Die Suonen im Wallis

Die Region um Visp (Viège), Raron (Bietschtal), den Lötschberg (Steg-Hohtenn und Niedergesteln) und das Baltschiedertal ist ein trockenes Gebiet im Tal der Rhone.

Das trockene und milde Klima schafft die Voraussetzungen für Weinbau, Landwirtschaft und Viehzucht. Allerdings wird die Bewässerung seit Jahrhunderten künstlich durch so genannte „Suonen“ (Auf Französisch ‚bisses‘) durchgeführt.

Suonen sind hölzerne oder steinerne Bewässerungssysteme, die das Wasser von der Quelle (Gletscher und Bäche) durch die Wein- und Landwirtschaftsgebiete leiten.

Bis zum Aufkommen moderner Bewässerungsmethoden war das Suonensystem (Suonenlandschaft) Tausende von Kilometern lang und wurde oft an schwer zugänglichen Stellen an Quellen, Bächen und am Fuss von Gletschern gebaut.

Das Wasser aus den Gletschern ist reich an Mineralien und eine Art natürlicher Dünger. Das Ergebnis ist fruchtbare Landwirtschafts- und Weinanbauflächen und eine grosse Vielfalt an Flora und damit auch Fauna.

Heute ist die Bewässerung weitgehend von modernen Methoden wie Wasserkanonen und anderen Sprinklersystemen übernommen worden.

 

Dennoch werden immer noch rund 2.000 Kilometer traditioneller Suonen zur Bewässerung des Landes genutzt. Die meisten von ihnen werden vom Kanton Wallis als kulturelles Erbe erhalten. Verschiedene Wanderwege führen auf den Spuren der Suonen durch wunderschöne Gegenden entlang.

Heute haben die Suonen eine zusätzliche Funktion: die Erzeugung von „weisser“ Energie für Häuser und sogar für kleine Dörfer.

(Quelle und weitere Informationen: Die Suonen und Bisses des Wallis)

Korrektorin: Melinda Fechner

Trichuris incognita und das Swiss Tropical- and Public Health-Institute

Das Naturhistorische Museum Basel erhält 2029 im St. Johann-Quartier ein neues Zuhause. Die Vorbereitungen für den Umzug von rund 7 Millionen Objekten sind in vollem Gange.

Reisebereit für das neue Museum

Auch die Giraffe kommt mit ins neue Museum, zurzeit ist noch offen, ob sie sich im neuen Museum mit einem Platz im Depot begnügen muss, oder ob sie weiterhin ausgestellt sein wird, nachdem sie dem Museum ein Jahrhundert lang gedient hat.

Auch die jüngsten Neuerwerbungen des Museums ziehen um, darunter die kürzliche Entdeckung einer neuen Wurmart. Auch wenn ein Wurm kein alltägliches Gesprächsthema ist, leiden weltweit etwa 2 Milliarden Menschen an irgendeiner Krankheit, die auf Würmer zurückzuführen ist. Im menschlichen Körper leben nicht nur Milliarden von Bakterien, sondern oft auch (unerwünschte) Würmer.

Peitschenwurminfektionen betreffen weltweit schätzungsweise 500 Millionen Menschen. Ausgelöst werden sie durch den parasitären Wurm Trichuris trichiura. Bislang ging man davon aus, dass alle menschlichen Peitschenwurminfektionen auf diese eine Art zurückzuführen sind.

Naturhistorisches Museum Basel, Max Bär  (Swiss TPH) am 19. Juni 2025

Das Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH) in Allschwil hat mit Partnern in Côte d’Ivoire und der Universität Calgary (Kanada) im Rahmen von Forschungen an der Elfenbeinküste eine neue Parasitenart entdeckt. Das Forschungsteam benannte den neuen Wurm in Anlehnung an seine bislang unerkannte Existenz Trichuris incognita.

Sie sieht aus wie der bereits bekannte Peitschenwurm, der auch für Menschen gefährlich werden kann, wenn er nicht behandelt wird. Die neue Art wird nun durch die offizielle Übergabe konservierter Exemplare an das Naturhistorische Museum gemäss internationaler Regeln zur wissenschaftlichen Namensgebung formell anerkannt. Dies ist unter anderem wichtig, um möglichst rasch neue Medikamente zu entwickeln.

