Die Confoederatio Helvetica

Die Abkürzung CH ist von der offiziellen lateinischen Bezeichnung „Confoederatio Helvetica“ abgeleitet. Curia Confoederatis Helveticae steht auf der Fassade des Bundeshauses in Bern. Der Name Helvetica bezieht sich auf den keltischen Stamm der Helvetier, der vor über 2’000 Jahren das Schweizer Mittelland bewohnte.

Bern, das Bundeshaus

Melide, Swiss Miniature

Paul Burkhard (1888-1964) wurde 1920 mit der Gestaltung einer neuen Fünf-Franken-Münze beauftragt. Er entwarf den Alphirten (und nicht Wilhelm Tell!)

Die ersten Eidgenossen

Ein Zusammenschluss der drei Orte in der Zentralschweiz, Uri, Schwyz und Unterwalden, bildete die ersten Anfänge der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Der Begriff Kanton geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Dieses Bündnis wurde vor über sieben Jahrhunderten, etwa 1291, mit einem Eid ratifiziert, daher der Name Eidgenossen.

Solche Bündnisse zwischen Orten, Städten und Regionen waren zu jener Zeit üblich. Auch andere Städte wie Bern und Freiburg/Fribourg schlossen bereits vor 1291 Bündnisse. Das Besondere an den Schweizer Bündnissen ist, dass sie zur Schweiz und zu ihren 26 souveränen Kantonen führten!

Die Hanse (vom 12. bis zum 16. Jahrhundert), der Rheinische Städtebund (1254-1257, 1381-1389), der Schmalkaldische Bund (1530-1546), der Schwäbische Städtebund (1331-1381), der Schwäbische Bund (1488-1534) und z.B. der Zehnstädtebund oder Dekapolis (1354-1679) sind Beispiele für Bündnisse, die es nicht geschafft haben, bis heute zu überleben.

Dieses Bündnis von 1291 wurde im Jahr 1315 erneuert. Die Urkunde ist erhalten geblieben und kann heute im Bundesbriefmuseum in Schwyz besichtigt werden.

Landesmuseum Zürich, die Tagsatzung der Kantone (oben) und eine Kopie der Urkunde von 1291 (unten)

Die Eidgenossenschaft entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte. So entstand 1513 allmählich eine Konföderation von 13 deutschsprachigen Kantonen (nur Freiburg/Friboug war zweisprachig) ohne Verfassung.

Auch der heutige Kanton Graubünden zeigt die Einzigartigkeit der Eidgenossenschaft. Graubünden bestand im Spätmittelalter aus drei Bündnissen: dem Gotteshausbund (1367), dem oberen oder Grauen Bund (1395 und 1424 bestätigt), daher der Name Graubünden, und dem Zehngerichtebund (1436).

Diese drei souveränen Republiken schlossen sich im Jahr 1524 zum Freistaat der drei Bünde zusammen. Dieser souveräne Staat wurde zu einem Verbündeten der Eidgenossenschaft. Der neue Kanton Graubünden wurde 1803 durch die neue Eidgenossenschaft (Mediationsakte 1803-1813) geschaffen.

Bild: Nidwalder Museum, Stans

1648-1848

Der Westfälische Friede (1648) bestätigte die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Nachdem die französische Armee 1792/1793 einen Teil des Bistums Basel annektiert hatte, fiel sie 1798 in die Schweiz ein. Napoleon gründete daraufhin die Helvetische Republik, einen Einheitsstaat ohne Unabhängigkeit der jahrhundertealten Kantone, nach dem Vorbild der Batavischen Republik (1795) in den Niederlanden. Der Widerstand der Kantone war jedoch so stark, dass diese Republik 1803 aufhörte zu existieren.

Im Jahr 1803 gründete Napoleon eine neue Konföderation (1803-1813). Dieser Bund umfasste die dreizehn alten Kantone und die sechs neuen Kantone (Aargau, Tessin, St. Gallen, Thurgau, Waadt und Graubünden). Diese Eidgenossenschaft umfasste  also 19 souveräne Kantone.

Nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress von 1815 zählte die neue Konföderation 22 Kantone, darunter die neuen Kantone Wallis, Genf und Neuenburg. Der Bundesvertrag von 1815 war keine Verfassung, sondern ein Vertrag zwischen den Kantonen. Der Kanton Jura wurde 1979 als Abspaltung vom Kanton Bern geschaffen, zu welchem er seit 1815 (Wiener Kongress) gehörte.

Die Revision von 1874. Sammlung: Landesmuseum Zürich

Die Bundesverfassung

Nach dem Sonderbundskrieg von 1847 zwischen katholischen Kantonen, die keinen starken Bund wollten, und protestantischen und einigen katholischen Kantonen, die einen starken Bund wollten, bestätigte die Bundesverfassung von 1848 die Grundlagen der heutigen Eidgenossenschaft.

