Die Basler Fasnacht, ihre Laternen und Sujets

Am Montag, den 10. März um 04.00 Uhr, läutet die Martinskirche die Basler Fasnacht mit dem Morgenstreich (Morgestraich) ein. Dieses UNESCO-Kulturerbe (seit 2017) hat im Laufe der Jahrhunderte viele Veränderungen erfahren und verändert sich immer noch.

Sammlung: Museum der Kulturen Basel

Das Museum der Kulturen Basel, das Fasnachtskomité (und seine jährliche Ausgabe Rädäbäng) und verschiedene andere Publikationen bieten umfassende Informationen über dieses jahrhundertealte, aber doch zeitgemässe Kulturgut.

Das französische Wort für Fasnacht ist «Carnaval de Bâle». Interessanterweise besteht das Vokabular der Fasnacht zu einem erheblichen Teil aus französischen Wörtern (Cortège, Clique, Chaise, Repertoire, Requisit, Sujet zum Beispiel), aber im Französischen gibt es das Wort Fasnacht nicht.

Abgesehen vom französischen Einfluss kannte die Fasnacht (bis 1924 auch als Fastnacht geschrieben) bis 1909 sogar den aus Deutschland stammenden Prinz Karneval und deutsche Wörter. Seitdem empfangen die Cliquen Frau Fasnacht.

Die Pfarrerin empfängt Frau Fasnacht in der Elisabethenkirche am Sonntagmorgen vor Fasnacht, Fasnacht 2024

Die heutige Fasnacht mit ihrem baseldeutschen Vokabular nahm insbesondere nach der Gründung des Fasnachtskomités (Faasnachts-Comitée) im Jahr 1910 Gestalt an. Dieses Komité (auch ein französisches Wort) entstand auch aus dem 1858 gegründeten Verein Quodlibet. Quodlibet hat heute nur noch eine Aktivität: Bridge!

Laterne ‚Das Quodlibet den Schweizer Turnern, Quodlibet, um 1885. Sammlung: Museum der Kulturen Basel

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen die Laternen (Ladäärne/Lampe) mit dem Sujet (Süschée) der Cliquen. Die Laterne ist eine Art grosser, rechteckiger Lampe mit dem Thema und Text einer Clique. Diese Laternen haben sich mittlerweile zu wahren Kunstwerken entwickelt.

Alte Laternen der Clique Verschnuuffer

Die Mitglieder einer Clique bestimmen jedes Jahr das Sujet. Eine spezielle Kommission arbeitet das Projekt dann aus. Die Themen beziehen sich meist auf lokale und nationale Ereignisse, Politik und Veranstaltungen (dieses Jahr zum Beispiel der Eurovision Song Contest, ESC) in Basel sowie auf internationale Politik, Persönlichkeiten oder aktuelle Themen.

Inszenierung eines Ateliers. Sammlung: Museum der Kulturen Basel

Die Laternen sind so gross, dass sie meist in Werkstätten hergestellt werden. Mitglieder, aber auch Künstler und spezialisierte Ateliers, arbeiten daran mit. Auch andere Attribute der Fasnacht, wie Masken (Larven), Kostüme und weitere Gegenstände, werden von Mitgliedern oder Dritten hergestellt. Die Cliquen finanzieren diese Projekte mit Unterstützung des Fasnachtskomités (durch den Verkauf von Fasnachtsplaketten (Blaggedde).

Am Sonntagnachmittag vor dem Morgenstreich präsentieren die Cliquen ihre Laterne den Mitgliedern im Vereinslokal. Anschliessend werden sie unter einer Verhüllung vom grossen oder kleinen Pfeifercorps der Clique zum Abfahrtsort des Morgenstreichs transportiert, oder, besser gesagt, gepfiffen.

Ein paar Minuten vor 04.00 Uhr werden die Laternen beleuchtet.  Am Dienstagabend können Hunderte von Laternen und ihre Sujets auf dem Münsterplatz besichtigt und bewundert werden. Am Donnerstagmorgen um 04.00 Uhr sind die Fasnacht und ihre Laternen wieder Kunstgeschichte.

(Quelle und weitere Informationen: Museum der Kulturen Basel)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke vom Münsterplatz

Der Bischof von Bazel war auch in Istein und Schliengen in Baden

Das Fürstbistum Basel (nicht zu verwechseln mit der Diözese, der religiösen Macht des Bistums) erstreckte sich vom Jahr 1000 bis zur französischen Invasion 1792 über das Gebiet des heutigen Frankreichs, der Schweiz und Deutschlands. Tatsächlich war es eines der grössten und mächtigsten Bistümer nördlich der Alpen.

Istein

Davon zeugen nicht nur Basel, Pruntrut (Porrentruy) ab 1529 und Arlesheim (ab 1678), sondern auch Orte im heutigen Frankreich und Deutschland. Der Bischof war ein treuer Verbündeter der Habsburger (im Gegensatz zum Bischof von Konstanz!).

Verschiedene Besitztümer, Burgen und Wohnpaläste des Bischofs oder seiner Verbündeten waren jahrhundertelang deren Wohnsitz oder Verteidigungsposition.

Gemeinde Schliengen

Der französische König Ludwig XIV. (1638-1715) war der erste Franzose, der diese Macht einschränkte. Doch sein Landsmann Napoleon (1769-1821) setzte der weltlichen Macht des Bischofs (und des Heiligen Römischen Reiches) ein Ende.

Dennoch sind Erinnerungen an den langen Aufenthalt des Bischofs von Basel noch an vielen Orten in Deutschland sichtbar, z. B. in Schliengen (Wasserschloss Entenstein), Altingen, Mauchen, Steinenstadt, Istein und Huttingen (Baden-Württemberg), die jahrhundertelang im Besitz des Fürstbischofs von Basel waren.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Schliengen; Istein (Gemeinde Efringen-Kirchen)

Istein, der Isteiner Klotz, Fort Istein und die St. Veits-Kapelle

Die Isteiner Schwellen

Der Schweizerische Bridgeverband ist 75 Jahre alt und feiert dies am 19. März

Das Kartenspiel Jass stammt aus einer anderen Republik, nämlich der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen,  die im 16. Jahhundert auf dem Gebiet der Niederlande entstand.

Söldner der Eidgenossenschaft im Dienste der Republik führten das Spiel im späten 17. Jahrhundert in der Schweiz ein. In den Niederlanden wird das Spiel „Klaverjassen“ genannt.

Bridge hat sich erst Jahrhunderte später, in den 1920er Jahren, entwickelt. Bridge wird überall auf der Welt Bridge genannt und macht seinem Namen alle Ehre, gesellschaftlich, spielerisch und multikulturell.

Viele Berühmtheiten treffen und trafen sich am Bridgetisch: Winston Churchill, Dwight D. Eisenhower, Mae West, Martina Navratilova, Bill Gates, Omar Sharif, James Bond, Hercule Poirot, Snoopy, Gandhi, Nehru oder W. Somerset Maugham, um nur einige Persönlichkeiten zu nennen.

Das weltberühmte und beliebte Kartenspiel wird jedoch meist von einfachen Bürgern gespielt, in Clubs und privat. Die Fédération Suisse de Bridge (FSB) wurde am 18. März 1950 in Genf gegründet, daher der französische Name.

Die ersten Mitgliederclubs kamen aus Baden, Zürich, Biel, Freiburg, Winterthur, Genf, Bern, Neuenburg und Lausanne. Das FSB-Büro befand sich zunächst in Lausanne. Seit 1996 befindet sich das Büro in Zürich.

