Erasmus van Rotterdam ein bisschen mehr Erasmus von Basel
9 Februar 2025
Am Freitag, 7. Februar, präsentierte der Donker Uitgeverij aus Rotterdam im Kollegienhaus der Universität Basel die vollständige niederländische Ausgabe der Korrespondenz von Erasmus. Der Verleger wies darauf hin, dass diese Arbeit mehr als 20 Jahre gedauert hat, eine Geduldsarbeit also.

Vordere Reihe, von links nach rechts: Mustafa Atici (Regierungsrat Kanton Basel-Stadt), Karin Mössenlechner (Botschafterin des Königreichs der Niederlande), Jos Donker-Exler (Donker Uitgeverij), Alice Keller (Direktorin der Universitätsbibliothek Basel), Christine Christ-von Wedel (Historikerin, Erasmus-Expertin). Hintere Reihe, von links nach rechts: Andrea Schenker-Wicki (Rektorin der Universität Basel), Peter Saarloos (Donker Uitgeverij), Noah Regenass (Leiter historische Sammlungen der Universitätsbibliothek Basel)
Das ist auch ganz im Sinne von Erasmus, der ja am 24. April 1492 im Dom zu Utrecht zum Priester geweiht wurde. Danach war er nicht als Priester tätig, sondern arbeitete wie „ein Mönch in einem Skriptorium“ an unzähligen Briefen, Studien, Übersetzungen, Büchern und anderen Schriften.
Wer nicht im Briefwechsel mit Erasmus stand, zählte zu seiner Zeit nicht wirklich. Er korrespondierte mit Kaisern, Königen, Päpsten, Bischöfen, Gelehrten, Humanisten, Magistraten, Reformatoren, Protestanten und Katholiken. Erasmus hielt sich in mehreren Ländern auf, in den Niederlanden, Italien, England, Belgien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich.

Dr. Christine Christ-von Wedel, Jos Donker-Exler und ein Mitarbeiter des Donker Verlags vor dem Haus der Verleger-Drucker Johannes und Hieronymus Froben
Er veröffentlichte nicht nur sehr viel (auf Latein und Griechisch), sondern stiess auch auf grosses Interesse. Auch seine Verleger Johannes und Hieronymus Froben in Basel, damals das humanistische, intellektuelle und Buchzentrum Europas, konnten gut davon leben.
Diese 21-bändige Ausgabe wurde Bibliotheken in den genannten Ländern vorher schon angeboten. Basel ist der passende Abschluss dessen, was man auch eine Reise in den Spuren von Erasmus nennen könnte. Denn in Basel hat er sich am längsten aufgehalten, und hier ist er auch gestorben und 1536 begraben worden.


Erasmus‘ Grabmal im Münster mit Kommentar von Christine Christ-von Wedel (unten) und Peter Saarloos (oben)
Erasmus‘ gesellschaftliches Engagement, sein Humanismus und seine Lebensphilosophie leben weiter und bleiben eine Quelle der Inspiration und Orientierung. Rotterdam hat ihn auf vielfältige Weise geehrt: mit einer Universität (Erasmus-Universität), der Erasmusbrücke, Statuen, Strassennamen und verschiedenen anderen öffentlichen Ehrungen.
Diese 21-bändige Ausgabe würde den bescheidenen Gelehrten und schreibenden ‚Mönch‘ am meisten erfreuen. Erasmus van Rotterdam ist wieder ein bisschen mehr auch Erasmus von Basel. Immerhin hat Erasmus sein Münster und seine 21-bändige Korrespondenz in niederländischer Sprache in Basel!

Jos Donker-Exler (l) und Karin Mössenlechner (r). Im Hintergrund die Grabstätte von Erasmus
Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen
