Carte Blanche und Zusammenarbeit am Bodensee

Die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) versteht sich als politisches Dach und Impulsgeber der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am Bodensee.

Die IBK besteht aus der Konferenz der Regierungschefinnen und -chefs sowie einem breiten Netzwerk aus Fachleuten der Verwaltungen der Länder Baden-Württemberg und Bayern (Deutschland), Vorarlberg (Österreich), der Kantone St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen, Zürich, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden (Schweiz) sowie des Fürstentums Liechtenstein.

Die IBK kooperiert mit weiteren grenzüberschreitenden Vereinigungen und Organisationen, etwa denen der Parlamentarierinnen und Parlamentarier und der Städte, den staatsvertraglich geregelten Kommissionen für Gewässerschutz oder Schifffahrt, mit dem Interreg-Programm Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein, dem Wissenschaftsverbund Vierländerregion Bodensee.

Gemeinsam mit ihren Partnern strebt die IBK an, dass die Bodenseeregion eine europäische Vorzeigeregion mit hoher Wirtschaftskraft, sozialer Gesinnung und Engagement für Nachhaltigkeit ist. Dazu pflegt sie auch die Vielfalt ihrer regionalen Kulturen und stärkt deren Zusammenhalt.

Mit der Carte Blanche bietet die IBK Fachleuten eine Plattform, auf der sie Impulse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit geben und ihre Visionen darlegen können.

(Quelle und weitere Informationen: Internationale Bodensee-Konferenz)

Siehe auch: Zusammenarbeit am Oberrhein

Le Landeron und die Natur

Vor der Gründung der Stadt Le Landeron gab es eine erste befestigte Stadt, Nugerol, die der Graf von Neuenburg als Verteidigung gegen das Bistum Basel errichten liess.

Nugerol wurde bereits im 12. Jahrhundert während des bewaffneten Grenzkonflikts zwischen Graf und Bischof zerstört. Im Jahr 1325 begann der Graf mit dem Wiederaufbau der zerstörten Stadt an einem neuen Standort. Er wählte eine Moräneninsel, Le Landeron.

Die neue Stadt liegt in kurzer Entfernung von der Zihl (la Thielle) und den Bieler und Neuenburger Seen und profitierte von den damals so wichtigen Wasserverbindungen.

Das 19. Jahrhundert markierte den Beginn der Neuzeit mit der Niederlassungsfreiheit, dem Wandel der politischen Institutionen durch die Gründung des Kantons Neuenburg (1815), der Entwicklung der Strassen- und Bahnverbindungen, den ersten Industrien, der Trockenlegung der grossen Sumpfgebiete nach der ersten Juragewässerkorrektion (1868-1891), der Entwicklung des Gemüseanbaus, der Landwirtschaft und des Weinbaus.

Der Bielersee (lac de Bienne)

Die Anwesenheit von malerischen architektonischen Zeugen der vergangenen Jahrhunderte und der Natur verleiht dem Landeron heute einen ganz besonderen Charme.

(Source: Die Schönsten Schweizer Dörfer, www.borghisvizzera.ch)

Mythos Chalet. Sehnsucht, Kitsch und Baukultur.

Was ist eigentlich ein «Chalet»? Gibt es Eigenschaften, die das gemütliche Holzhaus eindeutig zu einem Chalet machen? Ist es der Strickbau, das weit ausladende Dach? Sind es die Geranien vor den Fenstern, die geschnitzten Dachbalken? Oder ist das «Chalet» einfach nur Symbol und Sinnbild unserer Sehnsucht nach alpiner Natur und somit eine Erfindung, ein Mythos?

Einfache Hütten auf der Alp wurden in den französischsprachigen Regionen der Schweiz bis ins 18. Jahrhundert Chalet genannt. Im 18. Jahrhundert entstehen in England die ersten Landschaftsgärten. Gebäude aus aller Welt bereichern diese Gärten, auch der Typ der einfachen ‚Chalets‘ aus den Schweizer Bergen, welche die englischen Aristokraten als Touristen schätzen gelernt haben.

In der Schweiz kam der Chalet-Stil erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert zur Blüte. Sie wurden nun an die vornehme Kundschaft angepasst und vorfabriziert von Chaletfabriken in Katalogen europaweit angeboten. Ende des 19. Jahrhunderts entstehen in den rasch wächsenden Städten für vermögende Bürger neue Chalets.

Freilichtmuseum Ballenberg, Plakat Ende 19. Jahrhundert, Chalets zum Verkauf

Die Ausstellung in der Villa Patumbah hat drei Schwerpunkte: Sehnsucht, Kitsch und Baukultur. Sie zeigt, wie das Chalet zum romantischen Sehnsuchtsbild wurde und verfolgt den Weg des «Laubsägeli-Chalet» zum Exportschlager. Nicht zuletzt stellt die Ausstellung aktuelle Projekte vor, die das Chalet neu interpretieren.  Das Gelbe Haus Flims hat die Ausstellung konzipiert.

(Quelle und weitere Informationen: Schweizer Heimatschutz)

Der Basler Scheich Ibrahim ibn Abdallah

Eines der ersten ethnographischen Museen Europas befindet sich in Basel, ebenso wie diese Stadt das erste Gebäude eröffnete, das heute als Museum bezeichnet wird. Es überrascht nicht, dass viele Forscher und Kunstsammler aus der alten Eidgenossenschaft auf fünf Kontinenten tätig waren.

Es gibt in der Schweiz mehrere renommierte ethnografische Museen, Universitätsfakultäten und andere Institute. So befindet sich beispielsweise die grösste europäische Sammlung zur afghanischen Sprache und Kultur im Dorf Bubendorf (Kanton Basel-Landschaft).

Haus zum Kirschgarten heute

Aber es gibt nur einen einzigen Scheich, der aus Basel stammt und in Kairo begraben ist. Der wohlhabende Fabrikant Johann Rudolf Burckhardt (1750-1813) und seine Frau Sara Rohner (1761-1825) bezogen 1784 das Stadtpalais Haus zum Kirschgarten in Basel. Zu dieser Zeit war Basel die Stadt mit den meisten Einwohnern (15‘000) der Eidgenossenschaft.

Die Stadt war auch ein internationales Zentrum für Handel, Wissenschaft, Textilindustrie und weitere Industriezweige. Nicht zuletzt dank der Immigration der Hugenotten im 17. Jahrhundert blühten der Finanzsektor, die Industrie (einschliesslich der Textilindustrie) und das internationale Unternehmertum. Dies schlug sich auch in der Errichtung französisch orientierter Stadtpaläste nieder.

Eines dieser ersten Gebäude war der Markgräflerhof (1705). Es folgten u.a. der Ramsteinerhof (1732), das Weisse und das Blaue Haus am Rheinsprung (1762-1775), das Wildt’sche Haus am Petersplatz (1764) und 1780 das Haus zum Kirschgarten. Burckhardt gehörte zu den prominentesten Familien in Basel. Im Sommer hielt er sich oft am Genfersee bei Lausanne auf.

Anton Graff (1736-1813), Johann Ludwig Burckhardt im Alter von zwei Jahren. Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Dort stand er in Kontakt mit der höchsten englischen Aristokratie, Schriftstellern und Künstlern (u.a. Edward Gibbon (1737-1794) und Benjamin Constant (1767-1830)). Während eines Aufenthalts in Lausanne wurde Johann Ludwig Burckhardt (1784-1817) geboren. Es war die zweite Ehe von Johann Rudolf Burckhardt, der zuvor mit Anna Maria de Barry (1749-1808) verheiratet gewesen war.

Weder Johann Rudolf Burckhardt noch Sara Rohner konnten ahnen, dass sie 1784 einen zukünftigen Scheich zur Welt gebracht hatten. Zwar erhielten Johann Ludwig, sein Bruder Georg Rudolf (1783-1866) und seine Schwester Rosine Valerie (1786-1875) eine Ausbildung in Musik, (antiker) Kunst, Reisen und Sprachen, wie sie im Zeitalter der Aufklärung, der Salons und Gesellschaften üblich war, aber die arabische und orientalische Welt (damals von der Türkei beherrscht) war weitgehend Neuland.

Haus zum Kirschgarten heute

Und ohne die Französische Revolution und die französische Besetzung der alten Eidgenossenschaft wäre Johann Ludwig vielleicht auch Kaufmann und Lokalpolitiker in Basel geworden. Doch sein Vater war ein Gegner der Französischen Revolution und der Helvetischen Republik (1798-1803).

Deshalb schickte er Johann Ludwig auf das Gymnasium in Neuenburg, das damals vom König von Preussen als Fürst von Neuenburg regiert wurde. Preussen war ein Gegner Frankreichs und dessen revolutionären Expansion.

Johann Ludwig studierte dann von 1800 bis 1805 in Leipzig und Göttingen, bevor er 1805 nach London ging. Im Jahr 1808 schloss er sich der „British Association for Promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa“ an, um die Handelsroute von Kairo nach Timbuktu kartographisch festzuhalten.

Johann Ludwig war eine gute Wahl für die „African Association“. Er verband ethnologische, religiöse, geografische, kartografische, linguistische, historische und kommerzielle Interessen. In kurzer Zeit lernte er Arabisch und Türkisch und studierte den Koran. Er besuchte mehrere Städte in der Region, darunter Assuan, Esna, Amman, Kairo, Aleppo, Damaskus, Hama, Palmyra und Homs.

Er kleidete sich wie ein einheimischer Scheich und nannte sich Ibrahim ibn Abdallah. Er sammelte wertvolle arabische Manuskripte, die er nach seinem frühen Tod an der Universität Cambridge vermachte.

Johann Ludwig korrespondierte regelmässig mit seiner Familie. Die meisten dieser Briefe werden in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrt und wurden 1956 teilweise veröffentlicht. Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

„Meine Entdeckungen in Arabia petrae und an dem Nilufer von Egypten nach Dongola haben viel Aufsehen erweckt, und ich schäme mich wirklich, Dir alle diese Lobsprüche zu melden, mit welchen man mich von fallen Seiten in England überhauft“ (Brief an die Mutter, Kairo, 3.7.1815, Sammlung:Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Er bereiste Afrika mehrmals in Begleitung von Beduinen und veröffentlichte Nachrichten über deren Lebensweise und berichtete für die African Association. Er war einer der ersten Europäer, die Petra besuchten, reiste den Nil aufwärts und besuchte und erforschte Pyramiden und Gräber. Er war der erste Europäer, der über den Tempel von Abu Simbel schrieb.

