Sent, seine Kirchen und das Alberto Giacometti Museum

 Die erste Erwähnung von Sent (Unterengadin, Kanton Graubünden) geht auf das Jahr 930 zurück. Der Name war damals „Sindes“, „Sinde“, „Sinnes“ oder „Sins“. Sent ist der offizielle Name seit 1879. Es hat heute rund 1.400 Einwohner.

Im Jahr 1572 erwähnte der Reformator und Chronist Durich Chiampell (1510-1582) über 300 Häuser und ungefähr 1000 Einwohner. Damit war es das grösste Dorf des Engadins.

Die Reformation hat auch Sent geprägt. Heute ist etwa 80 % der Bevölkerung reformiert. Die Dorfkirche (Baselgia) San Lurench (St. Lorenz) wurde 1496 erbaut. Der neugotische Turm ersetzt seit 1898 den romanischen Turm aus dem Jahr 1250. Die Ruine der Kirche San Peder (St. Peter) ist ein romanisches Bauwerk von 1173.

1499 und 1622 verwüsteten die Österreicher das Dorf. Nach den Bündner Wirren (1618-1639) des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648) genoss Sent eine friedliche Entwicklung (abgesehen von den Dorfbränden in den Jahren 1748, 1823, 1911 und 1921).

Der heutige Dorfkern und die vielen schönen Engadiner Häuser gehen auf den Wiederaufbau in den Jahren 1622 bis 1650 zurück. Nur das Quartier Sala/la Motta wurde nach 1921 neu gestaltet.

Alberto Giacometti Museum

Das Alberto Giacometti Museum in der Pensiun Aldier Sent präsentiert 200 graphische Werke des Künstlers Alberto Giacometti (1901-1966). Sie ist mit aller Wahrscheinlichkeit die grösste permanente Ausstellung dieser Art überhaupt. Darunter befinden sich auch einige sehr seltene Exponate, die als Probedrucke und ohne Auflage gemacht wurden.

Die Sammlung enthält ebenso eine fast komplette und seltene Sammlung der  Künstlerbücher, an denen Giacometti beteiligt war. Sorgfältig und aufwendig gestaltete Werke, die wenig bekannt und in kleinsten Auflagen erschienen sind.

Neben den Lithografien und Radierungen zeigt die Ausstellung auch zwei Original-Lithosteine von Alberto Giacometti sowie das Modell einer Gipsschale, die eine ganz eigene Formsprache hat. Der Bruder Diego Giacometti (1902-1985) ist mit einigen Werken in Bronze und einem Wandteppich ebenfalls im Haus vertreten.

Der Fotograf, Verleger und Künstler Ernst Scheidegger (1923-2016) war ein Freund von Alberto Giacometti und hat ihn und sein Werk über viele Jahre fotografisch und filmisch dokumentiert. Diese Fotosammlung ist teilweise im Hotel ausgestellt

Vallader

In Sent wird seit jeher romanisch (Vallader) gesprochen. Auch die Weiler Sur, En, Crusch, Sinestra und Zuort gehören zu Sent. 2015 haben sich die Gemeinden Ardez, Ftan, Guarda, Scuol, Sent und Tarasp zur Grossgemeinde Scuol zusammengeschlossen. Scuol ist heute die grösste Schweizer Gemeinde.

(Quelle: www.sent.ch)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Die Ruine der Kirche (Baselgia) San Peder

Der Skulpturgarten 

Weitere Impressionen

Riom tanzt wieder in der neuen internationalen Tanzsaison

Die Legenda Nova von Kristian Lever bildet den Auftakt zur internationalen Tanzsaison in Riom (Kanton Graubünden und quasi das kulturelle Hauptdorf des Kantons). Riom tanzt wieder vom 17. Juli bis zum 10. August. Am 17. Juli beginnen die Tanzpremieren in der Clavadeira.

 Acht Choreographinnen und Choreographen bringen ihre persönlichen, für Origen kreierten Werke auf die Bühnen des Festspieldorfs Riom:

Legenda Nova von Kristian Lever

Vandalismo von Luca-Andrea Tessarini

Three Sisters von Ilia Jivoy

Fiction von Nicola Wills

Lost Voices von Juliano Nunes

 A House without Walls von Lucas Valente

Serum von Andrey Kaydanovskiy

Ad Astra von Sébastien Bertaud.

Die künstlerischen Handschriften reichen von der klassischen Eleganz der Solisten der Pariser Oper über die eruptive Kraft der zeitgenössischen Tanzenden des Nederlands Dans Theaters bis hin zur akrobatischen Perfektion chinesischer Bewegungskünstler.

Alles kreist heuer um Märchen und Legenden, also jene literarischen Stoffe, die das romantische Ballett geprägt haben. Die neuen Choreographien setzen sich mit der Tradition des klassischen Tanzes auseinander, sie geben rätoromanischen Märchen neue Gewänder, forschen nach archetypischen Mustern, lassen Schneewittchens gläsernen Sarg als Kapsel für Hirngespinste erscheinen oder feiern eine fröhliche Assemblage der literarischen Protagonisten.

 (Quelle und weitere Informationen: Nova Fundaziun Origen)

Der Simplonpass, Kanonen, Kutschen und das Postauto

Schon die Römer, Säumer und Napoleon nutzten ihn: den Simplonpass. Gebirgspässe, Handel, Diplomatie und Krieg haben die Schweiz, diese Verkehrsachse Europas, seit Jahrhunderten zum Zentrum des wirtschaftlichen und strategischen Interesses gemacht.

Die Bergpässe

Ein anderer Kriegsherr, Hannibal, überquerte 218 v. Chr. mit seinem Heer und seinen Elefanten auch die Alpen, um seinen römischen Feind auf dessen Gebiet zu besiegen. Trotz mehrerer Siege war er nicht erfolgreich, aber sein Feldzug ist deshalb nicht weniger legendär.

Römische und griechische Historiker sind sich jedoch nicht einig, welchen Pass er zur Überquerung der Alpen nahm. Der Col de Montgenèvre, der Mont-Cenis, der Kleine oder der Grosse Sankt Bernhard werden oft als die naheliegendsten Optionen genannt. Wir werden es wahrscheinlich nie mit Sicherheit wissen.

Sicher ist, dass Kaiser Claudius (10 v. Chr.–54 n. Chr.) im Jahr 43 n. Chr. mit seinen Legionen den Grossen Sankt Bernhard auf dem Weg nach Britannien überquerte, das er in jenem Jahr tatsächlich eroberte.

Napoleon

Napoleon

Ein anderer Kriegsherr, Napoleon Bonaparte (1769-1821), nutzte die Schweizer Pässe auch für seine militärischen Pläne. Nachdem er 1798 die alte Eidgenossenschaft von dreizehn Kantonen erobert und die Helvetische Republik (1798-1803) gegründet hatte, befahl er, eine Strasse über den Simplonpass zu errichten.

Die Strasse musste breit und stabil genug sein für seine Kanonen und 100’000 Männer, ihre Pferde und ihre Ausrüstung. Am 9. Oktober 1805 wurde die Strasse von Brig nach Domodossola (63 km) eingeweiht, damals eine grosse Errungenschaft und eine technische Meisterleistung.

Das Wallis war von 1802 bis 1810 eine „unabhängige“ Republik, d.h. es stand unter der Kontrolle Napoleons. Von 1810 bis 1813 gehörte das Wallis als das Departement Simplon zum französischen Kaiserreich.

Säumer um 1890. Foto: Ecomuseum Simplon-Dorf

Schifffahrtmuseum Basel

Säumer im Simplon-Dorf. Reenactment. Foto: Ecomuseum Simplon-Dorf

Jahrhundertelang wurde der Pass von Händlern (den sogenannten Säumern), Pilgern, Diplomaten und anderen Personen und ab dem 17. Jahrhundert von der Postkutsche genutzt.

Das Stockalper-Hospiz aus dem 17. Jahrhundert und das Hospiz der Augustiner (im Auftrag Napoleons erbaut) aus dem 19. Jahrhundert erinnern an die glorreichen Zeiten dieses Passes, der aufgrund seiner relativ geringen Höhe (2005 m) manchmal sogar im Winter befahrbar war und es heute immer mehr ist.

Das Stockalper Hospiz

Der Augustiner Hospiz

Bis zum Bau des Gotthardtunnels im Jahr 1882 und des Eisenbahntunnels im Jahr 1906 nutzten Touristen und der (lokale) Verkehr den Pass.

Die Postkutsche und das Postauto

In ihrer Blütezeit, zwischen 1850 und 1906, beförderte die Postkutsche von Brig nach Domodossola Hunderttausende von Fahrgästen in Diligences und Landauer-Coupés, 28’190 allein im Jahr 1876! Täglich gab es mindestens vier Diligences in jede Richtung, und mehr als 150 Pferde wurden (täglich) eingesetzt.

Foto’s: Ecomuseum Simplon-Dorf

In diesen Zahlen ist der Transport zu Fuss, mit dem Schlitten im Winter oder mit eigenen Fahrzeugen noch nicht einmal enthalten. Dieser enorme Anstieg ist auch auf die Verstaatlichung der Postkutsche durch die 1848 neu gegründete Eidgenossenschaft zurückzuführen.

Nach dem Ende der Postkutschenära im Jahr 1906 und dem Bau des Eisenbahntunnels kam das berühmte gelbe Postauto. Im Jahr 1919 überquerte das erste Postauto den Simplonpass.

Im Jahr 1905 benutzten die ersten Personenwagen den Pass. Bis 1960 hatte die Nutzung so stark zugenommen, dass die alte Strasse von Napoleon vollständig modernisiert wurde, leider ohne Spuren seines Meisterwerks zu hinterlassen.

Foto’s: Ecomuseum Simplon-Dorf

Gondo, das Postauto in 2022: Foto: TES

Heute ist das Symbol des Passes ein riesiger Adler. Der Adler hat ein römisches oder deutsches Aussehen, wurde aber 1944 von der 11. Schweizer Grenzbrigade geschaffen. Dass dies die deutschen oder italienischen Diktatoren in den Jahren 1940-1945 abgeschreckt hat, ist unwahrscheinlich. Der Simplonpass war Teil der gewaltigen Verteidigungslinie und Festung des “Réduit” und jeder Pass war zu dieser Zeit eine Festung aus Granit, Stein und Fels.

Der Pass führt über den Grenzort Gondo nach Domodossola in Italien und von dort zurück in den Kanton Tessin. Auf dem Weg dorthin erwarten etlichen Überraschungen auf italienischem Boden, wie die riesige Basilika im Dorf Re und die Berglandschaft des Piemont.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Die Basilica della Beata Vergine Maria del Sangue di Re

Das Basel Tattoo 2025

Nach dem Eurovision Song Contest und dem Europäischen Jugendchorfestival ist nun das jährliche Basel Tattoo an der Reihe. Vom 11. bis 19. Juli 2025 vereint das Basel Tattoo wieder die internationale Musik- und Showszene im Hof der Kaserne Basel.

