Das Löwendenkmal von Luzern

Das Löwendenkmal wurde am 10. August 1821 eingeweiht, 29 Jahre nach dem Angriff auf die Schweizergarde im Tuilerien-Palast in Paris (10. August 1792). Einer der wenigen Überlebenden war Carl Pfyffer von Altishofen (1771-1840), ein Offizier der Schweizergarde von König Ludwig XVI (1754-1793). 

Am 10. August 1792 war er in der Schweiz, sonst hätte er das Schicksal von etwa 700 Kollegen geteilt. Die meisten starben an diesem Tag; die Überlebenden wurden am 3. September hingerichtet.

Er war der Initiator des Denkmals. Während der französischen Besatzung (1798–1813) war dies politisch unmöglich.

Erst 1815 und unterstützt durch die konservative Stimmung während der Restaurierung, konnte er seinen Plan zum Gedenken an seine Kollegen verwirklichen. Carl Pfyffer sammelte mehr als 20.000 Schweizer Franken dank Spenden aus dem In- und Ausland, unter anderem von Mitgliedern ausländischer Königshäuser wie dem russischen Zaren, dem König von Preußen und der französischen Königsfamilie.

Der Auftrag für das Denkmal ging an den damals berühmten dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844). Der Löwe wurde direkt aus der Steinmauer im alten Steinbruch geschnitzt, den Pfyffer seit 1805 für diesen Zweck gemietet hatte. Seine Idee war, dass das Denkmal ein Löwe im Stil der alten Modelle sein sollte.

Der Solothurner Bildhauer Urs Pankraz Eggenschwiler (1766-1821) meisselte den Löwen direkt in die Wand des ehemaligen Sandsteinbruchs am Stadtrand von Luzern, überlebte seine Fertigstellung allerdings nicht.

Nach seinem tödlichen Unfall auf der Baustelle vollendete der Konstanzer Lukas Ahorn (1789-1856) den Löwen. Über dem Denkmal befindet sich die Inschrift Helvetiorum Fidei ac Virtuti (über die Treue und den Mut der Schweizer).

Der sterbende Löwe wird mit einem gebrochenen Speer durchbohrt. Sein Bein ruht auf einem Schild mit der Fleur-de-Lis der französischen Königsfamilie. Ein weiteres Schild trägt das Wappen der Schweiz. Die Inschrift unter dem Löwen enthält die Namen der Offiziere und die Zahl der Opfer und Überlebenden.

Die Einweihung am 10. August 1821 war ein Fest des Ancien Régime. Die Botschafter oder Vertreter der Königs- und Adelshäuser von halb Europa waren anwesend.

Für die liberalen und progressiven Kreise, die gleiche Rechte für alle Bürger forderten, war es eine reaktionäre Demonstration und eine Unterstützung für die konservative herrschende Klasse in Luzern.

Das Denkmal ist wegen seiner künstlerischen, den politischen Gehalt überragenden Qualität und wegen seiner besonderen Situierung ein Unikat. Die kosmopolitische Popularität dieses innerschweizerischen Denkmals entstand aus seiner sich selber verstärkenden Eigendynamik.

Heute ist das Denkmal eine Attraktion für die ganze Welt und für Touristen aus allen Gesellschaftsschichten.

(Quelle: B. Schumacher, Kleine Geschichte der Stadt Luzern, Baden, 2015; www.loewendenkmal21.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

 

Das Panorama von Einsiedeln

Im 19. Jahrhundert gab es weltweit ein grosses Interesse, nationale Themen, vor allem Schlachten, als Panoramen zu gestalten. Die Panoramen waren bis zu 15 Meter hohe und fielen bis zu 120 Meter messende kolossale Rundgemälde.

Viele Städte besassen im 19. Jahrhundert mindestens ein Panoramagebäude, in dem in Wechselausstellungen Panoramabilder gezeigt wurden. Die Idee, die historische Begebenheit der Kreuzigung Christi in einem Panorama darzustellen, entstand in dieser Zeit.

