Das Basel Tattoo 2024

Das Basel Tattoo ist es wieder gelungen ein Programm mit vielen Höhepunkten und aus modernen, traditionellen und neuen Elementen  zu präsentieren.

Auf dem Kasernenareal in Basel steht heute eine Arena für fast 8 000 Zuschauer und Zuschauerinnen. Die Premiere des 17. Basel Tattoo findet am 19. Juli statt. Topformationen aus fünf Kontinenten mit rund 1 000 Artisten werden das Publikum und die Stadt bis zum 27. Juli verzaubern (Tickets gibt es auf www.baseltattoo.ch).

Basel Tattoo 2022

Die Basel Tattoo zeigt was das moderne Tattoo (wieder) ausmacht: eine Kombination aus Tanz, Paraden, Pfeifen, Trommeln, Blasmusik, dem Tattoo-Chor und der weltweit einzigen Tattoo-Garde. Die Basel Tattoo Parade findet am 20. Juli statt.

Zu ihnen gehört in dieser Edition auch die United States Army Field Band. Sie ist normalerweise für repräsentative Zeremonien im eigenen Land unterwegs und zeichnet sich durch eine hohe musikalische Qualität und Präzision aus.

Ebenfalls aus den USA stammen die über 50 Kinder und Jugendlichen des One Voice Children’s Choir.

Sechs ausgefallenen Künstler auf einem aussergewöhnlichen Fahrrad: Das ist das Big Bike Orchestra aus Polen.

Asiatische Präzision mit britischen Einflüssen präsentiert die Singapore Police Force Band.

Mit ihren rockigen Klängen, ihren ergreifenden Songs und ihrer Begeisterungsfähigkeit gehörten die Musikerinnen und Musiker der Australian Army Band in der Vergangenheit sofort zu den Publikumslieblingen. 2024 kommen die Aussies zurück.

Basel Tattoo 2023

Mit ihnen anreisen werden die OzScot International Highland Dancers. Die Tänzerinnen gehören zu den besten ihres Fachs und überzeugen immer wieder von Neuem durch unglaubliche, nahezu halsbrecherische Tanzschritte.

Mit der Iznik Municipality Mehter Band aus der Türkei kommt die älteste Militärmusikformation der Welt ans Basel Tattoo. Die 60-köpfige Band pflegt einen traditionellen Musikstil.

Im 2024 auch zu Gast im Hof der Kaserne sind die Swiss Army Brass Band und das Ländlerduo (Marvin Näpflin am Schwyzerörgeli und Patrick Stalder an der Klarinett)  der Schweizer Militärmusik.

 Fester Bestandteil und evergreen sind die 200 Dudelsackspieler und Trommler der Massed Pipes and Drums. Die zehn Pipe Bands stammen aus Kanada, Südafrika, Grossbritannien, Australien, Neuseeland, Malta und der Schweiz. Der Lone Piper wird auch in diesem Jahr auf dem Kasernenturm einen bekannten Song anstimmen.

Die Musikstadt Basel macht ihrem Ruf wieder alle Ehre.

(Quelle und weitere Informationen: Basel Tattoo)

Basel Tattoo 2023

PS:

Doe den tap toe

Das altniederländische “doe den tap toe” (Hahn zudrehen oder Zapfenstreich) steht übrigens am Ursprung des niederländischen Wort “Taptoe”, Tattoo auf Deutsch und Englisch. “Doe den tap toe” hat einen militärischen Kontext und bedeutet den Bierzapfhahn zudrehen.

Auf den Befehl „Hahn zudrehen“ (Zapfenstreich), unterstützt durch ein Trommel- oder Trompetensignal, wurden die Bierhahnen geschlossen. Im Lauf der Zeit ist «Tattoo» auch zum Überbegriff für Militärmusik-Festivals geworden.

Der Kasernenhof

Der Kasernenhof ist darum der richtige Schauplatz für ein Tattoo. Das Kloster Klingental (heute Museum Kleines Klingental) für Dominikanerinnen wurde nach der Reformation (1527) geschlossen. Die Gebäude dienten als Lager- und als Gewerberaum und als Standort für das Stadtgarnison. Die neue Kaserne war 1863 fertiggestellt und beherbergte bis 1965 Truppen. Es hat dort also viele Zapfenstreiche gegeben.

Le Corbusier, das Mundaneum und die Schweiz

Die Karriere eines der bekanntesten Architekten der Schweiz begann mit einer Ausbildung an der Kunstakademie in La Chaux-de-Fonds. Charles-Édouard Jeanneret, der 1920 den Künstlernamen Le Corbusier annahm, wurde am 6. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) geboren.

Nach einer Karriere als Architekt, Stadtplaner, Maler, Möbeldesigner, Bildhauer und Theoretiker (er schrieb auch zahlreiche Artikel und Bücher über Kunst im Allgemeinen sowie über Malerei und Architektur im Besonderen), starb er am 27. August 1965 als französischer Staatsbürger (er hatte 1930 die französische Staatsbürgerschaft angenommen).

Bereits 1906/1907 baute Le Corbusier seine erste Villa als Gemeinschaftsprojekt von Kunststudenten (die Villa Fallet), ein Jahr, bevor er seine Reise in den Osten, nach Österreich, Italien, Frankreich, Ungarn und Deutschland (1906-1912) begann.

Sieben ikonische Bauten von Le Corbusier in der Schweiz.  Pavillon Le Corbusier in Zürich.  Pavillon Le Corbusier in Zürich

Es war die Blütezeit der Wiener Secession, der Wiener Werkstätte und des Jugendstils. In Deutschland lernte er Walter Gropius (1883-1969), Mies van der Rohe (1886-1969) und Peter Behrens (1868-1940) kennen, die die Architektur in den kommenden Jahrzehnten verändern sollten (Bauhaus).

Im Februar 1912 eröffnete er sein erstes Büro in La Chaux-de-Fonds und errichtete bei dieser Gelegenheit die Maison Blanche in La Chaux-de-Fonds und die Villa Favre-Jacot in Le Locle. Im Jahr 1917 entwarf er die Villa Turque, die den eigentlichen Beginn seiner Konzeption der modernen Architektur darstellte.

Nach deren Bau liess er sich in Paris nieder, wo er vormittags malte und nachmittags als Architekt arbeitete und zahlreiche Artikel über Kunst veröffentlichte.

In Paris machte er sich mit der modernen Kunst- und Architekturbewegung sowie mit neuen Bau- und Konstruktionsmaterialien vertraut, insbesondere mit der Verwendung von Stahlbeton. Als er 1908 von einer längeren Reise zurückkehrte, baute er in La Chaux-de-Fonds zwei weitere Villen, die Villa Stotzer und die Villa Jaquemet.

La Chaux-de-Fonds, Villa Turque, 1917

Le Corbusier entwarf zahlreiche öffentliche und private Gebäude in Frankreich und der französischsprachigen Welt, erlebte aber auch Enttäuschungen.

Seine Entwürfe für eine Weltstadt und ein internationales Weltmuseum, das Mundaneum, während der Zeit des Optimismus (1925-1928) und der Leaque des Nations, des Vorläufers der VN, wurden nie realisiert.

Corseaux, Villa „Le Lac“ Le Corbusier, 1923

Zwei weitere Gebäude von Le Corbusier in der Schweiz sind noch heute berühmt: die Villa Le Lac in Corseaux (1923) und die Wohnung Clarté in Genf (1932).

Le Corbusier führte innovative Entwürfe und revolutionäre Lehren in Bezug auf Baumethoden und architektonische Konzepte ein und gilt bis heute als einer der grössten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts.

Der Pavillon Le Corbusier in Zürich und die Maison Blanche in La Chaux-de-Fonds (www.maisonblanche.ch) erzählen von seinem Leben und Werk.

(Quelle: C. Courtiau, Le Corbusier. Education and Training, Projects and Constructions in Switzerland, Bern 2012).

Korrektorin: Petre Ehrismann

Kapelle Notre Dame-du-Haut in Ronchamp, 1953

Pruntrut, der Bischof und Kanton Jura

Pruntrut (Porrentruy, Kanton Jura) war bereits in römischer Zeit (15 v. Chr. – 410 n. Chr.) ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen dem Elsass, dem Jura und der Stadt Basel. Obwohl keine archäologischen Funde aus dieser Zeit bekannt sind, gab es an diesem Ort eine römische Strasse.

Der Fluss Le Doubs war auch eine wichtige (römische) Wasserstrasse, die Mandeure (Epamanduodurum) mit Porrentruy verband. Das älteste erhaltene Gebäude von Porrentruy ist die Kirche Saint-Germain (um 1050).

 

Kirche Saint-Germain (um 1050), das älteste Gebäude von Porrentruy, das von der Abtei von Moutier-Grandval gebaut wurde.

Und das prägt noch heute das Stadtbild. Das Bistum Basel hatte im Jahr 999 von der Abtei Moutier-Grandval das Gebiet des heutigen Kantons Jura erworben, und damit gehörte auch Porrentruy dazu.

Porrentruy war bis 1792 Sitz des Bischofs von Basel, nachdem dieser während der Reformation 1528 seinen bischöflichen Sitz im Basler Münster verlassen hatte. Der Bischof war auch ein Fürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, daher die offizielle Bezeichnung Fürstbischof.

Das Schloss

Die Ursprünge des Schlosses gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Von 1528 bis 1792 wurde es von den Bischöfen erweitert und renoviert. Als Folge von Bränden, Verfall und dem Abriss nach 1792 ist der heutige Komplex viel kleiner, aber immer noch imposant.

Der Turm (la tour de Coq) zeigt noch den roten Bischofsstab und den Hahn im Wappen der Familie Blarer von Wartensee.

Rekonstruktion, um 1650: Château de Porrentruy

Der heutige Komplex mit einer einzigartigen Sammlung von mittelalterlichen Katapultgeschossen.

Oben links die Residenz (la Résidence) und die Kanzlei (18. Jahrhundert), in deren Inneren die Porträts der Bischöfe von 1528 bis 1792 zu sehen sind. Gegenüber befindet sich der Pavillon (18. Jahrhundert) der Prinzessin Christine (de Saxe). Sie war Äbtissin der Abtei von Remiremont in Frankreich und hielt sich eine Zeit lang in Porrentruy auf, ganz rechts la Tour du Trésor und Maison de Luppach. Unten: die Gärten des Komplexes

Der Turm Réfous (1270) und daneben die Wachstube (Le Corps du Garde). In dieser Zeit konkurrierten der Bischof von Basel (mit Sitz in Basel) und die Grafen von Férrette und Montbéliard um die Macht in Porrentruy und Ajoie

Decke der Roggenbachkapelle, benannt nach Fürstbischof Jean Conrad de Roggenbach (1618-1693)

Der Bischof, auch Fürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, daher die offizielle Bezeichnung Fürstbischof, residierte bis zum Einmarsch der Franzosen im Jahr 1792 in Pruntrut.

Jacques-Christophe Blarer von Wartensee (1542-1608). Quelle: Château de Porrentruy. 

Nach 1792

Die französischen Revolutionäre annektierten dieses Gebiet des Fürstbistums und nannten es zunächst die Raurakische Republik (la République rauracienne) und ab 1793 Departement Mont-Terrible. Nach der französischen Annexion des verbliebenen Teils des Fürstentums im Jahre 1797 wurde das Gebiet des gesamten Fürstentums Basel 1800 Teil des Départements Haut-Rhin.

Nach der Niederlage Napoleons im Jahr 1815 wurde der grösste Teil des ehemaligen Fürstentums Basel, darunter auch Pruntrut, dem Kanton Bern zugeteilt. Seit 1979 gehört die Stadt zum Kanton Jura.

Der Bischof kehrte nach 1792 nicht mehr zurück. Die Domherren und das Kapitel hatten seit 1678 ihren Sitz im katholischen Arlesheim (davor in Freiburg im Breisgau) nahe dem katholischen Kanton Solothurn.  Arlesheim gehörte ab 1833 zum Kanton Basel-Landschaft, davor zum Kanton Basel).

Die Domherren  hinterliessen Denkmäler in Arlesheim wie den Dom und die Stadtpaläste. Seit 1828 hat der Bischof des Bistums Basel seinen Sitz in Solothurn. Es ist die komplexe Schweizer (Religions-)Geschichte in Kurzform.

Hôtel-Dieu (1675), ehemaliges Krankenhaus, heute historisches Museum. Vorderansicht (0ben), Rückseite (unten)

Die Pracht der bischöflichen Präsenz ist in Pruntrut noch immer sichtbar, unter anderem beim Hôtel-Dieu und bei der Glacière aus dem 18. Jahrhundert (der Ort, an dem Eisblöcke aufbewahrt wurden, um Getränke und Speisen für den Bischof und sein Gefolge zu kühlen) sowie bei den Stadtpalästen und den Häusern für das Kapitel.

Die (mittelalterlichen) Strassen und der gut erhaltene Stadtkern, die allgegenwärtige Präsenz der Uhrenindustrie (u.a. La Fondation Horlogère) und die Nähe zum schönen Jura verleihen dieser Stadt einen besonderen Reiz.

