Der Simplonpass und die Postkutschen

Kaspar Stockalper (1609-1691), der bekannte Unternehmer, Politiker, Baumeister und Diplomat aus Brig (Kanton Wallis), war der erste, der einen professionellen Postdienst über den Simplon einrichtete.

Das Museum im Stockalperschloss widmet sich dem ausführlich in der Ausstellung „Passage Simplon“. Sein erfolgreicher (und lukrativer) Kurierdienst brachte die Post in weniger als acht Tagen von Mailand nach Lyon.

Die Kuriere und später die Postkutschen fuhren alle vom Stockalperschloss unter dem Tor des Ursulinenklosters ab, daher der Name Simplonstrasse, später Alte Simplonstrasse.

Mehr als 150 Jahre später befahl Napoleon den Bau der Strasse über den 2005 Meter hohen Simplonpass. Über 5.000 Arbeiter haben dieses Projekt in weniger als einem Jahr abgeschlossen. Dies ist der Beginn der Ära der Postkutsche und später des Postautos.

Die Postkutsche wurde von acht oder zehn Pferden gezogen. In Brig, Berisal, Simplon (Kanton Wallis) und Iselle (italienische Seite) wurden die Pferde gewechselt und es gab Rastmöglichkeiten für Kutscher und Reisende. Die Fahrt von Brig nach Domodossola (am Fusse des Simplons in Italien) dauerte 12 Stunden.

Der Abstand wurde mit Distanzsteinen angegeben. Bis 1875 wurde der Abstand in französischen Meilen gemessen, ein Erbe von Napoleon. Eine Meile war 4,445 km lang. Ab 1875 wurde in der heutigen Kilometerzahl gemessen.

Die Postkutsche erfreute sich bis 1905 grosser Beliebtheit. In diesem Jahr überquerte das erste Auto den Simplon. 1906 wurde die Simplon- Bahnlinie fertiggestellt.

Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919, ersetzte das Postauto die Kutsche. Die letzte Postkutsche in der Schweiz verschwand jedoch erst 1961 (Avers in Graubünden hatte die Ehre).

(Quelle: Stockalper-Museum, Brig, www.stockalperstiftung.ch/museum).

Korrektorin: Melinda Fechner

Denkmäler und das Schweizer Volksmusikzentrum

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) war die Schweiz neutral. Dennoch gibt es im ganzen Land Denkmäler zum Gedenken an die in den Jahren 1914-1918 gefallenen Soldaten. Etwa 3 000 Soldaten starben in dieser Zeit an der Spanischen Grippe oder an unnatürlichen Ursachen.

Die Spanische Grippe forderte 1918/1919 etwa 2 000 Todesopfer. Ausserdem gab es etwa 1 000 tödliche Unfälle im Verkehr, mit Flugzeugen, bei militärischen Übungen oder anderen Ereignissen.

Darüber hinaus kämpften Tausende von Schweizern aufgrund von Doppelpässen oder persönlicher Beteiligung auf beiden Seiten des Konflikts. Mehrere Tausend überlebten nicht.

Ein Denkmal auf dem Col des Roches in Le Locle erinnert an die rund 2 000 Schweizer, die auf dem Schlachtfeld für Frankreich gefallen sind. Keiner gedenkt der Verlierer. Es gibt keine Denkmäler für Schweizer, die für den deutschen oder österreichischen Kaiser starben.

Einige andere Denkmäler, wie in Clarens (Kanton Waadt) oder im Kannenfeld-Park in Basel, erinnern an internierte Soldaten, die in der Schweiz gefallen sind. Tausende von Soldaten beider Seiten überschritten die Schweizer Grenze und blieben bis 1918 interniert. Manchmal starben sie an ihren Wunden, aber auch die Spanische Grippe forderte viele Opfer.

Eines der bekanntesten Denkmäler befindet sich auf dem Berg Lueg, 887 m (Kanton Bern) im Emmental, in der Nähe des Dorfes Affoltern i/E (im Emmental). Nomen est Omen, denn das Panorama ist beeindruckend, auch wenn die Alpen bei nebligem Wetter nicht klar zu erkennen sind. Zwanzig Soldaten eines Berner Kavallerieregiments werden  an dieser Stelle erwähnt.

Grellingen

Eine andere Kategorie sind die Kunstwerke oder Dekorationen, die von Schweizer Soldaten 1914-1918 vor Ort angefertigt wurden. Ein bekanntes Beispiel sind die Bezeichnungen von Kantonen, Städten und militärischen Einheiten sowie die in der Skulptur bei Grellingen (Kanton Basel-Landschaft) dargestellten Offiziere.

Das Dorf Wynigen, 15 Kilometer von Lueg entfernt, liegt an der Grenze zwischen dem Emmental und dem Oberaargau. Für seine bescheidene Grösse hat dieses Dorf viele stattliche Häuser, Gasthöfe und Bauernhöfe.

Zum Wilden Mann. Foto: Gemeinde Wyningen

Die private Schweizerische Centralbahn baute 1857 die Strecke Herzogenbuchsee – Bern (Wylerfeld) und hielt auch in Wyningen. Im Jahr 1902 übernahmen die SBB das Unternehmen.

Ab 1925 fuhr dieser Zug auch elektrisch. Die Schweiz begann erst relativ spät mit dem Bau ihres Eisenbahnnetzes (ab 1850), aber 1875 war sie bereits führend in Europa. Nach 1918 löste die Elektrizität die Kohle schon als Energiequelle für Züge ab.

Bahnhof Wyningen um 1925

Es lohnt sich  sehr, die Reise nach Lueg nicht mit dem Zug, sondern zu Fuss anzutreten. Die Landschaft, die Bauernhöfe und die Aussicht auf die Alpen sind malerisch. Der Dichter Jeremias Gotthelf, ein Pseudonym von Albert Bitzius (1797-1854), formulierte es folgendermassen:

Eng begrenzt ist sein Horizont von waldigen Hügeln, an deren Fuss sich unzählige Täler ziehen, von rauschenden Bächen bewässert, die in stillem Murmeln ihr Geschiebe wälzen, bis sie den Schoss der Emme finden.