Quelle: Archiv FSB

Der FSB gibt viermal im Jahr die Zeitschrift „Bulletin“ heraus, organisiert und koordiniert die nationalen und regionalen Wettbewerbe des FSB, verfolgt die Ergebnisse und FSB-Punkte der Clubturniere, initiiert oder unterstützt Kurse, z.B. Mini-Bridge und Petit-Bridge für Kinder, verschiedene Turniere (vier „Cups“ für verschiedene Gruppen und nationale Meisterschaften) und wirbt für Bridge als interessantes, geselliges und öffentlich zugängliches Kartenspiel für (sehr) Jung und (sehr) Alt, bei dem Spass, Denken und Geselligkeit Hand in Hand gehen.

Jung gelernt ist alt getan und nur wenige bereuen es auch, später im Leben damit angefangen zu haben. Viele fanden und finden noch immer Trost im Bridge. W. Somerset Maugham (1874-1965), zum Beispiel, hielt Bridge für „das unterhaltsamste und intelligenteste Kartenspiel, das der menschliche Verstand bisher ersonnen hat. Wenn alles andere versagt – Sport, Liebe, Ehrgeiz – bleibt Bridge ein Trost und eine Unterhaltung“.

Um das 75-jährige Jubiläum mit seinen Tausenden von Mitgliedern zu feiern, organisiert der FSB am 19. März 2025 ein Turnier für seine Mitglieder in den Clubs der 26 Kantonen, das unter dem gemeinsamen Namen „Bridge“ gespielt wird. Auch in dieser Hinsicht verbindet Bridge nicht nur die multikulturelle und viersprachige Schweiz, sondern auch Europa und den Rest der Welt!

(Quelle: P. van Zinnicq Bergmann, Het Bridge Epos, Amsterdam 2010)

Christiaan Huygens, die Spiralfeder, die Uhrenindustrie und Zeitmessung

Am 20. Februar 2025 fand im Musée International d’Horlogerie (MIH) in La Chaux-de-Fonds (Kanton Neuenburg) ein gedenkwürdiges Ereignis statt.

Joost Albers, Vorsitzender der Stiftung Haegsche Tijd, während der Eröffnungsrede der Ausstellung ‚Innovation in Bewegung. 350 Jahre Spiralfeder‘

Am 25. Februar 1675 veröffentlichte die französische Zeitschrift Journal des Sçavans einen Artikel über eine bahnbrechende Entdeckung und Anwendung für Uhrwerke: die Spiralfeder (le spiral réglant) von Christiaan Huygens (1629-1695).

Das niederländische Ensemble La Sfera Armoniosa spielte Kompositionen seines Vaters Constantijn Huygens (1596-1687) unter den Augen von Christiaan (siehe unten).

Huygens lebte zu dieser Zeit als Forschungsdirektor der Académie Royale des Sciences in Paris. Dieser Spiralmechanismus war und ist für die Uhrmacherei und die präzise Zeitmessung von grundlegender Bedeutung. Diese Erfindung war der Höhepunkt einer langen Suche mehrerer europäischer Wissenschaftler.

Isaac Thuret (1630-1706) stellte 1675 in Paris die erste Uhr mit Spiralfeder her, soweit bekannt. Sammlung: Bert Degenaar. Die Sammlung Planetarium Zuylenburgh (Oud-Zuilen).

Journal des Sçavans mit dem Entwurf der Spirale von Christiaan Huygens. Sammlung: Bibliothèque publique et universitaire de Neuchâtel. Rechts: Modernes Modell der Spirale. Sammlung: Restaurierungszentrum Musée International d’Horlogerie.

In ihrer Welthauptstadt und in Zusammenarbeit mit der Stiftung Haegsche Tijd erinnert die Uhrenindustrie an dieses immer noch unverzichtbare Stück einer Uhr in der viersprachigen Ausstellung „‚Innovation in Bewegung. 350 Jahre Spiralfeder‘ “ (L’innovation en mouvement. 350 ans du ressort spiral) mit einzigartigen Uhrwerken und Dokumentationen aus dieser Zeit.

In einem demnächst erscheinenden Artikel über dieses Treffen werden Einzelheiten zur Funktionsweise und Anwendbarkeit der Spiralfeder behandelt.

Christiaan Huygens (sitzend links) im Kreise anderer Gelehrter seiner Zeit. Wandmalerei Musée International d’Horlogerie

(Quelle und weitere Informationen: Musée International d’Horlogerie; Stichting Haegsche Tijd)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus der Ausstellung

Bernard Vaillant (1632-1698), Christiaan Huygens, 1686

Aktuelle niederländische Horlogerie in der Ausstellung. Das Planetarium von Christiaan van der Klaauw im Uhrenformat.

Bauernkrieg, Reformation, Wiedertäufer und eidgenössische und deutsche Verfassungen im Jahr 1525

Der Friede von Basel (1499) kam in einer Zeit grosser Veränderungen zustande. Obwohl historische Vergleiche zumeist anachronistisch sind (wie auch oft die heutige Kritik an unseren Vorfahren), ist es dennoch interessant, die Zeit um 1500 (Humanismus-Renaissance) mit der Zeit um 2000 (zu früh für eine Bezeichnung) zu vergleichen.

Neue Kommunikationstechniken und der Buchdruck (1500), digitale Medien und künstliche Intelligenz (2000), Entdeckung neuer Kontinente (1500), Erforschung des Universums (2000), (radikale) Reform- und Protestbewegungen von Protestanten, Bauern und Bürgern (1500) oder von Präsidenten (USA), Bürgern und Bauern (verschiedene europäische Länder (2000), Angst vor anderen Religionen/Ländern – Osmanisches Reich (1500)oder Angst vor Einwanderung, Russland und Terrorismus (2000), Opposition Kirche, Adel, städtische Eliten – Land (1500), Opposition städtische Hochgebildete – Land (2000).

Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Das Dreiländermuseum in Lörrach präsentiert die Ausstellung „Umbrüche“. Sie behandelt den Aufstand von 1525 im Zusammenhang mit der Reformation und insbesondere der Bewegung der Wiedertäufer.

Der Titel „Umbrüche“ ist, wie oben kurz angedeutet, eine Charakterisierung dieser Zeit. Die Privilegien von Adel und Kirche, oligarchische Stadtverwaltungen, kirchliche Missstände und Armut, Hunger und Perspektivlosigkeit für die Mehrheit der Bevölkerung (damals Bauern) bildeten den Nährboden für den Bauernkrieg von 1525.

Holzschnitt um 1500. Die drei Ränge: links die Kirche (betend), rechts der Adel (schützend) und unten die Bauern (arbeitend). Private Leihgabe

Die Reformation von 1517 war jedoch die ideologische Initialzündung für den Aufstand:

„Hier liegt die These nahe, dass in der Radikalisierung der reformatorischen Bewegung der revolutionäre Aspekt des Bauernkriegs zu suchen ist. Der Bauernkrieg war eine Massenbewegung. Getragen wurde sie vom Schwung der evangelischen Bewegung, deren Ziele in Bezug auf die Abschaffung des geistlichen Standes die Empörer mit radikalen Mitteln umzusetzen suchten. Überdies zielte der Aufstand mit einem großen Spektrum von Beschwerden und Forderungen“, G. Schwerhoff, der Bauernkrieg, S. 581/583).

Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Bestehende Machtstrukturen von Kirche, Adel und  Bürgertum in den Städten wurden zur Zielscheibe von Bauern und Unzufriedenen in den Städten und Gemeinden. Die Reformatoren wollten jedoch keine Veränderung der sozialen Strukturen, sondern lediglich eine Reform der Kirche.