Er besuchte Nubien und die arabische Halbinsel und nahm an der Hadsch in Mekka teil. Soweit bekannt, ist er der erste Europäer, der nach einem dreimonatigen Aufenthalt einen detaillierten Bericht über den Hadsch verfasste.

Urkunde von Sheikh Ibrahim für die Teilnahme am Hadsch. Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Anschliessend reiste er in den Sudan und in die wichtige Handelsstadt Schandi. Die Haupthandelsware bestand aus Afrikanern, die von anderen Afrikanern gefangen genommen und von Arabern als Sklaven an andere Araber und Türken verkauft wurden..

Es folgten Reisen nach Taif, Savakin, Dschidda, Medina, Suez, in die Wüste Sinai, an den Golf von Akaba, zum bereits berühmten Katharinenkloster und zum Berg Moses, dem Dschebel Musa.

Über seine zahlreichen Reisen, Erlebnisse und sogar Entdeckungen in der Zeit von 1810 bis 1817 veröffentlichte er regelmässig Berichte für die African Association . Er berichtete auch über Handelskarawanen, Handelswaren und Möglichkeiten für die englische Textilindustrie. Schliesslich war sein Vater ebenfalls Textilfabrikant und -händler und er wusste, wovon er sprach.

Seine Reisen 1810-1817. Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Ein Ziel erreichte er jedoch nicht. Aufgrund mehrerer lokaler Kriege und Epidemien war er nicht in der Lage, eine Karte für die Handelsroute von Kairo nach Timbuktu zu erstellen und die Möglichkeiten für den englischen Handel und die englische Industrie zu erkunden.

Seine wissenschaftlichen Verdienste, Veröffentlichungen und Berichte über andere Handelsmöglichkeiten waren jedoch von so hohem Niveau, dass die African Association Scheich Ibrahim jahrelang geduldig finanziell unterstützte. Ausserdem schickte er mehrere Artefakte nach London und ins Britische Museum, darunter die kolossale Statue des Ramses II.

Auch die türkischen Gouverneure in der Region waren von seinen Verdiensten beeindruckt und empfingen ihn mit grosser Pracht in ihren Palästen in Kairo, Damaskus, Taif und anderen Orten.

Doch Anfang Oktober 1817 schlug das Schicksal zu. Scheich Ibrahim erkrankte an einer Darminfektion und starb am 15. Oktober 1817 in Kairo. Der Scheich, Teilnehmer am Hadsch und geschätzter Gelehrter, Arabist und Orientalist, wurde nach islamischen Ritualen auf dem Friedhof Bab el Nasr beigesetzt.

Haus zum Kirschgarten, Inschrift der letzten Anweisung an Henry Salt

Kurz vor seinem Tod gab er dem englischen Generalkonsul Henry Salt (1780-1827) letzte schriftliche Anweisungen, darunter eine Nachricht an seine Mutter Sara Rohner.

Seine Reiseberichte, Reisetagebücher und seine Monografie über die Beduinen und Wahhabiten wurden nach seinem Tod in mehreren Sprachen veröffentlicht. Er stellte seine Erfahrungen und Eindrücke aus seiner humanistisch-wissenschaftlichen Erziehung und Herkunft in einen historischen, politischen und kulturellen Kontext ohne Vorurteile und Urteile dar. Aus diesem Grund sind seine Schriften immer noch aktuell.

Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Tatsächlich waren seine Schriften so wertvoll, dass der britische Geheimdienst sie noch im Zweiten Weltkrieg als Handbuch verwendete! Das jordanische Königshaus verlieh Scheich Ibrahim ibn Abdallah alias Johann Ludwig Burckhardt 1991 posthum einen hohen jordanischen Orden.

Sammlung: Historisches Museum Basel (Haus zum Kirschgarten)

Lawrence von Arabien (1888-1935) ist einem breiten Publikum bekannt, aber Scheich Ibrahim ibn Abdallah von Basel legte schon hundert Jahre früher den Grundstein für das Wissen über die arabische und orientalische Welt, Sprache und Kultur.

(Quelle und weitere Informationen: Haus zum Kirschgarten; G. Piller, D. Suter (Red.), Scheich  Ibrahim. Der Basler Kaufmannssohn und seine Reisen durch den Orient, Basel 2017)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Sebastian Gutzwiller (1798-1872), um 1830, Johann Ludwig Burckhardt. Sammlung: Historisches Museum Basel/Haus zum Kirschgarten

Ein Manuskript für den Fürstbischof von Basel

Eine mittelalterliche Handschrift aus Basel für Fürstbischof Johannes von Venningen (1409-1478) wurde 2023 von der Gottfried-Keller-Stiftung erworben. Dieses für das jurassische Kulturerbe wichtige Dokument ergänzt eine Sammlung von drei Handschriften, die im Alten Archiv der Kantonsbibliothek in Porrentruy (Pruntrut) aufbewahrt werden.