Mit den Revisionen von 1874 und 1891 wurden zwei wichtige Instrumente eingeführt, mit denen die Bürgerinnen (seit 1971) und Bürger Einfluss auf die Bundesgesetzgebung und sogar auf die Verfassung nehmen konnten: das fakultative Referendum (für die Gesetzgebung) und die Volksinitiative für die Aufnahme neuer Artikel in die Verfassung. Das obligatorische Referendum für eine Verfassungsänderung durch die Regierung gab es bereits 1848.

Die Verfassungsänderung vom 1. Januar 2000 bestätigt das Verhältnis zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und Bürgern sowie den Vorrang des Bundesrechts vor dem kantonalen Recht.

Der Bund (la Fédération) ist in allen Bereichen zuständig, die ihm von der Verfassung ausdrücklich, d.h. mit Zustimmung von Bürgern der Gemeinden und Kantonen übertragen werden. Alle anderen Aufgaben und Befugnisse fallen in die Zuständigkeit der Kantone. Die Kantone können ihrerseits Kompetenzen an die Gemeinden delegieren.

Die Landesregierung heisst Bundesrat/Conseil fédéral. Die Verfassung sieht sieben Minister und Ministerinnen für sieben Departemente in der Regierung vor.

Bern, das Bundeshaus

Das nationale Parlament

Das Schweizer Parlament besteht aus zwei Kammern. Der Nationalrat (Conseil national) vertritt die Bürgerinnen und Bürger. Der Ständerat (Conseil d’États) vertritt die sechsundzwanzig Kantone.

Zusammen bilden diese beiden Kammern die Nationalversammlung (Assemblée fédérale/Bundesversammlung). Sie hat 246 Mitglieder: 200 Mitglieder des Nationalrats und 46 Mitglieder des Ständerats.

Die 46 Mitglieder des Ständerats vertreten ihren Kanton mit zwei Delegierten pro Kanton. Sechs Kantone (Obwalden, Nidwalden, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden) haben einen Vertreter.

Das Bundeshaus, die heutigen Kantone, der Jura wurde 1979 hinzugefügt

Kantone und Gemeinden

Die Verfassung anerkennt die Gemeinden, die ältesten Organe der Schweiz. Sie existierten lange vor den Kantonen und noch viel länger vor der Eidgenossenschaft von 1848.

Die Schweiz ist auf dem Prinzip der Subsidiarität gebaut. Die (delegierte) Macht haben, wenn irgendwie möglich, erst die Gemeinden, dann die Kantone und dann der Bund. Entscheiden soll, wer unmittelbar betroffen ist. Die Gemeinden sind die Kleinstlabors der direkten Demokratie und erst dann die Kantone.

Landsgemeinde Trogen (Kanton Appenzell Ausserrhoden) 1814. Bild: Kantonsbibliothek  Appenzell Ausserrhoden

Jeder Kanton hat seine Verfassung, sein Parlament, seine Regierung und seine Gerichte. Die Kantone sind souverän, sofern sie nicht Kompetenzen an den Bund abgetreten haben. In vielen Bereichen (u. a. Gesundheit, Bildung, Justiz, Polizei, Steuern) verfügen sie über ein hohes Mass an Autonomie.

Die Gemeinde ist die kleinste politische Einheit der Schweiz. Es gibt rund 2.200 Gemeinden. Die Gemeinden erfüllen die Aufgaben, die ihnen von der Kantonsverfassung zugewiesen werden.

In den grösseren Gemeinden, etwa jeder fünften, ist die Legislative durch ein Parlament vertreten, in den übrigen durch eine Gemeindeversammlung, an der alle stimmberechtigten Einwohner teilnehmen können.

Bern, das Bundeshaus

Die Polizei und Justiz 

Die Kantone haben die Hoheit über die Organisation der Justiz und Rechtsprechung, aber im Rahmen und mit dem Respektieren des Bundesrechts, der Bundesverfassung und der internationalen Verträge. Oberstes Gericht ist das Bundesgericht (Tribunal fédéral) in Lausanne. Es hat drei weitere Abteilungen in Bellinzona (Strafrecht), St. Gallen (Verwaltungsrecht) und Luzern (Sozialversicherungsrecht).

Genf, Referendum September 2022

Schlussfolgerung

Die Schweiz ist sprachlich, religiös, kulturell und wirtschaftlich ein geteiltes Land. Dennoch funktioniert das Land auf politischer Ebene (relativ) gut. Die 26 Springbrunnen vor dem Bundeshaus symbolisieren diese Einheit in der Vielfalt der Kantone. An bestimmten Wochentagen werden die Brunnen mit einer speziellen Choreographie bespielt.

Die direkte Demokratie, der Föderalismus und das Wahlsystem (eine einzigartige Kombination aus Proporzwahlrecht und Majorzwahlrecht) sind die Pfeiler des wirtschaftlichen, sozialen und demokratischen Erfolgs und der Stabilität des Landes.

1848 war dies jedoch nicht selbstverständlich. Das Land ist aus einem mittelalterlichen Bündnis überwiegend souveräner deutschsprachiger Orte und Kantone hervorgegangen.

