Das Mélisande-Fresko am Grimsel

Das kolossale Mélisande-Fresko an der Staumauer des Räterichsbodens, der zweiten Staumauer des Grimselstausees im Kanton Bern, des Künstlers Pierre Mettraux (1551-2021) misst 2’754 Quadratmeter, 51 mal 54 Meter. Der Damm ist 450 Meter lang und 94 Meter hoch. Der Künstler begann das Werk 2004 und vollendete es 2007.

Die beiden Kränen des neuen Staudamms sind in das Kunstwerk integriert. Diese führen in den Wintermonaten mehrmals am Tag einen Tanz auf, das Ballett zweier Kraniche in 1900 Metern Höhe, um nicht zu erfrieren!

Mélisande ist eine der beiden Hauptfiguren in der Oper Pelléas und Mélisande von Claude  Debussy (1862-1918). Er vollendete die Oper 1895; die Uraufführung fand 1902 in Paris statt. Metttraux wollte die graue Betonwand mit einer passenden Dekoration versehen. Er wählte Mélisande wegen ihrer Beziehung zum Wasser und der unglücklichen Liebesbeziehung.

Die Inspiration für Debussy war das Theaterstück des Belgiers Maurice Maeterlinck (1862-1949) aus dem Jahr 1893. Nach einer früheren Aufführung ohne musikalische Begleitung in Paris gab es 1898 in London eine Aufführung mit Musik von Gabriel Fauré und Charles Koechlin (1867-1959).

Das Fresko von Metttraux fügt sich in die Symbolik der 1880er Jahre und des Jugendstils ein, der sich um 1900 entwickelte.

Korrektorin: Petra Ehrismann

Ein Leuchtturm in den Alpen

Kein Berg ist den Schweizern zu hoch, aber was macht ein Leuchtturm am Oberalppass auf 2 046 m ü. M.?

Der Leuchtturm Rheinquelle steht eine Wanderstunde von der Rheinquelle entfernt und markiert den Anfang des Rheins. Das Gotthardmassiv ist die Quelle von vier Flüssen: Rhein, Reuss, Rhône und Tessin. Der Leuchtturm ist als Aufruf zur Reise an die Quelle des Rheins gedacht, eine Art Sirene.

Der Vier-Quellen-Weg bietet auch Anschluss an das Wegnetz, welches die vierfache kontinentale Wasserscheide der Wasserläufe der Flüsse Rhein, Rhone, Ticino und Reuss erschliesst.

Der Leuchtturm wurde 2010 im schweizerischen Alpnach gebaut und dann zum Oberalppass transportiert. Im Oktober 2010 wurde der Leuchtturm mit einer festlichen Zeremonie als visuelle Ikone für das gesamte Rheingebiet mit seinen mehr als 50 Millionen Einwohnern eröffnet.

Der Leuchtturm ist eine Nachbildung eines anderen Leuchtturms, der in Hoek van Holland in den Niederlanden nach der 1.233 Kilometer langen Reise vom Gotthardmassiv in die Nordsee im Einsatz war.

Der Leuchtturm war zusammen mit einem Schiff konzipiert. Das Schiff ist jedoch noch nicht gekommen. Eines Tages wird ein Schiff kommen, und vielleicht aus Rotterdam, und vielleicht erst über 20 Millionen Jahre mit einem neuen Meer am Oberalp ?

Die Stiftung Rheinquelle zeichnet jährlich aussergewöhnliche Persönlichkeiten aus dem Einzugsgebiet des Rheins mit dem Ehrentitel “Leuchtturmwärter Rheinquelle” aus. Der Musiker Dodo (Dominik Jud) wurde im September zum neuen Leuchtturmwärter ernannt.

(Weitere Informationen: www.leuchtturm-rheinquelle.ch).

Freilichtmuseum Ballenberg

Das Freilichtmuseum Ballenberg verfügt über eine Sammlung von rund 110 ländlichen Bauten aus allen Landesteilen der Schweiz. Zur Einrichtung der Gebäude besitzt das Museum eine Sammlung von Objekten der ländlich-bäuerlichen Kultur aus der Zeit vor der Motorisierung der Landwirtschaft (vor 1950).