Während die Reformatoren in religiösen Fragen oft zerstritten waren (Martin Luther und Huldrych Zwingli zum Beispiel), waren sie sich in der (sehr) gewaltsamen Unterdrückung der Bauern einig. Ihrer Ansicht nach verdienten die Wiedertäufer die gleiche Behandlung wie die Bauern, weil diese religiöse Bewegung ebenfalls die bestehenden Machtstrukturen in Frage stellte.

Folglich wurden die Wiedertäufer und die (protestantischen) Bauern zu Verbündeten. Obwohl die Wiedertäufer formell Gewalt ablehnten, stellten sie sich in diesem Krieg mit Waffen manchmal auf die Seite der Aufständischen.

Katholische und evangelische Gebiete in der Eidgenossenschaft um 1700. Diese Situation bestand seit etwa 1530. In den katholischen Gebieten blieb es 1525 ruhig. Bild: Historisches Museum Baden (CH)

Der Bauernkrieg von 1525 und die Wiedertäufer in der Eidgenossenschaft

Der Bauernkrieg, der weite Teile Mitteleuropas und insbesondere Südwestdeutschland und das Elsass in Brand setzte, begann mit der Reformation in Zürich.

Huldrych Zwingli führte um 1524 die Reformation in Zürich ein. Der Widerstand gegen die Kirche und die „richtige“ Auslegung der ins Deutsche übersetzten Bibel bekamen bald eine soziale Dimension. Die Bauern sahen im Protestantismus den Anstoss für einen sozialen Wandel hin zu mehr Demokratisierung und einer Änderung der Privilegien der Grundbesitzer.

Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Die Bauern organisierten sich, und mit Hilfe des Buchdrucks verbreitete sich der Aufstand so schnell wie die Reformation. In mehreren Kantonen, vor allem in den Kantonen Bern, Zürich, Schaffhausen, Solothurn und Basel, kam es zu Unruhen, Plünderungen und bewaffneten Aufständen.

Der Ittinger Klostersturm vom 18. Juli 1524 (die Plünderung der Kartause Ittingen damals ein Untertanengebiet der Eidgenossenschaft), ist eines der berüchtigten Beispiele. Es ist kein Zufall, dass die Aufstände in den genannten Kantonen stattfanden. Sie waren bereits oder wurden bald protestantisch. Dies gilt sogar für Solothurn, das immerhin auch kurzzeitig protestantisch war. In den katholischen Kantonen blieb es meist ruhig.

Kartause Ittingen heute

Der eidgenössische Pragmatismus, die Kompromissbereitschaft, verbunden mit einer massvollen Repression, führte zu einem raschen Ende der Unruhe. Die Bauern erhielten einige Zusagen, was die Unzufriedenheit jedoch nur teilweise  besänftigte (siehe z.B. den Bauernaufstand von 1653 oder die Spaltung des Kantons Basel 1833). Alles in allem funktionierte das Kompromissmodell aber recht gut im Verhältnis zu den umliegenden Regionen.

Nur gegenüber den Wiedertäufern blieben die Positionen bis weit ins 18. Jahrhundert hinein unversöhnlich, obwohl  die Zahl der Hinrichtungen nicht so hoch war wie in anderen Ländern.

Der römisch-deutsche König und Kaiser, die sieben Kurfürsten links und rechts neben dem „Imperator“ und Orten des Heiligen Römischen Reiches. Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Bauernkrieg und Wiedertäufer in Deutschland und im Elsass

Der Aufstand der Bauern (ca. 80 % der Bevölkerung) breitete sich schnell auf die rechtsrheinischen Gebiete im Südwesten Deutschlands und von dort auf die nördlichen Gebiete und das Elsass aus.

Die Motive, die Rolle der Reformation und der Reformatoren sowie die Forderungen waren dieselben. Diese wurden  in den „Zwölf Artikeln von Memmingen“ vom 15. März 1525 zusammengefasst.

Die Zwölf Artikel von Memmingen und das Originaltitelblatt. Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Nach heutigen Massstäben waren es moderate und vernünftige Forderungen. Für die protestantischen und katholischen Machthaber waren es jedoch „ketzerische“ Ansichten, die die von Gott geschaffenen sozialen Strukturen in Frage stellten. Anders als bei der Eidgenossenschaft handelte es sich bei den Herrschern in dieser Region  um Adelsgeschlechter und Monarchen, die zu keinerlei Kompromissen bereit waren.

Der Schwäbische Bund, von dem bereits in einem früheren Artikel die Rede war, wandte sich nun gegen seine Untertanen. Die schlecht trainierten und bewaffneten Bauern waren den gegnerischen Armeen nicht gewachsen. Nach anfänglichen Erfolgen und Plünderungen von Klöstern, Kirchen, Schlössern und anderen Einrichtungen erlitten sie eine Niederlage nach der anderen.

Die Herrscher waren auch nachher gegenüber diesen Aufständischen meistens ebenso rücksichtslos wie gegenüber den Wiedertäufern.

Choreografin und Tänzerin Marie da Silva thematisiert in einer Videopräsentation mit Schülern der Lörracher Tanzschule „Art & Dance“ das Thema „Umbrüche“.

 Fazit

Die Ausstellung im Dreiländermuseum befasst sich insbesondere mit den Motiven und dem Verlauf des Bauernkriegs, der Reformation und der Rolle der Wiedertäufer.

Das Museum versucht, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. Es tut dies jedoch nicht aus einem anachronistischen Blickwinkel heraus, sondern lässt die Besucher selbst interpretieren und entscheiden.

In der Eidgenossenschaft war der Bauernaufstand von kurzer Dauer und verlief relativ friedlich. Dasselbe gilt für die Reformation, obwohl sie zu einer Spaltung in (streng) katholische und (streng) protestantische Kantone oder zu Spaltungen in Städten, Familien und Kantonen führte, mit einigen Exzessen in den Jahren 1529, 1531,1656, 1712 und schliesslich 1847.

Auch die Verfolgung der Wiedertäufer war relativ milde, obwohl sie auch in der Eidgenossenschaft nicht geduldet wurden. Darin waren sich katholische und protestantische Kantone einig.

Der dezentrale Aufbau der Eidgenossenschaft, die Landsgemeinden und das Fehlen von Monarchen und damit verbundenen Dynastien verhinderten Schlimmeres. Auch die friedliche Teilung von Appenzell (1597), das Simultaneum in Glarus und anderen Orten und die Duldung von protestantischen oder katholischen Gemeinden in den Kantonen weisen darauf hin.

Zudem war die Eidgenossenschaft ein Bündnis von gleichberechtigten katholischen und protestantischen Kantonen. Das protestantische Bern und das katholische Freiburg arbeiteten zum Beispiel in einigen Bereichen eng zusammen. Das protestantische Basel erlebte nur eine kurze Phase der Unterdrückung der Katholiken (1529-1533).

In Deutschland und im Elsass war die politische Organisation trotz der zahlreichen freien Reichsstädte (d. h. Städte mit Reichsunmittelbarkeit) anders. Mehr als hundert Jahre später (1618-1648, 1672-1697, 1702-1714) war diese Region erneut in dynastische Konflikte verwickelt, die weitgehend an der Eidgenossenschaft vorbeigingen.