Die Künstler Karl Hubert Frosch (1846-1931) und Joseph Krieger (1848-1914) hatten sich in den 1890er Jahren auf  Panoramen religiöser Thematik spezialisiert. 1892 schlossen sie einen Vertrag über die Herstellung eines Panoramas der Kreuzigung Christi.

Gemalt wurde das 10 Meter hohe und 100 Meter lange Riesenrundgemälde in sechs Monaten in München. Frosch und Krieger waren für die Darstellung des architektonischen und des landschaftlichen Teils des Gemäldes zuständig. Für den figürlichen Teil zog man den amerikanischen Künstler William Robinson Leigh (1865-1955) hinzu.

Ein Zeltlager mit zwei Olivenbäumen und Landvolk

Am 1. Juli 1893 wurde das Panorama der Kreuzigung Christi in Einsiedeln in einem eigens errichteten Gebäude eröffnet. Das erste Panorama in Einsiedeln fiel am 17. März 1960 den Flammen zum Opfer.

Noch im selben Jahr entschloss man sich zu einem Neubau und zu einer Neugestaltung des Bildes. Zunächst wurde das neue Panorama-Gebäude errichtet. Die alte Holzkonstruktion wurde durch einen Bau aus Stahlträgern und Leca-Betonelementen ersetzt.

Für die Neugestaltung des Bildes konnten die Wiener Künstler Prof. Hans Wulz 1909-1985) und Prof. Josef Fastl (1929-2008) gewonnen werden. Das neue Gemälde sollte in malerisch-künstlerischer Hinsicht eine zeitgemäss moderne Auffassung zeigen und keine Kopie oder Reproduktion des alten Panoramas sein. Die Wiedereröffnung fand am 4. April 1962 statt.

Seit 1893 haben fast 5 Millionen Pilger und Touristen das Panorama besucht.

Jesus am Kreuze am Kalvarienberg (Golgatha)

Das Grab 

(Quelle und weitere Informationen: Panorama Einsiedeln)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Der Palast von Herodus mit den drei Türmen Mariamne, Phasael en Hippikus

Rolle, De la Harpe und der Zar

Die Stadt Rolle (Kanton Waadt) beschloss, der jüngsten Insel im Genfersee nach dem Tod ihres berühmten Bürgers Frédéric-César de La Harpe (1754-1838) ihren Namen zu geben. Rolle ist eine Hafenstadt am Genfersee. 1835 wurde ein Deich gebaut, um die Boote im Hafen vor dem Wind zu schützen.

Jahrhundertelang wurde der größte Teil des Verkehrs in dieser Region über den See abgewickelt. Die Schiffe transportierten Steine aus dem Steinbruch der Meillerie (Haute-Savoie) auf der französischen Seite des Sees und Wein, Vieh, Käse und Holz von der Schweizer Seite.

Jacques-Augustin-Catherine Pajou (1766-1828), Frédéric-César de la Harpe, 1803. Musée historique Lausanne. 

Vor dem Deich wurde 1837 eine Insel errichtet, um den Schiffen noch mehr Windschatten zu geben. Grosse Felsbrocken aus der Meillerie und tonnenweise Schutt bedeckten für immer die Pfähle und andere Überreste der Pfahlbauten der keltischen Bewohner aus den Jahrhunderten vor Christus.

1754 stand die Waadt noch unter der Herrschaft von Bern, sie war ein sogenanntes Untertanengebiet. Frédéric-César de La Harpe reiste 1782 nach St. Petersburg an den Hof der Zarin Katharina II. Die Kaiserin betraute ihn mit der Erziehung ihrer Enkel Alexander (des späteren Zaren Alexander I., 1777-1825) und Konstantin (1779-1831). Im Jahr 1795 kehrte er in die Schweiz zurück.

Im Jahr 1798 setzte er sich beim französischen Direktorium für die Unabhängigkeit der Waadt ein. 1798 ernannte Napoleon ihn zum obersten Verwalter der kurzlebigen Helvetischen Republik (1798-1803).