Damit sind Gegenstände und dazugehörige Sekundärinformation aller Art von früheren Wohn-, Sozial- und Wirtschaftsformen in Bauernstand, Handwerk und Gewerbe gemeint. Über 100 Wohn- und Wirtschaftsbauten aus der ganzen Schweiz sind zu entdecken und zu bestaunen.

Die stattlichen Bauernhäuser, Apotheke, die bescheidenen Bauten der Taglöhner, die Alpsiedlungen oder die Ställe, Scheunen, Speicher, Waschhäuschen und Dörröfen veranschaulichen als architektonische und als sozialgeschichtliche Zeugen das Alltagsleben und die ländliche Kultur vergangener Zeiten. Nach historischen Vorbildern angelegte Bauerngärten, Äcker, Felder, Wiesen und Weiden umgeben die Hofanlagen.

In den Gebäuden sind Handwerkerinnen und Handwerker anzutreffen, die mit alten Werkzeugen und Geräten traditionelle Arbeiten ausführen. Diverse thematische Ausstellungen vermitteln einen Blick hinter die Kulissen des ländlichen Alltags.

Um sich einen guten Eindruck von typischen Schweizer  Häusern zu verschaffen, kann man aber auch die nahe gelegenen Dörfer Ballenberg und Brienz besuchen.

(Quelle und weitere Informationen: www.ballenberg.ch)

Eindrücke aus dem Freilicht Museum

Wohnungen

Gebäude

Gärten

Winzerdörfer im Wallis

Vieh

Kapelle (Wallis)

Berufe

Chalets

Natur

Der alte Weg nach Bern

Scherenschnitt

Das kleine Versailles L’Isle in der Waadt

Es war im Juni 1291, als der Herr von Cossonay das Grundstück Festaz mit allem, was zu den Inseln, Gewässern und  Armen der Venoge gehörte, von ihrer Quelle bis zum Punkt Chabiez kaufte, um dort eine Stadt zu errichten.

Nachdem sie zu Cossonay, zu Savoyen, zu den Glérens dann zu den Dortans gehörte, fiel die Herrschaft L’Isle (Kanton Waadt) von Esaïe de Chandieu, ursprünglich aus Dauphiné, in 1614 dann an einen von dessen Nachkommen, Charles de Chandieu (1658-1728).

Er machte  Karriere in der Armee Ludwigs XIV. Nach seiner Heirat mit Catherine de Gaudicher renovierte er den alten herrschaftlichen Wohnsitz Isle.

Er und seine Frau Catherine de Gaudicher d’Aversé (1671-1761) wandten sich an einen Neuenburger Architekten, Antoine Favre (um 1659-1557), und  an Jules Hardouin-Mansart, (1646-1708) den Architekten  König Ludwigs XIV (1638-1714). Jules Hardouin-Mansart lieferte seine Pläne im Jahre 1694.

Die Bauarbeiten und die Schaffung vom Französischen Garten in Terrassenform, von Erdgeschossen, verzierten mit Bassins und von zwei Baumalleen. wurden unter der Leitung von Antoine Favre und Catherine de Gaudicher d’Aversé ausgeführt.

Am unteren Ende des Geländes  benutzte man die Gewässer der Venoge, um eine ausgedehnte Wasserfläche mit einem Wasserstrahl aufzustellen.

Das Schloss blieb in den Händen der Familie von Chandieu bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Am 20. Januar 1877 wurde das Schloss an die Gemeinde Isle  verkauft. Sie restaurierte es und liess dort Schulzimmer einrichten, zwei Wohnungen und kommunale Räume. Das Gebäude wurde im Jahre 1941 zum historischen Monument erklärt .

L’Isle ist das erste regionale Beispiel vom Französischen Klassizismus, einem Stil, der in Frankreich unter der Herrschaft Ludwigs XIV insbesondere in den Bauwerken  von Jules Hardouin-Mansart aufblühte.

In der französischen Schweiz bildet das Schloss Isle einen wesentlichen Meilenstein für die Verbreitung dieses Stils, der sowohl das  Aussehen der Gebäude beeinflusste, wie auch die  Inneneinrichtung.

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

(Quelle: Gemeente L’Isle; Swiss Castles) 

Auvernier und der Neuenburgersee

Die erste historische Erwähnung unter dem Namen Averniacum stammt aus dem Jahr 1011, in einem Dokument, das die Schenkung Rudolfs III. (970-1032), des letzten Königs des Königreichs Burgund, bestätigt.

