Julierturm Adieu

Mozart, Bach, Rachmaninoff und viele andere (auch zeitgenössische) Komponisten wurden hier von in- und ausländischen Musikern und Chören aufgeführt. Auf dem 2 284 m hohen Julier-Pass (Kanton Graubünden) fanden zahlreiche Theater-, Gesangs- und Ballettaufführungen statt.

Auf Initiative der Nova Fundaziun Origen wurde 2017 der Julierturm als temporärer Veranstaltungsraum für Theater-, Ballett- und Musikaufführungen gebaut. Das Projekt hatte ursprünglich eine Laufzeit von fünf Jahren, wurde aber aufgrund von Corona um ein Jahr verlängert. Im September 2023 wird der Julierturm wieder rückgebaut.

Aber was für ein Augen- und Ohrenschmaus für die Zuschauer in den letzten Jahren! Im Juli besuchte sogar eine Gruppe des Balletts der Pariser Opéra Garnier den Turm, vielleicht für ihre erste Aufführung auf dieser Höhe!

Der Intendant der Nova Fundaziun Origen Giovanni Netzer (l) und der Choreograf und Tänzer der Opéra Garnier Sébastien Bertaud (r) vor der Aufführung von Anima Mundi (die Seele der Welt) am 22. Juli 2023.

Die Fundaziun blickt jedoch bereits in die Zukunft und hofft, den Weissen Turm in Mulegns (Kanton Graubünden) im Jahr 2024 für künstlerische Aufführungen eröffnen zu können. Dieser Turm wird mithilfe der 3D-Technologie von Ingenieuren der ETH-Zürich gebaut. Die ersten Umrisse sind bereits sichtbar.

Mulegns, der Weisse Turm, Modell.

Mulegns, der Weisse Turm im Bau (Unterschrift)

Mulegns ist das Dorf, in dem die Fundaziun zwei weitere Projekte entwickelt: Die Renovierung der Weissen Villa (die Verlegung um acht Meter, um Platz für eine breitere Autostrasse zu schaffen, fand schon 2020 statt) und die Renovierung des legendären Post Hotels Löwe.

Das ehemalige Telegrafenamt dient vorübergehend als Informationszentrum und Ausstellungsraum für Textilien, die in Riom im Atelier Pôss der Fundaziun hergestellt werden. Riom ist der Sitz der Nova Fundaziun Origen.

Julierturm, adieu und grazcha fich, Weisser Turm bainvgnü und viel Erfolg!

(Weitere Informationen: Nova Fundaziun Origen, Riom)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Die Bühne wird installiert

     

Susauna, Holsboer und eine Silberfuchsfarm

Susauna (Oberengadin, Kanton Graubünden) ist ein Teil der Gemeinde S-chanf. S-chanf wurde erstmals 1139 erwähnt. Das Bistum Chur kaufte von den Grafen von Gamertingen Hoheitsrechte und Land im Oberengadin.

Der Weiler Susauna liegt am Eingang zum Val Susauna am Vallemberbach. Heute hat Susauna etwa 20 Einwohner und spielt wirtschaftlich eine kleine Rolle. Früher war das anders.

Der Scalettapass

Neben dem Flüelapass war der Scalettapass bis ins 19. Jahrhundert von grosser wirtschaftlicher Bedeutung für den Warenverkehr und die Säumerei. Ein Säumerweg führte durch das Tal von Tirano (Veltlin, Italien) nach Gargellen (Vorarlberg, Österreich) und in den Bodenseeraum (Deutschland).

Der alte Säumerweg 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Weg über den Scaletta aufgrund des Baus des Flüelapasses (1867) und der Verbesserung anderer Strassenverbindungen immer weniger genutzt.

Willem-Jan Holsboer (1834-1898), Heimatmuseum Davos. Foto: Wikipedia

Scaletta-Bahn

Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnlinie durch das Tal geplant, die Scalettabahn. Der niederländische Unternehmer Willem Jan Holsboer (1834-1898) hatte bereits die Landquart-Davos-Bahn (1888) initiiert. Im Jahr 1890 sollte die Scalettabahn eröffnet werden und durch das Bergell nach Chiavenna fahren.

Am 2. April 1890 reichte Holsboer zudem ein Konzessionsgesuch für eine Bahnlinie von Cinuos-chel nach Martinsbruck ein, die als Fortsetzung der Scaletta-Bahn den Anschluss an das österreichische Netz gewährleisten sollte. Die Pläne scheiterten und das Engadin wurde durch die Albulabahn (1903-1904) erschlossen.