Bilder: © Max Bär/Swiss TPH

Der Durchbruch wurde durch den Einsatz von Next-Generation-Sequencing-Technologien ermöglicht, mit denen das vollständige Genom des Parasiten entschlüsselt werden konnte.

Die Entdeckung zeigt, welche zentrale Rolle moderne Genomsequenzierung heute in der Parasitologie und Diagnostik spielt – insbesondere beim Aufspüren bislang unerkannter Arten, die mit traditionellen Methoden wie der Mikroskopie nicht zu erkennen sind.

Die grössten Würmer der Sammlung des Naturhistorischen Museums

Obwohl die Schweiz keine Kolonien in den Tropen hat, sind (medizinische) Wissenschaftler traditionell nicht weniger reisefreudig und neugierig, in diesem Fall auf tropische Krankheiten. Heute hat das TPH 800 Mitarbeiter und arbeitet mit 100 Ländern zusammen.

Es erfüllt die Wissenschaftler des Swiss TPH daher mit einem gewissen Stolz, dass sie diese neue Wurmart am 19. Juni 2025 dem Naturhistorischen Museum Basel übergeben konnten.

Schliesslich ist dieses Museum nicht nur Schauplatz einer Sammlung in Depots und Sälen, sondern hat seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert einen Wissenschafts- und Forschungsauftrag, von den kleinsten Insekten bis zu den grössten (ausgestorbenen) Säugetieren.

Obwohl die Würmer, ein Männchen und ein Weibchen, in Ethanol schwimmen und sich nicht äussern können, werden sie sich in ihrem heutigen Haus und ab 2028 in ihrem neuen Zuhause sicher wohl fühlen.

(Quelle und weitere Informationen: Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH); Naturhistorisches Museum Basel)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Die Alpen in natürlicher Perspektive

Die Katastrophen im Alpenraum und in der Schweiz, insbesondere, sind fast täglich in den Nachrichten. Lawinen, Erdrutsche, schmelzende Gletscher und Permafrost wechseln sich mit zu trockenen und zu nassen Perioden ab. Es steht schon lange fest, dass sich das Klima verändert und das hat Auswirkungen auf viele Bereiche.

Die Ursachen und weitreichenden Folgen werden hier nicht behandelt, wohl aber die Perspektive der strukturellen Entwicklung, die das kurze Leben eines Menschen um Tausende, Zehntausende und Millionen Jahre übersteigt.

Moiry Gletscher

Der Gornergletscher

Es ist der Menschheit in relativ kurzer Zeit gelungen, sagen wir innerhalb von 10.000 Jahren seit dem Ende der letzten Eiszeit, fast das gesamte Schweizer Alpengebiet als Tourismusorte, Landwirtschaftsraum, Wohngebiete, Strassen- und Eisenbahnen, Tunnel und Hotels und Restaurants bis auf 3.883 Meter Höhe zu nutzen.

Diese an sich grossartigen (technologischen) Leistungen haben vor allem seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen hohen Aufschwung genommen. Für die Natur sind 10.000 Jahre jedoch noch keine Sekunde in der Geschichte der über 4 Milliarden Jahre alten Erde.

Matterhorn Glacier Paradise

Um diese Geschichte konkret zu machen: Vor 100 Millionen Jahren war die Schweiz noch Teil eines Ozeans. In einem Prozess von Millionen Jahren bildeten sich verschiedene Gesteinsarten auf dem Meeresboden. Vor etwa 30 Millionen Jahren verschwand dieser Ozean jedoch allmählich und ein anderer Prozess begann: Die Kontinentalplatten von Afrika und Europa kollidierten und daraus entstanden in einem langen Prozess vor etwa 20 Millionen Jahren die Alpen.

Die Erde hat seitdem immer grosse Veränderungen des Klimas erlebt. Vor etwa 100.000 Jahren begann die letzte grosse Eiszeit. Grosse Gletscher bedeckten fast die ganze Schweiz, nur die höchsten Berggipfel, darunter das Matterhorn, ragten knapp heraus. Das Matterhorn verdankt seine pyramidenartige Form diesen Gletschern, die die Felsen über Zehntausende von Jahren polierten.

