Der Ceneri-Basistunnel

Am Freitag, den 4. September wurde der Ceneri-Basistunnel am Monte Ceneri im Kanton Tessin eröffnet. Dieser Tunnel vervollständigt das Projekt NEAT (Die NEue AlpenTransversale), die grösste und teuerste Infrastruktur des Landes.

Am 13. Dezember, um 06.00 Uhr morgens, wird der erste Zug von Lugano in Richtung Norden fahren.

Der Tunnel ist 15,4 Kilometer lang und verbindet Camorino bei Bellinzona mit Lugano. Der Tunnel (34,6 km) durch den Lötschberg wurde bereits 2007 in Betrieb genommen.

Der Gotthard-Basistunnel wurde am 1. Juni 2016 eröffnet.  Die Schweiz hat damit ihre (europäischen) Vertragsverpflichtungen erfüllt und das Ergebnis der Volksabstimmung in den 1990er Jahren respektiert. Pacta sunt servanda.

Die Kosten belaufen sich auf rund 23 Milliarden CHF, die von der Schweiz bezahlt werden.

Der Gotthard-Strassentunnel (über 16 km lang), der am 5. September 1980 eingeweiht wurde, bedeutete auch eine erhebliche Verkürzung der Reisezeit für den Strassenverkehr.

Mit der Fertigstellung des NEAT-Projekts hat das geografische Herz Europas dem europäischen Güterverkehr (erneut) einen enormen Dienst bei der Verkürzung der Reisezeiten erwiesen.

Auch der italienischsprachige Kanton Tessin wird mit dem Ceneri-Tunnel zwischen den Städten Bellinzona, Lugano und Locarno oder der Città Ticino, einer Art Grossraum wie London oder der Randstad der Niederlande (Den Haag, Utrecht, Rotterdam und Amsterdam) eine bessere Infrastruktur erhalten.

Langfristig verbindet sie auch Teile Norditaliens (Genua, Mailand, Como, Mendrisio-Varese (Maplensa), Novara) miteinander.

Container können dann aus Rotterdam über diese Verbindung direkt per Zug nach Norditalien transportiert werden.

Die Riviera und la Witi von Solothurn

Die Stadt Solothurn, so auch der Name des Kantons, war von 1530 bis 1792 Sitz derBotschaft des französischen Königreichs.

Im Bündnis von dreizehn meistens deutschsprachigen Orten oder Kantonen der Eidgenossenschaft, war Französisch die Sprache der Diplomatie. Die Elite in den westlichen Kantonen Bern, Solothurn und Freiburg (Fribourg) sprach auch Französisch, Freiburg was even zweisprachig.

Die Kantone Neuenburg (französisches und preussisches Fürstentum 1504-1857)), Wallis (assoziiertes Mitglied der Eidgenossenschaft), Waadt (besetztes Gebiet von Bern und Freiburg), Genf (unabhängige Grafschaft bzw. Diözese) und der Jura (Prinz-Bistum Basel) waren dem noch nicht angeschlossen.

Viele Gebäude erinnern an den französischen (königlichen) Einfluss in Solothurn, Hotel La Couronne, die barocke St. Ursen-Kathedrale und die vielen Stadtpaläste, zum Beispiel.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu Frankreich bestanden hauptsächlich aus den lukrativen Söldnerverträgen. Tausende von Solothurner Männern kämpften und starben für den französischen König.

Auch die (mediterrane) Küche, das Savoir-vivre und das hohe Niveau (und die Subventionen) von Kultur, Museen und Theatern würden von dem jahrhundertelangen französischen Einfluss zeugen.

Solothurn hat sogar eine Riviera, jedenfalls nennen die Einwohner die Landhausquai  entlang der Aare so.

Bei gutem Wetter und mit gutem Willen sieht sie tatsächlich ein bisschen aus wie die Französische Riviera.