Die Silberfuchsfarm „Bernina und die heutige Veduta Susauna 

Die Bernina-Silberfuchsfarm

Die Innovationskraft der Bündner Unternehmer, nicht nur der Zuckerbäcker, Hoteliers und anderer Tourismusbetriebe, war auch in Susauna präsent. Am 30. Dezember 1928 kaufte die Silberfuchsfarm „Bernina“ das Grundstück des Hauses Chesa cotschna (Rotes Haus) in Susauna zur Zucht von Silberfüchsen. Im Dezember 1929 war der Komplex betriebsbereit.

Neben Silberfüchsen wurden dort auch Karakulschafe (Dickschwanzschafe aus Buchara) gezüchtet. Im Jahr 1930 bestand die Schafherde aus 24 Mutterschafen mit Lämmern und einem vollblütigen Karakulbock.

Aufgrund des starken Preisverfalls für Silberfuchsfelle mussten viele Silberfuchsfarmen in der Schweiz schliessen. So auch die Silberfuchsfarm in Susauna im Jahr 1934.

Das Val Susauna ist aber immer noch ein schönes Wandergebiet mit dem alten Säumerweg, der reformierten Kirche (1696) und der alten Silberfuchsfarm (heute Veduta Susauna Pop-up) als Wahrzeichen und Erinnerung an die „gute alte Zeit“.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde S-Chanf; Engadin Tourismus).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Lützel und die Landskron, eine europäische Geschichte

Bei Lützel (Lucelle) begegnen sich Frankreich und die Schweiz und die Kantone Jura und Basel-Landschaft. Die Benediktinerabtei Lucelle (Abbaye de Lucelle) wurde 1124 am Flüsschen Lützel (La Lucelle) gegründet.

Der Fluss bildet heute die Grenze zwischen dem schweizerischen Kanton Jura und dem französischen Département Haut-Rhin. Im 13. Jahrhundert verlief die Grenze noch zwischen dem Fürstbistum Basel und der Grafschaft Pfirt (Ferrette).

Die Grafschaft Pfirt und das Kloster kamen 1324 an Habsburg. Das Dorf Lützel lag ab dann zweigeteilt auf österreichischem und fürstbischöflich-baslerischem Gebiet. Das Kloster, in welchem 200 Mönche lebten, war um diese Zeit das reichste elsässische Kloster nach Murbach.

Der Bau als hochgotische Basilika mit Querschiff  war 1346 abgeschlossen. Im Jahre 1375 verwüsteten die Gugler (Söldner während des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) zwischen den Königreichen England und Frankreich) das Kloster und 1499 die Eidgenossen im  Schwabenkrieg (oder Schweizerkrieg/Engadinerkrieg) nach der Schlacht bei Dornach.

Im Deutschen Bauernkrieg von 1525 wurde das Kloster von Elsässer Bauern überfallen. Es erholte sich aber von den Kriegsereignissen und konnte 1526 mit dem Erwerb der Herrschaft Löwenburg im Jura sein Territorium sogar verdoppeln. Die Basler Familie Münch war lange Zeit Eigentümerin dieser Burg.

Eine undatierte Zeichnung auf dem heutigen Gebäude 

Der Abt des Klosters errichtete unterhalb der Burg ein schlossähnliches Prioratsgut mit Kirche. Die Lage Lützels im vorderösterreichischen Gebiet war im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) jedoch verhängnisvoll. Die Mönche suchten Zuflucht in Löwenburg, das unter dem Schutz der Eidgenossenschaft stand.

1638 wurde das Kloster erneut geplündert. Als im Jahre 1648 Frankreich in den Besitz des elsässischen Sundgaus kam, lagen Lützel und das Kloster dann hauptsächlich auf französischem Gebiet. Die Beziehungen zwischen den Äbten und den französischen Königen waren aber sehr gut und das Kloster hatte bis 1789 wieder eine Blütezeit.

François Ignace Tavanne (1728–1811),  das Kloster um 1776. Sammlung: Musée jurassien des Beaux-Arts, Pruntrut (Porrentruy).