Die grösste Stadt in der Nähe ist Burgdorf mit seinem mittelalterlichen Schloss und Stadtkern, einer besonderen Kirche und zahlreichen kulturellen Einrichtungen.

Von Lueg nach Burgdorf sind es noch zwei Stunden zu Fuss. Nach einer Pause im Landgasthof Lueg, dem Schweizer Volksmusikzentrum, vergehen auch diese Stunden wie im Flug.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Eine vorteilhafte Demokratie.

Die Verfassung von 1848 ist die Grundlage der modernen Schweiz. Die Verfassung, die zum Teil auf der amerikanischen Konstitution von 1787  basiert, legt den konföderalen Status des Landes, seiner Kantone und Gemeinden sowie die Rolle seiner Bürger fest. Die letzte grosse Verfassungsrevision fand am 1. Januar 2000 statt.

Eine der auffälligsten Bestimmungen der Verfassung ist das Referendum, das durch die Verfassungsänderung von 1874 eingeführt wurde, und darüber hinaus die Volksinitiative von 1891.

Das Referendum und die Volksinitiative

Das Referendum und die Volksinitiative wurden eingeführt, um den Bürgern eine zusätzliche Möglichkeit zu geben, die Politik auf Bundesebene direkt zu kontrollieren.

Die Schweiz hat es gewagt, 1874 ein Referendum einzuführen, als Zeichen dafür, dass sie ihren eigenen Bürgern vertraut und sie respektiert.

Die Zusammensetzung, die Arbeitsweise und die Wahl der Regierung sind bereits ein gewisses Sicherheitsventil, um ein Kundensystem und eine Hinterzimmerpolitik zu verhindern.

Die Politik wird daher immer zuerst nach einem möglichst breiten Konsens an der Basis suchen müssen. Darüber hinaus ist der Bürger der Souverän: Nein ist Nein (wie z.B. 1992, als 50,3% gegen den EWR-Beitritt stimmten) und Ja ist Ja.

Referenden

Es gibt zwei Arten von Referenden. Das fakultative Referendum und das obligatorische Referendum.

Ein obligatorisches Referendum ist in der Verfassung genau definiert.

Ein fakultatives Referendum findet statt, wenn 50.000 Bürger es innerhalb von 100 Tagen nach der Veröffentlichung neuer Gesetze beantragen.

Die grosse Stärke eines Referendums ist die politische Diskussion, die damit verbundene Beteiligung der Bürger und letztlich der erzielte Konsens.

Dieses System setzt das Vorhandensein von Qualitätsmedien und die Einbeziehung der Bürger voraus. Beide Bedingungen sind erfüllt, zum Teil, weil die Bürger und Politiker wissen, dass der Bürger immer das letzte Wort hat und weil die Minister der Bundesregierung vom Parlament über politische und sprachliche Grenzen hinweg gewählt werden.

Nicht alle Referenden sind gleich bedeutsam, aber sie geben dem Bürger immer eine Stimme.

Volksinitiative

Darüber hinaus haben die Bürger die Möglichkeit, selbst eine Änderung oder Modifikation der Verfassung zu beantragen. Wähler können einen Antrag auf Änderung der Verfassung auf der Grundlage der Unterstützung von 100.000 Bürgern stellen.

Dieser Antrag kann die Grundzüge oder einen detaillierten Vorschlag enthalten. Manchmal gibt es sogar einen Gegenvorschlag, so dass die Bürger zwischen zwei Versionen wählen können. Auch hier ist die Politik an das Ergebnis gebunden.

Schlussfolgerung

Für eine reife und gut funktionierende Demokratie sind das Referendum und die Volksinitiative  eine effektive Methode, um Bürger und Politik in Einklang zu bringen. Die Bürger können den Politikern niemals die Schuld für eine schlechte Politik geben, denn dann sind sie selbst gescheitert.

Die Politik ist für die Bürger da und nicht umgekehrt. Die Bürger sind letztlich selbst Politiker. Das Land, die Gesellschaft, die Bürger, die Wirtschaft, der Zusammenhalt und die Politik profitieren davon. Eine vorteilhafte Demokratie.

175 Jahre Schweizer Eisenbahnen

Endlich war sie da, die erste Bahnlinie in der Schweiz. Am 9. August 1847, vor 175 Jahren, fuhr der erste Personenzug von Zürich nach Baden (Kanton Aargau).

Diese Bahn wurde “Spanisch-Brötli-Bahn” genannt, weil sie an eine Konditorei in Baden erinnert, sagt man, deren spanische Brötchen von Dienstboten schnell und frisch nach Zürich zu ihren “Herrschaften” transportiert wurden.

Bahnhof Baden, 1890. Foto: Staatsarchiv Baden.

Bahnhof Olten. Das Kunstwerk des Künstlers Paul Gugelmann (1929-2022) wurde von der Stadt Olten am 26. August 2006 anlässlich der 150-Jahr-Feier des Bahnhofs den Mitarbeitenden der SBB übergeben.

Olten, Bahnhof. Der ‚Stunde Null-Stein‘ war 1856 der Ausgangspunkt für das Vermessen der Bahn in Wegstunden. 1875 löste das Metermass Stunde und Fuss ab. Seither ist es der Km 39,292-Stein, gemessen ab Basel, Sitz der damaligen Bahndirektion. Der Stein wurde im Volksmund weiterhin als ‚Kilometer Null-Stein‘ bezeichnet. Korrekt ist jedoch ‚Stunde Null-Stein‘. Das Kreuz ist Symbol für die zentrale Lage des Bahnhofs im Bahnnetz, Der ‚O‘ ist die Stunde Null.

