Waterrad Neumühle, Waldhalden, Richterswil und die Lateinische Münzunion
10 April 2023
Die Dörfer Wädenswil, Wollerau und Richterswil (Kanton Zürich) und das Moorgebiet und seine Morenen beherbergen einige europäische und schweizerische Premieren.
Wädenswil war über Jahrhunderte im Besitz der Freiherren von Wädenswil. Zürich erwarb es 1548, nachdem das Dorf 1529 zum protestantischen Glauben übergetreten war und damit dem Beispiel Zürichs folgte.
Der Stadt-Landgraben ist nicht neu, es gab ihn schon vor Jahrhunderten, in Basel, Zürich, Luzern und zum Beispiel in Bern. Immer wieder gab es (bewaffnete) Aufstände. Doch nur der Kanton Basel-Landschaft erreichte 1833 sein Ziel: die Unabhängigkeit


Wädenswil am Zürichsee
Die Bürger von Wädenswil wehrten sich 1645 gegen die Zürcher Verwaltung und stellten die Steuerzahlungen ein. Dieser Konflikt schwelte bis 1789, als unter dem Einfluss der Französischen Revolution der Widerstand der Wädenswiler immer heftiger wurde. Nach der französischen Besetzung der alten Eidgenossenschaft und des Kantons Zürich 1798 endete auch die Herrschaft der Stadt.
Nach der kurzlebigen Helvetischen Republik (1798-1803) und der Wiederherstellung der 13 alten Kantone und der Schaffung von sechs neuen Kantonen im Jahr 1803 (die Eidgenossenschaft in der französischen Mediationsakte) zerstörten die Bürger des Dorfes das Schloss, das Symbol der verhassten Zürcher Herrschaft.
Nach der Gründung der neuen Eidgenossenschaft mit 22 Kantonen (im Bundesvertrag) im Jahr 1815 baute das Dorf das Schloss wieder auf. Danach begann auch in diesem Dorf die industrielle Entwicklung mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1875. So weit passt das Dorf in das historische Bild der Schweiz.


Das Wasserkraftwerk Waldhalden
Das Wasserkraftwerk Waldhalden
Das Wasserkraftwerk Waldhalden aus dem Jahr 1895 war damals das grösste Stromnetz des Landes. Das Wasser der Sihl wurde auf einer Länge von 2,2 Kilometern in den Teufenbachweiher umgeleitet.
Von diesem See aus wurde (und wird) das Wasser durch ein Rohr mit 72 Kaskaden zu den Turbinen und Generatoren Waldhalden und danach wieder zurück in die Sihl geleitet. Das System ist immer noch in Betrieb und wurde 2009-2013 renoviert.



Die Neumühle um 1900 (oben) und 2010 (unten)
Wenige Kilometer entfernt, in der Nähe des Dorfes Wollerau, steht das größte Mühlenwasserrad (die Neumühle) Europas. Die Mühle, bis 1854 Lölismühle genannt, war Teil des Mühlensystems am Krebsbach.
Das Rad hat einen Durchmesser von 8,64 Metern und wird noch heute zur lokalen Energieerzeugung genutzt. Die Mühle existierte bereits im Mittelalter. Der Krebsbach entspringt dem Hüttersee und mündet in den Zürichsee. Er war eine Lebensader für Handwerker, Müller, Schmiede und diverse Betriebe in der Region.


Restaurant Sternensee und der Sternensee
Auf dem Weg nach Richterswil, vorbei an Seen und dem jahrhundertealten Gasthaus Sternensee, das am Sternensee liegt, erwartet uns eine zweite Premiere, diesmal von schweizerischem und europäischem Rang. Dieses Dorf ist die Heimat von Paul Burkhard (1888-1964), dem Schöpfer der berühmten fünf fränkischen Münzen.
Im Jahr 1865 schlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz einen Münzvertrag, eine Art Vorläufer des Euro. Diese „Lateinische Münzunion“ enthielt detaillierte Vorschriften über Gewicht, Feingehalt, Form und Kurs von Gold- und Silbermünzen sowie Quoten für die Prägung von Münzen für die einzelnen Länder im Verhältnis zur Bevölkerung. Im Gegenzug wurden die betreffenden Münzen im gesamten Gebiet der Münzunion zum Nennwert akzeptiert.

Die Schweizer Regierung sah darin einen ersten Schritt zur Verwirklichung der Idee eines europäischen Währungssystems. Später trat auch Griechenland dem Vertrag bei. Die Zusammensetzung der in der Schweiz umlaufenden Gold- und Silbermünzen war entsprechend international. Der Anteil der Schweizer 5-Franken-Münzen an dieser „lateinischen Währungszone“ schwankte zwischen 1885 und 1920 zwischen 2 und 7 Prozent.
Durch Abwertung und Entwertung kam es bald zu einer zunehmenden Disparität zwischen den Münzen. Paul Burkhard wurde 1920 mit der Gestaltung einer neuen Fünf-Franken-Münze beauftragt. Er entwarf den Alphirten. Am 1. April 1927 wurde der Münzvereinigungsvertrag aufgelöst, der seit vielen Jahren in der Schublade lag.

Neben mehreren denkmalgeschützten Gebäuden wurde Richterswil 1992 mit dem „Brunel Award“ für den am besten renovierten Bahnhof ausgezeichnet. Der Bahnhof war Teil der Schweizerischen Nordostbahn und wurde 1875 erbaut.
Der jahrhundertealte Schlosserbrunnen passt gut zu seiner Lage am Zürichsee und und den vielen kleinen Mooren und jahrhundertealten Wasserscheiden.
Der Schweizer Alpen-Club (SAC)
Der Schweizer Alpen-Club (SAC, Sektion Basel) organisiert regelmässig Wanderungen in diesem Gebiet (und anderswo im Land).
Obwohl der Name anderes vermuten lässt, organisiert der SAC nicht nur (Ski) Touren in den Alpen, sondern auch Wanderungen und Aktivitäten in anderen Regionen.
(Quelle und weitere Informationen: www.sac-cas.ch).
Korrektorin: Petra Ehrismann

Der Schlosserbrunnen

Der Zürichsee







Richterswil