1789 wurde die Abtei von der revolutionären Regierung in Paris zum nationalen Eigentum erklärt. Nach 1792 zogen Handwerker und Arbeiter in die Konventgebäude ein. Sie betrieben die ehemaligen klösterlichen Manufakturen (Ziegelei, Glashütte, Eisenhütte und Giesserei, Gerberei) weiter.

Der Konventflügel und die Kirche wurden 1804 abgebrochen. Das Material diente dem Bau der neuen Fabrik mit Holzkohle-Hochofen und Giesserei. 1883 erfolgte die Schliessung dieser Werke. Die Fabrikgebäude wurden später abgetragen.

Heute ist der ganze Klosterkomplex bis auf zwei Gebäude entlang der Strasse verschwunden. Beide Gebäude werden von der privaten Organisation Centre Européen de Rencontres Lucelle (CERL) genutzt.

Die Geschichte von Lützel und der Abtei haben Gemeinsamkeiten mit der Geschichte der Landskron bei Leymen an der Grenze zur Schweiz und zum Kanton Solothurn. Die damals mächtigsten Herrscher und Abteien prägten diese heute zutage fast vergessenen regionalen Machtzentren.

Der Lützelsee (lac de Lucelle, Kanton Jura) diente zuerst als  Fischteich. Später wurde sein Wasser genutzt,um Mühlen, Schreinereien, Schmieden und Giessereien zu betreiben. Ein Bach speist ihn und fliesst auch wieder ab. Am Ufer wachsen Eschen, Ahorn, Erlen und Weiden. Ein wunderbarer Buchenwald umschliesst das Tal der Lützel. 

Der Lützelsee/ Lac de Lucelle, 1803. Staatsarchiv Basel-Stadt

(Quelle und weitere Informationen: Barocke Bauwerke im Süddeutschen und schweizerischen Raum) 

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Jura

Der Gletschergarten in Luzern

Der alte Gletscher in Luzern wurde 1872 entdeckt und ist seither eine der Hauptattraktionen mit Gletschertöpfen, einem Spiegellabyrinth, einem Museum, dem Sandstein-Pavillon, einem Alpenpark, dem Pfyffer-Relief, der Arktis Austellung und der neuen Felzenwelt.

Der heutige Standort Luzern lag vor 20 Millionen Jahren an einem palmenbewachsenen Strand. Damals gab es auch einen Klimawandel, und der Gletscher ist das Ergebnis der letzten Eiszeit von vor 20.000 bis 10.000 Jahren.

Nach der globalen Erwärmung mit ihren vielen Schwankungen ist der Gletscher sozusagen ausgetrocknet und bietet heute einen einzigartigen geologischen Einblick in die Einflüsse von Wetter, Wind, Felsen und Klima (Veränderungen).

Die Gletschertöpfe

Dieses Modell einer Gletschermühle mit sich drehendem Mahlstein aus 1896, um die Enstehung der Gletschertöpfe zu erklären, ist veraltet, doch mit Wasser funktioniert es, siehe die Rolle des Wassers in der Felsenwelt!

(Quelle und weitere Informationen: www.gletschergarten.ch).

Eine Nachbildung einer Klubhütte des Schweizer Alpen Clubs (SAC) aus dem Jahr 1896 mit Aussicht auf den Gornergletscher (Diorama) oberhalb von Zermatt

Die Austellung Arktis 

Die neue Felsenwelt

Die Entstehung der Gletschertöpfe im Laufe der Zeit

Das Spiegellabyrinth

Das märchenhafte Spiegellabyrinth aus dem Jahr 1896

Die Gründer

Die Geschichte der Sprachen in der Romandie

Das Buch bietet einen Überblick über die Sprachgeschichte der verschiedenen Regionen der heutigen französischsprachigen Schweiz, von den Kelten und Römern über die Franken, Burgunder und Hugenotten bis in die Gegenwart. Diese für ein breites Publikum zugängliche Sprachgeschichte basiert auf wissenschaftlicher Forschung.

Das Buch zeichnet die langsame Herausbildung der Sprachgrenzen in der Westschweiz nach, die gallo-römische und Frankoprovenzalische Sprachen, die zahlreichen Dialekte (Patois) und die Einführung des Französischen ab dem Mittelalter, zuerst als Schriftsprache der Elite und Jahrhunderte später als Hauptsprache der Bevölkerung.

