Arth, Kelten, Römer, Alemannen, Habsburger, Schwyzer, Nikodemiten, Villmergerkrieg und Rigi-Träger

Kelten bewohnten die Gegend von Arth (Kanton Schwyz) schon Jahrhunderte v. Chr. Der Name Arth ist auch keltischen Ursprungs. Das Wort „Arth“ bedeutete „Acher“. Nach dem Untergang des römischen Reichs haben sich die Alemannen niedergelassen. Urkundlich wird Arth erstmals im Jahre 1036 erwähnt.

Nach dem Aussterben der Lenzburger im Jahre 1172 kamen die Güter an die Kyburger. In der Folge gelangten die Arther Besitztümer in verschiedene Hände. Schliesslich fielen die Ansprüche am Ende des 12. Jahrhunderts an die Habsburger.

Im Jahr 1315 verbündete das Dorf sich mit den Schwyzern. Der Sieg von Morgarten am 15. November 1315 sicherte Schwyz und auch Arth die Unabhängigkeit von den Habsburgern.

Mitte des 16. Jahrhunderts machten sich erste Anzeichen der Reformation in Arth bemerkbar. Die protestantischen Nikodemiten kamen nachts in Bauernhöfen heimlich zusammen. Die Geistlichkeit warf den Nikodemiten Verletzung des Religionsfriedens vor und forderte die Behörden in Schwyz auf, einzugreifen.

Die Reformierten wurden jedoch rechtzeitig gewarnt und flüchteten im Jahre 1655 nach Zürich. Einige der Reformierten blieben in Arth. Die meisten wurden entlassen. Vier Personen wurden hingerichtet. Diese Hinrichtungen gaben schliesslich 1656 den Ausschlag zum 1. Villmergerkrieg.

Zur Sicherung des katholischen Glaubens wurde das Kloster 1656 erbaut. In den Jahren 1694 – 1697 erfolgte der Bau der barocken Arther Pfarrkirche.

Arth hatte als Marktflecken und Zollstation einige Bedeutung. Vor allem herrschte ein reger Verkehr mit der Postkutsche. Durch das Aufblühen des Tourismus im 19. Jahrhundert entstand ein neuer Beruf: Der Rigi-Träger.

Bis zu 50 Pferde standen auf dem Dorfplatz. Sie setzten sich mit den Touristen, Führern, Gepäck- und Sesselträgern in Bewegung, das Tal hinauf zur Rigi.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Arth)

Ricardo Santerini (1954), Adlernest. Skulpturenpfad der Gemeinde Arth

Die Johanniterkapelle in Rheinfelden

Am 25. November erschien die neue Ausgabe der Reihe „Schweizerische Kunstführer“, einer Publikation der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK).

Die wiederum schön illustrierte Ausgabe beleuchtet die Johanniterkapelle des Johanniterordens in Rheinfelden (Kanton Aargau). Der Johanniterorden wurde im 11. Jahrhundert von Rittern gegründet, um kranke und arme Pilger, die auf dem Weg ins Heilige Land waren, zu pflegen.

Die Kreuzritter eroberten 1099 Jerusalem und 1113 erkannte Papst Paschalis II. (Papst von 1099-1118) diesen Ritterorden als religiöse und militärische Organisation an. Die Templer (1118) und der Deutsche Orden (1190) stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Der Johanniterorden liess sich 1530 auf Malta nieder und wird bis heute Malteserorden genannt.

Die Johanniterkommende 

Der Johanniterorden gründete das Kloster und ein Spital um 1215 mit der Erlaubnis des Gründers der Stadt Rheinfelden, Herzog Berchtold V. (1160-1218). Johannes der Täufer war, wie es der Name schon sagt, der Schutzpatron.

Die Johanniskapelle wurde in den Jahren 1456-1460 erbaut. Rheinfelden und das Fricktal blieben bis 1798 in habsburgischem Besitz und damit katholisch. Ab 1803 gehört Rheinfelden zum Kanton Aargau. Der Kanton beschloss 1806, das Kloster aufzulösen.

Lange Zeit diente die Kapelle als Warenlager und erst Ende des 19. Jahrhunderts erwachte das Bewusstsein für ihren grossen kulturhistorischen Wert, unter anderem durch die Entdeckung der Fresken. Nach jahrelangen Renovierungsarbeiten ist die Kapelle am Rheinufer und am Rande des Stadtzentrums nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

(Quelle: E. Hunziker, I. Haupt, D. Wanger, Chr. Lang, Die Johanniterkapelle in Rheinfelden, Bern GSK, 2023)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Ustertag, Bundesverfassung und Demokratie

Im Mittelalter erwarb die Stadt Zürich grosse Teile des Umlandes. Die Landbevölkerung des Kantons stand unter der politischen und wirtschaftlichen Kontrolle der Stadtherren.