90.000 Jahre später waren diese Gletscher grösstenteils geschmolzen und erst in der Zeit von 1.500 bis 1.800, während der kleinen Eiszeit, erreichten sie wieder eine grössere Ausdehnung. Vor der Römerzeit und bis ins späte Mittelalter existierten die Gletscher nur über 3.500-4.000 Meter.

Gletschertöpfe, Gletschergarten Zermatt

Es ist eine Tatsache, dass die Veränderungen heutzutage viel schneller vor sich gehen und der Mensch spielt dabei eine Rolle. Seit 1800 ist die Bevölkerung der Schweiz (und der Welt) sehr schnell gewachsen, ebenso wie die Nutzung der Alpengebiete. Bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert waren die Auswirkungen im Alpenraum relativ gering. Seit 1900 sind die Nutzung und Besiedlung immer intensiver geworden.

Dadurch sind an sich natürliche Ereignisse immer mehr zu menschlichen Tragödien und Katastrophen geworden. Wer hat jedoch den Flimser Felzsturz vor etwa 10.000 Jahren, den Tsunami am Genfersee (den Tauredunum) im Jahr 563 n. Chr., das Erdbeben in Basel im Jahr 1356 oder die vielen Katastrophen in der Lawinechronik von in Vals (Kanton Graubünden) noch miterlebt? Nur die Natur kann es erzählen, weil sie zeitlos ist.

Wer den Gornergrat (3.089 m), das Jungfraujoch (3.463 m), das Matterhorn-Glacier-Paradies (3.883 m) oder die Aiguille du Midi (3.842 m) besucht, geniesst den Moment, die Aussicht, das Panorama und die Wanderungen.

Es ist jedoch auch sinnvoll, die Informations- und Museumsräume zu besuchen. Sie bieten nicht nur Einblick in die technologischen Meisterleistungen, sondern stellen vor allem die Natur in den Mittelpunkt.

Trockener Steg

Der Gornergrat

Fazit

Diese Einsicht ist nicht nur wichtig für insbesondere die Perspektive und den Kontext der Entwicklung der Erde und der Alpen. Sie zeigt auch, dass die Natur und damit die Erde ständig in Bewegung sind und bleiben werden. Wie die Menschheit damit umgeht, ist dann die Frage.

Tatsächlich sind die Alpen heute ein grosses naturhistorisches Freilichtmuseum, teilweise von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Der Gletschergarten Dossen bei Zermatt oder derjenige in Luzern, die Berghänge und Gletscher des Gornergrats oder des Matterhorns haben diesen Status zwar nicht, aber es ist auch nur ein menschlicher Massstab.

An der Grossartigkeit der Natur ändert das nichts. Ein Sprichwort im Niederländischen lautet: Das Meer gibt und das Meer nimmt. Das gilt auch für die Alpen: Der Berg gibt und der Berg nimmt.

Giuanna Egger-Maissen

Der Gletschergarten bei Zermatt

   

Gornergrat

Die Kapelle Bernhard von Aosta

Alpine Garden

Siders, Muzot und Rainer Maria Rilke

Die mehrheitlich französischsprachige Stadt Siders (Sierre, Kanton Wallis) zeigt noch heute Spuren der verschiedenen Zivilisationen seit der Urzeit. Diese stammten von Jägern, den ersten Bauern, Liguren, Kelten, Römern, Alemannen, Franken, dem Christentum, dem Heiligen Römischen Reich und dann der Republik der Sieben Zehnden (Zenden) und 1815 des Kantons Wallis (Valais auf Französisch).

Als kleine Schwester der Bischofsstadt Sitten und aufgrund ihrer Handelsroute von und nach Italien hat es im Laufe der Jahrhunderte grosse Konflikte, die (gescheiterte) protestantische Reform im 16. Jahrhundert sowie kommerzielle Aktivitäten erlebt.

Der Aufschwung des Tourismus hat nicht nur Sport- und Naturliebhaber, sondern auch bedeutende Künstler angezogen. Rainer Maria Rilke (1875–1926) war ab 1921 einer der prominentesten Einwohner.

Le château de Muzot

Das Museum der Fondation Rilke dokumentiert sein Leben und seinen Aufenthalt im Muzot anhand von Dokumenten, Fotos und weiteren Abbildungen sowie Geschichten. Sein Wohnsitz, ein kleines Herrenhaus, Schloss Muzot, ist noch vorhanden, wenn auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Obwohl in den letzten hundert Jahren viele neue Gebäude in der Gegend entstanden sind, ist es nicht verwunderlich, dass dieser grosse Dichter gerade diesen Ort als seinen Wohnsitz wählte. Seine letzte Ruhestätte befindet sich im nahegelegenen Raron (französisch Rarogne).