Napoleon gründete diese Republik, nachdem er 1798 die Eidgenossenschaft der dreizehn Kantone besetzt hatte. Der Widerstand der alten dreizehn Kantone war jedoch zu gross und 1803 ersetzte Napoleon diese Republik durch eine neue Eidgenossenschaft mit neunzehn Kantonen, darunter der neue Kanton Waadt.

1815, nach der Niederlage Napoleons, blieb die Waadt dank der Intervention Zar Alexanders I. und de La Harpes ein Kanton der neuen Eidgenossenschaft, ebenso wie der Aargau, der Thurgau und das Tessin.

De la Harpe genoss in Europa grosses Ansehen und Respekt. Dies zeigte sich 1844, als die bedeutendsten Monarchen Europas den Obelisken zum Gedenken an diesen Staatsmann auf der Insel besuchten.

Genf hat seinen Pictet de Rochemont (1755-1824), die Waadt ihren Frédéric-César de La Harpe.

Genève, Pictet de Rochemont

(Quelle und weitere Informationen: www.rolle.ch)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Maienfeld, Heididorf und die Walser

Man geht so leicht an ihnen vorbei, an all den schönen Dörfern, Städten und der Natur in der Schweiz. Manche Orte weisen eine bekannte Touristenattraktion auf oder eine andere Besonderheit, die einen Halt nahelegt, wie Maienfeld (Kanton Graubünden), am Fusse des Heididorfes.

Die Schriftstellerin Johanna Spyri (1827-1901) schuf Heidi und ihr Heididorf 1881. Heidi, wer kennt sie nicht? Wer aber kennt Maienfeld? Schon in der Römerzeit war es ein bedeutender Ort mit dem Namen Magia und als solcher auf der Peutinger-Karte verzeichnet.

Danach war der Ort während Jahrhunderten Sitz der wichtigsten Familien der Region und der Bischöfe des Bistums Chur. Dieses Bistum war eines der ersten und bedeutendsten nördlich der Alpen und erstreckte sich bis nach Vintschau (Südtirol in Italien), Vorarlberg (Österreich) und zum Bodensee (Deutschland).

Von 1510-1798 war Maienfeld ein Untertanengebiet des Freistaats der Drei Bünde. Dann folgten die französische Invasion und die Helvetische Republik (1798-1803). Seit 1803 ist die Stadt eine Gemeinde im Kanton Graubünden. Bis zum 16. Jahrhundert war Romanisch die gesprochene Sprache und die Stadt hiess Maiavilla. Die Germanisierung folgte bald darauf.

Bild: Die Ernennung des letzten Vogtes erfolgte im Jahr 1797.

Bereits im 11. oder 12. Jahrhundert erhielt Maienfeld vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches die Stadtrechte. Diese Stadtrechte weisen auf die wichtige politische und wirtschaftliche Rolle des Ortes hin.

Die erste Burg wurde im 10. Jahrhundert von den Grafen von Bregenz erbaut. Weitere Besitzer waren die Grafen von Tübingen, die Freiherren von Vaz, die Freiherren von Aspermont (die im 13. Jahrhundert das heutige Schloss errichteten) und die Grafen von Toggenburg. Die Freiherren von Brandis erwarben das Schloss 1438 und seither heisst es Schloss Brandis. Heute befindet es sich in Privatbesitz und wird als Restaurant betrieben.

Schloss Brandis, die alte Stadt- und Klostermauer und die Luzikirche (siehe auch das Luzikloster in Chur)

Die Bruder Klausen Kapelle in der protestantischen Stadt Maienfeld

Der berühmte „Waltensburger Meister“ malte eines seiner gotischen Wandgemälde auf die Burgmauern. Im mittelalterlichen Ortskern verdienen das Rathaus, die Amanduskirche (11. Jahrhundert), die Luzikirche (1457) und mehrere Klostergebäude besondere Aufmerksamkeit. Maienfeld besass kein eigenes Kloster, aber das Kloster Churwalden (Hinterrhein) verfügte über einige Gebäude und einen Klosterhof in der Stadt.