Er wurde 1458 zum Bischof gewählt und ist vor allem dafür bekannt, dass er die Ajoie (Elsgau oder Pruntruter Zipfel) und Porrentruy von den Grafen von Montbéliard (Mömpelgard) gekauft hat. Das liturgische Manuskript wurde 1462 angefertigt.

Er war auch der erste Kanzler der Universität Basel, als diese 1460 gegründet wurde. Diese Handschrift ist der fehlende Teil eines vierbändigen Werks, deren andere drei in Porrentruy aufbewahrt werden. Die lateinische Handschrift aus den Jahren 1462-1463 ist in gotischer Schrift mit brauner, blauer und roter Tinte auf Pergament geschrieben.

Das Manuskript, das sich ursprünglich in der Bibliothèque du Collège des Jésuites in Porrentruy befand, tauchte erstmals im Jahr 2000 wieder auf. Am 29. März 2023 wurde sie von der Gottfried-Keller-Stiftung gekauft.

Das alte Archiv der Kantonsbibliothek des Juras (le Fonds ancien de la Bibliothèque cantonale jurassienne) stellt die Handschrift Forschern und anderen Interessierten zur Verfügung. Beschreibungen und digitalisierte Faksimiles sind auf der Plattform e-codices.ch zu finden.

(Quelle und weitere Informationen: République et Canton du Jura)

Der St. Martinstag, die Fasnachts-Ausstellung und 10 Jahre Kooperation

Am 8. November 2014 haben das Museum der Kulturen Basel und der Verein Basler Fasnachts-Welt beschlossen, dass die Ausstellung «Basler Fasnacht» im Museum jeweils von Donnerstag bis Sonntag offen zugänglich ist.

Das Museum stellt dazu die Ausstellung und seine Infrastruktur zur Verfügung, während der Verein die Aufsicht übernimmt.  So ist die Fasnachtsausstellung während des ganzen Jahres zugänglich, und gleichzeitig wird sie von kompetenten und fasnachtsaffinen Aufsichten betreut.

Rund 45 .000 Besucherinnen und Besucher haben bisher die Gelegenheit genutzt, dieses einzigartige UNESCO-Weltkulturerbe  vertieft kennenzulernen oder in Erinnerungen zu schwelgen.

Die Ausstellung «Basler Fasnacht» präsentiert einen Einblick in die Geschichte der modernen Fasnacht, wie sie in den vergangenen rund 100 Jahren gewachsen ist, in Form einer Fasnachts-Wohnung mit mehreren Räumen, die thematisch gegliedert sind.

Die Ausstellung hat jeweils von Donnerstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet und kann zu einem reduzierten Eintrittspreis im Museum der Kulturen Basel separat besichtigt werden.

(Quelle und weitere Informationen: Museum der Kulturen Basel)

Fasnacht 2022

Eindrücke aus der Ausstellung

Das ehemalige Kloster Rheinau und die Museuminsel Rheinau

Die Kelten bewohnten die Halbinsel Rheinau (Kanton Zürich) am Rhein schon Jahrhunderte vor der römischen Herrschaft (ab 13. v. Chr.). Die Lage am linken Rheinufer und die Halbinsel boten gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen die Germanen am rechten Ufer. Die Mauern der Siedlung (lateinisch oppidum) standen bis zu ihrem Abriss im Jahr 1840 aufrecht.

Nach dem Abzug der römischen Truppen im Jahr 410 zogen die Alemannen in das Gebiet ein. Es folgten die fränkischen Herrscher der Merowinger und Karolinger. Sie gründeten das berühmte Kloster Reichenau (im Untersee, dem unteren Teil des Bodensees) im Jahr 724 und die Abtei Rheinau im Jahr 778.

Die romanischen Kirchen St. Peter und Paul, St. Maria, St. Markus und St. Georg mit den berühmten Wandmalereien auf der Klosterinsel Reichenau wurden zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert von deutschen Königen und späteren Kaisern des Heiligen Römischen Reiches, den Nachfolgern der Karolinger, erbaut.

Diese Fakten sind insofern von Bedeutung, als sie den gemeinsamen Kulturraum dieser Region am Rhein weiter unterstreichen. Die Bistümer Chur und Konstanz hatten in dieser Region viel (politischen) Einfluss und Besitz.

Bis 1803 gehörte auch Klein-Basel, der rechtsrheinische Teil von Basel, zum Bistum Konstanz. Die Diözesen Chur und Konstanz unterstanden seit 843 demselben Erzbistum, nämlich Mainz. Erst seit Napoleon ist dieser Kulturraum durch nationale Grenzen getrennt.

Das Kloster Rheinau war bis 1455 eine eigenständige Abtei. In diesem Jahr übernahm die Eidgenossenschaft aus acht Kantonen die Schirmherrschaft, die eigentliche Aufsicht (und den militärischen Schutz).

Im Jahr 1529 wurden das Kloster und die Kirche während der Reformation geplündert, aber drei Jahre später in katholischem Glanz wiederhergestellt, was im Umfeld der reformierten Kantone an sich schon bemerkenswert ist. Das Kloster erlebte sogar eine Blütezeit.