Auvernier liegt am Rande des Neuenburgersees und ist seit der Jungsteinzeit und der gallo-römischen Zeit bewohnt.

Die Pfahlbauten gehören zu den bekanntesten prähistorischen Stätten der Schweiz (und sind UNESCO-Weltkulturerbe). Auf einer Strecke von 1,5 km gibt es mindestens zehn Orte, die bereits zwischen dem vierten und ersten Jahrtausend v. Chr. bewohnt waren (siehe auch das Museum Laténium in Hauterive).

Die Kirche (le temple) und das alte Dorpshaus

Das Dorf entwickelte sich rund um die Fischerei und den Weinbau.

Die Gebäude ‚La Roche‘, 16. Jahrhundert

Die Stadt ist auch für das Schloss von Auvernier (1559) und andere Gebäude, Plätze sowie mittelalterliche Strassen bekannt. Colombier, Auvernier und Bôle formen seit 2013 die Gemeinde Milvignes.

Abraham Mouchet, Bankier und Finanzverwalter der Grafschaft, errichtete im 17. Jahrhundert das Haus.

(Quelle: www.hls-dhs-dss.ch, Auvernier, Michel Egloff und Germain Hausmann, 2019; weitere Informationen: www.milvignes.ch).

Korrektorin: Melinda Fechner

Die Romandie, Latein, Französisch und Patois

Heute ist Französisch die offizielle schriftliche und gesprochene Sprache in der französischsprachigen Schweiz ( den französischsprachigen Kantonen Neuenburg, Jura, Genf, Waadt) und den zweisprachigen Kantonen Freiburg/Fribourg, Wallis/Valais.und Bern/Berne. Hinter dieser heutigen sprachlichen Einheit verbirgt sich jedoch eine grosse Vielfalt.

Das Französische, das nach dem 11. und 12. Jahrhundert allmählich in der Schweiz Eingang fand, konkurrierte jahrhundertelang mit dem Lateinischen und den lokalen Dialekten (Patois).

Der Durchbruch in der Romandie erfolgte erst im 19. Jahrhundert. Das Patois hat jedoch seine Spuren hinterlassen. Dies erklärt, warum das Französische in Neuenburg, Genf, Lausanne (Kanton Waadt), Pruntrut (Kanton Jura) oder Fribourg nicht dasselbe ist.

Das Mittelalter

Die gallo-römische Kultur und Sprache blieben in der Westschweiz noch lange Zeit vorherrschend, nachdem die Römer im 5. Jahrhundert abgezogen waren. Man sprach kein Französisch. In diesem gallo-römischen Gebiet war das Francoprovençal die gesprochene Sprache. Die lokalen Unterschiede, das Patois, waren jedoch gross.

Im heutigen Kanton Jura war die Langue d’oïl die gesprochene Sprache, oder besser gesagt das Franc-comtois. Diese Sprachen wurden ausschliesslich gesprochen. Latein war die Schriftsprache und die Sprache der Kirche und der Elite. In den Burgundischen Königreichen (446-534 und 888-1032) und in den späteren frankischen Königreichen blieb diese Situation unverändert.

Deutsch

Das Deutsch der Alemannen wurde ab dem 5. Jahrhundert in der Westschweiz dominant. Die erste Ausbreitung der alemannischen Sprache fand zwischen dem 5.und 9. Jahrhundert statt. Sie führte zur Germanisierung des oberen Rhonetals (Oberwallis bis Brig), des linken Aareufers (Berner Oberland), des rechten Senseufers und der Region um den Bielersee.

Die zweite deutschsprachige Expansion fand vom 11. bis zum 13. Jahrhundert statt, und zwar in Visp und Raron durch die Walser, am linken Ufer der Sense, in der Gegend von Murten und im Seeland (Gebiet zwischen Bieler-, Murten- und Neuenburgersee) und am linken Ufer des Bielersees durch die Alemannischen Siedler.

L’Armorial von Jacques Huguenin (1642-1728).

Im 16. und 17. Jahhundert

Im 15. Jahrhundert tauchten in der Romandie die ersten literarischen Texte in französischer Sprache auf, die Patois-Literatur erst im 16. Jahrhundert.

Zu Beginn der Reformation (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) gab es in der Romandie drei Sprachen. Das Patois und seine zahlreichen lokalen Dialekte waren die Muttersprache der meisten Einwohner.