Zwar rief die Helvetische Republik (1798-1803) 1798 Freiheit und Gleichheit aus, was die rechtliche Gleichstellung von Stadt und Land gewährleisten sollte, doch 1814 erliess die alte Oligarchie eine neue Verfassung, die die Macht der alten Machthaber wiederherstellte (die sogenannte Restauration).

Die Landbevölkerung begann jedoch, sich in Schulen und Vereinen zu entwickeln. Langsam gelang es auch der Presse, die Menschen mit neuen Ideen vertraut zu machen. Sie brachte die Kritik in die Öffentlichkeit. Der Grosse Rat des Kantons Tessin stimmte schon am 23. Juni 1830 die erste liberale und demokratische Verfassung der Schweiz und Europas zu, einen Monat vor der Juli-Revolution in Frankreich!

Stefano Francisini (1796-1857) war der wichtigste Politiker und Befürworter der Verfassungsreform von 1830

Am 22. November 1830 marschierten 10’000 bis 12’000 Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons Zürich in die Stadt Uster. Die Veranstaltung verlief friedlich und ohne Zwischenfälle. Das Volk hat gesprochen, und bereits am 6. Dezember 1830 wurden die neuen Mitglieder des Grossen Rates gewählt, die zu zwei Dritteln aus der Landbevölkerung stammten. Die neue liberale Verfassung trat dann bereits im März 1831 in Kraft.

Auch in den Kantonen Thurgau, Aargau, Luzern, St. Gallen, Freiburg, Waadt, Solothurn, Bern und Schaffhausen wurden die alten Eliten friedlich abgelöst und liberale Kantonsverfassungen eingeführt (die sogenannte Regeneration). Die Revolution von 1831 im Kanton Neuenburg scheiterte jedoch und war erst im Februar 1848 erfolgreich. Die Basler Bewegung führte 1833 zur Trennung in die beiden Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft.

Es folgten nach 1831 weitere Jahre der Polarisierung und des Sonderbundskrieges (1847) in der alten Eidgenossenschaft, aber am 12. September 1848 gab es eine neue Schweizer Verfassung und eine neue demokratische und liberale Konföderation.

Am 16. November 1848 wählte die Bundesversammlung die ersten sieben Mitglieder des Bundesrates: Jonas Furrer (Zürich), Ulrich Ochsenbein (Bern), Henri Druey (Waadt), Jozef Munzinger (Solothurn), Stefano Francini (Tessin), Friedrich Frey-Herosé (Aargau) und Wilhelm Näff (St. Gallen).

Bundesrat Ignazio Cassis sagte in seiner Rede an der Gedenkfeier zum Uster-Tag am 19. November 2023 in der Kirche von Uster:

“…….Der Ustertag erinnert uns an die liberale Revolution als entscheidenden Schritt in der Entstehungsgeschichte unseres Landes. Bevor diese liberale Revolution nach Uster kam, zündete sie im Tessin! Das Tessin war der erste Kanton mit einer Verfassung, die die liberalen Werte wie Gleichheit vor dem Recht, Gewaltentrennung und Demokratie festschrieb.

Diese liberale Revolution war eine Zeitenwende auf dem Weg zur Gründung des Bundesstaates (im Jahr 1848). Es war aber noch ein steiniger Weg, bis die erste Schweizer Verfassung in Kraft treten konnte. Auf die Revolution folgte eine Gegenrevolution und ein Bürgerkrieg (1847)…..” (Quelle: www.admin.ch).

Der Historiker Rolf Graber schrieb:

“Regeneration: Rückgriff auf ältere Widerstandstraditionen. Der politische Umbruch von 1830 und die Einführung von liberalen Verfassungen in elf Kantonen sind die Folge von Volksbewegungen, die an die alten Eidgenössische Befreiungstradition, an die Widerstandsbewegungen im Ancien Régime und an die Bewegungen von 1814/15 anknüpfen.

Ein Mittel der Massamobilisierung sind die den Landsgemeinden nachempfundenen Volkstage oder Volksversammlungen. Als wichtigstes Erreignis gilt der Volkstag von Uster vom 22. November 1830”.

(Rolf Graber, Demokratie und Revolten. Die Entstehung der direkten Demokratie in der Schweiz, Zürich 2017).