Das Vereinigte Königreich (England, Schottland, Wales und Nordirland) verfügte 1845 bereits über eine 3’600 km lange Eisenbahnstrecke und Deutschland über 1’750 km, die Schweiz über eine nur 2 km lange Strecke von St. Louis nach Basel, die 1844 als Schlussstrecke der Verbindung Strassburg-Basel eröffnet worden war.

Der französische Bahnhof in Basel. Quelle: Ein Jahrhundert Schweizer Bahnen 1847-1847. Jubiläumswerk des Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartementes in fünf Bänden. Bd. 1, Frauenfeld 1947. Foto: Wikipedia

Bahnhof SBB Basel 2022

Die Uneinigkeit zwischen den souveränen Kantonen, der Mangel an Kohle für die Dampflokomotiven, das Fehlen grosser Städte und das Gebirge erschwerten den Bahnbau in der Schweiz.

Nach 1850 ging es dann aber schnell. Die Konzessionen wurden den Eisenbahngesellschaften, die in den Kantonen wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, erteilt. Der Bundesrat und die Föderation waren nicht beteiligt.

Im Jahr 1864 verfügte die Schweiz über rund 1’400 Kilometer Eisenbahnstrecke. Die Strecken verbanden Genf mit dem Bodensee, Basel mit Chur (Kanton Graubünden) und Bern mit Brig (Kanton Wallis).

Die Alpen waren jedoch immer noch ein zu grosses Hindernis. Die Bahnen hielten in Brig, Luzern, Chur und Thun. Übrigens war die Credit Suisse 1856 gegründet worden, um diese Unternehmungen zu finanzieren.

Endstation Oberalppass

Der (englische) Tourismus in den Bergregionen führte dazu, dass weitere Schritte unternommen wurden, um die oft  unrentablen Bahnen trotzdem zu bauen, weiterzuführen oder zu betreiben. Das englische Reisebüro “Thomas Cook” war eine der treibenden Kräfte.

Sammlung Museum Zu Allerheiligen, Schaffhausen 

Poster Ecomuseum Simplon

Dies passt auch zum Bild der Entwicklung der Eisenbahn. Die Firmen und später der Bund griffen auf die Erfahrung und das Know-how ausländischer (englischer, deutscher und österreichischer) Ingenieure zurück.

Darüber hinaus bündelten die 1855 gegründete ETH in Zürich und später die EPFL in Lausanne die Talente und die Erfahrung im eigenen Land. Die Leistungen der Schweizer Brücken-, Viadukt- und Tunnelbauer sind heute im ganzen Land als Wunderwerke zu sehen.

1872 fasste der Bund einen wichtigen Beschluss: Die Eisenbahnen wurden (nach Zustimmung der Kantone) zu einer föderalen Kompetenz. Der Grund dafür war unter anderem der Rückstand gegenüber Frankreich (Mont-Cenis-Tunnel von 1871) und Österreich (Brennertunnel von 1864). Der Gotthard-Basistunnel wurde dann 1882 eröffnet.

Es dauerte bis 1898, bis der Bund die (meistens bankrotten oder unrentablen) kantonalen Eisenbahngesellschaften übernahm.

1902 wurde die Gesellschaft Schweizerische Bundesbahnen (SBB)/ Chemins de fer fédéraux suisses (CFF)/ Ferrovie federali svizzere (FFS)/Viafiers federalas svizras (VFS) gegründet.

Danach ging alles ganz schnell. Im Jahre 1914 waren alle Landesteile mit der Bahn erreichbar, und die Schweiz verfügte über das dichteste Eisenbahnnetz in Europa.

Drei regionale Privatinitiativen sind besonders erwähnenswert: Die Initiative zum Bau der berühmten Rhätischen Bahn ging vom Niederländer Willem-Jan Holsboer (1834-1898) aus.

Bahnmuseum Albula, Bergün/Bravuogn

Die Jungfrau-Bahn mit einer Bahnstation auf 3’454 Metern Höhe  ist ein weiteres Kunststück. Der Initiator Adolf Guyer-Zeller (1839-1899) begann mit dem Bau, seine Nachfolger schlossen das Projekt 1912 ab.

Revolutionär war auch die Zahnradbahn von Niklaus Riggenbach (1817-1899) aus dem Jahr 1871. Damit konnte der steile Hang der Rigi (Kanton Luzern) sicher befahren werden.

Dampflok.7, 1873. Foto: Rigibahnen AG

Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist die frühe Nutzung von umweltfreundlichem Strom. Die Schweiz hatte kein Öl, keine Kohle und kein Gas. Dies machte das Land in der industriellen Revolution innovativ, aus heutiger Sicht sogar visionär.

Im 19. Jahrhundert wurden schon die ersten Wasserkraftwerke zur Stromerzeugung in Betrieb genommen, auch für den Zugverkehr. Mit Kohle befeuerte Dampfzüge verschwanden relativ schnell. Seit 1967 werden alle Züge mit Strom betrieben.

Auch die Schweiz hatte ihre Eisenbahnbarone. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Martin Escher (1788-1870) und Alfred Escher (1819-1882) zu nennen.

Die letzten Grossprojekte sind der Gotthard-Basistunnel (2016) und der Ceneri-Basistunnel (2021), Milliardenprojekte, die pünktlich oder sogar vorzeitig und ohne Einmischung oder Subventionen der EU abgeschlossen wurden.

Andere Projekte können aus externen Gründen vorerst nicht realisiert werden. Die direkte Eisenbahnverbindung von Rotterdam/Hamburg nach Mailand/Genua und die umweltfreundliche Beförderung des Güterverkehrs auf der Schiene (Transitabkommen von 1992 und NEAT-Projekt von 1994) sind aufgrund von Verzögerungen/Verspätungen in anderen (EU-)Ländern und EU-Blockaden ins Stocken geraten.

Die Lötschenbergbahn Kandersteg (Kanton Bern)-Goppenstein (Kanton Wallis)

Die SBB und die Schweiz haben jedoch allen Grund, auf ihre Leistung und ihren Service zu allen Jahreszeiten und unter fast allen Bedingungen, in Höhenlagen, über tiefe Täler und durch Berge hindurch stolz zu sein, auch wenn der Bahnbetrieb nicht mehr immer wie ein Schweizer Uhrwerk auf Rädern läuft!