Zwischen 1291 und 1848 kam es dann auch zu zahlreichen (bewaffneten) Konflikten zwischen den Kantonen oder auch innerhalb einzelner Kantone. Der Slogan „unus pro omnibus, omnes pro uno“ am Eingang zum eidgenössischen Parlament in Bern kam erst 1848 richtig zur Geltung.

Die Verfassung stammt von 1848, darin definieren die Kantone und das Schweizer Volk den Bundesstaat, die Bundesorgane und ihre Kompetenzen, die Ausübung dieser Kompetenzen und die Organisation des Landes.

Die 26 Kantone

In den letzten Jahrzehnten verschiebt sich die Macht jedoch nach oben, und die Autonomie der Gemeinden und Kantone, das Fundament der direkten Demokratie, steht unter Druck. Diese Diskussion ist aktuell in einer Zeit von vielen Krisen. Die zentrale Frage ist: wie können auch die grossen (und kleinen) Probleme im Kleinen gelöst werden und noch immer mit dem Milizsystem?

Es besteht ein Unterschied zwischen den Kantonen und dem Schweizervolk in den Gemeinden als Stifter der Confoederatio Helvetica und dem Bund andererseits. Das Volk und die Kantone sind und bleiben der Souverän, sofern keine Kompetenzen an den Bund übertragen wurden. Volk und Kantone können dies theoretisch jederzeit rückgängig machen.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Bern, das Bundeshaus 

Melide, Swiss Miniature

Maximilian und sein Triumphzug

Fast 525 Jahre nach seiner Niederlage 1499 im Schwabenkrieg stellt der Triumphzug Kaiser Maximilians (1459-1519) in Basel nicht nur einen historischen Moment dar, sondern auch ein kunsthistorisches und musikalisches Monument. 

 

Mit dem riesigen Bilderfries gab Maximilian um 1510 ein Projekt in Auftrag, das alle bisherigen in den Schatten stellte. ReRenaissance nimmt das Bild zum Anlass für das Festival Musik und Macht. Maximilians Triumphzug. An drei Tagen, vom 22. bis 24. September, präsentieren mehr als 50 Musiker und Musikerinnen ein vielfältiges Programm mit Musik rund um den kaiserlichen Hof. 

 

Ludwig Senfl (um 1486-1543) arbeitete am Hof Maximilians und gilt als der berühmteste Renaissance-Komponist der Schweiz. Seine Lieder reichen vom nachdenklichen “Patientiam” bis zum ausgelassenen “Oho, so geb der Mann ein Pfenning”. Das Festival präsentiert seine Werke in all ihren Schattierungen.

 

Der Drucker Peter Schöffer (1475-1547) gab eine Liedersammlung für Maximilian heraus. In einem Nachlass tauchten 2020 verschollene Stimmbücher auf, und mehr als ein Drittel der Lieder konnten rekonstruiert werden. Sie stellen den Höhepunkt der Liedkunst am Hofe Maximilians dar.

 

Verschiedenste Formationen beleuchten diese und andere unbekannte Facetten der Musik, vom Tastensolo auf Maximilians goldenem “Apfelregal” (das erste Mal in Basel zu hören: das eigens aus Österreich importierte goldene Apfelregal Maximilians) bis zu bekannten Ensembles wie Leones, I Fedeli und Phaedrus.

Das Festival vereinigt zudem für das Galakonzert in der Martinskirche  am 23. September 30 Musiker und Musikerinnen zu einem grossen Orchester.

Am selben Ort wird am Sonntag um 11 Uhr die Vokalgruppe von ReRenaissance zusammen mit dem Organisten David Blunden eine Messe von Heinrich Isaac (1450-1517) aufführen.

(Quelle und weitere Informationen: ReRenaissance-Forum Frühe Musik)

Schweizer Kultur in Perspektive

Indische Schweiz, Afrikanische Schweiz, Sächsische Schweiz, Little Switzerland, Switzerland of Cameroun, Schweiz des Orients, Subtropische Schweiz, Switzerland Rangers, Little Switzerland, Klein Switzerland, Dänische Schweiz, Berliner Schweiz, Nassauer Schweiz, Swiss Canyon, Salvadoranische Schweiz, Mittelamerikanische Schweiz, la Suiza Argentina, la Suiza Peruana oder Österreichische Schweiz, die Schweiz ist auf der ganzen Welt und auf den fünf Kontinenten gut vertreten.

Neben dem Bundeshaus West in Bern findet sich ein Steingarten, eine Skulptur des Berner Künstlers George Steinmann. Auf der rechteckigen Fläche aus weissem Kies erheben sich fünf Gesteinsgruppen, die fünf Kontinente verkörpern.

Die Schweiz in der Welt

Die Steine der Skulptur stammen aus allen fünf Kontinenten und wurden aus Gebieten, Landschaften, Hügeln und Orten entnommen, die den Namen ‘Schweiz’ (übersetzt aus der Landessprache) tragen. In diesen ausländischen ‘Schweizen’, wo die Steine nun fehlen, steht ein Wanderwegweiser, der anzeigt, wie weit entfernt man sie wiederfinden würde (in Bern also).

