La Petite Camargue Alsacienne. Foto/Photo: TES

La Petite Camargue Alsacienne am und im Rhein

Was für die Kelten (Renos), die Römer (Rhenus) und die heutigen Bewohner des Stromgebiets des Rheins selbstverständlich war und ist, war das nicht für die Natur. Der Rhein floss zwar schon seit Millionen Jahren von der Quelle im St. Gotthard-Massiv nach Basel, aber kurz danach ging er nicht Richtung Nordsee, sondern durch das Burgundische Tor zum Mittelmeer.

Die Burgundische Pforte ist das flache Land zwischen den nördlichen Ausläufern des Juras und den südlichen Hängen der Vogesen, zwischen den Städten Basel, Mulhouse, Montbéliard und Belfort. Geologische Veränderungen, unter anderem durch Vulkanausbrüche, veränderten den Lauf des Rheins.

Der Altrhein bei Istein, Isteiner Schwellen)

Jahrhundertelang war es ein Traum, den Rhein wieder mit dem Mittelmeer zu verbinden. Bekannte Beispiele sind das Projekt holländischer Kaufleute im 17. Jahrhundert, die Planung und teilweise Umsetzung eines Rhein-Rhône-Kanals im 18. und 19. Jahrhundert und sogar eine Schifffahrtsstraße über die Alpen von Italien Richtung Rhein im 19. Jahrhundert!

Der Rhein-Rhône-Kanal existiert tatsächlich, aber nicht in der ursprünglich geplanten Form für die Berufsschifffahrt. Darüber hinaus ist der Rhein durch Kanalisierung und internationale Zusammenarbeit im 19. und 20. Jahrhundert für die Schifffahrt viel besser befahrbar geworden.

Peter Birmann (1758-1844), der Rhein um 1820 und der Isteiner Klotz Richtung Basel. Sammlung: Kunstmuseum Basel.

Die Kanalisierung hatte jedoch für die Natur eine Kehrseite. Davor war der Rhein faktisch ein breites Becken aus mäandernden Seitenarmen und Wassergebieten und grossen Überschwemmungsflächen von manchmal bis zu 10 Kilometern Breite.

Landwirtschaft nahe Kembs

Seit dem Mittelalter und insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert wurde dies sowohl für die Anwohner als auch für die wirtschaftliche Nutzung und die  Schifffahrt ein immer grösseres Problem. Das explosive Wachstum von Industrialisierung, Landwirtschaft, Bebauung und Bevölkerung und der ungezähmte Rhein – das ging nicht zusammen. Die Naturgebiete entlang des Rheins wurden dadurch rasch verdrängt.

Doch selbst in dieser dicht besiedelten Region des Dreiländerecks Schweiz, Deutschland und Frankreich mit viel Schiffsverkehr gibt es noch ein wunderschönes Naturschutzgebiet, das seinem Namen alle Ehre macht, La Petite Camargue Alsacienne. Das Gebiet umfasst den Canal de Huningue, den Grand Canal d’Alsace, den Altrhein im Elsass sowie die dazwischen liegenden Orte und weist eine Fläche von etwa 900 Hektar auf.

Das alte Schleusenhaus am Canal de Huningue

Die Dörfer Kembs, Rosenau, Saint-Louis auf französischer Seite und Istein auf deutscher Seite sind nur 5 Kilometer von Basel entfernt. Nichts lässt vermuten, dass diese Petite Camargue (nicht zu verwechseln mit der Camargue in Südfrankreich) mitten zwischen Schleusen, Kanälen, jährlich tausenden fahrenden Binnenschiffen und einigen Ortschaften liegt.

Grand Canal d’Alsace

Die Flora und Fauna gedeihen noch immer in dieser „Au-Landschaft“. ‘Au’ bedeutet, ebenso wie Renos und Rhenus, Wasser (In der Rätoromanischen Sprache ist das Wort für Wasser noch immer ‘Aua’).

La Petite Camargue

Überschwemmungen und der ungezähmte Rhein haben im Laufe von Tausenden Jahren La Petite Camargue geformt. Der Mensch hat beschlossen, ein Teilgebiet von den insgesamt etwa 21.000 Hektar der ursprünglichen ‘Rheinwald-’ und „Au“-Landschaft im Elsass zu erhalten.

Canal de Huningue mit den Roche-Türmen in Basel im Hintergrund

Der Mensch kommt der Natur manchmal sogar ein wenig zu Hilfe. Der Lachs kann dank Fischleitern wieder den Hochrhein erreichen (wenn auch vorerst in kleinen Mengen) und der Canal de Huningue ist eine Wasserzufuhr für La Petite Camargue. Dieser Kanal wurde 1828 angelegt, um den Rhein mit der Rhône zu verbinden, und er hat heute eine Funktion für die Natur.

(Quelle und weitere Informationen: A. Boissaye, Ph. Knibiely, Aude Boissaye, Philippe Knibiely, Petite Camargue Alsacienne. Der Urwald am Rhein, Strassburg, 2006; La Petite Camargue Alsacienne)

Schleuse Kembs

Wasserkraftwerk Kembs