Das Französische gewann in dieser Zeit jedoch an Bedeutung, insbesondere unter der städtischen protestantischen Elite. Es war eine Sprache des Prestiges und des geschriebenen Wortes (die Bibel!).

Latein war hauptsächlich die Sprache der Rechtsdokumente, der Universitäten, der Gelehrten und der katholischen Kirche. Mit der Reformation nahm die Bedeutung des Lateinischen in den protestantischen Kantonen rasch ab.

Die gesprochenen Sprachen Patois und Französisch existierten noch lange nebeneinander, auch nachdem im 17. Jahrhundert fast 80 000 französische Hugenotten in die Romandie geflohen waren.

La Petite Chronique von Jeanne de Jussie, in  Gustave Revilliod (éd), Levain du calvinisme ou commencement de l’hérésie de Genève, Genf 1853.

Das 18. und 19. Jahrhundert

Die Situation änderte sich jedoch im späten 18. Jahrhundert und in der französischen Epoche (1798-1813). Französisch wurde zur dominierenden Sprache im Alltag, im Unterricht und in der Verwaltung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschwand das Patois in den protestantischen städtischen und industrialisierten Gebieten (Genf, Waadt, Neuchâtel und Berner Jura).

In anderen Kantonen hielt sich das Patois länger, manchmal bis heute, wie in Evolène im Val d’Hérens im Wallis. Das Patois im Wallis nimmt heute eine ebenso besondere Stellung ein wie das in diesem Kanton gesprochene Deutsch.

Louis Gauchat. Foto: Wikipedia

Ende des 19. Jahrhunderts stellte Louis Gauchat ein grosses Wörterbuch des Patois und seiner zahlreichen lokalen Dialekte zusammen, le Glossaire des patois de la Suisse romande (Glossar der Patois der französischen Schweiz). Fast zehn Jahre lang sammelte er Informationen mithilfe von Fragebögen. Er erhielt mehr als 500.000 Reaktionen! Sie sind nach wie vor die wichtigste Quelle für die aktuellen Kenntnisse des Patois. Sein Glossar wird noch immer wieder ergänzt und ist eine unschätzbare Quelle des Wissens über das Patois.

Das 20. und 21. Jahrhundert

In der heutigen Romandie ist Französisch die Sprache des täglichen Lebens, sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form. Das Patois wird nur in einigen Dörfern in den Kantonen Wallis, Freiburg und Jura gesprochen. Spuren des Patois sind jedoch auf lokaler Ebene, in Orts- und Familiennamen sichtbar.

L’Atlas linguistique audiovisuel des dialectes francoprovençaux du Valais romand (ALAVAL)

Der Bundesrat hat den siebten Bericht der Schweiz über die Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarats an seiner Sitzung vom 7.12.2018 verabschiedet.

Mit diesem Bericht anerkennt der Bundesrat Frankoprovenzalisch und Franc-Comtois als Minderheitensprachen. Der Bericht gibt einen Überblick über die Entwicklungen der Sprachpolitik in der Schweiz, insbesondere über die Förderung der italienischen Sprache und des schulischen Austauschs sowie über jüngste Entwicklungen im Unterricht der Landessprachen in der Primarschule und über die Situation des Rätoromanischen.

(Quelle: A. Paravicni Bagliani, J.-P. Felber, J.-D. Morerod, V. Pasche, Les Romands au Moyen Age, Lausanne 1997); Bibliothèque Publique Neuchâtel, Ausstellung: Pourqoui parle-t-on le français en Suisse romande? Neuenburg, 2022

Korrektorin: Eva Maria Fahrni

Die Schweizer Polizei

Die föderalistische Struktur der Schweiz widerspiegelt sich auch in der Struktur der Polizeilandschaft. Auf der Ebene des Bundes besteht  keine umfassende Zuständigkeit im Polizeibereich. Die Bundesverfassung überträgt dem Bund nur polizeiliche Aufgaben in einzelnen, begrenzten Sachbereichen.

In der Schweiz haben grundsätzlich die 26 Kantone die Polizeihoheit inne. Es handelt sich dabei um eine originäre Zuständigkeit der Kantone, also eine Zuständigkeit, die bereits bestand, als es die Schweizerische Bundesverfassung von 1848 noch nicht gab.