(Quelle und weitere Informationen: Sandra Richter, Rainer Maria Rilke oder das offene Leben. Eine Biographie (Berlin, 2025);  Ville de Sierre)

Korrektur: Giuanna Egger-Maissen, Korrektorin und Lektorat

Eindrücke aus Sierre

Lac de Géronde

Le Petit Lac

 

 

Kirche und Schloss Venthône

Das Kapuzinerkloster in Sitten

Einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen zufolge ist die Schweiz nach wie vor eines der wirtschaftlich innovativsten Länder. Das gilt aber auch für die (religiöse) Architektur und das Design. Mehrere Museen, darunter das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, das Museum für Gestaltung in Zürich oder die Platforme 10 in Lausanne, sind nur einige Beispiele davon.

Auch im kirchlichen Bereich sind Architektur und Design manchmal innovativ. Die St.-Nicolas-Kirche in Héremence, die St.-Antonius-Kirche in Basel oder das Kapuzinerkloster in Sitten sprechen Bände, auch wenn es wenig über spirituelle Innovation aussagt.

Der Kreuzgang, in rosa das alte Haus für Apotheke und Kranke

     

Gemälde von Hans Ludolff, um 1653, das Kloster auf der linken Seite

Dieses Kapuzinerkloster wurde 1643 gegründet, zum Teil als Antwort auf die Reformbewegung, die bis 1603 auch das Wallis in ihrem Griff hatte oder sogar hielt. 1603 entschieden sich die sieben Zehnden in der Tagsatzung des Wallis jedoch definitiv für den alten Glauben.

Das Kloster erlangte im Bildungs- und Gesundheitswesen rasch einen guten Ruf. Vor allem die Philosophie und die Theologie waren in der weiteren Umgebung und bis weit ins 20. Jahrhundert bekannt.

Die alte Mauer und die neuen Dekorationen

Die florierende Klostergemeinschaft beschloss in den 1920er- und 1930er-Jahren, den Komplex zu modernisieren und zu erweitern. Die ersten Renovierungsarbeiten des Architekten Alphonse de Kalbermatten (1870-1960) stammen aus dieser Zeit. Das Erdbeben von 1946 erzwang jedoch weitere Reparaturen durch Fernand Dumas (1892-1956) und andere.

Der bemerkenswerteste Eingriff fand jedoch in den Jahren 1962-1968 statt, ironischerweise mehrere Jahrzehnte vor der Übernahme des Klosters durch Sion und dem Auszug der letzten Mönche im Jahr 2014. Heute verwaltet und vermietet die Gemeinde den Komplex.

Der Klostergarten

Das tut der Kreativität, den Innovationen und der offensichtlichen Finanzkraft der Kapuziner jedoch keinen Abbruch. Der venezianische Architekt Mirco Ravanne (1928-1991) hat den Umbau des Klosters auf originelle Weise gestaltet. Das Alte wurde weitgehend bewahrt, aber mit modernen Materialien und vor allem mit schönen zeitgenössischen Kunstwerken von Kengiro Azuma (1926-2016), Alberto Buri (1915-1995), Ángel Duarte (1930-2007), Marcel Feuillat (1896-1962) und anderen ergänzt. Jacques le Chevalier (1986-1987), Manfredo Massironi (1937-2011), Paul Monnier (1907-1982), Bernhard Mühlematter (1931-2001), François Ribas (1903-1979), Remo Rossi (1909-1982), Gino Severini (1883-1966) und Antoni Tapiès (1923-2012) haben den Kreuzgang, Garten, die Lesesäle und andere Räume aufgewertet.

Diese Künstler verleihen dem ehemaligen Kloster auch heute noch eine einzigartige Sammlung von Artefakten. Die Architektur von Ravanne, die unter anderem von Le Corbusier (1887-1965) beeinflusst wurde, gibt nicht nur dieser Kunst, sondern auch der damaligen religiösen, sozialen und pädagogischen Bedeutung des Klosters Raum, Respekt und Reflexion. Seit 2014 hat die Bischofsstadt Sion ein Denkmal von nationaler Bedeutung mehr.