Und für diejenigen, die sich für den Klimawandel interessieren: Die Stadt lag vor etwa 20 Millionen Jahren an einem subtropischen Meer. Noch weiter zurück, vor etwa 150 Millionen Jahren, war der Jura ein beliebter Aufenthaltsort für Dinosaurier. Vor etwa 20 Tausend Jahren war die Region eiskalt, es herrschte ein polares Klima.

Kirche Saint-Pierre

 

Kirche Saint-Pierre (1333, danach mehrfach renoviert, worauf auch die romanischen und gotischen Style und Fresken hinweisen)

Jurassica

Jurassica ist eine Institution, die ein Museum und einen botanischen Garten beherbergt. Ausserdem ist es ein Brutplatz für eine Universitätskooperation für Geowissenschaften. Der Garten ist nach Basel der zweitälteste botanische Garten der Schweiz. Die Jurassica zeigt vor allem die Flora des Juras.

Jules Thurmann (1804-1855), der Stifter

Museum Jurassica

Und für diejenigen, die sich für den Klimawandel interessieren: Die Stadt lag vor etwa 20 Millionen Jahren an einem subtropischen Meer. Noch weiter zurück, vor etwa 150 Millionen Jahren, war der Jura ein beliebter Aufenthaltsort für Dinosaurier. Vor etwa 20 Tausend Jahren war die Region eiskalt, es herrschte ein polares Klima.

(Quelle: J.-C. Rebetez, D. Bregnard (Ed.), De la Crosse à la Croix. L’ancien Évêché de Bâle devient suisse (Congrès de Vienne-1815), Neuchâtel, 2002)

Korrektorin: Petra Ehrismann

La Porte de France (14. Jahrhundert)

Brunnen aus der Renaissance, 16. Jahrhundert

Hôtel de Ville (1764) und das Schwein von Porrentruy und seine Geschichte

 

Das Belle-Epoque-Viertel, das in der Blütezeit der Stadt nach der Annexion des Elsass durch Deutschland im Jahr 1871 entstand, in diesem Viertel befindet sich unter anderem die ehemalige Synagoge.

Hôtel des Halles (1766)

Hôtel de Gleresse (1750) und das Archiv des ehemaligen Bistums Basel 

Grand Rue

Ancien Collège des Jésuites (16. Jahrhundert), gegründet von Fürstbischof Jacques-Christophe Blarer von Wartensee, dem bedeutendsten der 15 Bischöfe im Zeitraum 1528-1792, heute ist es eine kantonale Schule

Die ehemalige Residenz von Joseph de Billieux (1717-1783), Baron von Ehrenfeld, ist seit 1965 eine cure catholique.

Reste der Wehrmauern

Le temple 

Impressionen von Pruntrut

La Vierge à l’Enfant (1689) oder Vierge Sous-les-Portes oder Vierge Entre-les Portes, wegen ihres früheren Standorts auf dem abgerissenen Tor Saint-Germain, das zwischen den Toren de la Tuilerie und de la Buissère lag

Wakker-Preis, Verein Birsstadt, Natur- und Klimabewusstsein

Der Schweizer Heimatschutz zeichnete den Verein Birsstadt mit dem Wakkerpreis 2024 aus. Der Zusammenschluss der Gemeinden Aesch, Arlesheim, Birsfelden, Duggingen, Grellingen, Muttenz, Münchenstein, Pfeffingen und Reinach (Kanton Basel-Landschaft) und der Gemeinde Dornach (Kanton Solothurn) zeigt, dass Herausforderungen in Agglomerationen durch gemeinde- und kantonsübergreifende Zusammenarbeit besser gelöst werden können.

Im Verein werden übergeordnete Strategien in den Bereichen Landschaft, Siedlung, Mobilität und Klimaadaption verhandelt, erarbeitet und gemeinsam gegen aussen vertreten.

Unter dem Dach eines Vereins werden die industrielle Vergangenheit weiterentwickelt, das baukulturelle Erbe bereichert und der Naturraum gestärkt. Das Birstal entwickelte sich so zu einem wichtigen Teil des Metropolitanraums Basel.

Die Preisverleihung am 22. Juni in Arlesheim durch den Nationalratspräsident  Eric Nussbaumer

Das Schänzli in Muttenz

Die Birs im 18. Jahrhundert, kolorierte Federzeichnung, Foto von J. Meyer, Staatsarchiv Basel-Landschaft

Die Birs und die Nepomukbrücke in Dornach

Birsfelden, die letzte Brücke vor der Mündung im Rhein

Mühlematt und Münchenstein

 

Pionierhafte Projekte zwischen mehreren Gemeinden wie etwa der «Birspark Landschaft» machten das Potenzial der stärkeren Zusammenarbeit deutlich. Die Gründung des Vereins Birsstadt im Jahr 2018 schuf einen festen Rahmen zur Koordination der räumlichen Entwicklung.

Die Rheinacher Heide und der Widenacker

Die Reinacherheide ist zusammen mit dem Widenacker eine Naturoase an der  Birs. Hier leben über 600 Pflanzenarten und unzählige Tierarten. Früher war das Gebiet von Überschwemmungen und dem Wechsel zwischen nassen und trockenen Lebensräumen geprägt. Das Forum Würth Arlesheim steht entlang der Birs und die aktuelle Ausstellung Waldeslust ist ein paar Meter weiter „live“ in der Rheinacher Heide zu sehen.

Nach der Birskorrektion im 19. Jahrhundert schnitt sich die Birs tief in den Untergrund ein, der Grundwasserspiegel senkte sich mehrere Meter, und es entstand eine trockene Heidelandschaft nebeneiner nassen Auenlandschaft an der Birs.

Dank der Einrichtung der Grundwasserschutzzone (1932) und des Naturschutzgebietes (1974) konnten sich im ständig wachsenden Siedlungsgebiet der Widenacker und die Auenlandschaft mit einer wertvollen Flora und Fauna entwickeln: mit orchideenreichen Magerwiesen, vielen seltenen Ackerwildkräutern, vielfältigen Schotter- und Ackerflächen, mit dornenreichen Trockengebüschen sowie mit kühlem Feuchtgebüsch und Auenwald.


Der Mensch und der Biber

Der Dorfbach gehört zum Revier der Biberfamilie. Biber bauen kleine Dämme und stauen damit das Gewässer. Das Grundwasser in dieser Trinkwasserschutzzone darf nicht verunreinigt werden durch Überschwemmungen des Baches, und ohnehin darf hier nicht gebaut werden. Der Biber ist jedoch ein geschütztes Tier.