Die Kantone sind somit für die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf ihrem Territorium verantwortlich. Der zweite Hauptaufgabenbereich der kantonalen Polizeikorps ist die Wahrnehmung der kriminalpolizeilichen Aufgaben (Strafverfolgung).

Der Bund

Die Bundesverfassung überträgt dem Bund im polizeilichen Bereich die folgenden Aufgabenbereiche:

Schutz der Personen und Gebäude des Bundes einschliesslich der völkerrechtlichen Schutzpflichten; polizeiliche Befugnisse im Zusammenhang mit der Wahrnehmung der zollrechtlichen Aufgaben; Gewährleistung der Sicherheit in den Bereichen öffentlicher Verkehr und Luftverkehr; polizeiliche Befugnisse innerhalb der Armee.

File:PoliziaFederaleSvizerraIT.png - WikipediaDas Bundesamt für Polizei

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) hat die Funktion des allgemeinen Polizeiamtes des Bundes. Fedpol ist einheitliche Ansprechstelle für die Polizeikorps des In- und Auslandes und erfüllt als Polizeiamt des Bundes kriminal-, sicherheits-, verwaltungspolizeiliche und unterstützende polizeiliche Aufgaben.

Im Fedpol sind auch Koordinationsstellen angesiedelt, welche gewisse grenzüberschreitende Themenbereiche für die Polizeiarbeit in den Kantonen koordinieren. Zu nennen ist insbesondere die Bekämpfung der Internetkriminalität- und des organisierten Verbrechens und die Bemühungen zur Bekämpfung des Menschenhandels und Menschenschmuggels.

Polizeiunterstützung wird namentlich mit den polizeilichen Informationssystemen geleistet, die von Fedpol zugunsten der Strafverfolgungsorgane der Kantone und des Bundes betrieben werden. Ausserdem ist Fedpol die nationale Plattform in Sachen Information, Koordination und Analyse für kantonale und internationale Partner im polizeilichen Bereich.

Der Bund nimmt auch im kriminalpolizeilichen Bereich keinen umfassenden, sondern einen sachlich begrenzten Aufgabenbereich wahr.

Der Bund (die Bundesanwaltschaft) ist mit der Bundeskriminalpolizei von Fedpol als Gerichtspolizei für die Verfolgung eines definierten Kreises von Straftatbeständen zuständig. Dazu gehören das organisierte Verbrechen, die Terrorismusfinanzierung und komplexe Fälle im Bereich der Wirtschaftskriminalität.

Die kriminalpolizeilichen Aufgaben werden von der Bundeskriminalpolizei (BKP) wahrgenommen. Der Bundessicherheitsdienst (BSD) erfüllt die sicherheitspolizeiliche Aufgabe des Schutzes von Personen und Gebäuden.

Die Armee

Die Armee nimmt innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs ebenfalls bestimmte polizeiliche Aufgaben auf Stufe Bund wahr. Diese Aufgaben werden gestützt auf eigenständige Rechtsgrundlagen im Militärrecht wahrgenommen.

Die Armee unterstützt zudem die zivilen Behörden subsidiär bei der Abwehr schwerwiegender Bedrohungen der inneren Sicherheit und bei der Bewältigung ausserordentlicher Situationen, Veranstaltungen oder Anlässe (zum Beispiel dem World Economic Form).

Der Nachrichtendienst

Die nachrichtendienstlichen Tätigkeit wird vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wahrgenommen, der im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) angesiedelt ist.

Das Grenzwachtkorps

Das Schweizerische Grenzwachtkorps (GWK) ist der uniformierte und bewaffnete Teil der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) und gehört damit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) an. Das GWK nimmt Zoll-, sicherheitspolizeiliche- und Migrationsaufgaben wahr.

Die Kantone

Polizeikorps Basel-Landschaft, Polizeiposten Allschwil. ‚1991, 700 Jahre Eidgenossenschaft‘. Foto: TES  

Die Aufgaben und Befugnisse sowie die Organisation ihres Polizeikorps regelt die Mehrzahl der Kantone in einem umfassenden kantonalen Polizeigesetz.

Bezüglich der Ausgestaltung der Befugnisse und Pflichten der Polizistinnen und Polizisten stimmen die verschiedenen Polizeigesetze weitgehend miteinander überein.

