Adieu Belle Époquein im Tinguely Museum

Charly Chaplin, der im Jahre 1889 in London geborene weltbekannte Komiker, Schauspieler, Filmproduzent, starb 1977 als Schweizer Bürger in Corsier-sur-Vevey (Kanton Waadt) am Genfer See.

Chaplin begann seine Karriere 1918 in Amerika als Produzent seiner eigenen Stummfilme. Er war damit sehr erfolgreich. Nicht zuletzt durch seine Filme wurde das Kino in kurzer Zeit zu einem populären Medium. Sein Anwesen in Corsier-sur-Vevey ist seit 2017 seinem Leben und Werk gewidmet (Chaplin’s World). Es ist ein Anziehungspunkt, sowohl für Schweizer als auch für Ausländer.

Im Jahre 1895, hatten die Brüder Auguste (1862-1954) und Louis (1864-1948) Lumière den Kinematographen erfunden, der auf Thomas Edisons (1847-1931) Erfindung des Kinetoskops erfolgte. Alle drei wurden deswegen weltberühmt.

Kaum jemand kennt jedoch den Schweizer François-Henri Lavanchy-Clarke (1848-1922). Als Chaplin seine Karriere begann, hatte dieser Pionier des Kinos in der Schweiz Europas erste multimediale Marketingorganisation für den Film gegründet.

In der Schweiz produzierte er in seinem Pavillon an der Genfer Expo 1896 den ersten Film. Es könnte sogar der weltweit erste Film auf Leinwand für ein grosses Publikum gewesen sein. Im Jahr 1906 machte er auch die ersten Farbfotografien.

Anlässlich seines 100. Todesjahres organisiert das Museum Tinguely in Basel eine Hommage an den fast vergessenen Filmpionier, die zum Teil auf fünfzig von ihm ab 1896 gedrehten Filmen basiert. Der Name der Ausstellung nimmt darauf Bezug: Adieu Belle Époque, bonjour cinéma.

Seine Filme zeigen die Schweiz im Übergang des Fin-de-Siècle zum 20. Jahrhundert. Die fünfzig kürzlich entdeckten Filme sind mit Hilfe der modernen Bildtechnik zum ersten Mal seit über einem Jahrhundert wieder präsentierbar!

Sie sind Dokumente einer zwar vergangenen, aber bis heute nachwirkenden Epoche. Lavanchy-Clarke war ein Pionier des Kinos, der alle Facetten des neuen Mediums beherrschte: Filmproduktion, Farbfotografie, Finanzierung, Lobbying und Marketing sowie „Showbusiness“.

Quelle und weitere Informationen: museum Tinguely, Basel).

Das Fürstbistum Basel nach 1813

Das Fürstbistum Basel hat in den letzten fünfhundert Jahren zwei grosse Revolutionen erlebt. Der Titel Fürstbistum ist eine Folge des Status dieses Bischofs im Heiligen Römischen Reich, zu dem er gehörte. Der Bischof hatte den hohen Status eines Reichsfürsten. In der Hierarchie stand er also über den Herzögen und Grafen.

Die Reformation

Die erste grosse Umwälzung, die Reformation in den Jahren 1527-1529, führte zur Flucht des Bischofs nach Pruntrut. Die Kathedrale in Basel (das Münster) wurde evangelisch-lutherisch. Der für die damalige Zeit tolerante Katholik Erasmus fand dort 1536 jedoch sein Grab.

1792-1815

Die zweite Krise hat das Fürstbistum jedoch nicht überlebt. Die französischen Revolutionstruppen besetzten 1792 den nördlichen katholischen Teil des Bistums. und schloss ihn an Frankreich an (im Departement Mont-Terrible).

Der südliche protestantische Teil (der französischsprachige Teil von Bern, Birseck und Laufen in der heutigen Basel-Landschaft) stand unter dem Schutz der Eidgenossenschaft (vor allem Bern und Solothurn) und sollte erst Ende 1797, kurz vor dem französischen Einmarsch in die Eidgenossenschaft 1798, besetzt werden.

Das Fürstentum wurde 1803 formell aufgelöst, so wie Napoleon 1806 das Heilige Römische Reich auflöste und in neue politische Einheiten teilte. Das Gebiet des ehemaligen Fürstentums gehörte ab 1800 zum Departement Haut-Rhin.

Die französische Periode endete mit dem Eintritt der österreichischen Truppen im Dezember 1813. Danach wurde das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums zum Schauplatz von Kontroversen.