Die heutige Klosterkirche wurde 1710 geweiht. Sie ist eine der schönsten Barockkirchen der Schweiz. Die Kirche wurde im Stil von Vorarlberg (Österreich) entworfen: eine siebenjochige Halle mit Pilastern, das Querschiff und der Chor sind leicht erhöht und durch ein Gitterwerk vom Kirchenschiff für die Laien getrennt.

Beim Betreten der Kirche beeindrucken die prächtigen Seitenaltäre und der Hauptaltar, die dreischiffige Sakristei und das nussbaumfarbene Chorgestühl am Ende der Kirche.

1798 marschierte Napoleon in die damals aus 13 Kantonen bestehende Eidgenossenschaft ein. Er gründete zuerst die Helvetische Republik (1798-1803) und dann eine Konföderation mit neunzehn Kantonen (1803-1813).

Rheinau und sein Kloster wurden 1803 dem Kanton Zürich zugeteilt. Der Kanton schloss das Kloster jedoch 1862. Die Klostergebäude wurden in eine psychiatrische Klinik umgewandelt. Aus der Klosterkirche wurde eine Pfarrkirche. Nach 1945 wurde die Klinik im Kloster geschlossen, und die Klostergebäude standen lange Zeit leer. Nur das Haus der Stille einer kleinen Gruppe von Nonnen ist bis heute erhalten geblieben.

Im Jahr 2007 wurde die Stiftung Musikinsel Rheinau gegründet.  Nach einer gründlichen Renovation und der Zahlung der Miete an den Kanton bietet die Musikinsel Rheinau jungen Musikern und Musikerinnen aus aller Welt Übungs- und Studienräume. Das Projekt ist sogar so erfolgreich, dass die Stiftung weitere leer stehende Gebäude einbeziehen und die Kosten für die Renovierung übernehmen will.

Diese Gebäude sind jedoch auch für ein anderes Projekt vorgesehen: ein Museum. Dieses Museum soll die Geschichte der Kelten, des Klosters und der Klinik darstellen. Das Museum ist ein Projekt des Vereins Inselmuseum Rheinau.

Der Kanton stimmte diesem Ziel zu und finanzierte 2014 die Machbarkeitsstudie für dieses Projekt. Das Ergebnis war positiv, und es wurde ein Projekt- und Finanzierungsplan vorgelegt. Die Einrichtung eines historischen Museums im ehemaligen Abteigebäude ist jetzt vorgesehen.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Rheinau, Rathaus

Der deutsche Rheinufer

Der Rhein schert sich nicht um Grenzen.

Habsburg, Aargau, Burgen, Fricktal, Hellikon, Natur und Geoffrey Boltwood

Im Jahr 1415 eroberte die Eidgenossenschaft (damals bestehend aus Bern, Zürich, Luzern, Zug, Uri, Unterwalden, Schwyz, Glarus) den Aargau, das Stammland der Habsburger. Daran erinnern das Dorf Habsburg und das Schloss bei Brugg.

Den ganzen Aargau? Nein, das Fricktal blieb bis 1798 (Helvetische Republik 1798-1803) im Besitz der Habsburger. Dies ist auch der Grund, weshalb das Fricktal während der Reformation katholisch blieb. Im Jahr 1803 wurde das Fricktal Teil des neuen Kantons Aargau der neuen Eidgenossenschaft (1803-1813) mit 19 Kantonen.

Zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert gründete der Alamanne Hello eine Siedlung, die Hellinghofen genannt wurde. Diese Ortsbezeichnung rundete sich im Laufe der Zeit zum Hellikon (Kanton Aargau) ab. Eine Urkunde erwähnte 1209 erstmals den Ortsnamen ‚Hellickonn‘. Als Teil des österreichischen Fricktals wurde Hellikon 1803 in den neu geschaffenen Kanton Aargau integriert. Im Dorf stehen drei römisch-katholischen Kapellen, obwohl der Kulturkampf 1873 auch Hellikon mit voller Wucht ergriff und eine Kirchenspaltung die Einwohnerschaft entzweite. 1898 genehmigte der Grosse Rat die Gründung der christkatholischen Kirchgemeinde.

Sein katholischer Charakter zeigt sich auch in den vielen Kreuzen, Kapellen und anderen religiösen Objekten.

Auf dem Martinsweg Wittnau, der sich über mehrere Kilometer erstreckt, befinden sich die Kirche St. Martin, die Lourdesgrotte, der Besinnungsweg, die Kapelle Buschberg, der Martinsbrunnen und eine weitere kleine Kapelle. Übrigens waren bereits die Kelten von diesem Gebiet religiös inspiriert, und mehrere Grabhügel sind als solche identifiziert worden.

Die Kapelle, das Kreuz und der Mühlstein

Die Buschbergkapelle bei Wittnau entstand 1668. Das Mirakelbuch des Benediktinerklosters Mariastein berichtet, dass die Beine des Müllers Benedikt Martin von einem Mühlstein zerquetscht wurden.

Das Wunder geschah, er stand auf und setzte seinen Weg fort. Aus Dankbarkeit stellte er ein meterhohes Kreuz auf dem Buschberg auf, der zu einem Wallfahrtsort wurde. Bis 1868 war der Zustrom so gross, dass eine Kapelle gebaut wurde und 2003 wurde der 6,5 Kilometer lange Martinsweg angelegt.