Der Ursprung der meisten Polizeikorps liegt im ersten Jahrzehnt des 19 . Jahrhunderts in der neuen Konföderation (1803-1813) und ist nicht identisch mit der Reihenfolge des Beitritts der Kantone zur Eidgenossenschaft. Die schweizerische Tradition ist es, dass jedes Polizeikorps seine individuellen Uniformen und Abzeichen hat.

Bei der Organisation ihrer Polizei, einschliesslich Ausbildung, Bewaffnung, Ausrüstung und Uniformierung haben die Kantone demgegenüber weitgehende Gestaltungsfreiheit. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit zwischen den Korps eng.

Die kantonalen Polizeikorps verfügen zudem über Sondereinheiten, Interventionsgruppen und Spezial-Organisationen wie zum Beispiel die Seepolizei oder die Flughafenpolizei.

Interkantonal arbeiten die Kantone im Rahmen regionaler Polizeikonkordate zusammen. Weiter sind die Kantone gemeinsam mit dem Bund gegenwärtig daran, die Polizeiinformatik zu harmonisieren.

Die Gemeinde

Neben den Kantonspolizeien spielen auch die Gemeinde- bzw. Stadtpolizeien eine wichtige Rolle. Gemeindepolizeien sind vor allem in Kantonen entstanden, die geografisch stark zergliedert sind (wie typischerweise im Wallis oder in Graubünden) oder deren Gemeinden traditionellerweise eine hohe Autonomie geniessen. Andere Kantone wiederum kennen keine Gemeindepolizei. Neben kantonalen Korps gibt es noch ca. 300 Gemeindepolizeien.

(Quelle und weitere Informationen: www.admin.ch; www.polizei.ch)

Korrektorin: Petra Ehrismann

Neues Korrekturprogramm

Im Rahmen des Projekts «Programs da correctura ortografica rumantscha» lancieren die Pro Svizra Rumantscha und die Lia Rumantscha einen neuen «Spellchecker», ein Programm zur Korrektur geschriebener Texte mit und auf dem Computer. Es handelt sich um ein Tool, das den Gebrauch der geschriebenen Sprache unterstützt.

Bei Abschluss des Projekts sollen sechs Korrekturprogramme – für Puter, Surmiran, Sursilvan, Sutsilvan, Vallader und Rumantsch Grischun – verfügbar sein, die in verschiedene Betriebssysteme und Programme integriert werden können. In einem ersten Schritt wird jetzt ein Korrekturprogramm für das Surmiran zugänglich gemacht.

Für grosse Sprachen stehen solche Programme bereits seit Jahrzehnten in bewährter Manier zur Verfügung, für das Romanische gibt es aber bis heute nur wenige Lösungen.

Um Abhilfe zu schaffen, haben die Pro Svizra Rumantscha und die Lia Rumantscha Anfang 2022 das Projekt «Programs da correctura ortografica rumantscha» initiiert mit dem Ziel, in Zukunft allen Rätoromaninnen und Rätoromanen, aber auch all jenen Personen, die Romanisch schreiben wollen, ein Korrekturprogramm zur Verfügung zu stellen.

Das Projekt wird vom Bundesamt für Kultur im Rahmen der Förderung der romanischen Sprache und Kultur in der Diaspora finanziell unterstützt.

(Quelle und weitere Informationen:Pro Svizra Rumantscha; www.rumantsch.ch)

Industrie, die Natur, die Aare und die Emme

Während 130 Jahren wurde auf dem Attisholz-Areal nahe Riedholz (Kanton Solothurn) industriell Cellulose und Papier produziert. Die Fabrik schloss 2016 ihre Türen. Auf der grössten Industriebrache der Schweiz ist jedoch seit 2018 neues Leben erwacht.

Mit der Öffnung 2018 haben sich vielfältige Angebote auf dem Areal etabliert. Mit Live-Konzerten in der Attisholz-Arena, wechselnden Ausstellungen, StreetArt, Restaurants und grossen Freiräumen wird das Areal mit allen Sinnen erlebbar.