Die Bezeichnungen sind meist auf eine Ähnlichkeit mit der Schweizer Landschaft oder auf Schweizer Auswanderer zurückzuführen. Es stellt sich heraus, dass die Schweiz in vielen Ländern vertreten ist. Die Schweiz ist also weltweit bekannt.

Wie bekannt ist aber die Schweizer Kultur im Ausland? Unter dem Titel: ‘»Schweizer Kultur: ein Exportprodukt?» diskutierten rund 300 Teilnehmer und Experten am 99. Auslandschweizer-Kongress der SwissCommunity in St. Gallen (18.-20. August 2023) über dieses Thema. Eine weitere Angelegenheit war die politische Partizipation der Auslandschweizer und E-Voting mit Blick auf die eidgenössischen Wahlen am 22. Oktober.

Ariane Rustichelli, Direktorin der Auslandschweizer-Organisation SwissCommunity

Politische Partizipation und E-Voting

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 16. August 2023 beschlossen, dass das E-Voting-System bei den nationalen Wahlen vom 22. Oktober in den Kantonen Basel-Stadt, St. Gallen und Thurgau eingesetzt werden kann. Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, die im Stimmregister dieser Kantone eingetragen sind, können am 22. Oktober ihre Vertreterinnen und Vertreter im Parlament elektronisch wählen.

In der Schweiz sind die souveränen Kantone stets ein verfassungsrechtliches und politisches „Labor“ für die föderale Organisation. Diese Pilotprojekte könnten der Auftakt zu einer weiteren (Wieder)Einführung des E-Votings sein.

Die Mitglieder der SwissCommunity verabschiedeten zudem eine Resolution zur Gründung einer Arbeitsgruppe, die sich für eine stärkere politische Beteiligung der „Fünften Schweiz“ einsetzt. Diese Arbeitsgruppe wird mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die sich ebenfalls für eine stärkere politische Beteiligung einsetzen.

Die Mitglieder fordern auch eine weitere Unterstützung ihres Engagements durch den Bund, auch im Hinblick auf die sich verändernden Gründe für die heute oft nur noch zeitlich begrenzte Auswanderung. Zudem können ausländische Perspektiven, Erfahrungen und Konzepte die Schweiz bereichern.

Martin Candinas, Nationalratspräsident

Schweizer Kultur – ein Exportprodukt?

Mein Amt als Nationalratspräsident hat mich in diesem Jahr oft ins Ausland geführt. Was mich dabei immer beeindruckt, sind die Begegnungen mit den Schweizerinnen und Schweizern vor Ort. Diese Begegnungen haben mir gezeigt, dass die Schweizer Kultur nicht nur ein Exportprodukt ist. Ich finde, wir können selbstbewusst von einem Exporterfolg sprechen.

Mit diesen Worten (nach einer Begrüssung der Anwesenden auf Romanisch (Sursilvan) führte Nationalratspräsident Martin Candinas das Thema ein.

Es kann ja sein, dass die Kultur ein Exporterfolg ist, aber die Schweiz ist im Ausland als Kulturland fast unbekannt, nicht nur auf den anderen Kontinenten, sondern auch in Europa. Eine Umfrage hat ergeben, dass andere Europäer, auch in den Nachbarländern, die Schweiz mit Bergen, Natur, Käse, Schokolade, Skifahren, Fondue und anderen Sachen assoziieren, aber ganz selten oder gar nicht mit Kultur.

Alexandre Edelmann (Chef a.i. von Präsenz Schweiz) während seiner Rede über die Umfrage.

Ist es die schweizerische Bescheidenheit, die zurückhaltende Präsentation, das Fehlen aristokratischer und fürstlicher Höfe oder einer goldenen Epoche in früheren Zeiten?

Die schweizerische Kulturlandschaft war schon immer international vernetzt und auch heute prägen viele Wissenschaftler, Architekten, Schriftsteller, Musiker und andere Künstler und Künstlerinnen die internationale Bühne in vielen Bereichen, aber oft, ohne ihre Herkunft zu erwähnen.

An sich ist dies auch nicht wichtig. The proof of the pudding is in the eating und die hochkarätige Kultur in der Schweiz ist in Musik, bildenden Künsten, Theater, Tanz, Literatur und modernen Medien omnipräsent. Sie ist allerdings oft auf lokaler, kantonaler oder kommunaler Ebene organisiert. Die Qualität ist jedoch in den zahlreichen Museen, Konzerthallen, Dörfern, Städten, Parken oft hoch, eben auf 2 284 Meter Höhe!

Die Schweizer Kultur ist ein Erfolg, vielleicht, weil sie so dezentralisiert stattfindet. Dies war und ist immer ein Motor für (internationale) Kontakte, Innovation, Kreativität und organisatorische Talente. Vielleicht ist diese föderale, dezentralisierte Kulturszene aber mit einem Grund für die (relative) Unbekanntheit der Schweiz als Kulturland.

