schweizer Nationalhymne ist eigentlich ein Psalm und die Verfassung beginnt mit den Worten „Im Namen des Allmächtigen Gottes“.

Kirche St. Peter in Gelterkinden

Obwohl die Bedeutung der christlichen Religion formell rapide abnimmt, bleibt zu hoffen, dass die soziale, humanitäre, humanistische und verbindende Funktion der Kirchen auf lokaler Ebene nicht verloren geht. Was in der Schweiz jedenfalls respektiert und gepflegt wird, ist das kulturelle Erbe des Christentums.

Das Land verfügt nicht nur über die ältesten Bistümer nördlich der Alpen (Chur, Kaiseraugst/Augst (Augusta Raurica), Basel (Solothurn), Martigny-Sitten, Avenches-Lausanne und Genf), sondern auch über ein fränkisches, karolingisches, romanisches, gotisches, barockes, rokoko- und neoklassizistisches architektonisches Erbe. Zudem gibt es einige erstaunliche Kirchen aus dem 20. Jahrhundert.

Kirche St. Gallus in Kaiseraugst

Das Christentum entwickelte sich bekanntlich innerhalb der administrativen, logistischen, kulturellen und politischen Strukturen des Römischen Reiches. Das Bistum in Augusta Raurica ist ein Beispiel dafür. Bis ins 6. Jahrhundert hatte der Bischof dort seinen Sitz. Dann zog er ins nahe Basel ins Münster um.

Kaiseraugst liegt am Rhein und einer seiner kleineren Wasserlieferanten ist der Bach Ergolz, der bei Augst in den Rhein mündet. Bis zu seiner Quelle an der Geissflue im Jura erstreckt sich ein Band von monumentalen (katholischen und reformierten) Kirchen.

Die Region war in römischer Zeit vom keltischen Stamm der Rauraken besiedelt. Die Auswanderung der paganen deutschsprachigen Alemannen nach dem Abzug der Römer im fünften Jahrhundert bedeutete nicht das Ende der christlichen Welt der romanisierten Kelten (Gallo-Romanen). Die Alemannen wurden von den christlichen Franken besiegt und diese setzten das Christentum in dieser Region fort, und der Bau von Kirchen begann.

Kirche St. Nikolaus in Oltingen

In der Stadt Liestal sowie in den Dörfern Arisdorf, Oltingen, Sissach, Gelterkinden,Ormalingen finden sich einige bemerkenswerte Kirchen entlang der 30 Kilometer langen Ergolz.

(Quelle und weitere Informationen: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte/ Société d’histoire de l’art en Suisse)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Impressionen

Oltingen, Kirche St. Nikolaus

Links das alte Beinhaus

 

Ormalingen, Kirche St. Nikolaus 

Sissach, Kirche St. Jakob

Liestal, Kirche St. Martin

Arisdorf

Gelterkinden

Das Tulpenfest von Morges

Der Verein « Morges Fleur du Léman » hat das Programm des 54. Tulpenfestes von Morges präsentiert. Dieses beginnt am Karfreitag 29. März und endet mit dem Auffahrtswochenende am 12. Mai. Mit 288’000 registrierten Besuchern im Jahr 2023 ist das Tulpenfest Morges das grösste Blumenfest der Schweiz.

 

 Die wichtigste Neuheit besteht in einem neuen Gastronomiekonzept, welches die regionalen Produkte  ins Rampenlicht stellen wird. Das Angebot mit einem Maximum an regionalen und lokalen Produkten ist ein wesentlicher Punkt.

Das Jahresthema „Länder der Welt“ wird das Publikum mit Konzerten, Thés dansants und Tanzvorführungen in Zusammenarbeit mit dem Tanzfest unter dem Musikpavillon im Parc de l’Indépendance zum Tanzen bringen.

Die „Wine Greeter Day“ wird dem Publikum Weinproben von Winzern aus dem Bezirk anbieten. Während die traditionellen Veranstaltungen wie der Töpfermarkt am 6. und 7. April oder die Drehorgelmusik am 14. April wieder stattfinden, wird ein neuer Kunsthandwerksmarkt an der Auffahrt, Donnerstag 9. Mai, entlang des Flusses Morges angeboten.

(Quelle und weitere Informationen: www.tulpenfest.ch)