Bild: Wikipedia

1814-1815 und das Wiener Kongress

Die Kantone Bern und Basel wollten das Gebiet unter sich aufteilen. Auch die Stadt Biel strebte einen eigenen Kanton mit einem Teil dieses Gebietes an.

Das Fürstentum Neuenburg, das formell dem König von Preussen (seit 1707 bis 1857 !) gehörte, aber 1815 auch der Eidgenossenschaft als Kanton beigetreten war, beanspruchte auch einige Gebiete.

Es gab auch Pläne für einen neuen Kanton für das Fürstbistum. An sich keine schlechte Idee. Schliesslich hatte die Grafschaft Montbéliard den gleichen (nicht erfüllten) Wunsch.

Im katholischen Nordteil gab es Befürworter des Anschlusses an Frankreich, vor allem in den Städten Pruntrut und Delberg.

Diese Schweizer Interessen waren jedoch für Preussen, England, Österreich und Russland bei der Wiederherstellung der europäischen Ordnung (Wiener Kongress 1814-1815) und der Machtverhältnisse von geringer Bedeutung.

Der Ausgangspunkt war es, den französischen Expansionsdrang zu bremsen. Die Königreiche Sardinien-Savoyen, die Niederlande und die Ausdehnung des preussischen Gebietes am Rheinufer waren die Folge.

Die Schweiz wurde jedoch nicht zu einem Königreich, sondern zu einer neutralen Republik mit unabhängigen Kantonen. Dieses Land musste militärisch so stark wie möglich sein, um seinen französischen Nachbarn zu bändigen.

Aus diesem Grund wurden dem neuen Kanton Genf auch einige französische Gebiete zugewiesen. Diese Aussengrenzen der Schweiz wurden nach 1815 nicht mehr verändert. Aus strategischer Sicht mussten der Jura und seine Pässe von der Schweiz kontrolliert werden, vom militärisch, politisch und wirtschaftlich stärksten Kanton Bern.

Zudem musste Bern für den Verlust der seit dem 15. und 16. Jahrhundert von ihm regierten und zu unabhängigen Kantonen gewordenen Gebiete Aargau und Waadt entschädigt werden.

Basel erhielt das Birseck. Laufen wurde ebenfalls Bern zugeteilt. Neuenburg übernahm die Kontrolle über Lignières.

Dies wurde zur Zeit und als Folge des Wiener Kongresses 1814-1815 (20. März 1815) und der (Friedensverträge von Paris (30. Mai 1814) und Turin (16. März 1816) beschlossen.

In der Schweiz war das Ergebnis jedenfalls nicht nachhaltig. In den Jahren 1832-1833 trennten sich Kanton Basel-Landschaft und das Birseck von Basel-Stadt.

Basel, die Freie Strasse

Delémont, Musée d’art et d’histoire

1979-2021

1979 wurde der Jura ein neuer Kanton und trennte sich von Bern. Laufen tauschte 1994 Kanton Bern gegen Kanton Basel-Landschaft. 

Die Gegensätze von 1813-1815 sind jedoch noch immer lebendig, auch in Moutiers, wo ein bedeutender Teil der Bevölkerung den Anschluss an den Kanton Jura anstrebt. Eine diesbezügliche Volksabstimmung ist in 2021 (erneut) mit knapper Mehrheit für den Beitritt zum Kanton Jura durchgeführt. 

(Quelle: J.-C. Rebetez, D. Bregnard (Hrsg.), De la crosse à la croix. L’ancien évêché de Bâle devient suisse, Neuenburg 2018).

Korrektorin: Melinda Fechner

Das grösste Museum der Welt

Der Museums-PASS-Musées ist die Eintrittskarte für 345 Museen, Schlösser und Gärten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.

Hinter dem Produkt „Museums-PASS-Musées“ steht der Verein Museums-PASS-Musées. Dieser wurde am 14. Dezember 1998 in Basel gegründet. Der Museums-Pass-Musées selbst wurde dann am 1. Juli 1999 eingeführt. Er ist der erste trinationale Museumspass in Europa.

Heute sind über 345 Museen und Ausstellungshäuser in den drei Ländern (in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau und Jura und in der Region Elsass) dem Verein angeschlossen.

Seit 2004 ist der Museums-PASS-Musées finanziell selbsttragend und 2017 wurden über 50’000 Museums-Pässe verkauft. Der Verkauf des Museums-PASS-Musées erfolgt über die Museen sowie eine Reihe von anderen Verkaufsstellen. Sie können den Museums-PASS-Musées auch direkt im Online-Shop erwerben.