Das Buch zeigt, dass das Patois erst im 19. Jahrhundert verschwunden ist, abgesehen von einigen kleinen Gebieten. Dies im Gegensatz zur Deutschschweiz, wo die Dialekte die Hauptsprachen sind und das Hochdeutsche nur geschrieben und bei formellen Anlässen und aus Höflichkeit gegenüber dem nicht deutschschweizerischen Publikum verwendet wird.

Der Autor erklärt, warum das Französische in dieser Region eine einheitliche Sprache ist und das Patois zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast verschwunden ist.

Das Buch enthält eine Fülle von wenig bekannten Dokumenten und Zeugnissen und gibt einen Einblick in die lange und reiche Geschichte der Dialekte in der französischen Schweiz.

Andres Kristol, Histoire linguistique de la Suisse romande, Neuchâtel, 2023

Das Bourbaki Panorama

Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden neue Medien, die versuchten, die Welt so realistisch wie möglich darzustellen.

Mit allen möglichen optischen und modernen technischen Tricks bekam das Publikum die Illusion, dabei zu sein. Der irische Maler Robert Barker liess 1787 in London eine Erfindung patentieren, die kurz darauf als „Panorama“ bekannt wurde. Seine Erfindung war ein naturalistisch gemaltes Rundbild.

 

Das Bourbaki Panorama in Luzern ist ein beeindruckendes kulturelles Erbe des Zeitgeistes. Das Panorama des Malers Edouard Castres (1838-1902) von 1881 ist eines der beeindruckendsten visuellen Spektakel in der Geschichte dieser Medien.

Das Panorama zeigt die besiegte französische Armee des Generals Bourbaki beim denkwürdigen Grenzübertritt bei Les Verrières (Kanton Neuenburg) im Februar 1871 während des französisch-preussischen Krieges von 1870/71.

(Quelle und weitere Informationen: Bourbaki Panorama Luzern).

Morgarten und seine Bedeutung

Am 15. November 1315 fand in Morgarten (Kanton Zug) eine Schlacht zwischen den ersten Eidgenossen (der drei Orte Uri, Schwyz und Unterwalden) und Herzog Leopold von Habsburg (1290-1326) statt. Man weiss nicht viel über die Schlacht, nur der Sieger (die Eidgenossen) und der Verlierer (Herzog Leopold) sind bekannt.

Tatsache ist, dass Schwyz 1314 das habsburgische Kloster Einsiedeln geplündert hatte und Leopold möglicherweise mit einer Strafaktion reagierte. Eine andere Theorie ist der Thronstreit zwischen Ludwig von Bayern und Friedrich von Habsburg (Leopolds Bruder) als deutschem König im Heiligen Römischen Reich. Schwyz unterstützte Ludwig.

Morgarten und der Ägerisee heute

Nichtsdestotrotz ging Morgarten am Ägerisee als die erste Schlacht dieser Schweizer Orte für mehr Freiheit und Autonomie in die Geschichte ein (noch nicht für Unabhängigkeit und Souveränität, das war noch kein Thema). Niemand hat damals die Eidgenossenschaft der 13 Kantone von 1513 vorausgesehen oder gewollt, geschweige denn die Confoederatio Helvetica von 1848. Diese Entwicklung ist eine andere Geschichte.

Die Pfarrkirche in Sattel

Auf dem Morgartenweg (Themenweg) durch die Region werden an verschiedenen Stellen die Ereignisse von 1315 (spekulativ) in Erinnerung gerufen und dargestellt. Der Weg beginnt beim Morgatendenkmal am See und führt bis zur Pfarrkirche in Sattel (Kanton Schwyz).

Morgarten-Denkmal (1908). Dieses Denkmal widerspiegelt die Befindlichkeiten und Eigenheiten der Kantone. Das Denkmal steht auf Zuger Boden, damals Gebiet des habsburgischen Verlierers (1315). Der Kanton Schwyz, einer der drei Sieger-Orte, nahm aus diesem Grund nicht an der Einweihung am 2. August 1908 teil. Eidgenössische Motive und die schöne Lage am Ägerisee führten zur Wahl des Kantons Zug als Denkmalstandort.

Das Informationszentrum bietet Einblicke und eine umfangreiche Dokumentation dieser geschichtlichen Ereignisse und erläutert deren Bedeutung über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart.