(Bron: P. Cagna, P. Varone, R, Salvi, C. Schmid, F. Vannotti (Red.), Le Couvent des Capucins, Sion, 2017)

Giuanna Egger-Maissen

Gino Severini; Glasfenster von Jacques le Chevalier

Antoni Tapiès und das Trauma des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939), dargestellt von einem flugzeug

Kengiro Azuma

Belle van Zuylen oder Isabelle de Charrière in den Niederlanden und der Schweiz

Belle van Zuylen (1740-1805) ist im Ausland, insbesondere in der Schweiz, unter dem Namen Isabelle de Charrière bekannt. Ihr Geburtsort, oder besser gesagt, ihr Geburtsschloss, war Slot Zuylen im Dorf Zuilen, heute Oud-Zuilen in der Gemeinde Stichtse Vecht (Provinz Utrecht).

Wie der Name schon sagt, befindet sich das Schloss an der Vecht. Zur Zeit von Belle war dieser Fluss ein Handelsweg zwischen Utrecht, Amsterdam und der Zuiderzee.

Die Vecht

Die Ursprünge des Schlosses gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war es eine Motte, ein Wehrturm. Die strategisch günstige Lage an der Vecht im damals mächtigen Bistum Utrecht war eine Einnahmequelle für die Zölle.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Komplex ständig erweitert und an neue Nutzungen, Wohnzwecke und Kunststile angepasst. Die letzte grosse Renovierung fand im 19. Jahrhundert statt.

Belle war die Tochter von Diederik Jacob Tuyll van Serooskerken (1707-1776) und Jacoba Helena de Vicq (1724-1768). Sie heiratete 1771 Charles-Emmanuel de Charrère de Penthaz (1735-1808), der im Manoir Le Pontet in Colombier, im preussischen Fürstentum Neuenburg lebte.

Er war der französischsprachige Hauslehrer ihres ältesten Bruders Willem (1743-1839). Belle zog nach Colombier und nannte sich von nun an Isabelle de Charrière.

Belles Schreibtisch im Slot Zuylen

Wie zu jener Zeit (bis ins 20. Jahrhundert) üblich, war die europäische Aristokratie zweisprachig (oder dreisprachig): die Muttersprache, Französisch und manchmal Latein. Belle ist vor allem für ihr literarisches Vermächtnis bekannt: Korrespondenz, Literatur, Theaterstücke und zahlreiche andere Schriften, fast alle in französischer Sprache.

In beiden Ländern, den Niederlanden und der Schweiz (insbesondere im Kanton Neuenburg), wird ihr literarisches Erbe gepflegt.

In den Niederlanden gibt es das Museum im Slot Zuylen und die Genootschap (Gesellschaft) Belle van Zuylen/Isabelle de Charrière. Der Kanton Neuenburg (und die Universität Lausanne) hat innerhalb der Universität von Neuenburg das Projekt Isabelle de Charrière.

Die Bibliothèque publique et universitaire de Neuchâtel besitzt etwa 1‘530 von insgesamt 2‘600 ihrer erhaltenen Briefe. Die meisten anderen befinden sich in der übrigen Schweiz, in einigen europäischen Ländern und in den USA.

Ein ausführlicher Artikel über Isabelles Leben in der Schweiz und insbesondere in Colombier erscheint in der Nouvelle Revue neuchâteloise im September 2025. Der Swiss Spectator schreibt in diesem Artikel über ihr Leben im Slot Zuylen und in den Niederlanden.

Auf diese Weise kommen das niederländische und das schweizerische Leben dieser Frau der Aufklärung zu ihrem Recht. Belle alias Isabelle symbolisiert diese Epoche schlechthin.

Die Schweiz mit ihren zahlreichen italienischen, englischen, russischen, deutschen und französischen Besuchern, Einwanderern oder Flüchtlingen, Gesellschaften, Exportnetzen und aufstrebenden Industrien in dieser Zeit ist eine meist zu Unrecht vergessene Brutstätte der Aufklärung.

Lord Byron, Wolfgang von Goethe, Edward Gibbon, Madame de Staël, Jean-Jacques Rousseau, Wolfgang von Goethe und Voltaire sind nur einige Namen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die sich in der Schweiz aufgehalten haben, so wie Basel im 15. und 16. Jahrhundert das Zentrum der Intellektuellen, der Humanisten und der Drucker und Verleger war.