Quelle und weitere Informationen:  der Verein Museums-PASS-Musées

Eine Reise entlang des Rheins in 38 Ausstellungen

Das Dreiländermuseum in Lörrach eröffnete am 11. November mit einer Vernissage in der Evangelischen Stadtkirche seine Reihe von 38 grenzüberschreitenden Ausstellungen zum Thema  Rhein.

Vernissage, Das Chor mit französischen, deutschen und Schweizer Liedern aus dem 19. Jahrhundert.

Am 12. November fand das jährliche Treffen des Netzwerks Geschichtsvereine/Réseau des Sociétés d’Histoire am Oberrhein im Dreiländermuseum statt. Ihm sind über 200 historische Gesellschaften angeschlossen.

Die Referenten und die Organisatoren des Kolloquiums des Netzwerks der Geschichtsvereine am Oberrhein, 12. November 2022, 

Die Ausstellung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Netzwerks Museen/Réseau des Musées am Oberrhein. Dieses Netzwerk ist das grösste grenzüberschreitende Projekt von Museen in Europa, das vom Drieländermuseum in Lörrach koordiniert wird.

Wie der Name schon sagt, hat das Dreiländermuseum Frankreich, Deutschland und die Schweiz zum Ausgangspunkt. Es macht seinem Namen alle Ehre, und mehr als das. Das Netzwerk ist ein Beispiel für eine konkrete regionale grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Das Netzwerk und das Dreiländermuseum organisieren alle vier Jahre eine grosse Ausstellung.

Der Rhein

Basel 2022. Der Rhein und die Mittlere Brücke.

Basel, Ende des 16. jahrhunderts. Blick auf Gross- und Kleinbasel links und rechts de Rheins und die Mittlere Brücke. Kupferstich von George Braun- Frans Hogenberg in Civitates orbis terrarum, 1572-1617, nach einem Holzschnittt von Johannes Stumpf oder Sebastian Münster. Sammlung: Dreiländermuseum (DLM K 16-233)

Albert und Hélène Schweitzer-Bresslau baum beim Münster in Basel. Die Linde steht für das am 24. März 1913  gefeierte 100-Jahr-Jubiläum der Abreise von Albert und Helene Schweitzer-Bresslau aus dem Elzas nach Lambaréné (Gabon) in Afrika.

Der Rhein ist Emotion und Identität. Das deutsch-französische Ehepaar Albert (1875-1965) und Hélène (1879-1957) Schweizer aus dem Elsass nannte seine Tochter Rhena. Die Basler Hymne ist „Z’Basel an mym Rhy“ (1806 von Johann Peter Hebel, 1760-1826, Melodie von Franz Abt, 1819-1885), die bei feierlichen Anlässen, an der Fasnacht und bei Spielen des Fussballclubs Basel (FCB) gesungen wird.

Andere Emotionen waren jahrhundertelang weniger friedlich, sondern nationalistischer Art und auf territoriale Expansion ausgerichtet. Diese Geschichte reicht bis zu den Kelten, Römern und Germanen zurück.

Nach der Teilung des Karolingerreiches im Vertrag von Verdun 843 war der Oberrhein bis zur Reformation (ab 1517) und dem Westfälischen Frieden (1648) jahrhundertelang eine wirtschaftlich, sprachlich (alemannisch), religiös (katholisch) und kulturell eng verbundene Region. Danach war es bis 1945 Kriegsgebiet zwischen Frankreich und Deutschland.

Ausschnitt aus einem Zollspiel, das die Dutzenden von Zollstellen entlang des Rheins bis 1798 zeigt. Sammlung: Dreiländermuseum

Dies spiegelt sich auch in der Wahrnehmung des Rheins wider. Frankreich und das Elsass gedenken am 11. November „La Grande Guerre“, es ist ein Trauertag. Deutschland hat gerade den neunten November hinter sich, und der 11. November ist ein Tag der Besinnung.

In Basel hingegen erklingen an diesem Tag die Piccolos und Tamburine des Fasnachtsbeginns!

Für Frankreich ist der Rhein seit langem eine natürliche Grenze: im Süden die Pyrenäen, im Westen der Atlantik/die Nordsee, im Osten die Alpen und im Norden der Rhein bis zu den Niederlanden.

Napoleon (1769-1821) bestand in konsequenter Art und Weise auf diesem Grenzverlauf. Die Niederlande waren seit 1810 Teil des französischen Kaiserreichs, der Rhein war die deutsch-französische Grenze (mit dem Rheinbund als Satellitenstaat) und die Teilung von Rheinfelden, Kaiserstuhl und Laufenburg in eine deutsche und eine schweizerische Seite, getrennt durch den Rhein. Nur Schaffhausen und Klein-Basel auf der „deutschen“ Seite des Rheins respektierte Napoleon als Schweizerisches Territorium aufgrund jahrhundertealter Ansprüche.