Durch den Einbau der Rohre entlang des Baches kann diesem Konflikt entgegengewirkt werden. Sie leiten überschüssiges Wasser ab, der Wasserstand kann auf ein bestimmtes Niveau eingestellt werden, und der Biber kann gleichzeitig weiterhin Dämme errichten.

Rohre für den Biber

Swiss Ranger Yannick Bucher

Primeo Energie Kosmos

Wie überall im Land wird auch hier auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene dem Verhältnis von Mensch, Natur und Klima grosse Aufmerksamkeit gewidmet. Unternehmens- und Bürgerinitiativen spielen dabei eine wichtige Rolle, so auch entlang der Birs.

Das Energieunternehmen Primeo Energie ermöglicht zum Beispiel den Primeo Energie Kosmos, ein Erlebnis- und Wissenschaftszentrum für Klima und Energie.

(Quelle und weitere Informationen: Schweizer Heimatschutz)

Fazit

Die Verleihung des Wakkerpreises unterstreicht das Konzept des Zusammenlebens von Mensch und Natur besonders. Auf der Mikroebene zeigt die Reinacherheide das Zusammenleben von Tier, in diesem Fall dem Biber, und dem Menschen.

Das Projekt Primeo Energie Kosmos entlang der Birs ist eines von vielen Beispielen für das Engagement und die aktive Beteiligung von Bürgern und Unternehmen.

Die Birs, der Biber, der Wolf, die Rhone, der Rhein, (Stein-)Lawinen, Felsstürze, Erdbeben, das Kommen und Gehen der Meere, Gletscher und der Klimawandel sind nichts Neues auf diesem Planeten.

Der Mensch ist jedoch eine Spätgeburt, der vor allem seit 1800 die Oberhand gewonnen hat, mit einer Verzwanzigfachung der Bevölkerung, gigantischen Siedlungsgebieten und der Besiedlung und Nutzung von bis vor 200 Jahren unbewohnten Gebieten.

Die Natur tut, was sie immer getan hat, und Flora und Fauna passen sich an, das nennt man Evolution, angefangen bei Viren, Bakterien und Mikroben. Auch die Schweiz wird vielleicht Täler und Flussbetten an die Natur zurückgeben müssen, so wie in den Niederlanden Polder wieder zu Feuchtgebieten werden (müssen).

Auf jeden Fall zeigen das relativ kleine Naturschutzgebiet Reinacherheide und andere Projekte entlang der Birs einmal mehr das grosse Engagement für Natur und Klima in der Schweiz.

Impressionen von der Birs

Ist Stans ein Dorf, Flecken oder Städtchen?

Ist Stans, Hauptort des Kantons Nidwalden, ein Dorf, ein Flecken oder doch eine Stadt? Wie die anderen Hauptorte von Kantonen in der Urschweiz (und in den beiden Appenzell) hat Stans das Aussehen einer Stadt. Monumentale Bauten, kolossale Kirchen, grosse Klosterkomplexe und andere (öffentliche) Gebäude prägen das Strassenbild.

St. Peter und Paul (1647) ist eine frühbarocke Kirche mit einem romanischen Glockenturm (12. Jh.) auf dem Platz

Diese Frage ist so kompliziert wie die Entstehung der heutigen (Halb-)Kantone Obwalden und Nidwalden, auch Unterwalden genannt im Mittelalter. Auf jeden Fall wurde der Name Unterwalden als erster urkundlich erwähnt. König Rudolf von Habsburg (1218-1291) erwarb dieses Gebiet von den Klöstern Murbach, Engelberg und Beromünster.

Neben St. Peter und Paul das Beinhaus

Nach 1330 und der Bildung der ersten Eidgenossenschaft entstanden in Unterwalden zwei Orte: Obwalden mit Sarnen als Hauptort und Nidwalden mit Stans als regionalem Zentrum.

Lange Zeit hatten Obwalden und Nidwalden in der Tagsatzung eine geteilte Stimme (Obwalden erhielt zwei Drittel, Nidwalden ein Drittel der Rechte), später bis 1798 eine rotierende Stimme. Die wachsende Identität und die Interessen der beiden Kantone führten manchmal zu Unstimmigkeiten.

Stans im 17. Jahrhundert. Anonymes Gemälde in der Kirche des Klosters St. Klara

In der Helvetischen Republik (1798-1803) trat der Kanton Unterwalden für kurze Zeit wieder in Erscheinung. Stans war die Hauptstadt. Von 1803 bis 1999 hatten die Halbkantone Obwalden und Nidwalden je eine Stimme im Ständerat (wie auch Basel-Stadt und Basel-Land  und die beiden Appenzeller Kantone).

Seit der Verfassungsänderung von 1999 (in Kraft seit dem 1. Januar 2000) sind die Halbkantone formell Kantone, haben aber immer noch nur eine Stimme im Ständerat im Gegensatz zu den (Voll-)Kantonen mit jeweils zwei Stimmen.

Stans

Warum aber ist Stans formell keine Stadt, während z.B. Fürstenau (Kanton Graubünden) eine Stadt ist? Stans besass zwar andere relevante Privilegien einer Stadt wie das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit, hatte jedoch im Mittelalter keine Stadtmauer und galt daher nach mittelalterlichem Recht nicht als Stadt. Aufgrund anderer Privilegien – wie die bereits erwähnten – war es jedoch auch kein Dorf, sondern ein sogenannter Flecken.

Diese juristischen Haarspaltereien schmälern nicht die Bedeutung dieser Flecken und des Hauptortes Nidwalden (und Obwalden) in der Entwicklung der Eidgenossenschaft, beginnend  mit dem Ereignis von 1291 (Rütli), gefolgt von der Verleihung der unabhängigen Gerichtsbarkeit 1309 und im Jahre 1315 mit der Schlacht bei Morgarten und der Erneuerung des Bündnisses der drei Orte.

Stans

Monumentale (religiöse) Bauten und wichtige Verträge verleihen Stans die Anziehungskraft einer Hauptstadt. Das Stanser Verkommnis vom 22. Dezember 1481 war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Eidgenossenschaft.

Das Winkelrieddenkmal, die barocken Stadtpaläste, das Rathaus, die Rosenburg (13. Jahrhundert), das alte und neue Zeughaus, das Winkelriedhaus (15. Jahrhundert), das (ehemalige) Kapuzinerkloster (1583) und das (ehemalige) Frauenkloster St. Klara (1618) ergänzen das städtebauliche Bild dieses Fleckens.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Stans)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Das ehemalige Kapuzinerkloster (Culinarium Alpinum)

Im Vordergrund die Friedhofskapelle, im Hintergrund die Kirche des Kapuzinerklosters

Die Kirche des Klosters St.Klara

Altarbild, 17. Jahrhundert

Reliquien

Der heilige Prosper (oben) und in Leichentüchern in einer alternativen Projektion!

Gemälde 17. Jahrhundert (anonym) in einem Empfangsraum, links der französische König, rechts (wahrscheinlich) die Soldaten Ursus, Victor und Mauritius, in der Mitte Heilige und andere religiöse Persönlichkeiten

Das (ehemalige)  Kloster St. Klara

Die Rosenburg/das Höfli (13. Jahrhundert)

Barocke Stadtpaläste, ihre Innenräume und Gärten

Links das Rathaus

Winkelriedbrunnen

Winkelriedhaus (Teil des Nidwalder Museums)

Das alte Zeughaus

Das neue Zeughaus (ursprünglich Kornhaus)

Weitere Impressionen

  

Jugendstilgebäude, um 1905

Die ehemalige Kantonalbank, jetzt Regierungsgebäude

Happy Birthday und kein Geburtstag ohne Torte im Zoo Basel

Der Zoo Basel feierte am 3. Juli sein 150-jähriges Bestehen. Am 3. Juli 1874 öffnete in Basel der erste Zoologische Garten der Schweiz seine Tore. Der Zoo Basel – auch Zolli genannt – wurde von der Ornithologischen Gesellschaft Basel mit dem Ziel gegründet, das Interesse der Basler Stadtbevölkerung an der Natur und der heimischen Tierwelt zu wecken und zu fördern.

Bei seiner Eröffnung setzte er auf einheimische Tiere wie Steinböcke, Gämse, Wildschweine und Vögel. Eine besondere Attraktion waren die Tiere im Raubtierhaus wie der Wolf, der Luchs, der Dachs, der Fuchs und der Marder sowie der Bärenzwinger und das Bassin mit Fischotter und Biber. Einzelne Vertreter einer Tierart wurden in kleinen Käfigen nebeneinander präsentiert.

Heute schafft der Zoo mit seinen Themenanlagen Nähe zwischen Mensch und Tier, schützt bedrohte Tierarten und fördert die Biodiversität.

Am 3. Juli öffnete der Zoo seine Tore für die Öffentlichkeit mit verschiedenen Aktivitäten. Doch der Zoo hatte noch mehr zu feiern. Am 11. März 2024 wurde ein Zwergflusspferd-Männchen im Zolli geboren. Die Mutter ist Ashaki (19), der Vater Napoleon (17).

Mutter Saada mit einem Sprössling

Am 19. Mai 2024 sind ausserdem vier Geparde geboren. Ihre ersten Wochen verbrachten die Jungtiere, zwei Männchen und zwei Weibchen, versteckt im Stall. Nun sind sie mit ihrer Mutter Saada (3) auf der Aussenanlage zu sehen. Für Saada und Vater Drogo (4) ist es der erste Wurf.

Foto: Guido Wasser, Basel

Foto: Guido Wasser, Basel

Kein Geburtstag ohne Torte, in diesem Fall finanziert von Sponsoren. Eine grosse Geburtstagstorte stand am 3. Juli bereit. Diese schöne Animal Farm repräsentierte nicht nur die Daseinsberechtigung eines Zoos, sondern auch den Kreislauf des Lebens in der Natur. Auch der Zoo entzieht sich diesem nicht.

Foto: Guido Wasser, Basel

Nach Ansprachen des Zoodirektors Olivier Pagan, des Regierungsratpräsidenten Conradin Cramer und des Verwaltungsratspräsidenten des Zoos Martin Lenz, sangen die vielen Anwesenden lauthals Happy Birthday, auch für die vier Baby-Geparde und das Zwergflusspferd. Dann nahm der Kreislauf des Lebens seinen Lauf.

(Quelle und weitere Informationen: www.zoobasel.ch)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Impressionen vom Zoo

ETH Zürich und EPFL Lausanne

Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich oder ETHZ) erhielt 1911 ihren heutigen Namen.

Sie wurde 1855 als Eidgenössische Polytechnische Schule gegründet und bestand zunächst aus einigen technischen Fakultäten: Architektur, Zivil- und Maschinenbau, Chemie und Forstwirtschaft.

Die ETH Zürich, nicht zu verwechseln mit der Universität Zürich, verfügt heute über sechzehn Fakultäten, von denen einige zu den besten Europas und sogar der Welt gehören.

L’École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Foto: L’École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL)

Die Gründung einer privaten Hochschule in Lausanne im Jahr 1853 ist die Erstehungsgeschichte der heutigen École polytechnique fédérale de Lausanne, EPFL, aus dem Jahr 1969.

Die schnelle Industrialisierung und die Entwicklung der Schweiz nach 1850 wären ohne diese beiden Institutionen kaum oder gar nicht möglich gewesen.

Der Furkapass, die Rhonegletscher und die Grand Hotels

Der Film Grand Budapest Hotel (1995) von Regisseur Wes Anderson zeigt den Niedergang eines Hotels aus der Belle Époque, der Zeit um 1900 bis zum Ersten Weltkrieg (1914-1918).

Das Hotel Belvédère

Die Lebensgeschichte des Hotels Belvédère am Furkapass ist sozusagen das Vorbild  für diesen Film; auf jeden Fall ist das Belvédère eines der berühmtesten und am häufigsten gezeigten Hotels aus dieser Zeit.

Auch Sean Connery (1930-2020) fuhr die berühmte Haarnadelkurve in Goldfinger (1964) in seinem silbernen Aston Martin DB5 mit einer Geschwindigkeit, die zu 007 passt. Das Hotel ziert unzählige Postkarten und heutzutage auch Instagram-Posts.

Furkapass, Hotel Belvédère. Foto: TES

Seit 2015 steht das Hotel jedoch leer und ist baufällig. Auch der nahe gelegene Rhonegletscher schrumpft, eine Entwicklung, die bereits im 19. Jahrhundert begann. Bis 1870 reichte der Gletscher in der Nähe des Dorfes Gletsch (Kanton Wallis) ins Tal. Im Jahr 1980  lag der Gletscher noch gegenüber dem Hotel Belvédère. Im Jahr 2022 gibt es dort einen See und der Gletscher ist Hunderte von Metern entfernt.

Gletsch und der Rhonegletscher

Gletsch Grand Hotel Glacier du Rhône, um 1870. Quelle: Gletscherlehrpfad Furkapass. Foto: TES

Die Geschichte des Belvédère beginnt fast zweihundert Jahre früher. In Gletsch wurde 1830 das erste Gasthaus der Region gebaut. Alexander Seiler (1819-1891) baute es 1857 zum Grand Hotel Glacier du Rhône (des Rottengletschers im Oberwallis, des Rhonegletschers im Unterwallis) aus.