Die Belagerung von Molsheim im Elsass im Jahr 1610. Das Elsass war bis 1648 habsburgisches Gebiet, hatte aber katholische und protestantische Gebiete. Auf diesem Kupferstich (um 1615) belagern protestantische Truppen die katholische Stadt Molsheim. Sammlung: Dreiländermuseum Lörrach

Um mit dem Anfang dieses Beitrags zu enden. Auch in der Gegenwart gibt es Entwicklungen, die ängstlich und unsicher machen. Doch wie ein Staatsmann um 1976 verkündete, „rien ne dure sans les institutions“.

In dieser Hinsicht haben sich die alte Eidgenossenschaft und die neue Konföderation von 1848 bereits in mehreren Krisen als das am wenigsten schlechte politische System erwiesen.

Die heutige Bundesrepublik Deutschland ist eine relativ neue Kreation mit einer  besonderen Erweiterung nach 1989.  Angesichts ihrer Grösse, ihrer Vergangenheit und der Integration eines ehemals kommunistischen Landes ist sie ebenfalls ein Beispiel für das am wenigsten schlechte politische System.

Es ist bedeutungsvoll, dass das Dreiländermuseum der ersten grossen organisierten Revolte in Deutschland Aufmerksamkeit schenkt und sie in den Zusammenhang mit der Reformation und insbesondere den Wiedertäufern stellt. Denn jede Protest- oder Reformationsbewegung hat eine Reihe von Ursachen, das galt um 1500 und das gilt auch heute.

(Quelle und weitere Informationen: Gerd Schwerhoff, Der Bauernkrieg. Geschichte einer wilden Handlung, München, 2024; Dreiländermuseum Lörrach)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Dornach 1499 und die Eidgenossenschaft um 1500

«Dornach 1499»  Dokumentarfilm (45 Min. ) von Francis de Andrade (Idee und Produktion) und Moritz Willenegger (Script und Regie)

Die nördlichen Regionen der heutigen Schweiz gelangen im 15. Jahrhundert in einen überraschenden Bürgerkrieg mit dem Habsburgerreich entlang der heutigen Grenzen. Worum es geht und was damals geschah erfahren Sie in dieser Dokumentation. 

Inhalt des Dokumentarfilms:

  • Politische Situation und Entwicklung der alten Eidgenossenschaft innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Moderne Erkenntnisse historischer Forschung stehen dabei im Fokus.
  • die heute noch erhaltenen Spuren, Ruinen und Baudenkmäler aus dem Konflikt (Schwabenkrieg/Schweizerkrieg) einem Flächenbrand des 15 Jahrhunderts welcher auch auf dem Gebiet der Eidgenossenschaft ausgetragen wurde
  • Söldnerwesen als Exportprodukt der Eidgenössischen Orte
  • Konkurrenz zwischen den Eidgenossen und Schwaben auf dem europäischen Söldnermarkt
  • Heini Wollebs Biographie als exemplarisches Beispiel eines Berufskriegers im Kontext seiner Zeit
  • Politischer und wirtschaftlicher Kontext des Schwaben – bzw. Schweizerkriegs
  • Erinnerungskultur und Bedeutung der Schlacht von Dornach in der modernen Schweiz
  • Bedingungen und Auswirkungen des „Frieden zu Basel“
  • Die Formung der 13-örtigen Eidgenossenschaft und kurzeitiger Auftritt als Grossmacht in den Renaissance- Kriegen

«Dornach 1499» Film-Link auf Youtube

(Quelle und weitere Informationen: www.nextattention.com)

Centre Dürrenmatt Neuchâtel 25 ans-Jahre

Im Jahr 2025 feiert das Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) sein 25-jähriges Bestehen. Das Beginn der Feierlichkeiten ist am 21. Februar. Das Programm wird nach und nach auf der Website des CDN enthüllt.

Am 14. Dezember 1990 starb der deutschsprachige  Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) in französischsprachig Neuchâtel (Neuenburg), wo er fast 40 Jahre lang in der idyllischen Umgebung des Vallon de l’Ermitage gelebt und gearbeitet hatte.

Das von Mario Botta erbaute Centre Dürrenmatt, welches das alte Wohnhaus von Friedrich Dürrenmatt integriert, wurde im Jahr 2000 eröffnet. Es hat den Zweck, das Bildwerk von Friedrich Dürrenmatt zu sammeln, zu erhalten und bekannt zu machen.

Die Bibliothek. © Foto: Centre Dürrenmatt Neuchâtel/Pino Musi

Regelmässig finden Wechselausstellungen zu Künstlern statt, bei deren Tätigkeit das Visuelle und das Schriftliche ineinandergreifen. Als Ort der Reflexion und des Austauschs organisiert das Centre Dürrenmatt Kolloquien, Vorträge und Dichterlesungen, die in thematischer Verbindung zum Werk Friedrich Dürrenmatts stehen.

Das Centre Dürrenmatt Neuchâtel (CDN) gehört zur Schweizerischen Nationalbibliothek. Seinen literarischen Nachlass hatte Dürrenmatt 1989 der Schweizerischen Eidgenossenschaft vermacht und damit die Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs in Bern im Jahr 1991 veranlasst.

Die Ausstellung. © Foto: Centre Dürrenmatt Neuchâtel/Pino Musi

Das CDN verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, welcher die Wechselbeziehungen zwischen Literatur und bildender Kunst am Beispiel Dürrenmatts untersucht und in einen weiteren Zusammenhang stellt.

Dank seinem vielseitigen Programm und der wissenschaftlichen Unterstützung des Schweizerischen Literaturarchivs erfüllt das CDN eine wichtige Brückenfunktion zwischen der deutschen und der französischen Schweiz. Neuchâtel is eben zweisprachig im Vallon de l’Ermitage.

(Quelle und weitere Informationen: Centre Dürrenmatt Neuchâtel)

Das Büro. © photo: Centre Dürrenmatt Neuchâtel/Pino Musi

Erasmus van Rotterdam ein bisschen mehr Erasmus von Basel

Am Freitag, 7. Februar, präsentierte der Donker Uitgeverij aus Rotterdam im Kollegienhaus der Universität Basel die vollständige niederländische Ausgabe der Korrespondenz von Erasmus. Der Verleger wies darauf hin, dass diese Arbeit mehr als 20 Jahre gedauert hat, eine Geduldsarbeit also.

Vordere Reihe, von links nach rechts: Mustafa Atici (Regierungsrat Kanton Basel-Stadt), Karin Mössenlechner (Botschafterin des Königreichs der Niederlande), Jos Donker-Exler (Donker Uitgeverij), Alice Keller (Direktorin der Universitätsbibliothek Basel), Christine Christ-von Wedel (Historikerin, Erasmus-Expertin). Hintere Reihe, von links nach rechts: Andrea Schenker-Wicki (Rektorin der Universität Basel), Peter Saarloos (Donker Uitgeverij), Noah Regenass (Leiter historische Sammlungen der Universitätsbibliothek Basel)

Das ist auch ganz im Sinne von Erasmus, der ja am 24. April 1492 im Dom zu Utrecht zum Priester geweiht wurde. Danach war er nicht als Priester tätig, sondern arbeitete wie „ein Mönch in einem Skriptorium“ an unzähligen Briefen, Studien, Übersetzungen, Büchern und anderen Schriften.

Wer nicht im Briefwechsel mit Erasmus stand, zählte zu seiner Zeit nicht wirklich. Er korrespondierte mit Kaisern, Königen, Päpsten, Bischöfen, Gelehrten, Humanisten, Magistraten, Reformatoren, Protestanten und Katholiken. Erasmus hielt sich in mehreren Ländern auf, in den Niederlanden, Italien, England, Belgien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich.