Die Inspiration ging so weit, dass der Engländer Geoffrey Boltwood am 21. November 1994 an diesem Ort ein neues, auf Erdklängen basierendes Energiezentrum eröffnete.

Er hatte bereits ein ähnliches Zentrum in England eröffnet, und nach seinen Angaben liegt die Kapelle auf einer Energielinie (der Ley Linie), die romanische, gotische und Wallfahrtsorte, darunter Einsiedeln im Kanton Schwyz, mit Glastonbury in England verbindet.

Die Burg Alt-Thierstein

Unabhängig davon hat die Region aber auch eine andere, weniger friedliche Seite. Die Ruinen der Burgen Alt Thierstein, Neu Thierstein, Alt Homberg, Pfeffingen und Farnsburg erzählen von dieser Geschichte. Die Grafen von Thierstein waren bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1519 bedeutende Landesherren im Heiligen Römischen Reich.

Das Basler Münster, Katharina, Markgräfin von Baden, geborene Gräfin von Thierstein

Das Basler Münster, Graf Rudolf von Thierstein

Diese religiösen und historischen Tatsachen behindern jedoch nicht die moderne, kulturelle, industrielle und soziale Entwicklung des Kantons.

Flugschule und Motorfluggruppe Fricktal (LSZI Fricktal-Schupfart), Vieh und Flugplatz Schupfart im Fricktal wie ein natürliches Ensemble

Die Rauchschwaden des Kernkraftwerks Gösgen, die vielen Musik-, Kunst- und Wissenschaftszentren, die multinationalen Unternehmen (u.a. ABB) und der Rhein als moderner Verkehrs- und Handelsweg prägen diese Region und das Fricktal im Besonderen.

Das Kraftwerk Gösgen

Der Rhein

Ein Steinbruch mit Jura-Kalkstein

Jurapark Aargau

Wie fast überall in der Schweiz steht dies in vernünftigem Einklang mit dem Naturschutz und der landwirtschaftlichen Tätigkeit.

Früher wurden steinige Lebensräume durch Naturereignisse wie Überschwemmungen, Hangrutsche und Bergstürze geschaffen. Aber auch in der bewirtschafteten Kulturlandschaft wurden Steine aus Äckern und Wiesen entfernt und auf einen Haufen geworfen oder zu Trockenmauern aufgeschichtet. Da diese Steinhaufen den Einsatz von Maschinen behindern, sind sie immer seltener anzutreffen. Mit der Neuanlage von Steinhaufen versucht man, diese zu erhalten. Sie werden von Insekten, Reptilien, Schmetterlingen und vielen anderen Tieren benutzt und bieten Sonnenplätze, Unterschlupf, Nahrung, Vernetzungselemente und Lebensraum. (Im Laufe der Zeit wachsen auf den Steinen Algen, Flechten und Moose, siehe auch: Naturschutzverein Hellikon).

Der schöne Jurapark, das Naturschutzgebiet Tiersteinberg mit seinem Dschungelpfad, die vielen Wanderwege über Berge, durch dichte Wälder, Wiesen und Täler mit ihren vielen Bächen, die schöne Kirschblüte im Frühling und die Silhouetten der Hochstammbäume im Herbst sowie die vielen gepflegten Rastplätze prägen dieses Gebiet.

Der Fricktaler Chriesiwäg

Der Dschungelpfad

Ausserdem gibt es immer irgendwo in der Nähe eine Gaststätte in einem schönen und gut gepflegten Dorf oder unterwegs, und das Postauto steht auch immer zur Verfügung.

Rotenfluh, Kanton Basel-Landschaft. 

Die Postfiliale, Hermes, der Götterbote, mit Wappen und Farben des Kantons Basel-Stadt ! 

Quelle und weitere Informationen:  Aargau toerisme

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land.

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Die Burg Rötteln und Markgräflerland als Symbol der jahrhundertalten Beziehungen zwischen den beiden Rheinufern

Rötteln gehört heute zu Lörrach, einer Stadt in Baden-Württemberg, nahe Basel am anderen Rheinufer. Das ehemalige Dorf Rötteln, nicht zu verwechseln mit dem wenige hundert Meter entfernten Weiler Röttelnweiler, war bis 1503 eines der wichtigsten Verwaltungszentren in dieser Region.

Die Markgrafen von Baden, Namensgeber des Markgräflerlandes, und ihre Vorgänger, die Freiherren von Rötteln, residierten jahrhundertelang (ca. 1100-1503) auf der Burg Rötteln.

Rötteln

Von dort aus beherrschten sie nicht nur das Wiesental und andere badische Gebiete, sondern auch lange Zeit die Grafschaft Neuenburg, die rechtsrheinischen Besitzungen des Basler Klosters St. Alban sowie Teile des Elsass, der Franche-Comté und des Herzogtums Burgund.

Das  Südtor der Burg

Die Burg Rötteln heute

Darüber hinaus spielten die Markgrafen und ihre Vorgänger eine Rolle im europäischen Machtgefüge mit dem Herzogtum Burgund, Frankreich, Habsburg und dem Heiligen Römischen Reich, verschiedenen Bistümern (u.a. Konstanz, Basel, Mainz, Strassburg, Besançon), mächtigen Abteien (u.a. St. Blasien, St. Gallen, St. Alban und Säckingen), einzelnen Ständen der Eidgenossenschaft (vor allem Bern und Solothurn), den Grafen von Rheinfelden, den Herzögen von Zähringen und anderen Herrschern.