(Quelle und weitere Informationen: Bahn Extra, 3/2022, 175 Jahre Eisenbahn in der Schweiz. Geramond,2022)

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Welche Eisenbahngesellschaft hat einen Spielgarten für Kinder an Bord?

Bahnhof Olten, Johann Jakob Speiser (1813-1856), Gründer der Centralbahn.

Burins und die Abtei von Cluny

Die Geschichte des Dorfes Bursins (Kanton Waadt) ist eng mit dem Königreich Burgund (888-1032) und der Abtei von Cluny verbunden. Die gut erhaltene Kirche und der Dorfkern haben ihren Ursprung in dieser Zeit. Die Kirche weist eine starke Ähnlichkeit mit der Kirche von Saint-Sulpice, einem Dorf in der Nähe von Lausanne, auf. Lausanne war zu dieser Zeit die Diözese von Bursins.

Die erste (karolingische) Kirche in Bursins stammt aus dem 8. Jahrhundert. Der romanische Umbau fand im 11. und 12. Jahrhundert statt.

Bursins ist auch das Zentrum eines einzigartigen Dokuments. Die erste offizielle Erwähnung des Dorfes findet sich in einem Dokument aus dem Jahr 1011. Rudolf III., der letzte König des Burgunds, schenkte das Dorf und die Kirche dem Kloster Romainmôtier.

Archives cantonales vaudoises

Die Urkunde ist das älteste erhaltene Dokument, in dem der Burgunderkönig (966-1032) Rodulfi regis, Cluny und sein Abt Odilo (962-1049) Odilonem abbatem de romano monasterio et Bursins, Brucins erwähnt werden. Dieses Dokument aus dem Jahr 1011 ist aus späteren Abschriften bekannt.

Im Jahr 1276 erwarb Romainmôtier, das seinerseits dem Orden von Cluny unterstellt war, weitere Besitzungen in der Region. Im 13. Jahrhundert baute der Prior der Abtei das Haus, das sich noch heute hinter der Kirche befindet. Die romanische Kirche wurde im 13., 14. und frühen 16. Jahrhundert umgebaut und vergrössert. Im Jahr 1536 eroberte Bern das Waadtland vom Herzog von Savoyen und die Kirche wurde zum Tempel.

Das Priorat von Saint-Martin bleibt ein bemerkenswertes architektonisches Ensemble. Auf dem höchsten Punkt des Dorfes gelegen und umgeben von Patrizierhäusern und dem Haus des Priors aus dem 13. Jahrhundert ist es ein beeindruckender Komplex. Dreihundert Meter entfernt vervollständigen das mittelalterliche Schloss Le Rosey mit seinen vier Türmen und die wunderschöne bewaldete Landschaft der Waadt das Bild.

De Europese Federatie van locaties van Cluny bietet Informationen über die Orte, die zum ausserordentlichen Einfluss der Abtei von Cluny (Südburgund) vom 10. bis zum 18. Jahrhundert beigetragen haben.

Der spirituelle, künstlerische, wirtschaftliche, politische und soziale Einfluss dieser Abtei war enorm, auch in der Schweiz. Die Französische Revolution setzte der Abtei und ihrem Netzwerk ab 1789 ein Ende. In Cluny blieb nur ein kleiner Teil des riesigen Komplexes erhalten.

Die Abtei und die Mönche von Cluny waren der Grundstein für die Gründung hunderter Städte und Dörfer in Europa, einschliesslich der Schweiz. Die Europäische Föderation ist eine wichtige Kulturroute des Europarats. Bursins und 12 weitere Schweizer Städte sind ebenfalls Teil davon.

Les chemins de Cluny en Suisse/Cluny Wanderwege in der Schweiz ist eine Route in 11 Etappen, die dreizehn Cluny-Orte in der Schweiz miteinander verbindet: Bassins, Bursins, Mollens, Romainmôtier, Baulmes, Montcherand, Bevaix, Corcelles-Cormondrèche, Twann, St. Peter Insel,  Münchenwiler, Payerne, Rüeggisberg und Rougemont.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Concertgebouw Orchester Amsterdam in der Schweiz

Das Concertgebouw Orchester Amsterdam geht vom 13. bis 16. November auf eine Tournee durch die Schweiz mit vier Konzerten in vier Städten, verschiedenen Meisterkursen und einem öffentlichen Auftritt mit jungen lokalen Talenten. Unter der Leitung von Daniel Harding spielt das Orchester in Lugano, Bern, Zürich und Genf.

Am 13. November wird in Lugano Mahlers Neunte Symphonie gespielt. An den folgenden Abenden spielt das Orchester das Violinkonzert von Brahms mit Leonidas Kavakos als Solist, gefolgt von Beethovens Sechster Sinfonie, der Pastorale.

Am 15. November findet im Bahnhof Zürich eine ganz besondere Aufführung statt. Acht Musiker des Orchesters spielen zusammen mit zwölf jungen Talenten von Schweizer Musikhochschulen. Sie werden die Holberg-Suite von Edvard Grieg spielen. Im Vorfeld der Aufführung geben die Orchestermitglieder mehrere Meisterkurse, zunächst online und später auch während der Zugfahrt von Bern nach Zürich.

Tourneen durch die Schweiz sind eine jahrzehntealte Tradition des Concertgebouw Orchesters. Die ersten Konzerte, die das Orchester jemals in der Schweiz gab, fanden im Mai 1927 statt, nur ein Jahr nach der Gründung des Kammerorchester Basel.

Seit 1988 spielt das Orchester sogar jede Saison in der Schweiz. Im Laufe der Jahre hat sich das Orchester in der Schweiz eine treue Fangemeinde aufgebaut, und 2007 wurde der Verein der Schweizer Freunde gegründet.