Die Aare Ebene, die Witi, zwischen Solothurn und Grenchen

Weiterbauen

Die Denkmaltage (European Heritage Days) vom 12. und 13. September 2020 laden zur Debatte ein über die Städte, Dörfer und Häuser. Wie kann man sie erhalten und gleichzeitig neue, qualitätsvolle Wohn- und Freiräume im bebauten Raum schaffen?

Mit dem Thema «Weiterbauen» greifen diese Denkmaltage aktuelle Fragen auf. Über tausend kostenlose Führungen, Spaziergänge, Ateliers oder Gesprächsrunden stehen in der ganzen Schweiz zur Auswahl.

Das Bedürfnis nach Wohnfläche und Mobilität steigt kontinuierlich. Gleichzeitig soll dem Siedlungswachstum Einhalt geboten werden. Damit sich die Menschen in einem verdichteten Umfeld wohl fühlen, muss mit hoher Qualität weitergebaut werden. Dazu gehört auch der verantwortungsbewusste Umgang mit dem baukulturellen Erbe.

Die Denkmaltage präsentieren Beispiele zu Anbauen, Aufstocken, Transformieren, Neubauen. Anhand dieser Beispiele werden die Interessenkonflikte zwischen dem Schutz des baukulturellen Erbes, den Bedürfnissen der Menschen und der inneren Verdichtung diskutiert.

Die Denkmaltage 2020 zeigen beispielsweise wie aus einer Milchfabrik eine Hochschule wurde, wie ein Brand in einem Parlamentsgebäude in ein architektonisches Meisterwerk mündete oder wie ein unbewohntes Bauernhaus und dessen Scheune zu einem Wohnhaus transformiert wurde. (Quelle und weitere Informationen: www.nike-kulturerbe.ch und www.europeanheritagedays.com).

Neunzig Jahre Glacier Express

Vor neunzig Jahren fuhr der erste Glacier Express der Rhätischen Bahn von St. Moritz über Reichenau, Disentis, Andermatt, Gletsch und Brig nach Zermatt.

Die Strecke wurde seither mehrfach angepasst und erweitert und umfasst die Kantone Graubünden, Wallis und Uri.

Sie überquert die Engadiner Seenlandschaft, zahlreiche Viadukte, darunter das berühmte Landwasserviadukt, und natürlich das Matterhorngebiet.

Zu Beginn kamen die Touristen hauptsächlich aus Europa. Nach 1950 nahm die Zahl der amerikanischen Touristen stark zu, auch dank der grossen Aufmerksamkeit der Fernsehstationen.

Seit den 1980er Jahren kamen dann auch immer mehr asiatische und arabische Touristen, sodass in den 1990er-Jahren bereits mehr als acht Millionen Passagiere durch den Zug befördert wurden.

Auch Service und Erscheinungsbild haben sich seit 1930 dramatisch verändert, was zum Teil auf moderne Medien und Luxuswagen zurückzuführen ist.

Erst 1986 erhielt der Zug jedoch die heute so typische rote Farbe. Unverändert geblieben ist nur die herrliche Alpenlandschaft, abgesehen von den verschwindenden Gletschern natürlich.

(Quelle: www.glacierexpress.ch).

Helias Helye und das erste Buch mit Datierung

Im Jahre 1470 druckte Helias Helye (1400-1475) das erste Buch mit Datierung auf dem Gebiet der heutigen Schweiz.

In seinem Haus in Beromünster, dem heutigen Museum (Schloss-Museum), begann er im Alter von siebzig Jahren seine neue Karriere als Buchdrucker.

Bis dahin war er Chorherr in Beromünster und Pfarrer in Neudorf. In seinen jungen Jahren hatte er in Basel studiert und gelebt, wo er die Anfänge der Verlags- und Druckwelt kennen gelernt hatte, insbesondere zur Zeit des Basler Konzils (1431-1448).

Das erste Buch mit Datierung stammt jedoch aus seiner Druckerei. Es ist ein Lehrbuch für die Bibel, das ‚Mammotrectus super Bibliam‘.

Das Buch zählt sechshundert Seiten und ist in lateinischer Sprache geschrieben. Obwohl es kommerziell nicht erfolgreich war und seine Druckerei sogar in Konkurs ging, druckte er bis zu seinem Tod im Jahr 1475 fünf weitere Bücher.