Dr. Christine Christ-von Wedel, Jos Donker-Exler und ein Mitarbeiter des Donker Verlags vor dem Haus der Verleger-Drucker Johannes und Hieronymus Froben

Er veröffentlichte nicht nur sehr viel (auf Latein und Griechisch), sondern stiess auch auf grosses Interesse. Auch seine Verleger Johannes und Hieronymus Froben in Basel, damals das humanistische, intellektuelle und Buchzentrum Europas, konnten gut davon leben.

Diese 21-bändige Ausgabe wurde Bibliotheken in den genannten Ländern vorher schon angeboten. Basel ist der passende Abschluss dessen, was man auch eine Reise in den Spuren von Erasmus nennen könnte. Denn in Basel hat er sich am längsten aufgehalten, und hier ist er auch gestorben und 1536 begraben worden.

Erasmus‘ Grabmal im Münster mit Kommentar von Christine Christ-von Wedel (unten) und Peter Saarloos (oben)

Erasmus‘ gesellschaftliches Engagement, sein Humanismus und seine Lebensphilosophie leben weiter und bleiben eine Quelle der Inspiration und Orientierung. Rotterdam hat ihn auf vielfältige Weise geehrt: mit einer Universität (Erasmus-Universität), der Erasmusbrücke, Statuen, Strassennamen und verschiedenen anderen öffentlichen Ehrungen.

Diese 21-bändige Ausgabe würde den bescheidenen Gelehrten und schreibenden ‚Mönch‘ am meisten erfreuen. Erasmus van Rotterdam ist wieder ein bisschen mehr auch Erasmus von Basel. Immerhin hat Erasmus sein Münster und seine 21-bändige Korrespondenz in niederländischer Sprache in Basel!

Jos Donker-Exler (l) und Karin Mössenlechner (r). Im Hintergrund die Grabstätte von Erasmus

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Der Hasenbergturm, Kloster Wettingen, Rheinschwimmen und Schweizer Holz

Paris hat seinen Eiffelturm (errichtet 1889), aber der Hasenberg hat den Hasenbergturm. Obwohl dieser Turm (Gemeinde Widen, Kanton Aargau) wesentlich niedriger (40 Meter) und jünger (2021) als der Eifelturm (312 Meter, 1665 Stufen bis zur Spitze) ist und weniger Stufen hat (210), überragt er diesen wegen seiner Lage auf 714 Metern Höhe bei weitem.

Ein weiterer Unterschied ist die Holzkonstruktion aus Tannen und Fichten aus den Wäldern des Aargaus. Die Treppe hingegen ist aus Stabilitätsgründen aus Stahl gefertigt. Im Nebel hat auch die Umgebung etwas Märchenhaftes an sich.

Der Eiffelturm bietet eine schöne Aussicht auf die Stadt des Lichts und der Liebe, der Hasenbergturm hingegen blickt (ohne Wolken) auf die Innerschweizer Alpen, die Ostschweiz und Bern.

Und es ist nicht nur das Alpenpanorama, das sich bietet. Auch mehrere umliegende Dörfer sind (ohne Nebel) zu sehen. Dabei geraten auch das rasante Wachstum und die Bebauung der letzten 50 Jahre ins Blickfeld.

Die schmelzenden Gletscher gibt es schon lange, etwa seit 10.000 Jahren. Die kahlen, tristen Felsen der trocken gefallenen Gletscher sind weniger auffällig als die imposanten Massen aus Eis und Schnee.

Tatsache ist auch, dass auf dem Hasenberg keine Skirennen und Skispringen mehr stattfinden. Bis 1960 gab es sogar eine Skisprungschanze auf dem Hasenberg!

Aber in grossen Höhen sind die Gletscher keine reiche Quelle für Flora und Fauna. Vielleicht wird sich das mit dem weiteren Temperaturanstieg ändern, doch auch Gletscher haben ihr Leben, das mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist. Gletscher sind auch für die Wasserversorgung wichtig.

Die rasche Bebauung von Tälern bedeutet jedoch einen direkten Rückgang von Flora und Fauna und ist kein natürlicher Prozess. Dort gibt es meist keinen oder nur noch wenig Platz für Blumen, Pflanzen und Tiere.

Fotografien von Dörfern in der Region verdeutlichen diese Entwicklung. Vor allem die explosionsartige Zunahme der Zahl der Menschen auf dieser Erde, die sich seit 1800 verzwanzigfacht hat, stört Flora und Fauna.

Naturschurzgebiet Egelsee

Egelsee

Nicht weit von diesem Ort entfernt liegt der Egelsee. Dieser See, der von einem grossen Moor umgeben ist, entstand vor etwa 10 000 Jahren aus dem Wasser des schmelzenden Linth-Rhein-Gletschers.

Es ist also nicht so neu, dass die Gletscher nur heute schmelzen. Die Täler werden ausserdem viel schneller mit Strassen, Häusern, Geschäftsgebäuden, Flughäfen, Eisenbahnen und anderer Infrastruktur aufgefüllt, als die Gletscher schmelzen.

Der Mensch hat einen (unbestimmten) Einfluss auf das Schmelzen der Gletscher, aber es bleibt ein natürliches Phänomen. Die Kultivierung der Erde ist jedoch kein natürliches Phänomen, sondern ausschliesslich ein menschlicher Eingriff.

Vielleicht ist es auch der Masterplan der Natur für einen Zeitraum von ein paar hunderttausend Jahren. Die Natur hat Zeit, und dann wird etwas anderes kommen. In der Zwischenzeit dreht sich der Planet einfach weiter.

Stiftung Haus Morgenstern

Der Hasenbergturm überragt auch den Morgenstern-Komplex. Ursprünglich war es ein Ferienort für Kinder und während des Zweiten Weltkriegs ein Auffanglager für polnische Soldaten und Flüchtlinge. Heute verwaltet die Stiftung Haus Morgenstern diese Gebäude für Menschen mit Behinderungen.

Die St. Niklauskapelle (1621, umgebaut 1843) auf dem Hasenberg für geistige Ruhe in unsicheren Zeiten

Das jahrhundertealte Restaurant Rüsler liegt auf dem Rüdlersberg (Gemeinde Neuenhof), der Teil der Heitersbergkette ist. Diese Strasse verbindet das Reusstal mit dem Limmattal.

Kloster Wettingen

Das ehemalige Zisterzienserkloster Wettingen ist ein passender spiritueller Abschluss einer Wanderung von Widen nach Wettingen. Die Limmat fliesst hier seit rund 10.000 Jahren (eine für die Natur sehr kurze Zeit).

Das ehemalige Kloster auf der Halbinsel wurde 1227 gegründet und 1841 aufgelöst. Im 21. Jahrhundert ist das eine „Ewigkeit“. Die Schöpfung des Egelsees und der Limmat bieten jedoch die richtige Perspektive aus der Sicht von Erde und Natur.

Die Grubenmann-Brücke im Jahre 1795. Sammlung: SNM LM-81832. Der internationale Ruhm reichte bis nach England.

Die ursprüngliche hölzerne Grubenmann-Brücke verband Neuenhof seit 1765 mit Wettingen. Französische Soldaten zerstörten die Brücke im Jahr 1798. Ein Wiederaufbau erfolgte 1818 mit einer kürzeren Holzbrücke und einer Eisenbrücke (1886 erneuert). Das Gebäude auf der linken Seite war die Spinnerei des Klosters.