Die Schweizer Freunde des Concertgebouworkest engagieren sich stark für die kommende Tournee. Anlässlich des fünfzehnjährigen Bestehens des Orchesters organisieren sie mehrere Veranstaltungen rund um die Konzerte.

Vom Gipfel des verschneiten Jungfraujochs aus begrüssten vier Hornisten das Schweizer Publikum, in voller Abendgarderobe, ihre Instrumente glänzend in der Sonne, eine schöne Art, die vielseitige Tournee des Concertgebouw Orchesters in der Schweiz anzukündigen.

Zweite Besonderheit: Das Orchester wird von der SBB AG (Schweizerische Bundesbahnen) transportiert, die (fast) noch so pünktlich und zuverlässig ist wie vor 175 Jahren, im Jahr 1847. Die SBB ist quasi ein  schweizerisches Uhrwerk auf Rädern!

Quelle und weitere Informationen: Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam

Korrektorin: Petra Ehrismann

Ave Caesar. Die Gallier grüssen Sie

Die Ausstellung „Ave Caesar! Römer, Gallier und Germanen am Rhein“ zeigt die Beziehungen zwischen den Zivilisationen des Mittelmeerraumes und den Stämmen der Kelten (oder Gallier) und den Germanen am Rhein.

Der Gastgeber Gaius Julius Caesar (100–44 v. Chr.) und seine Nachfolger, legionslager nahe Nimwegen, marmor, Ende des 1. Jhr. ©  Rijksmuseum van Oudheden, Leiden

Die Kelten sind eine Bezeichnung für viele Stämme, die in Mittel- und Westeuropa lebten. Sie hatten eine gemeinsame Kultur mit vielen regionalen Unterschieden, kannten aber keine keltische Schrift und bildeten keine politische Einheit. Germanisch ist die Bezeichnung für die rechtsrheinischen Stämme.

Die direkten Quellen sind die Archäologie sowie römische und griechische Autoren. Dennoch haben wir heute ein gutes Bild der keltischen Gesellschaft. Die Begriffe Gallier und Kelten werden synonym verwendet und stammen von griechischen (Keltoi/Galatae) und römischen (Galli/Celtae) Autoren.

Die Ausstellung befasst sich insbesondere mit den linksrheinischen Kelten in der Region Basel in der Zeit von 500 v. Chr. bis 260 n. Chr. Sie ist Teil des Projekts „Der Rhein/le Rhin. 3 Länder-38 Ausstellungen/ 3 Pays – 38 expositions„.

Die Tabula Peutingeriana mit blaugefarbten Städten am Rhein

Schon damals war der Rhein Grenze und Schlachtfeld, Kommunikations- und Handelsweg und Ort des Austauschs von Menschen und Kulturen. Bis zur Ankunft der Römer gab es jedoch keine Brücken. Die Rheinschifffahrt existierte zwar bereits, blühte aber erst während der römischen Herrschaft auf, und zwar von Basel bis Nimwegen in den Niederlanden.

Rheinprahm, Eichenholz, Modell 1.22,5, c. 150 n. Chr. Das Orignal wurde  1997 in Vleuten-De Meern (NL) entdeckt. Leihgabe: D. Usher

Die Ankunft der Römer veränderte die keltischen Gesellschaften am Rhein dramatisch. Nach ihrem Abzug um 400-410 n. Chr. blieb die gallorömische Kultur vor bestehen. Die Alemannen  und Franken füllten jedoch das von den Römern hinterlassene Vakuum, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Keltische Fürstensitz

Der erste Teil der Ausstellung befasst sich mit der keltischen Gesellschaft um 500 v. Chr. Die Kelten unterhielten schon damals, Jahrhunderte vor der Ankunft der Römer, enge Kontakte zur mediterranen Welt (Griechen und Etrusker).

Die Kelten importierten Wein und Luxusgüter und exportierten hauptsächlich Metalle, Salz, Pelze und Sklaven. Die Rhone und ihre Nebenflüsse Doubs und Saône waren zu dieser Zeit wichtige Flüsse. Der Handel beschränkte sich nicht nur auf Waren, sondern es fand auch ein kultureller Austausch statt.

Die kleinsten archäologischen Funde haben oft die grösste Bedeutung. Der Fund von Schreibutensilien und Siegelringen in Basel zur Bestätigung von Verträgen bestätigt die Verwendung der (griechischen) Schrift durch die Kaufleute. Dies war bereits von Händlern aus Genava (Genf) bekannt, das von dem keltischen Stamm der Allobrogen bewohnt wurde. Nach 52 v. Chr. und insbesondere nach 15-13 v. Chr. übernahm das Lateinische zunehmend diese Funktion.

Segelring und Schreibgriffel, aus der keltischen Siedlung Basel Gasfabrik, Eisen, spätes 2./frühes 1. Jhr. v. Chr. Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Die keltische Siedlung

Im zweiten Teil geht es um die keltische Siedlung. Julius Caeser nannte diese befestigte Siedlung in seinem De Bello Gallico „Oppidum“. In Basel befand sie sich auf dem Münsterhügel (neben dem Münster). Es gab Hunderte von grösseren und kleineren Oppida, darunter in Avenches oder auf dem Mont Vully in der Schweiz, in Bibracte in Frankreich oder in Deutschland und Österreich. Die keltischen Pfahlbauten, die in Wauwil und im Laténium in Hauterive so schön rekonstruiert wurden, zeigen eine andere keltische Geschichte.

Münsterhügel, der Murus Gallicus, archäologische Stätte

Zwischen 58 und 52 v. Chr. nutzte Gaius Julius Caesar (100-44 v. Chr.) den Kampf zwischen den keltischen Stämmen und dehnte die römische Herrschaft bis zum Rhein aus. Er besiegte 58 v. Chr. die keltischen Stämme aus der Schweiz bei Bibracte und eroberte 52 v. Chr. ganz Gallien. Die Römer gründeten um 44 v. Chr. die Städte Colonia Augusta Raurica (Augst/Kaiseraugst) und Colonia Equestris Noiodunum (Nyon).