Landschaft, Landwirtschaft und Demokratisierung im Entlebuch und Emmental

Die Landschaft des UNESCO-Bioreservats Entlebuch im Kanton Luzern und des Emmentals im Kanton Bern ist in einem Prozess von mehr als 200 Millionen Jahren entstanden.

Ozeane und Meere, die Entstehung der Alpen, kalte und warme Perioden, die Bildung von Seen und Flüssen sowie die Ablagerung von Gesteinen und Sedimenten und das anschliessende Verschwinden der Seen formten die heutige Landschaft. Diese Gebiete am Rande der Alpen zeichnen sich durch Hügellandschaften und Sumpfgebiete (Moore) aus.

Das Steinmösli

Das Räbloch im Emmental ist eines der Ergebnisse dieses Prozesses. In der letzten Eiszeit (28 000-10 000 v. Chr.) war dieses Gebiet vom Emmegletscher bedeckt. Durch die Schmelze unter der Eiskappe entstand der Fluss Emme, der während Jahrtausenden durch das Gestein strömte. So entstand die heutige Schlucht mit einer Höhe von 70 Metern. Auch die Naturbrücke ist damals entstanden. Noch heute bahnt sich die Emme ihren Weg unter dieser Naturbrücke hindurch.

Räbloch, Naturbrücke und Emme

Das Überqueren der Grenze zwischen dem Entlebuch und dem Emmental geschieht heute unbemerkt. Wer zum Beispiel von Escholzmatt (Entlebuch) via Marbach diese Grenze nach Schangnau (Emmental) überquert, hat davon keine Ahnung. Das war früher anders.

Das Entlebuch erscheint im 12. Jahrhundert als „Entilibuoch“ oder „Entelinbuoch“. Damals erhielt derjenige, der als erster ein Gebiet für Ackerbau und Viehzucht rodete, das Land, in diesem Fall die Herren von Wolhusen. Um 1300 erhielt Habsburg das Gebiet, aber 1405 erwarb Luzern das Entlebuch als Pfand und später als Besitztum.

Eine Gämse

Schaugnau

Bis 1218 herrschten die Zähringer im Emmental, von 1218 bis 1273 die Grafen von Kyburg und von 1273 bis 1386 (Schlacht bei Sempach) herrschten die Habsburger über das Gebiet. Seither gehört das Emmental zu Bern. Unterschiedliche Münzen, Gewichte, Grenzsteine und Religionen trennten  das Entlebuch (katholisch) und das Emmental (protestantisch) während Jahrhunderten.

Was die Bewohner beider Regionen jedoch verband, waren eine hoch entwickelte und spezialisierte Landwirtschaft, (internationale) Handelsbeziehungen und die Opposition gegen die oligarchische Regierungsstruktur der Städte Luzern und Bern.

Escholzmatt, Franz Josef Stadler (1757-1833), Pfarrer, Politiker, Bildungsreformator und etnografischer Forscher  

Escholzmatt, Christian Schybi (1595-1653), Führer im  Bauernkrieg

Diese Unzufriedenheit führte schliesslich zum Bauernkrieg von 1653 und zu einer Allianz von Bauern aus dem Emmental und dem Entlebuch (sowie Solothurn und Basel). Der unmittelbare Grund für den Aufstand war die sich verschlechternde wirtschaftliche Situation. Die Aufständischen wollten aber auch eine Veränderung der Herrschaftsstrukturen hin zu mehr Demokratie.

Obwohl der Aufstand kurzfristig keinen Erfolg brachte, war er langfristig ein weiterer Schritt, um über neue und demokratischere Machtstrukturen in der Schweiz nachzudenken. Damit unterscheidet sich der Bauernaufstand in der Schweiz von anderen Bauernaufständen in Europa, die vor allem auf praktische Verbesserungen abzielten.

Von Marbach oder Escholzmatt (Entlebuch) nach Schangnau, Schallenberg und Röthenbach (Emmental) sind es im wahrsten Sinne des Wortes nur ein paar Schritte. Die Geschichte des gemeinsamen Aufstands kommt heute nur noch in Denkmälern, historischen Publikationen und Erzählungen zum Ausdruck. Dennoch ist sie bedeutend für die Entstehung der Verfassung von 1848 und der direkten Demokratie in den Jahren 1874 und 1891.

Röthenbach

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen. (Weitere Informationen: www.sac-cas.ch)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Naters, 1 212 m. 