(Literatur: K. Verboeket, Slot Zuylen, Oud-Zuilen,  Amsterdam, 2003; K. van Strien, Belle van Zuylen. Een leven in Holland, Soesterberg, 2019; J. Bujard et autres, ‘Le Manoir du Pontet à Colombier’, in la Nouvelle Revue neuchâteloise, Hiver 2002, n° 76.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Slot Zuylen

Die Kapelle des Schlosses

Das Museum Slot Zuylen

Die Welt des Schweizer weissen Goldes und die drei Schweizer Salinen

Die Schweiz verfügt nicht über viele Rohstoffe. Kohle, Öl oder seltene Metalle fehlen im Boden. Stattdessen hat sie genug Baumaterial, zum Beispiel zahlreiche Steinarten, Holz, „weisse Energie“ sowie Zutaten für Zement und Beton. Dies sind bekannte Beispiele.

Viel weniger bekannt ist das Salz, jahrhundertelang bekannt als das „weisse Gold“. Nicht nur für die Konservierung und Zubereitung von Lebensmitteln, sondern auch für die Käseproduktion und Tierfutter ist Salz unverzichtbar.

Bild: Saline Schweizerhalle

Bis zum 15. Jahrhundert musste die Alte Eidgenossenschaft Salz aus Frankreich und Österreich (Salzburg) importieren. Schaffhausen war jahrhundertelang ein wichtiger Umschlagplatz für dieses Salz.

Saline de Bex

Wer Schafe sieht, denkt nicht sofort an Salz. Doch im 15. Jahrhundert waren Schafe die ersten Entdecker von Salz dort, was heute die Saline Bex heisst. Dem Hirten fiel auf, dass sie immer aus derselben Quelle tranken, wegen des hohen Salzgehalts. Dieses Salz stammt von Ozeanen, die vor 200 Millionen Jahren auch die Schweiz bedeckten.

Bild: Saline de Bex

Dann nahm die Salzgewinnung in der Saline de Bex ihren Lauf. Diese Geschichte wird nicht nur ausführlich im heutigen Freilicht- und Untergrundmuseum behandelt, sondern kann auch erlebt werden. Heute produziert die Mine noch etwa 30 Tonnen Salz pro Jahr, teils noch auf handwerkliche Weise, teils mit den modernsten Techniken.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden etwa 52 Kilometer Minengänge angelegt. Auch in der Mine fehlt der Zug nicht mit einer Strecke von mehreren Kilometern durch die Gänge, Galerien und verschiedene Ausstellungsräume.

Salz ist nicht nur für Schafe unverzichtbar, sondern auch für den Menschen. Es überrascht daher nicht, dass Bex im Land der Mineralquellen und Kurorte schnell zu Bex les Bains wurde.

Bex

Heute sind die Salzminen von Bex ein riesiges unterirdisches Labyrinth, von dem einige Kilometer für Besucher zugänglich sind. Das Salzmuseum („Die Salzkammer“) verfügt über 15 Säle und Galerien auf zwei Etagen, in denen die Welt des Salzes erkundet wird.

Wegen seiner konstanten Temperatur von 18 Grad Celsius eignet es sich auch gut zum Reifen von Käse, zum Konservieren von Wein – und wo könnte man Wurst besser konservieren als in einem Salzbergwerk?

 

Saline Schweizerhalle und Saline Ryburg

Bis 1837 hatte Bex das Monopol auf die Salzgewinnung in der Schweiz. Die Produktion reichte jedoch nicht für das ganze Land aus. 1837 begann auch die Salzgewinnung in der Saline Schweizerhalle bei Pratteln (Kanton Basel-Landschaft) und 1848 in der Saline Ryburg (Kanton Aargau).

Saline Schweizerhalle

Die Anlage in Riburg verfügt über einen der grössten Verdampfer Europas. Die Salzlagerhalle Saldome 2 ist die grösste kuppelförmige Holzkonstruktion der Schweiz. Das beeindruckende Hochregallager in Pratteln ist ebenfalls einen Besuch wert.