In den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren entsteht ein Ort an der Aare für Wohnungen, Arbeit, Forschung, Bildung, Kultur, Kunst, Erholung und Unterhaltung. Attisholz ist ausserdem nur fünf Kilometer entfernt von der Stadt Solothurn

Vom Bahnhof Luterbach-Attisholz aus sind die Schornsteine der Anlage zu sehen. Sie war jedoch nicht die einzige wichtige Industrie-Anlage in diesem Gebiet. Ludwig von Roll (1771-1839) gründete 1813 in Gerlafingen an der Emme eine Schmiede, die zum grössten Stahlproduzenten der Schweiz wurde.

Heute heisst das Unternehmen “Stahl Gerlafingen AG” und ist auf die Herstellung von Stahlprodukten, Maschinenbau und Eisenrecycling spezialisiert.

Diese Industrie in Gerlafingen und das industrielle Erbe in Attisholz beeinträchtigen den landschaftlichen Charakter der Region nicht, wie es in der Schweiz meist der Fall ist. Relativ kleine landwirtschaftliche Betriebe sind in die Täler der bewaldeten Hügellandschaft eingebettet. Landwirtschaft und Kleinviehzucht wechseln sich ab.

Die Brücke über die Emme nahe Gerlafingen

Die Emme, rechts Stahl Gerlafingen AG. November 2022

Dieses ausgewogene Gleichgewicht zwischen Natur, Umwelt und menschlichen Aktivitäten ist zum Teil das Ergebnis jahrzehntelanger Beratungen zwischen Gremien von Bund und Kantonen sowie Interessengruppen aus Industrie, Landwirtschaft und Umweltorganisationen. Mehrere Volksabstimmungen haben direkt zur Akzeptanz und Unterstützung dieser Massnahmen beigetragen.

Der Altisberg

Der höchste Berg in dieser Region ist zwar kein Berg, nennt sich aber so: der Altisberg mit 496 Metern. Die Niederlande sind also nicht das einzige Land, das bei der Namensgebung grosszügig ist: der St. Pietersberg (171 Meter) oder der höchste Berg des Landes, der Vaalserberg (322 Meter). Doch wie in der Schweiz haben auch diese Hügel, die Berge genannt werden, ihre Schönheit und ihren Charakter.

Schon seit Tausenden von Jahren dienen Flüsse als Transportwege für Holz. Ist das Holz dabei zusammengebunden, spricht man vom Flössen oder Schwemmen. Wenn die Holzstämme lose im Wasser liegen, spricht man vom Triften (treiben lassen). Auch die Emme hat man einst für den Transport von Holz aus den Wäldern des Emmentals und Oberlands ins Unterland bis Rotterdam, Dordrecht und Amsterdam!

Das Flössen war eine gefährliche Arbeit, die viel Geschick und Erfahrung verlangte. Es galt sich selber zu schützen und darauf zu achten, dass sich die grossen Baumstämme ungehindert flussabwärts bewegen konnten. Dazu wurden die Stämme mit Haken aneinander geheftet – die Bundhaken, wie sie in den Wappen von Biberist und Gerlafingen gezeigt werden.

Dank der Holztrift hat sich bereits früh die erste Industrie an der Emme angesiedelt. Zeugen davon sind z.B. die Stahlwerke in Gerlafingen.

Einwohnergemeinde Gerlafingen                      Einwohnergemeinde Biberist   

Die Emme

Ein weiterer wichtiger und interessanter Landschaftsaspekt ist die Emme. Die Emme entspringt im Gebiet zwischen dem Hohgant und dem. Die Emme hat zwei Gesichter. Dieser Fluss kann sich innerhalb weniger Tage von einem kleinen Rinnsal zu einer wirbelnden Wassermasse entwickeln.

Die Auenlandschaft

Die Emme nahe Burgdorf, August 2022

Das hotel Kemmeriboden Bad (Kanton Bern) wurde im Juli 2022 von der Emme überschwemmt, nachdem es in einem knochentrockenen Sommer kurzzeitig stark geregnet hatte. Einige Wochen später war der Fluss praktisch wieder ausgetrocknet!

Gerlafingen. die Orthogneis von Bodio Tessin

Um die Emme und ihre zahlreichen Zuflüsse und Bäche in den Griff zu bekommen, finanzierten der Bund, der Kanton Solothurn und die Gemeinden Gerlafingen, Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil im Zeitraum 2010-2020 einen verbesserten Hochwasserschutz und die Revitalisierung des Naturschutzgebietes (Kosten: 1,5 Mrd. CHF).

(Quelle und weitere informationen: Kanton Solothurn Tourismus)