Das Béjard-Ballet in Lausanne, die Salle de la Musique in La Chaux-de-Fonds, die Jazz-Festivals in Montreux oder St. Moritz, die Scherenschnitte in Château d’Oex, die (ehemalige) Ziegler-Keramik in Schaffhausen, die Uhren, die Fondation Pierre Gianadda in Martigny, das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, die Stickerei in der Ostschweiz, die Musikfestivals in Luzern oder Gstaad, die Michalski Fondation in Montricher, die Beyeler Fondation in Riehen oder das Barockorchester La Cetra in Basel sind nur einige Beispiele. Viele Schweizer und Schweizerinnen waren und sind ausserdem in vielen Bereichen der Kultur im oder in Verbindung mit dem Ausland aktiv.

Tradition und Innovation

Schlussfolgerung

Die Kulturlandschaft der Schweiz ist seit jeher weit und breit bekannt, aber fast immer ‘low profile’, im Gegensatz zu den 48 Bergen mit einem sehr hohen Profil. Schon der Humanist Desiderius Erasmus (1467-1536) schätzte diese Umgebung.

Vielleicht fehlt es tatsächlich ein spezifischer Faktor, wie zum Beispiel das Goldene Jahrhundert in Italien und in den Niederlanden, ein König Ludwig XIV. von Frankreich oder deutsche, spanische und österreichische Fürsten und ihre Hofkultur und Weltreiche. Die Schweizer Kultur und ihr Export oder Erfolg sind in dieser Hinsicht auch typisch schweizerisch. Und das ist ein Kompliment.

Filippo Lombardi, Präsident der Auslandschweizer-Organisation SwissCommunity

Die Eröffnung des 99. Auslandschweizer-Kongress mit der Nationalhymne.

Laufen im Laufe der Zeit

In der römischen Zeit führte eine Heerstrasse vom Val Terbi (Kanton Jura) über Laufen und den Plattenpass ans Rheinknie und nach August Raurica. Die Ausgrabung einer grossen römischen Villa brachte wertvolle Objekte zutage. Auf die Zeit der Frankenherrschaft (6.-8. Jahrhundert) wird der Bau der Kirche St. Martin datiert.

Das Untertor (um 1300)

Den Namen hat die Siedlung vom Wasserfall der Birs, dem “Laufen”, erhalten. Laufen bedeutete früher Wasserfall. Laufen wurde erstmals im Jahr 1141 urkundlich erwähnt, als König Konrad III. (1094-1152) den ‘Courtis Loufen“, der bis dahin im Besitz des Klosters St. Blasien (Schwarzwald) war, an das Fürstbistum Basel übergab. Laufen erhielt 1295 das Stadtrecht.

Um 1300 ist der Graf von Pfirt Lehnsherr des Dinghofes Laufen. Ein Dinghof ist die Bezeichnung für einen herrschaftlichen Gutsbetrieb mit eigener Gerichtsbarkeit. Durch Erbgang gelangte eine Hälfte desselben an die Habsburger, während die andere Hälfte an das Fürstbistum von Basel zurückfiel.

Das Obertor (um 1300)

Das Wassertor (um 1300)

Lehensträger dieses Gutsteils wurden die Freiherren von Ramstein auf Schloss Zwingen. Im Jahre 1459 starb der letzte Ramsteiner; im gleichen Jahr wurden die zwei Hälften des Dinghofes wieder vereinigt und fielen an den Bischof des Fürstbistums Basel.

Laufen schloss 1525 mit der Stadt Basel ein Burgrecht ab und trat zum neuen Glauben über. 1589 löste Bischof Christoph Blarer von Wartensee (1542-1608, mit Sitz in Pruntrut) diesen Burgrechtsvertrag wieder auf und führte die Gegenreformation durch.

Der Bau der barocken Katharinenkirche wurde 1698 vollendet. An diesem Standort befand sich im 14. Jahrhundert eine Kapelle.

1792 folgte die Besetzung durch die Franzosen und die Ausrufung der Raurachischen Republik (1792-1793). 1793 wurde Laufen dem Département Mont-Terrible zugeteilt und 1800 dem neuen Département Haut-Rhin.

Durch den Entscheid des Wiener Kongresses (1814-1815) wurde die Stadt dem Kanton Bern zugeordnet. Am 1. Januar 1994 erfolgte der Übertritt in den Kanton Basel-Landschaft.

Die Katharinenkirche, die drei Stadttore, Teile der Stadtmauer, die Hauptstrasse, die urzeitlichen Dolmen und die Birs sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Laufen)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Birs

Die Katharinenkirche

Das Amtshaus. Hier lag im 12. Jahrhundert ein Dinghof. Der Holzbau wurde im 15. Jahrhundert durch einen Steinbau ersetzt. Das Berner Wappen stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Helias Helye

Das Museum Laufental

Monument 1914-1918 (Die Schweiz war neutral. Eine Division war an der Birs, nahe der Grenze zum (besetzten) Frankreich, stationiert. Die Soldaten starben an Krankheiten (nach 1918 an der Spanischen Grippe), bei Unfällen oder bei Militärübungen)

Der Bundesplatz

Dieser Teil des Berner Stadtzentrums, der Bundesplatz, war einst Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und des Oberen Grabens. Diese wurden vor 1256 erbaut.