Das Elsass

Das Elsass war bis zur Eroberung Strassburgs 1681 durch Ludwig XIV. (1638-1714) jahrhundertelang deutschsprachiges und habsburgisches Gebiet. Im Westfälischen Frieden (1648) verzichtete Habsburg jedoch auf seine Rechte im Elsass.

Die deutschsprachigen Städte im Elsass (der Zehnstädtebund oder Dekapolis) blieben jedoch nach 1648 mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verbunden. Einige Städte waren sogar mit der Schweizerischen Eidgenossenschaft alliiert! Ludwig setzte dem durch Eroberungen ein Ende.

Der Friede von Nimwegen (1679) beendete endgültig die Bestrebungen dieser Städte, und nach der Eroberung von Strassburg wurde das Elsass französisches Gebiet. Die deutschen Nachbarn haben dies erst 1945 akzeptiert.

Links: französisches Plakat. Die Rückkehr zum Rhein. Soldaten in den Vogesen sehen bereits die Trikolore auf dem Strassburger Münster. Rechts: deutsches Plakat mit einer Warnung vor einem Vorrücken französischer Truppen. Sammlung: Drieländermuseum (DLM PI 1663 en DLM PI 2207).

Die Konflikte um das Elsass im Zeitraum 1840 (Rheinkrise), 1871-1918 (Deutsches Kaiserreich), 1918-1940 (Französische Republik), 1940-1945 (Drittes Deutsches Reich) bis 1945 stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.

Die Wacht am Rhein (1840, komponiert von Max Schneckenberger, 1819-1849) auf deutscher Seite und die Marseillaise (1792, komponiert in Strassburg von Claude Rouget de Lisle, 1760-1836, aber gesungen von Soldaten aus Marseille) auf französischer Seite sind die bekanntesten Kampflieder dieser Zeit. Die unschuldige Hymne Z’Basel an mym Rhy verdeutlicht den Unterschied in der Wahrnehmung.

Der Kollateralschaden war die Vertreibung von 100 000 Deutschen aus dem Elsass und aus Lothringen im Jahr 1918 und das Verbot der deutschen (alemannischen) Sprache nach 1918 und nach 1945 insgesamt, obwohl Deutsch für viele Einwohner die gesprochene Sprache war. Doch die deutschen Eroberer machten sich 1871 im Elsass nicht beliebt, trotz der gemeinsamen Sprache. Der preussische Ansatz wurde nicht geschätzt.

Jean-Jacques Waltz, (Hansi, 1873-1951), Passage du Rhin, Farblithographie, 1919, rechts Breisach (Duitsland). Sammlung: Drieländermuseum (DLM  GrGeXVIII 83).

Ausstellungen und ähnliche Veranstaltungen  

Der Rhein gehört nicht zu den zehn längsten Flüssen Europas, aber er ist der am meisten befahrene, besungene, umkämpfte, verbindende, industrialisierte, mythische und prestigeträchtige Fluss. Seine Länge von der Quelle am Tomasee in der Nähe des Oberalppasses in der Schweiz bis zur Mündung in die Nordsee beträgt rund 1.230 Kilometer, davon 375 Kilometer in der Schweiz.

Der Oberrhein fliesst von Basel bis Bingen in Rheinland-Pfalz, von Schaffhausen bis Basel hat er den Namen Hochrhein. Die Ausstellung deckt dieses Einzugsgebiet ab.

Die einzigartige Reihe von 38 Ausstellungen befasst sich mit einer breiten Palette von Themen. Einen Überblick und eine Diskussion über den Inhalt finden Sie auf den Websites der Museen. Sie werden hier weiter nicht besprochen.

Mit zwei Ausnahmen: die bereits besprochene Ausstellung „Ave Caesar! Römer, Gallier und Germanen am Rhein“ und die Überblicksausstellung im  Dreiländermuseum (Der Rhein. Die Überblicksausstellung/Le Rhin. L’exposition générale).

Die Retrospektive 

Der Rhein fliesst buchstäblich durch das Museum. Besucherinnen und Besucher könnenunter anderem in einer halbstündigen Fahrt in einer komfortablen Schaluppe von der Mittleren Brücke in Basel zur Dreiländerbrücke fahren

Die Dreiländerbrücke. Foto: Michael Sesiani

Ausgewählte Objekte, Dokumente, topografische Karten, Video- und audiovisuelle Präsentationen werden zur Veranschaulichung oder Präsentation der verschiedenen Themen verwendet. Die Sammlung des Museums ist so umfassend und beeindruckend, dass sie sich keiner ausgeliehenen Objekte bedienen muss.