Um 15-13 v. Chr. eroberten die Römer die gesamte Schweiz. Die Romanisierung begann. Zur Sicherung der eroberten Gebiete errichteten die Römer auf dem linken Rheinufer zahlreiche Militärlager, so auch in Vindonissa (Windisch). Diese dienten als Stützpunkt für Feldzüge gegen die germanischen Stämme auf dem rechten Rheinufer.

Gepäckanhänger des römischen Soldaten  Titus Torius, 20 v. Chr-20 n. Chr., Basel-Münsterhügel. Er ist der erste namentlich bekannte Bewohner Basels. Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt.

Zehntausende von römischen Offizieren, Soldaten, Beamten, Kaufleuten und Zivilisten hielten sich entlang des Rheins auf. Sie belebten die lokale Wirtschaft und den Handel und bauten die Infrastruktur entlang des Rheins mit Brücken, Strassen, Häfen und Lagerhäusern aus. Ein modernes Strassennetz gewährleistete die Versorgung mit Truppen und Nachschub an der Grenze.

 Das römische Legionslager

Der dritte Teil  zeigt, wie die Legionäre lebten und wie die Feldzüge gegen die germanischen Stämme auf der rechten Rheinseite verliefen. Ab etwa 85 n. Chr. wurden die eroberten Gebiete zu römischen Provinzen. Am Oberrhein besetzten die Römer dann auch grosse (germanische) Gebiete auf dem rechten Rheinufer.

Der römische Gutshof

Die landwirtschaftliche Entwicklung wird im vierten Teil behandelt. Wie der Bedarf an Nahrungsmitteln für die wachsende Bevölkerung abgedeckt wird und welche mediterranen Lebensmittel nun auch am Rhein angebaut werden, wird gezeigt.

Die römische Kolonie

Der letzte Teil der Ausstellung zeigt, wie die römische (Stadt-)Kultur in den eroberten Gebieten Fuss fasste. Städte wurden nach römischem Vorbild gebaut und gegründet, mit Steinbauten, Theatern, Amphitheatern, Badehäusern, Tempeln und anderen öffentlichen Gebäuden, einer effizienten Wasserversorgung und einem Strassennetz.

Weihinschrift aus Augusta Raurica. Lucius Giltius Cossus, Sohn des Celtillus. Er war Mitglied des Priesterkollegiums für den Kaiserkult. Römerstadt Augusta Raurica, 50-150  n. Chr. 

Augusta Raurica z.B. hatte um 200 n. Chr. etwa 15 000 – 20 000 Einwohner, tausend Jahre später nur noch einige Hundert! Diese Entwicklung veranschaulicht das Wachstum, die Blüte und den Wohlstand entlang des (Ober-)Rheins in der Römerzeit. Und Augusta Raurica war nur eine von vielen neuen Städten im Römischen Reich, auch am Rhein.

Urbanisierung, lateinische Schriftkultur, Handel, die Pax Romana und eine einheitliche Währung im Römischen Reich liessen die Wirtschaft, die Kultur und den Wohlstand entlang des Rheins aufblühen.

Nach 260 n. Chr.

Die wirtschaftliche und politische Lage verschlechterte sich jedoch durch germanische Invasionen, Inflation, römische Bürgerkriege und Epidemien ab dem Ende des 2. Jahrhunderts. Um 400-410 n. Chr. verliessen die römischen Legionen endgültig das Gebiet nördlich der Alpen und hinterliessen eine gallorömische Kultur.

Schlussfolgerung

Mit Hilfe des dreisprachigen Audioguides (Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar) und des ausführlichen Katalogs vermittelt die gut dokumentierte und visualisierte Ausstellung ein eindrucksvolles Bild der gallischen- der römischen Epoche am Oberrhein.

Ein Kartenspiel Vade Mecum steht ebenfalls zum Lernen und zur Unterhaltung zur Verfügung. Der Inhalt konzentriert sich auf die Region Basel, ist aber auf das ganze Oberrheingebiet übertragbar, wie mehrere andere Museen, Publikationen und Studien in der Region belegen.

Quelle und weitere Informationen: Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

Korrektorin: Petra Ehrismann

Die wahre Demokratie

Eines der auffälligsten Merkmale des politischen Systems in der Schweiz ist die Absenz dominanter Politiker. Davon zeugt unter anderem die Tatsache, dass wenige Schweizer den Namen ihres Staatsoberhauptes kennen.

Der Bundesrat

Dies ist nicht überraschend, da sie nur für ein Jahr aus dem Regierungsteam von sieben Ministern ernannt werden. Das Staatsoberhaupt ist buchstäblich der primus/a inter pares.

Eine Regierung aus sieben Ministern, wie sie in der Verfassung steht, ist einzigartig und seit 1848 unverändert. Auch seine Zusammensetzung ist etwas Besonderes.

Die vier grössten Parteien teilen sich die Ministerposten. Neue Parteien erhalten nicht automatisch nach ein oder zwei Siegen einen Platz in der Regierung, sondern müssen sich zunächst bewähren.

Die direkte Demokratie

Zudem bietet die direkte Demokratie durch das (obligatorische oder fakultative) Referendum und die Volksinitiative allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zur Mitsprache.

Das Milizsystem

Ein weiterer Aspekt ist das Milizsystem. Die Mitglieder der parlamentarischen Vertretungen sind, in Theorie, keine Berufspolitiker, sondern Teilzeitpolitiker.

Obwohl dieses System zunehmend unter Druck steht, widerspiegelt es das Engagement der Bürger. Es garantiert ein hohes Mass an Stabilität, Legitimität, Kontinuität und vor allem die Einbindung der Bürger in ihr System, da diese selbst als Politiker tätig sind und haben immer das letzte Wort haben.