Saline Ryburg

Die Salzgewinnung in diesen Minen war technisch gesehen viel einfacher und billiger als in Bex. Heute produzieren diese Salinen etwa 600.000 Tonnen pro Jahr.Etwa die Hälfte dieser Produktion ist für die Eis- und Schneeräumung von Strassen bestimmt. Haushaltsgebrauch, die Lebensmittelindustrie und übrige Industrie, Medikamente, Reinigungsmittel sind andere Anwendungen.

Salzanwendungen und die Schweizer Strassen. Bild: Saline Schweizerhalle

Seit 2014 sind diese drei Salinen in den Schweizer Salinen vereint. Aktionäre sind die 26 Kantone und Liechtenstein. Das primäre Ziel ist die Sicherstellung der Salzversorgung für die Schweiz, was in unsicheren Zeiten kein überflüssiger Luxus ist. Diese drei Minen decken jedenfalls die Salzversorgung des Landes.

Saline de Bex und die Fahnen der drei Kantone der Schweizer Salinen/ Salines Suisses

Fazit

In diesem Konzept ist fraglich, ob die Europäische Union bei einem möglichen neuen Vertrag diesen Monopolisten akzeptieren wird, der die Position der SBB beeinträchtigen kann.

Das Salz wird es nicht kümmern, es hat seit 200 Millionen Jahren alle Zeit. Die drei Schweizer Salinen sind für die Öffentlichkeit zugänglich und zeigen auf beeindruckende Weise die Welt des „weissen Goldes“.

Salz als Molekül in Stein. Bild: Saline Schweizerhalle

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus der Saline de Bex

   

Eindrücke aus der Saline Schweizerhalle

Eindrücke aus der Saline Ryburg

St-Léonard und einer der grössten unterirdischen Seen Europas

Nicht nur der Mensch baut Tunnels. Auch die Natur hat eine Reputation auf diesem Gebiet, beispielsweise in Saint-Léonard (Kanton Wallis), Vallorbe (Kanton Waadt) oder Baar (Kanton Zug).

St. Léonard ist sogar Standort des grössten unterirdischen Sees in Europa, le lac Souterrain St. Léonard. Dieser 300 Meter lange, 20 Meter breite und mehrere Meter tiefe See liegt etwa 60 Meter unter den Bergen und ist im Laufe von Jahrtausenden entstanden.

Wasser aus Quellen, Schmelzwasser von Schnee und Eis sowie Regenwasser haben das weiche Gestein Gips verdrängt. Die anderen Gesteinsarten (Marmor, Schiefer und Anhydrit) bilden heute die Kulisse.

Anfangs gab es viele voneinander getrennte Räume, aber nach und nach bildete sich der heutige unterirdische See. Einwohner und Fachleute kannten diesen See schon lange, aber da das Wasser bis zum Höhlendach reichte, konnten lange Zeit keine Untersuchungen durchgeführt werden.

Ihr Forschungsboot ist heute ein Museumsstück.

Zwei Höhlenforscher untersuchten und dokumentierten den See 1943 zum ersten Mal. Der Durchbruch gelang jedoch erst durch das Erdbeben von 1946: Es verursachte Risse in den Wänden, wodurch das Wasser bis auf den heutigen Stand abfloss.

Die Bühne für die Künstler und Künstlerinnen

Mit einem Glas Wein vom Lac Souterrain St. Léonard

Der See ist mit Booten befahrbar, es finden sogar Musikaufführungen statt, und auch der Wein gedeiht aufgrund der konstanten Temperatur von 15 Grad Celsius gut.

Sogar die ersten Stalaktiten begannen sich nach 1946 zu bilden. Bis dahin gab es keine Luft und keinen Sauerstoff, nur Wasser. Das zeigt auch, wie viel Zeit Stalaktiten brauchen, um Vallorbe oder Baar gleichzukommen.

Was für das Salz in Bex gilt, gilt auch in St. Leonard: Die Natur kennt keine Zeit oder nimmt sich Zeit.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

St. Léonard

Bellwald, Ernen, der Bischof, die Hängebrücke und das Binntal

Das Dorf Bellwald (Gemeinde Bellwald zusammen mit den Weilern Ried, Eggen, Bodmen und Fürgangen) ist das höchstgelegene in der Region Goms (Conches auf Französisch, Kanton Wallis), auf 1560 m ü. M. Höhe. Die im 8. und 9. Jahrhundert eingewanderten Alemannen betrieben im Goms Ackerbau und gründeten die Weiler und Dörfer.