Der Klostertorkel

Der „Klostertorkel“ erinnert an diese Zeit. Ein Torkel ist ein Ort, an dem Trauben gepresst und Wein von Mönchen gelagert wurde. Die Reformation in den 1520er-Jahren bedeutete jedoch das Ende ihrer Anwesenheit. Der Weinbau wurde von den Bürgern weitergeführt. Die Weinberge befinden sich nicht nur ausserhalb, sondern auch innerhalb der Stadt. Die Schafe weiden auf den Wiesen.

Wie in vielen Schweizer Dörfern und Städten hat sich auch in Maienfeld eine spezialisierte Industrie entwickelt. Hier ist die Holzindustrie, deren Tor ein kreativer Eingang ist.

Heididorf

Das Heididorf gibt einen Einblick in das bäuerliche Leben im 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist die Walser Herkunft und Prägung, die sich auch am Rathaus zeigt. Denn Graubünden war im Spätmittelalter ein wichtiges Ziel für eingewanderte Walser. Davos, die Hauptstadt des Zehngerichtenbundes, war zum Beispiel eine Walserstadt!

(Quelle und weitere Informatioenen: Gemeinde Maienfeld)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Johanna Spyri (1827-1901) im Johanna Spyri Haus in Maienfeld

Das Heididorf

Das Heidihaus

Der Rathausstal

Das Rathaus

Impressionen des Rheintals bei Maienfeld

Kloster Pfäfers bei Bad Ragaz (Kanton St. Gallen)

Dorfbad und Grand Hotel Bad Ragaz

Die Geschichte des Dorfbades steht in einem engen Zusammenhang mit der Nutzung der Thermalquelle in der Taminaschlucht und mit der Erfolgsgeschichte von Bad Ragaz (Kanton St. Gallen) nach 1850.

Diese Geschichte begann 1840, als Bernhard Simon (1816-1900) die Domäne “Hof Ragaz” übernahm. Er baute innert kurzer Zeit die erstklassigen Kureinrichtungen.

Bernhard Simon

Der Kanton verpflichtete sich, ein Dorfbad zu erstellen. Das Dorfbad aus den Jahren 1866-1867 war in erster Linie eine Stätte der Hygiene. Zur damaligen Zeit hatten die wenigsten Menschen ein Badezimmer und warmes Wasser.

     

Die Kuranstalten und Grand Hotel erhielten die Auflage, das Dorfbad zu betreiben. Über Jahrzehnte funktionierte diese Aufgabenteilung wunderbar, bis zum  Zweiten Weltkrieg. Seit 2003 stand das Dorfbad leer.

Der Kanton hat das Monument jedoch einer kompletten Sanierung und Restauration unterzogen. Das Dorfbad von Bad Ragaz ist das letzte seiner Art in der Schweiz und funktioniert heute als Spahouse Bad Ragaz.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Bad Ragaz).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Die Burg Freudenberg 

Das Kloster Muri

Graf Radebot von Habsburg und seine Gemahlin Ita von Lothringen gründeten 1027 das Benediktinerkloster in der heutigen Gemeinde Muri (Kanton Aargau). Bischof Rumold weihte die Kirche St. Martin am 11. Oktober 1064.

Das Frauenkonvent zog 1140 nach Hermetschwil. Die Acta Murensia (1150-1180) sind die älteste Klostergeschichte und eine wichtige historische Quelle für regionale politische Entwicklungen. Die Habsburger errichteten im 12. Jahrhundert die Havichsburg im heutigen Habsburg.  Kaiser Leopold I. (1640–1705) des Heiligen Römischen Reiches verlieh dem Abt 1701 die Würde eines Reichsfürst und erhebte das Kloster zur Fürstabtei.

Während acht Jahrhunderte entwickelte sich die Abtei bis in die Barockzeit zu einer der reichsten Abteien der Schweiz. Die romanische Krypta, der gotische Hochchor und der barocke Zentralbau zeugen davon. Die Stuckaturen, Fresken und Innenausstattung des späteren Rokoko-Stils entfalten üppige Pracht. Die Glasgemälde im Kreuzgang mit ihrer Farbenpracht gelten als Höhepunkt der Renaissance-Glasmalerei.

Die romanische und gotische Dreischiffbasilika wurde Ende des 17. Jahrhunderts umgebaut. Es entstand das barocke Oktogon, der größte sakrale Zentralraum der Schweiz. Die fünf Orgeln und Akustik der Kirche sind musikalische Wunder aus dem 18. Jahrhundert.

Kanton Aargau beschloss 1841 die Aufhebung des Klosters. Die Mönche und der Abt übersiedelten nach Gries bei Bozen und Sarnen (Obwalden). Der Konvent von Muri lebt bis heute dort weiter.

Das Klostermuseum Muri zeigt die Geschichte des Klosters.

(Quelle und weitere Informationen: Kloster Muri)

Siehe auch: die Via Habsburg

Die Kirche St. Niclà

Die romanische Kirche St. Niclà (Kanton Graubünden) aus dem 12. Jahrhundert ist dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Seeleute und Kinder, geweiht.

Die Kirche befindet sich in der Nähe der Brücke über die Inn (En im Romanischen Vallader Dialekt) an der mittelalterlichen Strasse nach Nauders.

Der romanische Turm, das rechteckige Kirchenschiff und die halbkreisförmige Apsis befinden sich in einem guten Zustand.

Nach dem Bau einer neuen Straße auf der anderen Seite des Inn im 16. Jahrhundert verlor die Kirche (und die Brücke) ihre Funktion und Bedeutung.

An der Westfassade des Turms befindet sich ein Fresko des heiligen Christophorus mit dem Wappen der Familien à Porta und Von Marsch. 

Christophorus ist der Schutzpatron der Brückenbauer und trug in einer Legende das Jesuskind über den Fluss, in diesem Fall die Inn.

Die Fresken stammen aus der Zeit um 1500. Der Familie von Marsch gehörten die Schlösser in Tarasp und Ramosch. Auch die à Porta Familie war zu diesem Zeitpunkt sehr einflussreich in der Region.

Im Jahr 1718 erhielt die Kirche ein neues Gewölbe. Bald darauf verlor die Kirche jedoch durch den Bau der neuen Kirche in der nahe gelegenen Strada (1750) ihre Funktion. Die Kirche wurde anschliessend als Lagerhaus genutzt und um einen Bauernhof erweitert.

In Donatyre (Kanton Waadt) befindet sich zwischen den Bauernhöfen ebenfalls eine romanische Kirche aus dieser Zeit mit einer schönen Replik des Freskos der romanischen Kirche in Montcherand (Kanton Waadt).

Die profane Nutzung könnte also auch die Rettung der romanischen Kirche gewesen sein.

(Quelle und weitere Informationen: www.san-nicla.ch). 

St. Niclà und Strada im Hintergrund

Fürstenau und Ortenstein

Fürstenau (rätoromanisch Farschno) liegt im Domleschg im Kanton Graubünden. Die mittelalterliche Stadt mit knapp über 330 Einwohnern (innerhalb der Stadtmauern sind es weniger als zehn Haushalte) wird auch als die kleinste Stadt der Schweiz oder sogar der Welt bezeichnet.

Auf jeden Fall präsentiert sie sich mit diesem Titel. Jahrhundertelang befand sich die Stadt im Besitz des Bischofs von Chur und lag an der wichtigen Handelsroute der Alpenpässe (Julier, Septimer, Albula, Splügen).

Das Stadtrecht erhielt die Stadt im Jahr 1354. Zusammen mit Ortenstein bildete die Gerichtsgemeinde Fürstenau bis 1851 (!) das Hochgericht Ortenstein.

Die evangelische Kirche (1354)

Das Domleschg ist bekannt für sein mildes Klima und Tausende von Obstbäumen. Auf den Hochstammbäumen gedeihen 120 Apfel- und 30 Birnesorten. Die Domleschger Früchte waren (und sind) sehr begehrt. Der russische Zar soll Äpfel aus dem Domleschg besonders bevorzugt haben.

Schauenstein (heute ein Hotel)

Es gibt zwei Burgen (Schauenstein oder Oberes Schloss) und das Bischofsschloss (Unteres Schloss), das Meierhaus (der Wohnsitz des Bischofs), ein Handelsgebäude (das Stoffelhaus der heutigen Stiftung Johann Martin von Planta) mit profanen gotischen Fresken aus dem 14. Jahrhundert, die Kirche (1354) und einige andere Gebäude, die dem Ort sein urbanes Aussehen verleihen.

Der Name Fürstenau deutet bereits auf die enge Verbundenheit mit dem mittelalterlichen Fürstbischof von Chur hin. Der Name Fürstenau kann erst entstanden sein, nachdem der Bischof von Chur Fürst des Heiligen Römischen Reiches geworden war. Ein Bischof mit dem Titel des Fürsten ist erstmals 1170 bezeugt: Fürstbischof Bischof Egino von Ehrenfels.

1257 ist der Name Fürstenau im Zusammenhang mit einer bischöflichen Urkundenausstellung erstmals erwähnt. Im Mittelalter stieg der Bischof von Chur zusehends zum landesherrlichen Machthaber auf.

Der Burgenbau stand in direktem Zusammenhang mit der territorialen Entwicklung. Fürstenau war als Mittelpunkt der bischöflichen Herrschaftsrechte im Domleschg und am Heinzenberg konzipiert, angrenzend an den Machtbereich der Freiherren von Vaz, die auf Alt-Sins und Ortenstein sassen.

Nicht nur als Handels- und Marktplatz besass das Städtchen grosse Bedeutung, es war auch zum Zentrum fürstlicher Besitzungen im oberen Teil des Domleschgs aufgestiegen. Der Bischof residierte oft in Fürstenau.

Der Bundesbrief von 1524 (Gründung des Freitstaates der Drei Bünde) und die Ilanzer Artikel von 1524 und 1526 beschnitten die politische Macht des Bischofs. Die konfessionellen und herrschaftlichen Verhältnisse wurden neu geregelt, doch am Besitz und am Bestand des Bistums wurde letztlich nicht gerüttelt, was dessen lange Präsenz in Fürstenau erklärt.

(Quelle und weitere Informationen: Kathrin Gurtner, Fürstenau. Stadt in Kleinformat. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2001; www.fuerstenau.ch)

Die Freiherren von Vaz errichteten das Schloss Ortenstein im 13. Jahrhundert. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz.

Romanisch in und ausserhalb Graubünden

Vom 24. Bis zum 28. Juli findet in Scuol (Kanton Graubünden) wieder der Kurs in Vallader, einem der fünf Idiome des Romanischen, statt. Die Organisatorin Lia Rumantscha (in Zusammenarbeit mit der Unions dals Grischs) kann auch dieses Jahr fast 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den drei anderen Sprachregionen und sogar aus dem Ausland begrüßen.

Die romanische Sprache (Romontsch oder Rumantsch in Graubünden, Romanisch für die (übrige) Deutschschweiz, le Romanche in der französischen Schweiz, il Romancio auf Italienisch) wird nur im Kanton Graubünden gesprochen. Oft wird der Ausdruck Bündnerromanisch verwendet. 1938 wurde das Romanische in einer Volksabstimmung als vierte Sprache der Schweiz anerkannt.

Heute ist Romanisch die erste Sprache von rund 50.000-60.000 Einwohnern. Sie sprechen auch Deutsch und/oder Italienisch, die beiden anderen Amtssprachen des Kantons, der als einziger dreisprachig ist.

Aita Zanetti, die Capo (Gemeindepräsidentin) von Scuol. 

Fünf Hauptdialekte

Die Sprache kennt fünf Hauptdialekte. Sursilvan wird im Vorderrheintal gesprochen, Sutsilvan im Gebiet des Hinterrheins, Surmiran im Albulatal, Vaz/Obervaz und Val Ferrera, Putèr im Oberengadin und Bergün, Vallader im Unterengadin und (mit Unterschieden) im Münstertal.  Darüber hinaus existieren verwandte Dialekte in der Lombardei und in Österreich (Ladinisch und Friaulisch).

Mehrere Organisationen, Initiativen und Medien setzen sich dafür ein, die romanische Sprache und Kultur im Kanton zu erhalten und auch nicht romanischsprachigen Interessenten zugänglich zu machen.

Die erste Bibel in Vallader, Scuol 1671. Museum d’Engiadina Bassa

Die romanische Diaspora

Rund ein Drittel der Rätoromaninnen und Rätoromanen lebt ausserhalb des rätoromanischen Sprachgebiets, die ‘romanische Diaspora’. Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat die Förderung der rätoromanischen Sprache und Kultur ausserhalb des rätoromanischen Sprachgebiets zu einer Priorität erklärt.

Die Lia Rumantscha startete Ende 2021 das Projekt «Rumantsch en la diaspora», welches vom Bundesamt für Kultur finanziert wurde. Ziel des Projekts ist es, die Grundlagen für eine institutionalisierte Zusammenarbeit mit Personen in der Diaspora zu legen, rätoromanische Gemeinschaften zu gründen und dadurch ein nachhaltiges Angebot für Familien, Kinder und Jugendliche zu implementieren.

Fünf rätoromanische Gemeinschaften wurden bisher gegründet. Diese befinden sich in Basel, Bern, Luzern, St. Gallen / Appenzell und Winterthur. Seit Herbst 2022 organisieren die Gemeinschaften diverse Veranstaltungen für die Rätoromaninnen und Rätoromanen in der Diaspora.

St. Müstair

Vom 9. bis zum 13. Oktober 2023 findet in St. Müstair der jährlliche Herbstkurs statt

(Quelle und weitere Informationen: www.liarumantscha.ch und die Uniun dals Grischs).

Sgraffito in Ardez

Ardez

Sent

Siehe auch:

TiM – Tandem im Museum

Seit 2020 ermöglichen Museen unkonventionelle Begegnungen mit «TiM – Tandem im Museum». TiM ermöglicht solche Begegnungen und öffnet die Museen für neue Besucherinnen und Besucher.

Im Zentrum von TiM steht die Begegnung von Menschen aus verschiedenen Lebenswelten oder Generationen. Über 100 sogenannte TiM-Guides engagieren sich in der ganzen Schweiz und begleiten andere Menschen ins Museum.

In Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha gibt es TiM heute auch auf Romanisch.

Zertifizierung der romanischen Sprache

Romanische Sprachkenntnisse können im Rahmen des Fide-Systems überprüft und ausgewiesen werden. Zertifiziert werden alle fünf Idiome und Rumantsch Grischun.

Man kann zweimal jährlich die Rätoromanischen Kenntnisse prüfen und zertifizieren lassen. Die Lia Rumantscha führt diese in den romanischen Idiomen Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Puter, Vallader sowie auf Rumantsch Grischun durch.

Scuol

Der Inn (L’En auf Romanisch) und Hotel Belvédère in Scuol 

Ftan

Altstätten

Altstätten (Kanton St. Gallen) ist eine Stadt mit einer reichen Geschichte. Davon zeugen die vielen schönen Häuser und die Kirche.

853 wurde Altstätten erstmals urkundlich erwähnt als „villa nominata altsteti“ (Hof genannt alte Stätte). Zur Zeit verfügte das Kloster St. Gallen über Besitz in Altstätten.

Um das Herrschaftsgebiet gegenüber den rechts des Rheins angesiedelten Grafen von Montfort zu sichern, befestigte Abt Berchtold von Falkenstein den Hof Altstätten im 13. Jahrhundert mit einer Ringmauer, womit der Ort zur Stadt erhoben wurde. Im Jahre 1444 fand sich bereits die Form „Altstätten“.

Eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte Altstätten im 18. Jahrhundert mit dem Handel von Textilien. Die barocken Prunkbauten und historischen Laubengänge prägen heute noch das Bild der Altstadt .

Altstätten ist auch die Fasnachtshochburg im St.Galler Rheintal.

(Quelle: www.altstaetten.ch).