Der Morgartenbrief oder der „Bund von Brunnen“ vom 9. Dezember 1315 ist ein authentisches Dokument (Bundesbriefmuseum in Schwyz) in deutscher Sprache und verwendet zum ersten Mal den Begriff „Eidgenosse“. Es handelt sich um einen Bund zwischen den „lantlüte von Ure, Szwits und Unterwalden“. Dieser Brief entspricht fast wörtlich dem Brief von 1291, nur ist davon keine Originalurkunde erhalten und es fehlen weitere Angaben.

Dieser Bund diente der gegenseitigen Unterstützung, Friedenserhaltung und Konfliktlösung: es handelte sich um ein Landfriedensbündnis (u.a. über Weidenutzung, Viehdiebstahl und andere Delikte) und nicht um eine Unabhängigkeitserklärung.

Vielmehr wird der Landesherr anerkannt, es sei denn, er erkennt seinerseits die Rechte der Orte im Zusammenhang mit der bereits im 13. Jahrhundert gewährten Autonomie (Reichsunmittelbarkeit) nicht an. Derartige Vereinbarungen waren in dieser Zeit an vielen Orten im Heiligen Römischen Reich üblich. Nur die Schweizer Eidgenossenschaft überstand das 18. Jahrhundert bis 1798 Napoleon. Das ist einmalig.

Das Informationszentrum Morgarten, links der Letziturm, rechts das Informationszentrum und das älteste europäische Holzhaus (1176). Der Letziturm war die Grenze zwischen Schwyz und Zug, das 1315 noch zu Habsburg gehörte.

(Quelle: B. Meier, Von Morgarten bis Marignano, Baden 2008; Informationszentrum Morgarten).

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Die Kapelle

Die drie Eidgenossen, Wilhelm Tell und der Vogt Gessler mit Hut im Europapark (D).

Impressionen der Umgebung

Lenzerheide, Arosa und Tschiertschen.

Die alte Bischofsstadt Chur liegt in der Nähe von Reichenau, wo sich der Hinterrhein und der Vorderrhein als Alpenrhein im Rheintal bis zum Bodensee fortsetzen. Chur ist auch der Verkehrsknotenpunkt in Richtung Arosa, Lenzerheide, Disentis/Mustér und des schönsten Dorfes der Schweiz und Liechtensteins: Tschiertschen.

Der weg nach Arosa

Von Chur nach Arosa

Das Schanfigger Tal führt von Chur nach Arosa. Seine erste schriftliche Erwähnung ist Scanavico aus dem Jahr 765. Auch die Dörfer Lüen (1084), Castiel (1132), St. Peter (831), Pagig (1160) und Calfeisen (1156) sind alte Dörfer, in denen bis ins 16. Jahrhundert romanisch gesprochen wurde.

Von Davos, einem Walserdorf, wanderten im 13. und 14. Jahrhundert Walser über den Strelapas ins Schanfigg ein. Sie gründeten u.a. Arosa und Langwies.

Mit dem Aussterben der lokalen Adelsherren (1338 die Freiherren von Vaz und 1436 die Grafen von Toggenburg) entstanden auch in diesem Gebiet autonome Gerichtsgemeinden.

      

Einige Dörfer im Schanfiggtal

Arosa und die anderen Dörfer gehörten zur Gerichtsgemeinde Davos (ebenfalls ein Walserdorf), dem Hauptort des Zehngerichtenbundes (1436). Langwies war selbst eine Gerichtsgemeinde. St. Peter gehörte zur Gerichtsgemeinde (Ausser)Schanfigg, war aber der Sitz der Landsgemeinde des Schanfigger -Tals.

Der Zehngerichtenbund schloss 1450 einen Vertrag mit dem Gotteshausbund (gegründet im Jahr 1367) und 1470 mit dem Grauen oder Oberen Bund (gegründet im Jahr 1395). Die Gerichtsgemeinden blieben bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1798 eigenständig (waren von ihrem formalen Status her jedoch Teil des Heiligen Römischen Reiches bis zum Westfälischen Frieden 1648).

Abgesehen von der Reformation ab 1530 und den Verwüstungen im Jahr 1622 während der Bünder Wirren (1619-1639) änderte sich politisch, sozial und wirtschaftlich wenig an der überwiegend ärmlichen landwirtschaftlichen Existenz der meisten Bewohner.