Der Gletscher erreichte tatsächlich das Tal und das Dorf. Das Hotel war für Reisende auf den Furkapass, den Austausch von Pferden und zunehmend für (englische) Bergsteiger und ihr grosses (aristokratisches) Gefolge bestimmt. Die Queen (Königin Victoria  1819-1901) trank hier am 23. August 1868, ihre Tasse Tee, „a delicious cup of tea“.

Das Hotel Furka und die Queen

Im Jahr 1850 wurde auf dem Furkapass ein einfaches Hotel gebaut, das Hotel Furka. Der Eigentümer war Franz Karl Müller. Der berühmteste Gast war Königin Victoria (1819-1901). Während ihres viertägigen Aufenthalts im Hotel im August 1868 bewunderte sie den Gletscher und die Aussicht auf die Alpen, war aber weniger begeistert von der Schlichtheit des Hotels. Ihr Besuch sorgte aber auf jeden Fall dafür, dass der Furkapass und Gletsch viele Tage in den Schlagzeilen waren.

Die Eisgrotte

Dadurch wird auch das Interesse anderer Unternehmer geweckt. Der Orgelbauer Philipp Carlen aus Goms (Oberwallis) hat 1870 einen Plan: Er gräbt einen hundert Meter langen Tunnel in den Gletscher. Gegen eine Gebühr können Besucher das Innere des Gletschers besichtigen. Es ist ein grosser Erfolg und die Leute stehen in Schlange.

Auch heute noch gibt es einen Tunnel, der als “Grotte“ oder “Eisgrotte“ bezeichnet wird. Der Eingang ist allerdings fast einen Kilometer weiter entfernt. Philipp Carlens Ur-Ur-Enkel und Namensvetter betreibt heute die „Eisgrotte“.

Hotel Furkablick. Foto:TES

Furkablick und Belvédère

Die Zahl der Grand Hotels nahm zwischen 1880 und 1914 in der Schweiz rasch zu. Zwischen 1888 und 1914 verdoppelte sich die Zahl der (Grand) Hotels von 1700 auf über 3500. Alexander Seiler baut sein zweites Hotel, das Belvédère, am Furkapass. Franz Karl Müller baut auch sein zweites Hotel, das Furkablick.

Grand Hotels sind immer Orte des Fortschritts: Elektrizität, warmes Wasser, separate Sanitäranlagen, Einrichtungen für Winter- und Sommersportarten wie Skifahren, Eiskunstlauf, Pferderennen, Golf, Tennis und seit den 1920er Jahren auch Bridge. Die Hotels auf dem Furkapass sind bescheiden, aber mit den modernsten Erfindungen und Errungenschaften ausgestattet.

Die Gotthard-Matterhorn-Linie. Foto: TES.

Die Hoteliers ergreifen auch Initiativen zum Bau der Brig-Furka-Disentis-Bahn, der heutigen Gotthard-Matterhorn-Linie, und zur Verbreiterung und Verbesserung der Strassen über den Furkapass und den Grimselpass. Die drei Hotels am Furkapass (Furkahotel, Furkablick und Belvédère) sowie das Glacier du Rhône et Gletsch florieren.

Das grosse Grand Hotel-Sterben

Doch dann, am 1. August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg (1914-1918), dem zwei Jahrzehnte später der Zweite Weltkrieg (1939-1945) folgt. Das grosse Grand-Hotel-Sterben beginnt. Einerseits wirkt die Pracht der Belle Époque  nun altmodisch und überholt. Darüber hinaus bietet die Medizin alternative Behandlungsmethoden, so dass Bäderkuren und Bergluft  viel weniger Publikum anzuziehen vermögen.

Nach 1960 nehmen andere Urlaubsziele und die Zahl der Urlauber rasch zu. Die neuen Zielgruppen verfügen jedoch über begrenzte Budgets und Urlaubstage. Bis 1914 blieben die wohlhabenden Gäste meist monatelang im Hotel.

Viele Hotels wurden abgerissen, brannten ab (ob wegen der Versicherungsgelder oder aus anderen Gründen sei dahingestellt) oder standen leer. Nur die alten Namen können sich in den mondänen Dörfern und Städten behaupten. Die „Eisgrotte“ zieht jedoch weiterhin viele Besucher an.

Selbst das Hotel Furka, in dem Königin Victoria 1868 vier Tage lang weilte, wird gesprengt, um Platz für einen Parkplatz zu schaffen. Der Bau des Furka-Basistunnels (1982) bedeutete zudem das Ende des Furkapasses als wichtige Verkehrsachse.

Hotel Belvédère im Jahr 2022. Foto: TES

Das Hotel Belvédère und die Eisgrotte

1985 übernimmt der Kanton Wallis die beiden verbliebenen Hotels (Furkablick und Belvédère). Der Gletscher ist um Hunderte von Metern geschrumpft, und der Kanton will in dem entstandenen See ein Wasserkraftwerk bauen und die Hotels abreissen. Durch den Widerstand der Bevölkerung kommt es jedoch nicht dazu.

1988 verkauft der Kanton das Hotel Belvédère an Philipp Carlen, den heutigen Betreiber der „Eisgrotte“. Das Hotel wurde 1990 wiedereröffnet. Im Jahr 2015 schloss es jedoch (für immer?) seine Türen.

Philipp Carlen hat aber auch andere Initiativen, einen Gletscherlehrpfad, einen Alpengarten und demnächst auch eine Rutschbahn für Kinder. Er will auch Boote auf dem Gletschersee vermieten.

Rechtsoben der Furkapass und Hotel Belvédère und der verschwundene Gletscher. Foto: TES

Wiederbelebung und Aufwertung der Grand Hotels

Grand Hotel Celerina, Oberengadin. Foto: TES

Grand Hotel Maloja, Oberengadin. Foto: TES

Suvretta House, Oberengadin. Foto: TES

Hotel Les Trois Rois, Basel. Foto: TES

Continental Parkhotel, Lugano. Foto: TES

Nur das Hotel Furkablick hat noch eine Funktion, nämlich als Galerie. Neue Hoffnung gibt es für das Hotel Glacier du Rhône in Gletsch. Es ist geplant, dieses Grand Hotel nach einer Renovierung im Jahr 2025 wieder zu eröffnen. Es ist Teil der Wiederbelebung und Aufwertung der Grand Hotels, die seit Ende des 20. Jahrhunderts stattfindet.