Die französische, deutsche, schweizerische und europäische Perspektive bilden den Anfang und Ausgangspunkt dieser kulturgeschichtlichen Reise entlang des Rheins, mit Sensibilität und Respekt vor dem Detail, ohne den Blick für das Ganze zu verlieren.

Ein Bestandteil der Ausstellung ist der Bau von Festungen entlang des Rheins, mit besonderem Augenmerk auf Sebastien de Vauban (1633-1707) zur Zeit Ludwigs XIV.,dem Bau der Maginot-Linie nach 1918 auf französischer Seite,den deutschen Festungen 1871-1918 und dem Westwall 1940-1945 auf deutscher Seite. Die Aufmerksamkeit für den unversöhnlichen Versailler Vertrag (1918-1919) und die andere, versöhnliche Annäherung nach 1945 schliessen den Zeitraum 1870-1945 ab.

Wasserkraft Kembs (1932). Der Vertrag von Versailles gab Frankreich nicht nur den Rhein als Grenze zurück, sondern auch alle Nutzungsrechte des Rheins. Sammlung: Drieländermuseum (DLM FoD 2 (b und II)

Eduard Tennner (1830-1901), Der Isteiner Klozt, 1882, Rheinromantik. Sammlung: Drieländermuseum (DLM BKVer 25)

Zahlreiche weitere Themen reihen sich aneinander: Geologie, Goldbergbau, Religionen und Kirchenbau (von Chur bis Utrecht war der Rhein ein Band aus romanischen und gotischen Kathedralen), Fischerei, Rheinregulierung, Schifffahrt, Wasserkraftwerke, Kanalisierung, Umweltverschmutzung, Hochwasser, Kunst, Literatur und Musik, Rheinromantik, Archäologie, (alemannische) Dialekte, Rheinbrücken und andere Themen.

Was wäre der Rhein ohne Wein. Auch daran hat man in der Sitz- und Leseecke gedacht.

Ausserdem organisiert das Museum Dutzende von Vorträgen, Konferenzen, Konzerten, Ausflügen, Kinderprogrammen und anderen Veranstaltungen über die Ausstellung.

(Quelle und weitere Informationen: Drieländermuseum in Lörrach)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Neuenburg am Rhein, der Rhein 

Das Schloss und die Stadt Burgdorf

Den Grafen von Rheinfelden gehörte in Burgdorf eine Burg, welche 1090 in den Besitz der Herzöge von Zähringen überging.

Das Schloss wurde renoviert und erhielt seine heutige Form mit Wohnturm (Palas), Wehrturm (Bergfried) und Halle. Das Schloss wurde mit Backstein errichtet. Es erinnert an königliche Residenzen. Dies und die grosse Stadtkirche lassen den Schluss zu, dass Burgdorf als Zentrum des zähringischen Gebietes gedacht war.

Das Schloss ging 1218 an das Adelsgeschlecht der Kyburger über. Die Burg diente bis 1384 als gräfliche Residenz. Nach dem verlorenen Burgdorferkrieg 1383 mussten die Kyburger ihre Grafschaft Burgdorf an die Stadtrepublik Bern verkaufen.

Unter bernischer Herrschaft erhielt es noch den einen oder anderen Um- und Ausbau, am Charakter des Bauwerks hat sich von 1200 bis heute aber nichts verändert.

Das Schloss Burgdorf gilt als die am besten erhaltene zähringische Burganlage und ist ein historisches Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

Es wird heute als Museum, Restaurant und Jugendherberge mit städtischem Zeremonielokal und Festsaal genutzt.

 

Die Emme, Sommer 2022

Die Stadtkirche wurde 1490 auf den Fundamenten einer alten romanischen Kirche erbaut. Die Kirche wurde um 1870 im neugotischen Stil renoviert.

Quelle und weitere Informationen: Schloss Burgdorf

Eindrücke aus Burgdorf

Die Stadtkirche

Die Stadt Burgdorf

Bronzeskulpturen im Jura

Es geschieht in der Schweiz: Am Ufer eines Baches, in der Nähe des Dorfes Undervelier (Kanton Jura), in der Nähe des Lac Vert d’Untervelier, auf dem Weg zur ehemaligen Abtei Bellelay und zum Maison de la Tête de Moine (Kanton Jura), befindet sich ein Atelier für eine Vielzahl von Bronzeskulpturen. Ein frei zugänglicher Skulpturenpark im Jura.