Der Monte Verità bei Ascona

Der Kanton Tessin war lange Zeit (und ist es immer noch) ein Zufluchtsort für politische Flüchtlinge, Künstler und die Avantgarde. Locarno, Lugano und Ascona waren begehrte Ziele. Häuser, Inseln und sogar Hügel und Berge wurden umgewidmet.

Alfredo Pioda (1848-1909), Franz Hartmann (1838-1912) und Gräfin Constance Wachtmeister (1838-1910) gründeten 1889 auf dem Monte Verità bei Ascona eine theosophische Einrichtung. Später, unter neuen Besitzern, wurde der Komplex als Kunstzentrum, Kurort und Sanatorium genutzt.

Diese Region in der Schweiz war auch ein wichtiger Anziehungspunkt für (russische) Anarchisten und politische Flüchtlinge aus und während der Jahre vor der russischen Revolution 1917 und dem Ersten Weltkrieg (1914-1918). In diesen Jahren war Ascona sogar mit Zürich (und Dada)das Zentrum der europäischen Emigranten und der Avantgarde

In dieser Zeit war Ascona eine Stadt der ausländischen und schweizerischen Künstler, Intellektuellen und Kosmopoliten. Die ersten Gründer des Komplexes auf dem Monte Verità emigrierten 1920 zum Beispiel nach Brasilien.

Der deutsche Baron Eduard von der Heydt (1882-1964), ein leidenschaftlicher Kunstsammler, kaufte den Komplex auf dem Monte Verità im Jahr 1926. Im Gefolge des Barons kamen auch Bauhaus-Architekten nach Ascona. So wurde das heutige Hotel 1929 im Bauhaus-Stil erbaut. Mehrere andere Gebäude stammen aus dieser Zeit; andere Nutzungen sind jüngeren Datums, wie der japanische Teegarten und der Flügel neben dem Hotel (1992).

Die Jahre 1933-1945 brachten die nächste Auswanderungswelle, nicht nur nach Ascona, sondern auch von Ascona nach Amerika. 1945 wurde in Ascona sogar die Kapitulation der deutschen Armee in Italien unterzeichnet, so wie Ascona mehr als 20 Jahre zuvor indirekt am Abschluss des Vertrags von Locarno beteiligt war.

Der Kanton Tessin hat den Komplex (mit Hotel-Restaurant, Casa Marta, Casa Anatta, Casa dei Russi, japanischem Teegarten, Casa Giovanna, Casa Gioia, Villa Semiramis, Casa Selma und Casa Monescia) 1964 übernommen und betreibt ihn seither als Museum, Kultur-, Kongress- und Seminarzentrum, Hotel und Restaurant mit schönem Blick auf den Lago Maggiore.

(Bron en verdere informatie: Fondazione Monte Verità)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

 

Die Casa del tè

Locarno und Ascona, Städte des Friedens

1919, am Ende des Ersten Weltkriegs (1914-1918), wurden den besiegten Staaten in Versailles strenge Friedensbedingungen auferlegt. Das Rheinland wurde entmilitarisiert, die Weimarer Republik erlitt territoriale Verluste und ausserdem auferlegte man ihr hohe Reparationszahlungen.

Locarno, Via della Pace

Dies führte zu Spannungen, und Frankreich und Belgien besetzten 1923 das Rheinland. Die diplomatischen Verhandlungen vom 5.–16. Oktober 1925 in Locarno führten zur Unterzeichnung des Vertrags von Locarno (Kanton Tessin).

Ascona, Albergo Elvezia

Am 7. Oktober fand im Albergo Elvezia in Ascona bei Locarno ein informelles, aber entscheidendes Gespräch zwischen dem deutschen Bundeskanzler Hans Luther (1879-1962) und dem französischen Aussenminister Aristide Briand (1862-1932) statt.

Der Sitzungssaal in Locarno: Foto: Gemeinde Locarno

Deutschland akzeptierte die Westgrenze und unterzeichnete Verträge mit Grossbritannien, Belgien, Frankreich, Polen und der Tschechoslowakei. Der Geist dieser Verträge von Locarno und Ascona markierte den Beginn einer Periode der Sicherheit in Europa. Die Verträge wurden jedoch 1936 von Deutschland gekündigt, als es das Rheinland besetzte.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Museum Ascona

Bilder von Ascona

Locarno, die Burg Visconti, 12. Jahrhundert

Bilder von Locarno

Kartause Ittingen, drei Seen und Nussbaumen im Kanton Thurgau

Das Kloster Ittingen wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Bis 1461 war es ein Kloster der Augustiner. Im Jahr 1461 erwarb der Kartäuserorden das Kloster. Der 1803 gegründete Kanton Thurgau löste das Kloster 1848 auf. Die Klostergebäude und alle Besitztümer wurden an Privatpersonen verkauft.