Es folgten die französische Besatzung 1798, die Auflösung des Freistaats der Drei Bünde, die Gründung der Helvetischen Republik (1798-1803), der Eidgenossenschaft (Mediationsakte) und des Kantons Graubünden (1803-1813), die neue Eidgenossenschaft 1815 und schliesslich die neue Verfassung von 1848.

Arosa (mit damals nur 56 Einwohnern) wurde 1851 eine unabhängige Gemeinde. Doch der Tourismus veränderte Arosa in den folgenden Jahrzehnten stark. Das Dorf entwickelte sich zu einem bekannten Wintersport- und Tourismusort.

 

Arosa heute

Das erste Hotel öffnete 1877 seine Pforten, 1888 folgte das erste Sanatorium. Seit 1914 verkehrt die Bahn zwischen Chur und Arosa. Die Strecke führt über einen 264 langen und 62 hohen Viadukt bei Langwies. Die Rhätische Bahn bewältigt diese Bahnstrecke von Chur nach Arosa mit einer Höhendifferenz von 1’145 Metern in einer Stunde Fahrzeit!

Der Viaduct bei Langwies

Die Autostrasse war bereits 1890 fertiggestellt worden, wurde jedoch vom Kanton erst ab 1925 für den Autoverkehr freigegeben. Als Folge dieser Entwicklung hatte Arosa im Jahre 1930 über 3 300 Einwohner, fünfzigmal mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor!

Die Fahrt von Chur nach Arosa durch das Schanfigg-Tal, ob mit dem Auto, dem Zug, dem Fahrrad, dem Motorrad oder zu Fuss, lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Die anderen Dörfer des Tals haben weit weniger vom Tourismus profitiert, was jedoch ein Segen ist für die Erhaltung der alten Gebäude. Heute sind alle Dörfer des Tals in die Gemeinde Arosa eingemeindet.

Das Schanfiggtal

Der Weg nach Lenzerheide

Lenzerheide, Malix en Churwalden

Lenzerheide hat eine ähnliche Geschichte wie Arosa. Ein ehemals kleines Walserdorf an der Strasse nach Tiefencastel, dessen Leben und Aussehen ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Tourismus grundlegend verändert wurde.

Lenzerheide heute

Der Heidisee bei Lenzerheide

Kulturgeschichtlich interessanter ist jedoch der Weg nach Lenzerheide. Im 13. und 14. Jahrhundert siedelten hier auch die Walser. Das alte Kloster (9. Jahrhundert) und Abthaus (15. Jahrhundert) in Churwalden, die Burgruine (um 1150) der Freiherren von Vaz in Malix oder jenseits der Lenzerheide das Val/Obervaz sind einige kunstgeschichtliche bzw. landschaftliche Höhepunkte.

Tschiertschen, Pagguss und Praden

Die Strasse nach Lenzerheide birgt aber noch ein weiteres Geheimnis: Die Abzweigung zum Dorf Tschiertschen ist die Strasse zum „schönsten Dorf der Schweiz“. Das Dorf Pagguss an der Paggussschlucht beherbergt zudem die Hotelfachschule EHL.

Die EHL Hotelfachschule.

 

Die Pagguss-Schlucht

Die Burg bei Malix

Kloster Churwalden

Kloster und Abtshaus Churwalden rund 1900. Johann Rudolf Rahn  (1841-1912),  Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv

Tschiertschen ist unter anderem für seine romanisch-gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert bekannt. Das Dorf war Teil des Bistums Chur. Das Nachbardorf Praden teilte sich lange Zeit Kirche und Friedhof mit Tschiertschen, doch gehörte Praden politisch zur Gerichtsgemeinde Langwies und Tschiertschen zur Gerichtsgemeinde Churwalden des Zehngerichtebundes.

Tschiertschen

Als weitere historische Besonderheit ist Folgendes zu erwähnen: Obwohl die Reformation im Jahre 1540 stattfand, offenbar nach einer Abstimmung unter den Bürgern, durfte der Pfarrer bis an sein Lebensende seines Amtes walten. Erst dann wurde ein Prediger eingesetzt! Die beiden Dörfer gehörten zu verschiedenen Gerichten in Langwies und Churwalden, teilten sich aber die Kirche und den Friedhof in Tschiertschen.

Eine Pestepidemie im Jahr 1627 veranlasste einen Teil der wohlhabenden Churer Bürger, 1629 ins abgelegene Tschiertschen zu fliehen. Die Opfer der Pest in Praden wurden im gemeinsam genutzten Friedhof in Tschiertschen begraben, was die Flüchtlinge aus Chur wegen der Ansteckungsgefahr verhindern wollten.