Der Föderalismus und die Subsidiarität

Die wichtigsten Merkmale dieses Systems sind der Föderalismus und die dezentrale Staatsorganisation, in der die Kantone und Gemeinden in vielerlei Hinsicht wichtiger sind als der Bund, die direkte Demokratie, die traditionell multikulturelle Gesellschaft, das Wahlsystem, die Bildung langfristiger Koalitionen, das Milizsystem und die grosse Beteiligung von Bürgern und Sozialpartnern von unten nach oben.

Die Kantone sind immer noch grösstenteils unabhängige Republiken, es sei denn, die Verfassung überträgt der Föderation bestimmte Befugnisse. Das (politische) Leben in den Kantonen ist für die Bürgerinnen und Bürger oft viel wichtiger als die Bundesebene.

Der Souverän

Direkte Demokratie bedeutet weniger den Tag der Abstimmung selbst, da oft ohnehin nur eine begrenzte Zahl von WählerInnen teilnimmt, sondern beeinflusst den gesamten politischen Prozess. So ergeben sich lange Konsultationsverfahren und Kompromisse, welche den Tageswahn der Politik zunächst bremsen und sich in Legitimität begründen.

Das Volk ist der Souverän und nicht die politischen Parteien, deren Mitglieder 1% der Bevölkerung ausmachen und zu einseitig zusammengesetzt sind, um das gesamte Volk vertreten zu können.

Die Kantone und ihre unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Religionen und wirtschaftliche Basen gedeihen in diesem System, das in einem jahrhundertealten Prozess gewachsen ist.

Schlussfolgerungen

Dennoch hat dieses System auch seine Schwächen. Es funktioniert nur langsam und ist kompliziert. Zudem ist es für das Ausland schwer vorstellbar, dass die direkte Demokratie Abkommen und Verträge blockieren kann.

In einer zunehmend komplexen und internationalen Welt ist es auch fraglich, ob sieben Ministerien die Aufgabe noch bewältigen können. Natürlich haben die 7 Ministerien, insbesondere seit 1945, einen grossen Zuwachs an Aufgaben erfahren, aber die Schaffung eines neuen Bundesministeriums erfordert eine Verfassungsänderung und damit ein Referendum.

Die Vorteile überwiegen jedoch bei Weitem die Nachteile. Bei einem Referendum über die Abschaffung des Referendums würde eine sehr grosse Mehrheit für das Referendum stimmen, und kein Politiker, Minister oder keine politische Partei wäre in der Lage oder verfassungsrechtlich berechtigt, dies zu ignorieren.

(Quelle und weitere Informationen: W. Lindner, S. Mueller, Schweizerische Demokratie. Institutionen, Prozesse, Perspektieven, 4. Aulage, Bern 2017)

Der Tafeljura, Gelterkinden und das Chrindeltal

Das Klima und die Natur haben sich seit den Anfängen des Planeten Erde vor mehr als vier Milliarden Jahren verändert. Der Jura und die Alpen sind aus geologischer Sicht relativ junge Zeugen dafür.

Der ältere der beiden hat seinen Wachstumsprozess nun abgeschlossen. Die Alpen wachsen weiter in die Höhe. Der Gletschergarten in Luzern bietet ein eindrückliches Bild dieser Prozesse. Auch die Natur passt sich ständig an die klimatischen Bedingungen an, das gilt für Flora und Fauna, den Menschen, Viren, Pilze und Bakterien.

Die Menschheit

Der Mensch nimmt in diesem Prozess jedoch eine besondere Stellung ein. Der Mensch ist in der Lage, die Natur und das Klima kurzfristig zu beeinflussen und manchmal sogar radikal zu verändern. In de Medien wird täglich über das Klima berichtet.

Die explosionsartige Zunahme der Weltbevölkerung die Zupflasterung der Erde mit Städten, Beton, Zement, Eisen, Stein, die Umwandlung von Flüssen in Kanäle, die Umleitung von Bächen, der Bau von Stauseen in Tälern oder die Rodung von Waldgebieten für Ackerbau und Viehzucht haben einen tiefgreifenden Einfluss.

Der Tafeljura

Das Tafeljura-Plateau befindet sich östlich und südöstlich der Stadt Basel im Kanton Basel-Landschaft. Ein 58 Hektar grosses Naturschutzgebiet erstreckt sich über Eselfluhholde, Chrindel, Stolten und Stierengraben.

Übrigens sagt das Wort Plateau nichts über das Relief des Gebietes aus. Diese Region ist ein Querschnitt durch das Juragebirge. Wälder, Wiesen, Schluchten, Felsen, Bäche und andere Wasserquellen, Ruinen, Schlösser, Dörfer und immer wieder wunderschöne Ausblicke bestimmen das Bild.

Jahrhundertelang wurde dieses Gebiet als Ackerland und für die Viehzucht genutzt. Einer der menschlichen Eingriffe war die Umleitung von Bächen und der Bau von Dämmen in diesem Feuchtgebiet, einer Auenlandschaft.

Der Chöpfliweg im Chrindeltal führte mitten durch diese teilweise entwässerte Landschaft und war für Fuhrwerke und Viehtransporte gedacht. Die St. Georgsquelle (der Jörkerbrunn) wurde sogar über eine 5,3 Kilometer lange Leitung zur Trinkwasserversorgung des nahen Sissach und damit der Natur entzogen.

Auch der Name Stierengraben geht auf diese Zeit zurück. In den milden Jahreszeiten zogen die Stiere den Pflug und die Wagen, und aus Dankbarkeit liess man sie von Herbst bis Frühjahr in dieser unwirtlichen und feuchten Umgebung im Freien. Am Ende des Stierengrabens stürzt das „Rünenberger Giessen“ aus 18 Metern Höhe in den Jurafelsen. Es vermittelt einen Eindruck von dem rohen Lebensraum der Stiere.

Der Chöpfliweg

Evolution

Seit 2011 hat die Wasserlandschaft jedoch wieder ihren freien Lauf zurückerhalten, und die Fichten wurden durch eine authentische Baumvegetation ersetzt. Auf einer Fläche von 5 Hektar im Chrindeltal lässt man  der Natur freien Lauf.