Im Jahr 1977 wurde die Stiftung Kartause Ittingen gegründet. Heute ist das Kloster ein Kulturzentrum mit Museen, Seminar- und Veranstaltungsräumen sowie einem Hotel.

Drei Seen 

Worüber die Mönche im 12. Jahrhundert jedoch nicht Bescheid wussten oder nicht wissen konnten, ist das Vorhandensein von Dörfern aus prähistorischer Zeit in ihrer Nähe. Obwohl der Thurgau nicht für seine Seen bekannt ist, hat auch dieser Kanton mit dem Seebachtal ein „Drei-Seen-Land„.

 

Das Seebachtal mit dem Hüttwilersee, dem Hasensee und dem Nussbaumersee ist seit der Mittelsteinzeit (9500-5500 v. Chr.) von Jägern und Fischern besiedelt. Zusammen mit dem Bodensee ist die Region das älteste besiedelte Gebiet des Kantons.

Der Wasserstand von Hüttwilersee, Hasensee und Nussbaumersee war 3800 v. Chr. viel tiefer. In dieser Zeit war auch die kleine Insel (Inseli) im Nussbaumersee besiedelt. Mit dem Anstieg des Wasserspiegels wurde diese Siedlung überflutet, aber viele Gegenstände (Keramik, Knochen, Holz und sogar Textilien) wurden in gutem Zustand gefunden und sind im Archäologischen Museum Frauenfeld ausgestellt.

Die Halbinsel Horn am Nussbaumersee war noch in der Spätbronzezeit (um 850 v. Chr.) bewohnt. Als der Seespiegel weiter anstieg, wurde auch dieses Dorf mit rund 100 Häusern überflutet. Die Holzhäuser waren mit ca. 25 m² für heutige Verhältnisse klein. Auch an dieser archäologischen Stätte wurden zahlreiche Gegenstände gefunden, nachdem der Wasserspiegel 1943 abgesenkt worden war, um mehr landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen.

Entlang des Sees wurde dann ein weiteres Dorf aus der Eisenzeit (800-100 v. Chr.) gefunden. Dieses Dorf wurde um 635 v. Chr. aufgegeben, ist aber noch nicht archäologisch untersucht worden.

Karl Peterli (1897-1975), die römische villa bei Hüttwilen-Stutheien, 1928, Sammlung: Archäologisches Museum Frauenfeld

Nussbaumen, die Kapelle St. Leonhard 

Die Burgruine Helfenberg

Schloss Steinegg

Buch, die Kapelle St. Sebastian 

Von der Eisenzeit bis zum Mittelalter und dann bis zum 19. Jahrhundert scheinen es ziemliche grosse Schritte zu sein, aber in dieser Drei-Seen-Region liegen alle drei Zeitalter  nebeneinander. Die römische Villa in Hüttwilen-Stutheien (3. Jahrhundert), die Kapelle St. Leonard in Nussbaumen (11. Jahrhundert), die Burgruine Helfenberg (12. Jahrhundert), das Schloss Steinegg (13. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert zum Neorenaissance-Schloss umgebaut) und die St.Sebastian-Kapelle in Buch aus dem 15. Jahrhundert  sind alle zu Fuss erreichbar.

Die Landschaft

Auch wenn der Mensch seit den prähistorischen Zeiten viel gebaut hat, ist die Natur an den Ufern der drei Seen und in den Wäldern und Tälern immer noch von unveränderter Schönheit.

 

Nussbaumen und der Säntis

Das Dorf Nussbaumen verdient besondere Aufmerksamkeit. Die erste Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 857 unter dem Namen Nuzpouma. Das Kloster erwarb das Dorf im 12. Jahrhundert. Das Schloss Steinegg ist nach der Familie benannt, die das Dorf später jahrhundertelang verwaltete.

Der Blick auf den Säntis prägt den Charakter des Dorfes genauso wie eine über 1’000 Jahre alte, dem heiligen Leonhard geweihte Kapelle, die 1524 wegen der Reformation für lange Zeit nicht mehr benutzt, dann aber wieder renoviert wurde.

Die Eidgenossen eroberten den Thurgau 1460 von den Habsburgern. Danach wurde das Gebiet bis 1798 als Untertanengebiet verwaltet, unter anderem von der Familie Steinegg als Vögte. Zürich erwarb das Dorf 1583 und verwaltete es bis  zur Gründung der Helvetischen Republik (1798-1803). Ab 1803 (Mediationsakte) gehört das Dorf zum Kanton Thurgau. Nussbaumen erzählt, kurz und bündig gesagt, die Geschichte des Kantons.

Der Schweizer Alpen-Club (SAC)

Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land). Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen. (Weitere Informationen: www.sac-cas.ch)

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Hüttwilen; Thurgau-Bodensee)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die Zuckerbäcker in Mulegns und Riom

Nova Fundaziun Origen präsentierte am 11. November in Chur die märchenhafte Filminstallation ‘Der Traum des Zuckerbäckers’.  Mit diesem Werk zeigt Origen einen komplett in KI generierten Musikfilm.

Ein Zuckerbäcker kehrt nach Graubünden zurück. Auf den Spuren seines Grossvaters gelangt er in ein kleines Dorf, das inmitten Felswände liegt. Er möchte dem Patissier ein Monument errichten und er träumt von einem grandiosen Bau.

Ein hoher Weisser Turm, mit organischen Formen, virtuosen Mustern und schlanken Säulen, soll die Dächer seines Heimatdorfes überragen und den Blick in die Weite schweifen lassen.

Der Weisse Turm, der mit digitalen Drucktechnologien errichtet wird, steht in den Startlöchern. Bereits im kommenden Jahr soll das höchste digital gedruckte Bauwerk der Welt im Dorf Mulegns gebaut werden.

Das Bauwerk erinnert an die kühnen Bündner Emigranten und erzählt deren Geschichte weiter. Was würde ein vom Heimweh getriebener Zuckerbäcker heute errichten: ein grosses Bauernhaus, eine Villa oder einen Palast dekoriert mit Randolinas, ein Grand Hotel oder ein von KI entwickeltes und von Robotern gebautes weisses Gebäude?

Tanz- und Musiktheater in Riom

Es ist das Jahr der Zuckerbäcker. Es erinnert an die fabelhaften Emigranten, die mit ihren Cafés und Konditoreien einst die halbe Welt überzogen. Der Ursprung ihrer Meisterschaft liegt aber in Venedig, und nicht in den kalten Alpen.

In der Lagunenstadt erschufen die Bündner ihre Süsswaren. Die Stadt lag ihnen zu Füssen und verfiel dem Zuckerrausch. Das Musiktheater «Venezia» lädt in die Welt der Zuckerbäcker und erzählt von wundersamen Backwaren, süssen Träumen, stiller Sehnsucht.

Die Geschichte

Venedig, kurz vor Weihnachten, 1524. In der Pasticceria Alberti türmen sich die Torten. Ihre Namen zergehen auf der Zunge, die Bussolà, Fugassa, Brunelli, Fave: alles verspricht süsse Festlichkeit und Festtagsfreude. Ein Prachtstück der klebrigen Kunst prangt auf dem marmornen Tresen. Die Musik zum Stück steuern Monteverdi, Caldara, Albinoni und Vivaldi bei.

Luigi Alberti hat einen fabelhaften Märchenpalast für die Contessa Corsini erschaffen, ein Zuckerschloss mit Türmchen und Kaminen, die Zuckerwatte pusten und im Dekor versinken.

Darin tummeln sich die Lieblinge der Contessa, die stille Biancaneve, die staubige Cenerentola, der kecke Sigismondo und der gähnende Petrocello, alle in Zucker erstarrt, mit kristallklarer Haut, zartbunten Röcken und schläfrigen Mandelaugen. Doch kaum senkt sich die Nacht auf die Stadt, erwachen die Figuren zum Leben.

Auf der Bühne stehen Tänzer und Schauspieler, ein Ensemble und eine Sängerin.

Aufführungen

Riom, Clavadeira am 22., 23., 27., 28., 29., und 30. Dezember 2023, 5. und 6. Januar 2024. 17 Uhr.

(Quelle und weitere Informationen: www.origen.ch)

Die Grandeur des Alten Rheins und Rheineck

Die Schaffung des Alten Rheins war das Ergebnis der Internationalen Rheinregulierung (IRR) zwischen der Schweiz und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn im Jahr 1892.

Der Alte Rhein bei Rheineck

Dieser Vertrag ist immer noch in Kraft und hat zum Ziel, Hochwasser im Rheingebiet von St.Gallen (Schweiz) und Vorarlberg (Österreich) zu verhindern. Das Büro der IRR befindet sich noch immer in St.Margrethen (Kanton St.Gallen).