Zum ersten Mal wird die Show alle schottischen Klassiker in das Programm einbeziehen, darunter Hits wie „Amazing Grace“, „Highland Cathedral“ und „Scotland the Brave“. Die Flings and Things Highland Dancers werden die beliebten Hymnen mit innovativen Choreographien und dynamischen, eleganten Tanznummern bereichern. Das Top Secret Drum Corps wird eine neue Choreographie präsentieren.

Neben diesen Hits dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf die Bands of his Majesty’s Royal Marines, die Jordanian Armed Forces Band, das Royal Honor Guard Silent Drill Team und die Circassian Honor Guard, die Swiss Armed Forces Central Band, die United States Air Force Band, die Crescendo Bicycle Showband aus den Niederlanden, die Band of the Police Academy of the State of Qatar, die Marsa Scouts Pipes & Drums aus Malta, die Pipes and Drums of the Royal Air Force, die Scotch College Pipe Band aus Australien, die Scots College Old Boys Pipes & Drums aus Australien, die Royal Guard of Oman Pipe Band, die Swiss Highlanders, das Basel Tattoo Chor und die Basel Tattoo Garde freuen.

Die Crescendo Bicycle Showband aus den Niederlanden verbindet die Musik mit kunstvollem Velofahren, sowie die Band of the Police Academy of the State of Qatar mit präziser Marschmusik und arabischen Klängen das internationale Teilnehmerfeld erweitert.

Das Basel Tattoo 2025 verspricht also auch in diesem Jahr musikalische Höhepunkte und spektakuläre Showeinlagen. Es unterstreicht damit wieder den internationalen Charakter des Festivals und bestätigt den Anspruch, musikalische Traditionen aus aller Welt in einer Arena zu vereinen sowie kulturelle Brücken zu schlagen. Die Tattoo-Parade findet am Samstag, dem 12. Juli statt.

(Quelle und weitere Informationen: Basel Tattoo)

PS:

Doe den tap toe

Das altniederländische “doe den tap toe” (Hahn zudrehen oder Zapfenstreich) steht übrigens am Ursprung des niederländischen Wort “Taptoe”, Tattoo auf Deutsch und Englisch. “Doe den tap toe” hat einen militärischen Kontext und bedeutet den Bierzapfhahn zudrehen.

Auf den Befehl „Hahn zudrehen“ (Zapfenstreich), unterstützt durch ein Trommel- oder Trompetensignal, wurden die Bierhahnen geschlossen. Im Lauf der Zeit ist «Tattoo» auch zum Überbegriff für Militärmusik-Festivals geworden.

Die Kaiserkrone des Val d’Anniviers, der Kleine Prinz, Ella Maillart und Adeline Favre

Der Name „Wallis“ stammt zu Recht vom lateinischen Wort Vallis, was Tal bedeutet. Zur Zeit der römischen Besatzung bewohnten vier keltische Stämme diese Region: die Nantuates, die Veragres, die Seduner und die Uberi.

Die Rhone (Rotten im Oberwallis, le Rhone im Unterwallis) entspringt in dieser Region im Herzen der Alpen und folgt dem Tal des Wallis in westlicher Richtung bis nach Martigny, wo sie eine spektakuläre Biegung nach Norden macht. Diese Biegung erinnert in gewisser Weise an das berühmte „Basler Knie“, wo der Rhein seinen Lauf nach Norden ändert.

Val d’Anniviers

Der Kanton verdankt seinen Namen nicht nur diesem grossen Alpental, er wird auch von einer Vielzahl von Seitentälern geprägt, einige berühmt, andere weniger bekannt, aber ebenso charaktervoll. Wie viele Schweizer Regionen wird das Wallis von einer Sprachgrenze durchzogen – oder besser gesagt von Sprachgrenzen – wenn man neben Französisch und Deutsch auch die lokalen Dialekte wie Patois oder Walser berücksichtigt.

Der Illsee

Das Illhorn

Der Illgraben und das Rhonetal

Nicht weit vom französischsprachigen Val d’Anniviers und in der Nähe des Illsees, der im deutschsprachigen Gebiet der Gemeinde Leuk liegt, befindet sich eine dieser unsichtbaren, aber sehr realen Sprachgrenzen. Der Illsee ist ein Stausee am Fusse des Illhorns (2.717 m) und ist unter anderem über das französischsprachige Dorf Chandolin und seinen alpinen botanischen Garten auf über 2.200 m Höhe erreichbar.

Der Alpengarten 

Chandolin beherbergt das Museum von Ella Maillart (1903-1997), einer der vielen kosmopolitischen Persönlichkeiten der Schweiz.

Espace Ella Maillart

Diese Frau, geboren in Genf, war nicht nur Seefahrerin auf den Ozeanen und dem Mittelmeer, Gründerin des ersten Schweizer Frauen-Hockeyteams, Teilnehmerin an den Segelwettbewerben der Olympischen Spiele 1924 (Paris), Fotografin, Schauspielerin, Französischlehrerin, Weltreisende (insbesondere in Asien, Afrika und Amerika), sondern auch in hohem Alter eine weltweit bekannte Reiseschriftstellerin. Die UNESCO hat ihre Reiseberichte und Fotos 2025 in das Register „Memory of the World“ aufgenommen.

Da Chandolin ihr letzter Wohnort war, ehrt das Dorf sie heute durch den Espace Ella Maillart, ein kleines Museum in der ehemaligen Kapelle. Das Dorf würdigt auch die lokale Tierwelt im Musée de la faune und im Observatoire de la faune.

Musée de la Faune

Nur wenige Kilometer trennen Chandolin von St. Luc, doch die Geschichte von St. Luc ist ganz anders als die seiner Nachbarin. Nicht nur der Mühlenpark zeugt von einer gewissen industriellen Vergangenheit auf 1.655 m Höhe, sondern auch das Planetarium und das Observatorium François-Xavier Bagnoud zeigen eine Neugier, für die „the sky is the limit“ (der Himmel ist die Grenze) gilt.

Planetarium

Observatorium François-Xavier Bagnoud

Dies spiegelt sich auch in einer ganz speziellen lokalen Ausgabe des Kleinen Prinzen (le Petit Prince) von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) wider, bei der jede Seite in einer anderen Sprache geschrieben ist: Chinesisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Englisch und verschiedene andere Sprachen.

Die Gründe, die zu dieser Arbeit geführt haben, werden im Vorwort erklärt: Das Interesse an den Planeten und dem Universum in diesem kleinen Bergdorf entspricht der Entdeckungsreise des Kleinen Prinzen.

 

St. Luc hat seine industrielle Vergangenheit längst aufgegeben. Der Aufschwung des Tourismus im 19. und 20. Jahrhundert markierte den Beginn einer neuen Ära. Zwei Grand Hotels, mehrere bescheidenere, zahlreiche neue Chalets, Wintersport- und Wandermöglichkeiten und die Standseilbahn (Funiculaire) empfangen Besucher aus aller Welt.

Es gibt sogar einen Planetenweg in Richtung des Hotels Weisshorn und einen Planetenpark (Tsigère de Planètes), der im Dorf beginnt. Das Hotel Weisshorn ist ein Grand Hotel, das noch immer die Atmosphäre der Belle Époque atmet.

Das Weisshorn

Grand-Hôtel Weisshorn 

Der erste Alpengarten

Grand-Hôtel du Cervin

Grand-Hôtel Bella-Tola

Dieses Dorf hat seinen authentischen Charakter und seine Traditionen bewahrt. Das Bürgerhaus (Maison bourgeoisiale) ist nicht nur das Gemeindezentrum des Dorfes, sondern auch der Ort der alten Schule und beherbergt die Tradition des Brotbackens.

Maison bourgeoisiale und die ehemalige Schule

Im Tal, im Val d’Anniviers, liegt das Dorf Vissoie mit seinem Schloss und seinem mittelalterlichen Zentrum. Wenn Vissoie ein Schloss hat, ist das kein Zufall.

 

Vissoie

Zinal

Das Dorf liegt strategisch günstig an der Navisence, die im Norden nach Sierre und zur Rhone und im Süden nach Zinal führt, dem letzten Dorf des Tals, zu den Plats de la Lée und seinen Hérens-Kühen, die für ihre Königinnenkämpfe bekannt sind, zur alten Kupfermine und in der Höhe zur Alpage de Cottier, einem Kräutergarten und einem Unternehmen, das sich auf pflanzliche Produkte spezialisiert hat.

Alpage de Cottier

Und die Kräuterexpertin Sandra Huber

Das Val d’Anniviers hat eine weitere bemerkenswerte Besonderheit: Grimentz, ein charmantes Dorf auf dem Weg zum Moiry-See und Moiry Gletscher, ist im Register der schönsten Dörfer der Schweiz eingetragen.

 Grimentz

Mit seinen Holzhäusern und blumengeschmückten Gassen verkörpert es die traditionelle alpine Architektur.

Glacier de Moiry 

Am Ende des Tals: Moiry-Gletscher, Moiry-See und Kraftwerk Gougra.

Noch höher oben markiert der Moiry-Gletscher das Ende des Tals und bietet eine spektakuläre Landschaft, in der die Berge den Himmel zu berühren scheinen.

Fazit

Was die Täler des Wallis so faszinierend macht, ist, dass es immer ein weiteres zu entdecken gibt, jedes mit seinem eigenen Charakter. Neben dem Val d’Anniviers findet man auf der französischsprachigen Seite die Täler von Hérens und Hérémence, reich an Traditionen, Geschichte und unberührten Landschaften.

Auf der deutschsprachigen Seite, erstrecken sich die Täler Turtmanntal, Mattertal und Saastal, jedes mit einer ganz eigenen alpinen Kultur. Es gibt jedoch nur ein Tal mit der Kaiserkrone, la Couronne impériale, und das ist das Val d’Anniviers.

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Val d’Anniviers

Eindrücke aus St. Luc

In einem der Steinhäuser wohnte Adeline Favre-Salamin (1908-1983), die berühmteste Hebamme der Schweiz.

Steinhäuser und Kirche, die nach den verheerenden Bränden von 1845 und 1848 errichtet wurden.

Eindrücke aus Zinal

Dona nobis pacem in der St. Barthélémy Kapelle 

Plats de la Lée

Die Ehringer (Hérens) Kühe sind berühmt für ihre (leichten) Kämpfe um die Hierarchie, wobei die Gewinnerin zur Königin wird (siehe Foto). Für die Menschen helfen die auf der Haut eingetragenen Nummern bei der Klassifizierung im Falle eines Kampfes.