Der Name Bellwalderberg taucht in mittelalterlichen Dokumenten aus dem 14. Jahrhundert auf. Die Gemeinde Bellwald im Zehnden Goms besteht seit dem 16. Jahrhundert.

Die Landwirtschaft war fast die einzige wirtschaftliche Aktivität. Sie genügte jedoch nicht, die Einwohner zu ernähren. Viele sind in andere Kantone oder andere Länder ausgewandert.

Der grosse Wandel begann Ende der 1950er Jahre. 1962 öffnete das erste Hotel. Die 1971 fertiggestellte Straße ins Tal beschleunigte die Entwicklung des Tourismus. Das Dorf wandelte sich von einem Bauerndorf zu einem Ferienort.

Fürgangen ist vor allem durch die 280 Meter lange und 92 Meter hohe Hängebrücke über die Lamma-Schlucht bekannt. Diese Hängebrücke verbindet die Dörfer und Wandergebiete von Ernen und Bellwald. Die Hängebrücke überspannt die Rhone und die Bahnlinie des Glacier-Expresses.

Ernen befindet sich auf der anderen Seite der Lamma-Schlucht. Im Gegensatz zu Bellwald war dieses Dorf seit dem 13. Jahrhundert ein Handelsposten und ein wichtiger Sitz des Bischofs Matthäus Schiner von Sitten. 

Er erwarb als Feldherr grosse Teile des heutigen Tessins und war Architekt des besonderen päpstlichen-schweizerischen Bündnisses, aus dem die Schweizergarde hervorging.

Ernen war auch einst Hauptort des Zenden Goms und Sitz der Gerichtbarkeit. Jahrhundertelang profitierte Ernen von seiner Lage zwischen den Pässen Albrun, Griess, Furka und Grimsel.

Der Bischof

Die Paläste, das Zenden-Rathaus, die typischen Walliser Holzhäuser, Scheunen und andere Gebäude sowie die Lage im Binntal, dem ersten regionalen Naturpark des Wallis, haben dazu geführt, dass das Dorf in das Verzeichnis der schönsten Schweizer Dörfer aufgenommen wurde.

Das jährliche Klassikfestival in Ernen ist weit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus bekannt.

Sehenswert ist auch der nahe gelegene Weiler Mühlebach mit den ältesten Holzhäusern des Landes. Diese stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, darunter das Haus von Bischof und Kardinal Schiner (1465-1522).

(Quelle und weitere Informationen: www.bellwald.ch)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Weitere Eindrücke

Bellwald

Das Binntal

 

 

Ernen

Das Galgenfeld, die drei Säulen. 1764 wurden letztmals Verurteilte auf dem „Galgen“hingerichtet.

Mühlebach

 

Übersetzungsprogramm für die rätoromanische Sprache

Die Lia Rumantscha ist eine langfristige Zusammenarbeit mit der Computerlinguistik der Universität Zürich eingegangen. Das erste Projekt aus dieser Kooperation ist die Entwicklung eines Übersetzungsprogramms, welches alle fünf Idiome, Rumantsch Grischun und Deutsch unterstützt.

Im März dieses Jahres hat die Lia Rumantscha ihre Strategie für die digitale Transformation veröffentlicht. Ziel der Strategie ist es, das Rätoromanische im digitalen Raum sichtbarer zu machen und dadurch die Verwendung der Sprache im Alltag zu erleichtern.

Das Übersetzungsprogramm soll ein Jahr nach Projektstart einsatzbereit sein. Ziel ist es, dass die Übersetzungssoftware für die gesamte rätoromanische Gemeinschaft und andere Interessierte frei zugänglich und zudem für den professionellen Gebrauch über Schnittstellen (APis) verfügbar ist. Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) unterstützt das Projekt mit Know-how, Texten und Beiträgen.

Die Projekte der Strategie für die digitale Transformation werden gemäss der Governance zwischen den Institutionen Radiotelevisiun Svizra Rumantscha, Fundaziun Medias Rumantschas, Dicziunari Rumantsch Grischun und der Lia Rumantscha koordiniert.

(Quelle und weitere Informationen: Lia Rumantscha; Radiotelevisiun Svizra Rumantscha)