Es kam regelmässig zu Überschwemmungen, und der Bau von Dämmen auf beiden Seiten des Rheins, d.h. an der österreichischen, liechtensteinischen und schweizerischen Grenze, reichte nicht aus. Der Bau von zwei Seitenkanälen, dem Werdenberger Kanal und dem Rheintaler Binnenkanal, verhinderte weitere Überschwemmungen ebenfalls nicht.

Bild: Tschubby/Wikipedia

Obwohl diese Kanäle das Wasser von Dutzenden von Bächen aufnahmen, wurde das Rheingebiet fast alle drei Jahre von Sargans bis zum Bodensee teilweise überflutet.

Im Jahr 1906 war die erste Kanalisierung des Rheins abgeschlossen. Bei St.Margrethen wurde der Rhein rund 8 Kilometer nach rechts umgelenkt. Dies hatte zur Folge, dass die Stadt Höchst (Vorarlberg) seitdem links vom Rheinufer liegt.

Die umgekehrte Situation ergibt sich bei Diepoldsau (Kanton St.Gallen), das seitdem durch eine spätere Kanalisierung auf der rechten Rheinseite liegt. Zusammen mit dem grössten Teil des Kantons Schaffhausen. einem kleinen Teil des Kantons Zürich sowie den Gemeinden Riehen und Bettingen und Kleinbasel in der Stadt Basel (Kanton Basel-Stadt) ist es das einzige rechtsrheinische Gebiet der Schweiz.

Diesem Eingriff verdankt der Alte Rhein seine Existenz, und er blieb die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Der Alte Rhein mündet immer noch in den Bodensee, obwohl er viel von seiner Grandeur verloren hat.

Dennoch bietet das Ufer noch immer den Anblick eines goldenen Zeitalters. Die Stadt Rheineck (Kanton St.Gallen) war jahrhundertelang eine Lager- und Transportstadt, von Chur flussabwärts via Rheineck über den Bodensee nach Schaffhausen und flussaufwärts von Rheineck nach Feldkirch und Hohenems.

Unbekannte Künstler. Rheineck um 1700, links Holzflösse, ein Fischerboot und rechts Bodensee-Lastschiff unter Segel. Bild: Gemeinde Rheineck

Unbekannte Künstler, Gaissau (Vorarlberg) von Rheineck aus gesehen, um 1750. Transport flussaufwärts mit Pferd. Auch die viel stärkeren Ochse wurden eingesetzt. Bild: Gemeinde Rheineck.

Ab 1291 war der Rhein eine sogenannte Freie Reichsstrasse, die für die Schifffahrt frei zugänglich war (abgesehen von den Zollgebühren). Von Chur aus fuhren jährlich 400 bis manchmal 1.200 Holzflösse mit Waren aus Italien nach Rheineck und transportierten u.a. Wein, Textilien, Häute und Reis. Ein Floss bestand aus 14-18 Stämmen. Somit flösste man bis zu 20.000 Bäume im Jahr nach Rheineck, wo das Holz verkauft wurde. Auf Schiffen treidelte man vor allem süddeutsches Korn flussaufwärts.

Die Stadt hatte seit 1276 Stadtrechte und war bis zur Rheinregulierung sogar der höchstgelegene Rheinhafen mit einem Schiffslände. Bis Rheineck ist der Alten Rhein heute schiffbar.

Die Burgruine, die Kirche, mehrere monumentale Kaufmannshäuser und Gemälde zeugen von dieser Blütezeit. Salz aus Salzburg und die Nord-Süd-Route waren die Grundlage für Handel und Wohlstand.

Wurfgeschosse, gefunden bei Grabungen auf dem Grund der ehemaligen Burg Rheineck 

Wenn die Prognosen der Klimaforscher stimmen, wird der Rhein in etwa 100 Jahren ungefähr die Wassermenge des heutigen Alten Rheins haben. Vielleicht ein Trost für diesen einst mächtigen Fluss und heutigen Nebenfluss des Rheins, der seit 1906 in den Bodensee in Österreich mündet und ab St.Margrethen kein Grenzfluss mehr ist.

 

Die St. Jakobskirche (1512),  renoviert im Jahr 1722 

Rheineck, der Löwenhof (1746)

(Quelle: Bureau Internationale Rheinregulierung und Gemeinde Rheineck).