Rheinschwimmen von Basel nach Zürich über Fischtreppen

Die Fischtreppe bei Wettingen

Die Limmat

Schweizer Holz

Rund 10% des industriellen Schweizer Holzes stammt aus dem Kanton Aargau. Rund die Hälfte der Schweizer Flora und Fauna lebt im Wald. Auch beim Holz gibt es ein Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur.

Die Wälder im Naturschutzgebiet Egelsee werden jedoch nicht mehr zur Holzgewinnung genutzt. Dies entspricht dem Plan des Kantons, der Natur auf 7% der Waldfläche völlig freie Hand zu lassen.

In diesen Gebieten werden die Bäume viel älter. Buchen können bis zu 350 Jahre alt werden, Eichen bis zu 1 000 Jahre. In der Holzproduktion werden die Bäume nie älter als 100 Jahre!

Aber auch diese alten Riesen haben kein ewiges Leben, sondern bieten danach Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von neuem Leben, den „Kreislauf des Lebens“ im Naturschutzgebiet Egelsee.

Der Namensgeber des Berges und des Turms

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land.

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.

(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Der Schwaben-, Tiroler-, Engadiner- oder Schweizerkrieg, die Geschichte einer mitteleuropäischen Region

 Vier Namen für ein und denselben Konflikt symbolisieren die komplexe Geschichte der Schweiz. Der Krieg von 1499, oder besser gesagt eine Reihe von Schlachten entlang des Alpen-, Hoch- und Oberrheins, im Tirol, im Sundgau, im Jura und in Graubünden, leitete eine neue Phase in den Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft, Habsburg, Vorderösterreich und den schwäbischen Städten ein. Andererseits bestätigte sie den Status quo der Beziehungen zwischen der Eidgenossenschaft, Habsburg und dem Heiligen Römischen Reich.

Der Schwabenkrieg. Bild: Marco Zanoli/Wikipedia

Propaganda und Berichterstattung spielten schon damals eine grosse Rolle. Der Buchdruck war noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert alt, aber die Druckerpresse war eine wichtige „Waffe“. Die Schweizer Chronik (1500) von Nikolaus Schradin und die Luzerner Chronik (1513) von Diebold Schilling (1460-1515) sind die bekanntesten Beispiele.

Nikolaus Schradin, Holzschnitt 23, f. 81, Dornach, 22. Juli 1499, Sursee 1500. Sammlung: Zentral Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung

Die Chronik von Schradin unterscheidet sich in einem Punkt von anderen Quellen: Sie behandelt den Konflikt von seinem Beginn (Tirolerkrieg oder Engadinerkrieg) bis zu den letzten Kriegshandlungen (Schwabenkrieg oder Schweizerkrieg). Er veröffentlichte seine Chronik bereits am 14. Januar 1500, nur vier Monate nach dem Frieden von Basel. Die Chronik beginnt wie folgt:

“Chronigk disz kriegs gegen dem allerdurchlüchtigsten herrn Römischen konig als ertzrhertzogen zu Osterich vnd dem schwebyschen pundt dero sich das heylig Romisch rich angenommen hat eins teilß, und stett und lender gemeiner eidgenosschafft andern“.

Die Kriegshandlungen bestanden aus Schlachten (Triesen (12. Februar), Hard bei Bregenz (22. Februar), Bruderholz (22. März), Schwaderloh nahe Konstanz (11. April), Frastanz (20. April),  Calven nahe Glurns/Glorenza  (22. Mai) und schliesslich Dornach (22. Juli)) und gegenseitigen Plünderungen durch eidgenössische, schwäbische und Tiroler Soldaten oder Söldner.

Der Frieden von Basel vom 22. September 1499 war eine Fortsetzung des Friedens von 1474 (die Ewige Richtung) zwischen der Eidgenossenschaft und Habsburg. Was geschah also in diesen 25 Jahren, die zu den Kriegshandlungen von 1499 führten?

 Diebold Schilling, Hard, 22. Februar 1499, Sammlung: Diebold Schilling-Chronik 1513, Korporation Luzern, Standort: ZHB Luzern Sondersammlung.

1474-1499

Die Vorgeschichte ist bekannt. In fast zwei Jahrhunderten vertrieben die Orte (später Kantone genannt) der Eidgenossenschaft Habsburg in einer Reihe von Schlachten fast vollständig aus dem Schweizer Gebiet: Morgarten (1315), Sempach (1386), Näfels (1388), Aargau (1415, mit Ausnahme des Fricktals), der Alte Zürichkrieg (1436-1450) und Thurgau (1460).

Gemäss dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ schloss Habsburg 1474 die Ewige Richtung mit der Eidgenossenschaft wegen des Aufstiegs anderer Feinde: der Herzöge von Burgund und Bayern.

Nachdem die Eidgenossenschaft 1476–1477 den Herzog von Burgund besiegt hatte, zeichnete sich für Habsburg ein neuer Feind ab. Das französische Königreich hatte gerade den 100-jährigen Krieg (1337-1453) beendet und war dem Herzog von Burgund bis 1477 nicht gewachsen.

Murten, Denkmal Schlacht am 22. Juni 1476.

Nach 1477 erwarben Frankreich und Habsburg jedoch grosse und reiche Territorien dieses Herzogtums. Frankreich und Bayern verbündeten sich gegen Habsburg. Nach 1494 führte Frankreich in Italien Krieg, um dort Habsburger Territorium und das Herzogtum Mailand zu erobern.

Obwohl Habsburg den Verlust der Schweizer Gebiete bis 1499 nicht akzeptierte, hatte die Dynastie drängendere andere Sorgen. Neben Frankreich gab es die Bedrohung durch die türkischen Sultane nach der Eroberung von Byzanz 1453 und den Vormarsch in Südosteuropa, den Herzog von Gelre in den Niederlanden und die komplizierte politische und geographische Situation in Vorderösterreich und Schwaben.

Wappen des Schwäbischen Bundes. Bild: Wikipedia

Basel, Konstanz und der Schwäbische Bund

Die beiden Bistümer und Städte Basel und Konstanz symbolisieren die komplizierte Situation. Das weltliche Gebiet des Bistums Basel erstreckte sich über das Elsass, die heutigen Kantone Jura, Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Baden (Baden-Württemberg).

Das Kapitel und der Bischof unterstützten Habsburg, während die Bürger und Zünfte die Eidgenossenschaft bevorzugten. In Konstanz war die Situation umgekehrt: Der Bischof strebte eine Mitgliedschaft in der Eidgenossenschaft an, während die Bürger und Zünfte Habsburg unterstützten. Beide Städte waren jedoch formell neutral.

Vorderösterreich war habsburgisches Gebiet und die schwäbischen Städte schlossen 1488 den Schwäbischen Bund.  Für Habsburg war es in erster Linie ein Bündnis gegen Bayern und Frankreich. Der Bischof von Konstanz suchte jedoch wie erwähnt die Nähe zur  Eidgenossenschaft.

Vor allem auf Druck des römisch-deutschen Königs Maximilian I. und des Konstanzer Stadtrats trat Konstanz jedoch 1488 dem Schwäbischen Bund bei. Die Eidgenossenschaft sah darin eine Provokation und Bedrohung und lehnte den Beitritt des neutralen Konstanz ab.

Maximilian wurde 1486 zum König gekrönt. Er war auch Erzherzog von Österreich und Graf von Tirol. Im Jahr 1508 wurde er vom Papst zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gesalbt.

Die Vertreter der zehn Kantone im Jahr 1499, Sammlung: Nikolaus Schradin, Sursee 1500, Zentral Bibliothek Zürich, Graphische Sammlung

Die Eidgenossenschaft, ihre Orte, Habsburg und das Heilige Römische Reich

Die zehn Orte der Eidgenossenschaft, Freiburg und Solothurn, waren seit 1481 Mitglied, hatten in vieler Hinsicht unterschiedliche Interessen, waren aber vereint gegen den Schwäbischen Bund.  Der Gotteshausbund (1498) und der Graue Bund (1497) waren 1499 Zugewandte Orte der Eidgenossenschaft.

In dieser Zeit entwickelte sich  die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen Schwaben und der nach dem Sieg über den Herzog von Burgund immer mächtiger werdenden Eidgenossenschaft. Bern war die grösste Republik nördlich der Alpen, und auch Luzern, Zürich, Solothurn, Freiburg, Zug, Glarus, Uri, Schwyz und Unterwalden wurden immer stärker.

Die Eidgenossen und die Schwaben entfernten sich immer weiter voneinander, politisch, mental und organisatorisch. Die Eidgenossenschaft und ihre souveränen Orte waren bürgerlich und bäuerlich dezentral, Schwaben aristokratisch und zentralistisch geprägt.

Ausserdem fehlte es den Eidgenossen nach den vielen gewonnenen Schlachten gegen die damals mächtigsten Armeen nicht an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Langsam, aber stetig entwickelte sich  eine eidgenössische Identität.

Zudem hatte Habsburg noch alte Rechnungen mit der Eidgenossenschaft zu begleichen, und es blieben einige Fragen offen, darunter die Zuständigkeit des Landgerichts im von der Eidgenossenschaft eroberten Thurgau (1460). Kurzum, trotz der Ewigen Richtung von 1474 und der veränderten weltpolitischen Lage blieb die Situation instabil.

Die zehn Orte (Kantone) der  Eidgenossenschaft im Jahr 1499  (Uri, Schwyz, Unterwalden (Nidwalden und Obwalden), Bern, Zug, Luzern, Zürich, Glarus, Solothurn und Freiburg), die ‚Untertanengebiete‘ und Zugewandte Orte. Bild: Marco Zanoli/Wikipedia

Hinzu kamen verfassungsrechtliche Fragen. Die Orte der Eidgenossenschaft und das neutrale Basel (freie Reichsstädte/Orte wegen Reichsunmittelbarkeit) wollten keine Steuern an das Heilige Römische Reich zahlen, obwohl sie zum Reich gehörten.

Maximilian wiederum akzeptierte dies nicht, zumal er das Geld wegen seiner Kriege dringend benötigte.

Sie waren an die vom Reichstag erlassenen (Steuer-)Gesetze gebunden. Der Zugewandte Ort Rottweil weigerte sich ebenfalls, diese Steuer zu zahlen und wollte dem Schwäbischen Bund nicht beitreten. Maximilian drohte daraufhin Rottweil, das von der Eidgenossenschaft unterstützt wurde.

Die Orte erkannten die höchsten Richter des Reiches, das Reichskammergericht und den Reichshofrat (fremde Richter!), auch nicht mehr an.

Albrecht Dürer (1471-1528), Kaiser Maximilian, 1519, Sammlung: Kunsthistorisches Museum Wien. Bild: Wikipedia

Kurzum, in dieser kriegerischen Zeit, in der es den Herrschern um Territorium, Prestige und Rache und ihren Söldnern und Soldaten um die Beute ging, brauchte es nicht viel, um die Flammen zu schüren.

Um das Kräfteverhältnis zu verdeutlichen: Der Schwäbische Bund hatte mehr als 500 Mitglieder (Städte, Klöster, Grafschaften und andere Herrschaften und Territorien), die Eidgenossenschaft mit einigen Verbündeten nicht mehr als 15. Zahlenmässig war die Eidgenossenschaft weit unterlegen, wie in den früheren Schlachten gegen Habsburg und den Herzog von Burgund!

Eine kürzlich veröffentlichte Ausgabe bringt dies treffend zum Ausdruck:

Die Schweizer Alpentäler und das grüne Hügelland der Nordschweiz sind die Heimat der bekanntesten und berühmtesten politischen Liga des Mittelalters, der Schweizer Eidgenossenschaft. Ihr Bündnisvertrag war insofern ungewöhnlich, als er, in den eigenen Worten der Vertragspartner, ‘Stadt und Land, Bürger und Bauern’ zusammenführte. Und das Bündnis florierte (M. Rady, Vom Rhein bis zu den Karpaten). 

1499

Der unmittelbare Anlass des Krieges lag jedoch weiter östlich, im Münstertal und im Unterengadin, die im Besitz von Maximilian, Graf von Tirol, waren. Truppen des Gotteshausbundes und des Grauen Bundes besetzten diese Gebiete.

Maximilian, unterstützt vom Schwäbischen Bund, mischte sich ein. Die Eidgenossenschaft schickte dem Gotteshausbund und dem Grauen Bund Truppen.

Chur, Benedikt Fontana (1450-1499)

Es handelte sich in erster Linie um einen regionalen Konflikt, den Engadinerkrieg (aus österreichischer Sicht) oder Tirolerkrieg (aus Schweizer Sicht). Die Schlacht bei Calven und die Niederlage Maximilians beendeten den regulären Krieg in diesem Gebiet, abgesehen von Plünderungen durch Söldner und lose Gruppen von Soldaten.

Der Krieg wurde erst im April 1499 zum Schwabenkrieg oder Schweizerkrieg. In diesem Monat schlossen die zehn Kantone einen Friedensvertrag mit Frankreich. Maximilian erklärte daraufhin der Eidgenossenschaft den „Reichskrieg“ im Namen des Heiligen Römischen Reiches.

Maximilian sorgte sich weniger um sein Gebiet in Vorderösterreich als um seine Besitzungen in Italien. Dafür waren die Pässe im Münstertal und im Unterengadin von entscheidender Bedeutung. Maximilian fürchtete die Kombination aus Schweizer Söldnern und französischer Militärmacht.

Basel, das Bruderholz heute

In der Folge gewann der Krieg entlang des Rheins, des Bodensees, im Sundgau und im Jura an Dynamik. Basel blieb neutral, Konstanz hingegen schlug sich als Mitglied des Schwäbischen Bundes auf die Seite Maximilians. Solothurn und Freiburg waren bestrebt, sich als loyale Mitglieder der „unbesiegbaren“ Eidgenossen zu präsentieren.

Dornach, Denkmal, Schlacht am 22. Juli 1499 

Maximilians letzte Schlacht war fatal. Am 22. Juli 1499 erlitt sein Heer bei Dornach eine weitere vernichtende Niederlage, nachdem es zuvor auf dem Bruderholz bei Basel schon geschlagen worden war.

Der Krieg dauerte weniger als sechs Monate, und nach vielen gegenseitigen Plünderungen und mehreren Niederlagen Maximilians und des Schwäbischen Bundes beendete der Friede von Basel den Krieg.

Dornach, Denkmal Schlacht am 22. Juli 1499. ‚Ritter-Landsknechte Fürstenbergs Heere Sie fechten nicht mehr für Kaiser und Reich. Sie fechten rasenden Löwen gleich‘. Graf  Heinrich VII. von Fürstenberg (1464-1499), Heeresführer von Habsburg

Das Beinhaus:  ‘Die Edlen müssen bei den Bauern liegen’.

