Der Rhein als Wander-, Energie-, Handels-, Kultur- und Grenzweg
10 März 2025
Wehmütig und melancholisch blickt Helvetia auf der Kleinbasler Seite der Mittleren Brücke nach Westen, den Rhein stromabwärts. Woran denkt sie? An die gute alte Zeit für den Rhein, als dieser Fluss noch Renos (der Keltische Name) oder Rhenus (der römische Name) hiess und das Sagen hatte und mäanderte und floss, wohin und so hoch er wollte?
An die Flusslandschaft an beiden Ufern des Rheins ohne Bebauung und menschliches Eingreifen? An die Petite Camargue Alsacienne ein paar Kilometer weiter? An die Lachse, die zahlreich und gut genährt den Rhein bewohnten? Oder hat sie in der alten Bischofsstadt Basel Ruhe gefunden?

Der Rhein bei Rekingen
Helvetia könnte ihren Blick jedoch auch stromaufwärts richten. Lachse gibt es kaum mehr, Bebauung umso mehr und der Rhein ist „gezähmt“ und teilweise kanalisiert mit starkem Schiffsverkehr. Und doch kennt der heutige Rhein noch zahlreiche Naturschutzgebiete und selbst menschliches Eingreifen hat gelegentlich seine Schönheit.

Der Rhein bei Eglisau
Übrigens ist der Rhein nicht überall der Grenzfluss zwischen Deutschland und der Schweiz. Helvetia sitzt nämlich auf dem rechten Rheinufer. Auch die Stadt Eglisau (Kanton Zürich) befindet sich auf der rechten Rheinuferseite.


Die Brücke bei Eglisau
Die Kantone Schaffhausen (ohne die deutsche Enklave Büsingen) und der Kanton Basel-Stadt (die Stadt Basel teilweise, Riehen und Bettingen vollständig) liegen ebenfalls teilweise oder sogar grösstenteils auf dem rechten Rheinufer.
Der Rhein ist zwar „gezähmt“, aber an verschiedenen Stellen geben Naturschutzgebiete noch einen Eindruck von der Situation vor dem menschlichen Eingreifen ab dem 19. Jahrhundert.




Die Schweiz wäre jedoch nicht die Schweiz, wenn die Strömung des Rheins nicht zur Energiegewinnung genutzt würde. Wasserkraft deckt etwa 50 % des Strombedarfs des Landes.
Auf einer Strecke von etwas über 20 Kilometern zwischen Eglisau und Bad Zurzach befinden sich beispielsweise zwei Wasserkraftwerke. Diese machen das Leben der Lachse natürlich nicht einfacher, obwohl Fischtreppen möglicherweise langfristig Perspektiven bieten.
Der Rhein war bis zu den französischen Eroberungen durch Napoleon (1769-1821) ab 1798 nicht so sehr ein Grenzfluss, sondern vor allem eine Handelsstrasse und eine Verkehrsader für den Personenverkehr. Die grossen Holzflösse, mit einer Länge von 300-400 Metern und manchmal 50 Metern Breite, zeugten auch davon.

Bild: Museum De Bastei, Nimwegen (Nijmegen)
Sie fuhren beziehungsweise trieben mit der Strömung bis zum Delta in Rotterdam. Auch viele Schweizer Passagiere nutzten die Holzflösse als Verkehrsmittel! Und der Handel mit Waren, unter anderem mit Vieh, Holz und Salz, fand grösstenteils auf dem Rhein statt, mit Schaffhausen, Rheinfelden und Basel als wichtigen Umschlagplätzen.
Die Holzflösse haben längst der motorisierten Schifffahrt Platz gemacht, aber der Rhein ist immer noch eine wichtige Verkehrsader. Ein Städtchen wie Kaiserstuhl (Kanton Aargau) zeigt, wie bereits in früheren Zeiten die Lage am Rhein zu Wohlstand geführt hat.
Die jahrhundertealten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen der Grafschaft Baden (Kanton Aargau), dem Bistum Konstanz und der alten Eidgenossenschaft sind ebenfalls Ausdruck davon.

Die Brücke über den Rhein von Kaiserstuhl nach Hohentengen
Heute verbindet die Brücke über den Rhein Kaiserstuhl wieder mit Hohentengen (Baden-Württemberg) ohne Hindernisse, wie sie es jahrhundertelang getan hat, bis es im 19. Jahrhundert durch die Gründung der Nationalstaaten und in den Kriegszeiten des 20. Jahrhunderts zu den (hermetischen) abgeriegelten Grenzen kam.

Dichter und Schriftsteller fanden auch Gefallen am Rhein. Einer der bekanntesten Schweizer Schriftsteller, Gottfried Keller (1819-1890), hat sogar einen nach ihm benannten Uferweg.

Trotzdem war der Rhein nicht immer ein Ort dichterischer Inspiration. Viele Bunker an den Schweizer Ufern geben einen Eindruck von den Verteidigungsanlagen in den 1940er Jahren.

Kaiserstuhl
Kaiserstuhl ist heute Teil der Gemeinde Zurzach mit unter anderem Bad Zurzach und seiner berühmten Badekultur, der Heiligen Verena, dem Schloss und den Dörfern Rekingen und Rümikon.


Schloss Bad Zurzach
Der Schweizer Alpen-Club (SAC)
Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet und anderswo im Land.
Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.
(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).
Korrektorin: Eva Maria Fahrni
Weitere Eindrücke




Mellikon, Meieried