Eindrücke aus Chandolin

 

SAC-Cabane Illhorn

Eindrücke aus St. Jean

Die Mühlen von St. Luc und das Schweizerische Wirtschafswunder

Die industrielle Revolution, Handelsnetze, die Textilindustrie, (finanzielle) Dienstleistungen, die Uhrmacherei, der Maschinenbau, die Lebensmittelindustrie, das Verlags- und Druckereigewerbe und andere Branchen prägen die Schweiz seit Jahrhunderten. Selbst in heute kleinen Dörfern gab es manchmal einen kleinen Industriepark.

Ein Beispiel ist St. Luc (Kanton Wallis). St. Luc liegt auf einer Höhe von 1.655 Metern im Val d’Anniviers, dem Tal der ‘Couronne Impériale’, den fünf über 4000 m hohen Bergen (Bishorn, Weisshorn, Zinalrothorn, Ober Gabelhorn und Dent-Blanche), und sogar mit Blick auf das Matterhorn. Das Dorf hat heute nur noch 300 Einwohner, war aber Anfang des 19. Jahrhunderts grösser als das nahegelegene Siders!

Das Dorf hatte damals nicht weniger als 7 Mühlen in Betrieb. Zwei Mühlen sind im Laufe der Zeit verschwunden, aber die verbleibenden fünf Mühlen sind nach einer Renovierung als Freilichtmuseum zu bestimmten Zeiten wieder in Betrieb und zu besichtigen.

Die meisten Einwohner von St. Luc hatten eine Weide oder ein Stück Ackerland und ein kleines Haus in Sierre. Dort bauten sie Roggen, Weizen, Gerste, Mais und Kartoffeln an. Nach der Ernte transportierten sie den Ertrag mit Eseln und Maultieren zur Maismühle (moulin à mais), zwei Mühlen für Roggen und Weizen (moulins à seigle et froment) und eine Mühle für Gerste und eine Nussmühle (foulon à orge et presse-noix) in St. Luc.

Ausserdem gab es noch eine Textilmühle (foulon à drap) zur Herstellung und Färbung von Kleidungsstücken. Der Müller (meunier) wohnte in der maison du meunier.

Maison du meunier

Das maison Bourgeoisiale (Rathaus) des Dorfes zeigt noch immer die handwerkliche Art des Brotbackens, einschliesslich eines jährlichen Festes.

La maison bourgeoisiale

Alle Einwohner waren damals an der Zubereitung von Lebensmitteln in diesem rauen Berggebiet beteiligt.

Eine Bourgeoisie ist der Begriff für die Gemeinde, die eine Reihe von Aufgaben, wie die Verwaltung von Weiden und Ackerland, Wasser und zum Beispiel das Brotbacken, mit der gesamten Gemeinschaft ausführt. Der Begriff Bourgeoisie hat in diesem Zusammenhang also keine soziale Bedeutung, obwohl vor allem die besser Gestellten zweifellos einen wichtigen Einfluss hatten.

Der Torrent des Moulins

Windmühlen sind in der Schweiz nahezu unbekannt. Die Mühlen werden stattdessen durch Wasserkraft angetrieben. Der wildrauschende Torrent des Moulins sorgte in St. Luc durch ein ebenso geniales wie einfaches System von Kanälen, sagen wir eine Art Suonen (Bisses auf Französisch), für die Wasserversorgung, um das Mühlrad in Bewegung zu setzen.

Dieses System funktionierte in der Schweiz über Jahrhunderte in allen Kantonen. Im 20. Jahrhundert übernahm jedoch die Elektrizität diese Funktion. Am jährlichen Nationalen Mühlentag und in vielen anderen Orten (Städten und Dörfern) kann dieses nationale Erbe noch immer besichtigt werden.

(Quelle und weitere Informationen: Commune d’Anniviers)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Maison du meunier

   

Bild: la maison bourgeoisiale

Barryland am 26. Juni 2025 wiedereröffnet

Wie stolz, gepflegt und rasiert sahen sie nach ihrer Maniküre, dem Zähneputzen und Bürsten der Haare am 26. Juni in ihrem neuen Zuhause Barryland in Martigny (Kanton Wallis) aus!

Es war ihr Fest anlässlich der Eröffnung des neuen Barryland-Komplexes. Die Bernhardiner sind für ihre einfühlsame und freundliche Art bekannt, weshalb sie viele Gäste eingeladen hatten.

Der Name Barry bezieht sich auf den berühmtesten Bernhardiner, Barry I. Barry I lebte von 1800 bis 1812 bei den Kapuzinermönchen auf dem Grossen St. Bernhard. Er rettete mehr als 40 Menschen bei Kälte, Schnee und Nebel auf den Grossen St. Bernhard.

Diese Geschichte, eine Mischung aus historischen Fakten, Legenden und Mythen, prägt bis heute das Bild des Bernhardiners als treuer, mutiger und menschenfreundlicher Begleiter und Retter in der Not. Seit Generationen haben diese Hunde Reisenden geholfen, vor allem jenen, die in Kälte, Schnee und Nebel in großer Höhe (weit) gewandert sind.

Barryland

Das Barryland ist dem Abdruck einer Bernhardiner-Hundepfote nachempfunden und misst 2 400 m² in einem 22 000 m² großen Park.

In fünf verschiedenen Themenbereichen können kleine und grosse Besucher die Geschichte und die Mythen rund um den Bernhardiner anhand interaktiver Exponate erkunden und seine einzigartigen Charaktereigenschaften entdecken.

  

Die Besucher haben auch die Möglichkeit, die Hunde zu beobachten und ihre tägliche Pflege mitzuerleben.