Helias wurde in Zürich geboren und lebte in Beromünster. Seine Eltern stammen jedoch aus dem Laufental und er war auch Bürger von Laufen.

Aus diesem Grund steht in Laufen (heute Kanton Basel-Landschaft (bis 1798 gehörte Laufen zum Bistum und zur Stadt Basel)) eine Statue dieses vergessenen Druckers und Pioniers.

(Quelle und weitere Informationen: www.schlossberomuenster.ch).

Das Licht Graubündens

Graubünden, der grösste Kanton der Schweiz, ist zugleich auch der einzige  Dreisprachige. Zu den dort vertretenen Sprachen zählen Rätoromanisch, Italienisch und Deutsch.

Das Dorf Lü im Münstertal (Val Müstair auf Romanisch) liegt auf einer Höhe von 1920 m ü. M. in einem der fünf romanischen Sprachgebiete.

Das Dorf umfasst ca. fünfzehn Häuser im schönen Engadiner Stil, einschliesslich der Graffiti, einem Wort, das aus dem Engadin stammt.

Zudem liegt das Dorf am Rande des schönen Biosphärenreservats (Biosfera Val Müstair) und ist Ausgangspunkt für verschiedene Wanderwege.

2009 wurde das Dorf wegen seiner reinen Luft als Zentrum für astronomische Forschung und Bildung ausgewählt. Das Astrovillage wurde leider geschlossen, sondern auch ohne Astrovillage bleibt die Luft rein, der Sternenhimmel und das Biosphärenreservat ebenso beeindruckend und das Dorf ebenso charakteristisch für das Engadin.

(Quelle und weitere Informationen: Biosfera | Val Müstair)

Basel als europäisches Zentrum

Die Dynamik des wirtschaftlichen und sozialen Wandels in Westeuropa im 19. Jahrhundert und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs markierten die Auflösung einer überwiegend landwirtschaftlichen und eng hierarchisch gegliederten gesellschaftlichen Ordnung, die über viele Jahrhunderte überlebt hatte.

Basel war schon immer ein europäisches Zentrum der Ideen, des Handels, der Gedankenfreiheit, des Kosmopolitismus und der Multikulturalität, der Druckerei und der Kunst.

Seine Bürger haben sich stets für die Einführung moderner Architektur und für die Präsentation aussereuropäischer Kulturen eingesetzt (als eine der wenigen nicht-kolonialen Nationen Westeuropas).

Das Museum für Völkerkunde wurde 1849 von Missionaren und Schweizer Reisenden und Sammlern gegründet.

Reiche Familien, wie die Amerbachs, Faeschs und Feschs, sammelten Kunst und stellten sie der Öffentlichkeit vor; es wurden Kunstvereine und viele Museen gegründet.

Dieses Erbe macht Basel zu einem der kulturellen Zentren der Schweiz und Europas.

(Quelle: S. Eisenman, Nineteenth Century Art. A Critical History, London 2011).

 Korrektorin: Melinda Fechner

Die Schweizerische Quelle der Verjüngung

Was haben Winston Churchill, Konrad Adenauer, Dwight Eisenhower, Charles de Gaulle, Miles Davis, Pablo Picasso, Marlene Dietrich und Marilyn Monroe gemeinsam? Alle haben die Klinik La Prairie in Montreux für kürzere oder längere Zeit besucht.

In der Schweiz gibt es viele Grand-Hotels und Spitäler. Eine Kombination dieser Beiden ist jedoch eine Besonderheit. Das Prinzip besteht darin, medizinische Versorgung in einer Umgebung und mit dem Service eines Grand-Hotels anzubieten.

Die Pflege des Körpers hat in der Schweiz eine lange Tradition, die bis zu den ersten römischen Bädern in Baden im Kanton Aargau zurückreicht.

Bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts war dies der berühmteste Badeort des Landes. Sein Ansehen war so gross, dass in dieser Stadt der Friedensvertrag des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) unterzeichnet wurde.