(Quelle und weitere Informationen: Bronze Art SA)

Der Greyerzersee

Der Staudamm Rossens wurde 1948 fertiggestellt. Danach dauerte es weitere vier Monate, bis der Lac de la Gruyère (Kanton Freiburg) gefüllt war. Er ist mit fast 14 Kilometern der längste Stausee der Schweiz. Der See schlängelt sich gleichsam durch das überflutete Tal.

Der Blick auf die Alpen und die grüne Hügellandschaft ist faszinierend. Entlang des Ufers gibt es viele schöne Dörfer und einen aussergewöhnlich schönen Golfplatz.

Das Schloss Gruyère (le Château de Gruyères), der Namensgeber der Region und bis 1555 im Besitz der Grafen von Gruyère, ist nur wenige Kilometer entfernt.

Das mittelalterliche Schloss beherbergt wertvolle Sammlungen, die von seiner langen und reichen Geschichte zeugen: die Glasfenster, die Kopien des Ordens vom Goldenen Vlies von Karl dem Kühnen (1433-1477), die Wanddekorationen, die von den Vogten während des Ancien Régime (bis 1798) in Auftrag gegeben wurden, die Gemälde von Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875) und die Wandmalereien und Dekorationen des Salle des Chevaliers, die im 19. Jahrhundert in Gruyères von einer Kolonie passionierter Künstler geschaffen wurden.

Ausserdem ist es die Region des berühmten Käses Gruyère (AOP) mit diesem Namen, der niemandem entgangen sein wird.

PS: Die Schreibweise der Stadt und des Schlosses von Gruyères enthält ein abschliessendes s, was bei dem See, den Grafen und dem Käse nicht der Fall ist: Gruyère (ohne s).

Die Nationalen Föderalismuskonferenzen

Die Nationalen Föderalismuskonferenzen wurden vom Bundesrat, vom Ständerat und von den 26 Kantonen im Zuge der im August 2002 in St. Gallen durchgeführten Internationalen Föderalismuskonferenz ins Leben gerufen.

Seither wurden sechs Nationale Föderalismuskonferenzen organisiert: 2005 in Freiburg, 2008 in Baden (kanton Aargau), 2011 in Mendrisio (Kanton Tessin), 2014 in Solothurn, 2017 in Montreux (Kanton Waadt) und 2021 in Basel.

Bei den Debatten dienten die folgenden Themen als roter Faden: Der kooperatieve Föderalismus vor neuen Herausforderungen (Freiburg), Der Schweizer Föderalismus unter Effizienzdruck (Baden), Föderalismus und neue territoriale Herausforderungen (Mendrisio), Was trägt der  Föderalismus zum Zusammenhalt und zur Solidarität bei (Solothurn), Wird die Schweiz in 50 Jahren immer noch Föderalistisch sein ? (Montreux), Föderalismus und Dynamik (Basel).

Die Erklärung von Basel 2021 fängt an mit den Wörtern:

Die Erklärung von Montreux 2017 hat das Verständnis für den Föderalismus und die Verbundenheit mit ihm unterstrichen. Die Erklärung von Basel 2021 bekräftigt dieses Verständnis und betont, dass sich der Föderalismus stetig weiterentwickelt.

(Siehe das Übersicht der Konferenzen: www.foederalismus2021.bs.ch).

Die Erklärung von Montreux: Der Föderalismus: die Stärke der Schweiz.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist ein Bundesstaat, in dem jede institutionelle Ebene ihre Kompetenzen absolut souverän ausübt. Diese Aufgabenteilung gewährleistet die Ausgewogenheit der politischen Macht und schützt die Bürgerinnen und Bürger von einem zu starken Eingreifen des Staates.

Die Schweiz, die von unten nach oben aufgebaut ist, war von allem Anfang an föderalistisch. Sie respektiert den Grundsatz der Subsidiarität und der Ressourcen, die jeder institutionellen Ebene eigen sind. Der Föderalismus ist ein Synonym für Bürgernähe und Effizienz in der Bewältigung der Aufgaben. Die in den politischen Strukturen der Schweiz verankerte Autonomie der Kantone fördert die Innovation und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Der Föderalismus ermöglicht es auch, die Vielfalt gemeinsam zu leben und Minderheiten zu schützen, unabhängig davon, ob die Unterschiede auf der Sprache, Kultur, Religion oder besonderen geografisch-topografischen Gegebenheiten beruhen. Ohne ihre föderalistische Organisation würde die Schweiz mit ihren 8,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern nicht über eine so reiche wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vielfältigkeit verfügen – eine Vielfältigkeit, die die Schweiz attraktiv macht und ihre hohe Lebensqualität begründet.