Die 1995 gegründete Organisation Swiss Historic Hotels spielt dabei eine Rolle. Weitere Grand Hotels wie das Badrutt’s Palace, das Kulm Hotel  und das Suvretta House in St. Moritz, das Les Trois Rois in Basel, das Kurhaus in Bergün, das Bellevue in Scuol, das Montreux Palace, aber auch Hotels in kleineren Orten wie Maloja und Celerina sind nur einige Beispiele für die fast ungebrochene Kontinuität der Belle Époque, auch wenn nur wenige Hotels unabhängig geblieben sind.

Andere Grand Hotels, wie das Val Sinestra im Unterengadin, haben die Pracht der Vergangenheit für andere Zwecke genutzt. Viele Grand Hotels stehen jedoch leer und warten auf einen Investor.

Die Zukunft dieser Grand Hotels ist ungewiss. Dass die „Eisgrotte“ innerhalb von zwei Generationen verschwunden sein wird, davon kann mit grosser Gewissheit ausgegangen werden.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Gletscher und das Hotel Belvédère im Jahr 1980, Quelle: Gletscherlehrpfad. Foto:TES

Der Gletschersee gegenüber dem Hotel Belvédère. Foto: TES

Das Rhonetal. Foto: TES

Buochs, Demokratie und die Niederlande

Was haben das kleine Dorf Buochs (Kanton Nidwalden), Demokratie und die Niederlande miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Aber der Schein kann trügen. Nicht nur waren Louis Wyrsch oder Borneo Louis (1793-1858) und sein Sohn Alois (Louis) Wyrsch (1825-1888) viele Jahre lang in den Niederlanden und Niederländisch-Indien beschäftigt. Auch der andere Sohn von Borneo Louis, Jakob Konstantin Wyrsch (1842-1933), machte eine internationale Karriere.

Buochs, Evangelische Kirche, Grabstein von Louis Wyrsch (Borneo Louis)

Buochs, evangelische Kirche, Grabstein von Alois (Louis) Wyrsch

Buochs und die sogenannte Urschweiz (die Kantone Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden) sind heute auch ein demokratischer Spiegel für die Niederlande.

Buochs ist Geburtsort  des Malers Johann Melchior Wyrsch (1732-1798). Es ist auch sein Sterbeort, da er leider durch französische Soldaten im Jahr 1798 hingerichtet wurde. Frankreich war 1798 in die Eidgenossenschaft eingefallen, nachdem es bereits 1792 einen Teil des ehemaligen Bistums Basel annektiert hatte.

Die französischen Truppen eroberten Beckenried, Stans und Stansstad ohne grossen Widerstand. In Buochs kam es jedoch zu heftigen Kämpfen und sie töteten aus Rache viele Einwohner.

Pfarrkirche St. Martin und Pfarrhof

Johann Melchior Wyrsch, damals ein im In- und Ausland anerkannter Maler, wollte schlichten, wurde aber gnadenlos erschossen. Das Dorf ehrt ihn mit einer Statue. Das Nidwalder Museum widmet dem Künstler ausserdem bis zum 29. September 2024 eine Ausstellung.

Buochs, Bildhauer Hans von Matt (1899-1985), Standbild von Johann Melchior Wyrsch

Die Dörfer und Kantone am Vierwaldstättersee sind nicht nur für die Entstehung der heutigen Schweiz und ihrer einzigartigen direkten Demokratie von grosser Bedeutung.

Die Grandeur der Orte und die internationale Vernetzung vieler Einwohnerinnen und Einwohner zeugen auch von der wirtschaftlich und kulturell weltoffenen Vergangenheit und Gegenwart. Erst kürzlich fand auf dem Bürgenstock eine grosse internationale Konferenz statt.

Zu Unrecht wird diese Region in der Schweiz von gewissen Kreisen oft als „nationalistisch“, „rückständig“ oder „primitiv“ bezeichnet.

Beckenried

Politisch ist die Region  eher konservativ, aber gerade das ist ein gutes Gegengewicht zu dem oft opportunistischen und meist moralischen Überlegenheitsdenken bestimmter Kreise in den urbaneren Kantonen.

Die Urschweiz, das hat sie seit 1291 gegen Habsburg, Burgund, Frankreich, die italienischen Herzöge und die deutschen Kaiser und andere Führer bewiesen, hat keine Angst. Auch ihre Einwohner hatten auf allen Kontinenten Handel getrieben, studiert oder Krieg geführt.

Der politische Kompass dieser Urschweiz verdient mehr Respekt, auch in der Schweiz, auch wenn die Ergebnisse der direkten Demokratie und des Ständemehrs nicht allen gefallen.

Buochs

Schliesslich gibt es immer noch das oberste Bundesgericht, das in offensichtlichen Fällen von „Konservatismus“ (z.B.Appenzell Innerrhoden 1990) korrigieren kann.

Wird der allfällige neue Vertrag mit der Europäischen Union nicht dem obligatorischen Referendum unterstellt, begibt sich die Schweiz auf das (niedrige) politische Niveau der Niederlande, mit allen Konsequenzen.

Genf, Referendum, September 2022

So hat sich 2005 in den Niederlanden in einem Referendum über die Europäische Union eine überwältigende Mehrheit (62% gegen 37%) gegen eine weitere europäische Integration ausgesprochen.

Dies geschah nicht, weil diese Mehrheit gegen eine Europäische Union ist, sondern weil sie sich gegen  das Fehlen eines relevanten Mitspracherechts bei den wichtigsten Entscheidungen und Themen in dieser Europäischen Union ausspricht.

Dazu gehören u.a. der Euro und die bodenlose Transferunion, ein aktivistischer europäischer Richter und eine politisch geprägte Europäischen Zentralbank, unkontrollierte Einwanderung und offene Grenzen, immer mehr Eurokratie, Korruption und Schulden, immer weniger Demokratie, Transparenz und politische Verantwortlichkeit auf nationaler und europäischer Ebene.

Es war das erste nationale Referendum überhaupt. Bis dahin hatten die Bürgerinnen und Bürger noch nie die Möglichkeit gehabt, über die Entwicklung dieser Europäischen Union mitzubestimmen.

Bei nationalen und europäischen Wahlen war und ist die Europäische Union nie ein Thema, obwohl dann die weitreichendsten Entscheidungen getroffen werden – angeblich alternativlos – welche für die Bürgerinnen und Bürger einschneidende Konsequenzen haben.

Die Wahlbeteiligung lag bei fast 70 %, normalerweise sind es bei Europawahlen 30-40 %. Die Reaktion von Politikern, Medien, Wissenschaftlern und Bürokratie: Abschaffung des Referendums und Ignorieren des Ergebnisses.

„Hochgebildet“ sagt nichts über Mentalität, Weisheit und Integrität aus, und auch vermeintlich „weniger Gebildete“ sind in ihrem Tätigkeitsbereich Gebiet hochgebildet, vor allem in der Schweiz.

Die direkte Demokratie in der Schweiz ist nicht altmodisch, sondern modern und auf das Zeitalter der internationalen, technologischen und sozialen Entwicklungen zugeschnitten. Sie ist ein guter Gradmesser und ein Barometer für die Probleme und Engpässe in der Gesellschaft, die die Politiker nicht ignorieren können, wie es zum Beispiel in anderen Ländern geschieht.

Das heisst nicht, dass die direkte Demokratie ideal ist. Die „Inflation“ der Volksinitiativen und einige Ergebnisse mögen falsch oder manchmal problematisch sein. Aber genau das ist auch die Stärke des föderalen Modells, das auf Subsidiarität und Kompromiss beruht: Am Ende wird immer weiter diskutiert, und das Ergebnis ist in der Regel gut begründet, auch wenn der politische Prozess dadurch manchmal (zu) lange dauert.

Das Rütli

Fazit

Kaiser Heinrich VIII. (1278-1313) des Heiligen Römischen Reiches verlieh 1309 den Orten Uri, Schwyz und Unterwalden den Status einer unabhängigen Gerichtsbarkeit. Uri und Schwyz hatten den Status der Reichsunmittelbarkeit bereits im 13. Jahrhundert erhalten, Unterwalden 1309.

Die Verleihung der unabhängigen Gerichtsbarkeit (d.h. ohne Einmischung der „Fremden Richter„) und der Reichsunmittelbarkeit bzw. des Freistadtstatus für Bergdörfer (!) war einmalig im Heiligen Römischen Reich und ein Zeichen für deren Prestige.

Das städtische Erscheinungsbild dieser Dörfer (oder Flecken) entsprach diesem Status. Auch in der Schweiz könnte es vielleicht ein wenig mehr Wertschätzung für diese Gemeinden geben, auch wenn ihre politische Uhr anders tickt.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Buochs, Gemeinde Beckenried, Gemeinde Stansstad)

Impressionen von Buochs

Impressionen von Stansstad

Die Künstler Escher und Haas-Triverio in Italien (1922-1935)

Der niederländische Künstler Maurits Cornelis Escher (1898-1972) ist weltberühmt. Aber wer kennt schon Giuseppe Haas-Triverio (1889-1963)?

Dabei waren die beiden Künstler zwischen 1922 und 1935 eng befreundet und teilten ihre Leidenschaft für Italien und ihre Aufenthalte dort. Aufgrund der Diktatur in Italien und des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs trennten sich ihre Wege nach 1935 wieder.

Giuseppe Haas-Triverio und M. C. Escher auf einer Wanderung von Scanno nach Villetta Barrea, Abruzzen, 21. 5. 1929. Foto: M. C. Escher

 Josef Haas wurde 1889 in Sachseln (Kanton Obwalden) geboren. Als Autodidakt ging er schon in jungen Jahren nach Rom. Dort entwickelte er seine Talente, zunächst mit Ölgemälden und später zunehmend mit Holzschnitten. 

 Im Jahr 1919 heiratete er die Italienerin Secondina Triverio und Josef nannte sich fortan Giuseppe Haas-Triverio. Er gewann zunehmend an Anerkennung und eröffnete ein Atelier in Rom, wo er (angehende) Künstler und Künstlerinnen aus der Schweiz und Italien unterrichtete.

 Der in Arnheim geborene Escher studierte grafische Techniken bei Samuel Jessurun de Mesquita (1866-1944) in Haarlem. Anschliessend lebte er in Frankreich und Spanien, bevor er sich 1922 ebenfalls in Rom niederliess. Dort heiratete er 1924 die Schweizerin Giulia („Jetta“) Umiker (1897-1969). 

Ausstellungsimpressionen. Foto: Christian Hartmann

 Escher und Haas lebten und arbeiteten in Rom in fussläufiger Entfernung zueinander, und so entstand eine besondere Freundschaft.

  • Zusammen unternahmen sie bis 1935 fünf Arbeitsreisen durch Italien und nach Korsika. Haas führte darüber ein Tagebuch, Escher fotografierte und hielt die Reisen in seinen Agenden fest.

Manchmal waren sie auch jeder für sich unterwegs oder wurden von anderen Künstlern begleitet. Beide liessen sich auf jeden Fall von Italien, seinen Menschen, seiner Kunst und seiner Natur inspirieren. 

 Beide Tagebücher und die Bilder von Escher  sind erhalten geblieben und bilden zusammen mit den Kunstwerken der beiden Künstler den Ausgangspunkt für die Ausstellung „Gemeinsam Unterwegs. Giuseppe Haas-Triverio & M.C. Escher“ im Museum Bruder Klaus in Sachseln. 

Giuseppe Haas-Triverio, Stilo, 1931, Holzschnitt, 60 x 70 cm / 36 x 47 cm, Stiftung Giuseppe Haas-Triverio, Inv. HS 29.

Maurits C. Escher, Cattolica von Stilo, Kalabrien, November 1930, Lithografie, 22,6 x 29,7 cm (Escher 1986, Kat. 139), © The M. C. Escher Company, Baarn, Niederlande

 Die Ausstellung zeigt vor allem Holzschnitte der beiden Künstler und deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Letztere sind offensichtlich, da die Künstler oft zur gleichen Zeit die gleichen Objekte hatten.

 Haas schrieb dazu in seinem Tagebuch: „Mit dem holländischen Künstlerkollegen Maurits Cornelius Escher, der zehn Jahre jünger war als ich und auch auf dem Monte Verde wohnte, unternahm ich bis 1935 jedes Frühjahr Reisen nach Korsika, Malta, Sizilien, Kalabrien und in die Abruzzen“.

 Aufgrund des Gesundheitszustandes eines seiner Söhne zog Escher 1935 mit seiner Familie nach Steckborn (Kanton Thurgau) und später nach Château-d’Oex (Kanton Waadt).

Ausstellungsimpressionen. Foto: Christian Hartmann

Nach einem Aufenthalt in Belgien und nach der deutschen Besatzung kehrte er 1941 in die Niederlande zurück und lebte in Baarn.  

  • Für Haas bedeutete der Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Rückkehr nach Sachseln, wo er sich heimischen Sujets zuwandte und – im Unterschied zu Escher – zunehmend in Vergessenheit geriet.

 Der Katalog von Beat Stutzer, Gemeinsam Unterwegs. Giuseppe Haas-Triverio & M.C. Escher  (Sachseln, 2024) ist eine einzigartige Quelle über die Freundschaft der beiden Künstler und ihr Leben in Italien zwischen 1922 und 1935.

Impressionen von der Ausstellung