Dieses Gebiet entwickelte sich zwischen den 1570er und 1630er Jahren weiter. Im 19. und 20. Jahrhundert erhielt der Platz seine heutige Form.

Die Stadt liess 1858 einen Monumentalbrunnen errichten. Das Becken entwarf der erbauer des Bundeshauses, Friedrich Studer (1817-1879). Die vier Schwäne schuf Bildhauer Joseph Hubert Verbunt (1809-1870). Die Schwäne verkörpern die Flüsse Rhone, Rhein, Reuss und Tessin. Die Hauptfigur stellt die Stadtgöttin Berna, und nicht die Helvetia dar. Der Bildhauer Rahpael Christen (1811-1880) modellierte sie 1863.

Der Platz wird vom Parlamentsgebäude der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Curia Confoederationis Helveticae) und dem Sitz der Bundesregierung (Bundesrat), der Schweizerischen Nationalbank und der Berner Kantonalbank begrenzt. Der Brunnen hat 26 Wasserdüsen, die für die 26 Kantone stehen.

(Quelle: www.bundesplatz.bern.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Der Zeitglockenturm in Bern

Die Schweiz ist nicht nur ein Land von Armbanduhren und meteorologischen Uhren, sondern auch von astronomischen Uhren. Der Zeitglockenturm (Zytglogge) ist das erste Westtor der Stadt und wurde um 1200–1256 errichtet. Der Turm war beidseits eingebunden in die Stadtmauer. Heute ist er Teil der Häuserzeilen.

Der Turm ist der Mittelpunkt der alten Stadt. Die heutige Gesamterscheinung wurde 1770 abgeschlossen unter Integration der astronomischen Uhr und der Spieluhr von 1527-1530. Im Tordurchgang sind alte Masseinheiten und Stadthistorien zu sehen.

Stadthistorien von Gotthard Ringgli (1575-1635), um 1607-1610. Die Erteilung der Handveste durch Kaiser Friedrich II im Jahr 1221

und Herzog Berchtold V. von Zähringen erteilte Cuno von Bubenberg den Auftrag, die Stadt zu erbauen. Die Bilder sind Kopien der Originale im Bernischen Historischen Museum

Meteorologische Uhren

Bern

Sils Maria

Chur

Armbanduhren

Sammlung: Omega Museum Biel

Das Wasserschloss der Schweiz. Die Aare und Aareschlucht, Reuss, Limmat, Rhein und Koblenz

Koblenz (Kanton Aargau) liegt am Zusammenfluss von Aare und Rhein. Die Aare ist der grösste Nebenfluss des Rheins und führt mehr Kubikmeter Wasser pro Sekunde als der Main oder die Mosel bei Koblenz in Deutschland.

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Als das Wasserschloss der Schweiz wird die Gegend im Dreieck von Brugg, Turgi und Klingnau bezeichnet, in welchem sich die drei Flüsse Aare, Reuss und Limmat beim Gebenstorfer Ortsteil
Vogelsang kurz hintereinander als Aare vereinigen

Der Rhein und die Reuss entspringen im Gotthard-Massiv. Die Quelle der Aare ist der Oberaargletscher in den Berner Alpen. Dann fliesst sie durch den Thuner- und Brienzersee, durch die Hauptstadt Bern und den Kanton Solothurn. Die Limmat ist ein Abfluss des Zürichsees

Die Quelle der Aare

Im Zuge der Juragewässerkorrektion im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie kanalisiert und mündet nach der Aufnahme der Limmat über den Bielersee, Olten und Aarau bei Koblenz in den Rhein.

Die Aare ist mit 295 Kilometern der längste ausschliesslich auf Schweizer Boden fliessende Fluss.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Aareschlucht bei Meiringen

Ende der Aareschlucht

Meiringen, Sherlock Holmes und James Moriaty

Die Aare in Solothurn

Die Aare, der Rhein und die Reuss  bei Koblenz

Der Rhein bei Kaiseraugst

Zwei Weltreiche in Brugg und Windisch

Zwei Reiche haben in der Region Brugg-Windisch (Kanton Aargau) ihre Spuren hinterlassen. Der Legionärspark Vindonissa (Windisch) und die Stadt Brugg waren wichtige Militär- und Verwaltungsstandorte im Römischen Reich und später im Habsburger Reich.

Römisches Reich

Das Heerlager Vindonissa für eine römische Legion (ca. 5.000 Mann und Offiziere) wurde zur Bewachung der Grenze (Limes) zu den Germanen angelegt. Zahlreiche Überreste von Gebäuden erinnern an den jahrhundertelangen Aufenthalt der Römer. Darüber hinaus wurden mehrere Komplexe ganz oder teilweise wieder aufgebaut oder als Repliken renoviert.