Korrektorin: Petra Ehrismann

Schloss Wartenfels und der Bischof, der dort nicht übernachtet hat

Die Region der Kantone Basel-Landschaft, Solothurn und Aargau weist fast die höchste Dichte an (mittelalterlichen) Burgen, Schlössern und Burgruinen in Europa auf.

Das Schloss Wartenfels in der Nähe des Dorfes Lostorf (Kanton Solothurn) hat ebenfalls eine lange Geschichte. Die ersten Fundamente eines Turmes und einer Burg gehen auf das 13. Jahrhundert zurück. Die 800-jährige Baugeschichte hat eine vielschichtige und komplexe Innenausstattung hervorgebracht.

Aber erst in der Zeit von 1500 bis 1800 erhielt das Schloss seine heutige Gestalt.  Drei Familien dominierten diese Zeit, die von Bubenhofen aus Bern und die Greder und Grimm aus Solothurn. Sie bauten das Schloss zu dem, was es heute noch weitgehend ist. Auch der barocke französische Garten stammt aus dieser Zeit.

Nicht nur die reiche Geschichte, die Lage am Hang des Dottenbergs im Jura, der Garten und der Weinbau, sondern auch das Innere des Schlosses ist so bunt wie die Reben im Herbst. Die Möbel und Einrichtungsgegenstände spiegeln teilweise die Situation des 18. Jahrhunderts.

Kronleuchter und Wappen der Familie Grimm-Gibelin, 1750

Dekoration aus dem 17. Jahrhundert

Natürlich darf im katholischen Solothurn die Kapelle nicht fehlen. Der Altar zeigt das Retabel einer schwarzen Madonna, eine Kopie der schwarzen Gottesmutter aus dem 12. Jahrhundert in der Klosterkirche von Montserrat in Barcelona.

Die Inspiration dazu kam wahrscheinlich während eines Aufenthalts eines Mitglieds der Greder-Familie in Barcelona. Die Greders waren Söldner und dienten dem französischen König. Solothurn war von 1530 bis 1792 die Residenz der französischen Gesandtschaft bei der Eidgenossenschaft.

Die Kapelle und das Bischofszimmer

Die Familien Greder und Grimm gehörten zum Solothurner Patriziat und waren prominente Politiker, Militärpersonen und Amtsträger. Die letzten Bewohner haben das Schloss im 20. Jahrhundert modernisiert und respektvoll renoviert.Der Basler Unternehmer Georg Meidinger (1867-1933) und seine Nachfolger, der Professor für römisches Recht und Kirchenrecht Johannes Georg Fuchs (1925-1990) und seine Frau Ursula Katharina-Friedrich (1923-1998), die bis zu ihrem Tod auf der Burg lebte, hinterliessen das Schloss in seinem heutigen guten Zustand.

Sie konnten aber nicht alles regeln. Zwar hatten sie für den Bischof von Basel das Bischofszimmer eingerichtet, doch soweit bekannt, hat er nie in Wartenfels übernachtet.

Der Wein des Schlosses Wartenfels (Cabernet Jura, Regent, Pinot Noir für Rotwein, Johanniter und Seyval Blanc für Weisswein)

Die Kastenallee

Niet alleen de rijke historie, de ligging op de helling van de Dottenberg in de Jura, de tuin en de wijnbouw, maar ook het interieur is even kleurrijk als de wijnranken in de

Seit 1999 ist das Schloss wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Es wird von der Stiftung Schloss Warenfels mit Unterstützung des Vereins Freunde Schloss Wartenfels verwaltet.

Der Schweizer Alpen Club

Der Schweizer Alpen Club (SAC/Club Alpin Suisse, CAS) organisiert regelmässig Wanderungen. Obwohl der Name etwas anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur Skitouren, Bergsteigen und andere Sportarten im Hochgebirge und in den Alpen, sondern auch (Wander-)Aktivitäten in anderen Regionen.

(Weitere informationen: www.sac-cas.ch)

(Quelle und weitere Informationen: Stiftung Schloss Wartenfels; K. Zaugg, Schloss Wartenfels bei Lostorf, Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2014).

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Wandteppich (17. Jahrhundert), Wappen der Familie Greder, mit den beiden Schwänen und der Fleur de Lys des französischen Königs

Wandteppich in der Halle mit dem Traumschloss von Paul Guggelmann (1929-2022). Dieser Künstler hat mehrere Werke über und für das Schloss geschaffen. Er initiierte den Prix Pro Wartenfels.

Kunstwerke von Paul Guggelmann an der Auffahrt

 

Lostorf und Bad Lostorf