Barryland ersetzt das frühere Museum, das sich im nahe gelegenen Arsenal befand und heute als Café-Restaurant und Personalgebäude dient.

Fondation Barry

Seit Januar 2005 ist die Fondation Barry für die Zucht, Aufzucht und Pflege der weltberühmten Bernhardiner zuständig. Zuvor wurden diese Aufgaben 300 Jahre lang vom Chorherrenorden auf dem Grossen St. Bernhard-Pass (Congrégation des chanoines de l’Hospice du Grand-St-Bernard) wahrgenommen.

Napoleon auf dem Grossen St. Bernhard-Pass, Mai 1800

Übrigens halten sich die meisten der rund 30 Bernhardiner noch immer von Juni bis Oktober auf dem Grossen Sankt Bernhard-Pass auf. Das Museum auf diesem Pass erforscht nicht nur diese jahrhundertalte Tradition, sondern auch die Geschichte der Kapuziner, ihres Hospizes und die Bedeutung des Grossen St. Bernhard-Passes seit der Römerzeit.

Le Musée de l’Hospice du Grand-Saint-Bernard

Die Fondation Barry hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine mehr als 300 Jahre alte Zuchttradition fortzuführen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht, diesen Hunden ein gesundes, artgerechtes, zeitgemässes und ausgeglichenes Leben zu ermöglichen.

Heute werden die Hunde nicht mehr zur Rettung von Menschen in Not auf dem Grossen Sankt Bernhard oder anderswo eingesetzt, sondern als Menschen- und Kinderfreunde, zum Beispiel für ältere Menschen und Kinder.

Gleichzeitig möchte die Stiftung die Beziehung zwischen Mensch und Tier fördern, indem sie der Öffentlichkeit die Möglichkeit gibt, diesen legendären Tieren zu begegnen. Der Themenpark Barryland ist daher ein Ort der Begegnung und des Austauschs zwischen Bernhardinern und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

(Quelle und weitere Informationen: Fondation Barry)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Barryland

 

Eindrücke von der Eröffnungsfeier

 

Von links nach rechts: Mélanie Glassey-Roth (Directrice de la Fondation Barry), Damian Constantin (Président de Valais/Wallis Promotion), Alain Dubois (Chef du Service de la culture du Valais), David Martinetti (Vice-Président de Martigny), Patricia Constantin (Présidente du Grand Conseil du canton du Valais), Jean-Maurice Tornay (Président du conseil de la Fondation Barry)

Bild: Fondation Barry

Die Altstadt und die Natur der Bischofsstadt Sitten

Sitten (Kanton Wallis) ist eine der bedeutendsten prähistorischen archäologischen Stätten in Europa. Das Becken der Flüsse Sionne und Rhone sowie die Hügel Valeria (Valère) und Tourbillon sind seit prähistorischen Zeiten kontinuierlich besiedelt.

Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurde Sitten zur Hauptstadt der Sedunen, einem der vier keltischen Stämme des Wallis. Die anderen Stämme waren die Nantuaten, Verager und Uberer.

Die Römer siedelten vor allem im Bereich der heutigen Kirche St. Theodulus und des Valeria-Hügels. Unter der Kirche St. Theodulus wurden Thermalbäder aus der Römerzeit gefunden und teilweise ausgegraben.

L’église Saint-Théodule

St. Théodulus 

Hans Bock der Ältere (1550-1624), 1596,  das Leben von St.Theodulus 

In der Mitte des 4. Jahrhunderts war das Christentum noch in römischer Zeit bereits die Hauptreligion. Der Bischofssitz der Region wurde Ende des 6. Jahrhunderts von Martigny nach Sitten verlegt.

Aus dieser Zeit stammt auch die erste Kathedrale von Sitten. Die Schenkung der Grafschaft Wallis durch König Rudolf III. (977-1032) vom Königreich Burgund an den Bischof von Sitten im Jahr 999 machte die Bischofsstadt auch zur Hauptstadt der Grafschaft Wallis.

Die Altstadt vom Valeria-Hügel aus

Der Fürstbischof (des Heiligen Römischen Reiches) hatte auch weltliche Macht und Gerichtsbarkeit. Er verwaltete die Grafschaft durch Lehen und Beamte. Der Meier (maior) übte die Gerichtsbarkeit aus, der Viztum (vicedominus) verwaltete ein bestimmtes Gebiet und der Weibel (salterus) hatte Amts- und Polizeiaufgaben.

Infolge des Niedergangs der Feudalordnung und der Zugeständnisse des Bischofs erhielten die Bürger der Stadt immer mehr Rechte. Eine Urkunde aus dem Jahr 1217 kann als die erste Freiheitsurkunde für die Bürger und die Stadtverwaltung angesehen werden.

Der zunehmende Wohlstand und die Macht der Bürger konnten vom Bischof nicht mehr ignoriert werden, wie in den meisten Städten des Heiligen Römischen Reiches.

Die Kathedrale

Der Bischof erkannte die Rechte der Bürger im Jahr 1338 durch einen Freiheitsbrief formell an. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Ludwig der Bayer verlieh der Stadt 1339 den Status einer freien Reichsstadt (Rechtsunmittelbarkeit). Sitten war auch eine der sieben Oberwalliser Sendungen und damit ein mächtiger politischer Akteur im Wallis.

Im 15. Jahrhundert wurde die Bischofsstadt in einen Machtkampf zwischen Savoyen und dem Oberwallis verwickelt, den sogenannten Raronhandel von 1414 bis 1418. Während der Burgunderkriege (1474-1477) eroberte Savoyen 1475 die Stadt erneut. Savoyens Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer, da die Zenden des Oberwallis Savoyer Truppen noch im selben Jahr besiegten und das Unterwallis eroberten. Die sieben Senden beherrschten dann das Gebiet als Untertanengebiet bis 1798.

Das Schloss Majoria auf dem Valeriahügel beherbergt das Kunstmuseum des Kantons.

Danach brachen für die Stadt bis 1798 relativ friedliche Zeiten an. Auch die Reformation ging weitgehend an der Stadt vorbei, obwohl es in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine grosse protestantische Gemeinde gab. Die Zenden des Oberwallis entschieden sich jedoch für den alten Glauben.

Die Zeit des revolutionären Frankreichs ab 1789 brachte das Wallis und Sitten jedoch an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Anhänger der französischen Revolutionsideale und die Vertreter des Ancien Régime polarisierten sich rasch.

Sitz der Kantonsregierung

Nach dem Einmarsch der Franzosen 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik (1798–1803) durch Napoleon blieb die Lage unruhig. Im Oberwallis kam es 1799 sogar zu einem bewaffneten Aufstand und Sitten, der Regierungssitz der Helvetischen Republik wurde sogar erobert und geplündert.

Napoleon intervenierte 1802 und erklärte das Wallis zur unabhängigen Republik (d.h. nicht mehr Teil der Helvetischen Republik, aber natürlich unter französischer Kontrolle). 1810 war der Anschein der Unabhängigkeit vorbei und Napoleon annektierte das Wallis als neues Departement Simplon des Kaiserreichs Frankreich.

Zinal, Val d’Anniviers, Fahne der Helvetischen Republik, Juni 2025

Die alliierten (österreichischen) Truppen beendeten 1813 die französische Ära und 1815 wurde Sitten zur Hauptstadt des neuen Kantons Wallis. Doch der Frieden war noch nicht zurückgekehrt.

Der Salle du Grand Conseil, während der 145. Generalversammlung (assemblée annuelle) der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) in Sitten am 14. Juni 2025

Die Anhänger des Ancien Régime und die Reformisten standen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Dies führte schliesslich zur Schlacht an der Trienter Brücke 1844 und im Jahr 1847 zum Sonderbundskrieg.

Das Naturhistorische Museum auf dem Valaria-Hügel

Die neue Verfassung des Kantons Wallis trat im Januar 1848 in Kraft, das neue Gemeindegesetz im Jahr 1851. Nach mehreren Verfassungsänderungen wurde am 3. März 2024 wurde der Entwurf für eine neue Kantonsverfassung von den Bürgerinnen und Bürgern im Oberwallis und im Unterwallis mit grosser Mehrheit abgelehnt.

Auch die Gemeindeverwaltung hat seit 1851 im Zuge der weiteren Demokratisierung mehrere Änderungen erfahren. Heute ist die Stadt mehrheitlich französischsprachig.

Umwelt und Natur 

Die Hügel von Valère und Tourbillon im Kanton Wallis sind im Bundesinventar der Landschaften von nationalem Interesse (Inventaire fédéral des paysages, sites et monuments naturels/Das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler) aufgeführt. Sie bieten einer Vielzahl von zum Teil sehr seltenen Pflanzen und Kleintieren Zuflucht.

Diese Hügel sind das Ergebnis geologischer Kräfte, die vor Millionen Jahren die Alpen formten, und der Erosion von Gletschern, die vor 20.000 bis 15.000 Jahren das Rhonetal mit einer 1.500 bis 2.000 Meter dicken Eisdecke bedeckten.

Die Trockenwiesen und -weiden sind seit Jahrhunderten der Lebensraum von Pflanzen mediterraner oder orientalischer Herkunft, die an das trockene Klima angepasst sind. Zahlreiche seltene Insekten, Vögel, kleine Säugetiere und die mediterrane Fauna sind in dieser Umgebung zu Hause.

Die Hänge der Hügel sind mit gelblichen, trockenen Steppenrasen bedeckt. Sie sind durch felsige Aufschlüsse aus Quarzit, einem sehr alten Gestein, strukturiert. In den Tälern und an den Berghängen sind noch Spuren der jahrhundertealten Landwirtschaft und des Weinbaus zu sehen, bewässert von den berühmten Suonen, die von der Rhone (dem Rotten im Oberwallis, dem Rhone im Unterwallis) und zahlreichen Bächen als Wasserlieferanten gespeist werden.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Sitten; Historisches Lexikon der Schweiz)

Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Sitten

Der Garten des Kapuzinerklosters

Maison natale de George Supersaxo

Rathaus

Das Kapitel

Sitz de Tagsatzung der Republik der Sieben Zehnden 1698- 1702

Das älteste Haus der Stadt

Maison du diable

Maison de Riedmatten

Rue de la Lombardie

Le jardin de la Préfecture

Die Sionne

Die Suonen im Wallis

Die Region um Visp (Viège), Raron (Bietschtal), den Lötschberg (Steg-Hohtenn und Niedergesteln) und das Baltschiedertal ist ein trockenes Gebiet im Tal der Rhone.

Das trockene und milde Klima schafft die Voraussetzungen für Weinbau, Landwirtschaft und Viehzucht. Allerdings wird die Bewässerung seit Jahrhunderten künstlich durch so genannte „Suonen“ (Auf Französisch ‚bisses‘) durchgeführt.

Suonen sind hölzerne oder steinerne Bewässerungssysteme, die das Wasser von der Quelle (Gletscher und Bäche) durch die Wein- und Landwirtschaftsgebiete leiten.

Bis zum Aufkommen moderner Bewässerungsmethoden war das Suonensystem (Suonenlandschaft) Tausende von Kilometern lang und wurde oft an schwer zugänglichen Stellen an Quellen, Bächen und am Fuss von Gletschern gebaut.

Das Wasser aus den Gletschern ist reich an Mineralien und eine Art natürlicher Dünger. Das Ergebnis ist fruchtbare Landwirtschafts- und Weinanbauflächen und eine grosse Vielfalt an Flora und damit auch Fauna.

Heute ist die Bewässerung weitgehend von modernen Methoden wie Wasserkanonen und anderen Sprinklersystemen übernommen worden.

 

Dennoch werden immer noch rund 2.000 Kilometer traditioneller Suonen zur Bewässerung des Landes genutzt. Die meisten von ihnen werden vom Kanton Wallis als kulturelles Erbe erhalten. Verschiedene Wanderwege führen auf den Spuren der Suonen durch wunderschöne Gegenden entlang.

Heute haben die Suonen eine zusätzliche Funktion: die Erzeugung von „weisser“ Energie für Häuser und sogar für kleine Dörfer.

(Quelle und weitere Informationen: Die Suonen und Bisses des Wallis)

Korrektorin: Melinda Fechner

Trichuris incognita und das Swiss Tropical- and Public Health-Institute

Das Naturhistorische Museum Basel erhält 2029 im St. Johann-Quartier ein neues Zuhause. Die Vorbereitungen für den Umzug von rund 7 Millionen Objekten sind in vollem Gange.

Reisebereit für das neue Museum

Auch die Giraffe kommt mit ins neue Museum, zurzeit ist noch offen, ob sie sich im neuen Museum mit einem Platz im Depot begnügen muss, oder ob sie weiterhin ausgestellt sein wird, nachdem sie dem Museum ein Jahrhundert lang gedient hat.

Auch die jüngsten Neuerwerbungen des Museums ziehen um, darunter die kürzliche Entdeckung einer neuen Wurmart. Auch wenn ein Wurm kein alltägliches Gesprächsthema ist, leiden weltweit etwa 2 Milliarden Menschen an irgendeiner Krankheit, die auf Würmer zurückzuführen ist. Im menschlichen Körper leben nicht nur Milliarden von Bakterien, sondern oft auch (unerwünschte) Würmer.

Peitschenwurminfektionen betreffen weltweit schätzungsweise 500 Millionen Menschen. Ausgelöst werden sie durch den parasitären Wurm Trichuris trichiura. Bislang ging man davon aus, dass alle menschlichen Peitschenwurminfektionen auf diese eine Art zurückzuführen sind.

Naturhistorisches Museum Basel, Max Bär  (Swiss TPH) am 19. Juni 2025

Das Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH) in Allschwil hat mit Partnern in Côte d’Ivoire und der Universität Calgary (Kanada) im Rahmen von Forschungen an der Elfenbeinküste eine neue Parasitenart entdeckt. Das Forschungsteam benannte den neuen Wurm in Anlehnung an seine bislang unerkannte Existenz Trichuris incognita.

Sie sieht aus wie der bereits bekannte Peitschenwurm, der auch für Menschen gefährlich werden kann, wenn er nicht behandelt wird. Die neue Art wird nun durch die offizielle Übergabe konservierter Exemplare an das Naturhistorische Museum gemäss internationaler Regeln zur wissenschaftlichen Namensgebung formell anerkannt. Dies ist unter anderem wichtig, um möglichst rasch neue Medikamente zu entwickeln.

Bilder: © Max Bär/Swiss TPH

Der Durchbruch wurde durch den Einsatz von Next-Generation-Sequencing-Technologien ermöglicht, mit denen das vollständige Genom des Parasiten entschlüsselt werden konnte.

Die Entdeckung zeigt, welche zentrale Rolle moderne Genomsequenzierung heute in der Parasitologie und Diagnostik spielt – insbesondere beim Aufspüren bislang unerkannter Arten, die mit traditionellen Methoden wie der Mikroskopie nicht zu erkennen sind.

Die grössten Würmer der Sammlung des Naturhistorischen Museums

Obwohl die Schweiz keine Kolonien in den Tropen hat, sind (medizinische) Wissenschaftler traditionell nicht weniger reisefreudig und neugierig, in diesem Fall auf tropische Krankheiten. Heute hat das TPH 800 Mitarbeiter und arbeitet mit 100 Ländern zusammen.

Es erfüllt die Wissenschaftler des Swiss TPH daher mit einem gewissen Stolz, dass sie diese neue Wurmart am 19. Juni 2025 dem Naturhistorischen Museum Basel übergeben konnten.

Schliesslich ist dieses Museum nicht nur Schauplatz einer Sammlung in Depots und Sälen, sondern hat seit seiner Gründung im 19. Jahrhundert einen Wissenschafts- und Forschungsauftrag, von den kleinsten Insekten bis zu den grössten (ausgestorbenen) Säugetieren.

Obwohl die Würmer, ein Männchen und ein Weibchen, in Ethanol schwimmen und sich nicht äussern können, werden sie sich in ihrem heutigen Haus und ab 2028 in ihrem neuen Zuhause sicher wohl fühlen.

(Quelle und weitere Informationen: Swiss Tropical- and Public Health-Institute (Swiss TPH); Naturhistorisches Museum Basel)

Korrektorin: Giuanna Egger-Maissen