Der Friede von Basel

Dieser Frieden bestätigte den Status quo. Die Orte, die Eidgenossenschaft und das (immer noch neutrale) Basel wurden von den Reichssteuern und der Gerichtsbarkeit des Reichskammergerichts und des Reichshofrats befreit. Das Unterengadin und das Münstertal lösten sich erst 1652 von der Grafschaft Tirol.

Die politischen Folgen waren jedoch erheblich. Basel und Schaffhausen traten 1501 der Eidgenossenschaft bei und  damit auch das rechtsrheinische Gebiet (und spätere Erwerbungen). Appenzell schloss sich 1513 an.

Basel, Rathaus 

Konstanz blieb schwäbisch, Rottweil hingegen blieb bis 1798 (!) ein treuer Verbündeter (zugewandter Ort) der Eidgenossenschaft.  Nach 1499 war der Rhein weniger ein Grenzfluss als vielmehr ein (mentaler und politischer) Puffer zwischen den Schwaben und den Schweizern.

„Hinter dem Gegensatz Schwaben-Eidgenossen stand letztlich auch die alte Feindschaft zwischen dem teils habsburgischen, teils schwäbischen Adel und den städtisch-bäuerlichen Eidgenossen. Der Schweizer- oder Schwabenkrieg, der kaum territoriale Veränderungen mit sich brachte, der die Rheingrenze aber verfestigte, war ein markanter Schritt im Auseinanderleben von Schwaben und Eidgenossen. Die Eidgenossen sahen sich als “Schweizer”, die ihre Freiheit gegen Habsburg erkämpft hatten. Die Schwaben hingegen betonten ihre Verbundenheit mit dem Adel und dem Reich und die Treue zum Königtum” (B. Meier, Ein Königshaus aus der Schweiz, s.. 212).

Nikolaus Schradins Chronik endet mit den Worten, die keinen Zweifel an seiner Unterstützung für die Eidgenossenschaft lassen:

“Gott wirt von inen geerot fru vnd spat

Mit grosszem gepet von wib vnd mann,

die gnad gottesz mengklich wol trachten kan

dasz die stergki nit flüsszdt vss der eidgenosschaft 

Allein so hat sy von Gott die krafft

dasz ist wol gethon alsz man das Gott zulegt

Gmein eidgenosschaft sol alltzit sin bewegt

Sich selbsz zu enthalten in gehorsamy vnd einikeit”

Die Schwabische Stadt und  

die schweizerische Stadt Laufenburg 

Fazit

Nach 1500 konnte die Eidgenossenschaft nicht mehr nach Norden expandieren. Die Orte und die Eidgenossenschaft wandten sich stattdessen den italienischen Gebieten zu. Chiavenna, Bormio, Veltlin (1512), Tessin (1513) und für kurze Zeit sogar das Herzogtum Mailand waren die Beute.

Marignano machte jedoch 1515 den Illusionen ein Ende. Napoleon erledigte 1798 den Rest, mit Ausnahme des Tessins. Nach der Eroberung der Waadt durch Bern (1536) und dem Vertrag von Thonon (1569) zwischen dem Wallis und Frankreich waren die Aussengrenzen der Eidgenossenschaft weitgehend festgelegt, abgesehen vom Fricktal (1803), Genf (1815), Tarasp (1803), Rhäzuns (1819) und einigen kleineren Grenzkorrekturen. Die meisten Grenzänderungen erfolgten zwischen den Kantonen; 1979 wurde sogar ein neuer Kanton geschaffen, der Kanton Jura.

Freiburg, Hôtel de Ville/Rathaus, der Ewige Friede/la Paix perpétuelle im Jahr 1516

Das Verhältnis zwischen der Eidgenossenschaft der 13 Kantone und Habsburg blieb friedlich und änderte sich bis 1798 nicht. Grundlage dafür war die „Erbeinung“ vom 7. Februar 1511, die Ewige Richtung von 1474 bestätigte.

Die Eidgenossenschaft schloss auch 1516 und 1521 Friedensverträge mit Frankreich. Diese Verträge garantierten über 250 Jahre Frieden mit den umliegenden Ländern. Innenpolitisch  war die Eidgenossenschaft jedoch, erst recht nach der Reformation, gespalten, was ihrem Überleben jedoch nicht im Wege stand.

Pragmatismus, Kompromissbereitschaft, eine gemeinsame Identität trotz allem und gemeinsame (Handels-)Interessen, die gleichen Feinde und die „gemeine Herrschaft“ der Untertanegebiete, ein hohes (militärisches und politisches) Ansehen in Europa, Unternehmer- und Handelsmentalität sowie die Integration von Immigranten waren und sind die Hauptbedingungen dafür.

Die Eidgenossenschaft und später die Konföderation von 1848 sind keine Schöpfung europäischer Grossmächte, wie in gewissen Kreisen politisch motiviert behauptet wird, sondern eine Folge des Willens zum Zusammenzuleben von in vielerlei Hinsicht unterschiedlichen Kantonen und der Bereitschaft, dies bis zum Äussersten zu verteidigen. Die Schweiz ist eine erfolgreiche Europäische Union im Kleinformat. Der Schwabenkrieg hat diese Einheit in der Vielfalt bestätigt.

Das Habsburgerreich wurde 1555 in ein spanisches Habsburg (1555-1702) und ein österreichisches Habsburg (1555-1918) aufgeteilt. Das Österreich-Habsburg wurde immer mehr zum Österreich und war fortan Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (einschliesslich Vorderösterreich, der österreichischen Erblande und des Königreichs Böhmen). Spanisch-Habsburg bestand aus der Franche-Comté, Spanien, Portugal und den überseeischen Gebieten, Neapel, Sizilien und den siebzehn niederländischen Provinzen, einschliesslich des 1543 endlich erworbenen Herzogtums Gelre.

Fünfundzwanzig Jahre nach dem Frieden von Basel waren Vorderösterreich und Schwaben erneut Schauplatz umfassender kriegerischer Auseinandersetzungen. Diesmal ging es nicht um die Eidgenossenschaft, sondern um die Bauernaufstände und die Reformation in den Jahren 1524-1525.

Die Eidgenossenschaft blieb relativ friedlich, und weder die Bauernaufstände von 1525 noch die Reformation verursachten viel Kriegsleid, abgesehen von begrenzten Bürgerkriegen in den Jahren 1529 und 1531. Aber das ist eine andere Geschichte.

Siehe auch die Dokumentation „Dornach 1499“ 

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

(Literatur: B. Meier, Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter, Baden, 2010; W. Meyer, Ein Krieg in Bildern und Versen. Der Schwaben- oder Schweizerkrieg von 1499, geschildert von Zeitgenossen, Oppenheim am Rhein, 2024; B. Marquardt, Die alte Eidgenossenschaft und das Heilige Römische Reich (1350-1798). Staatsbildung, Souveränität und Sonderstatus am alteuropäischen Alpenrand, Zürich 2007;  T. Scott, The Swiss and their Neighbours 1460-1560, Oxford 2017; M. Rady, Vom Rhein bis zu den Karpaten. Eine neue Geschichte Mitteleuropas, Londen, 2024)

Rudolf Herri (1460-1515), um 1500. Holzschnitt der Schlacht von Dornach. Das Bild zeigt verschiedene Phasen der Schlacht: in der Mitte die Hauptschlacht unter der Burg Dorneck, rechts die Schweizer Infanterie bei Arlesheim, die Burgen Reichenstein und Birseck und unten die Brücke über die Birs und die Verfolgung der fliehenden Truppen durch die Eidgenossen bei der Birs. Sammlung: Kunstmuseum Basel Kupferstichkabinett.