Markgräflerland rund um 1556. Bild: Wikipedia

Mit der Stadt und dem Bistum Basel waren die Beziehungen sehr eng. Basel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Mitglied der Eidgenossenschaft. Erst nach dem Schwabenkrieg und dem Frieden von Basel (1499) wurde die Stadt 1501 Mitglied.

Die Burg Rötteln wurde im sogenannten Niederländischen Krieg (1672-1678) von französischen Truppen zerstört. Die Ruine thront jedoch noch heute majestätisch auf einer Anhöhe mit Blick auf das Elsass, das Wiesental, das Markgräflerland und Basel.

Die Burg in der Topographia Alsatiae

Sammlung: Burgmuseum Rötteln

Die Grösse und das Ansehen der Bewohner der Burg Rötteln werden auch in der Beschreibung im dritten Band (Topographia Alsatiae) der Topographia Germaniae von Matthäus Merian (1644) deutlich.

Die Burg taucht als einer der ‚vornehmbsten Oerther‚ auf. Die beiden anderen Bände der Topographia Germaniae waren dieTopographia Helvetiae und die Topographia Sueviae.

Um die Geschichte der Burg, der Familie Rötteln und ihrer Erben, der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, zu verstehen, muss man nicht nur den Rhein überqueren, sondern auch über die heutigen Landesgrenzen von Frankreich, der Schweiz und Deutschland hinaus schauen.

Die Freiherren von Rötteln

In einer der ältesten Urkunden der Abtei St. Gallen wird im Jahr 751 eine Villa Raudinleim (leim für Lehm und Rau für Rot) erwähnt. Die Familie Rötteln erscheint erstmals in einem Text (1083) des Basler Bischofs Burkhard von Fenis (1040-1107). Der Bischof ernannte Theodericus aus dieser Familie zum Schirmvogt der rechtsrheinischen Besitzungen des Klosters St. Alban.

In den folgenden Jahrhunderten erwarb dieses Geschlecht immer mehr Besitzungen im Wiesental und baute eine Reihe weiterer Burgen, unter anderem in Minseln, Schopfheim, Brombach, Wies, Lörrach (damals ein Dorf) und Nordschwaben. Eine Seitenlinie, das Geschlecht der Rotenberger, baute in dieser Region Burgen in Hammerstein, Rotenberg, Steinen und Hasel.

Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Besonders intensiv waren die Kontakte wie gesagt mit dem Bistum und der Stadt Basel. Die Herren von Rötteln gehörten zum „inneren Kreis“ von Stadt und Bistum. Sie nahmen nicht nur an den prestigeträchtigen Turnieren am Münster teil, sondern stellten auch drei Bischöfe (Walter, Liutold II. und Liutold III.).

Rötteln Wappen am Strebepfeiler der nördlichen Aussenwand des Basler Münsters  

Links das Neuenburger Wappen

Die Dynastie starb jedoch 1316 aus, und es begann die Ära der Markgrafen von Hachberg-Sausenberg. Diese Familie starb wiederum 1503 aus, aber sie machte Rötteln in fast zwei Jahrhunderten zum Verwaltungszentrum der Markgrafschaft von Baden.

Basler Münster, Katharina,  Markgräfin von Baden

Hauptzugang zur Oberburg mit dem Wappen der Familie von Hachberg-Sausenberg

Die Abgrenzung vom nördlichen Teil der Markgrafschaft und die Vervollständigung des Markgräferlandes fanden 1444 nach dem Erwerb von Badenweiler statt.

Das Geschlecht der von Hachberg-Sausenberg und sein Nebenzweig, die Hochberger, erwarben nicht nur die Grafschaft Neuenburg, sondern auch Gebiete in der Franche-Comté und das Herzogtum Burgund. Nicht zuletzt wegen der engen Kontakte zu den Herzögen von Burgund wurde die alte mittelalterliche Burg um 1470 im damals führenden burgundischen Stil umgebaut.

Der „Marquis de Rothelin“ war  unter anderem auch im diplomatischen Dienst der Herzöge von Burgund tätig und als Statthalter von Luxemburg um 1470, davor als Bischof von Konstanz und Schirmherr des Konzils von Basel (1431-1439) und lange Zeit als Vermittler zwischen Habsburg und der Eidgenossenschaft sowie zwischen Burgund und Frankreich.

Die romanische Kirche in Rötteln wurde 1403 im gotischen Stil umgebaut und war die letzte Ruhestätte dieser Dynastie. Die Anlage hatte damals eher den Charakter eines Stifts mit einer Schule und Wohnhäusern und Gebäuden. Die Geistlichen übernahmen u.a. Verwaltungsaufgaben für den Markgrafen.

1503-1678

Die Erben und neuen Markgrafen von Baden verlegten nach 1503 ihre Residenzen nach Norden, nach Baden-Baden, Rastatt und schliesslich Karlsruhe. Die Burg Rötteln blieb jedoch bis 1678 Oberamt des Markgräflerlandes der Markgrafschaft. Die Zerstörung der Burg im Jahr 1678 bedeutete jedoch das Ende der Burg, sowohl physisch als auch als Verwaltungssitz.