Im Legionärspark wurden u.a. die Contuberna (Soldatenquartier) und die Villen der höheren Offiziere und des Kommandanten wiederaufgebaut. Zu besichtigen sind u.a. die Mauern, Türme und Eingangstore (Porta principala (Westtor), Porta praetoria (Südtor) und Porta decumana (Nordtor)), das Balneum (Badehaus), das Valetudinarium (Lazarett) und das Aquädukt.

Das älteste Amphitheater der Schweiz (für 11 000 Zuschauer) befindet sich ausserhalb des Lagers. Ausserdem führten die Römer den Weinbau ein. In vier Dörfern (Oberflachs, Schinznach-Dorf, Remigen und Villigen) wird heute noch Weinbau nach römischer Methode betrieben.

Diese Rebberge sind einzigartig in der Schweiz. Sie befas­sen sich mit dem römischen Rebbau und der römischen Weinherstellung. Sie sind nach antiken Vorbildern errichtet und in jedem Einzelnen werden unterschiedliche Anbau­methoden vorgestellt.

Das Vindonissa-Museum erzählt anhand zahlreicher archäologischer Funde und umfangreicher Dokumentationen von der römischen Präsenz.

Habsburg

Wenige Kilometer von Brugg entfernt errichteten die Habsburger ihre Burg Havichsburg, die spätere Habsburg (Kanton Aargau). Nachdem diese Burg im 13. Jahrhundert ihre strategische Bedeutung verloren hatte, stieg die Bedeutung von Brugg. Die Habsburger waren die ersten Bauherren der Stadt.

An der Stelle des ehemaligen Legionärslagers gründete Königin Elisabeth (1285-1353), die Witwe des 1308 ermordeten Königs Albert I., ein Franziskanerkloster und ein ClarissenKloster und errichtete zum Andenken an König Albert I. die Klosterkirche Königsfelden. Albert I. (1255-1308) wurde im Dom zu Speyer begraben, aber bis 1528 wurden in der Klosterkirche Königsfelden Nachkommen der Habsburger beigesetzt.

Deren schöne gotische Glasfenster stammen aus den Jahren 1330–1350. Die Kirche diente auch als Gedenkstätte für die im Jahre 1386 in der Schlacht von Sempach gefallenen Ritter.

Die beiden Klöster wurden 1528 aufgelöst und das Franziskanerkloster wurde in der Folge abgerissen. Die verbliebenen Gebäude sind heute als (psychiatrische) Krankenhäuser und Archive eingerichtet.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Bär von Bern und das Wappen von Österreich-Habsburg, 1669. Auch die Berner Oberschicht liess sich in der Klosterkirche Königsfelden begraben, so gross war das Ansehen dieser Familien.

Brugg

Schloss Habsburg und die neue Weltmacht

Zu den aufschlussreichsten Quellen über die frühen Habsburger zählen die Acta Murensia über die Entstehung des Klosters Muri im Jahr 1027. Die ersten Habsburger stammen wahrscheinlich von einer Familie im Elsass ab.
Um 1030 wurde die Habsburg (die Havichsburg) errichtet. Die Acta Murensia erwähnen Radbot von Habsburg und Bischof Werner von Strassburg als Erbauer. Um 1100 bezeichnete sich Otto II erstmals als Graf von Habsburg. Dieser Titel bezog sich auf das Grafenamt im Elsass.
Die vordere Burg mit dem Steinhaus und dem Ostturm, der Burghof mit dem Sodbrunnen und die hintere Burg. Nach P. Frey, M. Hartmann, E. Mauer, die Habsburg. 
Albrecht Kauw (1616-1681), um 1670. Ansicht der Habsburg aus allen vier Richtungen. Bernisches Historisches Museum
Die Habsburger profitierten vom Aussterben anderer Dynastien und erwarben das Grafenamt im südlichen Zürichgau, im Frickgau und um 1200 auch dasjenige im Aargau. 1273 wählten die Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches Graf Rudolf IV. von Habsburg zum deutschen König Rudolf I (1218-1291).
Königssiegel Rudolfs I. von Habsburg. Staatsarchiv des Kantons Bern
Habsburgische Besitzungen um 1265. Nach P. Frey, M. Hartmann, E. Mauer, die Habsburg.
Als Residenz war die Habsburg dann nicht mehr geeignet und die Habsburger verlegten ihren Wohnsitz nach Brugg, Bremgarten oder Laufenburg. 
Die Eidgenossen stehen 1415 vor dem Schloss Habsburg. Diebold Schilling, Spiezer Chronik. Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.I.16, p. 629.
Die Burg wurde an Adlige verliehen, bis zur Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415. 1469 kam die Burg an das Kloster Königsfelden. Bei dessen Aufhebung fiel sie 1528 an Bern. 1804 ging die Habsburg schliesslich an den neuen Kanton Aargau über. Heute ist die Burg ein nationales Monument.

Wie gross Schloss Habsburg einst war, lässt sich heute nur ahnen. Eine kleine Ausstellung zeigt die Baugeschichte des Schlosses und den Aufstieg der Habsburger zur Weltmacht.

(Quelle und weitere Informationen: Via Habsburg; P. Frey, M. Hartmann, E. Mauer, die Habsburg, Bern 1999; Museum Aargau)
Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Habsburger Pfau mit den Wappen der Herrschaften des Hauses Habsburg, um 1550. Kunsthistorisches Museum, Wien. 

Die vordere Burg

Die hintere Burg. Sie ist eine in sich geschlossene kleine Burganlage mit Innenhof. Ihr ältestes noch erhaltenes Bauwerk ist der kleine Turm aus dem 11. oder 12. Jahrhundert.

Der Burghof

Der Sodbrunnen ist der tiefste mittelalterliche Brunnen der Schweiz. Er wurde um 1100 erbaut. Seine gesamttiefe beträgt 68,5 Meter.

Die Landschaft

und der Namensgeber

Die Textilindustrie der Ostschweiz

Die Ostschweiz (Die Kantone St. Gallen und die Appenzeller) ist ein Textilland. Lange Zeit zählte sie zu den wichtigsten Exportregionen für Stickereiprodukte weltweit.

Bereits im Jahr 825 stellten die Mönche des Klosters St. Gallen die ersten Kleidungsstücke und andere Textilien her. Der internationale Handel und die Produktion nahmen im 15. Jahrhundert mit der Gründung der ersten Weberzunft in St. Gallen führte seinen Aufschwung.

Um 1910 stammte mehr als die Hälfte der Weltproduktion von Textilien aus der Ostschweiz, und die Stickerei war mit einem Anteil von rund einem Fünftel der grösste Exportzweig der gesamten Schweizer Wirtschaft.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) beendete diese Blütezeit. Dennoch hatten der Handel und die Herstellung von Textilien einen entscheidenden Einfluss auf die Ostschweiz.

Lange bevor die Stadt St. Gallen im 19. Jahrhundert für ihre Stickereien berühmt wurde, hatten Kaufleute aus St. Gallen und Appenzell bereits erfolgreich in Europa und der ganzen Welt mit in der Ostschweiz hergestellten Leinenstoffen gehandelt.

Im 17. Jahrhundert gehörten das Dorf und die Region Herisau (Kanton Appenzell Ausserrhoden) nicht nur zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Europas, sondern waren auch führend in der Leinenproduktion.

In Herisau kreuzten sich bis zu beginn des 20. Jahhunderts die wichtigen Verkehrswege von St. Gallen nach dem Toggenburg und von Gossau nach Appenzell.

Im 18. Jahrhundert übernahm Trogen (Kanton Appenzell Ausserrhoden) diese Rolle. Teufen war ein weiterer wichtiger Ort für die internationale Textilproduktion und den Handel.

Die Leinenindustrie und der internationale Leinenhandel blühten bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Ab 1750 wurde Leinen zunehmend durch Baumwolle ersetzt. Mit der Erfindung der Handstickmaschine im Jahr 1828 durch Josua Heilmann (1796-1848) verdrängte die Stickerei allmählich die Baumwollproduktion. Isaak Groebli (1822-1917) erfand dann 1863 die Schiffli-Stickmaschine und die Textilindustrie erreichte ihren Höhepunkt.

Ab 1830 stellte die Schweizer Textilindustrie eine ernsthafte Konkurrenz für die britische Industrie dar. Die britische Regierung schickte sogar eine Delegation in die Schweiz, um dieses „Wirtschaftswunder“ zu untersuchen. Der Parlamentarier John Bowring (1792-1872) verfasste den Bericht „The Report on the Commerce and Manufactures of Switzerland“, der in gewisser Weise auch heute noch aktuell ist!

Der Erste Weltkrieg beendete jedoch diese Zeit des Aufschwungs. Aber selbst in den schwierigen Jahren des Interbellums (1918-1939) und des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) verschwanden der Textilhandel und die Textilproduktion nicht.

St. Gallen, Textilmuseum

Sie nahmen nach wie vor einen wichtigen (wirtschaftlichen) Platz in der Ostschweiz ein. Heute prägen textile (Hightech-)Produktionsmethoden auch die Innovationen in anderen Bereichen, z.B. bei der Herstellung von Kunststoffen, Filtern oder Leitern, und bei der Stickerei gilt die St. Galler Stickerei weltweit immer noch als Pionierin.

Das Rheintal wird nicht umsonst das Hightech- und Textiltal genannt, eine jahrhundertealte Wirtschaft, die heute mit der florierenden Hightech-Industrie in verbunden ist.

(Quelle und weitere Informationen: Textilland Ostschweiz; Textilmuseum St. Gallen; Museum Herisau; Jahrhundert der Zellweger; Textildorf Rehetobel; Sauer Museum)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Johannes Hädener, Federzeichnung, Herisau 1789. 

Herisau, seine Paläste und der Rosengarten, errichtet durch Landammann Laurenz Wetter (1654-1734) im Jahr 1695