Diese föderalistischen Strukturen, verbunden mit der direkten Demokratie gibt es nirgendwo sonst. Sie sind die Grundlage für den Reichtum unseres Landes und tragen massgeblich zur Verständigung und zum inneren Zusammenhalt bei.

Der Föderalismus ist ein fester Bestandteil unserer Identität und verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Das Verständnis für und die Verbundenheit mit dem Föderalismus stärken Die Funktionsweise unserer Institutionen, die Besonderheiten und Vorzüge des Föderalismus sind nur wenig oder schlecht bekannt.

Die Unterzeichneten dieser Erklärung bekräftigen ihre Verbundenheit mit dem Föderalismus, der die Schweiz zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Sie sind sich bewusst, wie wichtig eine Förderung des Föderalismus ist, und verpflichten sich zu einer Beteiligung an der öffentlichen Debatte, um die Hintergründe und Vorteile dieses Systems verständlich zu machen.

(Quelle und weitere Informatonen: www.federalisme2017.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Forum für Zweisprachigkeit

In einer Zeit, in der Schweizer Bürger aus deutschsprachigen Kantonen manchmal mit ihren Mitbürgern in französischsprachigen Kantonen auf Englisch kommunizieren müssen, um sich gegenseitig zu verstehen, ist das Forum für Zweisprachigkeit in Biel/Bienne kein unnötiger Luxus.

Ganz zu schweigen von den Italienisch oder Romanisch sprechenden Bewohnern des Landes. Im Kanton Graubünden, dem einzigen dreisprachigen Kanton (Deutsch, Italienisch, Romanisch) und im italienischsprachigen Kanton Tessin hat man auch einige Erfahrungen mit dieser Problematik.

Das Forum wurde 1996 in Biel/Bienne gegründet. Ziel ist es, Behörden und Bevölkerung für die Themen rund um die Zwei- und Mehrsprachigkeit zu sensibilisieren.

Anhand des Beispiels Biel/Bienne und des zweisprachigen Kantons Bern verfügt das Forum über ein breites Verständnis, wie Zweisprachigkeit funktioniert.

Deshalb ist auch das Forum ein Partner für Behörden, Institutionen, Unternehmen und andere Organisationen aus dem In- und Ausland, um Erfahrungen und Lösungen zu teilen.

(Quelle und weitere Informationen: www.bilinguisme.ch).

Pfeffingen, Grellingen, Basel, der Karstlehrpfad und die Dichterin

Heinrich II. (978-1014), König des Ostfränkische und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (1014-1024), und seine Frau Kunigunde von Luxemburg (980-1033) wohnten der Einweihung des Münsters in Basel am 11. Oktober 1019 bei.

Das Münster, Die romanische Galluspforte (1019), 1356 nicht zerstört

Das Basler Münster, Kunigunde von Luxemburg und Heinich II.

Laut der Chronik des Domherren Nicolaus Gerung (1410-1478) waren auch der Erzbischof von Trier, die Bischöfe von Lausanne, Genf, Konstanz, Strassburg und der Gastgeber, der Bischof von Basel, Adalbero II., anwesend.

Basel, Genf und Lausanne gehörten damals zum burgundischen Königreich (888-1032). Konstanz, Strassburg und Trier gehörten zum Ostfränkischen Königreich und zum Heiligen Römischen Reich.

Der Kaiser stiftete prächtige religiöse Objekte, von denen nur der goldene Altar, das so genannte Basler Antependium, und ein Reliquienkreuz, das so genannte Heinrichkreuz, erhalten geblieben sind. Diese wurden 2019 in einer Ausstellung im Kunstmuseum Basel gezeigt.

Das Bistum Basel erstreckte sich über das burgundische Königreich und über das ostfränkische Königreich und hatte eine Brückenfunktion, die die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft heute auch noch ausüben (z.B. durch die Organisationen Regio Basiliensis und Regio TriRhena).

Der (letzte) Burgunderkönig Rudolf III. (977-1032) und Kaiser Heinrich II. waren grosszügig mit Schenkungen an den Bischof von Basel für ihr Seelenheil.

So stiftete Rudolf 999 die Abtei Moutier-Grandval, Heinrich II. finanzierte die Kathedrale (Basler Münster) und schenkte Ländereien im Elsass und im Breisgau sowie 1010 die Burg von Pfeffingen.

