Sitten, Sion, Valeria/Valère. Foto/Photo: TES

Die Altstadt und die Natur der Bischofsstadt Sitten

Sitten (Kanton Wallis) ist eine der bedeutendsten prähistorischen archäologischen Stätten in Europa. Das Becken der Flüsse Sionne und Rhone sowie die Hügel Valeria (Valère) und Tourbillon sind seit prähistorischen Zeiten kontinuierlich besiedelt.

Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. wurde Sitten zur Hauptstadt der Sedunen, einem der vier keltischen Stämme des Wallis. Die anderen Stämme waren die Nantuaten, Verager und Uberer.

Die Römer siedelten vor allem im Bereich der heutigen Kirche St. Theodulus und des Valeria-Hügels. Unter der Kirche St. Theodulus wurden Thermalbäder aus der Römerzeit gefunden und teilweise ausgegraben.

L’église Saint-Théodule

St. Théodulus 

Hans Bock der Ältere (1550-1624), 1596,  das Leben von St.Theodulus 

In der Mitte des 4. Jahrhunderts war das Christentum noch in römischer Zeit bereits die Hauptreligion. Der Bischofssitz der Region wurde Ende des 6. Jahrhunderts von Martigny nach Sitten verlegt.

Aus dieser Zeit stammt auch die erste Kathedrale von Sitten. Die Schenkung der Grafschaft Wallis durch König Rudolf III. (977-1032) vom Königreich Burgund an den Bischof von Sitten im Jahr 999 machte die Bischofsstadt auch zur Hauptstadt der Grafschaft Wallis.

Die Altstadt vom Valeria-Hügel aus

Der Fürstbischof (des Heiligen Römischen Reiches) hatte auch weltliche Macht und Gerichtsbarkeit. Er verwaltete die Grafschaft durch Lehen und Beamte. Der Meier (maior) übte die Gerichtsbarkeit aus, der Viztum (vicedominus) verwaltete ein bestimmtes Gebiet und der Weibel (salterus) hatte Amts- und Polizeiaufgaben.

Infolge des Niedergangs der Feudalordnung und der Zugeständnisse des Bischofs erhielten die Bürger der Stadt immer mehr Rechte. Eine Urkunde aus dem Jahr 1217 kann als die erste Freiheitsurkunde für die Bürger und die Stadtverwaltung angesehen werden.

Der zunehmende Wohlstand und die Macht der Bürger konnten vom Bischof nicht mehr ignoriert werden, wie in den meisten Städten des Heiligen Römischen Reiches.

Die Kathedrale

Der Bischof erkannte die Rechte der Bürger im Jahr 1338 durch einen Freiheitsbrief formell an. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Ludwig der Bayer verlieh der Stadt 1339 den Status einer freien Reichsstadt (Rechtsunmittelbarkeit). Sitten war auch eine der sieben Oberwalliser Sendungen und damit ein mächtiger politischer Akteur im Wallis.

Im 15. Jahrhundert wurde die Bischofsstadt in einen Machtkampf zwischen Savoyen und dem Oberwallis verwickelt, den sogenannten Raronhandel von 1414 bis 1418. Während der Burgunderkriege (1474-1477) eroberte Savoyen 1475 die Stadt erneut. Savoyens Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer, da die Zenden des Oberwallis Savoyer Truppen noch im selben Jahr besiegten und das Unterwallis eroberten. Die sieben Senden beherrschten dann das Gebiet als Untertanengebiet bis 1798.

Das Schloss Majoria auf dem Valeriahügel beherbergt das Kunstmuseum des Kantons.

Danach brachen für die Stadt bis 1798 relativ friedliche Zeiten an. Auch die Reformation ging weitgehend an der Stadt vorbei, obwohl es in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine grosse protestantische Gemeinde gab. Die Zenden des Oberwallis entschieden sich jedoch für den alten Glauben.

Die Zeit des revolutionären Frankreichs ab 1789 brachte das Wallis und Sitten jedoch an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Anhänger der französischen Revolutionsideale und die Vertreter des Ancien Régime polarisierten sich rasch.

Sitz der Kantonsregierung

Nach dem Einmarsch der Franzosen 1798 und der Gründung der Helvetischen Republik (1798–1803) durch Napoleon blieb die Lage unruhig. Im Oberwallis kam es 1799 sogar zu einem bewaffneten Aufstand und Sitten, der Regierungssitz der Helvetischen Republik wurde sogar erobert und geplündert.

Napoleon intervenierte 1802 und erklärte das Wallis zur unabhängigen Republik (d.h. nicht mehr Teil der Helvetischen Republik, aber natürlich unter französischer Kontrolle). 1810 war der Anschein der Unabhängigkeit vorbei und Napoleon annektierte das Wallis als neues Departement Simplon des Kaiserreichs Frankreich.

Zinal, Val d’Anniviers, Fahne der Helvetischen Republik, Juni 2025

Die alliierten (österreichischen) Truppen beendeten 1813 die französische Ära und 1815 wurde Sitten zur Hauptstadt des neuen Kantons Wallis. Doch der Frieden war noch nicht zurückgekehrt.

Der Salle du Grand Conseil, während der 145. Generalversammlung (assemblée annuelle) der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) in Sitten am 14. Juni 2025

Die Anhänger des Ancien Régime und die Reformisten standen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Dies führte schliesslich zur Schlacht an der Trienter Brücke 1844 und im Jahr 1847 zum Sonderbundskrieg.

Das Naturhistorische Museum auf dem Valaria-Hügel

Die neue Verfassung des Kantons Wallis trat im Januar 1848 in Kraft, das neue Gemeindegesetz im Jahr 1851. Nach mehreren Verfassungsänderungen wurde am 3. März 2024 wurde der Entwurf für eine neue Kantonsverfassung von den Bürgerinnen und Bürgern im Oberwallis und im Unterwallis mit grosser Mehrheit abgelehnt.

Auch die Gemeindeverwaltung hat seit 1851 im Zuge der weiteren Demokratisierung mehrere Änderungen erfahren. Heute ist die Stadt mehrheitlich französischsprachig.

Umwelt und Natur 

Die Hügel von Valère und Tourbillon im Kanton Wallis sind im Bundesinventar der Landschaften von nationalem Interesse (Inventaire fédéral des paysages, sites et monuments naturels/Das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler) aufgeführt. Sie bieten einer Vielzahl von zum Teil sehr seltenen Pflanzen und Kleintieren Zuflucht.

Diese Hügel sind das Ergebnis geologischer Kräfte, die vor Millionen Jahren die Alpen formten, und der Erosion von Gletschern, die vor 20.000 bis 15.000 Jahren das Rhonetal mit einer 1.500 bis 2.000 Meter dicken Eisdecke bedeckten.

Die Trockenwiesen und -weiden sind seit Jahrhunderten der Lebensraum von Pflanzen mediterraner oder orientalischer Herkunft, die an das trockene Klima angepasst sind. Zahlreiche seltene Insekten, Vögel, kleine Säugetiere und die mediterrane Fauna sind in dieser Umgebung zu Hause.

Die Hänge der Hügel sind mit gelblichen, trockenen Steppenrasen bedeckt. Sie sind durch felsige Aufschlüsse aus Quarzit, einem sehr alten Gestein, strukturiert. In den Tälern und an den Berghängen sind noch Spuren der jahrhundertealten Landwirtschaft und des Weinbaus zu sehen, bewässert von den berühmten Suonen, die von der Rhone (dem Rotten im Oberwallis, dem Rhone im Unterwallis) und zahlreichen Bächen als Wasserlieferanten gespeist werden.

(Quelle und weitere Informationen: Gemeinde Sitten; Historisches Lexikon der Schweiz)

Giuanna Egger-Maissen

Eindrücke aus Sitten

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