Es begann die Ära von Lörrach. Dieser Ort hatte schon zu Zeiten der Freiherren von Lörrach Bedeutung.

Obwohl die Lage Lörrachs günstig war, kam die wirtschaftliche Entwicklung wegen der Nähe zu Basel nicht in Gang. Der Ort hatte bereits 1403 das Marktrecht erhalten, blieb aber ein wirtschaftlicher und politischer Zwerg. Die Markgrafen auf der Burg Rötteln duldeten keine politische Konkurrenz.

Die Zerstörung der Burg Rötteln führte jedoch zu einer Aufwertung Lörrachs. Im Jahr 1678 erhielt die Stadt die Stadtrechte und wurde Verwaltungssitz des Oberamtes.

Fazit

Die Geschichte  der  Burg Rötteln ist die Geschichte dieser Region des Elsass, Badens und Basels. Viele Aspekte können in diesem kurzen Beitrag nicht behandelt werden, darunter die Beziehungen zu anderen Geschlechtern (z.B. Reich von Reichenstein, Münch, Rotberg), Dörfern und Städten (u.a. Inzlingen, Schopfheim, Kandern, Hausen, Rottweil), Abteien, Bistümern und Städten.

Kandern

Diese Ruine, die vom Röttelnbund e.V. Haagen gepflegt wird, ist das Symbol jahrhundertelanger wirtschaftlicher, politischer, religiöser und sozialer Verflechtungen und Verbindungen auf beiden Seiten des Rheins.

Quelle und weitere Informationen: R. Wagner, U. Brachthäuser, M. Volk (Red.), Burg Rötteln. Herrschaft zwischen Basel und Frankreich, Neulingen, 2020; Das Markgräfler Museum in Müllheim)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Eindrücke aus der Ruine und Umgebung

Weinbau (Kaiserstuhl) im Markgräflerland

Das Markgräfler Museum in Müllheim

Diemtigen, toskanische Säulen, Wakkerpreis, Häuser, Landwirtschaft und Naturpark

Die meisten Dörfer in der Schweiz bieten eine oder mehrere historische, kulturelle, architektonische oder natürliche Attraktionen. Diemtigen (Kanton Bern) hat alle vier.

Der Name Diemtigen ist abgeleitet von „Thenno“, „Thietmar“ oder „Diemo“, einem alemannischen Namen. In einer Urkunde von 1257 wird das Dorf als Eigentum des Bischofs von Sitten erwähnt, der die Burg (castrum) von Diemtigen in jenem Jahr an den Grafen von Kyburg übertrug. Bern erwarb die Region und das Dorf im Jahr 1439.

Die an das Simmental angrenzende Gemeinde Diemtigen besteht heute aus den Dörfern Oey (Verwaltungszentrum), Diemtigen, Bächlen, Horben, Riedern, Entschwil, Zwischenflüh und Schwenden.

Oey und der Chirel

Das Dorf ist der Namensgeber des Diemtigtals, eines wunderschönen Naturparks mit Blick auf die Alpen, zumindest, wenn sie sich nicht wie die griechischen Götter gelegentlich hinter einem Nebelschleier verstecken. Das Tal grenzt an das Simmental.

Dieser griechische Einfluss zeigt sich unter anderem in den toskanischen Säulen eines Wohnhauses, vielleicht die einzigen toskanische Ordnung Holzsäulen der Welt. Auf jeden Fall zeigt auch dieses Haus jahrhundertealtes Fachwerk.

Nicht umsonst wurde diesem Dorf 1986 der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes verliehen. Die monumentalen Holzhäuser und Bauernhöfe sind das Ergebnis einer jahrhundertealten Simmentaler Baukultur, Holzverarbeitung, Handwerkskunst und Heimatpflege.

Die Niklauskapelle

Die Niklauskapelle hat romanische Fundamente aus der Zeit um das Jahr 1000. Im Jahr 1314 erscheint die Kirche in Urkunden. Um 1490 wurde die Kirche im gotischen Stil renoviert, 1527 erfolgte die Reformation. Die letzte (barocke) Erneuerung fand im 17. Jahrhundert statt. Paul Zehnder (1884-1973) malte 1915-1917 die Wandmalereien im Jugendstil.

Nationalpark, Land- und Forstwirtschaft

Die Gemeinde Diemtigen (130 km2) liegt mitten im Nationalpark und verfügt mit 100 bewirtschafteten Alpen über eine der grössten landwirtschaftlichen Nutzflächen des Landes.

Von besonderer Bedeutung in dieser Landschaft ist auch das 600 Hektar grosse Waldreservat. Wie vielerorts in der teilweise dicht besiedelten Schweiz gehen auch im Diemtigtal Naturschutz, Pflege und Respekt vor Flora und Fauna, Tourismus und wirtschaftliche Nutzung Hand in Hand.

Der Schweizer Alpen-Club

Der Schweizer Alpen-Club (SAC/Club Alpin Suisse, CAS) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch Wanderungen und weitere Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Diemtigen)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

 Eindrücke aus dem nebligen Diemtigtal