Praden

Praden baute um 1630 mit dem Geld der Churer Bevölkerung eine eigene Kirche und einen eigenen Friedhof. Tschiertschen war damit aus finanziellen Gründen nicht einverstanden. Schliesslich beteiligte sich Praden nicht mehr an den Kosten für die Kirche in Tschiertschen. Es folgte ein Rechtsstreit mit den Gerichten Langwies und Churwalden, einem Obergericht in Davos und einer Schiedsstelle in Chur.

Die Gerichtsverfahren dauerten bis 1762! Dann entschied das Gericht in einem Endurteil, dass jeder Haushalt in Praden jährlich ein Füederli (ein Stück Brennholz) an das Pfarrhaus in Tschiertschen zu liefern habe. Tatsache ist , dass es beide Kirchen noch gibt, eine im „schönsten Dorf der Schweiz“ und eine in Praden.

(Quelle und weitere Informationen: Arosa und Lenzerheide; M. Domann, G. Jäger, Die Kirche von Tschiertschen, Tschiertschen, 2014)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Kloster Einsiedeln und Cavalli della Madonna

Abt Eberhard, Domprobst von Strassburg, errichtete um 948 die erste Klosterkirche in Einsiedeln und weihte die Kirche der Gottesmutter Maria und St. Mauritius.

Vorher hatten Einsiedler im 9. Jahrhundert eine Kapelle erbaut und dem Heiligen St. Meinrad gewidmet, einem Benediktiner aus Reichenau, der dort um 835 eine Einsiedelei gegründet hatte und ebenda gestorben war. Meinrad wurde auf der Insel Reichenau bestattet, aber ihm wurde eine Kapelle in Einsiedeln gewidmet. 1039 wurden die Reliquien des Hl. Meinard von der Insel Reichenau nach Einsiedeln überführt.

Der Marienbrunnen oder Frauenbrunnen auf dem Klosterplatz.

Nach 948 statteten viele Wohltäter, unter anderen das Schwäbische Herzogshaus und die Kaiser Otto I (912-973), Otto II (955-983), Otto III (980-1002) und Heinrich II (973-1024) das Kloster mit Grundbesitz aus.

Die schwarze Madonna

Die kleine Kapelle steht noch immer im Vorhof der heutigen Klosterkirche, jedoch in barocker Bauart und mit einer schwarzen Madonna. Warum ist die Madonna schwarz? Diese Frage ist bis heute nicht geklärt.

Die Klostergebäude (1704) und die Klosterkirche (1735) sind ein gutes Beispiel barocker Baukunst 

Im 18. Im Jahrhundert stieg die Zahl der Pilger auf 150.000 im Jahr und der Komplex wurde grösser und grösser.

Das Kloster hat bis heute eine weltweite religiöse Bedeutung (mit rund 200 000 Pilgern pro Jahr) und eine grosse ökonomische Bedeutung für die Region.

(Die Stiftskirche Einsiedeln, Regensburg 2015; Kloster Einsiedeln).

PS: siehe auch das Panorama Einsiedeln

Der Klosterkomplex

Die Holzindustrie des Klosters

Das älteste noch bestehende Gestüt Europas. Seit der Klostergründung züchten die Mönche Pferde. Zwischen 1500 und 1798 fand ein reger Pferdehandel statt. Die Tieren wurden besonders zum reisen und für Rodungsarbeiten gebraucht. Italien war das Hauptabsatzgebiet. 1766 wurde der heute noch benützte Marstall errichtet. Beim Franzoseneinfall wurde das Kloster 1798 geplündert, die Pferdezücht zu nichte gemacht und wurden die Pferde beschlagnamht. Im Jahr 1866 kauften die Mönche einen Hengst aus England. Auf ihn gehen heute die erfolgreichen Stutenstämme zurück. Die heutigen Einsiedler Cavalli della Madonna sind weltberuhmt.

Der grossartige Klosterplatz ist das Resultat eines Bauverbotes aus dem Jahre 1419. Damit wurde ein ausreichender Abstand zwischen dem Dorf und Kloster geschaffen, um das Übergreifen eines Brandes zu verhindern.

Der Friedhof und seine Umgebung

Das Rathaus von Einsiedeln