An mehreren Stellen sind noch menschliche Eingriffe zu sehen, wie zum Beispiel der jahrhunderte alte und renovierte Viehstall, die Viehtränke oder der ebenso alte Chöpfliweg. Aber auch die Natur bleibt nicht still stehen. Es wächst ein für Eschen tödlicher Pilz, die Eschenwelke. Innerhalb kürzester Zeit wird der frei gewordene Platz jedoch wieder von einer Vielzahl von Pflanzen und Sträuchern sowie keimenden Bäumen eingenommen. Evolution zum anfassen.

Der renovierte Viehstall

Die alte Viehtränke

Revolution

Die Stadt Basel hatte 1461 von den Herren von Thierstein-Farnsburg die Rechte für das Dorf Gelterkinden erworben. Gelterkinden, abgeleitet vom alemannischen Gelterkingen, stellte sich im Aufstand des Baselbietes in den Jahren 1831-1833 auf die Seite von Basel-Stadt.

Gelterkinden

Das Dorf bat die Stadt sogar um militärische Unterstützung gegen die Aufständischen. Die Baselbieter Truppen stürmten und plünderten daraufhin das Dorf. Seither ist das Dorf Teil des Kantons Basel-Landschaft.

Der Wunsch nach einer (Wieder-)Vereinigung mit dem Kanton Basel-Stadt war jedoch nach wie vor vorhanden. Dies äusserte sich unter anderem im erfolglosen Aufstand gegen die Kantonsregierung in Liestal 1840 (Gemeindejoggeliputsch). Es gibt immer noch Initiativen und sogar (abgelehnte) Volksabstimmungen für eine Vereinigung der beiden Kantone.

Liestal, Museum. BL. Plakat, 1913

Referendum 1936, Plakat. Archiv Basel-Stadt

Plakat Archiv Basel-Stadt

Die Naturlandschaft

Dieser vielfältigen Naturlandschaft und Geschichte begegnet der Wanderer auf einem Teil des Chirsiweges von Sommerau bis Gelterkinden. Die Kirschbäume blühen im Oberbaselbiet seit Jahrhunderten im Frühling und sind nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig. Diese Region hat jedoch mehr zu bieten als den Kirschenanbau und zeigt vor allem die Vielseitigkeit des Juras.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Das Dorf Rünenberg

De Sta. Maria in Val Müstair

Wie der Name des Dorfes vermuten lässt, war die Kirche Maria, der Mutter Gottes, geweiht. Die Kirche wird erstmals 1167 urkundlich erwähnt: Sta. Maria in Silvaplana. Sta. Maria wurde dann der Name des Dorfes. Der Legende nach gründete Karl der Grosse  (748-814) die Kirche nach seinem Feldzug gegen die Langobarden im Jahr 774/775 und einem Schneesturm auf dem Umbrailpass.

Von 1526-1837 (ausser 1620-1648): Katholiken auf der linken Seite, Protestanten auf der rechten Seite.

Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1492 und ist das Resultat eines Umbaus des Baumeisters Andreas Bühler (1457-1512) aus dem österreichischen Kärnten.

Aufgrund der Religionsfreiheit im Freistaat der Drei Bünde (Ilanzer Artikel von 1526) nahm das Dorf die Reformation an und setzte einen Pfarrer aus Sent (Unterengadin) ein. Müstair blieb jedoch katholisch. Die katholische Minderheit in Sta. Maria konnte die Kirche noch nutzen, allerdings nur auf den linken Bänken, ein Kompromiss nach Schweizer Art! Ausserdem war Sta. Maria schon seit Jahrhunderten ein Wallfahrtsort wegen der Mutter Gottes.

Natürlich gab es Spannungen zwischen den beiden Religionen. So ist zum Beispiel die Geschichte bekannt, dass Katholiken (links in der Kirche) und Protestanten (rechts in der Kirche) in Sta. Maria gegeneinander immer lauter sangen.

Die Sta. Maria und Il Rom (der Rombach)

Es ging gut bis 1620 und bis zum Beginn der Bündner Wirren (1619-1639). Die katholischen Habsburger besetzten das Tal und verboten den neuen Glauben. Die Protestanten stürmten daraufhin die Kirche und warfen die (Marien-)Statuen in den Rombach (Il Rom).

Flussabwärts fischten die katholischen Südtiroler diese, sofern sie aus Holz waren, aus der Etsch und brachten sie in den Kirchen von Lichtenberg, Tschengls und Algund unter.

Mit Hilfe der (katholischen!) französischen Armee erlangten die Protestanten 1648 ihre früheren Rechte zurück. Die Katholiken durften die Kirche wieder benutzen, solange es katholische Einwohner gab. Der letzte von ihnen starb 1837. Die neue Marienstatue, die 1621 von den Habsburgern in Auftrag gegeben worden war, wurde dann in einer Prozession zum Kloster St. Johann gebracht. Der Überlieferung nach weinte Maria bei dieser Gelegenheit.

In der Kirche sind noch ein 8,22 Meter hohes mittelalterliches Christophorus-Bild an der Aussenseite des Chors und am Portal ein Fresko von Jesus am Ölberg aus dem Jahr 1513 erhalten.

Berühmt ist die Kirche auch für ihre Marmortafeln aus dem Weißwasserbruch von Laas (Südtirol), das nicht ohne Grund auch das Marmordorf genannt wird.

Die Geschichte des Tals, des Kantons Graubündens und des Südtirols kann hier verfolgt werden: Zuckerbäcker, Säumer, Podestà (Vogt) der 1512 von Graubünden eroberten italienischen Gebiete (Veltlin, Bormio und Chiavenna), Einwanderer, Pfarrer, der Architekt des Hotels Schweizerhof (erbaut 1903) Maini Swartz (1858-1937), Künstler und Kaufleute….

Korrektorin: Petra Ehrismann

De Schweizerhof und der Architekt Maini Swartz (1858-1937)