Im neunzehnten Jahrhundert erlebte dieser Sektor ein grosses Wachstum, insbesondere in Graubünden und rund um den Genfersee.

Im Jahr 1848 hatte das Land nicht weniger als 350 registrierte und anerkannte Badehäuser/Kliniken und Wasserquellen.

Thomas Mann, Victor Hugo und auch Léon Tolstoi machten diese unter anderem zum Thema ihrer Romane.

Auch das Konzept der Luxuskliniken stammt aus dieser Zeit. Das reiche Bürgertum und die Aristokratie Europas und Amerikas besuchten diese bis zum Ersten Weltkrieg recht häufig.

Nach 1945 erlebte dieser Sektor einen Rückgang. Das Blatt scheint sich jedoch zu wenden. Gesundheit in einer angenehmen Umgebung erhält eine immer höhere Priorität.

Die Kombination von medizinischer Versorgung in einer Hotelumgebung zieht immer mehr (wohlhabende) Besucher/Patienten an.

 Die Klinik La Prairie ist dafür ein schönes Beispiel.

Der Palast Tondü

Seit seiner Gründung in den Jahren 1798-1815 hatte der Kanton Tessin nie so viele Deutschschweizer(innen) zu Gast wie im Sommer des Jahres 2020. Die Ursache dafür liegt hauptsächlich bei der sanitären Krise.

So wird die Corona-Krise zum Anlass einer Entdeckung dieses schönen Kantons. Doch wie viele Menschen kennen den Tondü-Palast im Dorf Lionza bei Locarno ?

Heute zählt das Dorf nur noch zwanzig Einwohner, viel weniger als im neunzehnten Jahrhundert. In der Mitte des Dorfes befindet sich ein grosser, verlassener Palast aus dem siebzehnten Jahrhundert.

Dieser typisch italienische Palast auf einer Höhe von 780 Metern in einem kleinen Dorf wurde zwischen 1650 und 1690 erbaut.

Alles begann mit dem Schornsteinfeger Andrea Tondü, der im siebzehnten Jahrhundert mit seinen beiden Söhnen nach Parma emigrierte.

Seine Söhne machten später ein Vermögen und bauten den Palast in ihrem Heimatdorf. Danach betrieb die Familie Seidenhandel und Bankgeschäfte und liess sich in Parma nieder.

Der Palast in Tondü wurde zur Sommerresidenz. Pietro Antonio Tondü wurde am Ende des siebzehnten Jahrhunderts sogar Intendant des Herzogs von Parma.

Im Jahr 1784 schenkte die Familie Tondü den Palast dem Dorf Lionza. Das Dokument, Legato Tondü, ist erhalten geblieben.

Seit jener Zeit ist der Palast nicht mehr bewohnt und hat die Multifunktion eines Hauses für die Dorfbewohner. Es gibt Pläne ihn zu renovieren: als Restaurant, Gefängnis, Loft für Künstler oder Museum.

Nur die Zeit wird es nach mehr als zweihundert Jahren des Leerstandes zeigen.

(Quelle: Fondazione casa Tondü di Lionza, www.palazzotondu.ch).

Vecchio Monastero in Poschiavo

Der erste Bau des Klosters stammt aus dem Jahr 1629. Eine grössere Erweiterung und Renovierung fand 1654 statt.

Der Bau aus dieser Zeit ist gut erhalten. Zum ersten Mal in der fast vierhundertjährigen Geschichte ist das Kloster an einen Hotelunternehmer verpachtet.

Ursprünglich war es ein Frauenkloster des Ursulinerordens, 1684 ging das Kloster unter dem Namen Santa Maria an den Augustinerorden über.

Im Jahr 1972 ersetzte ein neues Kloster die Anlage und die Klostergemeinschaft verliess das alte Kloster, das aus diesem Grund Vecchio Monastero heisst. Das Kloster ist heute ein Zentrum für Reflexion, Ökumene, Spiritualität und Kultur.

(Weitere Informationen: www.vecchio-monastero.ch).