Die Basler Fasnacht ist wieder vorbei (10.–12. März 2025). Oder vielleicht doch nicht. An drei aufeinanderfolgenden ‚Bummelsonntagen‘ nach dem 13. März präsentieren sich die aktiven Teilnehmer der Öffentlichkeit mit ihren Trommeln, Piccolos, Blas- und Schlaginstrumenten in Cliquen oder informellen Formationen, aber nicht selten auch als lautstarke Guggemusik.




Allerdings tun sie dies ohne Fasnachtskostüme, Cortège oder Laternen. Diese Praxis symbolisiert einen wichtigen sozialen Aspekt der Fasnacht: für und von den Bürgern und ihren Vereinigungen, ohne Unterschied von Person, Alter, Herkunft, Titel, Beruf, Mann oder Frau.

Sie haben nichts zu verbergen und fürchten keine Sanktionen wegen ihrer sozialen und politischen Ansichten sowie der Fasnachtsthemen. Fasnacht ist wahrhaftig ein öffentliches Theater mit den Bewohnern der Stadt als Teilnehmern und als Zuschauern. Darüber hinaus ist die Fasnacht ein integraler Bestandteil der Basler Gesellschaft und umfasst alle Ränge, Klassen und Einwanderer.

Darüber hinaus hatte diese Fasnacht etwas zu feiern, und Frau Fasnacht feierte es stilvoll. Der berühmteste Fasnächtler, Jean Tinguely (1925–1991), wurde vor einem Jahrhundert geboren.




Der Rauch bei der Clique mit dem Tinguely Sujet, im diesjährigen Umzug, erinnert an einen Vorfall im Jahr 1974. Tinguely zündete damals ein Feuerwerk mit viel Rauch im Cortège an. Diese Aktion führte sogar zu einem Gerichtsverfahren und wütenden Reaktionen. 50 Jahre später ist diese „Escapade“ längst vergeben.


Das nach ihm benannte Museum und der Brunnen in Basel widmen sich seiner Zeit als aktiver und kreativer Teilnehmer der Fasnacht, obwohl er kein Instrument spielte. Nicht weniger als 18 Cliquen wählten Tinguely als ihr Thema mit Kostümen, Laternen, Wagen und Objekten.
„Syni Kunscht und syni Skulpture sin Wältbekannt, erschaffen am Rhy, no iim e Museum isch benannt, Basel isch stolz uff sy bekannt Soon, das isch woor, und so lauft äär voruss duur syni Stadt, au mit 100 Jahr“ (Clique Schlössli-Schränzer), „Mir danke dangge dir, Jean Tinguely, fir dy Kunscht, du bisch und blybsch aine vo uns“ (Glaibasler Schränz-Brieder).

Tinguely (und seine Frau Niki de Saint Phalle (1930-2002) haben “ihr“ Museum (und nicht nur in Basel). Umso bedauerlicher ist es, dass die meist prächtigen Laternen, die ihm gewidmet sind, der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Und dies gilt auch für andere Laternen.


Ein Fasnachtschronik über Sujets und Goschdym ist tatsächlich für Historiker interessant, denn sie bietet Einblicke in die (internationale) Politik und (regionale und nationale) Themen im Laufe der Zeit und das umfasst mittlerweile über 150 illustre Jahre.



Laterne und Larven der Clique Verschnuuffer
Die Laternen und Themen (und natürlich ganz explizit und scharfzüngig die Schnitzelbängg) geben einen Eindruck davon. Sie sind ein Spiegelbild des Zeitgeistes und der Gesellschaft. Zum Beispiel sind sie sich über Trump einig: „Em Trump sy Arroganz isch e Dootedanz“ und „Putin und Trump, das isch bekannt – gänn sich gärn die rächti Hand“.

Vielleicht eine Idee für ein digitales Laternenmuseum?
Initiative für ein digitales Fasnachtsmuseum basierend auf Laternen, Wagen, Kostümen und Sujets




























Und ein Laden in der Nähe













































































































































































































































































Mellikon, Meieried




































