Die Entstehung der direkten Demokratie
31 Januar 2022
Die Entstehung der direkten Demokratie in der Schweiz lässt sich nicht einfach als organische Entwicklung verstehen, die von der vormodernen und mittelalterlichen Landsgemeinde zur Verankerung der Volksrechte wie Referendum und Initiative in den Kantonsverfassungen (1830-1870) und später in der Bundesverfassung (1874 und 1891) führt.
Diesem Deutungsmuster wird eine alternative Sichtweise entgegengestellt. Sie begreift die Entstehung der direkten Demokratie als Resultat politischer und sozialer Kämpfe und versucht die «soziale Logik» der vielgestaltigen Protestbewegungen zu entschlüsseln.
Im Zentrum stehen die Erfahrungen, Wahrnehmungsweisen, Interessenlagen und Bedürfnisstrukturen der historischen Akteure aus den unteren Gesellschaftsschichten. Diese erscheinen nicht nur als passive Objekte, sondern auch als Agierende und Reagierende.
Die Studie umfasst den Zeitraum von der Spätaufklärung bis 1874–1891. Der Schwerpunkt liegt auf dieser Zeit, in der sich Ansätze zur repräsentativen und direkten Demokratie parallel entwickeln. Schliesslich wird gezeigt, wie diese plebiszitären Instrumente ausgebaut werden und zur Verankerung des fakultativen Gesetzesreferendums und der Volksinitiative in der revidierten Bundesverfassung von 1874 und 1891 führen.
Zudem werden die Defizite der schweizerischen Demokratieentwicklung im 20. Jahrhundert aufgezeigt.
(Rolf Graber, Demokratie und Revolten. Die Entstehung der direkten Demokratie in der Schweiz, Zürich, 2017).