Das Münster und diese Burg haben noch mehr Gemeinsamkeiten. Beide wurden bei dem Erdbeben von 1356 zerstört und wieder aufgebaut. Das Münster  steht noch in seiner ganzen Pracht. Die Burg ist  seit dem 18. Jahrhundert eine Ruine, aber eine eindrucksvolle, gut dokumentierte und sogar teilweise renovierte Ruine.

Die Kantone Solothurn (Dornach mit dem Goetheanum), Basel-Stadt, Basel-Landschaft (und Arlesheim mit dem Dom),  das Elzass und Baden-Württemberg

Die Burg Pfeffingen und Duggingen

Ein Teil des ehemaligen Prinz-Bistums Basel

Sie thront hoch über Pfeffingen und dem Dorf Duggingen mit seinem Schloss Angenstein. Sie überblickt das Birstal (mit den katholischen Gemeinden Aesch, Allschweiler, Schönbuch, Oberweiler, Terweiler, Ettingen, Pfeffingen, Reinach und Arlesheim mit dem Dom), die Kantone Solothurn (Dornach mit dem Goetheanum), Basel-Stadt, Basel-Landschaft, das Elsass und Baden-Württemberg, also teilweise das Gebiet des alten Bistums Basel (bis 1792).

Die Dichterin Alice Meyer-Haberthür (1908-1988) hat den Aussichtspunkt Eggflueh (471 m.) unter anderem in ihrem Gedicht My liebi Eggflueh beschrieben:

Ob em schöne Pffäfiger-Dörfli

stoht die stolzi Eggflueh;

fascht jede Sunntignohmittag

zieht’s my eifach dört ufe zue.

Wenn i uf dr Höchi stand,

chasch ringsum luege und dängge,

vo Oschte här grüesst dy

dr wytbekannt Guugelhupf – dr Gämpe.

s git Tage wo’s chuttet

und dr Himmel rächt grau,

doch ob dr schöne Eggflueh

isch’s ewig sunnig und blau.

Liebi – im Birsegg hinterschti – Flueh

mit gfeerhrlig zaggige Felse,

vo Dim Plateau us sehsch Matte

und dotzetwies Hüüser – gang, zell se!

Die Geschichte von Pfeffingen liest sich wie ein Geschichtsbuch der Region Basel:

Die Kelten, die Römer, die Alemannen, die Franken und Burgunder, das Heilige Römische Reich, die Grafen von Thierstein,  das Bistum und die Stadt Basel, der Einmarsch der französischen Armagnacs (1444), die Reformation (1528) die Wiedereinführung des Katholizismus, die französische Invasion (1792) und die Eingliederung in die Raurakische Republik (1792-1793), danach ins Departement Mont-Terrible (1793-1800) und dann ins Departement Haut-Rhin (1800-1813).

Auf dem Wiener Kongress (1814-1815) wurde Pfeffingen dem Kanton Basel (1815-1833) zugeteilt. Seit 1833 gehört das Dorf zum Kanton Basel-Landschaft.

Pfeffingen,  die Waldschule

Die Geschichte der Menschen in diesem Gebiet reicht jedoch viel weiter zurück, nämlich bis in die Vorgeschichte. Die nahe gelegenen Höhlen im Jura waren bereits 5 000 v. Chr. bewohnt. Der Karstlehrpfad Kaltbunnental-Brischallmet von Fehren (Kanton Solothurn) nach Grellingen (Kanton Basel-Landschaft) ist ein Jurassic-Park-Erlebnis und „sie“ sind tatsächlich herumgelaufen.

Der Karstlehrpfad widmet sich diesen Höhlen, den ersten Bewohnern, der Geologie der Felsen und der Flora und Fauna des Juras. Die Entstehung von Höhlen und Schluchten ist ein Prozess, der sich über Millionen von Jahren hinzieht und bei dem Wetter, Wasser, Erosion, Eis und die Art des (Kalk-)Gesteins die Hauptrolle spielen.

Fehren

Grellingen und die Birs

Grellingen war in beiden Weltkriegen ein strategisch wichtiger Ort wegen seiner Brücken und Eisenbahnübergänge über die Birs.

Die Soldaten aus den verschiedenen Kantonen haben ihre Visitenkarten auf den (Kalk-)Felsen hinterlassen. Dazu hatten sie Zeit, denn es wurde nicht geschossen.

Einmal im Jahr organisiert die Sektion Basel-Stadt des SAC ein grosses Fest. Dieses Jahr fand es im Schlosshof in Pfeffingen statt. Auch diesmal wurden wieder Ehrenmitglieder (mit Mitgliedschaften von 25 bis 73 Jahren (!) Dauer) geehrt.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni